Nullnummer: Tore wurden der Taktik geopfert
von knospepeter
Die Fußballfans hatten sich eigentlich anderes erwartet, sie trauten beim Spitzenspiel der Bundesliga ihren Augen kaum, als sich Verfolger Bayer Leverkusen gegen den Spitzenreiter aus München vergebens abmühte. Es war keine Fußball-Fest. Die Bayern „ermauerten“ sich buchstäblich ein 0:0, mussten danach mit Schlagzeilen leben wie „Bayern historisch schlecht“ und pfiffen buchstäblich auf die Statistik, die ihnen nur 44 Prozent Ballbesitz auswies und 0:7 Chancen. Keine Chance, kein Tor – logisch. Der Gegner hatte Chancen, traf die Latte, aber nicht ins Tor, da fehlte das Glück. Trainer Xabi Alonso verzichtete allerdings auf einen Mittelstürmer, null Tore waren die Quittung. Beim großen Duell wurden die Tore der Taktik geopfert, die Bayern durften sich als Sieger fühlen, sie wollten nichts anderes, als den Acht-Punkte-Vorsprung halten.
Als Sieger wurde aber auch Trainer Xabi Alonso gefeiert. Die Spieler lobten die Taktik, die Kritiker lobten Leverkusen, die Süddeutsche Zeitung urteilt: „…der starke Auftritt steigert das Renommee von Bayer 04 und belegt erneut die Qualitäten von Trainer Alonso“. Doch dessen Schachzug ging nicht ganz auf, Kollege Kompany hat so reagiert, wie es der Sport-Grantler in den Raum gestellt hat: „Vielleicht wählt Vincent Kompany einen Ansatz wie Kollege Alonso im Vorjahr, als er seinem Team beim 1:1 eine Mauertaktik verordnete“. Hat Kompany diese Zeilen gelesen? Die Spieler verrieten: „Wir haben in dieser Woche diese Taktik trainiert.“ Das glückliche 0:0 war also ein Kalkül, mehr eigene Angriffe hätte sich Kompany sicherlich gewünscht. Mit der ersten Nullnummer nach sage und schreibe 170 Spielen endete eine Rekordserie der Bayern in der Bundesliga. So eine lange Zeit ohne 0:0 gab es noch nie.
Stellt sich die Frage, ob die Bayern wieder auf schwungvollen Fußball umschalten können, der fehlte zunehmend in den letzten Wochen. Die Kraftproben gehen nämlich weiter, die wichtigen Spiele wollen nicht enden. Am Dienstag steht in der Champions League das Rückspiel gegen Celtic Glasgow an, der 2:1-Sieg in Schottland ist kein sanftes Ruhekissen, verhindert aber wohl. dass sich der Gegner seinerseits auf eine Mauertaktik verlässt. Der Sieger ist im Achtelfinale. Am Sonntag (17.30 Uhr) steht das nächste Spitzenspiel in der Bundesliga an, der Dritte Eintracht Frankfurt kommt nach München und besitzt schnelle Stürmer, die oft schon Gift für die Bayern-Abwehr waren. Im Hinspiel gab es ein spektakuläres 3:3. Danach folgt die schwere Aufgabe in Stuttgart. Durchschnaufen ist nicht angesagt.
Durchschnaufen kann eher Sportvorstand Max Eberl, denn er konnte Erfolge am Verhandlungstisch vermelden – Jamal Musiala hat seinen Vertrag bis 2030 velängert. Er folgte damit seinem Spezl Alphonso Davies und setzte zudem ein Zeichen für Joshua Kimmich, der jetzt eventuell ebenfalls seinen Vertrag verlängern wird, nachdem er erst wissen wollte, wie die Zukunft der Bayern aussieht. Die Weichen sind gestellt, wenn eine gute Zukunft auch teuer wird. Davies und Musiala (und dann wohl auch Kimmich) kassieren mehr Geld, bei Musiala spricht man sogar von 20 Millionen Euro für die Unterschrift, und bis zu 25 Millionen Jahresgehalt, er sprang also in Gehaltshöhen wie ein Harry Kane. In Leverkusen war Musiala nicht zu sehen, er war mit Abwehraufgaben beschäftigt. Sein Pendant auf der anderen Seite, Florian Wirtz, konnte eher glänzen, aber eben ohne Ertrag.
