Stuttgart rettet die Saison – Leverkusen steht vor einem Neuanfang

von knospepeter

Es war die letzte Chance – und der VfB Stuttgart hat sie mit Effektivität genutzt. Platz 9 in der Fußball-Bundesliga war nach der Vizemeisterschaft im Vorjahr eine Enttäuschung, obwohl eine Wiederholung der Überraschung kaum zu erwarten war. Der DFB-Pokal sollte die Rettung bringen, um wieder in Europa dabei zu sein. Vor dem Finale in Berlin war Wachsamkeit angesagt, der Gegner kam zwar aus der dritten Liga, doch Arminia Bielefeld hatte sich in einen Flow gesiegt, schaffte den Aufstieg in die 2. Bundesliga und schaltete im Pokal gleich vier Bundesligisten aus, unter anderem auch Titelverteidiger Bayer Leverkusen. In Berlin war allerdings Endstation. Das erste Finale, die große Kulisse und die hohen Erwartungen waren zu viel, die Spieler nervös, machten Fehler und der VfB schlug zu. Am Ende stand ein 4:2-Erfolg, den die Stuttgarter durch eigenen Leichtsinn noch ins Wanken geraten ließen. Den Toren von Woltemade, Millot (2) und Undav gingen meist Bielefelder Fehler voraus, Kania und Vagnoman mit einem Leichtsinns-Eigentor verkürzten. Danach wurde aber gefeiert. Die Saison war gerettet, der Einzug in die Europa League ist der Lohn, danach gab es Party und ein Jubelkorso durch Stuttgart.

Der VfB Stuttgart könnte vor einer rosigen Zukunft stehen, aber man darf nicht vergessen, dass vor kurzem noch der Abstieg drohte, ehe Trainer Sebastian Hoeneß die Wende schaffte und den VfB nach oben führte. Hoeneß führt damit die Familientradition fort, denn Vater Dieter und Onkel Uli hielten den DFB-Pokal bereits in ihren Händen. Stuttgart aber nimmt sich jetzt Eintracht Frankfurt als Vorbild, will Pokalsieg und Europa nutzen, um dauerhaft in den oberen Regionen der Bundesliga mitzuspielen. Die Talente Angelo Stiller und Nick Woltemade sind dabei ein Faustpfand für eine gute Zukunft. Arminia Bielefeld kann sich damit trösten, einen guten Eindruck hinterlassen zu haben, ein würdiger Finalist gewesen zu sein und Bielefeld, die Stadt, die es angeblich doch gar nicht gibt (so wird gescherzt), bundesweit in die positiven Schlagzeilen gebracht zu haben. Der Sponsor tröstete in einer Anzeige: Pokal verloren, aber Millionen Herzen gewonnen.

Die Großen der Bundesliga waren beim Finale nur Zuschauer und mehr mit sich selbst beschäftigt. Leverkusen und den Bayern gehörten trotz DFB-Pokal die Schlagzeilen. In erster Linie drehte sich alles um Bayer-Star Florian Wirtz, der auf der Wunschliste der Bayern ganz oben stand. Am Samstag dann die Entscheidung, die Familie Wirtz sagte den Münchnern ab, der FC Liverpool soll den Zuschlag im Rennen um das 22-jährige Talent bekommen. „Eine Niederlage für die Bayern und Uli Hoeneß“, feixt der Boulevard, doch eher ist es eine Niederlage für die Bundesliga, die wieder einmal erkennen muss, dass die Top-Vereine in England und Spanien in größere Geldtöpfe greifen können. Die Ablösesumme soll bei 150 Millionen Euro liegen, Leverkusen muss damit Löcher stopfen, die entstehen, München kann das ersparte Geld in andere Spieler investieren.

Bayer Leverkusen steht buchstäblich vor einem Neuanfang. Trainer Xabi Alonso verabschiedete sich in Richtung Real Madrid, Abwehrchef Jonathan Tah geht jetzt doch (ablösefrei) zu den Bayern, Flügelflitzer Frimpong hat schon vor Wirtz in Liverpool zugesagt. Dazu sucht Bayer im Tor einen Nachfolger für Kapitän Hradecky, auch von den Mittelstürmern Schick und Boniface wird einer gehen, dazu werden Hincapie, Tapsoba und Grimaldo Wechselgedanken nachgesagt. Da wartet auf den neuen Trainer keine leichte Aufgabe. Es wird der 55-jährige Niederländer Erik ten Hag sein, nachdem Kandidat Nummer 1 Cesc Fabregas abgesagt hat, weil er in Como bleibt. Der Spanier scheint den Weg seines Landsmannes Alonso zu gehen, der auch vor dem nächsten Schritt noch ein Jahr in Leverkusen blieb. Tn Hag hat einen guten Ruf, der allerdings nach seiner Entlassung bei Manchester United nach Misserfolgen angekratzt ist. Vom Sommer 22 bis Oktober 2024 arbeitete er bei ManU, zunächst mit guten Ergebnissen (Liga-Pokal-Sieg, Platz 3). Seine Anfänge hatte er unter anderem bei Bayern München, wo er die Amateure zur Regionalliga-Meisterschaft führte. Dort war er auch als Trainer der Profis schon im Gespräch. In Leverkusen wird es auf jeden Fall ruhiger.

