Die Fußball-Bundesliga liebt Rekorde

von knospepeter

Kommt das Gespräch unter Sportfans auf die Fußball-Bundesliga, winken viele ab mit der Bemerkung, „langweilig, die Bayern werden ja schon wieder Meister“. Aber hallo, für solche Einstellung ist es viel zu früh und die Bundesliga bezieht ihre Attraktivität und Beliebtheit nicht nur aus dem Kampf um die Meisterschaft. Die Fußball-Bundesliga liebt auch Rekorde und Serien, dabei kommen allerdings aufgrund ihrer Erfolge natürlich wieder die Bayern ins Gespräch.

In dieser Saison sind die Münchner nach acht Spieltagen tatsächlich noch ohne Punktverlust, 24 Punkte und 30:4 Tore sprechen für sich, es ist der beste Bundesliga-Start aller Zeiten einer Mannschaft. Sie spielen überzeugend und befinden sich im Flow und haben auch alle anderen Pflichtspiele in dieser Saison gewonnen. Aber nicht nur die Bayern sind Rekordjäger, Leverkusen ebenfalls, Bayer hat von den letzten 37 Auswärtsspielen keines verloren – Bundesliga-Rekord. Und da folgt am Samstag in der Allianz-Arena das absolute Highlight: Bayer bei Bayern – eine Serie wird auf jeden Fall enden. Hören die Münchner Leverkusen, gehen sie sofort auf Revanche-Kurs. Leverkusen hat in den letzten Jahren ihren Titel-Lauf beendet und die Bayern im Pokal rausgeworfen – das vergisst man nicht. Im Vorjahr trennte man sich zweimal unentschieden (1:1/0:0). Das Momentum spricht für den Meister, Bayer sollte aber nicht am 2:7-Debakel in der Champions League gegen Paris St. Germain gemessen werden, eine kleine Wiedergutmachung gelang mit dem 2:0-Sieg gegen Freiburg. Aber klar, noch passt nicht alles zusammen, Leverkusens neues Team befindet sich weiterhin in der Findungsphase. Welches Gesicht wird jetzt in München gezeigt? Die ersten Verfolger der Bayern in der Bundesliga bleiben aber sowieso Leipzig mit fünf Punkten Rückstand und Stuttgart mit sechs. Dortmund und Leverkusen folgen mit sieben Zählern Abstand.

Davon will natürlich keiner hören, aber es gibt auch Negativrekorde. Mönchengladbach muss nach dem 0:3 gegen die Bayern damit leben, 15 Bundesliga-Spiele hintereinander sieglos, das hat es bei der Borussia noch nie gegeben. Rekorde produzierte auch das 6:0 von Leipzig in Augsburg, für RB der höchste Auswärtssieg in der Bundesliga, für den FCA in 15 Jahren Oberhaus die höchste Heimniederlage. Zur Erinnerung: Am ersten Spieltag verlor Leipzig in München mit 0:6! Die Zeiten ändern sich schnell. Das wünschen sich auch die Augsburger, die bei weitem nicht die Leistung zeigen, die sie sich unter dem neuen Trainer Sandro Wagner vorgestellt haben. „Wir müssen Geduld haben“, sagen Trainer und Sportdirektor unisono und wollen damit Ruhe reinbringen, die Fans haben aber die Schnauze voll und beschimpften die Spieler. Und leichter wird es auch nicht, am Freitag kommt Dortmund nach Augsburg, am 9. November geht es nach Stuttgart. Danach ist Länderspielpause, vielleicht ziert der FCA dann sogar das Tabellenende, vielleicht gibt es dann doch einen neuen Trainer. Augsburg bleibt im Blickpunkt.

Nicht nur Augsburg (15.) und Schlusslicht Gladbach haben sich die Saison anders vorgestellt, da geht es Mainz mit vier Punkten nicht besser, auch in Stuttgart setzte es mit dem 1:2 eine Niederlage. Wenigstens in der Conference League (1:0 gegen Mostar) konnte man etwas für das Selbstvertrauen tun, aber die Bundesliga ist wichtiger. St. Pauli hat zwar wie Augsburg immerhin sieben Punkte, kassierte zuletzt aber mit dem 0:2 in Frankfurt fünf Niederlagen am Stück. Eine Serie, die Angst macht und in den Kampf um den Klassenerhalt führt. Eine Serie von vier Niederlagen hat Wolfsburg mit dem 1:0 beim HSV beendet. Aufatmen ist angesagt. Weiterhin schwer hat es dagegen Heidenheim, allgemein als Absteiger Nummer 1 genannt und beim 1:3 bei Hoffenheim eine Halbzeit desolat. Trainer-Urgestein Frank Schmidt weiß: „So steigt man ab.“

