Dortmund lacht wieder, Bayern hadert, Bayer hofft

von knospepeter

Die entscheidenden Wochen im Profi-Fußball haben es in sich, sie beherrschen die Schlagzeilen. Das Geschehen auf dem grünen Rasen ist eigentlich interessant genug, doch wurde es in den letzten Tagen durch zwei Abschiedsmeldungen in den Schatten gestellt. Vor allem die Nachricht, dass die Karriere von Thomas Müller nach dieser Saison in München endet, überraschte. Da war die Meldung, dass Mats Hummels seine Karriere im Sommer beendet, nicht mehr so der Knüller. Er hatte in Rom noch einmal ein Auslandserlebnis, aber eigentlich war seine Karriere nach dem Abschied aus Dortmund vorbei.

Anders sieht es in München aus. Bei den Bayern wird gehadert, nicht nur, weil sie den Abschied der Vereins-Legende nicht sauber hingekriegt haben, sondern auch, weil Verletzungen die gesteckten Ziele in den wichtigsten Spielen des Jahres gefährden. Nachdem sich Jamal Musiala beim 3:1-Sieg in Augsburg einen Muskelbündelriss im Oberschenkel zuzog und vielleicht sogar bis Saisonende ausfällt, ist vor allem einer gefordert: Thomas Müller. Bei dem Hickhack um seine Vertragsverlängerung machte vor allem einer eine schlechte Figur: Sportvorstand Max Eberl. Er wurde zwar gelobt, dass er die Verträge von Davies, Musiala und Kimmich verlängern konnte, doch für Müller war offensichtlich kein Geld mehr da. Aber anstatt in Ruhe zu verhandeln und mit einem Ergebnis gemeinsam an die Öffentlichkeit zu gehen, wurde ein Ende in Würde verspielt. Das war von den Bayern-Verantwortlichen nicht meisterlich.

Ob es die Spieler besser machen? Trainer Vincent Kompany muss nach den Ausfällen von Neuer, Davies, Upamecano, Coman, Pavlovic und Musiala buchstäblich mit dem letzten Aufgebot antreten, an Rotation ist nicht mehr zu denken, in Mittelfeld und Abwehr geht die Not um. So bangt Torjäger Harry Kane um sein großes Ziel, endlich einmal einen Pokal zu gewinnen. Auch um ihn hatten die Bayern Angst, aber ein geschwollener Knöchel zwingt ihn nicht zur Pause. Geschehen ist das beim 3:1 in Augsburg bei einer entscheidenden Szene. Beim Stand von 1:1 grätschte FCA-Abwehrmann Zesiger von hinten, um Kane zu stoppen, traf zwar den Ball, aber auch Kane – von hinten! Schiedsrichter Dr. Jöllenbeck zückte Gelb, was Gelb-Rot bedeutete, nachdem Zesiger schon verwarnt war. Aus dem Freistoß entstand das 2:1 (durch Kane!). Die Augsburger schimpften hinterher, dabei war Gelb durchaus korrekt, keine Rede war allerdings davon, dass der Schiedsrichter Elfmeter für Bayern hätte geben müssen, als Gouweleeuw Kane im Strafraum foulte. So endete die Augsburger Erfolgsserie von elf ungeschlagenen Spielen und die Bayern bleiben auf Meisterkurs.

Aber in den nächsten Tagen kommt es dicke: Die Aufgaben heißen der Reihe nach Inter Mailand, Dortmund, Mailand und zum Schluss Heidenheim. Zunächst steht die Champions League im Vordergrund und Inter Mailand ist im Viertelfinale keineswegs ein leichtes Los. Der Tabellenführer der Serie A ließ zwar in Parma beim 2:2 Federn, schonte sich aber zu sehr nach einer 2:0-Führung. Eher zählt, dass Inter die CL-Ligarunde als Vierter mit 19 Punkten und 11:1 Toren (!) abschloss, es gilt also ein Bollwerk zu überwinden. Achtung: In K.o.-Spielen gegen Bayern war Inter jeweils besser, besonders bitter für die Bayern die 0:2-Niederlage 2020 im CL-Finale! Andererseits schauen die Bayern auf ihre gute Gesamtbilanz: In neun Spielen gegen Inter gab es fünf Siege, seit 22 Heimspielen sind sie in der CL ungeschlagen und stehen zum 23. Mal in Viertelfinale, ein Rekord. Doch die Gegenwart schaut eben nicht rosarot aus, vor allem das Mailänder Angriffsduo Marcus Thuram und Lautaro Martinez befindet sich in Torlaune – und das gegen eine anfällige Bayern-Abwehr. Inter träumt vom Triple, ist in allen Wettbewerben noch dabei, muss mit Dumfries, Zielinski und Taremi aber auch auf Nationalspieler verzichten.Ein Duell also mit vielen Unwägbarkeiten. Ausgerechnet Thomas Müller lässt verkünden: „Was nur zählt, ist das Finale dahoam am 31. Mai.“

