DFB-Elf auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel!

von knospepeter

War es vielleicht ein Zeichen? Bereits in der 2. Minute musste Deutschland gegen die Niederlande das 0:1 hinnehmen, Erinnerungen wurden wach, genauso war es 1974 im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Am Ende siegte Deutschland mit 2:1 und wurde Weltmeister! Diesen Titel hat Bundestrainer Julian Nagelsmann auch als Ziel für die nächste Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada ausgegeben. In Amsterdam gewann die DFB-Elf nicht, aber sie wehrte sich, der Spaß kam zu kurz, aber der Kampfgeist war beeindruckend, am Ende kam ein 2:2 heraus und ein Fazit, das Mut macht: Die Nagelsmänner sind auf dem richtigen Weg, aber natürlich noch nicht am Ziel. Einiges an Arbeit bleibt, aber es ist ja auch noch ein bisschen Zeit. Die ersten Spiele der Nations League, erste Bewährungsprobe nach der Europameisterschaft, haben jedenfalls gezeigt, dass Deutschland wieder zur Weltklasse gehört. Vom Titel darf man zumindest träumen.

Auffallend in der ersten Phase der Nations League war, dass nicht nur Deutschlands Team vor einem Neuaufbau steht. Italien trat mit der jüngsten Mannschaft aller Zeiten an, überraschte gegen Frankreich und ist nach dem Sieg in Israel vor Belgien und den Franzosen Tabellenführer der Gruppe 2. Bei Europameister Spanien hapert es noch ein bisschen, aber schon bei der EM standen junge Spieler, vor allem die Talente Yamal und Williams, im Vordergrund. Andere Sorgen hat Frankreich, da ist Trainer Didier Deschamps nach dem 0:2 in Italien unter Druck geraten, vor allem, weil es offensichtlich in der Mannschaft nicht stimmt. Kapitän und Star Kylian Mbappé wird im Team mehr und mehr zum Außenseiter, das konnte auch das 2:0 gegen Belgien nicht übertünchen. Aber auch Domenico Tedesco steht bei Belgien unter Druck, auch da mosert mit Kevin de Bruyne der Kapitän über den Trainer und die Leistung. Eitel Sonnenschein dagegen in England, wo Kapitän Harry Kane angesichts seines 100. Länderspiels gegen Finnland mit goldenen Schuhen antrat und höchstpersönlich die zwei Tore zum 2:0-Sieg erzielte. Der Lohn zum besonderen Jubiläum war dann zudem eine goldene Kappe. Kane ist auf dem Weg Englands Rekordnationalspieler zu werden, 28 Spiele fehlen allerdings noch.

Eitel Sonnenschein herrschte in der deutschen Mannschaft nicht, aber Zufriedenheit, denn Verband, Trainer und Spieler können zuversichtlich in die Zukunft schauen. Jürgen Nagelsmann hatte die richtige Entscheidung getroffen, als er den Kader der Auswahl veränderte, als er auf die Chemie im Team besonderen Wert legte und der Jugend eine Chance gab. Von Gnabry, Süle, Hummels oder Brandt redet heute keiner mehr, die Rücktritte von Neuer, Kroos, Müller und Gündogan konnten fast schmerzlos kompensiert werden. Geredet wird heute über die Zauberer Musiala und Wirtz, über das Mittelfelduo Andrich und Groß und Hoffnungsträger Pavlovic. Mit Deniz Undav hat sich noch einer in den Blickpunkt gespielt, der zuletzt im zweiten Glied stand.

Aber für Bundestrainer Nagelsmann bleiben für die nächsten Maßnahmen im Oktober (11.10. in Bosnien-Herzegowina, 14. in München Rückspiel gegen die Niederlande) und November (16.11. in Freiburg gegen BH, 19.11. in Ungarn) noch genügend Aufgaben. So macht die Abwehr nach wie vor Sorgen, Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck waren in Amsterdam alles andere als ein Bollwerk. Da fehlte halt doch der Chef Antonio Rüdiger, neben ihm zeigt auch Tah mehr Sicherheit, während Schlotterbeck Platz drei in der Rangordnung an Waldemar Anton verlieren könnte. Als richtige Entscheidung zeigte sich erneut die Versetzung von Joshua Kimmich auf die rechte Außenposition, da wurde der Kapitän zur spielbestimmenden Figur und glänzte als Torschütze.

Kimmich sollte diese Rolle auch im Verein auf Dauer übernehmen und vielleicht mit Trainer Vincent Kompany darüber reden. Da könnte er sich einspielen und würde Platz machen für ein Mittelfeld-Duo Joao Palhinha und Aleksandar Pavlovic. Das Bayern-Talent wird von Nagelsmann als Einwechselspieler an die Aufgabe herangeführt und machte deutlich, dass er Andrich und Groß jederzeit ersetzen kann und ihm auf jeden Fall die Zukunft gehört. Oder ist er jetzt schon die bessere Lösung? Andrich als Abräumer und Groß als Lenker im Mittelfeld können aber durchaus mit Stärken punkten. Nicht verschwiegen werden soll, dass der schwächste Mann auf dem Platz Schiedsrichter Massa war, er fiel auf viele Faller der Niederländer rein und verweigerte Musiala einen klaren Elfmeter, als ihn Xavi im Strafraum traf. Instinktlos außerdem vom Italiener, dass er das Spiel mitten in einem erfolgversprechenden Angriff der Deutschen abpfiff.

Insgesamt hat sich Nagelsmann aber in eine gute Position gebracht, er wird bei den Belastungen der Spieler (siehe den nächsten Blog „Stress für alle: Drei Jahre Fußball ohne Pause“) auch einen breiten Kader benötigen, um bei Verletzungen und Müdigkeit gewappnet zu sein. Das ist auch die Chance für Spieler wie Leroy Sané, der zuletzt verletzt ausfiel, oder neue Namen, die in der Bundesliga glänzen. Nagelsmann betont ja: „Die Tür steht für jeden offen“. Fraglich bleibt nur, ob diejenigen, die zuletzt vor der Tür standen, die Rückkehr schaffen können. Bezeichnend, dass von allen Beteiligten zuletzt immer die tolle Chemie in der Mannschaft gelobt wurde. Zusammenhalt ist vielleicht sogar die wichtigste Basis, um das große Ziel WM-Titel zu erreichen. Die DFB-Elf ist jedenfalls auf dem richtigen Weg.