Die Frauen besiegen die Nagelsmänner

von knospepeter

Wer hätte das gedacht: Die Rekordzahl von 57.762 Zuschauern besuchten am Samstag das Spiel Bayern München gegen Bayer Leverkusen in der Allianz Arena, nur 43.169 waren es am Sonntag in Köln bei der WM-Qualifikation von Deutschland gegen Nordirland. Ein Zeichen? Für Fans und Spielerinnen war der Bundesliga-Auftakt in München übereinstimmend ein besonderes Erlebnis, davon redete in Köln niemand. Die Frauen besiegten also die Nagelsmänner. Immerhin, der 3:1-Erfolg der DFB-Elf beendete eine Niederlagenserie, war Balsam für die geschundene Seele nach der 0:2-Pleite in der Slowakei. Da lag das Nagelsmann-Team in Trümmern.

Nach Niederlagen gegen Portugal, Frankreich und die Slowakei hieß es am Sonntag „Auferstanden aus Ruinen“. Es war eine schier unsägliche Leistung in Bratislava und die verdiente Klatsche. Sicher, ein paar aus dem Stammkader wie Musiala, Havertz, Kleindienst, Füllkrug und Schlotterbeck haben gefehlt, aber so eine Nichtleistung ohne Willen und Kampf darf es nicht geben, das bringt auch den Bundestrainer in Schwierigkeiten. Die direkte WM-Qualifikation gerät damit in Gefahr, wenn die Slowakei weiterhin ihre Spiele gewinnt und so viel Glück wie am Sonntag in Luxemburg hat, mit dem entscheidenden 1:0 in der 90. Minute. Deutschland muss alles gewinnen, damit es am 17. November zum Schluss in Leipzig wenigstens ein Endspiel gibt. Übrigens es zählt bei Punktgleichheit nicht der direkte Vergleich, sondern die Tordifferenz aus allen Spielen. Da sollte es am 10. Oktober beim Spiel gegen Luxemburg in Sinsheim treffsichere Spieler geben und keinen lustlosen Auftritt.

In Köln gab es bei Weitem noch keine Wiedergutmachung, vom Weltmeistertitel braucht keiner mehr zu reden, durch die Niederlage in der Slowakei ist auch der Platz als Gruppenkopf bei der WM-Auslosung am 5. Dezember in Gefahr. Beim 3:1 gegen Nordirland bot die Mannschaft keine Leistung, die Hoffnung macht. Ein Zeichen, dass das Stadion in Köln nicht ausverkauft war, die Fans kritisierten aber auch die hohen Preise. Sie sahen, dass die Abwehr ein einziger Unsicherheitsfaktor ist, vor allem Antonio Rüdiger hat einen Stammplatz nicht mehr verdient, stand in Bratislava neben sich und leitete ursächlich den Gegentreffer in Köln mit einem Fehler ein. Unnötig kassierte er zudem seine zweite Gelbe Karte, ist also gesperrt. Das ist keine Schwächung derzeit. Kollege Jonathan Tah war allerdings auch nicht wesentlich besser. Die Hintermänner Anton und Koch genießen nicht unbedingt das große Vertrauen, den besten Eindruck hinterließ zuletzt Nico Schlotterbeck. Erschreckend in der Slowakei zudem die Millionen-Transfers Florian Wirtz und Nick Woltemade, wobei Wirtz in Köln besser wirkte und mit seinem schönen Freistoßtor den Sieg sicherte. Woltemade stand eher neben sich und ist kein Torjäger.

Der September-Termin ist nicht glücklich, die Spieler sind nach der (diesmal zu kurzen) Sommerpause noch nicht richtig in Form, zum Teil haben sie gedanklich teilweise mit ihren Transfers und der neuen Umgebung zu kämpfen. Das sah man vor allem Wirtz und Woltemade an, die eine millionenschwere Last mit sich trugen. Das sollte nach Luxemburg auch beim Rückspiel am 13. Oktober in Nordirland und der letzten Periode gegen Luxemburg am 14. November und im „Endspiel“ (?) am 17.11. gegen die Slowakei anders ausschauen. Jamal Musiala wird allerdings auch da noch fehlen. Immerhin reagierte Nagelsmann am Sonntag mit seinen Auswechslungen richtig, vor allem Nadiem Amiri brachte Schwung in den Laden und leitete mit seinem Treffer zum 2:1 den Sieg ein. Daneben konnte sich auch Jamie Leweling empfehlen.

Leverkusen holt Kasper Hjulmand

Das schwache Auftreten des Nationalteams hat auch seine guten Seiten: Jetzt freuen sich die Fußballfans viel mehr wieder auf die Bundesliga, die vor der nächsten Länderspielperiode vier Spieltage absolviert. Diese Periode beginnt mit einem Schlagerspiel mit Eintracht Frankfurt und endet so. Am Freitag gastiert die Eintracht, die ja als erster Konkurrent von Meister Bayern gesehen wird, in Leverkusen, am 6. Spieltag erwartet sie eben diese Bayern. Da darf man sich doch wirklich freuen…

Frankfurt wird allerdings auf eine neue Bayer-Mannschaft treffen. Am Montag wurde bekannt, dass die Leverkusener einen Nachfolger für den entlassenen Trainer Erik ten Hag gefunden haben, es ist ein alter Bekanter aus der Bundesliga, Kasper Hjulmad. Der 53-jährige Däne hatte 2013/14 ein etwas unglückliches Debüt bei Mainz 05. Es heißt, er wäre jetzt ein anderer Trainer und war zuletzt vier Jahre lang erfolgreicher Coach der Nationalmannschaft Dänemarks. Höhepunkt war der überraschende Halbfinaleinzug bei der EM 2021. Hjulmand gilt als Fußballdenker mit vielen Ideen. Ist er der richtige Nachfolger des beliebten Xabi Alonso? Es kann nur besser werden, bisher hat Bayer gerade mal einen Punkt geholt.

