Das Duell Leverkusen – Bayern: Zwei Jungstars im Mittelpunkt
von knospepeter
Ist das Duell der beiden führenden Mannschaften der Fußball-Bundesliga am Samstag (18:30 Uhr) überhaupt noch ein Spitzenspiel? Titelverteidiger Bayer Leverkusen hat mit dem nächsten Ausrutscher, 0:0 in Wolfsburg, ein bisschen die Spannung getötet. Die Bayern können nun mit acht Punkten Vorsprung beruhigter zu Bayer fahren, selbst wenn sie die bittere Pille der Niederlage schlucken müssten, würde das die Chancen auf die Meisterschaft nur unwesentlich mindern. In 21 Spielen gab es bisher nur eine Niederlage (in Mainz) und drei Unentschieden. Nach Leverkusen bleiben noch ein Dutzend Spiele. Bayer hat auch nur einmal verloren (gegen Leipzig), aber mit sieben Remis acht Punkte mehr verloren. Die Gesamtbilanz spricht für München (60 Siege, 22 Niederlagen, 19 Unentschieden), die letzten fünf Spiele konnte Bayern aber nicht gewinnen. Der letzte Sieg datiert vom 30. September 2022 (4:0), der letzte Sieg in Leverkusen liegt noch länger zurück (17. Oktober 2021/5:1). Zuletzt warf Bayer den Kontrahenten mit einem 1:0 aus den Pokal.
Auffallend, nach Wolfsburg gab es erstmals auch leise Kritik an „Übertrainer“ Xabi Alonso. Die Rotation des Spaniers ging erstmals nicht auf. Er verzichtete im Startteam auf Jungstar Florian Wirtz und Torjäger Patrik Schick. So fielen keine Tore, dafür hagelte es Kritik. Dabei hätte Alonso sie gar nicht schonen müssen, bis zum großen Duell haben sie eine Woche Zeit zum Ausruhen. Anders die Bayern, Torjäger Harry Kane und Jamal Musiala standen auf dem Feld, beim 3:0 gegen Bremen war Kane wieder zweifacher Torschütze. Ausgeruht können die Münchner nicht ins Rheinland fahren, schließlich müssen sie im Gegensatz zu Leverkusen in die Play-Offs der Champions League und da wartet am Mittwoch das heiße Duell bei Celtic Glasgow in einem der lautesten Stadien in Europa.
Am Samstag wird Xabi Alonso auf Florian Wirtz setzen, so wie Vincent Kompany einen Stammplatz für Jamal Musiala reserviert hat. Die beiden 21-jährigen Jungstars (Musiala wird am 26.2. 22 Jahre) stehen im Mittelpunkt, nicht nur wegen ihrer tollen Leistungen, sondern auch weil ihre Zukunft ungewiss ist und viel spekuliert wird. Träume gibt es, dass beide einmal im gleichen Verein spielen und das könnte dann eigentlich nur Bayern sein. Selbst Klublegende Uli Hoeneß hat gestanden, davon zu träumen. Aktuell sprießen nur die Gerüchte ins Kraut, Wirtz soll in Leverkusen bis 2027 verlängert haben, aber mit Ausstiegsklausel. Immer wieder wird andererseits von einem gemeinsamen Abgang mit Trainer Alonso im Sommer zu Real Madrid geredet. In München soll Musiala bleiben, die Verhandlungen um eine Verlängerung des 2026 auslaufenden Vertrags sollen gut laufen, Musiala will angeblich mehr Geld und eine Ausstiegsklausel, die bei den Bayern verpönt ist, die aber angeblich auch Harry Kane besitzt, für den Fall, dass das Heimweh nach England zu groß sei. Gesprächsstoff gibt es also genug rund um den Spitzenkampf, es könnte ein Top-Ereignis mit vielen Toren werden, vielleicht wählt Vincent Kompany aber einen Ansatz wie Kollege Alonso im Vorjahr in München, als der seinem Team unüblich eine Mauertaktik verordnete. Ein 1:1 war die Folge, ein Ergebnis, bei dem die Bayern wohl einschlagen würden.
Von der Tabellenspitze weit entfernt ist derzeit Borussia Dortmund. Niko Kovac solll das Team wieder dorthin führen, doch sein Debüt begann mit einer schmerzhaften Niederlage. Mit einem Sieg hatte sich Interimstrainer und Temperamentsbündel Mike Tullberg verabschiedet, mit stoischer Ruhe hat Kovac als ganzes Gegenteil die 1:2-Niederlage gegen Stuttgart hingenommen und zeigte sich sogar zufrieden, „ich habe viele gute Ansätze gesehen, die Jungs haben es bis zum 0:2 richtig gut gemacht.“ Zweifelhafte Schmeicheleinheiten. Besser machen heißt es jetzt in den CL-Play-Offs und am Samstag beim Derby in Bochum, seines Zeichens Tabellenletzter. Ein 2:2 in Kiel nutzte weder dem Schlusslicht noch dem Vorletzten, aber auch Heidenheim auf dem Relegationsplatz (0:1 in Freiburg) und Hoffenheim (15./0:4 gegen Union Berlin) punkteten. Stillstand also im Tabellenkeller.
