Start der Bundesliga: Bayern gegen Bayer – das Duell um den Titel

von knospepeter

Es soll Leute geben, die jubeln, „endlich wieder Bundesliga“. Dabei war die Winterpause, die diesmal eine reine Weihnachtspause war, so kurz wie nie, gerade mal drei Wochen, zwischen dem 22. Dezember und 10. Januar, ruhte der Spitzenfußball – und schon haben einige Entzugserscheinungen! Die Vorfreude ist aber berechtigt, wir können uns nämlich auf ein spannendes Frühjahr in der Bundesliga freuen. Es geht gleich mit geballter Macht los, die Spitzenklubs erwarten vier englische Wochen in Folge, die Bundesliga kehrt mit drei Spieltagen innerhalb einer Woche zurück.

Die Tabelle nach 15 Spieltagen macht deutlich, dass es in allen Regionen spannend zugehen wird, den Plätzen für Europa sei dank. Elektrisierend natürlich in erster Linie der Kampf um den Titel, der allerdings wohl nur ein Zweikampf sein wird, denn die Verfolger von München und Leverkusen liegen bereits neun bzw. fünf Punkte zurück und zeigen nicht die notwendige Konstanz. Auch sind Frankfurt, Leipzig und Dortmund nicht so gut besetzt wie die Titelanwärter. Das Duell heißt Bayern gegen Bayer.

Wer aber hat die besseren Aussichten auf die Meisterschaft? Titelverteidiger Leverkusen schwächelte zu Saisonbeginn, hat sich inzwischen gefangen, hat sich aber vier Punkte Rückstand eingehandelt. Die Münchner starteten dagegen schwungvoll, wurden inzwischen aber müde, eine unnötige Niederlage in Mainz nagt am Selbstbewusstsein. Das Rennen ist also offen, wobei Leverkusen aus der Pause besser starten sollte als zu Saisonbeginn, denn die großen Duelle mit den anderen Spitzenklubs sind alle vom 16. bis 24. Spieltag. Los geht es am Freitag in Dortmund, dann folgt die Aufgabe in Leipzig (25.1.), der direkte Vergleich mit den Bayern (15.2.) und die Fahrt nach Frankfurt (1.3.). Dreimal muss der Meister also auswärts ran! Für die Bayern geht es gemächlicher los, obwohl sie zum Auftakt gleich nach Gladbach müssen, eine Art Angstgegner. Aber die Vergleiche mit den Verfolgern sind später und je zweimal zu Hause (Frankfurt und Dortmund) und auswärts (Leverkusen und Leipzig).

Wem ist der Titelgewinn am ehesten zuzutrauen? Ein Vergleich der beiden Konkurrenten:

Mannschaft: Leverkusen hat zweifellos einen ausgeglicheneren Kader, kann Ausfälle besser verkraften. Bayer hat zwei fast gleichstarke Torhüter, zwei gute Torjäger und in Abwehr und Mittelfeld mehr Alternativen. Sicher sind Spieler wie Tah, Xhaka und Wirtz fast unersetzlich, aber die Bayern haben da mehr Probleme. So kann Kapitän Manuel Neuer nicht adäquat ersetzt werden, auch wenn sein Karriereende immer näher rückt. Upamecano und Kim bilden ein festes Abwehrduo, Torjäger Harry Kane ist unersetzlich, Ersatz gibt es nicht. Lücken tun sich bei den Außenverteidigern auf, wenn Davies fehlt oder schwächelt hakt es links und rechts. Besser besetzt sind die Bayern auf den offensiven Außenpositionen, wo es für zwei Stellen mit Olise, Coman, Gnabry und Sané gleich vier Kandidaten gibt. Musiala spielt eine starke Rolle, aber nicht so beherrschend wie Spezl Wirtz bei Leverkusen.

