Der Machtkampf im Fußball als Pokal-Knaller

von knospepeter

Immer wieder gibt es Stimmen, die bezweifeln, ob der DFB-Pokal noch seine Berechtigung hat. Die Antworten darauf geben die ersten Runden mit der Begeisterung bei den Amateuren bzw. den sogenannten kleinen Vereinen, aber auch das Achtelfinale in dieser Woche – der Pokal reißt die Fußballfans von den Sitzen, denn der Machtkampf im Fußball ist der Knaller schlechthin! Besser geht es nicht, wenn sich der Rekordpokalsieger Bayern München und der Titelverteidiger Bayer Leverkusen gegenüberstehen und gleichzeitig in der Bundesliga darum kämpfen, wer die Nummer 1 in Deutschland ist.

Die Brisanz für diesen Knaller hat in den letzten Tagen noch zugenommen, weil sich das in der letzten Saison ungeschlagene Leverkusen nach Startschwierigkeiten im neuen Spieljahr inzwischen erholt hat und das Formbarometer nach drei Siegen in Serie nach oben zeigt. Trainer Xabi Alonso hat mit seinen Mannen die Wende geschafft und selbstbewusst heißt es: „Wir sind bereit.“ Bayer vertraut auch auf die Statistik: Die letzten vier Spiele gegen die Münchner hat Leverkusen nicht verloren (2 Siege, 2 Unentschieden), Alonso ist im Pokal in acht Spielen noch ungeschlagen!

Selbstbewusst sind die Bayern ohnehin, das „mia san mia“ ist wieder aktuell, so dass man zwischen den Schlagerspielen gegen Paris (1:0), Dortmund (1:1) und Leverkusen am Sonntag noch Zeit für eine Weihnachtsfeier für Spieler und alle Mitarbeiter im Verein hatte. „Es war eine schöne Sache,“ schwärmt Trainer Vincent Kompany, legt aber den Schalter sofort wieder um: „Jetzt müssen wir uns ganz auf Leverkusen konzentrieren.“ Dabei muss der Trainer ein großes Problem lösen: Wer ersetzt Torjäger Harry Kane, der mit seiner Art als mannschaftsdienlicher Spieler so etwas wie das Herz der Mannschaft ist. Kane fiel in Dortmund frühzeitig mit einem kleinen Muskelfaserriss aus, die Ausfallzeit soll nicht zu lange dauern, aber für Dienstag gibt es keine Chance. Als Optionen nennt Kompany nicht nur Thomas Müller, sondern auch Tel, Olise, Sané oder Gnabry, dessen Einsatz aber noch ungewiss ist. Leverkusen ist da besser dran, hat mit Boniface und Schick gleich zwei Torjäger, fällt der eine aus, trifft der andere, Schick zuletzt in vier Spielen sechsmal! Die Bayern stützen sich aber ebenfalls auf eine Statistik, sind sie doch noch nie im Achtelfinale ausgeschieden und haben noch nie gegen einen Titelverteidiger verloren. Zuletzt schlugen sie Dortmund vor sieben Jahren mit 2:1. Vielleicht hilft auch wieder Jamal Musiala als Torjäger, er stellte nämlich mit sechs Toren in Folge in den letzten sechs Auswärtsspielen einen neuen Rekord auf! Es könnte aber auch auf eine Verlängerung oder sogar Elfmeterschießen hinauslaufen, das hieße die Spannung auf die Spitze treiben.

Bayern gegen Bayer ist nicht der einzige Schlager, das Duell Leipzig gegen Frankfurt präsentiert sich ebenfalls als Top-Duell, hat allerdings durch die Formdelle von Gastgeber RB etwas an Reiz verloren, dafür zeigte sich die Eintracht in Bestform und gilt als Favorit. Mit Wolfsburg – Hoffenheim gibt es ein weiteres Bundesliga-Duell. Arminia Bielefeld vertritt die 3. Liga gegen den SC Freiburg.

Die Spiele im DFB-Pokal: Dienstag: Regensburg – Stuttgart, Bielefeld – Freiburg (beide 18.00 Uhr), München – Leverkusen, Bremen – Darmstadt (beide 20.45 Uhr). Mittwoch: Wolfsburg – Hoffenheim, Köln – Hertha BSC (beide 18.00 Uhr), Leipzig – Frankfurt, Karlsruhe – Augsburg (beide 20.45 Uhr). Das Viertelfinale wird am 4./5. und 25./26. Februar 2025 ausgetragen.

Dortmund: Welche Krise?

