Spannung bis zum Schluss – die Bundesliga hat Spaß gemacht
von knospepeter
Aus und vorbei, die Saison 2024/25 der Fußball-Bundesliga ist beendet, einige Entscheidungen sind erst am letzten Spieltag gefallen, Spannung also bis zum Schluss und insgesamt darf man wohl sagen: Die Bundesliga hat Spaß gemacht. Abgesehen von den Absteigern in Bochum und Kiel, wurde noch einmal viel gefeiert. Bei Bayern München zeigten sich die Frauen als Double-Sieger und die Männer als Meister vor tausenden Fans auf dem Rathausbalkon. Es war auch die Thomas-Müller-Abschiedsparty. Ähnlich gefeiert wurde in Frankfurt , wo die Eintracht als Dritter erstmals über die Liga in die Champions League einzog und nach großem Zittern schaffte es auch Dortmund wieder in die Königsklasse. Freiburg war zwar am Schluss ein Verlierer, sieht sich aber mit dem Einzug in die Europa League als Gewinner und Mainz freut sich auf die Conference League. Siehe da, die dritte Liga in Europa ist also auch attraktiv für die Klubs. Ein bisschen was gibt es ja zu verdienen. Eine Kurzbilanz:
Bayern München: Die Meisterschale ist wieder „dahoam“, so sieht man es in München. 13 Punkte Abstand zu Vorjahresmeister Leverkusen, 25 zum alten Konkurrenten Dortmund – Uli Hoeneß zählt das stolz auf. Notlösung Vincent Kompany war ein Gewinn als Trainer, er sorgte für Ruhe im Verein, anfangs spielten die Bayern tollen Fußball, doch eitel Freude gab es nicht über die gesamte Saison. Im Pokal kam ein frühes Aus, in der CL war im Viertelfinale gegen Inter Mailand Schluss. Kein Finale dahoam also. Ziel für 2026: Als Double-Sieger wie die Frauen wieder auf dem Rathausbalkon. Noch ein Titel: Harry Kane holte mit 26 Treffern wieder die kicker-Torjäger-Kanone (2. Guirassy und Schick je 21). Die Bayern holten sich außerdem den Rekord der Joker-Tore, es waren 17, gleich mit Dortmund aus der Saison 2018/19.
Bayer Leverkusen: Nach der Supersaison 23/24 musste ja ein Abfall kommen, vor allem zum Start dachten einige Spieler, es geht von alleine, da wurden die entscheidenden Punkte verloren. Jetzt also wieder Vizekusen, doch die Zukunft ist ungewiss. Trainer Xabi Alonso hat seinen Abschied verkündet, er will künftig Real Madrid wieder zu einem Siegerteam machen. Einige Stars, allen voran Florian Wirtz, könnten gehen, ob dies aufgefangen werden kann, ist fraglich. Dazu hat es jeder Trainer als Alonso-Nachfolger schwer. Zum Abschluss gab es noch einen neuen Rekord: 34 Auswärtsspiele ungeschlagen (bisher mit Bayern 33)!
Eintracht Frankfurt: Eine überragende Saison, wenn auch am Schluss gezittert werden musste. Platz drei ist mehr als erwartet, Dino Toppmöller ist als Trainer gereift, der Vertrag wurde logischerweise verlängert. Gibt es keine großen Verkäufe, sieht die Zukunft rosig aus.
Borussia Dortmund: Wer hätte das gedacht, dass man sich in Dortmund am Ende über Rang vier freut und der Trainer als Retter gefeiert wird. Niko Kovac übernahm die Mannschaft auf Rang elf und legte am Ende eine nicht mal erträumte Erfolgsserie hin. Die Borussia ist noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen, muss in der Mannschaft aber einiges ändern. Führungsspieler werden gesucht, die für mehr Konstanz sorgen.
SC Freiburg: Das Jahr eins nach Christian Streich, wohin würde es mit dem SCF gehen? Nach oben! Julian Schuster ist ein Kandidat für den Trainer des Jahres, er hat mehr erreicht, als sich alle erträumt haben. Freiburg ist sich treu geblieben, die Europa League der Lohn, auch wenn im „Endspiel“ gegen Frankfurt die CL verspielt wurde.
