Gipfeltreffen ohne Gipfel-Glück
von knospepeter
Was haben die Fußballfans und vor allem die Medien auf dieses Gipfeltreffen der Bundesliga zwischen Rekordmeister Bayern München und Meister Bayer Leverkusen hingefiebert, das Nonplusultra des Fußballs sollte es. Die Fragestellung war einerseits, „wie stark sind die Bayern wirklich?“ und andererseits „kann Leverkusen seinen Siegeszug vom Vorjahr wiederholen?“ (eine Niederlage gegen Leipzig hat es aber schon gegeben). Eine Antwort lieferte das Spiel am Samstag nicht, das 1:1 lässt alles offen, auch wenn die Bayern die überlegene Mannschaft waren und alle Statistiken für sie sprachen. Es war ein Gipfeltreffen ohne Gipfel-Glück und ohne Antworten auf die Fragen. Warten wir es also ab. Wie stark sind die Bayern wirklich? Die nächsten Aufgaben warten am Mittwoch in der Champions League bei Aston Villa und am Sonntag in Frankfurt.
Eine Überraschung lieferten die Bayern schon vor dem Anpfiff, sie liefen in grauen Trikots auf. Wollte sich der Dauermeister der vergangenen Jahre hier als graue Maus klein machen, auf Understatement gegenüber dem Meister? So war es nicht, die Bayern übernahmen von Anfang an das Kommando. Und was war mit dem Duell der beiden Jungstars? „Wusiala“ stand im Mittelpunkt, Florian Wirtz und Jamal Musiala gehört die Zukunft, im direkten Duell gab es nur Musiala, Jamal trumpfte auf, dribbelte die Bayer-Abwehr schwindlig (kam im Endeffekt aber doch nicht durch), von Wirtz sah man nicht viel, einzig eine Gelbe Karte. Dieses Duell war sinnbildlich für das Spiel, Leverkusen machte sich klein, wollte nichts zulassen, kam kaum vor das Bayern-Tor. Einmal nach einem Eckball und schon krachte es (Andrich). Die Bayern hatten 70 zu 30 Prozent Ballbesitz, eine Zwischenbilanz lautete 14:1 Schüsse. Da stand es 1:1, es blieb dabei, weil auch Pfosten und Latte Bayer retteten. Das Gipfel-Glück fehlte.
Ein anderer Jungstar machte auf sich aufmerksam, Aleksandar Pavlovic war der Regent im Mittelfeld, brachte sein Team allerdings in Nöte, eine schlampige Rückgabe führte zum Eckball für Leverkusen, den Andrich anschließend nutzte. Pavlovic glich diesen Lapsus aber vehement aus, mit einem Sonntagsschuss aus ca. 25 m quasi ins Kreuzeck. Weitere Fernschüsse brachten keinen Ertrag. Im erbitterten Kampf gab es nur noch Verletzte, Grimaldi humpelte raus, kurz vor Schluss erwischte es auch Torjäger Harry Kane. Der wurde sowieso ausgeschaltet, zum ersten Mal verzeichnete er in der Bundesliga keinen einzigen Abschluss. Leverkusen ist übrigens am Dienstag gegen AC Mailand gefordert und erwartet am Samstag Aufsteiger Kiel.
Gegenüber dem großen Gipfeltreffen war die Begegnung Wolfsburg – Stuttgart nur ein kleines Gipfeltreffen, das es aber es in sich hatte. Im Mittelpunkt Schiedsrichter Sven Jablonski, den viele als den derzeit besten Schiri halten, doch den Beweis konnte er diesmal nicht antreten. Er schickte VfB-Kapitän Karazor nach einem Zweikampf mit Wolfsburgs Kapitän Arnold mit Gelb-Rot vom Platz, weil er in der ersten Wahrnehmung der Meinung war, der Stuttgarter habe gefoult und war der böse Bube. Die Wahrnehmung hielt nicht lange an, doch eine Zurücknahme war nicht möglich. Tatsache war, Arnold hatte gefoult und Karazor eine Blessur, doch die Stuttgarter waren einen Mann weniger. Jablonski hatte seinen Fehler schnell erkannt („Ich ärgere mich sehr“), konnte ihn aber nicht ausbügeln und der VAR darf bei einer Gelben Karte nicht eingreifen. Eigentlich blöd, bei solchen Konsequenzen. Stuttgart betrieb mit einem späten Ausgleich zum 2:2 wenigstens Schadensbegrenzung.
