Was ist mit den deutschen Spitzenteams im Fußball los?

von knospepeter

Die Bundesliga ist spannend, die Stadien sind voll. Die zweite Liga gilt sogar als die attraktivste zweite Liga der Welt und konnte am Wochenende mit über 300.000 Besuchern an einem Spieltag (Schnitt 35830) einen neuen Zuschauerrekord aufstellen. Doch der Schein trügt, international hinkt die Bundesliga hinterher. Das wird in der UEFA-Rangliste deutlich, die deutschen Klubs sind nicht mehr erfolgreich. In der Jahreswertung der Saison 24/25 nimmt Deutschland sogar nur Platz sechs ein, noch hinter Belgien und Portugal, vorne liegen England, Italien und Spanien. Mit einem fünften Verein in der Champions League braucht keiner zu spekulieren, da zählt die Fünfjahreswertung und da rutschte Deutschland von Rang zwei auf vier ab, hinter England, Italien und Spanien. Nur die beiden besten Nationen bekommen einen fünften Platz.

International hat keine deutsche Mannschaft wirklich geglänzt, Leipzig ist in der Champions League frühzeitig abgeschlagen gewesen und hat mit dem 2:1 gegen Sporting Lissabon gerade mal den ersten Sieg errungen. Die größte Enttäuschung war Bayern München, das mit Niederlagen Barcelona, Aston Villa und jetzt Rotterdam viel an Boden verloren hat. Nur vier Siege und drei Niederlagen sind keine Bilanz, die Hoffnung auf den Gewinn des Henkelpotts machen kann. Wohlgemerkt, das Finale findet in München statt und das Motto der Bayern heißt „Titel dahoam“. Danach sieht es nicht aus. Nur Meister Bayer Leverkusen kann sich berechtigte Hoffnungen auf die direkte Qualifikation für das Achtelfinale machen, ist derzeit mit 13 Punkten punktgenau Achter (acht Teams qualifizieren sich) und hat am letzten Spieltag am Mittwoch mit dem schon ausgeschiedenen Sparta Prag (29./4) eine wohl machbare Aufgabe. Borussia Dortmund und die Bayern müssen selbst bei einem Sieg gegen die machbaren Gegner Donezk (27./7) bzw. Bratislava (35./0!) zittern, ob sie den Play-Offs der Teams von 9 – 24 im Februar entkommen können. Dagegen hofft der VfB Stuttgart auf einen Sahnetag gegen Paris St. Germain, Stuttgart liegt als 24. genau am Strich und hat genauso wie Paris zehn Punkte. Ironie des Schicksals: Bei einem Unentschieden würden beide Teams die Play-Offs erreichen.

Diese Konstellation hat die UEFA bei der Abkehr von den Gruppenspielen hin zum Ligaspielbetrieb wohl nicht im Auge gehabt, als sie mehr Spannung versprochen hat. Die großen Vereine haben sich vom neuen Modus einen leichten Weg ins Achtelfinale versprochen, doch es kam anders. Mit Liverpool, Barcelona und Arsenal London liegen zwar potentielle Kandidaten für ein CL-Viertelfinale vorn und sind im Achtelfinale, aber die Bayern, Titelverteidiger Real Madrid (16.), Juventus Turin (17.), Paris (22.) und vor allem Manchester City, das auf Rang 8 mit 8 Punkten außerhalb der Play-Offs platziert ist, haben sich das anders vorgestellt. Die Mannen von Pep Guardiola sollten mit einem Sieg gegen Brügge (20./11) noch den Sprung schaffen, aber es gibt für die Play-Offs dann eine besondere Situation: Die besser platzierten Mannschaften hätten ja auf einen leichteren Gegner hoffen können, doch nun droht ein großes Kaliber vom Rang Paris, ManCity oder den beiden Lissaboner Vereinen. Nach derzeitigem Stand würde Dortmund auf Eindhoven treffen, die Bayern auf Celtic Glasgow und der VfB auf Aston Villa. Das Schlagerspiel hieße Real – Juventus (16 – 17/9 spielt gegen 24, 10 – 23 usw.). Am Mittwoch, wenn alle Spiele zur gleichen Zeit um 21.00 Uhr angepfiffen werden, wird also viel gerechnet und gezittert werden. Für 25 Mannschaften steht noch etwas auf dem Spiel, in 16 von 18 Spielen. Insofern hat sich also das Ligasystem bewährt, es gab unterschiedliche Gegner, interessante Spiele und wirklich Spannung.

Die Frage ist, können die deutschen Spitzenteams in naher Zukunft wieder vorne mitmischen? Was ist los? Die Bayern zeigen unter Trainer Vincent Kompany gute Ansätze, aber Joshua Kimmich urteilte nach dem 0:3 in Rotterdam sehr richtig: „Wir sind derzeit keine europäische Spitzenmannschaft.“ Mit Verstärkungen tut man sich schwer, denn mit den Geldvereinen in Spanien und England können die Bayern nicht mithalten. Eine Spitzenmannschaft ist auch Meister Leverkusen nicht, wie die Niederlage bei Atletico Madrid zeigte und die Zukunft scheint ungewiss zu sein. Bleiben Trainer Xabi Alonso und Jungstar Florian Wirtz? Der Verlust von beiden könnte kaum angefangen werden. Die derzeit in der Bundesliga-Tabelle nachfolgenden Vereine Frankfurt, Stuttgart und auch Leipzig müssen derzeit froh sein, überhaupt das internationale Geschäft zu erreichen und auch Borussia Dortmund als letztjähriger Finalist hat ganz andere Sorgen und muss vielleicht sogar eine Saison ganz auf Europa verzichten.

