Nagelsmann auf dem Weg zu Deutschlands neuem Liebling

von knospepeter

Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft haben schon einmal mehr Interesse gefunden, „nur“ 8,5 Millionen Zuschauer interessierten sich am Montag für das Länderspiel gegen die Niederlande und sahen den 1:0-Sieg in der Nations League. Wer nicht geschaut hat, hat zweifellos etwas verpasst und selbst Fußball-Experten reiben sich die Augen und fragen sich, „was ist denn hier los?“ Ausfälle über Ausfälle beim DFB-Team, aber Bundestrainer Julian Nagelsmann nominiert ungerührt junge Spieler nach – und es funktioniert, egal wer auf dem Feld steht. „Leweling hätte ohne die Absagen sicher nicht gespielt“, gestand Nagelsmann, aber der gebürtige Nürnberger, der jetzt das Trikot vom VfB Stuttgart trägt, hat gespielt, nach 100 Sekunden seinen ersten Treffer erzielt (der wegen eines dubiosen Abseits nicht zählte), dann aber in der 64. Minute nach einem Eckball mit einem fulminantem Schuss den Siegtreffer erzielt. Nagelsmann bewies also ein glückliches Händchen.

Der Ex-Bayern-Trainer hat überhaupt bei der Nationalmannschaft ein glückliches Händchen, er feierte am Montag den Jahrestag als Bundestrainer, im September 2023 löste er den unglücklichen, geschassten Hansi Flick ab und krempelte bald bei der DFB-Elf alles um. Nagelsmann zeigte Mut und Gespür, er sorgte wieder für gute Stimmung im Team, verordnete der Mannschaft einen selbstbewussten, offensiven Stil und so übertrug sich die gute Stimmung auch auf die Fans. Das Ziel ist ebenfalls selbstbewusst, bei der WM 2026 will man um den Titel mitspielen. Die Nations League wird auf diesem Weg ernst genommen, Vorbild ist Spanien, das erst die Nations League gewann und dann die Europameisterschaft. Siege auf dieser Ebene sollen zum großen Erfolg führen, die ersten positiven Auswirkungen sind spürbar. Deutschland hat sich durch das 1:0 bereits für die Play-Offs der Nations League im März qualifiziert (Endrunde im Juni) und befindet sich damit zudem in Topf 1 bei der Auslosung der Qualifikation zur WM 2026, geht also dem einen oder anderen Hochkaräter aus dem Weg.

Eine positive Entwicklung, die vor einem Jahr noch nicht abzusehen war und so befindet sich jetzt Julian Nagelsmann auf dem Weg, Deutschlands neuer Liebling zu werden, denn bei Erfolgen ist die Fußball-Nationalmannschaft Deutschlands liebste Mannschaft. Erstaunlich wie der Bundestrainer die Ausfälle klaglos wegsteckte, wie zahlreich sie nämlich waren, zeigt die Tatsache, dass mit Wirtz, Schlotterbeck und Kimmich nur drei Akteure im Team standen, die das erste Spiel gegen die Niederlande am 10. September (2:2) bestritten haben. Bezeichnend, dass kurz vor dem Spiel der „Held von Bosnien“, der zweifache Siegtorschützen Denisz Undav, ausfiel und sein Ersatz Leweling zum neuen Helden wurde. Selbst die Ausfälle hielten Nagelsmann nicht ab, sein quasi „Stamm-Mittelfeld“ Groß/Andrich durch die Youngster Angelo Stiller (23) und Aleksandar Pavlovic (20) zu ersetzen. Die beiden gebürtigen Münchner bestätigten das Vertrauen des Trainers und bewiesen, dass sie in Zukunft das Herz der Mannschaft sein können. Der Generationswechsel wurde durch die Verabschiedung von Stars der letzten Jahrzehnte deutlich. Thomas Müller, Manuel Neuer und Ilkay Gündogan wurden noch einmal gefeiert, Toni Kroos blieb in Madrid.

Die Gruppenspiele der Nations League werden am 16. und 19. November in Freiburg gegen Bosnien und in Budapest gegen Ungarn abgeschlossen. Ein Sieg fehlt noch (oder zwei Unentschieden), um als Gruppensieger in den Play-Offs gegen einen Gruppenzweiten antreten zu können und im Rückspiel Heimvorteil zu haben, was manchmal wichtig sein kann.

Schlagerspiele in der Bundesliga

Nach den Länderspielen ist vor der Bundesliga, die sich gleich mit zwei Schlagerspielen am Samstag zurück meldet, also auch wieder Spaß machen sollte. Um 15.30 Uhr wird Newcomer Eintracht Frankfurt von Titelverteidiger Bayer Leverkusen geprüft, der den Anschluss an die Spitze verliert, wenn kein Heimsieg gelingt. Zwei Punkte liegt Bayer zurück, drei hinter den Bayern und Leipzig. Im Vorjahr siegte Bayer 3:0 und 5:1. Das Duell Bayern gegen VfB Stuttgart (18.30 Uhr) ist fast schon ein Klassiker, der VfB, derzeit nur Achter, siegte im Vorjahr daheim 3:1 und ebnete sich dadurch auch den Weg zur Vizemeisterschaft. Die Bayern blieben bekanntlich dahinter nur Dritter, siegten aber zu Hause noch 3:0 und wollen dies wiederholen, um Tabellenführer zu bleiben. Allerdings muss Trainer Vincent Kompany in der Pause eine Lösung gefunden haben, um Gegentore wie zuletzt zu vermeiden, mit Konter ist nämlich auch der VfB stark und Leweling hat im Nationalteam gezeigt, wie er trifft. Die Lösung könnte Joao Palhinha heißen, der Portugiese wurde wegen seiner Defensivstärke verpflichtet. Rückt Kimmich bei den Bayern auf rechts, ist Platz für Talent Pavlovic. Neben den Münchnern ist nur noch Leipzig ungeschlagen (diesmal in Mainz). Am Tabellenende gibt es das direkte Duell zweier Abstiegskandidaten. Gastgeber Hoffenheim hätte man aber nicht in diesen Regionen (16.) erwartet, Trainer Matarazzo soll angeblich fest im Sattel sitzen. Da muss aber ein Sieg gegen Schlusslicht Bochum her.