Mainz 05: Trainer Bo Henriksen hat Mainz in Schwung gehalten, die Conference League ist der Lohn, das 2:2 gegen Leverkusen war ein Spiel für die Geschichte. Gleich vier Mainzer Tore hat der VAR annulliert, gut, dass Rang 6 nicht in Gefahr geriet.
RB Leipzig: Kein Trip nach Europa, große Enttäuschung im Osten. Es war ein verkorkstes Jahr, Trainer Marco Rose fand den Schalter zum Erfolg nicht, das Team war wohl keine Mannschaft, Verletzungspech kam hinzu. Der globale RB-Fußball-Boss Jürgen Klopp könnte am ehesten als Trainer helfen…
Werder Bremen: Eine starke Saison, am Ende war Rang 8 ein Prestige-Erfolg.
VfB Stuttgart: Der Vize-Meister des Vorjahres war zu schwankend in seinen Leistungen, die Belastung in der CL machte sich bemerkbar. Aber ein Endspiel für eine gute Saison steht noch aus, das Pokalfinale am Samstag in Berlin gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld. Damit kann es noch einen krönenden Abschluss geben. Ein Gewinner steht schon fest: Nachwuchsmann Nick Woltemade sorgte für Furore.
Borussia Mönchengladbach: Mal gut, mal schlecht, es hätte mehr werden können als Rang 10. Lange hielt Torjäger Tim Kleindienst die Borussia auf Erfolgskurs, auch als Führungspersönlichkeit, am Ende fehlte er verletzt. Sein Ausfall ist auch für Bundestrainer Nagelsmann bitter.
VfL Wolfsburg: Nach Leipzig der größte Verlierer, die Erwartungen wurden wieder einmal nicht erfüllt. Da fehlt es in der Führung und in der Mannschaft. Es kann nur besser werden.
FC Augsburg: Der Klassenerhalt war frühzeitig geschafft, als man nach Europa schielte, war es mit den guten Ergebnissen vorbei. Elf Spiele war der FCA ohne Niederlage geblieben, Torhüter Finn Dahmen ließ 683 Minuten kein Gegentor zu, doch am Ende gab es vier Niederlagen am Stück und wieder Frust. Jetzt wird sogar über Trainer Jess Thorup und Sportdirektor Marinko Jurendic diskutiert. Noch in dieser Woche soll es eine Entscheidung geben. Eigentlich ist Platz 12 eher ein Erfolg. Der Wunsch: Der FCA soll attraktiver spielen.
Union Berlin: Die Abstiegszone war eine unerwünschte Region, mit Trainer Steffen Baumgart kam die Wende. Im nächsten Jahr will man wieder höhere Regionen angreifen.
FC St. Pauli: Als Neuling geht es nur um den Klassenerhalt, den schaffte der vorjährige Zweitliga-Meister am Ende ohne größere Probleme und so könnte der Klub als Vorbild für den großen Nachbarn HSV dienen. Endlich wieder ein Hamburger Derby im Oberhaus!
TSG Hoffenheim: Auch Hoffenheim muss sich in den Klub der Enttäuschten (Versager?) einreihen. Wer in Österreich bei Sturm Graz erfolgreich ist, schafft das noch lange nicht in der Bundesliga. Der Umbruch im Verein ging total in die Hose, Trainer Christian Ilzer darf trotzdem bleiben. Weiter abrutschen als Rang 15 darf die TSG aber nicht.
1. FC Heidenheim: Ein Verein zwischen Himmel und Hölle und dennoch hat er immer die Ruhe bewahrt. Im Vorjahr als Neuling Achter, litt das Team von der Ostalb unter der Belastung in der Conference League. Vor zehn Spieltagen war Heidenheim noch Letzter, man besann sich vor allem auf sich selbst, gab die Relegation als großes Ziel aus – und schaffte Platz 16. Trainer Frank Schmidt stand nie in Zweifel, jetzt geht es in der Relegation (Donnerstag und Montag) gegen den Dritten der 2. Bundesliga, dem SV Elversberg, um den Verbleib. Es ist das Duell der Kleinstädte, ein „Dorf“ darf auf jeden Fall den Exot im Klub der Großen spielen.
Holstein Kiel: Die Bundesliga als Erlebnis, wer Neuland betritt, kann scheitern. Die Störche fliegen zurück in die zweite Liga und wollen wieder einmal ein Nest eine Etage höher bauen. Sie haben die Liga durchaus belebt.
