Angst vor Langeweile – Aber wie lange reicht Bayerns Kraft?

von knospepeter

Bayern München kommt nicht von der Siegesstraße ab, auch Dortmund konnte den Rekordmeister nicht stoppen, der am Mittwoch in der Champions League das Dutzend Siege in Pflichtspielen voll machen könnte. Die Fußball-Fans haben Angst vor Langeweile in der Bundesliga, doch Vermutungen, dass die Meisterschaft mehr oder weniger entschieden sei, sind verfrüht. Eher stellt sich angesichts des kleinen Kaders, der durch Verletzungsausfälle gebeutelt wird, die Frage, wie lange die Kraft der Bayern reicht. Oder man stelle sich vor, Harry Kane verletzt sich und fällt länger aus… Es gibt noch genügend Unwägbarkeiten.

Harry Kane befindet sich offensichtlich in der besten Form seiner Karriere und ist im Moment zweifellos der Kopf der Bayern-Mannschaft. Beim 2:1-Sieg gegen Dortmund war der Engländer überall zu finden, wegen des Ausfalls von Gnabry operierte er laufstark im Mittelfeld, war Torschütze, Mittelfeldstratege und Abwehr-Ass zugleich. Seine Ausbeute kann sich sehen lassen, in seinen gerade mal 70 BL-Spielen erreichte er bereits 100 Scorerpunkte! Rekordhalter war bisher Arjen Robben, der dafür aber 114 Partien benötigte. Fast logisch, dass nur Bayern-Spieler vorne stehen, es folgen Makaay (116) und Ribery (122) vor dem ersten Nicht-Bayern Aubemeyang vom BVB (123).

Dortmund war in München eine Halbzeit lang kein gleichwertiger Gegner, die von Trainer Niko Kovac angekündigte Faust blieb in der Hosentasche. Die Hausherren versäumten es allerdings, bereits für klare Verhältnisse zu sorgen. Dortmund kam wie verwandelt aus der Kabine und es wurde noch ein echtes Kampf- und Spitzenspiel. Die Bayern wehrten sich und zeigten auch im Kampf früher ungewohnte Stärke, die Geschlossenheit ist beeindruckend. Doch die Aufgaben werden nicht leichter, gut, gegen Brügge in der CL am Mittwoch und bei Schlusslicht Gladbach am Samstag sollte die Siegesserie weitergehen, wenn nicht Leichtsinn Oberhand gewinnt. Es geht aber Schlag auf Schlag bis zur nächsten Länderspielpause weiter, Duelle mit Köln im Pokal, Paris in der CL und Leverkusen sowie Union Berlin in der Bundesliga folgen. Und bis auf Stanisic sieht es nicht danach aus, dass das Lazarett der Verletzten kleiner wird. Ein Ritt auf der Rasierklinge.

Fünf Punkte nach sieben Spieltagen beträgt jetzt der Vorsprung des Titelverteidigers vor den neuen Verfolgern Leipzig und Stuttgart, sieben sind es auf Dortmund und Leverkusen. Ein Vorsprung der noch nicht schocken muss, denn die Saison ist noch lang. Überraschend, dass sich RB und der VfB heimlich, still und leise nach vorn geschoben haben, nachdem der Start in die Hose ging. Man denke nur an das 0:6 von Leipzig in München, Stuttgart unterlag bei Union 1:2. Vieles hat sich also geändert.

Ändern muss sich einiges bei anderen Vereinen, die weit hinter ihren Erwartungen hinterher hinken. So brennt vor allem in Gladbach die Bude, denn auch Interimstrainer Eugen Polanski fand nicht in die Erfolgsspur. Jetzt kommen die Bayern, aber spätestens danach bei St. Pauli (jetzt vier Niederlagen in Folge) muss die Wende her vor dem Derby gegen Köln. In Wolfsburg steht Trainer Paul Simonis unter Druck, Europa war das Ziel, Abstiegskampf ist es geworden. Ähnliches in Mainz, wo allerdings Trainer Bo Henriksen nach den Erfolgen in den letzten Jahren noch Kredit hat. Das 3:4 gegen Leverkusen im Dänen-Duell mit dem Kollegen Hjulmand war ein Spektakel. Und Bayer hat wieder Jonas Hofmann entdeckt, der nach langem Bank-Dasein auftrumpfte. Eine besondere Erfolgsgeschichte in Heidenheim, wo die Torschützen Stefan Schimmer und Jonas Föhrenbach beim 2:2 gegen Bremen ihren jeweils ersten Bundesliga-Treffer erzielten! Schimmer (genannt Bomber) spielte in seinen bisher 32 BL-Einsätzen noch nie von Anfang an, Verteidiger Föhrenbach war in 70 Spielen erfolglos und konnte gerade noch einen neuen BL-Negativrekord verhindern. Aber Heidenheim macht deutlich, der Verein wehrt sich gegen den Abstieg.

CL: Nutzt Frankfurt Gunst der Stunde?

