Beckenbauer-Supercup stiehlt den Amateuren die Show
von knospepeter
Schluss mit dem Unsinn! Terminnot hin, Terminnot her – DFB und DFL müssen die Terminüberschneidung wieder abschaffen, dass der Supercup (jetzt nach der Legende Franz Beckenbauer benannt) am ersten Pokal-Wochenende ausgetragen wird. Wenn sich der Meister und der Pokalsieger gegenüberstehen, bekommen sie die Aufmerksamkeit und nicht die kleinen Vereinen, die bisher die erste Pokalrunde als „ihren“ Wettbewerb ansehen konnten. Sie haben einmal im Jahr ihren großen Tag, wenn prominente Klubs (bei Auslosungsglück) kostenlos zu Gast sind und reichlich Geld fließt. Terminnot hin, Terminnot her, da muss es einen anderen Tag geben. Der Supercup der Profis darf den Amateuren nicht mehr die Show stehlen.
Also reden wir zuerst über die erste Pokalrunde und freuen uns, wenn den Amateuren ein Favoritensturz gelingt. Pokalhelden waren im Vorjahr die Spieler des Drittligisten Arminia Bielefeld, die bis ins Finale vordrangen, dort aber dem Bundesligisten VfB Stuttgart mit 2:4 unterlagen. Dennoch ein erfolgreiches Jahr der Arminia, die in die 2. Bundesliga aufstieg und jetzt die Ehre hat, am Freitag (20.45 Uhr/ZDF) den neuen Wettbewerb gegen Werder Bremen zu eröffnen. Da werden Erinnerungen wach, im Vorjahr setzte sich Bielefeld im Viertelfinale mit 2:1 gegen Werder durch. Und die Arminia zeigt sich schon wieder in Form, ist nach zwei Spieltagen als Aufsteiger Tabellenführer der 2. Bundesliga! In der ersten Runde gibt es kein Bundesliga-Duell, Titelverteidiger Stuttgart muss zu Eintracht Braunschweig, das in der 2. BL ebenfalls noch ohne Punktverlust dasteht. Wegen des Supercups wird erst am Dienstag, 26. August, gespielt, die Bayern treten einen Tag später beim Drittligisten Wehen-Wiesbaden an.
Am Wochenende gehört die Bühne aber den Amateuren. Aus der Oberliga sind mit dem FK Pirmasens (ein bekannter Name!/Gegner Hamburger SV), SV Hemelingen (Wolfsburg), Engers (Eintracht Frankfurt), Delmenhorst (Mönchengladbach) und Strahnsdorf (Kaiserslautern) fünf Mannschaften dabei, die gleich gegen Bundesligisten antreten müssen. Die Vergangenheit hat gezeigt, chancenlos sind sie nicht. Aus der Regionalliga treten 14 Teams an und wir warten darauf, welcher Erstligist der Pokal-Depp wird. Im Vorjahr war es der spätere BL-Absteiger VfL Bochum, der in Regensburg mit 0:1 unterlag. Die bisherigen Vorbereitungsspiele haben gezeigt, dass noch nicht alle Bundesligisten in Form sind, die ersten Pflichtspiele der Saison sind auch ihre ersten ernsthaften Bewährungsproben.
Der Beckenbauer-Supercup ist immerhin in diesem Jahr ein wirklicher „Anheizer“ für die neue Bundesliga-Saison, die eine Woche später Meister Bayern München am Freitag gegen RB Leipzig eröffnet. Am Samstag (20.45 Uhr/SAT1) hat allerdings Titelverteidiger Stuttgart Heimrecht. Vor allem die Bayern lechzen nach der Chance, den ersten Titel zu gewinnen, im Pokal waren sie zuletzt 2020 erfolgreich ebenso wie in der Champions League – Erinnerungen an das berühmte Triple-Jahr. 2025 war die Meisterschaft quasi der Trostpreis. Der Supercup ist der Anfang der Jagd auf Silberware und steht unter besonderen Vorzeichen, nachdem sich der VfB gegen den gewünschten Wechsel von Nick Woltemade zu den Bayern wehrt. Der Jung-Star wird gegen seinen Wunschverein antreten, aber vielleicht werden die verhärteten Ablöse-Fronten rund um das Spiel bei einem Treffen der Bosse aufgeweicht. Woltemade und die Bayern hoffen noch. Hält der VfB seine Mauertaktik durch? Besser in Form scheinen die Bayern zu sein, die beim 4:0-Sieg über Tottenham ein starkes Spiel zeigten und mit dem Einsatz von zahlreichen Talenten erstaunten. Der VfB konnte gegen Bologna nicht glänzen, verlor das Duell der Pokalsieger von Deutschland und Italien mit 0:1. Dabei wurde ebenfalls ein Pokal ausgespielt, nichts war es also mit dem ersten Pott.