Leverkusen fehlt das Meister-Gen

In der Bundesliga waren die Bayern der große Gewinner, Leverkusen der Verlierer im Meisterrennen, das 2:2 bei RB Leipzig ist ein Rückschlag. Es ist das sechste Unentschieden von Bayer, dem offensichtlich das Meister-Gen abhanden gekommen ist. Im Vorjahr drehte Leverkusen die Spiele oft in den letzten Minuten, jetzt gehen Punkte verloren. Vor allem das 2:2 in Bremen und 1:1 in Bochum schmerzen. Sechs Punkte Vorsprung sind für die Bayern kein Ruhekissen, aber sie haben auch die weitaus bessere Tordifferenz. Der 2:1-Sieg in Freiburg war keine Glanztat, beruhigte aber Verein und Mannschaft nach der Rotterdam-Pleite. Mit Stanisic und Palhinha sind lang verletzte Spieler wieder dabei, dafür fehlt Gorotzka jetzt verletzt.

Mannschaft der Stunde ist der FC Augsburg mit drei Siegen in Folge, damit gelang der Sprung auf Rang 12 und der Anschluss ans Mittelfeld. Das bedeutet einen Rang hinter Dortmund. Die Borussia hat sich das natürlich anderes vorgestellt, das 2:2 gegen Bremen war mit viel Pech verbunden und über 70 Minuten spielte Dortmund nach dem Platzverweis von Nico Schlotterbeck in Unterzahl (Bruder Kevin sorgte in der letzten Minute für den FCA-Sieg gegen Heidenheim!). Aber mit Interimstrainer Mike Tullberg stimmt wenigstens der Einsatz wieder. Am Tabellenende holte St. Pauli einen wichtigen Sieg gegen Union Berlin, Kiel erkämpfte ein 2:2 in Wolfsburg, da wird es für Heidenheim immer enger. Dortmund ist am Samstag der nächste Gegner…

Nagelsmann bleibt länger beim DFB

Der DFB feierte am Wochenende sein 125-jähriges Bestehen und machte sich zum Jubiläum selbst ein Geschenk. Bundestrainer Julian Nagelsmann verlängerte seinen Vertrag, der bisher bis zur EM 2026 datiert war, bis zur Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Der 37-Jährige hat offensichtlich Gefallen an dem Job gefunden, wird sich aber wohl nach der EM nach einem anderen Assistenten umsehen müssen, denn Sandro Wagner ist jetzt schon bei vielen Vereinen im Gespräch, will aber bis 2026 auf jeden Fall bleiben.

Der Festakt des DFB fand am „Geburtsort“ in Leipzig statt. Ehrengäste waren u. a. Bundeskanzler Olaf Scholz, FIFA-Präsident Gianni Infantino und UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Scholz fasste sich kurz, Infantino blieb nichtssagend, aber Ceferin betonte, dass der Fußball auch in Zukunft für Vielfalt, Toleranz, Gemeinsinn und Miteinander stehe. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte die Forderung an den Kanzler, die Politik dürfe angesichts verfallender Sportanlagen und eines überbürokratisierten Ehrenamts die „schönste Nebensache der Welt nicht wie eine Nebensache behandeln“.

Seit 1970 gehört auch der Frauen-Fußball zum DFB, am Wochenende hat die Bundesliga die Winterpause mit zwei Nachholspielen beendet. Dabei war das Wiederholungsspiel wegen eines Schiedsrichterfehlers zwischen Freiburg gegen Leverkusen. Statt 3:2 siegte Leverkusen jetzt 2:1 und schloss damit wieder zu Frankfurt und München auf. Am Freitag folgt dann gleich das Duell der Eintracht mit Bayer. Die Bayern-Mädchen müssen nach Leipzig. Sie werden aber ebenso wie die Wölfinnen am Wochenende vor allem auf die Auslosung der Champions League schauen.

Portugal Prüfstein im Handball

Bei der Handball-WM steht jetzt das Viertelfinale auf dem Programm. Deutschland ist erwartungsgemäß dabei und spielt am Mittwoch (20.30 Uhr) in Oslo gegen Portugal. Die Portugiesen überraschten als Sieger der Hauptrunde III gegen Brasilien, Spanien und Schweden und sind ein echter Prüfstein, gelten sogar als Geheimfavorit. Ein Hoffnungsfunken: Spielmacher Juri Knorr ist wieder dabei. Vor allem die Chancenverwertung muss besser werden. Gefürchtete Torjäger sind dagegen beim Gegner die Brüder Costa, auf die gilt es aufzupassen. Im Halbfinale würde dann wohl Favorit Dänemark (gegen Brasilien) warten. Außerdem trifft Kroatien auf Ungarn und Frankreich auf Ägypten, das viele im Finale erwarten.