Bayern und Bayer – die Spitzenteams in Not!
von knospepeter
Die deutschen Fußball-Meister der letzten Jahre hießen Bayer Leverkusen und Bayern München. Eigentlich logisch, dass sie auch in dieser Saison vorne mitmischen sollten. Das wird vor allem vom Abonnementsmeister aus München erwartet, doch Vorsicht ist geboten. Auffallend: Bayern und Bayer – die beiden Spitzenteams sind in Not!
Gut, die Bayern legten einen Traumstart hin, siegten in den Testspielen, gewannen den Supercup und führen die Bundesliga ohne Punktverlust an. Aber das dicke Ende kann noch kommen! Bei allen Titeljagden muss es ein großes „Aber“ geben. Egal ob Bundesliga oder Pokal, in der Champions League sowieso (Start am 17. September gegen Chelsea London), die Bayern können nur erfolgreich sein, wenn sie vom Verletzungspech verschont bleiben. Schlägt es zu wie im letzten Jahr, dann wird es knapp, denn der Kader ist auf Kante genäht. Der Transfer-Sommer war bei den Bayern schlichtweg eine Katastrophe, der Verlierer des Jahres ist heute schon Sportvorstand Max Eberl, der zwar für Vertragsverlängerungen der Stars Kimmich, Musiala und Davies gelobt wurde, doch sie wurden überteuert erkauft und kommen als eine Art Bumerang bei weiteren Vertragsverhandlungen zurück. Für ihn scheinen die Bayern eine Nummer zu groß zu sein. Warum wohl wird Eberls Macht vom Aufsichtsrat ständig beschnitten? Kein Wunder also, dass geplante Verstärkungen bis auf den (ebenfalls überteuerten) Diaz auf der Strecke blieben. Und der Kader ist nicht nur klein, er hat auch Schwächen. Die Talente Karl, Mike und Kusi-Asare sind noch nicht reif für die Bundesliga und werden von Trainer Vincent Kompany kaum gefördert. Dafür bringt er immer wieder den 30-Millionen-Euro-Flop Sacha Boey, der in fast jedem Spiel einen Gegentreffer verschuldet. So auch in Augsburg zum 2:3. Eigentlich darf er nur bei einer 3:0-Führung eingewechselt werden, denn so mussten die Bayern genauso wie im Pokal in Wiesbaden auch im Derby beim FCA am Ende zittern. Will Kompany zeigen, wie dünn der Kader ist?
München beherrschte zwar die Schlagzeilen des Transfermarktes, doch ob Wirtz, Williams oder Woltemade – es klappte nichts. In Leverkusen lief der Transfermarkt dafür heiß, die Meistermannschaft von 2024 zerfiel, dafür mussten neue Spieler her. Es wird sich erst zeigen, wie gut Bayer eingekauft hat, der neue Trainer Erik ten Hag jedenfalls entpuppte sich als Flop. Das führte schon nach dem zweiten Spieltag zur Entlassung des Holländers. Er hatte auf allen Ebenen jeglichen Kredit verspielt, eckte überall an und verlor quasi blitzschnell die Kabine. Er war also das ganze Gegenteil des beliebten Xabi Alonso. Ein Pünktchen war zu wenig. Der Neuanfang in Leverkusen beginnt also in der Länderspielpause. Insgesamt wird es ein hektischer Montag, um 20 Uhr schließt (oder schloss, wer später liest) das Transferfenster.
Ohne Punktverlust stehen hinter den Bayern auch Eintracht Frankfurt und, man lese und staune, Aufsteiger 1. FC Köln ohne Punktverlust da. Bei Frankfurt keine Überraschung, die Eintracht wurde als Bayern-Jäger auserkoren und in Sachen Transfers machen sie dem Meister vor, wie es geht. Sportvorstand Markus Krösche arbeitet anders als Eberl, er weiß, wie es geht, handelt rechtzeitig, verkauft Stars teuer und holt künftige Stars billig. Bestes Beispiel Ritsu Doan, der Japaner, in Freiburg auffällig geworden, wurde frühzeitig kontaktiert und als teure Verkäufe das nötige Geld brachten, für 27 Millionen Euro günstig verpflichtet. Er war der Star der ersten Spieltage, Doppelpack im Pokal und beim 3:1-Sieg gegen Hoffenheim. Dazu fördert Trainer Dino Toppmöller das 19-jährige Talent Can Uzun, der glänzt im Mittelfeld, bringt die Eintracht auf die Sieges- und nicht auf die Verliererstraße. Die Kölner wiederum fühlen sich im siebten Himmel, Trainer Lukas Kwasniok hat den ganzen Verein aufgeweckt. Dem 1:0-Sieg in Mainz folgte ein 4:1 gegen Freiburg. Als Bayern-Kontrahent angemeldet hat sich auch Dortmund mit einem souveränen 3:0 gegen Union Berlin und zwei Toren von Guirassy.
In Freiburg reibt sich dagegen der „Trainer des Jahres“ Julian Schuster verwundert die Augen. Was ist los mit seinem Team? 1:3 gegen Augsburg, 1:4 in Köln – der Fehlstart ist die Folge, der Verein trägt als Schlusslicht die Rote Laterne. Mit null Punkten steht sonst nur noch Heidenheim da und dort sind die Aussichten auf den Klassenerhalt noch trüber, wenn „Retter“ Leo Scienza den Verein verlässt, mit Southampton und dem FC Paris locken gleich zwei internationale Klubs. Auch der HSV zeigte sich nicht bundesliga-like, verlor das Stadtderby gegen St. Pauli ziemlich sang- und klanglos mit 0:2. Verstärkungen sollen noch für Besserung sorgen.