Nachsitzen in den Play-Offs
Wer nicht genügend Punkte sammelt, den bestraft das Reglement. Bayern München und Borussia Dortmund haben nicht wie Bayer Leverkusen in der Champions League den Sprung unter die besten acht Teams der Ligaphase geschafft und müssen deshalb Nachsitzen. Andererseits erging es Stuttgart und Leipzig noch schlechter, die ausgeschieden sind. Wie bekannt hatten die Bayern insofern Glück, dass ihnen Manchester City erspart blieb, aber ob Celtic Glasgow wirklich das wesentlich bessere Los ist, muss sich erst zeigen. Immerhin sind die Münchner gegen Celtic noch ungeschlagen (3 Siege, 1 Unentschieden), aber das zählt aktuell nicht. Celtic beherrscht Liga in Schottland, hatte allerdings in der CL leichtere Aufgaben, siegte u. a. gegen Leipzig 3:1, verlor aber in Dortmund 1:7. Beide hatten einen gemeinsamen Gegner, verloren bei Aston Villa, die Bayern 0:1, Celtic 2:4. Gefürchtet ist die Atmosphäre im Celtic Park, was die Bayern beeindrucken könnte, ähnlich wie in Rotterdam. Auswärts wurden ja Schwächen deutlich. Probleme könnten aber auch Celtics schnelle Stürmer bereiten, allerdings fehlt Torjäger Daizen Maeda gesperrt. Dafür ist der Deutsche Nicolas Kühn dabei, der zweite Torjäger, der sich gerade gegen München für die Nationalmannschaft empfehlen will. Das Rückspiel steigt in einer Woche in München.
Borussia Dortmund bekommt es mit Sporting Lissabon, dem Tabellenführer in Portugal zu tun, vielleicht die noch schwerere Aufgabe. Da ist es zweifelhaft, ob die Schützlinge von Niko Kovac dort Selbstvertrauen tanken können. Aber vielleicht löst die Rolle als Außenseiter alle Fesseln.
Außerdem spielen in den Play-Offs: Stade Brest – Paris St. Germain, Manchester City – Real Madrid, Juventus Turin – PSV Eindhoven, Club Brügge – Atalanta Bergamo, Feyenoord Rotterdam – AC Mailand, AS Monaco – Benfica Lissabon.
Neue Kräfteverhältnisse bei den Frauen
In der Frauen-Bundesliga schaute bisher alles auf den Zweikampf Bayern München gegen VfL Wolfsburg, doch in dieser Saison hat sich das Bild total gewandelt, es mischen noch andere Klubs mit. Die Nummer 1 ist derzeit sogar Eintracht Frankfurt, das als Tabellenführer auch am meisten überzeugt. Ein 9:0 gegen Potsdam ist der Beweis, die Bayern mühten sich zu einem 3:1 bei Hoffenheim, Leverkusen (1:1 gegen Essen) und Wolfsburg (0:0) in Köln verloren sogar an Boden. Aber die Woche hat es in sich, weil es am Mittwoch im Pokal zum Duell der beiden derzeit besten Mannschaften kommt, die Bayern-Mädchen erwarten Frankfurt. Pokaldauersieger Wolfsburg muss zur TSG Hoffenheim und hat ja an München gesehen, dass das keine leichte Aufgabe ist, außerdem spielen Hamburger SV – Gladbach und Leverkusen – Bremen.
Die Eintracht-Mädchen werden am Sonntag gleich noch einmal gefordert, dann müssen sie nach Wolfsburg, die Wölfinnen müssen gewinnen, um wieder ganz oben mitmischen zu können. Die Duelle von München mit Wolfsburg und Frankfurt stehen im März und April an.
Gewaltige Aufgaben gibt es für die zwei deutschen Bundesligisten in der Champions League. Spitzenklubs wurden ihnen für das Viertelfinale zugelost. Meister Bayern trifft auf Olympique Lyon mit den deutschen Spielerinnen Marozsan und Däbritz, Wolfsburg hat mit Titelverteidiger FC Barcelona die überhaupt schwerste Aufgabe. Manchester City – Chelsea London und Real Madrid – Arsenal London heißen die weiteren Duelle am 18./19. und 26./27. März.
In vollem Gange ist auch der Wintersport und da sahnten die deutschen Rodlerinnen und Rodler bei der Weltmeisterschaft im kanadischen Whistler ab. Sie standen in allen Wettbewerben auf dem Siegerpodest und gewannen ein Dutzend Medaillen, fünfmal Gold, viermal Silber und dreimal Bronze. Einsitzer-Titelträger wurden Julia Taubitz und Max Langenhahn, darüber hinaus holte sich der 35-jährige Olympiasieger Felix Loch mit Silber im Einzel einen Rekord, es war seine elfte WM-Medaille und damit löste er die italienische Rodelikone Armin Zöggeler als Rekordhalter ab.
So erfolgreich werden die Biathleten bei der Weltmeisterschaft in Lenzerheide ab Mittwoch wohl nicht sein, aber Medaillen sollte es geben. Mehr über diese WM im nächsten Blog „Franzi Preuß kann ihre Karriere krönen“.