Formel 1: Der alte Dominator versinkt im Chaos

von knospepeter

Die Formel-1-Experten schwärmen, „es gibt keinen besseren Ort, um die zweite Hälfte der Formel-1-Saison zu beginnen, als die Ardennen. Auf dem Circuit Spa-Francorchamps sind sie zu Hause, die großen Gefühle.“ Die Berg- und Talfahrt holt das Beste aus den Rennfahrern und den Rennwagen heraus. Der zweite Teil der Saison dürfte aber sowieso spannend wie selten werden und Spannung liegt auch in der Luft, was die Zukunftsplanungen angeht. Den Weg für eine neue Zukunft hat der bisherige Dominator frei gemacht, denn Red Bull versinkt inzwischen im Chaos. Nach dem spektakulären Aus von Teamchef Christian Horner ist die Zukunft offen.

Unruhe begleitete Red Bull schon die ganze Saison, weil Max Verstappen öfters hinterher fuhr als ihm lieb ist und McLaren inzwischen den Siegerwagen auf die Strecke bringt. Oscar Piastri, der mit 234 Punkten führt, und Kollege Lando Norris (226) können sich nur gegenseitig den Griff nach dem Titel versauen und Verstappen (165) zum lachenden Dritten machen. Noch gibt es keine Stallorder. In der Konstruktionswertung liegt Red Bull mit 172 Punkten sogar nur auf Rang vier hinter McLaren (460), Ferrari (222) und Mercedes (210). Das Dilemma bei Red Bull begann mit einem Skandal um Christian Horner und dem Weggang von Genie Adrian Newey, dem Technischen Leiter. Seitdem sind die Boliden nicht mehr so schnell und fehlerhaft wie die Konkurrenz, die sich ins Fäustchen lacht. Zwölf Rennen stehen also noch aus, am 7. Dezember gibt es das Finale in Abu Dhabi.

Bei Halbzeit werden aber auch die Gerüchte um die Zukunft der einzelnen Teams immer konkreter und oft von Vertragsverlängerungen abgelöst. So machte es Mercedes-Boss Toto Wolff besonders spannend, als er für die Tage rund um Spa eine Entscheidung über die Fahrer ankündigte. Max Verstappen habe von Red Bull die Nase voll, heißt es, Mercedes buhle um ihn, obwohl der Vertrag des Niederländers noch bis 2028 läuft. Dagegen laufen die Verträge der beiden Mercedes-Fahrer George Russell und Kimi Antonelli am Saisonende aus. „Die Fahrer müssen Bescheid wissen, wie ihre Zukunft aussieht“, sagt Toto Wolff. Es wäre allerdings keine Überraschung, wenn eine Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr bekannt würde. Verstappen wird auch noch abwarten wollen, wie die Zukunft bei Red Bull aussieht, schließlich gibt man eine neunjährige Zusammenarbeit nicht so leicht auf. Sein Traum, wie Michael Schumacher fünfmal hintereinander Weltmeister zu werden, hat er wohl sowieso schon aufgegeben.

Ja, Michael Schumacher ist in Spa allgegenwärtig, es war schließlich seine Hausstrecke, da fuhr er Rekorde ein. Heute ist die Formel 1 in Deutschland in der Öffentlichkeit nicht mehr so präsent, weil hierzulande keine Rennen mehr gefahren werden. Mit einem Kracher beendete allerdings der letzte Deutsche im Fahrerfeld, Nico Hülkenberg, die erste Saisonhälfte, als er im Regenrennen von Silverstone aufs Podest fuhr. Da ging für ihn ein Lebenstraum in Erfüllung, noch nie musste ein Fahrer so lange auf einen Platz auf dem Stockerl warten. Für Hülkenberg waren es genau 5593 Tage. Mit seinem Sauber hielt er die Verfolger Hamilton und Verstappen auf Distanz und schürte damit die Hoffnung auf das nächste Jahr, wenn Audi bei Sauber einsteigt. Es geht jetzt schon aufwärts bei dem Sauber-Team, das mit 41 Punkten Rang sechs in der Konstrukteurswertung belegt, Hülkenberg (37/Rang 9) ist dabei ein eifriger Punktesammler. Wer hätte das gedacht. Sauber stand zuletzt 2012 auf dem Podest!

Vier Rennen stehen mit Spa, Budapest, Zandvoort und Monza noch in Europa an, bevor es nach Asien, Amerika und den Vorderen Orient geht. Die Formel 1 hat ja vor allem in den USA durch Internetaktivitäten neue Fans gewonnen, so dass es in den nächsten Jahren eher weniger Rennen in Europa geben wird. Madrid soll zwar bald ein Stadtrennen bekommen, dafür dürfte aber ein anderer traditionsreicher Kurs wegfallen. Die Formel 1 ist Teil der Unterhaltungsindustrie, die Fans fühlen sich gerade in diesem Jahr gut unterhalten.