Himmel und Hölle für Bayern-Frauen

Ein absolutes und so nicht erwartetes Schlagerspiel gibt es auch in der Frauen-Bundesliga. Titelverteidiger Bayern München muss bei Bayer Leverkusen antreten, der Vorjahressechste ist als Dritter überraschend in der Spitzengruppe vertreten. Die Münchnerinnen erlebten eine Woche zwischen Himmel und Hölle. Zuerst ein triumphaler 5:2-Erfolg in der Champions League gegen Arsenal London, dann eine 0:2-Niederlage in der Bundesliga beim großen Konkurrenten VfL Wolfsburg. Damit endete eine Rekordserie von 44 BL-Spielen ohne Niederlage! „Einmal muss es wohl so kommen,“ tröstete Trainer Alexander Straus, „wir können kaum 444 Spiele ungeschlagen bleiben.“ Die Niederlage schmerzte besonders, da sein Gegenüber Tommy Stroot den Kollegen mit einer besonderen Defensivtaktik verblüfft hatte, außerdem leiteten die Bayern-Mädchen mit eigenen Fehlern die Niederlage selbst ein und vergaben zahlreichen Chancen, so auch Weltstar Pernille Hader, die gegen Arsenal noch dreifache Torschützin war. Damit verloren die Bayern die Tabellenführung an Eintracht Frankfurt, erster Gegner nach der Länderspielpause!

Für die Wölfinnen war der Sieg eine besondere Genugtuung, sahen doch viele schon ihre Felle davon schwimmen, die Bayern schienen übermächtig zu werden. Jetzt sagt Verteidigerin Hendrich: „Es liegt an uns, wenn wir alle bei 100 Prozent sind, kann uns eigentlich keiner schlagen.“ Das mag für die Bundesliga gelten, in der Champions League verlor Wolfsburg bei AS Rom mit 0:1 und liegt damit in dere Gruppe A schon im Hintertreffen, da muss am Donnerstag gegen den Favoriten Olympique Lyon ein Sieg her. Da müssen es vielleicht mehr als 100 Prozent sein… Die Bayern stehen am Mittwoch bei Juventus Turin ebenfalls vor einer schweren Aufgabe, wer Arsenal schlägt, könnte es aber schaffen, was fast schon die Tür für die Play-Offs öffnen würde.

Der neue Bundestrainer Christian Wück gab am Dienstag sein erstes Aufgebot für die Länderspiele am 28. Oktober im Wembleystadion gegen England und drei später in Duisburg gegen Australien bekannt. Nach den Rücktritten von Popp, Hegering, Frohms und vorher schon Huth muss ein Neuaufbau her, doch Wück berief mit Giovanna Hoffmann (Leipzig/25) und Lisanne Gräwe (Frankfurt/21) nur zwei Neulinge, dafür mit Linda Dallmann, Sara Däbritz, Selina Cerci, Sophie Kleinherne und Marie Luise Grohs vier Rückkehrerin. Überraschend fehlen die Wolfsburgerinnen Lattwein und Endemann, Abwehrspielerin Hendrich wird geschont.

Das Aufgebot: Tor: Berger, Grohs, Johannes. – Abwehr: Gwinn, Doorsoun, Kleinherne, Linder, Rauch, Wolter. – Mittelfeld: Brand, Däbritz, Dallmann, Gräwe, Lohmann, Minge, Nüsken, Senß. – Angriff: Bühl, Anyomi, Cerci, Freigang, Hoffmann, Schüller.

Klopp überrascht die Fans

Eigentlich wollte er sich eine längere Pause vom Fußball gönnen, dennoch war er immer wieder als Trainer im Gespräch. Jetzt aber überraschte Kult-Trainer Jürgen Klopp Fans wie Experten. Als Trainer wird er vielleicht nie mehr arbeiten, ab 1. Januar 2025 aber quasi am Schreibtisch für den Brause-Konzern Red Bull, was vor allem bei den Fans für Enttäuschung sorgte, weil die Firma für sie ein rotes Tuch darstellt. Klopp wird „Head of Global Soccer“, soll sich also übergeordnet um die Fußballklubs von Red Bull widmen, dazu gehören neben Leipzig, noch Klubs in New York, Bragantino/Brasilien sowie Omiya Ardija/Japan. Beteiligt sind die Bullen bei Leeds United, das wollen sie künftig auch beim FC Paris sein, als Sponsor firmieren sie bei RB Salzburg aus rechtlichen Gründen wegen der UEFA. Der 57-jährige Klopp ließ verlauten, „nach fast 25 Jahren an der Seitenlinie könnte ich nicht aufgeregter sein, mich an einem Projekt wie diesem zu beteiligen.“ Red Bull verleiht bekanntlich Flügel – guten Flug Jürgen Klopp!