Bundesliga: Im Titelkampf geht es um Geld und Wirtz
von knospepeter
Ja, will denn keiner Meister werden? Mit sechs Punkten Vorsprung gehen die Bayern weiterhin in die letzten fünf Spiele der Saison, es hätten acht sein können, aus Bayer-Sicht aber auch nur vier. Weil aber beide Kontrahenten den Schneckengang einlegten, sowohl gegen Dortmund beim 2:2 als auch gegen Union Berlin beim blassen 0:0 nur ein Unentschieden erreichten, bleibt alles wie es war. Aber die Spiele standen gar nicht im Mittelpunkt, man hat das Gefühl, im Titelkampf geht es statt um Punkte um Geld und die Zukunft von Florian Wirtz.
Bayers Superstar feierte gegen die Berliner sein Comeback nach einer Verletzungspause, konnte dem Spiel aber keine Wende mehr geben. Was seine Zukunft angeht, bleibt er immer im Gespräch. Angeblich sind inzwischen 250 Millionen Euro für einen Wechsel aufgerufen. Da tönt es aus München, „so viel Geld haben wir nicht“. Bisher war das Festgeldkonto der Bayern legendär, jetzt bremste ausgerechnet Ehrenpräsident Uli Hoeneß: „Der FC Bayern muss ganz klar sparen. Von unserem Festgeldkonto ist nicht mehr viel da“, sagte er in einem Interview und schob nach, „wenn wir 50 Millionen brauchen, müssen wir in die Kreditabteilung einer Bank“. Bayern und die Kreditabteilung, früher ein Horrorszenario. War das nur eine Hoeneß-Plauderei für die Schlagzeilen? Boss Jan-Christian Dreesen sieht das Festgeldkonto noch gut gefüllt: „Es ist noch genug drauf, für wen es auch immer reichen mag.“ Der Mann sollte sich auskennen, schließlich führte er die Kreditabteilung einer Bank. Außerdem: In Champions League und bei der Klub-WM winken den Bayern jeweils über 100 Millionen Euro Einnahmen!
Nur, für wen braucht es Geld? Natürlich ist wieder Florian Wirtz im Gespräch mit den üblichen Spekulationen.Jede Woche wird neu aufgekocht in der Gerüchteküche mit Blick auf Real Madrid und Bayern. Real droht das Aus in der Champions League, da droht auch das Aus für Trainer Carlo Ancelotti, dem sowieso Amtsmüdigkeit nachgesagt wird. Der Nachfolger natürlich Xabi Alonso, der Wirtz mitbringt. Oder doch nicht? Will Wirtz lieber nach München, die Eltern, die den Sohn beraten, sollen schon öfters bei einem Herrn am Tegernsee zum Essen eingeladen worden sein. Dort wohnt Uli Hoeneß… Der wiederum meint, dass das Festgeldkonto durch die teuren Vertragsverlängerungen von Musiala, Kimmich und Davies geplündert wurde. Sportvorstand Max Eberl sprach aber auch wieder in Rätseln, als er zur Nichtverlängerung des Vertrags von Thomas Müller orakelte: „Das passt nicht ins Konzept, was wir im Sommer vorhaben.“ Wirtz statt Müller?
Im Moment ist Müller kür die Bayern noch unverzichtbar, das zeigte sich sowohl beim 1:2 gegen Inter Mailand als auch beim 2:2 gegen Dortmund. Gegen Inter saß er zunächst auf der Bank, kam spät, schoss aber sofort das Tor zum 1:1. Er wurde vom Publikum gefeiert und es ging ein Ruck durch die Mannschaft. Allerdings sorgte Trainer Vincent Kompany für ein seltsames Kunststück: Er wechselte gleichzeitig den Erfolg (Tor Müller), als auch die Niederlage ein (Fehler Boey beim 1:2)! Gegen Dortmund durfte Müller von Anfang an ran und zeigte seinen Wert, für die Tore sorgten aber wieder Einwechselspieler: Ausgerechnet Guerreiro (gegen Inter schwach) und Serge Gnabry. der lang Vergessene, der vor dem Tor zum 2:1 durch Dortmunds Abwehr tanzte. Da kommt schon wieder ein Rätsel auf Max Eberl zu: Die Bayern zögern, ob sie die Verträge mit Sané und Gnaby verlängern sollen. Beide waren lange Zeit nicht in Bestform, trumpfen aber plötzlich auf. Was tun? Ein ähnliches Problem hat auch Werder Bremen. Dort soll Oliver Burke gehen, doch jetzt darf er spielen und schießt entscheidende Tore, wie beim Sieg in Stuttgart.
Übrigens gibt es in der Bundesliga nicht nur an der Spitze ein Schneckenrennen, dahinter ist die Situation unklar, einmal sind die einen in Form, dann wieder die anderen, Konstanz fehlt. Eigentlich wollen doch alle nach Europa, aber nicht alle zeigen es. Von der Champiions League träumen darf Eintracht Frankfurt, dass in der Europa League beim 1:1 bei Tottenham überzeugte und mit einem 3:0 gegen Heidenheim Rang drei in der Bundesliga festigte. Dahinter taucht wieder Leipzig auf, ein 3:2-Sieg in Wolfsburg sorgte für einen Sprung nach oben. 48 Punkte bedeuten Rang vier, dahinter kämpfen aber mit Mainz (46), Freiburg (45), Gladbach (44), Dortmund, Bremen, Augsburg (alle 42!) und Stuttgart (40) mindestens sieben Klubs um drei Plätze in CL und EL. Dabei hat der VfB mit einem Sieg im Pokalfinale noch einen Notausgang nach Europa.