Trainer: Xabi Alonso war Trainer des Jahres und gilt derzeit als Nummer 1 in der Bundesliga, doch es scheint, Leverkusen wird sich nicht mehr lange an seinem Star erfreuen können, der Spanier wird verstärkt mit Real Madrid als Nachfolger von Carlo Ancelotti in Verbindung gebracht. Aber Alonso hat einen Vertrag bis 2026 und er hat einen festen Karriereplan, den er natürlich preis gibt. Könnte also durchaus sein, dass er ein weiteres Jahr in Leverkusen für sich als gut erachtet. Doch die Diskussionen wird Bayer nicht los. Die Bayern sind mit Vincent Kompany glücklich. Der Belgier war ja quasi eine Notlösung nach vielen Absagen bei der Trainersuche, doch Kompany erwies sich als Glücksfall, brachte Schwung in die Mannschaft und Ruhe in den Verein. Ruhe auf Dauer gibt es allerdings nur bei Siegen und Titeln, da fehlt also noch die Bestätigung. Von Alonso als künftigen Bayern-Trainer spricht niemand mehr

Das Umfeld: Vorteil für Leverkusen, das Umfeld bei Bayer ist ruhiger und gefestigter als das in München. Dort sind die Medien mehr zugange, wird alles und jeder hinterfragt, wird aus jeder kleinen Sache ein Skandal gemacht, da bröckelt dann selbst das „mia san mia“. Andererseits würde der Bundesliga ohne „Bayern Hollywood“ etwas fehlen. Permanenter Unruheherd ist auch Vereinsikone Uli Hoeneß, dem seine Aussage, die Meisterschaft sei schon an die Bayern vergeben, bei jeder Schwäche um die Ohren gehaut wird. Die Bayern begleitet derzeit auch die Diskussion um die Vertragsverlängerungen von Musiala, Kimmich, Gnabry und Sané, die Medien fordern eine Vollzugsmeldung. So lange es die nicht gibt, herrscht Unruhe. In Leverkusen ist dagegen klar, dass Tah im Sommer geht, Barcelona ist Favorit (nicht München). Alles ruhiger.

Das Fazit: Leverkusen hat die besseren Karten, aber die Bayern haben vielleicht den größeren Ehrgeiz, weil sie ein Jahr ohne Titel nicht mehr erleben wollen und im Pokal (gegen Leverkusen!) schon ausgeschieden sind.

Was passiert hinter den beiden Favoriten? Da scheint wirklich alles offen zu sein, Mainz galt zuletzt zwar als „Mannschaft der Stunde“, wird wohl kaum auf Dauer ein Anwärter für die Champions League sein, kämpft aber um die Europa League. Anwärter auf die zwei CL-Plätze sind Frankfurt, Leipzig und Dortmund, das aber seine Auswärtsschwäche ablegen muss. Ein Erfolg gegen Leverkusen zum Start ins neue Jahr würde den nötigen Schwung geben.

Große Spannung herrscht auch im Abstiegskampf, der zudem durch Veränderungen angeheizt wird. Spektakulär Union Berlin mit einem erneuten Trainerwechsel. Mit Steffen Baumgart kommt für den Dänen Bo Svensson ein altes Union-Urgestein und Publikumsliebling. Doch Achtung: In Köln musste er vorher gehen (damals hatte ihn der heutige Union-Manager Horst Heldt geholt) und vom HSV war er auch Fan, doch Erfolg hatte er nicht. Heidenheim, das auf dem Relegationsplatz steht, geht einen anderen, für den Verein untypischen Weg, und verstärkt sich im Winter. Der Karlsruher Torjäger Budu Zivzivadze soll die Lücke schließen, die Tim Kleindienst hinterlassen hat. Auffallend: Auch Kleindienst kam im Winter. Der Georgier ist Top-Torjäger und Skorerkönig der zweiten Liga, doch eine Klasse höher wird es einige Nummern schwerer! Dazu holten die Heidenheimer eine zweite Verstärkung von den Bayern, die schon mit Paul Wanner geholfen haben. Weil er in Stuttgart zu wenig Spielpraxis bekam, darf Frans Krätzig es nun auf der Ostalb versuchen. Fraglich, ob er wirklich eine Verstärkung ist. Der Spielplan will es so: Heidenheim erwartet am Samstag Union! Schlusslicht Bochum und Vorletzter Kiel hoffen dagegen darauf, dass ihre letzten Erfolgserlebnisse (2:0 gegen Heidenheim, 5:1 gegen Augsburg) für den nötigen Aufwind sorgen. Die Aufgaben zum Start in Mainz bzw. Freiburg sind aber schwer.

Die Bundesliga beginnt das Jahr 2024 also mit großem Schwung, die anderen Sportarten sehen es allerdings gar nicht gern, das „König Fußball“ jetzt auch im Winter herrscht.