Ist die Null-Nummer zum Start ein Omen für die Klub-WM?

von knospepeter

Ein der Wirklichkeit entrückter FIFA-Präsident Gianni Infantino preist sein „Kind“, seine „Geldmaschine“, die Klub-Weltmeisterschaft in den USA, als „eine neue Ära für den Klub-Fußball“ an. Doch der in anderen Sphären schwebende Schweizer muss auch erkannt haben, dass sein „großartigstes Ereignis der Welt“ mit ganz profanen Problemen kämpfen muss. Im Ausrichter-Land herrscht keineswegs Fußball-Fieber, die Bevölkerung in den USA hat andere Sorgen, sie muss mit einem anderen entrückten „König“ fertig werden und macht in Protesten deutlich „No King“. Eigentlich müssten die nationalen Fußball-Verbände in punkto Infantino die gleiche Forderung stellen, doch Geld überdeckt manches.

Der Auftakt bei der Klub-WM kann als Omen dienen. Afrikas CL-Sieger Al-Ahly aus Ägypten und Inter Miami, von Infantino als Attraktion mit Messi ins Teilnehmerfeld gehievt, brachten im Eröffnungsspiel nur eine Null-Nummer zustande. Gleiches passierte im zweiten Gruppenspiel zwischen Palmeiras (Brasilien) und dem FC Porto, allerdings auf höheren Niveau. Das Gegenstück war Bayerns 10:0 gegen Auckland City, den Amateuren aus Neuseeland, aber auch das ist kein WM-würdiges Ergebnis. Bleibt die Gruppe B, die das erste Schlagerspiel sah, Paris besiegte Atletico Madrid mit 4:0 und unterstrich damit seine Favoritenrolle, Botafoga (Brasilien) hatte es gegen die Seattle Sounders beim 2:1 schwerer. Die sind übrigens der wahre USA-Champion.

Doch etwas anderes muss Infantino zu denken geben (wenn er das überhaupt noch kann). Die Begeisterung ist spürbar nicht so groß und die Stadien sind bei weitem nicht ausverkauft. Nicht alle sehen die Spiele als großes Ereignis, viele Plätze in den Stadien blieben leer, obwohl sie als „ausverkauft“ gemeldet wurden. Überteuerte Preise von 350 Dollar für das Eröffnungsspiel wurde schon auf 200 Dollar reduziert und später sogar auf 55 Dollar. Das wird den frühzeitigen Ticketkäufern nicht gefallen haben.. Am Ende erhielten Studenten noch das Angebot mit vier Dollar für die Karte. Die TV-Kameras waren bemüht, schöne Bilder zu bringen, keine leeren Plätze. In anderen Stadien gab es sogar Freikarten. Irgendwie muss die Begeisterung doch geschürt werden. Begeistert ist übrigens (und geblendet) auch Deutschlands von den Medien dazu erhobener Fußball-Experte Nummer 1, Lothar Matthäus, der glaubt, „das Turnier werde sehr gut angenommen. Die Stadien werden gut ausgelastet sein.“ Weiß es der sonstige Besserwisser nicht besser?

Den Bayern kann es egal sein. Im Vorfeld des Schützenfestes hieß es volle Konzentration, nur keine Blamage. Mit einem Spaziergang begann also die WM, auf dem Weg zum Ziel, das Trainer Kompany so formulierte: „Wir haben zwei Turniere. Erst einmal musst du die Gruppe gewinnen, dann den zweiten Teil.“ Egal, wie leicht der Gegner war, es gab viele Gewinner. Jonathan Tah führte sich mit einer erfolgreichen Vorlage ein und präsentierte sich bereits als Abwehrchef. Jamal Musiala feierte ein glanzvolles Comeback mit drei Toren nach der 61. Minute, als er für Harry Kane (ohne Tor) aufs Feld kam. Und Thomas Müller begann sein Abschiedsturnier mit zwei Treffern, damit ist er der erste Spieler, der bei einer WM der Nationen und der Klubs traf, dazu erzielte er sein 250 Tor für die Bayern! Schwerer wird es sicher am Samstag (3.00 Uhr MESZ) gegen die Boca Juniors aus Argentinien und dann wartet am Dienstag gleich Benfica Lissabon.

Borussia Dortmund greift erst am Dienstag (18 Uhr) ein, Fluminense aus Brasilien dürfte gleich der schwerste Gegner sein. Helfen kann ein spektakulärer Neuzugang, nämlich Jobe Bellingham (19), der jüngere Bruder von Jude, der sich in Dortmund in den Blickpunkt spielte und für viel Geld zu Real Madrid wechselte. Ähnliches schwebt der Borussia mit Jobe vor, er gilt als wichtigster Transfer. Apropos Transfers, die Nummer 1 ist natürlich Florian Wirtz, dessen Wechsel von Leverkusen zum FC Liverpool fest ausverhandelt sein soll, nur die Unterschrift fehlt noch. Doch das dauert, Florian ist lieber erst einmal im Urlaub. Schneller war Leroy Sané, der ruckzug bei Galatarsay Istanbul unterschrieben hat. Er jettete zum türkischen Meister, wurde von den Fans als Heilsbringer gefeiert und flog weiter nach Orlando in die USA. Dort gehört er zum Bayern-Kader bis zum 30. Juni, so lange läuft sein Vertrag noch. „Wir brauchen ihn“, meint Manager Max Eberl. Zunächst saß Sané auf der Bank, Olice und Coman auf den Flügeln zeigten, „wir brauchen ihn nicht.“ Neun Millionen Euro netto soll Sané in Istanbul verdienen, mehr als bei den Bayern.