Die unruhigen Zeiten in Dortmund sind wieder vorbei, zumindest sportlich gesehen. Unruhig war es nur auf der Hauptversammlung, weil viele Mitglieder die Rüstungsfirma Rheinmetall als Werbepartner nicht akzeptieren. An Akzeptanz gewonnen hat dagegen wieder Trainer Murat Sahin, drei Spiele ungeschlagen in der Bundesliga, 3:0-Sieg in Zagreb in der Champions League und am Ende der Woche noch ein 1:1 gegen Bayern, es geht aufwärts. „Welche Krise“, heißt es jetzt. Schlüsselfigur war Flügelflitzer Jamie Gittens, der in Zagreb nicht zu halten war und auch den Bayern davon lief. Er ist der neue Hoffnungsträger. Einen Hoffnungsträger sucht RB Leipzig, bisher vergeblich, das Verletzungspech ist groß und Trainer Marco Rose ratlos, aber noch hält der Verein zum Coach, doch alles wartet auf die Wende und Ende der Krise. So wird am Samstag das Gastspiel bei Neuling Kiel zum Schlüsselspiel.

Zweiter in der Bundesliga, noch vor Leverkusen, Leipzig und Dortmund ist aber Frankfurt. Auf vier Punkte verkürzte sich der Abstand zu den Bayern, mehr als ein Hoffnungsträger ist dabei Omar Marmoush, der trifft wie er will und die Eintracht quasi von Sieg zu Sieg trägt. Auch die Heidenheimer konnten über den Ägypter nur staunen. Das Team von der Ostalb hat da ganz andere Probleme, zwar wurde ein Fest beim CL-Gastspiel des Weltvereins Chelsea London gefeiert (trotz 0:2-Niederlage) aber eigentlich herrscht Katerstimmung, sieben Spiele in Folge hat man jetzt in der Bundesliga nicht gewonnen, am 2. Spieltag war man noch Tabellenführer, jetzt der Sturz auf den Relegationsrang 16. Die Aufgaben werden nicht leichter, Bayern und Stuttgart sind die nächsten Gegner, bevor es zum bisher noch sieglosen Schlusslicht Bochum geht. Dort konnte der neue Trainer Dieter Hecking noch nicht viel bewirken.

Sky verliert Bundesliga-Konferenz

Die neue TV-Rechtevergabe der Bundesliga geht seltsame Wege. Nach einer Beschwerde von DAZN und der Neuauflage der Vergabe, darf sich der Streamingdienst als Sieger fühlen. Er hat sich die Rechte für die beliebte Samstagskonferenz unter den Nagel gerissen. Was aber eigentlich unlogisch ist, denn Sky überträgt weiterhin alle Spiele am Samstag und da gehört doch eigentlich die Konferenz dazu. Die DFL hat sie aber extra ausgeschrieben. Sky ist dafür ab 2025 freitags auf Sendung, bisher DAZN, das aber die Sonntagsspiele behält. Wie bisher bekannt, bleibt auch die 2. Liga, die immer interessanter wird, bei Sky, das Top-Spiel am Samstagabend wechselt von Sport1 zu RTL. Ob es dort im Pay-TV-Kanal verschwindet? Noch zu vergeben sind die Zusammenfassungen am Samstag und da könnte die ARD-Sportschau bald der Vergangenheit angehören, die DFL biete auch eine verkürzte Form für die Privatsender an. Hauptsache der Rubel rollt… Über Zahlen wurde bisher nichts bekannt.

Ein Fest der Talente

Der neue Bundestrainer Christian Wück wirbelt die Frauen-Nationalmannschaft ganz schön durcheinander. Die alten Pfründe zählen nicht mehr, zum Teil ist der Umbruch aber auch zwangsläufig durch Rücktritte bedingt. Wück sorgte jedenfalls für ein Fest der Talente, das mit einem 6:0-Sieg in Zürich gegen die Schweiz gefeiert wurde. Im Mittelpunkt dabei die 20-jährige Cora Zicai, die am Freitag Geburtstag feierte, in der zweiten Halbzeit für Klara Bühl ins Spiel kam, ein Tor bei ihrem Debüt erzielte und zu einem weiteren die Vorlage gab. Ihr Debüt feierte auch die erst 18-jährige Alara Sehitler von den Bayern und im Tor stand Neuling Sophia Winkler. Die wird im nächsten Spiel gegen Italien schon wieder abgelöst, da darf die 20-jährige Ena Mahmutovic, die bei den Bayern die erkrankte Grohs gut vertritt, debütieren.

Wie jedes Fest, so wird auch das Fest der Talente wieder zu Ende gehen, Wück hat für die nächsten Aufgaben im neuen Jahr mit sechs Spielen in der Nations League bereits angekündigt, dass die Zeit der Experimente dann vorbei ist und er eine Stammbesetzung für die Europameisterschaft in der Schweiz finden will. Gelegenheiten, sich zu empfehlen hat der Bundestrainer geboten, das gilt vor allem auch für Laura Freigang aus Frankfurt, die hinter der Spitze eine größere Rolle spielen will und gegen die Schweiz mit zwei Tore überzeugen konnte.