Bundesliga-Lust nach Europa-Frust

von knospepeter

Das Ausscheiden in den europäischen Wettbewerben ist abgehakt, die deutschen Bundesligisten konzentrieren sich auf das nationale Geschehen und kämpfen darum, im nächsten Jahr wieder auf Europas Bühnen mitmischen zu können. Auffallend: Nach dem Ausscheiden folgten Siege bzw. Punktgewinne, also Bundesliga-Lust nach dem Europa-Frust. Aber leider kommt man an einem Urteil nicht vorbei: Stark in der Bundesliga, schwach auf dem internationalen Parkett (zu diesem Thema der nächste Blog: „Ist die Bundesliga international nur noch zweitklassig?“).

Lust und Frust vor allem bei Bayern München und Borussia Dortmund, die im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden sind. Für die Bayern war Inter Mailand zu stark, der 1. FC Heidenheim wiederum zu schwach. Das Team von der Ostalb wurde buchstäblich an die Wand gespielt, FCH-Trainer Frank Schmidt urteilte resigniert nach dem 0:4 „Wir :hatten keine Chance“. So bekam der junge Neuer-Vertreter Jonas Urbig ein besonderes Geschenk: Sein erstes Zu-Null-Spiel! Der Meistertitel bedeutet für München jetzt mehr als nur das tägliche Brot, die Saison wird diesmal nicht ohne Silberware beendet. Es kann fast nichts mehr passieren, nachdem sich Titelverteidiger Bayer Leverkusen einen Ausrutscher bei St. Pauli (1:1) leistete, bedeutet acht Punkte Rückstand. „Da haben wir fast keine Chance mehr, aber wir werden alles versuchen,“ sagt Bayer-Trainer Xabi Alonso pflichtgemäß. Die Entscheidung könnte schon am Samstag fallen, wenn die Bayern Mainz schlagen und Leverkusen gegen die Remis-Könige aus Augsburg wieder nicht gewinnt. Mit dem Ausscheiden in der CL gegen München haben die Alonso-Schützlinge auch ihr Gewinner-Gen verloren. Das Restprogramm spricht für den Tabellenführer: Mainz (H), Leipzig (A), Gladbach (H), Hoffenheim (A) sind die Gegner, eine um 29 Tore bessere Tordifferenz bedeutet zudem quasi einen Zähler mehr. Und Leverkusen kann auch noch Federn lassen gegen Augsburg (H), Freiburg (A), Dortmund (H) und Mainz (A).

In München fällt auf, dass nach dem Ausscheiden in der Champions League Trainer Vincent Kompany in keinster Weise in der Kritik stand. Das war bei seinen Vorgängern Thomas Tuchel, Niko Kovac, Carlo Ancelotti und Julian Nagelsmann noch anders. Offensichtlich der wesentliche Unterschied: Kompany verliert die Kabine nicht, die Mannschaft steht hinter ihm. „Er ist intelligent, einfallsreich und hat es geschafft, dass die Unruhe im Verein nicht in die Kabine dringt. Er stellt sich immer vor seine Spieler,“ lobte Joshua Kimmich, in Heidenheim Kapitän. Jetzt träumen zumindest schon die Fans von der Feier auf dem Marienplatz, was auch Thomas Müller gefallen wird, der dann (neben einem Abschiedsspiel) einen schönen Abschied hätte. Feiern werden vor allem auch die Engländer Harry Kane und Eric Dier, beide früher zusammen bei Tottenham und noch ohne Titel. Vor allem Kane ging vor allem zu den Bayern, weil er es für sicher hielt, dort was Glänzendes zu gewinnen!

Bei Titelverteidiger Bayer Leverkusen ist es mit der Ruhe vorbei. In der letzten Saison noch ungeschlagen und auf Wolke sieben, gibt es jetzt immer mehr Unruhe. Es geht um die Zukunft, bleiben Trainer Alonso und Talent Florian Wirtz? Klub-Chef Fernando Carro hat Alonso ein Ultimatum gesetzt: „Wir können nicht bis zum Saisonende auf seine Entscheidung warten.“ Immer mehr kommt Real Madrid ins Gespräch, dort fehlte zuletzt der Erfolg und es wird gemunkelt, dass Carlo Ancelotti noch vor Saisonschluss hinwerfen könnte. Kandidat Nummer 1 Xabi Alonso, der will abwarten, was passiert. Um Wirtz buhlen neben Real auch Pep Guardiola für Manchester City und die Bayern sind immer im Gespräch.