In München wird es eher Ergänzungen als einen großen Umbruch geben. Schwachstellen in der Abwehr und bei den Flügeln sollen beseitigt werden. Tah soll bereits bei der Klub-WM im Juni/Juli für die Bayern spielen, das kostet allerdings doch eine Ablöse an Leverkusen, weil er dort bis 30. Juni unter Vertrag steht. Auf den Flügeln ist Eberechi Eze (26) ein heißer Kandidat, der einst bei Crystal Palace mit Michael Olise zusammen spielte. Wenn er auch so einschlägt… Die Wechselgeschäfte werden in den nächsten Wochen die Fußball-Fans jedenfalls bei Atem halten.

In der Bundesliga sorgte der FC Augsburg für den größten Knaller.Der Verein trennte sich von Trainer Jess Thorup und Sportdirektor Marinko Jurandic. Grund waren unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft. Die FCA-Bosse wollen neben guten Ergebnissen auch attraktiven Fußball sehen und warfen beiden vor, zu wenig für den Nachwuchs getan zu haben. Das soll anders werden. Als Thorup-Nachfolger wird vor allem Sandro Wagner gehandelt, der ja als Co-Trainer der Nationalmannschaft aufhört und den es in die Bundesliga zieht. Wagner wohnt in Unterhaching und Augsburg könnte ein Sprungbrett für einen guten Start sein.

Finale in München ohne Bayern

Am Samstag ist es soweit, in der Allianz Arena steigt das Finale der Champions League, leider ohne Gastgeber Bayern München. Der hatte wie 2012 von einem „Finale dahoam“ geträumt, damals allerdings unglücklich im Elfmeterschießen mit 4:5 gegen Chelsea London verloren (Olic und Schweinsteiger verschossen). Ex-Münchner werden allerdings beim Duell zwischen Inter Mailand und Paris St. Germain dabei sein, nämlich bei Inter Torhüter Yann Sommer und Verteidiger Benjamin Pavard sowie bei Paris Lucas Hernandez. Bekannte Gesichter aus der Bundesliga sind zudem Marcus Thuram, Hakan Calhnoglu, Henrik Mkhitaryan und Yann Bisseck bei Inter sowie Ousmane Dembele und Achraf Hakimi bei Paris. Kein Trost für die Bayern wird sein, dass ihr Bezwinger Inter es ins Finale geschafft hat.

In den anderen Finals haben die Engländer das Sagen. Im direkten Duell der Europa League holte sich Tottenham den Pokal mit einem glücklichen 1:0-Sieg in einem schwachen Endspiel gegen Manchester United und beendete damit die titellose Zeit, vor der auch Harry Kane nach München floh. Jetzt rief ihm Torjäger und Kapitän Son zu: „Guck Harry, wir haben auch einen Pokal!“ In der Conference League will Chelsea London den Pott holen, Gegner ist in Breslau Betis Sevilla, das auf Europas Bühne noch nie gewann. Chelsea ist als Vierter der Premier League bereits für die Champions League qualifiziert.

Aufgebote mit Lücken

Es ist nicht nur die Zeit der Endspiele, sondern es waren auch die Tage der Länderspielaufgebote. Julian Nagelsmann gab sein Aufgebot für das Final Four der Nations League bekannt, Antonio di Salvo plant für die Europameisterschaft der U21 im Juni. Beide Bundestrainer können allerdings nicht auf ihr Wunschaufgebot zurückgreifen, es gibt Lücken aus unterschiedlichen Gründen. Nagelsmann hat mit Verletzungen zu kämpfen, so fehlen Musiala, Kleindienst, Rüdiger und Schlotterbeck. Erstmals nach langer Zeit wieder dabei sind Torhüter Marc-Andre ter Stegen und Torjäger Niclas Füllkrug. Neulinge sind Tom Bischof und Nick Woltemade. Der Stuttgarter taucht sogar in beiden Kadern auf, er hatte sich selbst ins Gespräch gebracht: „Ich kann doch beide Turniere spielen, das geht zeitmäßig.“ Der Shootingstar ist scheinbar unverzichtbar. Die DFB-Elf wird sich am Freitag in Herzogenaurach treffen und spielt am 4. Juni in München gegen Portugal.

