Start für die Super League der UEFA

von knospepeter

Als einige europäische Spitzenklubs dem Dachverband in die Suppe spucken wollten und von einer Super League im Fußball träumten, da war die Aufregung groß. Noch ein zusätzlicher Wettbewerb und nur für die großen, reichen Vereine, das geht nicht (wobei die „reichen“ Klubs oft große Schuldenberge anhäufen). Aber die UEFA handelte und brachte eine Reform der Champions League auf den Weg, um sie noch attraktiver zu machen. Am Dienstag startet sie nun, die Super League der UEFA, denn die Abkehr von Gruppenspielen hin zu Ligenspielen mit einer Tabelle ist eigentlich nichts anderes und mehr Geld gibt es auch. Allerdings passiert alles unter dem Dach des Verbandes und ist keine Konkurrenz zu den nationalen Ligen. Die Belastung aber steigt, statt 125 sind es jetzt 189 Spiele, was den übertragenden TV-Sender DAZN stolz berichten lässt: „50 Prozent mehr Spiele“. Zweck erfüllt, die Champions League wird noch attraktiver. Ob interessanter, das muss sich erst zeigen. Auf jeden Fall ist dies seit der Einführung der CL als Nachfolger des Europapokals der Landesmeister in der Saison 1992/93 die größte Reform im Profi-Fußball.

Eins ist richtig, der letzte Spieltag der Gruppenphase war oft langweilig, viele Entscheidungen für die K.o.-Runde waren schon gefallen, das soll im Ligensystem anders sein. Alle 36 Mannschaften werden in einer Tabelle gewertet, die ersten Acht steigen direkt ins Achtelfinale auf, die letzten zwölf Teams scheiden aus, ein Weitermachen in der Europa League gibt es nicht. Die 16 Teams der Plätze 9 – 24 spielen in einer Play-Off-Runde die restlichen acht Plätze für das Achtelfinale aus. Damit die neue CL wirklich im Mittelpunkt steht, hat sie in der ersten Woche ein Alleinstellungsmerkmal, die 18 Spiele verteilen sich nur diesmal auf drei Tage von Dienstag bis Donnerstag. Nächste Woche ziehen EL und Conference League nach.

Durch die Aufstockung in allen Wettbewerben und eigenen Erfolgen in der letzten Saison ist die Bundesliga insgesamt gleich mit acht Mannschaften vertreten. In der CL spielen Meister Bayer Leverkusen, Vizemeister VfB Stuttgart, Bayern München, RB Leipzig und Borussia Dortmund, die alle ein Antrittsgeld von fast 19 Millionen Euro kassieren können (rund 20 Prozent mehr als bisher) und sich auch auf die Einnahmen eines vierten Heimspiels statt bisher drei freuen können. Allerdings starten nur die Bayern mit einem Heimspiel gegen Dinamo Zagreb, Stuttgart (bei Titelverteidiger Real Madrid, gleich ein Knaller, beide Dienstag), Dortmund (bei Club Brügge/Mittwoch), Leverkusen (bei Feyenoord Rotterdam) und Leipzig (bei Atletico Madrid/beide Donnerstag) müssen reisen. In der Europa League sind Eintracht Frankfurt und die TSG Hoffenheim dabei, für die Conference League hat sich über die Play-Offs der 1. FC Heidenheim qualifiziert. Keine Frage, der internationale Wettbewerb elektrisiert Vereine und Fans, selbst die drittklassige Conference League ist gut angenommen worden. Motto: Hauptsache Europa!

Ein echtes Spitzenspiel sucht man am ersten Spieltag vergebens, am interessantesten vielleicht die Vergleiche der Mailänder Klubs mit der Premier League, Milan erwartet Liverpool, Inter spielt bei Manchester City. Mal sehen, wie spannend der Ligen-Spielbetrieb wird, jedes Team hat acht Gegner, vier Heim- und vier Auswärtsspiele. Weiter geht es am 1./2. Oktober, die nächsten Spieltage sind 22./23. Oktober, 5./6. und 26./27. November, 10./11. Dezember, 21./22. Januar 2025 und zum Abschluss der Mittwoch, 29. Januar (21 Uhr), wenn alle 18 Spiele aus sportlichen Gründen zur gleichen Zeit stattfinden.