Ohne Tore war München glücklich, ohne Tore war Borussia Dortmund unglücklich. Logisch, es hagelte eine 0:2-Niederlage bei Schlusslicht Bochum, das dadurch die „rote Laterne“ an Kiel (1:3 in Frankfurt) weiterreichen konnte. Auch unter dem neuen Trainer Niko Kovac kann die Borussia ihre Wankelmütigkeit offensichtlich nicht ablegen. Nach dem 3:0-Sieg gegen Sporting Lissabon in der CL mit einer starken zweiten Halbzeit lobten die Bosse den Trainer („Tolle Kabinenansprache“), doch ob Kovac mit übertriebenem Lob seiner Spieler richtig liegt? Bei Niklas Süle sprach er von Weltklasse, der dankte es ihm mit einem haarsträubenden Fehlpass zum 0:1 (Torschütze Masouras: „Prima, wenn einem der Gegner den Ball hinlegt“). Julian Brandt stellte er auf eine Stufe mit den Jungstars Wirtz und Musiala, was Brandt seit Jahren leider nicht bestätigen kann. Es brennt also weiter in Dortmund, die Auswärtsschwäche darf am Mittwoch beim Rückspiel in Lissabon nicht durchschlagen. Union Berlin ist am Samstag der nächste Gegner in der Bundesliga, da soll endlich der Marsch nach oben zu Platz vier beginnen. Der Weg wird immer weiter, inzwischen sind es acht Punkte.
Im Tabellenkeller freute sich Bochum über die Schützenhilfe des Ruhr.Pott-Rivalen. Auf dem Relegationsplatz hängt Heidenheim (0:2 gegen Mainz), während sich Hoffenheim einen Sicherheitsabstand von sieben Punkte schaffte, weil sich Bremen wie früher schon als Lieblingsgegner erwies (3:1). Heidenheim erlitt dagegen die fünfte Niederlage in Folge, ist sechs Spiele ohne Sieg. Anders in der Conference League, da gelang ein 2:1 in Kopenhagen und so könnte am Donnerstag der Sprung ins Achtelfinale gelingen. Was fehlt, ist der Schwung für die Liga. Den hat allerdings auch der nächste Gegner Leipzig nicht, wie das magere 0:0 in Augsburg zeigte. Mit einem 0:0 wäre Heidenheim zufrieden. Wird doch nicht Standard werden in der Bundesliga…
Bayern-Frauen Sieger der Woche
Im Frauen-Fußball tat sich Entscheidendes, aber auch Überraschendes. Eine Sensation gab es im DFB-Pokal, da endete nämlich die Erfolgsserie des VfL Wolfsburg. 52 Spiele lang konnte niemand die Wölfinnen besiegen, zehn Titel in Folge waren der Ertrag, den niemand wohl jemals brechen kann. Jetzt aber eine 0:1-Niederlage gegen Hoffenheim, Sechster in der Bundesliga. Mit Ereleta Memeti erzielte ausgerechnet eine Spielerin das goldene Tor, die früher in Wolfsburg spielte. Doch Wölfinnen soll man nicht reizen, die Niederlage machte Kräfte frei und in der Liga folgte ein 6:1 gegen Tabellenführer Frankfurt. Da hat sich jemand den Frust von der Seele geschossen,.
