Die neue Bundesliga: Herausforderer für die Bayern gesucht, viele Klubs geben Rätsel auf

von knospepeter

Das war ein Auftakt nach Maß für die Bayern und ein deutlicher Hinweis für die Konkurrenz: Mit dem Sieg im Supercup gegen Stuttgart begannen die Münchner ihre Titeljagd in der neuen Saison. Die Meisterschaft allein wie im Vorjahr ist ihnen zu wenig. Der 2:1-Sieg über Pokalsieger VfB war keine Glanzleistung, aber dennoch ein Zeichen des Willens. Eine Glanzleistung vollbrachte allein Torhüter Manuel Neuer, der bewies, dass er auch mit 39 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Bezeichnend zudem, dass Harry Kane und Neuling Luis Diaz die Torschützen waren, zwei Hoffnungsträger. Die Bayern sehen sich übrigens als „natürlicher Sieger“, wer sonst hätte die erste Austragung unter dem neuen Namen der Klublegende, nämlich „Franz-Beckenbauer-Supercup“ gewinnen sollen! Harry Kane freute sich besonders über seinen zweiten Pott.

Der Sieg im Supercup war aber auch ein Zeichen für die am Freitag beginnende neue Saison der Bundesliga, wenn Leipzig nach München kommt. Die Meisterschaft soll es wieder sein, ein Herausforderer wird gesucht, scheint aber nicht in Sicht. Bei einer Umfrage der Fachzeitung kicker sehen 55 Prozent die Bayern als Meister, Zweiter ist Dortmund mit 8,9 %, 8,5 % trauen es Frankfurt zu. Der Titelgewinn von Bayer Leverkusen 2024 bleibt wohl ein Ausnahmefall, zumal die Meistermannschaft von damals inzwischen zerfallen ist. Die Bayern aber sehen sich auch hier als der „natürliche Meister“: 33 seiner 34 Titel holte der Rekordchampion seit 1969, zwölf waren es in den vergangenen 13 Jahren! Dennoch beginnt die neue Saison nicht ganz ohne Sorgen, die Suche nach gewünschten Verstärkungen war von Absagen begleitet. Wirtz zu teuer, bei Nick Woltemade blieb Stuttgart stur, auch 60 Millionen Euro reichen nicht, der VfB sieht das Thema abgehakt. Der ins Auge gefasste Nkunku (Ex-Leipzig/Chelsea) kommt wohl auch nicht. Was blieb ist der auch 70 Millionen teure Diaz und die Sorgen vor Verletzungen, der Kader ist stark, aber klein, es darf nichts passieren. Auch Harry Klein warnt: „Mit so einem kleinen Kader habe ich noch nie gespielt.“ Der Nachwuchstalente allein als Hoffnungsträger passt nicht zu einer internationalen Titeljagd bei den hohen Belastungen. Musiala, Davies und Ito fallen noch länger aus, Kingsley Coman nahm endgültig Abschied für einen dicken Scheck aus Saudi-Arabien. In Erinnerung bleibt vor allem sein Tor zum Champions-League-Sieg 2020.

Borussia Dortmund gilt also größter Herausforderer, obwohl die Mannschaft kaum verstärkt wurde. Jobe Bellingham hilft im Mittelfeld, aber sonst? Sorgen bereiten aktuell Ausfälle in der Abwehr (Can, Schlotterbeck), Zuversicht gibt der Endspurt in der vergangenen Saison mit einem CL-Platz und das gute Auftreten bei der Klub-WM. Trainer Niko Kovac hat das Team gefestigt. Daneben darf man von Eintracht Frankfurt und Stuttgart erwarten, dass sie an der Tabellenspitze eine gute Rolle spielen. Frankfurt hat den Abgang von Torjäger Hugo Ekitiké mit Jonathan Burkardt aus Mainz und Ritsu Doan gut kompensiert. Neuen Wirbel gibt es im Tor, Kevin Trapp zieht es zum FC Paris, dafür soll Michael Zetterer aus Bremen kommen. Der VfB will besser abschneiden als im letzten Jahr, Platz neun war eine Enttäuschung, kompensiert durch den Pokalsieg. Der neue Star Woltemade soll also bleiben, das Abschneiden daher besser werden.

