Beim Start der Bundesliga werden gleich Zeichen gesetzt

von knospepeter

Eine richtige Sommerpause gab es ja nicht, dennoch fieberten die Fußball-Fans dem Start der Bundesliga entgegen, die Saison könnte ja spannend wie schon lange nicht mehr werden. Was die Tendenzen angeht, so wurden beim Start gleich Zeichen gesetzt und da wurde deutlich, dass es zumindest beim Kampf um den Titel langweilig sein könnte. Das 6:0 der Bayern gegen RB Leipzig war ein Statement: Kleiner Kader, großer Sieg – „wir sind da!“ Ein Zeichen von Trainer Kompany: Er wechselte u. a. die Talente Karl und Kusi-Asare ein. Von der Konkurrenz konnte nur Eintracht Frankfurt mithalten, das 4:1 gegen Werder Bremen machte ebenso deutlich, wir bleiben oben dabei. Ein Wink für die Zukunft, „Spieler des Tages“ war der 19-jährige Can Uzun.

Neben Leipzig sah es auch in Dortmund, Leverkusen und Stuttgart ganz anders aus, den anderen Teams aus dem Favoritenkreis. Dortmund verfiel in seine alten Fehler, rief in der Bundesliga nicht seine beste Leistung ab und kassierte nach 3:1-Führung in der 86. Minute noch ein 3:3 gegen St. Pauli. Verstärkungen sind in Sicht nach dem Verletzungspech in der Abwehr. Leverkusen musste beim 1:2 gegen Hoffenheim erkennen, dass der Umbruch nicht ohne Schrammen vonstatten geht und der VfB zeigte sich beim 1:2 in Berlin nicht in Form. Fast ein Fremdkörper war Nick Woltemade. Das Wechseltheater hat offensichtlich Spuren hinterlassen. Anders Union-Neuzugang Ansah, der den VfB mit zwei Treffern erledigte.

Im Mittelpunkt des ersten Spieltages stehen naturgemäß vor allem die neuen Trainer. Sechs sind es an der Zahl, ihre Bilanz ist ausgeglichen. Die Glücklichen waren Sandro Wagner in Augsburg, Lukas Kwasniok bei Aufsteiger Köln und Paul Simonis in Wolfsburg. Besonders im Blickpunkt dabei Neuling Wagner beim FCA, für den Freiburg ein besonderes Pflaster ist. Am 6. März 2011 erzielte er sein erstes Bundesliga-Tor als Spieler für Bremen beim 3:1 in Freiburg, jetzt startete er mit dem gleichen Sieg als Trainer beim FCA. Ein bisschen Glück war dabei, vor allem waren seine Spieler eiskalt vor dem Tor: Vier Chancen, drei Tore (75 %) – der FCA war die effektivste Mannschaft beim Start vor Union mit drei Chancen und zwei Toren (66,7 %)!

Schlechter gefühlt haben sich die anderen drei Trainer-Neulinge. Vor allem Erik ten Hag wird in Leverkusen nachdenklich werden, die Stützen aus dem Meisterjahr sind alle nicht mehr da, viele neue Spieler zwar, aber alte Erfolge werden schwer. Auch Ole Werner in Leipzig wird zweifeln, als Spitzenteam hat sich seine Mannschaft in München nicht präsentiert. In den unteren Regionen muss Horst Steffen in Bremen sein Werder-Team sowieso einordnen. Das Zeichen: Es geht wohl zunächst mal um den Klasenerhalt. Apropos Neulinge: Die meldeten sich erfolgreich an, Köln profitierte beim 1:0-Sieg in Mainz wohl vor allem auch von der Müdigkeit der Rheinhessen durch das Spiel in Trondheim unter der Woche. Auch da gab es eine Niederlage, beim Rückspiel steht das weitere internationale Mitwirken auf dem Spiel. Der HSV präsentierte sich gefestigter als in der Vorbereitung holte ein 0:0 in Gladbach und überraschte wohl die Borussia. Weiter geht es jetzt mit dem Derby gegen St. Pauli am Freitag. Wer ist die Nummer 1 in der Fußball-Hauptstadt Hamburg?

Was das Tabellenende angeht, da wird man sich vor allem in Heidenheim Gedanken machen. Trainer Frank Schmidt hatte die alte Heimstärke von seinem Team gefordert, heraus kam ein 1:3 gegen Wolfsburg.