Ansonsten wird in der Bundesliga mehr über die Trainer geredet. Fündig geworden ist der VfL Wolfsburg, der ein neues Gesicht in der Liga präsentiert, nämlich den Niederländer Paul Simonis, der aber gerade mal ein Jahr im Profi-Fußball gearbeitet hat. Allerdings sorgte er gleich für Aufmerksamkeit mit dem Pokal-Triumph mit Go Ahead Eagles Deventer und Platz 7 in der Eredivisie – und das mit einem Provinzklub. Na ja, viele sehen ja auch Wolfsburg als eine Art Provinz… NIcht so weit ist RB Leipzig mit dem neuen Coach. Ole Werner soll es eigentlich sein, doch Werder Bremen macht mit Ablöseforderungen aus dem Wechsel ein Problem. Erfolgreich waren die Leipziger im Nachwuchsbereich, denn der scheidende Manuel Baum wird durch David Wagner ersetzt, ein Vertrauter von Jürgen Klopp, Trainer in Norwich, Bern, bei Schalke und in Huddersfield.

U21 eine Runde weiter

Es läuft für die deutsche Mannschaft bei der Europameisterschaft der U21 in der Slowakei. Dem Auftaktsieg gegen Slowenien (3:0) folgte am Sonntag ein 4:2 (nach 4:0-Führung) gegen Tschechien, damit ist der Weg ins Viertelfinale frei. England, das als größter Konkurrent in Sachen Gruppensieg gilt, kam gegen Slowenien nicht über ein 0:0 hinaus, jetzt reicht am Mittwoch ein Unentschieden für Platz 1. Überragender Mann im DFB-Team war bisher Nick Woltemade, der seine gute Form offensichtlich konservieren kann. Gegen Slowenien schaffte er einen Hattrick und war auch gegen Tschechien erfolgreich. Da wird man in Stuttgart zittern, ob er bleibt. Bayern München soll ihn schon quasi als Wirtz-Ersatz auf der Liste haben. In guter Form auch Torhüter Atubolu, der in wichtigen Situationen mit herausragenden Paraden für Sicherheit sorgte. Das Viertelfinale beginnt dann am Wochenende. Die deutschen Fußball-Fans haben sich auch für den Nachwuchs interessiert, jeweils an die fast drei Millionen Zuschauer sind bei SAT1 vor dem Fernseher dabei.

Aufgebot der Frauen ohne Überraschungen

Die Fußball-Frauen durften in den letzten Tagen ein bisschen Urlaub machen, aber die erste wichtige Entscheidung ist gefallen, Bundestrainer Christian Wück hat seinen Kader für die Europameisterschaft in der Schweiz bekannt gegeben. Am Donnerstag beginnt der Lehrgang im Home Camp in Herzogenaurach, in Bayern ein Feiertag. Ob es bei der EM ab 2. Juli noch mehrere geben wird?

Christian Wück hat bei der Nominierung den Fehler seiner Vorgängerin nicht wiederholt und die letzte Entscheidung auf die lange Bank geschoben, sondern frühzeitig für Klarheit gesorgt. Bekannt war ja, dass es Lena Oberdorf doch nicht schafft nach ihrer schweren Verletzung. Überraschungen gab es nicht, Frankfurts Torjägerin Nicole Anyomi muss noch eine Verletzung auskurieren, dass er auf Verteidigerin Felicitas Rauch verzichtet, war schon früh klar. Dafür ist Franziska Kett von den Bayern dabei, ihre Mannschaftskameradin Alara Sehitler muss allerdings zu Hause bleiben, sie fehlte zuletzt wegen Abiturprüfungen. „Sie hat noch viele Turniere vor sich,“ macht ihr Wück für die Zukunft Hoffnung. Sara Dioorsoun war nur auf Abruf nominiert und kündigte daraufhin prompt ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft an. Alles geklärt, die EM kann kommen. Es sind übrigens elf Spielerinnen dabei, die 2022 das EM-Finale erreichten!

Das Aufgebot: Tor: Berger, Johannes, Mahmutovic. – Abwehr: Gwinn, Hendrich, Kett, Kleinherne, Knaak, Linder Minge, Wamser. – Mittelfeld und Angriff: Brand, Bühl, Cerci, Däbritz, Dallmann, Freigang, Hoffmann, Lohmann, Nüsken, Schüller, Senß, Zicai.