Für Nagelsmann zählen nur Siege
Die Bundesliga macht Pause, sucht Verstärkungen, das Wort hat die Nationalmannschaft und da sucht Bundestrainer Julian Nagelsmann Siege. Nein, er fordert sie. Am Donnerstag beginnt die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko, erster Gegner ist in Bratislava die Slowakei. Am Sonntag geht es in Köln gegen Nordirland, Dritter Gegner ist Luxemburg in einer Runde im Schnelldurchgang mit weiteren Spielen am 10. und 13. Oktober sowie 14. und 17. November. Eine erfolgreiche direkte Qualifikation, das bedeutet Platz eins, ist quasi Pflicht, für Nagelsmann zählen sowieso nur Siege.
Die Wende muss her, schließlich verabschiedete sich die DFB-Auswahl im Finale der Nations League mit Niederlagen von 1:2 gegen Portugal und 0:2 gegen Frankreich. Das waren freilich andere Kaliber. Der Bundestrainer will aber auch in der Mannschaft einiges ändern. So rückt Kapitän Joshua Kimmich wie im Verein ins Mittelfeld, den frei werdenden Posten als Rechtsverteidiger wird wohl das 21-jährige Frankfurter Talent Nnamdi Collins einnehmen. Aber Nagelsmann will mehr, es geht generell um eine Änderung der Grundordnung. „Wir wollen eine zusätzliche Ordnung reinbringen. Wir hatten in ein, zwei Momenten der Spiele immer Probleme, gewisse Dinge zu verteidigen.“ Einige Stammspieler fehlen verletzt, so Torhüter Nummer 1, ter Stegen. Sorgen bereitet Florian Wirtz, der angeschlagen vorzeitig vom Feld ging. Mit Augsburgs Torhüter Finn Dahmen, Collins und Paul Nebel (Mainz) sind drei Neulinge dabei.
Das Aufgebot: Tor: Baumann, Nübel, Dahmen. – Abwehr: Andrich, Anton, Collins, Koch, Mittelstädt, Raum, Rüdiger, Tah. – Mittelfeld: Adeyemi, Amiri, Gnabry, Goretzka, Groß, Kimmich, Leweling, Nebel, Stiller, Wirtz. – Sturm: Füllkrug, Woltemade.
Frauen hoffen auf mehr Aufmerksamkeit
In die Länderspielpause der Männer stößt die Frauen-Bundesliga , die am Freitag mit ihrer neuen Saison beginnt. Das Oberhaus wurde von 12 auf 14 Vereine aufgestockt, das soll die Liga vermehrt in die Öffentlichkeit bringen. Nach wie vor kämpfen die Frauen um mehr Aufmerksamkeit, dazu gehören auch mehr Zuschauer. Erfolge kann man vorweisen, der HSV spielte im Pokal vor 57.000 Zuschauern, das Auftaktspiel von Bayern München gegen Bayer Leverkusen findet am Samstag (17.45 Uhr/ZDF) vor mehr als 45.000 Zuschauern in der Allianz Arena statt. Ausgerechnet der Meister spielt sonst im Bayern-Campus vor nur 2500 Fans. Diesbezüglich können die Neulinge für mehr Attraktivität sorgen, denn Union Berlin (Alte Försterei, 22.000), Hamburg (Volksparkstadion, 57.000) und Nürnberg (Max-Morlock-Stadion, 40.000) spielen wie die Männer in den großen Stadien. Das soll auch mehr Rückhalt für den Klassenerhalt sorgen.
Sportlich ist zu befürchten, dass es zumindest an der Spitze keine Spannung gibt, die Bayern-Mädchen scheinen übermächtig zu sein. Das deuteten sie schon beim Supercup an, den sie in Karlsruhe vor 16.933 Zuschauern mit 4:2 gegen den VfL Wolfsburg gewannen. Der Doublesieger hat die Mannschaft noch einmal verstärkt und hat einen großen und qualitativ ausgezeichneten Kader. Wie früher bei den Männern heißt es, dass auch die B-Mannschaft Meister werden könnte. Dazu kommt, dass Nationalspielerin Lena Oberdorf nach langer Verletzungspause mit einem Jahr Verzögerung ihren Einstand bei Bayern in der BL gibt. Da muss der neue Trainer José Barcala vor allem schauen, die Mädchen bei Laune zu halten. Dauer-Konkurrent Wolfsburg hat einen Umbruch wie Leverkusen bei den Männern hinter sich, 15 Spielerinnen gingen, zwölf neue kamen, mit Stephan Lerch gibt es auch einen neuen Trainer. Auch Frankfurt will vorne mitmischen, ansonsten muss man sehen. Auffallend ist, dass vermehrt Frauen-Teams der Männer-Bundesligisten nach oben kommen, auch Dortmund, Schalke und Stuttgart schielen in den unteren Ligen nach oben. Der letzte verbliebene reine Frauen-Klub ist die SGS Essen.
Der erste Spieltag: Freitag: Frankfurt – Essen (18.30 Uhr). Samstag: Köln – Leipzig (14 Uhr), München – Leverkusen (17.45 Uhr). Sonntag: Bremen – Freiburg (14 Uhr), Hamburg – Wolfsburg (16 Uhr), Jena – Hoffenheim (18 Uhr), Union – Nürnberg (18.30 Uhr). Alle Spiele werden bei MagentaSport und DAZN live übertragen.