Für Nagelsmann und seine Mannen geht es um den guten Ruf
von knospepeter
Vorwärts hat nicht funktioniert, jetzt geht es wieder rückwärts. Bundestrainer Julian Nagelsmann ist mit seinen neuen Ideen (wieder einmal) gescheitert und will bei den nächsten Qualifikationsspielen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 „zurück zu den Basics“. Kein kompliziertes Konzept, sondern einfache Vorgaben. „Einfach machen, nicht viel reden“ heißt es bei Nagelsmann und Sportchef Rudi Völler. Gegen Luxemburg am Freitag in Sinsheim und Nordirland am Montag, 13. Oktober, in Belfast geht es für Nagelsmann und seine Mannen „ganz einfach“ um den guten Ruf!
Die 0:2-Niederlage zum Start der Qualifikation in der Slowakei hat Wirkung hinterlassen. Unsicherheit ist zu spüren, Ausfälle von Leistungsträgern sorgen zudem für Sorgenfalten. Ter Stegen, Rüdiger, Musiala und Havertz fehlen weiterhin, praktisch ein Achse. Dazu gibt es Sorgenkinder wie Florian Wirtz, der in Liverpool nicht in Form kommt. Findet er sie in gewohnter Umgebung? Es wäre ihm und den Fans zu wünschen. Trotz aller Sorgen hat Nagelsmann bei seiner Nominierung wieder überrascht, im Tor war Freiburgs Noah Atubolu nach starken Leistungen als dritter Mann erwartet worden, Finn Dahmen darf noch einmal wiederkommen. Dass Nagelsmann auf Collins nach seinem unglücklichen Debüt verzichten würde, konnte erwartet werden, dass aber Stammspieler wie Füllkrug, Mittelstädt und Groß fehlen, eher nicht. Ein weiterer Neuling darf sich versuchen, Collins‘ Vereinskamerad Nathaniel Brown,dazu kehrt Ridle Baku zurück. Beide spielen eher links, einer muss aber rechts ran. Mit der Versetzung von Kimmich ins Mittelfeld hat Nagelsmann eine unnötige Lücke gerissen. Rechts fehlt’s, dafür stehen sie sich im Mittelfeld auf den Füßen. Ein Hoffnungsfunken: Der zuletzt starke Nico Schlotterbeck ist zurück.
Egal, was zählt, sind Siege, alles andere könnte die direkte WM-Qualifikation gefährden. Dabei ist Luxemburg auch kein Kanonenfutter, wir wissen, es gibt keine Kleinen mehr. Kein Gedanke an den einzigen Vergleich, als Deutschland 7:0 siegte. Beste Warnung: Die Slowakei gewann nur durch ein glückliches Last-Minute-Tor mit 1:0! Kuxemburgs Trainer, Ex-Bundesligaspieler Jeff Strasser, hat sechs Spieler in seinem Kader, die in Deutschland ihn Geld verdienen. Am Montag in Belfast wird es aber noch ein Stück schwerer, Nordirland wächst vor heimischen Fans gern mal über sich hinaus. Aber: Bei der derzeitigen Form ist jeder Gegner für die DFB-Elf schwer, die Leichtigkeit ist dahin, die Begeisterung für die Nati bei den deutschen Fans auch. Alles mehr oder weniger auf Neustart. Es geht um den guten Ruf!
Das Aufgebot: Tor: Baumann, Nübel, Dahmen. – Abwehr: Anton, Baku, Brown, Koch, Raum, Tah, N. Schlotterbeck. – Mittelfeld: Andrich, Adeyemi, Amiri, Gnabry, Goretzka, Kimmich, Leweling, F. Nmecha, Pavlovic, Stiller, Wirtz. – Angriff: Beier, Burkardt, Woltemade.
Zehn Siege – Bayern feiern nicht nur einen Rekord
Bayern München hat durchaus Verletzungssorgen, ist aber dennoch nicht zu stoppen. Mit dem 3:0 in Frankfurt wurden es zehn Siege in zehn Spielen – das gab es noch nie. Bei neun blieb einst Jupp Heynckes stecken, 2013, als er mit den Bayern später das gefeierte Triple holte. Macht es ihm Vincent Kompany nach? Dazu weitere Bestleistungen: 25 Tore in sechs BL-Spielen, das gab es noch nie, im Jahr 2025 haben die Bayern kein einziges Auswärtsspiel verloren! Es läuft, das sieht man, das spüren die Spieler. Die Klub-WM hat ihren Anteil daran, eigentlich galt sie als Ärgernis wegen der Belastung, aber es war für die Münchner eine Art Trainingslager. Das Resultat: Zehn Siege. Aber langsam, irgendwann kommt vielleicht der Einbruch. Zunächst aber darf gefeiert werden, am Sonntag auf dem Oktoberfest.