Der Bundesliga-Terminkalender hat wieder eine Besonderheit auf Lager, dass sich mit Bayern und Dortmund am Samstag ausgerechnet die beiden CL-Teams quasi im Zwischenspiel gegenüberstehen. Dafür holte sich die Borussia zuletzt den richtigen Schwung, beendete das Auf und Ab mit zwei Siegen gegen Mainz und in Freiburg. Jetzt wird in Dortmund wieder gelacht und Trainer Niko Kovac sieht gelassen den großen Aufgaben gegen zweimal FC Barcelona und in München entgegen. Seine Kader-Möglichkeiten haben sich verbessert, mit dem 21-jährigen Chukwuemeka (ausgeliehen von Chelsea London) kam ein vielversprechendes Talent hinzu. Mit Barcelona mit Ex-Bundestrainer Hansi Flick als Steuermann kommt natürlich ein anderes Kaliber auf die Borussia zu. Barca blieb 22 Spiele in diesem Jahr ungeschlagen, führt die Tabelle in Spanien an und hat mit Lamine Yamal, Lewandowski und Raphinha ein Angriffstrio, das fast seinesgleichen sucht. Ob sich am Ende die Dortmunder wirklich auf „Lewa“ als Rückkehrer freuen? Die Borussia hat die CL ja doppelt im Visier, denn in der Bundesliga wurde der Kampf um Platz vier noch nicht aufgegeben. Da wird auch München doppelt wichtig und am Ende steht die Aufgabe gegen den Mitkonkurrent Gladbach. Im CL-Viertelfinale stehen sich außerdem FC Arsenal und Real Madrid sowie Paris St. Germain und Aston Villa gegenüber.

Dortmund lacht, Bayern hadert – und Titelverteidiger Bayer Leverkusen hofft wieder. Sechs Punkte Rückstand auf die Bayern? Na, und? Dabei sah es vor ein paar Tagen ganz anders aus. Die peinliche 1:2-Pokalniederlage in Bielefeld schien das Ende der Erfolgsära Xabi Alonso einzuläuten. Ist er doch kein Wundermann? Das glückliche 1:0 beim Abstiegskandidaten Heidenheim änderte viel. Ein Treffer in der Nachspielzeit, erfolgreiche Joker, so wurden Erinnerungen ans erfolgreiche Vorjahr wach. Aufgeben gilt nicht. Leverkusen hat aber unter der Woche Pause, erwartet am Samstag Union Berlin, wird vorlegen und warten, wie sich die Bayern gegen Dortmund schlagen.

Im Pokal war der VfB Stuttgart glücklicher, er beendete eine Reihe von schwachen Leistungen mit einem 3:1 gegen Leipzig und sieht das Finale am 24. Mai gegen den Drittligisten Bielefeld als gutes Omen. 1997 holte der VfB letztmals den Pokal und siegte gegen den Drittligisten Cottbus! Trainer war damals Jogi Löw. Bielefeld darf aber stolz sein, ist doch die Arminia erst der vierte Drittligist in einem Finale.

Schottland kein Gradmesser für die Frauen

Bundestrainer Christian Wück wollte nicht gleich wieder kritisieren. „Wir haben zu Null gespielt, es war ein ansprechender Auftritt bei schlechten Platzverhältnissen,“ war er mit seinen Mädels nach dem 4:0-Sieg in Dundee gegen Schottland in der Nations League durchaus zufrieden. Allerdings: Schottland war kein Gradmesser, in Sachen Spielkontrolle und Fehlerquote ist noch Luft nach oben, ein ernsthafter Test für die EM im Juli war es nicht. Der folgt noch gegen die Niederlande und Österreich. Im Rückspiel gegen Schottland am Dienstag (17.45 Uhr/ARD) in Wolfsburg wird Wück vor allem eine weitere Steigerung sehen wollen.

Für den Paukenschlag im Frauen-Fußball sorgte Wolfsburgs Trainer Tommy Stroot, der am Dienstag völlig überraschend seinen sofortigen Rücktritt beim VfL bekannt gab. „Ich habe in den vergangenen Wochen gemerkt, dass ich nicht mehr die Energie in mir spüre, die es braucht, meinen eigenen Ansprüchen und denen des Vereins gerecht zu werden.“ Der Zeitpunkt ist seltsam, 2024 wollte der Trainer schon einmal gehen, verlängerte seinen Vertrag dann aber bis 2027. Offensichtlich war er mit den Zukunftsplanungen des VfL nicht zufrieden, das Verhältnis zum Team soll auch Risse gehabt haben. Erfolgreich war Stroot, der 2021 von Twente Enschede kam, er wurde 2022 Meister und gewann dreimal den DFB-Pokal. Als Nachfolger werden Theresa Merk, deren Vertrag in Freiburg ausläuft, und Stephan Lerch gehandelt. Lerch war Vorgänger von Stroot in Wolfsburg, sein Vertrag als Sportlicher Leiter in Hoffenheim läuft aus, er möchte wieder als Trainer arbeiten. Von 2017 bis 2021 gewann er dreimal die Meisterschaft und viermal den Pokal mit Wolfsburg. In diesem Jahr wird der VfL eher leer ausgehen, ist im Pokal ausgeschieden und liegt in der Meisterschaft sechs Punkte hinter Tabellenführer Bayern München. In der Bundesliga steht am Samstag das Duell der Spitzenteams im Mittelpunkt, der Zweite Eintracht Frankfurt erwartet die Bayern-Mädels und will den Abstand von sechs Punkten verkürzen (Samstag, 14.00 Uhr).