Der FC Bayern im Meister-Rausch
von knospepeter
Die Meisterschale ist wieder „dahoam“ – so sehen es zumindest die Münchner! Der FC Bayern ist wieder Deutscher Meister, feiert seinen 34. Titelgewinn und strotzt vor Selbstbewusstsein: Leverkusens „Diebstahl“, die Meisterschaft vor einem Jahr nach elfjähriger Regentschaft der Bayern soll nur eine Ausnahme gewesen sein. Eine Ausnahme war auch, dass die Münchner am Sonntag in einem Luxusrestaurant warteten, ob sie feiern können oder nicht. Erst zum vierten Mal wurden die Bayern quasi auf dem Sofa Meister. Mit Leverkusens 2:2 in Freiburg war der Titel unter Dach und Fach, brachen die Dämme, floss der Champagner. Am heftigsten feierte wohl Harry Kane, sein Meisterfluch ist beendet, endlich hielt der Engländer etwas in der Hand. Genau so ging es auch Landsmann Eric Dier, der ebenfalls noch nie Meister wurde, eine Premiere war ein Titel auch für Olise, Ito, Guerreiro und die Talente Pavlovic, Urbig und Peretz. Die Meisterschaft kam zum richtigen Zeitpunkt, zum 20-jährigen Bestehen der Allianz Arena, die ihre Anschrift jetzt am Franz-Beckenbauer-Platz hat.
Aus dem Feiern kamen die Münchner in den letzten Tagen nicht heraus, der FC Bayern ist quasi im Meister-Rausch, denn die Frauen holten bekanntlich ihren dritten Titel hintereinander bereits am vergangenen Wochenende und machten am Donnerstag mit einem 4:2-Sieg über Werder Bremen im DFB-Pokalfinale das Double perfekt. Dies gelang erstmals in der Vereinsgeschichte, da wurde ebenfalls kräftig gefeiert. Die nächste Sause dürfte dann auf dem Rathausbalkon der Stadt stattfinden. Für ein Triple sollen noch die Basketballer sorgen, die ebenfalls als Favorit auf den Titelgewinn gelten.
Aber zurück zu den Kompany-Schützlingen, die am Samstag nach dem Spiel gegen Gladbach (18.30 Uhr) die Meisterschale überreicht bekommen. Ein besonderer Augenblick nicht nur für Harry Kane, sondern vor allem auch für Thomas Müller, der sein letztes Heimspiel für die Bayern bestreiten wird. Mit jetzt 13 Titeln ist er der Rekordsieger (Manuel Neuer folgt mit 12, nur Bayern-Spieler stehen vorne dran, der erste Nicht-Bayer hat fünf Titel gewonnen).
Die Meisterschaft ist wohlverdient, schließlich stand der FC Bayern seit dem 3. Spieltag ohne Unterbrechung auf Platz 1. Das ist die beste Bilanz seit der Triple-Saison unter Jupp Heynckes 2013. Auch Pep Guardiola hat das nicht geschafft, der Coach, auf den Loblieder gesungen werden. Auf seinen Spuren wandelt Vincent Kompany. Der Belgier kam als Notlösung und erwies sich als Glücksgriff. Er brachte die Bayern wieder in die Spur und beruhigte das Umfeld. Nach 17 Jahren Bayern lobt Thomas Müller: „Ich denke, es ist eine Aufbruchsaison in die richtige Richtung,“ urteilt er und blickt zurück „so richtig hat seit Pep Guardiola keine Trainer-Kader-Mischung nachhaltig gepasst.“ Auch unter dem erfolgreichen Hansi Flick hätte es zwischen Trainer und Verantwortlichen gekriselt. Müllers Einschätzung: Mit Kompany könnte es passen wie mit Guardiola. Zur Erinnerung: Auch Pep hatte einen Makel, die Champions League gewann er mit den Bayern nicht.
Alles Sonnenschein ist beim Meister jedoch nicht, der Pokal soll endlich wieder einmal gewonnen werden und das große Ziel bleiben Erfolge in der Champions League. Da ist Sportvorstand Max Eberl gefordert, der immer wieder hinter vorgehaltener Hand in Frage gestellt wird. Es hapert bei Verstärkungen, es hapert aber auch bei finanziell notwendigen Verkäufen. Die teuren Vertragsverlängerungen einiger Stars sorgten eher für Tadel als für Lob. Jetzt ist auch der Verbleib von Sané unsicher, den Eberl schon vor der Unterschrift sah. Sané aber wechselte plötzlich den Berater, heißt wohl, neue Ziele. Sein Meisterstück könnte Eberl dann machen, wenn er Leverkusens Star Florian Wirtz nach München holt. Plötzlich ist auch Jonathan Tah wieder im Gespräch, der mit dem 2:2 in Freiburg sein erstes Saisontor erzielte und dafür sorgte, dass Bayer den Rekord der Münchner mit 33 ungeschlagenen Auswärtsspielen einstellen konnte.
