Dortmund in Not – Vier Teams hatten eine perfekte Woche

von knospepeter

Der Stressfaktor in der Fußball-Bundesliga ist hoch. Sogenannte englische Wochen sind für die Spitzenklubs fast schon der Normalfall, für die anderen Vereine dagegen eine außergewöhnliche Belastungsprobe. Besonders hoch wird der Stressfaktor dann, wenn sich der erhoffte Erfolg nicht einstellt. So in Dortmund, nur die Borussia blieb gemeinsam mit ihrem Namensvetter aus Mönchengladbach in den drei Spielen ohne Punkte. Der Unterschied bei den Vereinen auf den Plätzen zehn und elf: Dortmund ist in Not, denn Ziel ist die Champions League, da fehlen zu Rang vier sieben Punkte, Gladbach dagegen ist mit einem Mittelfeldplatz mehr oder weniger zufrieden, die Gegner hatten es außerdem in sich, nämlich die Bayern und Leverkusen, dazu gab es den 1:5-Ausrutscher in Wolfsburg.

In Dortmund herrscht dagegen Unsicherheit, die Vereinsführung wirkt ratlos, das 2:3 gegen Leverkusen, vor allem die 2:4-Niederlage in Kiel, aber auch das 0:2 in Frankfurt waren ein Tiefschlag nach dem anderen. Normal würden Boss Lars Ricken und Sportvorstand Sebastian Kehl den Trainer entlassen, doch die unruhigen Zeiten sollen vorbei sein, auf Nuri Sahin ruhten alle Hoffnungen, deshalb zögern sie. Eigentlich müssten sie sich von dem einst verdienten Spieler trennen, der als Trainer vielleicht doch erst noch lernen muss und taktische Fehler macht, andererseits widerstrebt ihnen dieser Schnitt und sie hoffen weiter auf Besserung. Wie weit soll der Absturz noch gehen? Letzte Hoffnung ist die Champions League am Dienstag mit dem Spiel in Bologna, das noch ohne Sieg in der CL ist, und dann soll es am Samstag gegen Bremen klappen. Entweder ist dann wieder alles gut oder die Ära Sahin doch zu Ende.

Eine perfekte englische Woche hatten vier Vereine, neun Punkte sammelten die drei Spitzenklubs München, Leverkusen und Frankfurt ein, dazu der VfB Stuttgart, der von Rang sieben auf vier kletterte und damit wieder einen CL-Platz belegt. Es läuft wieder in Stuttgart. Läuft es auch in Frankfurt weiter? Immerhin fehlt künftig Torjäger Omar Marmoush, der für 75 Millionen Euro an Manchester City verkauft wurde. Geld statt Punkte? Dagegen gehört Leipzig mit nur vier Punkten zu den Verlierern – und jetzt kommt Leverkusen zum Schlagerspiel!

Zu den Gewinnern darf sich auch der FC Augsburg zählen, der bis dahin auswärts sieglos war, dann aber zum Abschluss der Hinrunde bei Union Berlin 2:0 siegte und dies gleich wieder zum Rückrundenstart in Bremen wiederholte (sechs Zähler holte sonst nur Wolfsburg). Damit wurde in einer Woche der Abstand zu den Abstiegsplätzen von zwei auf acht vergrößert. Im Nachbarschaftsderby gegen Heidenheim könnte am Samstag der Vorsprung noch vergrößert werden. Ruhe dürfte auch wieder in Berlin einkehren, glücklich ist vor allem der neue Trainer Steffen Baumgart, denn Union kann doch noch gewinnen, nach zehn Spielen ohne Sieg klappte es ausgerechnet gegen das Überraschungsteam aus Mainz, das ebenso wie Freiburg zwei Niederlagen hinnehmen musste. Am Tabellenende rückten die Klubs enger zusammen, Heidenheim beendete seine Niederlagenserie und holte genauso vier Punkte wie Bochum. Hoffenheim gab mit dem 3:1-Sieg in Kiel ein Lebenszeichen von sich und hielt den Aufsteiger damit auf Distanz. Die Störche aus Kiel können sich mit einem besonderen „Titel“ schmücken, sie wurden „Baden-Württembergischer Meister“. Das Team von Trainer Alexander Blessin (einem Württemberger!) gewann gegen Hoffenheim, Freiburg, Stuttgart und jetzt in Heidenheim. Kiel bleibt aber Vorletzter.