Bei diesen Ergebnissen wurden die Frauen des FC Bayern München zum Sieger der Woche. Sie taten selbst etwas dazu, im Pokal schalteten sie nämlich Frankfurt mit einem 4:1 (1:1) nach Verlängerung aus. Geht es nach der Papierform, wäre der Weg zum Pokalsieg frei, neben Hoffenheim sind noch Werder Bremen und Zweitligist Hamburger SV im Lostopf. In der Bundesliga folgte ein 1:0-Sieg über Bremen, damit die Tabellenführung. Die Bayern-Mädchen wollen wieder einmal mit den Männern zusammen auf dem Rathaus-Balkon die Meisterschaft feiern! Frankfurt hatte dagegen eine schwarze Woche.
Die Bundesliga macht jetzt erst einmal Pause bis zum 7. März, die Nationalmannschaft hat das Wort. Bereits am Freitag beginnen die Spiele der Nations League, erster Gegner ist die Niederlande in Breda, dann folgt am Dienstag, 25.2., das Heimspiel in Nürnberg gegen Österreich. Bundestrainer Christian Wück hat fleißig die Spiele beobachtet und wartete bei der Nominierung mit einer Überraschung auf: Rebecca Knaak soll für neue Sicherheit in der Abwehr sorgen. Wer sich bei Manchester City durchsetzt, dem sollte man das zutrauen. Gegen die Niederlande spielte Deutschland auch im letzten Jahr und zwar in der NL im Spiel um Platz drei und siegte 2:0.
Franzi Preuß erfüllte sich ihren Traum
Am Freitag war sie schon glücklich, da gewann Franziska Preuß im Sprint Silber, ihre erst zweite Einzelmedaille bei einer WM. Am Sonntag in der Vrerfolgung wurde es aber noch besser, da lieferte die 30-Jährige ein perfektes Rennen ab und erfüllte sich ihren Traum – endlich Weltmeisterin in einem Einzelwettbewerb. Franzi traf alle als Einzige der Spitzenläuferinnen alle 20 Scheiben und überzeugte in der Loipe. Sprint-Siegerin Braisaz-Bouchet (Frankreich) zielte dreimal daneben und wurde Dritte hinter Elvira Öberg (Schweden/1), die von Rang zehn auf zwei vor lief. Bei Franzi Preuß wirkte sich eine Nasenoperation im Sommer positiv aus, außerdem achtet sie absolut darauf, sich keine Krankheit zu holen. Oft wurde sie nämlich bei Höhepunkten krank. Deshalb hat sie auch als Einzige ein Einzelzimmer. Auch im Training ging sie ihren eigenen Weg, der erfolgreich war und deshalb akzeptiert wird.
Bei den Herren ist der Norweger Johannes Thingnes Bö der große Star, er siegte am Samstag im Sprint und gab in der Verfolgung Platz eins nicht ab. Damit machte er sich zum Rekord-Weltmeister, bisher stand er mit seinem Landsmann Ole Einar Björndalen mit 20 Titeln zusammen auf Platz 1. Seine 22 Titel holte Bö in 56 Rennen, Björndalen seine 20 in 95 Rennen! Die deutschen Männer spielten keine Rolle, sie lieferten vor allem schwache Schießleistungen ab. Sie sollten sich von Franzi Preuß Tipps geben lassen…
Keine glückliche Weltmeisterschaft gab es für die alpine deutsche Mannschaft in Saalbach-Hinterglemm. Erst am Schlusstag durfte man eine glückliche Bronze-Medaille feiern, als der Münchner Linus Straßer im Slalom Dritter wurde. Er absolvierte einen hervorragenden zweiten Lauf und profitierte am Ende in der Warteposition davon, dass der führende Franzose Noel im zweiten Lauf nach einem Fehler ausschied. Die WM wurde von der Schweiz dominiert, die 13 Medaillen holte, davon fünf Goldene, Österreich freute sich immerhin über sieben Medaillen (2-3-2). Nur neun Nationen ergatterten überhaupt einen Platz auf dem Podest.