VfL Bochum: Einst die Unabsteigbaren hat es den VfL jetzt zum siebten Mal erwischt. Der neue Trainer Dieter Hecking leistete gute Arbeit, aber es reichte nicht. Vielleicht für den Wiederaufstieg, das Ziel ist genannt.
Einen Abschied gab es noch, Schiedsrichter Felix Brych pfiff in Augsburg sein letztes Spiel, er beendet seine Karriere als Rekordmann mit 359 Spielen.
Köln ist Zweitliga-Meister
Die Absteiger Kiel und Bochum werden vom Hamburger SV und dem 1. FC Köln ersetzt, zwei große Namen, die das Oberhaus mit offenen Armen aufnimmt. Der HSV verspielte mit einer 2:3-Niederlage in Fürth noch den Titel, der 1. FC Köln zog mit einem 4:0 über Kaiserslautern vorbei. Das sah schon mal anders aus, auf den letzten Drücker kam Routinier Friedhelm Funkel als Retter und stieg zum siebten Mal mit einem Verein auf! Mit seiner Ruhe brachte er die Zuversicht zurück, die Spieler schwärmen von dem 71-Jährigen, der vielleicht sogar das Abenteuer Bundesliga in Angriff nehmen darf.
Im spannenden Rennen um Platz 3 hatte die SV Elversberg die Nase vorn, siegte 2:1 auf Schalke, das eine enttäuschende Saison hinter sich hat (Rang 14). Paderborn als zweiter Kanidat vergab seine Chance mit einer 0:3-Niederlag ein Karlsruhe. Absteigen müssen Jahn Regensburg und SSV Ulm, Eintracht Braunschweig geht in die Relegation mit dem Dritten der 3. Liga, dem 1. FC Saarbrücken. Beide Saarländer Klubs (auch Elversberg) kämpfen also in der Relegation, gespielt wird hier am 23. und 27. Mai. Aufsteiger in die 2. BL sind Arminia Bielefeld und Dynamo Dresden. Dort wurde groß gefeiert, die Arminia will im Pokalfinale für den großen Coup sorgen. Vor Stuttgart hat Bielefeld reihenweise Bundesligisten ausgeschaltet.
Zeit der Endspiele
Auch wenn im deutschen Fußball die Punktrunden beendet sind, der Fußball bleibt im Gespräch, international stehen oft noch die letzten Spieltage an. Es ist aber neben der Relegation die Zeit der Endspiele und im Sommer kommen die großen Turniere. Das erste bedeutende Finale steigt am Mittwoch in der Europa League mit dem englischen Duell Tottenham Hotspur gegen Manchester United in Bilbao. Es folgt das DFB-Pokalfinale am Samstag in Berlin und weiter geht es am 28, Mai in Breslau mit dem Finale der Conference League, Betis Sevilla gegen Chelsea London. Die englischen Klubs sind also gut vertreten, aber nicht im Finale der Champions League am 31. Mai in München. Dort spielen leider nicht die Bayern, sondern Inter Mailand gegen Paris St. Germain. Die Premier League stellt übrigens in der nächsten Saison sechs Mannschaften in der CL, weil der EL-Sieger ja aus England kommt!
In Deutschland gehört die Aufmerksamkeit demnächst den Nationalmannschaften. In dieser Woche werden die Aufgebote für die Nations League bekannt gegeben. Die Männer sind im Endturnier am 4. Juni in München gegen Portugal, das zweite Halbfinale bestreiten Spanien und Frankreich am 5. Juni in Stuttgart. Die Sieger spielen am 8. Juni das Finale aus, die Verlierer spielen um Platz drei (beide in München). Die Frauen müssen noch zwei Gruppenspiele in der Nations League absolvieren, die Entscheidung über den Gruppensieg fällt dabei am 30. Mai in Bremen gegen die Niederlande, danach folgt noch die Aufgabe in Österreich (3.6.).
Nach einem kurzen Urlaub heißt es für die Frauen, sich auf die Europameisterschaft in der Schweiz vorzubereiten, die vom 2. bis 27. Juli in der Schweiz ausgetragen wird. Die Männer haben auch keine Sommerpause, die U21-EM wird vom 11. – 28. Juni in der Slowakei ausgetragen und vom 15.Juni bis 13. Juli gibt es die erste Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Mannschaften in den USA, Bayern München und Borussia Dortmund sind dabei.