Der 2. Spieltag am Wochenende präsentiert neben Hamburg zwei weitere brisante Derbys, in denen Sieger unter sich sind. In Bayern erwartet der FCA die Münchner und Wagner kündigte an, „denen wollen wir was auf die Socken geben“. Mit Hoffenheim und Frankfurt treffen sich zudem ebenfalls zwei Nachbarn. Danach ist übrigens gleich wieder Pause, da hat die Nationalmannschaft das Wort mit den ersten WM-Qualifikationsspielen. Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann hat Sorgen, was seine Stammspieler angeht und mit Sorgen wird er auf eine Zahl schauen: Die Auswahl an Kandidaten für sein Team wird kleiner, nur 39,4 Prozent der Spieler aus den Anfangsformationen waren für den DFB spielberechtigt, weniger waren es nur 2003/04 vor der desaströsen EM mit 38,9 Prozent! (Siehe dazu auch den nächsten Blog „Fußball in Europa: Die Bundesliga wird abgehängt“).

Auch bei den Frauen geht es wieder richtig los, die neue Saison startet am Samstag (14 Uhr) in Karlsruhe mit dem Supercup, bei dem der VfL Wolfsburg als Bundesliga-Zweiter den Meister und Pokalsieger Bayern München herausfordert. Die Wölfinnen haben einen großen Umbruch hinter sich, viele erfahrene Spielerinnen verloren und mit Stephan Lerch einen neuen Trainer. Die Münchnerinnen haben auch Meistermacher Alexander Straus nach Los Angeles verloren, sie werden jetzt vom Spanier José Barcala angeleitet, zuletzt Trainer in Genf. Ein unbekannter Coach, aber das war Straus vorher auch. Barcala gilt als ehrgeizig und kommunikativ. Wichtigster „Neuzugang“ ist Nationalspielerin Lena Oberdorf, die vor einem Jahr aus Wolfsburg nach München kam, aber bisher wegen einer schweren Verletzung noch nicht spielen konnte. Jetzt ist sie dabei und die Mannschaft scheinbar schon in Form, in einem Testspiel wurde Real Madrid 4:1 geschlagen. Ein Statement! Die neue Bundesliga beginnt eine Woche später am 6. September. Wolfsburg gastiert am Sonntag bei Aufsteiger Hamburger SV, die Bayern erwarten Leverkusen am Samstag in der Allianz Arena vor mehr als 40.000 Zuschauern.

Basketball-EM: Der Titel soll es sein

Bei der Basketball-Nationalmannschaft beginnt mit der Europameisterschaft ab Mittwoch in Lettland, Finnland, Zypern und Polen eine neue Ära. Die erfolgreiche Zeit des Kanadiers Gordon Herbert ist vorbei, er hat das Team zuletzt zum WM-Titel 2023 geführt, EM-Bronze gewonnen und bei Olympia Platz vier geholt. Sein Nachfolger ist der Spanier Alex Mumbru (46), einst ein erfolgreicher Spieler, der bei der Mannschaft schon gut angekommen ist. Nicht weniger als der Titel soll es bei der EM sein, Favorit ist aber Serbien, das Deutschland im WM-Finale noch mit 77:83 unterlag, aber jetzt mit NBA-Star Nikola Jokic (30(Denver) eine entscheidende Verstärkung hat. Titelverteidiger Spanien hat ein relativ neues Team und musste die Stärke Deutschlands bereits in zwei Testspielen anerkennen.

Die deutsche Auswahl bestreitet ihre Vorrundenspiele der Gruppe B in Finnland und trifft dabei auf Montenegro (Mittwoch), Schweden (Freitag), Litauen (Samstag), Großbritannien (Montag, 1.9.) und Gastgeber Finnland (Mittwoch, 3.9.). Die ersten vier Teams jeder Gruppe qualifizieren sich für das Viertelfinale. Bei Deutschland sind noch neun von zwölf Weltmeistern dabei (Giffey/Rücktritt, Krämer/keine Freigabe von Real Madrid und Moritz Wagner/verletzt fehlen), angeführt wird das Team von den NBA-Stars Dennis Schröder, der auch Kapitän ist, und Franz Wagner. Defensiv ist Daniel Theis (Monaco) die große Stütze. Mit Isaiah Hartenstein (Oklahoma) hat ein weiterer NBA-Star abgesagt, was der einzige Wermutstropfen war. „Wir wollen den Titel“, betont aber Schröder.

Auch im Handball geht es wieder richtig los, am Wochenende beginnt die Bundesliga. „Anheizer“ war auch hier der Supercup, Meister Füchse Berlin setzte sich dabei im SAP-Garden in München mit 34:33 (31:31) nach Siebenmeterwerfen gegen THW Kiel durch. Beide Teams gehören auch zu den Meisterschaftsfavoriten, aber auch dem SC Magdeburg und Flensburg werden große Chancen eingeräumt. Ganz anders als im Fußball gibt es also viele heiße Anwärter auf den Titel.