Die Nations League wird zum doppelten Testfall
von knospepeter
Pause für die Bundesliga und die Champions League, in dieser Woche gehört das Interesse der Nationalmannschaft. Die Nations League steht auf dem Programm und sie hat bei Bundestrainer Julian Nagelsmann einen hohen Stellenwert erhalten. Galten die Begegnungen früher bei Löw und Flick nur als bessere Testspiele, so will Nagelsmann jetzt Erfolge sehen. Sein Vorbild ist Spanien, das sich mit dem Sieg bei der NL 2023 das nötige Selbstbewußtsein für den EM-Titel ein Jahr später in Deutschland holte. Ähnliches schwebt auch Nagelsmann vor, der Schwung für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr sucht.
Viel Schwung wird wohl auch benötigt, denn im erstmaligen Viertelfinale der Nations League geht es gegen den alten Kontrahenten Italien und die Voraussetzungen für die beiden K.o.-Spiele am Donnerstag in Mailand und am Sonntag in Dortmund sind nicht die besten. Die Duelle werden eigentlich zum doppelten Test: Wie kann die Mannschaft Ausfälle verkraften und wie stark ist sie wirklich auf internationaler Bühne? Da kommt der „Ernstfall“ gegen Italien gerade recht. Die Bilanz ist außer deutscher Sicht negativ, in 37 Spielen gab es nur 9 Siege, aber 15 Niederlagen bei 13 Unentschieden. Immerhin, im letzten Aufeinandertreffen in der Gruppenphase der NL siegte Deutschland nach einem 1:1 im Rückspiel mit 5:2. Die letzte Niederlage gab es im EM-Halbfinale 2012 mit 1:2. Italien hat NL-Endrundenerfahrung, bei den beiden letzten Turnieren wurde Italien jeweils Dritter. Die bisherigen Sieger waren Portugal, Frankreich und Spanien.
Bei beiden Nationen steht ein Verjüngung an, die auch Trainer Luciano Spalletti in Italien gut gemeistert hat. Julian Nagelsmann kann allerdings nicht auf seinen besten Kader zurückgreifen, in erster Linie wird er Leverkusens Jungstar Florian Wirtz und Stürmer Kai Havertz vermissen, aber auch ansonsten gibt es im Kader viele Veränderungen, der DFB kündigte das Aufgebot mit „ein Neuling und acht Rückkehrer“ an. Der Neuling ist der 24-jährige Yann Aurel Bisseck, der es zum Stammspieler in der Abwehr von Italiens Meister Inter Mailand gebracht hat. Seine Reiseroute in dieser Woche heißt von Mailand nach Dortmund, wieder zurück mit einem Spiel als Gast im heimischen Stadion und wieder zurück nach Dortmund! Ob er allerdings zum Einsatz kommt, ist fraglich, Nagelsmann dürfte dem Stamm-Duo Tah/Rüdiger vertrauen und Nico Schlotterbeck wird auch noch vor dem Neuling stehen.
Unter den Rückkehrern fällt vor allem Leon Goretzka auf, einst von Nagelsmann bei der Neuordnung nach schlechten Testspielen gestrichen. Seitdem behält er allerdings seine Ruhe, kämpfte vor allem im Verein bei Bayern München um einen Platz im Kader, schaffte es wieder zum Stammspieler und damit auch zur Rückkehr in den DFB-Kader. Ähnliches gilt für Nadiem Amiri, der bei Mainz 05 aufblüht und mitverantwortlich für den Mainzer Aufschwung ist. Im November 2020 war er letztmals bei der Nationalmannschaft.
So sieht der DFB-Kader aus: Tor: Baumann, Nübel, Ortega. – Abwehr: Bisseck, Kimmich, Koch, Mittelstädt, Raum, Rüdiger, N. Schlotterbeck, Tah. – Mittelfeld: Adeyemi, Amiri, Andrich, Goretzka, Groß, Leweling, Musiala, Sané, Stiller. – Angriff: Burkardt, Kleindienst, Undav.
Außerdem spielen im Viertelfinale Niederlande – Spanien, Dänemark – Portugal und Kroatien – Frankreich. Die Endrunde findet vom 4. – 8. Juni in Deutschland (Stuttgart, München) oder Italien statt, je nachdem wer sich durchsetzt.
Haben die Bayern den Dortmund-Virus?
In der Bundesliga wird es immer spannender, manche sind deshalb froh, wenn es eine Verschnaufpause gibt. Für die Nationalspieler geht der Stress zwar weiter, aber die Abwechslung bringt manchen wieder neuen Schwung im Verein. Das könnten vor allem die Bayern gebrauchen, die zweimal gegen Abstiegskandidaten sieglos blieben. Dem peinlichen 2:3 gegen Bochum schloss sich ein unglückliches 1:1 bei Union Berlin an – und jetzt kommt mit St. Pauli wieder ein Team aus dem Tabellenkeller! Es scheint, die Bayern haben sich den Dortmund-Virus zugezogen, das heißt international gut und national schlecht. Da reiben sie sich in Leverkusen schon die Hände, holen sich wieder neues Selbstvertrauen. Das glückliche 4:3 in Stuttgart mit dem Siegtreffer in der Nachspielzeit (nach 1:3-Rückstand) weckt wieder Erinnerungen an das Vorjahr, als sich Bayer im Flow befand und Spiele oft in der Nachspielzeit zu seinen Gunsten entschied. „Wir sind wieder da, wir geben nicht auf,“ tönt Jonathan Tah, nachdem sich der Rückstand auf Bayern auf sechs Punkte verkürzt hat. Die Bayern hoffen nach der Pause wieder auf einen fitten Manuel Neuer, nachdem Nachwuchsmann Urbig beim Ausgleich böse patzte. Bei einem Spitzenteam muss man auch besondere nervliche Anforderungen bestehen.