Die 2. Bundesliga hat zwei Spieltage hinter sich und da zeigt die Tabelle Erstaunliches. Ein Neuling vorn (Bielefeld), Abstiegskandidaten vom Vorjahr ebenfalls oben dabei (Darmstadt, Braunschweig) und dazu mit Hannover nur einer aus dem Favoritenkreis Dritter. Schlusslicht ist mit Düsseldorf dafür ein Team aus dem Favoritenkreis. Null Punkte haben außerdem Bundesliga-Absteiger Kiel, Altmeister Nürnberg mit seiner jungen Mannschaft und Aufsteiger Dresden. Nicht in Schwung gekommen ist bisher auch Hertha BSC, der Top-Favorit auf den Aufstieg überhaupt. Es verspricht also eine interessante Saison zu werden.
Wirtz, Schuster und Berger/Gwinn
Wenn die neue Saison los geht, werden die Stars der alten geehrt. Die deutschen Sportjournalisten wählten unter der Regie der Fachzeitung kicker die Besten der Fußball-Branche. „Fußballer des Jahres“ wurde Florian Wirtz, der nicht nur auf dem Spielfeld für Wirbel sorgte, sondern zuletzt auch mit seinem Wechsel von Leverkusen zum FC Liverpool, der eine Rekordsumme als Ablöse hinlegte. Das Nachsehen hatte Bayern München, wie jetzt auch die Bayern-Spieler. Wirtz siegte deutlich mit 191 Stimmen vor Michael Olise (91), Nick Woltemade (VfB/71, wäre gern Bayern-Spieler), Thomas Müller (70), Harry Kane (48), Jamal Musiala (43) und Joshua Kimmich (38). Welch ein Bayern-Aufgebot! Mit Abstand folgt Omar Marmoush (12, Frankfurt/ManCity). Wirtz ist Nachfolger von Toni Kroos, hinter dem er im Vorjahr Platz zwei belegt hatte. „Toni zu folgen, macht mich besonders stolz“, sagt der Sieger.
„Trainer des Jahres“ wurde ein Neuling, Julian Schuster beeindruckte mit dem SC Freiburg gleich in seinem ersten Bundesliga-Jahr und ist damit in doppelter Hinsicht ein würdiger Nachfolger von Christian Streich, der 2022 siegte. Schuster folgt auf Xabi Alonso und das ganz ohne Titel. Der Freiburger erhielt 97 Stimmen, auf den Plätzen Horst Steffen (76), der mit Elversberg ebenfalls für Furore sorgte und Hansi Flick (72), Barcelonas Erfolgstrainer.
Eine Besonderheit gab es bei den Frauen: Erstmals seit 30 Jahren, so lange wird die Wahl durchgeführt, landeten zwei Spielerinnen auf Platz 1! EM-Heldin Ann-Katrin Berger und DFB-Kapitänin Giulja Gwinn, inzwischen quasi das Gesicht des deutschen Frauen-Fußballs, erhielten jeweils 145 Stimmen. Für Berger eine erfolgreiche Titelverteidigung, da sie auch im Vorjahr siegte. Auf Platz drei Gwinns Mannschaftskameradin der Bayern, Klara Bühl (52) vor Jule Brand (43/Wolfsburg). Die neue Bundesliga-Saison der Frauen startet am 5. – 8. September mit einem neuen Zuschauerrekord, für das Eröffnungsspiel Bayern – Leverkusen am 6. September in der Allianz-Arena sind schon über 40.000 Karten verkauft.