Di Salvo hat andere Probleme. Er kann seine stärkste Mannschaft nicht aufbieten, weil ihm die Klub-Weltmeisterschaft im Wege steht. So muss er auf Spieler aus München und Dortmund verzichten, das betrifft Torhüter Urbig, Bischof bzw. das Borussia-Duo Beier und Adeyemi sowie die Salzburger Morgalla und Blank. Dennoch wird er eine starke Mannschaft stellen können.

Frauen proben den Ernstfall

Frauen-Bundestrainer Christian Wück hat die Europameisterschaft im Juli im Visier und probt jetzt in der Nations League den Ernstfall. Am Freitag gibt es in Bremen praktisch das Endspiel gegen die punktgleiche Niederlande (Hinspiel 2:2), am Dienstag, 3.6., endet die Gruppenphase in Wien gegen Österreich. Erstmals wieder im Aufgebot befindet sich Lena Oberdorf, die die ganze Saison wegen einer komplizierten Verletzung ausfiel und deshalb ohne Spielpraxis ist, aber mittrainieren soll, um vielleicht doch noch den Sprung zu schaffen. Bei den Nominierungen gab es auch Kritik an Wück, dem manche Spielerin eine zu schlechte Kommunikation vorwarf. So fühlt sich Wolfsburgs Felicitas Rauch brüskiert, weil Wück so von ihrer Nichtnominierung nicht informiert hat. Er vertraut auf der linken Seite Sarai Linder (Wolfsburg) und Franziska Kett (Bayern). Da wird es auch wichtig sein, dass Wück für gute Stimmung im Team sorgt.

Die Bayern-Mädchen hatten vor den wichtigen Aufgaben noch einen attraktiven Termin zu absolvieren und waren dabei überraschend erfolgreich. Ein reicher Millionär aus den USA investiert rund 100 Millionen Dollar für zunächst fünf Frauen-Turniere auf verschiedenen Kontinenten. Der Start von „World Seven Football (W7F)“, ein Kleinfeldturnier über 2×15 Minuten mit je sieben Spielerinnen, war in Estoril/Portugal und ging über drei Tage. Die tolle Sache: Insgesamt wurden 5 Millionen Euro ausgespielt, der Sieger erhielt 2,5 Millionen, also mehr als der Sieger der Frauen-Champions League! Die Bayern sicherten sich am Ende sogar dieses hohe Preisgeld!

In der Vorrunde besiegten die Bayern Ajax Amsterdam (4:2) Rosengaard (4:0) und Manchester City (3:1). Im Halbfinale am Freitag ließen sie sich auch von Paris (2:0) nicht aufhalten und bestritten am Abend das Finale gegen Manchester United und landeten einen 2:1-Erfolg nach Toren von Tanikara und Zadrazil. Ein krönender Abschluss also für Trainer Alexander Straus, obwohl das Motto der Reise war „ein schöner Ausflug mit gutem Fußball“. Der wurde gezeigt, Torhüterin Ena Mahmutovic als beste Keeperin und Momoko Tanikawa als beste Spielerin und für das schönste Tor wurden zudem ausgezeichnet. Straus schonte übrigens die für den DFB-Kader nominierten Spielerinnen, die mit dem Team ein paar Tage Urlaub machten.

Die Champions League gewann übrigens überraschend Arsenal London mit einem 1:0-Sieg im Finale gegen Titelverteidiger und Favorit FC Barcelona, das in Lissabon den Titel-Hattrick verpasste. Arsenal hatte zuletzt vor 18 Jahren gewonnen, den Siegtreffer erzielte in der 74. Minute die eingewechselte Schwedin Stina Blackstenius. In der Gruppe hatte Arsenal noch mit 2:5 bei den Bayern verloren!

Sensation im Eishockey

Bei der Eishockey-Weltmeisterschaft gab es eine Sensation: Die USA gewann zum ersten Mal seit 92 Jahren wieder den Titel im Finale gegen die Schweiz, mit einem 1:O in der Overtime nach 122 Sekunden! Torschütze war Tage Thompson von den Buffalo Sabres. Bei der unglücklichen Schweiz, die wie 2013, 2018 und 2024 nur Silber gewann und noch nie den Titel holte, überragte der 37-jährige Torhüter Leonardo Genanin vom EV Zug, der nach 291 Minuten (Rekord!) erstmals wieder überwunden wurde. Er wurde nicht nur zum besten Torhüter, sondern auch zum besten Spieler des Turnier gewählt. Die deutsche Mannschaft war schon in der Gruppenphase ausgeschieden (nach Niederlage gegen beide Finalisten sowie im entscheidenden Spiel gegen Dänemark), die Favoriten aus Kanada und Schweden scheiterten im Viertelfinale gegen Dänemark (1:2) bzw. im Halbfinale gegen die USA (2:6). Dritter wurde Schweden mit einem 6:2 gegen Dänemark.