Bundesliga-Lust ist vor allem auch bei Borussia Dortmund zu spüren. Das Ausscheiden in der CL war ja sogar mit einem Erfolgserlebnis verbunden, der 3:1-Sieg gegen den FC Barcelona machte Mut, half zwar nach dem 0:4 im Hinspiel nicht mehr, aber immerhin war es Barcas erste Niederlage in diesem Jahr. Und Dortmund will in der Bundesliga weiter auf dieser Welle reiten, das zeigte sich schon beim 3:2-Sieg gegen Gladbach. So zog Dortmund, vier Spiele ungeschlagen, am Namensvetter (drei Spiele ohne Sieg) in der Tabelle vorbei und im Kampf um Platz vier für die Champions League hat sich die Situation verbessert, da die Konkurrenz größtenteils Federn lassen musste. So schaffte Leipzig keinen Heimsieg gegen Schlusslicht Kiel. Frankfurt festigte trotz eines 0:0 in Augsburg damit Rang drei, aber von der Eintracht (52 Punkte) bis zum FCA auf Platz 10 (43) reichen die Kandidaten für einen Platz für Europa, den im Moment nach Leipzig (49) noch Freiburg (49) für Europa League und Mainz (47/für Conference League, auch in der Krise, fünf Spiele ohne Sieg) einnehmen.

Da kann ein Blick aufs Restprogramm nicht schaden: Frankfurt: Leipzig (H), Mainz (A), St. Pauli (H), Freiburg (A). – Leipzig: Frankfurt (A), München (H), Bremen (A), Stuttgart (H). – Freiburg: Wolfsburg (A), Leverkusen (H), Kiel (A), Frankfurt (H). – Mainz: München (A), Frankfurt (H), Bochum (A), Leverkusen (H). – Dortmund: Hoffenheim (A), Wolfsburg (H), Leverkusen (A), Kiel (H). – Bremen: St. Pauli (H), Union (A), Leipzig (H), Heidenheim (A). – Gladbach: Kiel (A), Hoffenheim (H), München (A), Wolfsburg (H). Augsburg: Leverkusen (A), Kiel (H), Stuttgart (A), Union (H).

Man sieht, es gibt noch viele direkte Duelle, Dortmund könnte mit das leichteste Restprogramm haben. Die Hoffnung auf einen CL-Platz lebt. Bei den Vereinen, die nicht direkt zum Favoritenkreis gehören, wird auf Understatement gemacht, so in Augsburg, da heißt es „wir denken nur von Spiel zu Spiel.“ Anders wiederum in Stuttgart, der VfB ist zurückgefallen, er muss sich auf das Pokalfinale am 24. Mai gegen Bielefeld konzentrieren, was bei einem Sieg wiederum die Tür zur Europa League öffnet.

Was noch am Rande geschah: Einen Bundesliga-Rekord gab es beim 4:4 zwischen Union Berlin und Stuttgart, das Ergebnis stand schon zur Halbzeit fest, acht Tore in der ersten Hälfte gab es noch nie! Und das im 100. BL-Heimspiel von Union. Außerdem wurde damit der Klassenerhalt sichergestellt. Bemerkenswertes auch in Freiburg. Nicht der 3:2-Sieg gegen Hoffenheim, sondern dass 5442 Fans im Rahmen einer Spendenaktion mit dem Fahrrad zum Spiel kamen!

Apropos Hoffenheim: Da gerät Trainer Christian Ilzer immer mehr in die Schusslinie, seine Zeit wird wohl nach der Saison abgelaufen sein. Noch ist der Klassenerhalt nicht perfekt. Der VfL Wolfsburg muss nicht mehr zittern, aber Platz 12 ist nicht das, was man sich in der VW-Stadt vorgestellt hat und deshalb dürfte auch dort am Saisonende für Trainer Ralph Hasenhüttl Schluss sein. Anders bei Schlusslicht Kiel, da hat man den Vertrag mit Aufstiegscoach Rapp verlängert.

Straus legt ein Ei ins Osternest

Das war ein Paukenschlag, als Trainer Alexander Straus verkündete, dass er Bayern München am Saisonende verlassen werde. Straus legte dem Verein ein Ei ist Osternest. Der 49-jährige Norweger coachte drei Jahre lang die Bayern-Frauen und führte sie jeweils zur Meisterschaft, die auch diesmal fast sicher ist. Als krönender Abschluss könnte es mit einem Pokalsieg das Double werden. Straus zieht es nach Amerika, wo er den Angel City FC in Los Angeles übernehmen wird.

Damit sind beide Bundesliga-Spitzenteams auf Trainersuche, denn bekanntlich hat beim VfL Wolfsburg Tommy Stroot das Ruder bereits aus der Hand gegeben. Als sein möglicher Nachfolger galt Stephan Lerch, der auch sein Vorgänger war, doch jetzt wird er auch bei den Bayern gehandelt. In München im Gespräch ist auch Andries Jonker, derzeit Nationaltrainer der Niederlande. Jonker kennt die Bayern, war er doch von 2009 bis 2011 Co-Trainer bei den Männern und sogar nach der Beurlaubung von Louis van Gaal einige Monate lang Cheftrainer.

Zunächst wollen die Bayern-Mädchen aber die Meisterschaft wirklich unter Dach und Fach bringen. Das könnte am Sonntag (14.00 Uhr) gegen den Fünften SC Freiburg gelingen. Doch die Freiburgerinnen bereiteten den Bayern oft Probleme, im Hinspiel gab es ein 2:2. Das würde noch nicht reichen, um den Titel sicher zu haben. Wolfsburg erwartet am Montag (18.00 Uhr) Hoffenheim.