Der Pokal kann helfen

Wer sich in der Punktrunde schwer tut, der will sich im DFB-Pokal Selbstvertrauen holen. Das wird in der 2. Runde am Dienstag und Mittwoch nicht allen gelingen. Heidenheim hat mit dem HSV ebenso einen Ligenkollegen zu Gast wie St. Pauli mit Hoffenheim und Mainz mit Stuttgart. Anders in Gladbach gegen Karlsruhe und Augsburg gegen Bochum. Zweitligisten könnten eine Spur leichter zu besiegen sein, allerdings sind gerade der KSC und der VfL nicht zu unterschätzen. Zwei Schlagerspiele gibt es. Einmal erwartet Frankfurt am Dienstag (18.45 Uhr/ZDF) Borussia Dortmund, am Tag darauf gastieren die Bayern in Köln (20.45 Uhr/ARD). Gerade auf die Münchner wird geschaut, die in den letzten fünf Jahren im Pokal immer vorzeitig ausgeschieden sind, davon dreimal in der 2. Runde! Jetzt soll mit aller Macht die Wende her, BL-Aufsteiger Köln wird keinesfalls unterschätzt, die Bilanz dagegen gern angeschaut: Im Pokal stand man sich zuletzt vor 22 Jahren gegenüber und da gewannen die Bayern 8:0! In der Bundesliga hat man seit 2011 alle zehn Gastspiele in Köln gewonnen! Die Rheinländer gehen zudem gehandicapt in das Duell, denn Abwehrchef Timo Hübers hat sich beim 0:1 in Dortmund schwer verletzt. Die Augen werden aber auf die Talente Said El Mala (Köln) und Lennart Karl (Bayern) gerichtet sein, wenn sie denn spielen. Spielen wird auf jeden Fall Jonas Urbig, ehemaliger Kölner, im Bayern-Tor, er vertritt den gesperrten Manuel Neuer.

Der Pokal ist auch eine Abwechslung gegenüber den internationalen Aufgaben. Da hat neben Leverkusen auch Frankfurt (1:5 gegen Liverpool) in der Champions League keine Ehre eingelegt. Dortmund (4:2 in Kopenhagen) und die Bayern (4:0 gegen Brügge) hatten dagegen leichtere Aufgaben. Aber gerade für die Bayern kommt es dicke, auf Köln folgt Leverkusen national und dann geht es nach Paris und nach London zu Arsenal. Also, wenn die Siegesserie bis dahin hält…

Frauen-Nationalteam hat das Finale im Visier

Bundestrainer Christian Wück ist ja noch nicht so lange dabei und muss auch eine neue Mannschaft aufbauen, deshalb ist die Frauen-Nationalmannschaft derzeit auch ein bisschen ein Experimentierteam. Im Halbfinale der Nations League hatte Wück bei dem ersten Duell mit Frankreich zumindest ein glückliches Händchen, sein Maßnahmen griffen. Im Mittelpunkt vor allem die 22-jährige Camilla Klüver, die in der Abwehr neben der erfahrenen Hendrich eine bemerkenswerte Leistung bot. Die 1,84 Meter große Spielerin des VfL Wolfsburg war fast Turm in der Schlacht. Torhüterin Stina Johannes war als Berger-Vertreterin souverän und im Mittelfeld lohnte sich für Wück das Experiment mit Jule Brand auf der Zehnerposition. Anfangs fremdelte sie ein wenig, doch es wurde immer besser. Noch mehr trug einmal mehr Klara Bühl zum Erfolg bei, sie brachte Schwung in den Laden und schoss das 1:0-Siegtor. Ansonsten gab es nur eine Schwäche im DFB-Team: Die Chancenverwertung.

Die Französinnen enttäuschten vor 37.000 Zuschauern in Düsseldorf ein wenig, haben aber am Dienstag zu Hause in Caen (21.10 Uhr/ZDF, das einen richtigen Fußballabend hat) die Chance zur Revanche. Aber die DFB-Mädchen haben das Finale im Visier, immerhin hatten sie die Französinnen gut im Griff und auch die gesperrte Minge ist wieder dabei, vielleicht anstelle von Senß und im Sturm könnte Cerci die enttäuschende Anyomi ablösen. Dafür fehlt die erkrankte Dallmann. Im Finale könnte es dann gegen Spanien gehen, das Schweden mit 4:0 schlug. Spiel um Platz 3 und das Finale werden jeweils am 28. November und 2. Dezember in Hin- und Rückspiel ausgetragen.

München stimmt für Olympia

In Sachen Olympische Spiele in Deutschland ist eine erste positive Entscheidung gefallen: 66 Prozent stimmten in einem Bürgerentscheid für eine Bewerbung von München für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Es ist die erste Zustimmung der Bevölkerung von den deutschen Kandidaten, Hamburg und das Gebiet Rhein-Ruhr wollen im Frühjahr wählen lassen, Berlin sich ebenfalls im nächsten Jahr entscheiden. In einem Jahr wird der DOSB entscheiden, welche Stadt für Deutschland ins Rennen geht. Der Weg ist also noch weit, aber eine Kandidatur bringt auf jeden Fall schon Aufmerksamkeit für den Olympia-Bewerber. Und München darf mit seinem Konzept als Favorit in der deutschen Wahl gelten. Mehr dazu im nächsten Blog „Olympia in Deutschland: München gibt die Richtung vor“.