Jetzt geht es auch in Europa weiter, die Bundesliga ist bisher gut dabei, Bayern München ist sogar Tabellenführer, andererseits wartet Leverkusen noch auf den ersten Sieg. Aber es haben einige prominente Klubs sorgen, so liegt es jetzt an Frankfurt die Gunst der Stunde zu nutzen, denn Gegner FC Liverpool, der am Mittwoch zur Eintracht kommt, kassierte zuletzt vier Niederlagen in Folge. Torjäger Salah hat Ladehemmung, Wirtz hat sich noch nicht eingewöhnt und der Ex-Eintracht-Star Ekitiké ist nur Joker. Die bei der Auslosung gedachte turmhohe Hürde wurde kleiner. Einen prominenten Gast mit Problemen hat auch Bayer Leverkusen, denn Titelverteidiger Paris St. Germain verlor national mit einem 3:3 gegen Straßburg die Tabellenführung und liegt einen Zähler hinter Olympique Marseille. Dabei ist es doch PSG gewohnt vorne weg zu marschieren. Trotzdem wird der erste Sieg für Bayer nicht leicht. Die Bayern wollen in diesem Jahr die Play-Offs vermeiden, müssen also unter die ersten acht Teams kommen. Ein Sieg gegen Brügge ist da Pflicht, die nächsten Aufgaben heißen dann nämlich Paris und Arsenal London. Dortmund rangiert derzeit auf Rang 7, beim FC Kopenhagen sollte der Platz im Vorderfeld verteidigt werden.

In der Europa League steht für Stuttgart der schwere Gang zu Fenerbahce Istanbul an, der SC Freiburg hat gegen den FC Utrecht die leichtere Aufgabe. Mainz 05 erwartet in der Conference League Zrinjski Mostar.

Frauen vor den großen Duellen mit Frankreich

In der Champions League der Frauen waren die deutschen Vertreter glückliche Sieger. Sowohl Wolfsburg in Oslo bei Valerenga, als auch die Bayern gegen Juventus Turin erzielten ihre Tore zum 2:1-Sieg jeweils in der Nachspielzeit. Die Münchnerinnen hatten sogar noch besonderes Glück, denn der Ball von Lea Schüller hatte gerade mal um ein paar Millimeter die Torlinie überschritten. So sah es zumindest der VAR (Torlinientechnik gibt es nicht), Juve protestierte vergebens. Eintracht Frankfurt hat in der Europa League gegen Slovacko mühelos die nächste Runde erreicht, dort wird es gegen PSV Eindhoven schwerer.

In der Bundesliga setzte die Bayern-Mädchen ihren Siegeszug fort, überrollten Köln nach einem 0:1-Rückstand noch mit 5:1, Wolfsburg (5:1 in Leverkusen) bleibt erster Verfolger. Dahinter geht es aber kunterbunt durcheinander, für die größte Überraschung sorgte Aufsteiger Nürnberg mit einem 3:2 gegen Freiburg. Gefeiert wurde auch bei den anderen Neulingen, Union servierte Leipzig vor 7771 Zuschauern mit 5:0 ab, der Hamburger SV hielt den Vorletzten Jena vor 5259 Zuschauern mit dem 1:1 immerhin auf Distanz.

In München gab es allerdings auch eine schlechte Nachricht, denn die lange verletzte Lena Oberdorf musste bei ihrem ersten Startelfeinsatz gleich wieder verletzt ausscheiden. Es hat sie erneut an ihrem angeschlagenen rechten Knie erwischt. Das hat auch Bundestrainer Christian Wück mit Schrecken gesehen, denn Oberdorf wird wohl für das Halbfinale der Nations League gegen Frankreich ausfallen. Dabei hat Wück sowieso Verletzungssorgen, vor allem fällt Torhüterin Ann-Katrin Berger aus, die Heldin bei der Europameisterschaft, als Deutschland im Halbfinale Frankreich mit 6:5 im Elfmeterschießen dank Berger bezwang. Nun kommt es auf Stina Johannes vom VfL Wolfsburg an, mit gerade mal drei Länderspielen unerfahren und in der Bundesliga noch nicht in Bestform. Bayern-Torhüterin Ena Mahmutovic musste ebenfalls verletzt absagen, so dass Wück nach Dick (Hoffenheim) noch Burggräfe (West Ham) nachnominierte. Auch im Angriff gibt es durch die Ausfälle von Hoffmann und Endemann Probleme.

Keine guten Voraussetzungen also für die Spiele am Freitag (18.45 Uhr in Leipzig/ARD) und Dienstag (21.10 Uhr in Caen/ZDF). Wück hat ja auch in der Abwehr Sorgen, die nicht immer sicher agiert. Mit Küver (Wolfsburg) und Martinez (West Ham) hat er neben Laura Dick zwei weitere Neulinge berufen. Vor allem Shekiera Martinez, die zuletzt in der U23 überzeugt hat, könnte als Hoffmann-Ersatz von Anfang an zum Einsatz kommen. Auch Kapitänin Gwinn ist wieder dabei, genauso wie Schulze Solano (Bilbao) nach Verletzungen. Im zweiten Halbfinale stehen sich Schweden und Spanien gegenüber, um Platz 3 wird am 28. November gespielt, das Finale steigt am 2. Dezember.

Das Aufgebot: Tor: Johannes, Dick, Burggräfe. – Abwehr: Gwinn, Hendrich, Kett, Küver, Minge, Schulze Solano, Wamser. – Mittelfeld: Alara, Brand, Lohmann, Nüsken, Senß, Oberdorf (?). – Angriff: Ayomi, Bühl, Cerci, Freigang, Martinez, Schüller, Zicai.

Im nächsten Blog gibt es Informationen zur Nationalmannschaft der Männer.