Eishockey-WM: Ein Moritz soll es immer richten

von knospepeter

Max und Moritz sind in Deutschland ein Begriff, die Lausbuben-Geschichten begeistern die Kinder. Im Eishockey muss der Moritz ohne Max auskommen und wenn ein Moritz fehlt, dann steht der nächste parat. Auch vor der Weltmeisterschaft in Schweden und Dänemark, die am Freitag beginnt, soll es im deutschen Team ein Moritz richten. Nachdem Kapitän Moritz Müller ausfällt, liegt die Last vor allem auf Moritz Seider, der Abwehrmann der Detroit Red Wings ist auch der neue Kapitän.

Mit Aufwind geht die deutsche Mannschaft ins Turnier im dänischen Herning, wo die eine Achter-Gruppe ausgetragen wird, die andere in Stockholm. Deutschland rechnet sich etwas aus, die Spieler reden ungeniert vom Ziel Medaille, Bundestrainer Harold Kreis ist da als 66-jähriger erfahrener Coach vorsichtiger: „Unser erstes Ziel ist das Viertelfinale.“ Allerdings meinen auch die Fans nach dem Gewinn der Silbermedaille 2023, dem Halbfinale 2021 und zweimal dem Viertelfinale 2022 und 2024, es darf ruhig wieder etwas mehr sein. Im Vorjahr war gegen den späteren Silbergewinner Schweiz im Viertelfinale Endstation. Eine erfolgreiche Weltmeisterschaft könnte aber das Interesse in Deutschland am Eishockey weiter steigern bzw. festigen. Die DEL ist nämlich stolz auf einen Zuschaueranstieg, es kamen so viele Fans wie nie zu den Spielen, insgesamt rund 3,2 Millionen. Rekorde in der Hauptrunde mit 7781 Zuschauern im Schnitt und in den Play-Offs mit 10.678, wo erstmals die Zehntausendermarke übertroffen wurde. Kein Wunder, dass auch der übertragende TV-Sender MagentaSport zufrieden ist, der mit 27,3 Millionen Zuschauern einen Zuwachs von zehn Prozent meldet.

Was aber die Qualität angeht, vor allem die Ausgeglichenheit, da gibt es leise Zweifel. Zu überlegen waren die Eisbären Berlin, die im Play-Off-Finale die letzten drei Spiele gegen Köln alle mit 7:0 gewannen. Von Spannung konnte da keine Rede sein. Kein Wunder aber, dass der Bundestrainer auf die Eisbären setzt, gleich sieben Berliner befinden sich im WM-Kader. Noch wichtiger aber, dass deutsche Spieler auch in der NHL für Furore sorgen, am meisten der großen Star Leon Draisaitl, doch der ist mit den Edmonton Oilers noch in der Endrunde beschäftigt und träumt weniger vom WM-Pokal, sondern vom Stanley Cup. Vier Spieler aus Nordamerika sind aber dabei, neben Seider Torhüter Philipp Grubauer (Seattle) sowie Lukas Reichel (Chicago), und Maksymilian Szuber (Tucson). Tim Stützle (Ottawa) ist noch im Gespräch, wird aber wohl fehlen. Die deutsche Mannschaft sollte ihre Stärke im Angriff haben, die Abwehr könnte dagegen zur Achillesferse werden. Da sind dann die Torhüter gefragt, neben Grubauer gilt Mathias Niederberger (München) als starker Rückhalt, der dritte Mann ist Arno Tiefensee (Mannheim).

Gegenüber den letzten Jahren steht das DEB-Team vor einer neuen Reihenfolge der Gegner. Es kommen nicht zuerst die Großen, sondern eher die Nationen, die geschlagen werden müssen, wenn es als einer der besten vier Teams ins Viertelfinale gehen soll. Der Start am Samstag ist gegen Neuling Ungarn, danach folgen am Sonntag Kasachstan und am Dienstag Norwegen (jeweils 16.20 Uhr), dies sind die Nummern 18, 15 und 12 der Weltrangliste (Deutschland ist 8.). Danach wird es interessanter mit der Schweiz (5., Donnerstag, 15.5.), USA (6./Samstag), Titelverteidiger Tschechien (4./Montag) und zum Schluss am Dienstag (20.5./20.20 Uhr) Gastgeber Dänemark, der mit den Fans im Rücken als Ranglisten-Elfter zu jeder Überraschung fähig sein sollte. Ein Spaziergang wird es also nicht, wie schon das letzte Testspiel mit einer 2:5-Niederlage gegen die USA zeigte.

Vor den WM-Turnieren ist seit Jahren eigentlich kein wirklicher Favorit auszumachen, weil die Stärke der Teams meist von den Abstellungen aus der NHL abhängt. Da wiederum gilt die WM auch als kleiner Test für die Olympischen Spiele 2026 in Mailand, wenn die NHL pausiert und alle Stars abstellt. Diesmal machte Rekord-Weltmeister Kanada auf sich aufmerksam, weil die Superstars Sidney Crosby (Pittsburgh) und Nathan MacKinnon (Colorado) im Kader stehen. Tschechien vertraut auf den viertbesten NHL-Skorer David Pastrnak (Boston) und Schweden will ins Finale im heimischen Stockholm, wo das Finale ausgetragen und zuerst die Gruppe A mit Schweden, Kanada, Finnland, Slowakei, Lettland, Österreich, Frankreich und Slowenien spielt.