Danach folgt bekanntlich die Länderspielpause und dann geht es mit einem Bundesliga-Schlager gleich weiter, am 18. Oktober (18.30 Uhr) gastiert Borussia Dortmund in München. Einen Angriff auf die Tabellenführung wird es nicht geben, denn die Borussia ließ im zweiten Spitzenspiel gegen RB Leipzig beim 1:1 Federn, liegt vier Punkte zurück. Ein kleiner Rückschlag, aber auch Dortmund ist noch ungeschlagen, das 4:1 gegen Bilbao in der CL war ein Statement. Dagegen hatte Frankfurt wohl am 1:5 bei Atletico Madrid zu knabbern, während die Bayern mit noch breiterer Brust nach dem leichten 5:1 bei Pafos auf Zypern zurückkehrten. Jetzt führen die Bayern auch die Champions League an, mit sechs Punkten wie auch Real Madrid, Paris St. Germain, Inter Mailand, FC Arsenal und Außenseiter Qarabag Agdam. Das wird sich zweifellos noch ändern. Selbstbewußtsein wurde den Münchnern mit ihrem Motto „mia san mia“ schon immer bestätigt, derzeit ist es besonders groß. Kompany rotiert und jeder Spieler überzeugt. Die Siegesserie brachte übrigens auch Torhüter Manuel Neuer einen Rekord, er hat jetzt ebenso 362 BL-Siege wie Thomas Müller aufweist. Das geht wohl nur mit den Bayern.
Apropos Thomas Müller, der wurde mit den Vancouver Whitecaps mit einem Sieg über den Lokalrivalen FC Vancouver kanadischer Pokalsieger, steuerte dazu ein Tor und einen Assist bei. Es war der 300. Treffer seiner Karriere und sein 35. Titel (!). Damit avancierte er zum erfolgreichsten deutschen Fußballer aller Zeiten und überholte Toni Kroos mit 34 Titeln. Der allerdings gewann die Champions League sechsmal und Müller nur zweimal. Deshalb sagt Müller auch: „Bezeichnet mich nicht als Rekordmann, sondern einfach als Titelhamster.“
Zurück zur Bundesliga, ganz andere Sorgen als Kompany hatte sein Kollege Sandro Wagner in Augsburg, der Hoffnungsträger, dem die Verantwortlichen fast einen Heiligenschein aufsetzten, stand nach vier Niederlagen in Folge mit dem Rücken zur Wand. Zum Glück kam der VfL Wolfsburg nach Augsburg, gegen die Wölfe holte der FCA am 15. März nämlich seinen letzten Heimsieg danach wurde es bei sechs Versuchen nichts mehr. Jetzt ist die Serie mit dem 3:1-Sieg zu Ende und Wagner wieder fest im Sattel. Seine Maßnahmen fruchteten, vor allem das Vertrauen in den eigenen Nachwuchs. Nach Abwehrfehlern setzte er auf Nachwuchsmann Banks und wurde belohnt, der ebenso wie FCA-Talent Kömür einen Treffer zum Sieg beisteuerte. Das Beispiel sollte anderen Vereinen auch Mut machen, auf den Nachwuchs zu setzen. Nach der Länderspielpause wird es für die Augsburger in Köln aber wohl schwerer werden.
Die Wölfinnen im Aufwind
Wie die Männer, so sind auch die Frauen des FC Bayern noch ungeschlagen, allerdings in der Bundesliga nicht Tabellenführer. Wie die Männer, so stehen sie auch im nächsten Spiel am 11. Oktober (15 Uhr) vor dem ultimativen Schlager der Liga, nämlich im Duell bei Spitzenreiter VfL Wolfsburg, der wie München eine Tordifferenz von +13 aufweist, aber bei 20:7 gegenüber 13:0 mehr Tore erzielt hat. Richtig gelesen, die Bayern-Mädchen haben in fünf Punktspielen noch keinen Treffer hinnehmen müssen, aber beim 0:0 gegen Abstiegskandidat Jena sich einen Aussetzer geleistet. Sie vergeben einfach zu viele Torchancen, konnte bisher aber die Verletzungsmisere gut überbrücken, beim 4:0 gegen Bremen fehlten u. a. neben der langzeitverletzten Zadrazil, noch Gilles, Demjanovic und die erkrankte Oberdorf.
Die Wölfinnen befinden sich nach einem holprigen Start, der mit einer neuen Mannschaft verständlich war, im Aufwind. Sie fegten mit 8:0 über Schlusslicht Essen hinweg und lieferten damit eine Art Kampfansage an den Rivalen, der mit seinem imposanten Kader als klarer Titelanwärter gilt.
Für beide Teams stehen vorher allerdings in dieser Woche noch besondere Aufgaben an, die Champions League beginnt. Sie wird jetzt auch bei den Frauen im Ligamodus gespielt und wurde auf 18 Vereine aufgestockt. So ergaben sich drei Töpfe mit je sechs Mannschaften, aus jedem Topf geht es gegen zwei Teams, also insgesamt sechs Spiele. Der Meister aus München startet am Dienstag in Barcelona aus Topf 1 und hat hier zudem Arsenal London gezogen, das am 12. November in der Allianz Arena gastieren wird. Aus Topf 2 sind Juventus Turin (H) und Paris St. Germain (A), aus Topf 3 Atletico Madrid (A) und Valerenga Oslo (H). Wolfsburg startet am Mittwoch gegen Paris, hat aus Topf 1 Lyon (A) und Chelsea London (H) gezogen. Aus Topf 2 noch Real Madrid (A), aus Topf 3 Valerenga (A) und Manchester United (H). Schwere Aufgaben also für beide Teams, ein hochklassiger Wettbewerb, doch beide Vereine haben das Viertelfinale als Ziel. Die ersten vier Teams der Gesamttabelle qualifizieren sich direkt. die Klubs 5 – 8 treffen in den Play-Offs auf die Teams von 9 -12, alle anderen scheiden aus.