Ein besonderes Spiel erlebte auch der SC Freiburg, der überraschend Aufsteiger St. Pauli 0:3 unterlag, ein 3:3 wäre möglich gewesen, doch Grifo (eigentlich ein sicherer Schütze) verschoss einen Elfmeter und zwei Freiburger Tore wurden vom VAR einkassiert – knapp Abseits. Pech gehabt. St. Pauli feierte nach 13 Jahren wieder einen Bundesliga-Sieg, na gut, sie waren 13 Jahre auch nicht in der Bundesliga. Auffallend auch Borussia Dortmund, das fast immer Rätsel aufgibt, jetzt gleich mehrere in einem Spiel. Im Revier-Derby lag man gegen Bochum zuerst mit 0:2 hinten, am Ende hieß es doch 4:2 für Dortmund. Zwei Gesichter in einem Spiel, das geht auf Dauer nicht gut.
Start in der Conference League
Am Donnerstag darf auch die dritte Liga im europäischen Wettbewerb an den Start gehen, die Conference League trägt ihre ersten Spiele aus. Aus der Bundesliga ist der 1. FC Heidenheim dabei, der im letzten Jahr als Neuling die Liga fast aufmischte, in dieser Saison zuerst mal Tabellenführer war und am Samstag in Mainz mit einem 2:0 Stärke zeigte. Das muss doch Mut machen, Heidenheim darf am Donnerstag mit einem Heimspiel beginnen, erster Gegner ist um 18.45 Uhr Olimpia Ljubljana aus Slowenien. Könnte doch eine machbare Aufgabe sein. Attraktivster Gegner ist am 28. November Chelsea London
In der Champions League geht es in die zweite Runde, der Stress wird für die Klubs nicht weniger. Von den Bayern und Leverkusen war schon die Rede, Stuttgart hat nach dem guten Auftreten bei Real Madrid mit Sparta Prag einen leichteren Gegner, Borussia Dortmund trifft auf Celtic Glasgow, während RB Leipzig nach Atletico Madrid am Mittwoch mit Juventus Turin den nächsten dicken Brocken vor der Nase hat. In der Europa League starteten Frankfurt und Hoffenheim mit Unentschieden nicht gerade glücklich, vor allem die Eintracht vergab in den letzten Minuten gegen Pilsen einen 3:1-Vorsprung und musste sich mit einem 3:3 begnügen. Jetzt muss Frankfurt nach Istanbul zu Besiktas und Hoffenheim erwartet Dynamo Kiew.
Schwere Aufgaben für die Frauen
Für die Fußball-Frauen beginnt die Champions League am 8./9. Oktober, die Gruppen wurden jetzt ausgelost und dabei haben die deutschen Vertreter Bayern München und VfL Wolfsburg schwere Brocken erwischt, der Einzug ins Viertelfinale wird keine leichte Aufgabe, zumindest Platz zwei in der Gruppe muss es sein. Meister Bayern startet am Donnerstag, 9. (18.45), gleich mit dem Schlagerspiel gegen Arsenal London, danach geht es zu Juventus Turin, ehe zweimal Norwegens Meister Valerenga aus Oslo der Gegner ist. Pokalsieger Wolfsburg hat es nicht leichter, Olympique Lyon war in den letzten Jahren eine der besten Mannschaften, AS Rom machte zuletzt den Bayern Schwierigkeiten, während Galatasaray Istanbul Neuland betritt. Die Auslosung wollte es so, dass mit Titelverteidiger FC Barcelona und Manchester City zwei Favoriten in einer Gruppe sind.
Nagelsmann und die Torhüter-Frage
Nach der stressigen Woche können sich die Mannschaften eigentlich eine Pause gönnen, aber nicht die Nationalspieler, für die geht der Stress weiter, die nächsten Spiele in der Nations League stehen an. Angesichts des dichten Terminkalenders werden immer mehr Manager und Spieler munter und prangern diese Terminflut an. Aber für eine Änderung ist es fürs Erste zu spät (siehe auch den Blog vom 9. September: „Stress für alle: Drei Jahre Fußball ohne Pause“).
Für die deutsche Nationalmannschaft stehen am 11. und 14. Oktober die Spiele gegen Bosnien-Herzogowina und die Niederlande (in München) an. Bundestrainer Julian Nagelsmann wird in dieser Woche sein Aufgebot benennen, aber dabei sicherlich noch nicht verraten, wer seine neue Nummer 1 im Tor wird, nachdem Neuer-Nachfolger Marc-Andre ter Stegen einige Monate lang ausfällt. Vielleicht lässt Nagelsmann die beiden Kandidaten Oliver Baumann und Alexander Nübel je einmal ran, aber die Frage ist auch, wer wird Nummer drei. Das könnte ein Bekannter früherer Aufgebote sein, Leno zum Beispiel, oder Nagelsmann lässt ein Talent aus der U21 reinschnuppern. Ansonsten wird er wohl kaum für Überraschungen sorgen, hat er doch angekündigt, dass derzeit der Kader fast feststeht. Wackelkandidaten könnten höchstens Spieler wie Maximilian Beier (Dortmund) sein, die in ihrem Verein derzeit eher zuschauen.