Spitzenteams machen beste Werbung

Die Bundesliga bleibt natürlich für alle Vereine das „Brot und Butter-Geschäft“, Europas Bühne ist die Zugabe, nach der sich alle sehnen. Die Spitzenteams zeigten sich aber in CL-Form und machten gleichzeitig beste Werbung für die Bundesliga. Einen besonderen Freudentag genoss Rekordmeister Bayern München, der sich mit einem 6:1-Kantersieg bei Neuling Holstein Kiel an die Spitze schoss. Erstmals im Jahr 2024 sind die Münchner Tabellenführer, genau seit dem 5. Spieltag im September 23 erstmals wieder ganz oben, danach übernahmen die in der letzten Saison unschlagbaren Leverkusener das Kommando. Bayer strauchelte erstmals wieder gegen Leipzig, die Bayern hatten noch keinen Top-Gegner, umso mehr wird auf das Duell am Samstag, 28. September hingefiebert. Vorher müssen die Münchner noch gegen Zagreb bestehen und zu Werder Bremen (Achtung: Saisonübergreifend acht Spiele ungeschlagen!), dies ohne Sascha Boey, der sich einen Meniskusriss im linken Knie zugezogen hat und wochenlang ausfällt. Dafür zeigt sich Torjäger Harry Kane schon wieder in Bestform, sammelte in Kiel vier Skorerpunkte (drei Tore) und stellte damit einen neuen Rekord auf. In nur 34 BL-Spielen kam er jetzt auf 53 Skorerpunkte, Bester war bisher Erling Haaland (Dortmund), der für 50 Punkte aber 43 Spiele benötigte (Dritter Arjen Robben/Bayern mit 44). Aber auch Leverkusen trumpfte beim 4:1 bei Hoffenheim auf, Dortmund stürzte mit einem 4:2-Sieg Tabellenführer Heidenheim und machte den Weg für die Bayern frei. Auch der VfB Stuttgart zeigte sich gut erholt beim 3:1 in Gladbach und geht mit Schwung ins Abenteuer Champions League und die erste schwere Aufgabe bei Real. Nur Leipzig schwächelte beim 0:0 gegen Union Berlin. Tja, wenn man einen Elfmeter verschießt…

Am Tabellenende sind nach drei Spieltagen drei Mannschaften ohne Punktgewinn. Bedenklich! Vor einem Jahr passierte dies nur dem späteren Absteiger Darmstadt, der am 4. Spieltag beim 3:3 gegen Gladbach seinen ersten Zähler holte. Da sich mit Bochum und Schlusslicht Kiel zwei punktlose Teams direkt gegenüberstehen, wird sich der Zahl der Punktlosen auf jeden Fall verringern. Aufsteiger St. Pauli wird nicht so hoffnungsfroh auf Gegner Leipzig schauen. Jede Serie geht aber einmal zu Ende, das zeigte sich beim FC Augsburg, der nach sieben sieglosen Spielen mit dem 3:1 gegen St. Pauli wieder ein Erfolgserlebnis feierte.

Ein Erfolgserlebnis gab es auch für Schiedsrichter Dr. Felix Brych, der nach 294 Tagen mit der Partie Gladbach – Stuttgart erstmals wieder ein Bundesligaspiel leitete. Ein Kreuzbandriss hatte ihn außer Gefecht gesetzt, doch aufgeben wollte er nicht, er hatte nämlich einen Rekord vor Augen, dafür fehlte gerade mal ein Spiel. Jetzt hat es der Münchner geschafft, Nummer 345 ist erreicht und er alleiniger Rekordhalter.

Rekord der Bayern-Frauen

Einen Rekord konnten auch die Frauen des FC Bayern München vermelden: Der 6:2-Sieg gegen Leipzig bedeutete das 41. ungeschlagene Spiel in Serie in der Bundesliga. Die letzte Niederlage datiert vom 21. Oktober 2022, als das Team beim großen Konkurrenten Wolfsburg 1:2 unterlag, aber damals dennoch in der ersten Saison unter dem neuen Trainer Alexander Straus Meister wurde. Inzwischen wurde das Double geschafft und der Norweger will noch mehr. Allerdings klappt noch nicht alles, aber auch die Bayern-Mädchen stehen an der Spitze, wie es der Verein halt so liebt. Konkurrent Wolfsburg hat noch mit größeren Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen, siegte aber dank Alexandra Popp mit 1:0 bei Aufsteiger Jena. Am Mittwoch wird allerdings im ersten Vergleich mit AC Florenz in der Qualifikation der Champions League Bestform nötig sein. Abwehrchefin Marina Hegering hat übrigens ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet, sie will sich künftig ganz auf den VfL konzentrieren. Ein Schritt, der von der verletzungsanfälligen Spielerin fast erwartet wurde.