Das Wunder von Basel: Frauen sorgen bei ihrer EM für Spektakel

von knospepeter

Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen in der Schweiz ist ein überwältigender Erfolg. Die Stadien sind voll, die Stimmung im Land großartig, dafür hat auch die eigene Mannschaft gesorgt. Gerade die Spiele im Viertelfinale waren zudem ein richtiges Spektakel. Schweden und England sorgten für einen Elfmeter-Rekord, die deutsche Mannschaft sicherte sich mit einem heroischen Kampf und einen Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich einen Eintrag in die Geschichtsbücher. Beste Reklame also für den Frauen-Fußball – Fußball-Herz was willst du mehr!

Im Fußball geläufig ist das „Wunder von Bern“ von 1954, als Deutschland gegen Favorit Ungarn sensationell mit einem 3:2-Sieg die erste Weltmeisterschaft gewann. Ein Sieg, der für Euphorie im Land sorgte und heute noch als wichtiger Antrieb für den gelungenen Wiederaufbau Deutschlands gilt. Ganz so geschichtsträchtig ist der 6:5 (1:1/1:1/1:1)-Erfolg n. E. über Frankreich nicht, aber der tolle Kampf der Mädchen mit dem glücklichen Ende durch eine überragende Torhüterin Ann-Katrin Berger wird in Erinnerung bleiben. Das Spiel bot alles, was den Fußball interessant macht, was die Zuschauer von den Sitzen reißt.

Die Dramaturgie hätte kein Autor besser erfinden können. Die DFB-Elf trat als Außenseiter an, Bundestrainer Christian Wück hatte von vornherein auf eine defensive Ausrichtung gesetzt. Dann aber die ominöse 13. Minute: Kathrin Hendrich, neu hereingekommen, greift im eigenen Strafraum der Französin Mbock an den Zopf, zieht offensichtlich, also Rot und Elfmeter. Geyoro verwandelte, damit nahm das Drama seinen Anfang. Deutschland musste 75 Minuten (am Ende waren es 105 ohne Nachspielzeit) in Unterzahl überstehen, dazu schied kurz danach mit Sarai Linder die nächste Rechtsverteidigerin verletzt aus. Auf dem Posten liegt offensichtlich ein Fluch, Gwinn verletzt, Wamser gesperrt, jetzt Linder (von links nach rechts gewechselt) verletzt. Die Mannschaft aber hielt sich an das Motto, das der Bundestrainer sowieso schon mit auf den Weg gegeben hatte: „Mentalität schlägt Talent“. Der verbliebene Rest kämpfte auf dem Feld mit einer Leidenschaft, die bei einem vollzähligen Team wohl kaum abgerufen worden wäre. Dazu half ein genauer Eckball von Klara Bühl, den Sjoeke Nüsken ins lange Eck verlängerte. Mit einem 1:1 war alles drin, sogar der Sieg war möglich, aber in der 69. Minute scheiterte Nüsken mit einem Foulelfmeter an Torhüterin Peyraud-Magnin. Im Elfmeterschießen machte sie es besser. Es war also alles geboten.

Dass es überhaupt zu einem Elfmeterschießen kam, war Ann-Kathrin Berger zu verdanken, die einen verunglückten Kopfball von Kapitänin Minge mit der „Parade des Jahres“ von der Linie kratzte. Im Showdown hielt Berger dann zudem zwei Elfmeter und verwandelte den fünften zudem selbst sicher, so dass es auch vom Punkt zu einer Verlängerung kam. Berger hielt gleich den ersten Elfer, Minge, Dallmann und Knaak trafen, ehe Däbritz vergab. Nach Berger waren dann aber Bühl und Nüsken erfolgreich, ehe Berger den Schuss von Sombath hielt. Der Rest war Jubel! Der Kraftakt war von Erfolg gekrönt, typisches Beispiel des Willens war die junge Franziska Kett, die in beeindruckender Weise ihre renommierten Gegenspielerinnen Cascarino und Mateo in Schach hielt. Die Französinnen waren fassungslos, „wir haben das nicht verdient, wir waren die bessere Mannschaft“, jammerte Verteidigerin Bacha, gestand aber auch „ich bin eine schlechte Verliererin.“ Frankreich hatte in der Gruppenphase durch schönes Spiel imponiert, fand diesmal aber kein Rezept gegen die kampfstarken Deutschen.

