Paris – Bayern: Wer ist die Nummer 1 in Europa?

von knospepeter

Es gab Zeiten, da war die Rede davon, dass die Bayern auch mit ihrer B-Mannschaft Deutscher Meister werden könnten. Daran erinnern sich die Pessimisten, wenn sie davon sprechen, die aktuellen Bayern wären national unschlagbar und die Fußball-Bundesliga würde deshalb langweilig werden. Trainer Vincent Kompany hat ihnen quasi den Beweis vorgelegt: Er verzichtete im Schlagerspiel gegen Bayer Leverkusen zunächst auf viele Stars und dennoch führten die Münchner schon in der Halbzeit mit 3:0. Der Supersturm mit Olise-Kane-Diaz wurde erst in der 59. Minute eingewechselt und beschränkte sich praktisch auf ein Auslaufen. 275 Millionen Euro wurden auf einen Schlag auf das Feld geschickt – das gab es noch nie!

Auch die zweite Garde sorgte also dafür, dass die Siegesserie der Bayern weiterging. Das Pokalspiel in Köln (4:1) war Kompany wohl wichtiger, er will auf keinen Fall das Ziel Finale gefährden, danach erst war für die Stars Schonung angesagt. Im Blick hat er dabei die Belastung, die am Dienstag quasi ihren Höhepunkt erleben wird. Die Champions League beschert den Supervergleich zwischen dem Titelverteidiger Paris und der aktuell erfolgreichsten Mannschaft in Europa mit 15 Pflichtspielsiegen in Folge (in der BL haben die Bayern in allen 9 Spielen immer das 1:0 erzielt, das gab es noch nie!). Nun wird also geklärt, wer wirklich die Nummer 1 in Europa ist. Paris ist Tabellenführer der CL mit 9 Punkten und 13:3 Toren, gleichauf quasi mit den Bayern, die Rang 2 einnehmen, weil sie bei 12:2 Toren einen Treffer weniger erzielt haben. Auch PSG-Coach Luis Enrique hatte den Dienstag im Blick und schonte Stars, muss aber auf Doué (bester Mann beim 7:2 gegen Leverkusen) und evtl. Star Dembelé verzichten. Für die Bayern wartet danach der nächste dicke Brocken in der CL, nämlich Arsenal London am 26. November. Dazwischen liegen die Pflichtaufgaben national gegen Union Berlin (Samstag) und Freiburg (22. November) sowie eine Länderspielpause. Keine Zeit zum Luftholen, für Kompany wohl wieder die Zeit, die Einsätze entsprechend zu dosieren.

Viele können sich gar nicht mehr erinnern, wann es in München so harmonisch und erfolgreich zuging wie derzeit. Das wurde auch bei der Jahreshauptversammlung am Sonntag deutlich, als Bayern-Präsident Herbert Hainer (mit 93,5 Prozent wiedergewählt) wieder einmal Rekordzahlen vorlegte. Die Münchner haben inzwischen 432500 Mitglieder, sind damit der größte Verein der Welt, der Konzernumsatz stieg auf 978,3 Millionen Euro, allein im Merchandising wurden 150 Millionen eingenommen, es blieb dennoch nur ein Gewinn von 27,1 Millionen nach Steuern. Aber betont wurde sowohl bei der HV als auch auf dem Platz, welche Harmonie es in Verein und Mannschaft gäbe – die Basis für den Erfolg. Aber Kritiker können hoffen, der FC Hollywood wird wieder auferstehen!

Bayer Leverkusen war nicht in der Lage, das B-Team der Bayern zu fordern, eine klägliche Leistung und bezeichnend zudem. Vor zwei Jahren schockte Bayer mit Trainer Xabi Alonso den Serienmeister, doch der Titel 2024 war eine Einjahresfliege. Die Bayern schüttelten sich und suchten nach Verstärkungen und hatten Trainerglück mit Kompany. Leverkusens Meistermannschaft dagegen zerbrach, verstreute sich in alle Welt und der Trainer feiert jetzt bei Real Madrid Siege. Kein Verein in der Bundesliga schaffte je den dauerhaften Erfolg! Am ehesten ist auf lange Sicht noch Borussia Dortmund der große Konkurrent, der unter Jürgen Klopp ebenfalls kurzfristig zur Nummer 1 wurde und trotz aktuell Rang drei als ernsthaftester Konkurrent der Bayern langfristig gesehen werden kann. Auch bei der Borussia wird auf finanzielle und sportliche Stärke gesetzt. Auf Platz 2 hält sich aber RB Leipzig wacker, festigte die Position mit einem 3:1 gegen Stuttgart, das damit ein Beispiel für alle anderen Verfolger ist, keiner hat die nötige Konstanz.

Auch Dortmund steht in der CL vor einem Schlagerspiel, gastiert nämlich am Mittwoch bei Manchester City, da erwartet der Siebte den Sechsten. Beim Team von Pep Guardiola befindet sich Torjäger Erling Haaland in Bestform, da ist die Borussia-Abwehr gefordert, die in der BL sechsmal schon ohne Gegentor blieb – neuer Vereinsrekord (24/25 spielte man nur in 7 von 34 Partien zu null). Alle Bundesligisten sind auswärts gefordert, schwere Aufgaben haben auch Eintracht Frankfurt in Neapel und Bayer Leverkusen bei Benfica Lissabon, bei denen allerdings der Zauber von Trainer José Mourinho schon wieder verblasst ist.