Drei Mannschaften sind noch ungeschlagen, an der Spitze liegt Bayern, das am Samstag (18.30 Uhr) gegen Aufsteiger Hamburger SV sein Tor- und Punktekonto verbessern will. Doch Vorsicht, der HSV hat sich offensichtlich wirkungsvoll in der Pause verstärkt. Ohne Punktverlust ist auch der 1. FC Köln noch. Ob das in Wolfsburg so bleibt? Am Tabellenende warten Freiburg und Heidenheim auf ihren ersten Punktgewinn, beide haben zwar Heimspiele, aber da könnte sich Freiburg im Landesderby gegen den VfB Stuttgart ebenso schwer tun, wie Heidenheim gegen Dortmund.

Spektakulärer Start der Frauen-Bundesliga

Besser und attraktiver hätte der Start der Frauen-Bundesliga in die neue Saison nicht sein können. Mit 57.762 Zuschauer in München ein neuer deutscher Rekord, dazu überraschende Ergebnisse und jeweils über 11.000 Zuschauer in Hamburg und Berlin, wo die Fans auch auf ihre Kosten kamen. In München tat sich der Titelverteidiger beim 2:0 gegen Leverkusen zunächst schwer, der neue Trainer José Barcala ließ einige Stars (teils noch nicht ganz fit) auf der Bank und Bayer mit Neuzugang Carlotta Wamser leistete heftig Gegenwehr. Zur Pause kam dann Klara Bühl aufs Feld und wurde zur Matchwinnerin, ihre Ecke köpfte Vanessa Gilles zum 1:0 ein und eine Minute später traf Bühl selbst. Auch die Münchnerinnen waren anfangs angesichts der ungewohnten Kulisse in der Allianz Arena wohl nervös, dann aber waren alle von der Stimmung begeistert. So schwärmte auch die Kanadierin Gilles, die von Olympique Lyon kam, „so etwas habe ich noch nie erlebt“. So ging es allen Spielerinnen. Das Dilemma der Bayern: Die Allianz Arena ist zu groß (erst 25.000 Zuschauer decken die Kosten), das Stadion im Campus mit 2500 Zuschauern ist zu klein. Bayerns Frauen-Direktorin Bianca Rech hat einen Traum: „Ein Stadion für 10.000 Zuschauer.“

Die Neulinge sorgten gleich für Aufmerksamkeit und blieben ungeschlagen. Union und Nürnberg trennten sich im direkten Duell mit 1:1, der Hamburger SV aber überraschte gegen den VfL Wolfsburg. Der Favorit führte bereits mit 3:1, ehe die HSV-Damen noch zum Ausgleich kamen. Brunnthaler traf in der 81. Minute und Stoldt verwandelte in Minute 90.+8 einen Freistoß direkt, wobei der Ball in Zeitlupe über die Linie trudelte. Oder war er gar nicht drin? Wolfsburgs neue Torhüterin Stina Johannes beteuert, „er war noch auf der Linie“, das Schiedsrichterinnen-Trio sah aber den Ball über der Linie. Einen VAR gibt es nicht, die ganze technische Einrichtung ist für die Frauen-BL noch zu teuer. Wie es so ist im Leben, hat man den VAR, steht er in der Kritik, hat man keinen VAR, sehnt man sich danach. Jetzt hoffen die Fans auf weiteres Spektakel, möglich bei Leipzig gegen Bayern oder im Derby Hoffenheim gegen Frankfurt, das nach einem 5:0 gegen Köln erster Tabellenführer ist. Wie bei den Männern, so könnte es auch bei den Frauen an der Spitze zu einem Zweikampf München-Frankfurt kommen! Bei beiden lauern aber auch Spielverderber!

Spektakel gibt es auch bei der Basketball-Europameisterschaft, bei der Deutschland das Viertelfinale erreicht hat und jetzt am Mittwoch (20 Uhr/RTL) auf Slowenien mit NBA-Star Luka Doncic trifft. Nicht mit dabei sein wird Bundestrainer Alex Mumbru, der nach einem Krankenhausaufenthalt das 85:58 gegen Portugal coachte, aber jetzt aus gesundheitlichen Gründen doch aufgeben muss und seinem Co-Trainer Alan Ibrahimagic das Feld überlässt. Die Deutschen sollten wachsam sein, mit Serbien und Spanien sind bereits zwei Favoriten ausgeschieden.

Spektakel kann es auch in anderen Sportarten geben. Im Eishockey beginnt in dieser Woche die deutsche Meisterschaft, am Samstag startet die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Tokio. Zu beiden Ereignissen in dieser Woche noch ein Blog vom Sport-Grantler.