Schwache Nerven hat wohl auch Dortmund, das immer wieder hoffen lässt, dann aber wieder den nächsten Rückschlag hinnehmen muss, wie jetzt das 0:2 in Leipzig. Da wird der Weg nach Europa immer schwerer, Platz 11 mit zehn Punkten Rückstand zu einem CL-Platz sind viel Holz bei acht ausstehenden Spieltagen. Der nächste Gegner ist übrigens der Dritte Mainz 05! „Mannschaft der Stunde“ ist der FC Augsburg, der in der Rückrunde noch ungeschlagen ist und nach dem 1:0 über Wolfsburg berechtigt nach Euiropa schielt (ohne davon zu sprechen). Nur vier Punkte fehlen.
Am Tabellenende geht es immer enger zu, Heidenheim meldete sich zurück und gab beim 3:1-Sieg über Kiel die rote Laterne an die „Störche“ zurück. Nur ein Punkt fehlt wieder zum Relegationsrang von Bochum, zwei Siege sind es zum rettenden Platz 15, den St. Pauli inne hat.
Große Kasse in der Champions League
International überzeugten die Bundesligisten, neben den Bayern als große Gewinner im Bundesliga-Duell mit Leverkusen, kamen auch Dortmund dank der Europa-Form und Frankfurt in der Europa League dank der Europa-Euphorie ins Viertelfinale. Dort kommt es zum nächsten deutsch-italienischen Duell wenn die Bayern auf Inter Mailand treffen, Dortmund hat es zweifellos mit dem FC Barcelona ein Stückchen schwerer. Da gibt es ein Wiedersehen mit Hansi Flick und Robert Lewandowski. Die Sieger dieser Vergleiche treffen im Halbfinale aufeinander. Gibt es ein deutsches Duell? Außerdem spielen am 8./9. und 15./16. April Arsenal London – Real Madrid und Paris St. Germain -Aston Villa. Frankfurt trifft im Viertelfinale auf Tottenham Hotspur, außerdem spielen am 10. und 17. April Glasgow Rangers – Athletic Bilbao, FC Bodö/Glimt – Lazio Rom und Olympique Lyon – Manchester United.
Die internationalen Erfolge der Bundesligisten haben Deutschland in der UEFA-Rangliste wieder auf Rang vier zurück geführt, für einen fünften CL-Platz muss es aber Rang zwei sein. Dennoch konnten die Bundesligisten schon jetzt große Kasse machen. Bayern kassierte bisher an Prämien 105,866 Millionen Euro und ist sogar die Nummer 1 vor Paris (104, 417). Dortmund konnte mit 102,163 Millionen seine Kasse auch gut füllen, quais als Trostpflaster, wenn es in diesem Jahr mit Europa nicht klappt. Leverkusen kassiert nur zweistellig (87,106) und bei Frankfurt (23,975 in der EL) sieht man, dass es vor allem finanziell eine Zwei-Klassen-Gesellschaft gibt.
Titel-Wochen der Bayern-Frauen
Für keine Mannschaft geht es in den nächsten Tagen um so viel, wie für die Frauen des FC Bayern München. Es stehen gleich alle drei erreichbaren Titel auf dem Spiel! Die erste Bewährungsprobe haben sie mit einem souveränen 3:1-Sieg gegen Verfolger Wolfsburg bestanden, größter Konkurrent in der Bundesliga ist jetzt Eintracht Frankfurt, das Mitte April München erwartet (am 30. März geht es noch gegen den Vierten, Leverkusen). Titel Nummer zwei ist der Pokal und da steht am Samstag das Duell mit der TSG Hoffenheim auf dem Programm (außerdem Hamburger SV – Werder Bremen). Das Pokal-Halbfinale befindet sich im Champions-League-Sandwich mit Olympique Lyon, in den letzten Jahren eine der stärksten Teams in Europa. Lyon gastiert Dienstag in München, Rückspiel am 26. März in Lyon. Nur Bestform garantiert Titel, gerade Lyon könnte eine Nummer zu groß sein.
Vom Sieg in der Champions League träumen auch die Wölfinnen, ihre Aufgabe im Viertelfinale ist aber nicht leichter, immerhin geht es gegen Titelverteidiger FC Barcelona, am Mittwoch zu Hause und am 26. März in Barcelona. Für Wolfsburg ist es aber mehr oder weniger die letzte Chance auf einen Titel nach sechs Punkten Rückstand auf die Bayern in der Bundesliga und dem Pokal-Aus.