Mit dieser unerwarteten Leistung und vor dem Halbfinale gegen Weltmeister Spanien hat die DFB-Elf bereits beste Reklame für den Frauen-Fußball gemacht. Die Fans in Deutschland sind wachgerüttelt, für die in der Regel niedrigen TV-Einschaltquoten im Sommer sind über 10 Millionen Zuschauer eine sagenhafte Zahl – und keiner wird das Einschalten bereut haben! Aber jetzt kommt die nächste große Aufgabe gegen Spanien am Mittwoch in Zürich. Dort verlor man am Samstag 1:4 gegen Schweden! Gegen Spanien sind die Vorzeichen ähnlich wie vor Frankreich: Der Weltmeister ist ebenfalls Favorit, hat imponiert. 14 Tore in den Gruppenspielen sind Rekord. Spanien mit seinen Stars Alexia, Aitana und Paredes galt sowieso als erster Titelanwärter, hat das Zeug einen deutschen Riegel zu knacken. Aber: Deutschland ist gegen Spanien noch ungeschlagen, gilt als „bastia negra“, das „Schwarze Biest“. In acht Spielen gab es fünf DFB-Siege, bei der WM 2019 wurde Spanien 1:0, geschlagen, bei der EM mit 2:0 ausgeschaltet und bei Olympia 2024 in Paris holte Deutschland mit einem 1:0 gegen Spanien Bronze! Spanien wurde auch noch nie Europameister. Bundestrainer Christian Wück muss sich aber wieder etwas einfallen lassen, mit Hendrich, Nüsken (beide gesperrt) und Linder (verletzt) fehlen drei Stammspielerinnen. „Wir wollen nach Basel, dieses Stadien gefällt mir“, hat Klara Bühl den Blick auf das Finale am Sonntag gerichtet.

Das zweite Finale bestreiten am Dienstag in Genf England und Italien. Die Titelverteidigerinnen aus England haben im Viertelfinale gegen Schweden für einen Rekord gesorgt. Auch da gab es nach einem 2:2 nach 120 Minuten ein Elfmeterschießen, sage und schreibe 14 waren nötig, zum 3:2-Sieg für England. Neun Elfmeter wurde also nicht verwandelt – das gab es noch nie! Auffallend: Außer Spanien stehen nur Gruppenzweite im Halbfinale! Die EM bietet wirklich alles!

Bayern im Transfer-Dilemma

Einige Bundesligisten haben schon reihenweise neue Spieler verpflichtet, andere tun sich schwer, Verstärkungen zu finden. Vorne dran dabei Meister Bayern München, das Team zu verstärken ist aber auch schwer und vor allem teuer. Und so bleibt Woche für Woche alles in der Schwebe. Stuttgart will wegen Nick Woltemade nicht verhandeln, 65 Millionen Euro sind zu wenig. Dabei könnten die Bayern Druck ausüben, haben Torhüter Nübel als Leihspieler beim VfB und wenn die Stuttgarter ins Trainingslager an den Tegernsee kommen, hat es Bayern-Legende Uli Hoeneß nicht weit zu einem Machtwort mit Neffe Sebastian Hoeneß, dem VfB-Trainer. Und noch einen Plan B gibt es, Talent Paul Wanner haben die Stuttgarter im Visier, aber er könnte bei den Bayern die Lücke des verletzten Musiala füllen, ganz ohne Woltemade. Ohne Trumpf sind die Münchner also nicht.

Kein Woltemade, aber vielleicht ein Luis Diaz. Der kolumbianische Stürmer des FC Liverpool gilt als perfekte Lösung als linker Stürmer, weil er auch Back-up für Harry Kane in der Mitte sein kann. Allerdings ruft Liverpool rund 70 Millionen Euro als Ablöse auf. Diaz soll sich mit den Bayern einig sein, vielleicht braucht Liverpool das Geld, weil für Wirtz, Frimpong und neuerdings zudem noch Ekitiké von Eintracht Frankfurt (für 90 Millionen!) rund 250 Millionen allein in die Bundesliga fließen. Aber auch hier könnte es noch eine Weile dauern. Immerhin gibt es bei den Bayern eine Entscheidung: Herbert Hainer hat sich entschlossen, bei der Jahreshauptversammlung im November wieder als Präsident zu kandidieren. Die Wiederwahl des 71-Jährigen gilt als sicher. Es wäre seine dritte Amtsperiode, 2019 hatte er Uli Hoeneß beerbt.

Schwerer als die Bayern wird es in der neuen Saison vor allem Bayer Leverkusen haben. Nach den Team-Stützen Tah, Wirtz und Frimpong wird jetzt auch über einen Abgang vom Mittelstrategen Granit Xhaka spekuliert, den saudisches Geld locken soll. Da steht der neue Trainer Erik ten Hag vor einem ziemlichen Neuaufbau.