Zurück zur Bundesliga, wo auffällt, dass zwei angeschlagenen, weil erfolglose Trainern von den Bossen der Rücken gestärkt wird. Sowohl Paul Simonis in Wolfsburg als auch Sandro Wagner in Augsburg bekommen eine weitere Bewährungszeit, obwohl beide Klubs im Abstiegskampf stecken und weit von ihren Zielen entfernt sind. In die Krise schlitterte auch St. Pauli, das mit dem 0:4 gegen Gladbach die sechste Niederlage in Folge erlitt. Auch da sitzt Alexander Blessin noch fest im Sattel. Für die Borussen war der Sieg quasi eine Art Wiedergeburt nach saisonübergreifend 15 sieglosen Spielen am Stück. Interimstrainer Eugen Polanski bringt das Team offensichtlich Stück für Stück nach vorn.

Pokal als Argument für den VAR

Hat man ihn, wird er kritisiert, hat man ihn nicht, wird der Ruf nach dem VAR laut! In der zweiten Pokalrunde hatten die Schiedsrichter noch keinen Videobeweis zur Verfügung (weil die Installierung bei den unterklassigen Klubs zu teuer ist) und prompt gab es folgenschwere (finanziell!) Fehlentscheidungen. Vor allem in Frankfurt ärgerte man sich, weil der Dortmunder Beier beim Treffer zum 1:1 knapp im Abseits stand. Schlecht zu sehen, aber eine Sache für den VAR, der auch nicht eingesetzt wird, wenn zwei Bundesligisten aufeinandertreffen. Dortmund war schließlich auch im Elfmeterschießen (4:2) die glücklichere Mannschaft. Auch Köln konnte hadern, denn beim 1:1 der Bayern stand Torschütze Diaz vorher einen halben Meter im Abseits. Die Kölner nahmen es nach dem 1:4 gelassener, die Bayern wären sowieso nicht zu stoppen gewesen. Mit Frankfurt, Köln, Heidenheim, Hoffenheim, Mainz, Wolfsburg und Augsburg schieden gleich sieben Erstligisten in dieser Runde aus, das gab es noch nie.

Im Achtelfinale am 2./3. Dezember kommt es zum Schlagerspiel Dortmund – Leverkusen, die Bayern schnuppern bei Union schon mal wieder Berliner Finalluft. Außerdem spielen Gladbach – St. Pauli, HSV – Kiel, Bochum – Stuttgart, Freiburg – Darmstadt, Leipzig – Magdeburg.

Was den VAR angeht, so sorgte er in der Bundesliga wieder für Gerechtigkeit. Allerdings dauerte es beim Duell von Köln gegen den HSV mit sechs Minuten viel zu lang, bis (richtig) entschieden wurde. Beim 0:0 von Union gegen Freiburg wurden beiden Teams Tore vom VAR aberkannt. Union -Geschäftsführer Horst Heldt schimpfte und blamierte sich: „Bei einer Abseitsstellung interessiert es nicht, ob passiv oder aktiv“, moserte er vor der Kamera. Das Gegenteil ist er der Fall. Aber das kennen wir, die Funktionäre fühlen sich schnell benachteiligt, sind aber keineswegs regelfest. Die Schiedsrichter machen weniger Fehler als Spieler und Funktionäre, der VAR hilft ihnen dabei.

DFB-Frauen im Finale

Die deutschen Frauen haben das Finale der Nations League erreicht. In einem harten Kampf gelang ihnen in Caen gegen Frankreich ein 2:2, was nach dem 1:0 im Hinspiel reichte. Einen starken Auftritt hatte dabei Mittelstürmerin Anyomi, die sich nach Verletzungsproblemen zuletzt wieder empfehlen konnte. Frankreich ging 1:0 in Führung, Anyomi glich aus und Klara Bühl schaffte das 2:1. Erst in der 89. Minute kamen die Französinnen, die spielerisch überlegen waren, zum Ausgleich. Die deutschen Mädchen kämpften bravourös, Torhüterin Stina Johannes war ein sicherer Rückhalt. Dennoch hofft Bundestrainer Christian Wück für die Finalspiele auf Standardtorhüterin Berger. Gegner ist Weltmeister Spanien nach einem 4:0 und 1:0 gegen Schweden. Gespielt wird am 28. November in Kaiserslautern und am 2. Dezember in Spanien. Die deutschen Fußball-Fans zitterten mit dem Team, im ZDF sahen 5,2 Millionen zu, das waren mehr als bei den Männern anschließend im Pokal, für Frankfurt – Dortmund interessierten sich nur 4,9 Millionen Fans.

In der Bundesliga bleibt Bayern München in der Erfolgsspur mit einem 4:1 über Schlusslicht Essen. Wolfsburg hatte beim 2:1 gegen Verfolger Hoffenheim mehr Probleme, Vallotto erzielte in der 91. Minute den Siegtreffer. Nun steht eine englische Woche an, bereits am Dienstag (18 Uhr) kommt es in Nürnberg zum Derby gegen München und um 19 Uhr in Berlin zum Nordderby von Union gegen Wolfsburg. Die Aufsteiger fordern also die Topklubs heraus. Der dritte Aufsteiger Hamburg hatte beim 0:4 gegen Frankfurt mit 6000 Besuchern die meisten Zuschauer.