Bayerns Hoffnung: Es ist erst Halbzeit
In dieser Woche steht aber erst wieder einmal Europa im Mittelpunkt. Frankfurt hat (siehe oben), die beste Ausgangsposition, um das EL-Halbfinale zu erreichen. Dortmund kämpft dagegen vor allem um die Ehre, denn die 0:4-Pleite in Barcelona war für den guten Ruf abträglich. Wie befürchtet brachte das Sturm-Trio Lamina Yamal, Lewandowski und Raphinha die Borussia-Abwehr gehörig durcheinander. Die Bayern dagegen haben noch Hoffnung, machen sich damit Mut, dass im Vergleich mit Inter erst „Halbzeit“ sei und vertrauen darauf, dass sie in der zweiten Halbzeit oft Spiele gedreht haben. Zu dem Duell gibt es eine interessante Statistik: Die Bayern gewannen bisher alle drei CL-Spiele in Mailand, zuletzt 2022 mit 2:0. Das aber war auch die letzte Heimniederlage von Inter, das seitdem in der Champions League 17 Heimsiege zu Buche stehen hat. Da haben beide Teams einen Mutmacher… Mit Barcelona, Paris St. Germain (3:1 gegen Aston Villa) und Inter können drei Meister im Halbfinale vertreten sein, fast eine echte Champions League also. Außenseiter wäre nur Arsenal London, das ein 3:0-Polster gegen Real hat, aber Madrid zeigte schon tolle Aufholjagden.
Bayern-Frauen können fast feiern
Die Männer des FC Bayern haben gerade Probleme mit dem Tore schießen, die Frauen zeigen ihnen, was Effektivität bedeutet. Beim 3:0-Sieg in Frankfurt waren ungefähr drei Chancen auch drei Tore durch Schüller, Bühl und Harder. Vor 30500 Zuschauern im Deutsche-Bank-Park konnten die Eintracht-Mädchen ihre Chance nicht nutzen, dem Tabellenführer die Meisterschaft noch streitig zu machen. Nachdem auch Wolfsburg beim 1:1 in Freiburg patzte, haben die Bayern-Frauen drei Spieltage vor Saisonschluss acht Punkte Vorsprung vor Wolfsburg. Frankfurt liegt einen weiteren Zähler zurück, der Halbzeitmeister muss jetzt um Platz zwei und die direkte Qualifikation für die Champions League kämpfen. Gegen die Bayern konnten einige Ausfälle nicht verkraftet werden.
In München kann fast gefeiert werden, Freiburg, Jena und Essen sind die letzten Gegner, zuerst gibt es an Ostern allerdings eine Pause. Gewinnen die Bayern-Mädchen gegen Freiburg könnten sie in einer Woche zwei Titel feiern, die zweite Möglichkeit gibt es am 1. Mai im Pokalfinale in Köln gegen Werder Bremen. Die Münchnerinnen wollen dem Gegner keine Chance lassen. Trainer Alexander Straus nach dem 3:0-Sieg: „Wir haben die Erfahrung, wie man Spiele gewinnt.“ Für Torjägerin Lea Schüller war „alles perfekt“. Durch das Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League wird es trotzdem keine perfekte Saison. Aber ein guter Trost wäre es, wenn die Frauen mit den Männern am Marienplatz in München die Meisterschaft feiern könnten. Kommt darauf an, ob Kane und Co. von den Frauen in Sachen Effizienz lernen…
Großer Masters-Abschied von Bernhard Langer
Die Golfer spielen in Deutschland oft unter dem Radar der Öffentlichkeit, dabei können sie mit einem Athleten aufwarten, der international eine Reputation und Beliebtheit aufweist, wie kaum ein anderer Sportler oder Sportlerin hierzulande. Der Augsburger Bernhard Langer war einst die erste Nummer 1 der Weltrangliste und zweifacher Master-Sieger in Augusta. 40 Jahre nach seinem ersten Erfolg feierte der inzwischen 67-Jährige seinen Abschied vom Masters. Um einen Schlag verpasste er den Cut für das Wochenende, obwohl er fast sein bestes Golf spielte. Die Zuschauer feierten ihn mit Standing Ovations, Spieler und Veranstalter ehrten ihn am Schluss mit besonderen Überraschungen. Sohn Jason stand als Caddie an der Seite des Vaters, aber nicht nur die ganze Familie war an seinem Ehrentag da, sondern Bekannte und Freunde aus der ganzen Welt. Ein Abschied vom Golf war es für Langer noch nicht, auf der Champions Tour der über 50-Jährigen will er noch ein bisschen mitmischen. Hier brach er fast alle Rekorde.
Noch einer feierte ausgiebig: Für Roy McIllroy ging ein Traum in Erfüllung, er gewann nach 14 Anläufen erstmals das Masters, im Stechen gegen Justin Rose. Damit hat der Nordire den Grand Slam perfekt, er hat jetzt alle Major-Turniere gewonnen. Belohnt wurde das mit 4,2 Millionen Dollar Preisgeld.