Apropos Konkurrenz, hinter den beiden Spitzenteams bleibt es spannend. Dortmund hat sich mit sechs ungeschlagenen Spielen (davon fünf Siege) im Kampf um Europa wieder ins Gespräch gebracht, muss aber am Samstag nach Leverkusen und hat Kiel zu Gast. Frankfurt verpasste es mit dem 1:1 in Mainz die CL zu sichern, St. Pauli und der direkte Konkurrent Freiburg sind die letzten Gegner. Die Schwarzwälder verteidigen zäh Platz vier, haben gegen Kiel und die Eintracht alles selbst in der Hand. Auch Leipzig (gegen Bremen und Stuttgart) und Mainz (Bochum, Leverkusen) sind noch im Rennen, kämpfen vor allem aber um Europa League und Conference League. Bei Werder hadert man damit, sich selbst auf dem Weg nach Europa immer wieder ein Bein zu stellen, vielleicht klappt es aber noch gegen Leipzig und Heidenheim. Seltsames in Augsburg, den FCA verlässt zum Saisonende immer der Schwung, im letzten Jahr verlor nach dem erreichten Klassenerhalt die letzten fünf Spiele, jetzt sind nach dem blamablen 1:3 gegen Kiel (Hinspiel schon 1:5!) drei Spiele ohne Sieg. Kiel dagegen hofft nach drei ungeschlagenen Spielen, liegt nur noch einen Zähler hinter Heidenheim, das eine schwere Verletzung von Torhüter Kevin Müller verkraften muss. Nach einem Zusammenprall war er bewusstlos, der Schock bei den Fans war groß, er könnte bei einem Abstieg nicht größer sein. Sicher ist, Trainer Frank Schmidt würde bleiben, das ist auch in Bochum geregelt, bei einem Abstieg bleibt Dieter Hecking am Ruder und soll den Wiederaufstieg schaffen. Wolfsburg hat den Klassenerhalt sicher, Trainer Ralph Hasenhüttl wurde dennoch vorzeitig entlassen, die letzten Spiele coacht U19-Trainer Daniel Bauer an der Seitenlinie. Eine seltsame Entscheidung. Auf Trainersuche muss wohl auch Leverkusen gehen, ein Wechsel von Alonso zu Real Madrid wird immer wahrscheinlicher.
In Sachen Trainer sorgte auch die 2. Bundesliga wieder für Paukenschläge. Die Nerven liegen vor allem in Köln blank, obwohl der Verein auf Platz 2 auf Aufstiegskurs ist. Die letzten Ergebnisse gefielen den Bossen nicht, so musste Trainer Gerhard Struber gehen und mit ihm Sportvorstand Christian Keller, weil er an Struber festhalten wollte. Die Angst vor einem Scheitern soll jetzt ein alter Hase beseitigen, der 71-jährige Friedhelm Funkel, der zum dritten Mal in Köln anheuert und insgesamt schon sechs Aufstiege zu Wege brachte. 2003 hievte er auch den 1. FC nach oben!
Bayern-Frauen wollen eine Ära starten
Wer dominiert künftig den Frauen-Fußball in Deutschland? Das war die Streitfrage zwischen dem VfL Wolfsburg, der stärksten Mannschaft der letzten Jahre, und dem FC Bayern, der zuletzt dreimal Meister wurde, aber bis auf dieses Jahr im Pokal jeweils leer ausging. Jetzt setzten die Bayern-Mädchen mit dem Double ein Zeichen und sie wollen auch künftig dominieren, eine Erfolgsära starten. Das Double (zudem siegte Bayern auch im Supercup gegen Wolfsburg) war eigentlich eine besondere Leistung, weil das Team auch mit Verletzungspech zu kämpfen hatte. So fiel mit Neuzugang Lena Oberdorf, die wohl beste Verstärkung aus Wolfsburg, das ganze Jahr aus und ist quasi ein Neuzugang für die nächste Saison. Lange Zeit fehlte auch Mittelfeld-As Stanway, Torhüterin Grohs musste zudem wegen eines Tumors im Kopf pausieren, wobei die 21-jährige Ena Mahmutovic als Vertreterin bestätigte, das sie wohl das größte Torwarttalent in Deutschland ist.
Die letzten erfolgreichen Jahre trugen die Handschrift von Trainer Alexander Straus, der jetzt nach drei Jahren den Verein verlassen wird und am Sonntag (14.00 Uhr) gegen Essen sein Abschiedsspiel bestreitet. Schon beim Pokalsieg in Köln mit drei Toren von Lea Schüller kamen dem Norweger die Tränen. „Die Erwartungen an uns waren enorm, ich bin erleichtert, weil ich wirklich müde bin. Wir haben es geschafft, Bayern München an die Spitze in Deutschland zu bringen. Das war die große Aufgabe als ich kam.“ Für ihn geht es jetzt in den USA in Los Angeles weiter.
Wer sein Nachfolger wird, steht noch in den Sternen, doch die Aufgabe bleibt groß genug. Wie bei den Männern wollen auch die Frauen auf internationaler Bühne erfolgreich sein, sprich, der Sieg in der Champions League ist das große Ziel, dazu soll es noch Verstärkungen im Sommer geben.
Am letzten Bundesliga-Spieltag der Saison ist nur noch eine Frage offen, nämlich wer Zweiter wird. Die Vizemeisterschaft bedeutet die direkte Qualifikation für die CL, der Dritte muss in eine Entscheidungsrunde. Beste Chancen hat Wolfsburg, das einen Punkt vor Frankfurt liegt, allerdings mit Leverkusen (Vierter) eine schwere Aufgabe hat. Die Frankfurterinnen wollen in Leipzig siegen und sind zuversichtlich: „Wir geben die Hoffnung nicht auf.“