Mit Schwung ging es also ins neue Jahr, das Ende der Hinrunde ging mitten in der englischen Woche fast unter, doch sollten bemerkenswerte Zahlen beachtet werden, denn die Bundesliga entwickelt sich zur Ballerliga, 504 Tore in der Hinrunde bedeuten Jahrhundert-Rekord, mehr Treffer gab es zuletzt 1985/86 mit 518 Toren. Großen Anteil am Schützenfest hat der FC Bayern, dessen Spieler 53mal einnetzten, also im Schnitt drei Tore pro Spiel erzielten und damit auf dem besten Weg sind, ihren Vereinsrekord von 1971/72 mit 101 Toren zu übertreffen. Mit drei Toren gegen Wolfsburg blieben sie auf Kurs!

Endspurt in der Champions League

Für die Spitzenklubs gehen die englischen Wochen weiter, in der Champions League steht der Endspurt der Gruppenphase an, zwei Wochen hintereinander wird gespielt, zum Schluss am 29. Januar finden alle Spiele zugleich statt. Für Spannung ist noch gesorgt, so wie es sich die UEFA bei der Neuordnung vorgestellt hat. Nur in Leipzig gibt es neben Bratislava und Bern keine Spannung mehr, ohne Punkte ist das Ausscheiden schon perfekt. RB verabschiedet sich bei Sporting Lissabon und gegen Sturm Graz,. Die ersten acht Mannschaften sind direkt für das Achtelfinale qualifiziert, nur Leverkusen (Platz 4, 13 Punkte) ist derzeit direkt dabei, muss aber zu Atletico Madrid (11./12) und hat Sparta Prag (28./4) zu Gast. Die Teams auf den Rängen 9 – 24 müssen in die Play-Offs, mit dabei sind derzeit Borussia Dortmund (9./12) und Bayern München (10./12). Die Borussia zeigt in der CL ja ein anderes Gesichts, vielleicht bleibt das so in Bologna (33./2) und gegen Donezk (27./4), zwei schlagbare Gegner. Auch die Bayern wollen die Play-Offs vermeiden und nach oben klettern, die Aufgabe bei Feyenoord Rotterdam (18./10) am Mittwoch ist aber nicht einfach, leichter wird es wohl zum Abschluss gegen Bratislava (35./0). Kämpfen muss der VfB Stuttgart, der auf Rang 26 mit nur sieben Punkten derzeit ausgeschieden wäre. Jetzt kommt es darauf an, dass er seinen Aufwind am Dienstag in Bratislava fortsetzt, zum Schluss wartet mit dem punktgleichen Paris St. Germain (25./7) allerdings ein harter Brocken, der eigentlich vom CL-Sieg träumt, jetzt aber gegen das Ausscheiden kämpft. Könnte nächsten Mittwoch also ein Endspiel werden!

Handballer dürfen nicht schlafen

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft konnte bei der Weltmeisterschaft bisher nicht so richtig überzeugen, hat aber dennoch ohne Punktverlust die Hauptrunde erreicht und nur das zählt. Jetzt geht es wirklich um die Wurst und da dürfen die Handballer nicht schlafen. In allen Spielen kamen sie nur schwer in die Gänge und entschieden die Partien gegen Polen, die Schweiz und Tschechien mit einer Leistungssteigerung erst in der zweiten Halbzeit. Darauf darf man sich vor allem gleich zum Auftakt gegen Titelverteidiger Dänemark (Dienstag, 20.30 Uhr) nicht verlassen. Beim letzten Aufeinandertreffen im Olympia-Finale gab es bekanntlich eine Abfuhr. Aber vielleicht hebt man sich die große Revanche für Halbfinale oder Finale auf, wo es wieder ein Aufeinandertreffen geben kann. Bei einer Niederlage müssen auf jeden Fall Siege gegen das Überraschungsteam aus Italien (Donnerstag, 18.00 Uhr) und dem wohl leichtesten Gegner Tunesien (Samstag, 20.30 Uhr) her. Die beiden besten Mannschaften der vier Hauptrundengruppen steigen ins Viertelfinale auf. Dann ginge es für das DHB-Team von Herning nach Oslo. Das Viertelfinale beginnt am Mittwoch, 29. Januar. Verlass war bisher auf die Torhüter, im Zusammenspiel und vor allem in der Chancenverwertung gibt es allerdings noch Mängel. Logisch, dass Bundestrainer Alfred Gislason bisher noch nicht zufrieden ist.