Die deutsche Leichtathletik in der Krise und die WM als Hoffnung

von knospepeter

Am Samstag startet die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Tokio, sie dauert bis Sonntag, 21. September. Tokio? Da war doch was? Erinnerungen werden wach an die Olympischen Sommerspiele 2021, als die Olympia unter der Corona-Zeit litt. Spiele ohne Zuschauer. Malaika Mihambo hat dennoch gute Erinnerungen, denn dort hat sie Gold im Weitsprung gewonnen, „vor vielleicht 100 Zuschauern“ schätzt sie. Jetzt kehrt Mihambo, die auch zweimal WM-Gold 2019 in Doha und 2022 in Eugene sowie zweimal EM-Gold 2018 in Berlin und 2024 in Rom holte, zurück und hat erneut eine Medaille im Visier. Ob es wieder Gold sein kann, ist fraglich.

Inzwischen hat die deutsche Leichtathletik im übertragenen Sinne Corona, sie befindet sich in der Krise. Von den letzten Wettkämpfen 2023 in Budapest kehrte das DLV-Team ohne eine Medaille zurück. Einige Stars waren verletzt, dennoch ein Tiefpunkt und Medaillen werden auch in Tokio rar sein, wenn es auch einige Hoffnungen gibt. Aber die einst stolze Leichtathletik, das Herzstück bei Olympischen Spielen, hat an Bedeutung verloren. Der Nachwuchsmangel ist eklatant, Probleme gibt es mit Trainern und ohne Erfolge fehlt die Beachtung in der Öffentlichkeit. Zwar gibt es hochklassige Diamond-League-Sportevents, doch interessieren die in Deutschland niemand, attraktive TV-Übertragungen gibt es nicht. Wege aus der Krise werden gesucht, neue Regeln, um die Wettbewerbe attraktiver zu machen, Veranstaltungen, wie Hochsprung-Events, in den Innenstädten nach dem Motto, „wenn die Leute nicht zum Sport kommen, muss der Sport halt zu den Leuten kommen“. An Aufmerksamkeit in Tokio wird es diesmal nicht mangeln, die deutschen Sportfans müssen sich aber durch den Zeitunterschied von sieben Stunden darauf einstellen, dass die interessanten Entscheidungen zur Mittagszeit oder am Nachmittag fallen. Insgesamt 49 Entscheidungen stehen an, 147 Medaillen werden vergeben, 70.000 Dollar Prämie gibt es für Gold. Da kann man nur sagen: „Spring Malaika, spring!“

Deutsche Medaillenhoffnungen gibt es immerhin sogar neben Mihambo. Eine zweite deutsche Olympiasiegerin ist mit Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye am Start, die in Paris überraschend Gold gewann. Doch sie ist nicht die Topfavoritin, zwei Frauen haben in diesem Jahr weiter gestoßen, sie selbst wurde von Rückenschmerzen geplagt. Auf einen guten Wettkampf hofft Hochspringerin Christina Honsel, die beim Wettkampf in Zürich City zum Höhenflug angesetzt hat. Auch die 4×100 m Staffel der Damen macht sich Hoffnungen, erstes Ziel ist aber das Finale. Als heißester Goldmedaillen-Anwärter gilt Speerwerfer Julian Weber, aber ausgerechnet er hatte zuletzt ebenfalls gesundheitliche Probleme. Viel zugetraut wird den Zehnkämpfern Leo Neugebauer und Niklas Kaul, Frederik Ruppert könnte über 3000 m Hindernis für eine Überraschung sorgen. Ganz am Boden ist die deutsche Leichtathletik also nicht, vielleicht signalisiert die WM in Tokio einen neuen Aufschwung.

Im Eishockey gehen sie auf Eisbären-Jagd

Die deutsche Eishockey-Meisterschaft 2025/26 hat bereits begonnen, denn am Dienstag eröffnete Meister Eisbären die Punktrunde der DEL mit einem 6:2 gegen Neuling Dresdner Eislöwen. So richtig los geht es am Freitag, wenn die weiteren sechs Spiele auf dem Programm stehen. Ein Name wird vermisst werden, Altmeister Düsseldorfer EG musste als Tabellenletzter die DEL verlassen, was den Schlusslichtern in den letzten Jahren erspart blieb, weil der Zweitliga-Sieger nicht die nötige Lizenz beantragt hatte. Das war diesmal anders und Dresden will im Oberhaus bleiben, hat aufgerüstet, mit Niklas Sundblad einen bekannten Coach geholt, dazu neue Spieler, allen voran Torhüter Julius Hudacek von Vizemeister Köln, der im Vorjahr als bester Keeper der Liga galt. Erstmals seit 30 Jahren ist also ein alter Ostverein wieder oben dabei, zuletzt waren dies 1996 die Lausitzer Füchse aus Weißwasser. Und Dresden erhält gleich noch ein Schmankerl zum Einstand, am 10. Januar das Wintergame im Rudolf-Harbig-Stadion, das Rückspiel gegen die Eisbären Berlin.

Die haben gleich ein Zeichen gesetzt und sie gelten auch in der neuen Saison als große Favoriten. Die Liga geht also auf Eisbären-Jagd. Aber wer kann dem Titelverteidiger zusetzen? Als erster Konkurrent werden die Adler Mannheim genannt, die Nationalstürmer Justin Schütz aus Köln geholt haben und mit Maximilian Franzreb und Johan Mattson die Schwäche im Tor ausmerzen wollen. Endlich wieder ganz vorn will auch Red Bull München wieder, das ein unglückliches Jahr mit gleich zwei Trainerwechseln hinter sich hat. Jetzt soll es im neuen SAP Garden einen Titelgewinn geben, den der Amerikaner Oliver David als neuer Coach möglich machen soll. Er trainierte zuletzt Salzburg und brachte den NHL-erfahrenen Verteidiger Ryan Murphy mit. Alle anderen Klubs haben vor allem die Play-Offs als Ziel. Am Tabellenende wird Jagd auf die Eislöwen gemacht, denn die etablierten Klubs wollen ihren Platz in der DEL nicht hergeben. So mussten in den letzten Jahren vor allem die Augsburger Panther zittern, die aber vehement aufgerüstet haben.

Die DEL selbst hofft auf eine spannende Saison, Eishockey befand sich im Aufwind mit modernen Hallen, so dass es mit 3,3 Millionen Fans einen neuen Zuschauer-Rekord gab. Der wird wohl kaum verbessert werden, da Dresden eine kleinere Halle als Düsseldorf hat. Die Doppelrunde endet am 15. März 2026, danach geht es in die Play-Offs, der Meister steht spätestens am 7. Mai fest. Die Vorrunde wird im Februar für die Olympischen Winterspiele unterbrochen, die vom 6. bis 22. Februar in Mailand und Cortina D’Ampezzo stattfinden. Nach der Punktrunde folgt noch die Eishockey-Weltmeisterschaft vom 15. – 31. März in der Schweiz mit Zürich und Fribourg als Austragungsstädte. Eine lange Eishockey-Saison steht also bevor.

Der erste Spieltag: Berlin – Dresden 6:2. Freitag: Nürnberg – Augsburg, Frankfurt – Wolfsburg, Mannheim – Straubing, Bremerhaven – Schwenningen, Ingolstadt – Iserlohn, Köln – München.