Olympia in Deutschland? München gibt die Richtung vor!
von knospepeter
Ein großer Traum oder nur ein Hirngespinst? In Deutschland taucht das Thema immer wieder auf, wir sollten doch hierzulande wieder einmal Olympische Spiele organisieren. Für einige Zeit war dies verpönt, die Kritiker übertönten die Befürworter, die eigentlich ein starkes Argument haben: Olympia ist für jede Stadt ein Gewinn. Die Gegenargumente: Land und Stadt tragen die Kosten, das IOC dagegen kassiert, die Umwelt wird geschädigt und später drücken die Schulden. Doch der Reiz Olympia ist stärker und so wollen es vier Regionen wieder einmal ernsthaft versuchen, die Spiele nach Deutschland zu holen.
Die Kandidaten sind München, Berlin, Hamburg und die Region Rhein-Ruhr. In jeder Beziehung gibt München für die Kandidatur für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 die Richtung vor. München bietet die besten Voraussetzungen, verweist auf die gelungenen Spiele von 1972 und bestehende Sportstätten. Und München ist der erste Kandidat, der am kommenden Sonntag, 26. Oktober, die Bevölkerung befragt. Die Frage ist simpel, „sind sie für Olympia – Ja oder Nein?“. In Umfragen hat sich eine Mehrheit von 48 Prozent für die Austragung der Spiele bekannt, 32 Prozent lehnen sie ab, 20 Prozent haben sich noch nicht entschieden. Ein entschiedener Befürworter der Spiele in München ist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder: „Olympia 1972 war der Gamechanger für München und Bayern. Die vielen Investitionen in die Infrastruktur haben München neben Berlin zur bedeutendsten Metropole in Deutschland gemacht – und zur sympathischsten.“ Söder hat erkannt, die Stimmung sei gut, „die European Championships 2022 waren eine Werbeveranstaltung für München“. An Rhein und Ruhr soll im Frühjahr 2026 die Bevölkerung befragt werden, Hamburg hat den Bürgerentscheid für den 19. April 26 geplant. Der Deutsche Olympische Sportbund will sein Olympia-Interesse beim IOC im November bekunden und im Herbst soll bei einer Mitgliederversammlung entschieden werden, welcher Kandidat den Zuschlag erhält, ins Bewerberrennen zu gehen. Voraussetzung: Die Mehrheit der Bevölkerung muss für Olympia sein.
Der Weg zu den Spielen ist in Deutschland nicht leicht und international noch viel schwerer. Es gilt nicht nur das Interesse der IOC-Mitglieder zu wecken, sondern man muss sich auch gegen starke Kandidaten aus aller Welt durchsetzen. Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat zumindest schon einmal die Vergabeprozesse für die Spiele 2036 gestoppt. Die Entscheidung soll nicht, wie unter Vorgänger Thomas Bach, im kleinen Kreis und stillen Kämmerlein fallen, als es mehr um einen guten Draht, als um gute Argumente ging. Vergeben sind die Sommerspiele 2028 nach Los Angeles, 2032 nach Brisbane, fast sicher ist Doha 2036 und für 2040 haben viele schon Afrika im Visier. Außerdem greift man in Indien verstärkt nach den Spielen. Keine Chance also für Deutschland oder überhaupt für Europa? Nach den bisherigen Wechseln wäre Europa schon viel früher wieder dran, doch Olympia ist durch die Winterspiele auf diesem Kontinent präsent: 2026 in Mailand und 2030 in den französischen Alpen um Nizza. Bleiben Europa also in Zukunft nur die Winterspiele in Abwechslung mit Asien? Es ist auch weiterhin ein undurchsichtiges Geschäft.
Aber eins ist sicher: Die Olympischen Spiele sind für jede Stadt oder Region ein Gewinn, wenn sie vernünftig organisiert werden und nicht nur Prestigespiele sind wie in Brasilien oder China, wo Jahre danach viele Sportstätten ungenutzt leerstehen und verrotten. München ist das gute Beispiel, Paris hat es 2024 wieder gezeigt, wie eine Stadt von Olympia profitieren kann. Die Welt ist immer noch an Olympia interessiert, warum also sollte es in Deutschland nicht so sein.