Dahinter beginnt schon eine große Zahl von Klubs, die Rätsel aufgeben. Neue Trainer, viele Veränderungen in den Teams, da wird sich erst im Laufe der Saison zeigen, wer den Umbruch gut bewältigen kann. Erstes Beispiel ist Bayer Leverkusen, das mit Hradecky, Tah, Xhaka und Wirtz seine bestimmende Achse verloren hat, dazu auch Dampfmacher Frimpong. Trainer Erik ten Hag als Nachfolger von Xabi Alonso hat sich seine Aufgabe sicher leichter vorgestellt. Die Lücken füllen sollen mehrheitlich hoffnungsvolle Talente, neuer Mittelchef und Kapitän ist Robert Andrich, im Vorjahr oft nur Ersatz! Einen ähnlichen Umbruch hat RB Leipzig vorgenommen, Torjäger Sesko ist der schmerzhafteste Abgang, Xavi Simons soll noch gehen. Der neue Trainer Ole Werner ist der Hoffnungsträger, er soll Schwung in die Mannschaft bringen. In dem Kreis darf man auch den SC Freiburg erwarten, wo eher Kontinuität angesagt ist, allerdings muss der Abgang von Doan verkraftet werden. Julian Schuster, der „Trainer des Jahres“, soll es richten.

Das Gros der Vereine darf dem Mittelfeld zugeordnet werden, offen, ob es nach oben oder unten geht. Ins Blickfeld rückte der FC Augsburg, der sich mit Nagelsmann-Assistent Sandro Wagner einen Star-Coach holte, der eigentlich höchstens Geselle ist. Der FCA will attraktiver spielen, zeigte es in den Testspielen und beim 2:0 im Pokal in Halle bisher nicht. Überhaupt Pokal, da schied am Wochenende mit Werder Bremen (wie im Vorjahr 1:2-Niederlage in Bielefeld!) bisher nur ein Erstligist aus, aber PR für die Bundesliga machten die Klubs nicht, viele kamen gegen unterklassige Mannschaften nur mit viel Glück weiter, vor allem die Aufsteiger Hamburg und Köln, aber auch Mönchengladbach. Die Borussia gehört neben Wolfsburg, Werder (Horst Steffen neuer Trainer), Hoffenheim und Mainz zu den Vereinen, die noch nach ihrer Form und ihrem besten Team suchen.

Hamburg Fußball-Hauptstadt

Durch die Rückkehr der Traditionsklubs Hamburger SV und 1. FC Köln ist die Bundesliga eigentlich attraktiver geworden, aber es sieht so aus, als hätten beide Aufsteiger sehr viele Probleme, die Klasse auch wieder zu halten. Dabei scheinen die Kölner weiter als der HSV, der einen Umbau der Mannschaft vornahm, aber eher an Klasse einbüßte, vor allem die Abgänge von Selke und Reis tun weh. Dennoch ist Hamburg zumindest für eine Saison mit dem HSV und FC St. Pauli Deutschlands Fußball-Hauptstadt, der Glanz wird aber dadurch getrübt, da beide Teams wohl vor allem gegen den Abstieg spielen müssen. Begleitet werden sie hier von Union Berlin und dem 1. FC Heidenheim, der in sein drittes BL-Jahr geht, im Vorjahr aber bereits einige Zeit Schlusslicht war und sich erst am Schluss durch eine glückliche Relegation rettete. Die Hoffnung ruht vor allem auf Trainer Frank Schmidt in seinem 19. Jahr in Heidenheim!

Die Bundesliga hat es im internationalen Konkurrenzkampf immer schwerer, Spieler-Attraktionen nach Deutschland zu bekommen. Nicht nur die Premier League ist interessanter und lukrativer, nicht nur Spanien zieht, sondern inzwischen lockt auch Saudi-Arabien mit viel Geld nicht nur Spieler am Ende ihrer Karriere, sondern auch Athleten in bestem Alter. Selbst Bayern München hat inzwischen Probleme, die Mannschaft vor allem für die Champions League zu verstärken. Ein CL-Sieg wird also immer unwahrscheinlicher. Bis zum 1. September sind übrigens Verstärkungen noch möglich, dann läuft die Transferfrist ab. Der Start in die neue Saison ist zögerlich, nach zwei Spieltagen gibt es gleich wieder eine Länderspielpause für die WM-Qualifikation, ab dem 12. September geht es dann richtig los. Dann stehen auch Europas Wettbewerbe in den Startlöchern. Neben Meister Bayern starten Leverkusen, Frankfurt und Dortmund in der Champions League, Freiburg in der Europa League sowie Mainz in der Conference League (in den Play-Offs gegen Trondheim).