Länderspielpause – die gefährlichste Zeit für angeschlagene Trainer

von knospepeter

Die Nationalmannschaft hat das Wort, Pause in der Fußball-Bundesliga, erst am 21. November geht es wieder weiter. Zeit, die Wunden zu lecken, Zeit zu prüfen, was gut oder schlecht war, aber auch Zeit, einen neuen Trainer zu installieren, wenn es nicht geklappt hat. Die Länderspielpause ist die gefährlichste Zeit für angeschlagene Trainer, denn jetzt hat der neue Mann etwas Zeit, um auf die Mannschaft entscheidend einzuwirken. Es wäre Zeit für eine Wende.

Der erste Verein vom Tabellenende hat bereits die Konsequenzen gezogen, der VfL Wolfsburg hat sich von Paul Simonis getrennt. Der Niederländer kam erst zu Saisonbeginn, noch relativ unerfahren, aber ein Hoffnungsträger. Die Aufgabe war zu schwierig für ihn, Wolfsburg sollte im vorderen Mittelfeld mitspielen, Platz 14 mit nur acht Punkten heißt dagegen Abstiegskampf. Der 40-Jährige bekam die Mannschaft nicht in Griff, das Team gilt als zerstritten und schlecht zusammen gestellt. Ein Fehler, den Geschäftsführer Peter Christiansen und Sportdirektor Sebastian Schindzielorz zu verantworten haben. Mit dem U19-Coach Daniel Bauer haben sie sofort einen Interimstrainer bei der Hand. Der 43-jährige arbeitet beim Nachwuchs erfolgreich und kennt seine neue Aufgabe. Ende der letzten Saison sprang er schon einmal ein, als Ralph Hasenhüttl vorzeitig gehen musste, er holte vier Punkte in zwei Spielen. Die Verantwortlichen hoffen jetzt auf eine Reaktion wie bei Mönchengladbach, dort hat Nachwuchstrainer Eugen Polanski die Mannschaft wieder auf den Erfolgsweg geführt, sogar zum Derbysieg über Köln. Bauer hat in Wolfsburg deshalb „bis auf Weiteres“ das Sagen. Polanski wartet auch noch auf einen festen Vertrag, der sicher bald kommen wird. Auch dafür ist jetzt Zeit.

Die Frage ist, ob Simonis das einzige Opfer bleibt. Am Tabellenende sind Heidenheim (fünf Spiele ohne Sieg), Mainz (sechs Spiele ohne Sieg) und St. Pauli (sieben Niederlagen in Folge) besonders erfolglos. Aber gerade bei ihnen haben aber Frank Schmidt, Bo Henriksen und Alexander Blessin ein besonderes Standing, haben in der Vergangenheit erfolgreich gearbeitet. Bei Mainz klappt es international, aber nicht in der Bundesliga. Es könnte aber sein, dass ein Trainer von sich aus sagt, es reicht! Ein Sonderfall ist Sandro Wagner in Augsburg. Er kam als Hoffnungsträger und Galionsfigur, wird inzwischen aber eher zum Problemfall. Wie lange haben die Augsburger noch Geduld mit ihm? Kommt doch die Entlassung oder gilt, dass sich die Mannschaft beim 0:1 gegen Dortmund und am Sonntag beim 2:3 in Stuttgart immerhin gut verkauft hat. Der FCA hatte es zuletzt mit Spitzenteams zu tun, am 22. November kommt mit dem Hamburger SV ein Konkurrent aus dem Tabellenkeller in die WWK-Arena. Chance für eine Wende, letzte Chance für Wagner? Hoffenheim, Leverkusen, Frankfurt und Bremen heißen danach die letzten Gegner in diesem Jahr. Eine leichte Aufgabe ist da nicht dabei.

Über den Trainer wird auch bei den Spitzenklubs geredet, aber eher positiv. Vincent Kompany gilt als Glücksfall für die Bayern, wenn auch die Siegesserie von 16 gewonnenen Pflichtspielen bei Union Berlin überraschend endete. Irgendwann musste es passieren, der Dauerstress hinterlässt Spuren, wobei jetzt die Länderspielpause für die Bayern-Stars keine Pause ist, sie sind fast alle mit ihren Nationalmannschaften unterwegs. Es ist aber bezeichnend, dass die Bayern selbst bei ihrem ersten Rückschlag profitierten, ihren Vorsprung von fünf auf sechs Punkte ausbauten, weil Leipzig bei Hoffenheim unterlag und Dortmund beim HSV einen Zähler liegen ließ. Die ersten Experten tönen schon, „der Meister steht fest“. Es war die letzten Jahre oft so, dass die Konkurrenz Fehltritte des Rekordmeisters nicht nutzte. Besondere Brisanz bekommt das erneute Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten im DFB-Pokal am 3. Dezember. Kann Union erneut die Bayern ärgern?

Die Bayern hatten ja auch das spektakuläre Spiel vom Dienstag in Paris in den Knochen. Eine Halbzeit lang boten beide Teams eines der besten Fußballspiele, die es je gegeben hat (so jedenfalls Experten). Doppeltorschütze Luis Diaz musste dann nach einem dummen Foul mit Rot vom Feld, aber die Bayern boten in Unterzahl einen heroischen Abwehrkampf und brachten einen 2:1-Sieg ins Ziel und sind damit bei Halbzeit Tabellenführer der Champions League. Die Bundesligisten haben sich überhaupt gut verkauft, Leverkusen siegte bei Benfica 1:0, Frankfurt hielt in Neapel ein 0:0, nur Dortmund patzte bei Manchester City (1:4). Dort feierte übrigens Trainer Pep Guardiola am Sonntag in seinem 1000. Spiel als Trainer einen 3:0-Sieg gegen den FC Liverpool. Die Bundesliga aber könnte von ihren Erfolgen (Bayern Erster, alle anderen in den Play-Offs) profitieren, liegt derzeit in der UEFA-Saisonrangliste auf Platz zwei, was am Ende einen fünften Platz für die Bundesligisten in der kommenden CL-Saison bedeuten würde! Mit beigetragen haben auch Frankfurt, Stuttgart und Mainz, die ihre Spiele in Europa- und Conference-League gewannen.

Nagelsmann ist noch auf der Suche

Ein Trainer wird in der Länderspielpause natürlich nicht entlassen, der Bundestrainer, der steht sogar im Mittelpunkt. Für Julian Nagelsmann und die Nationalmannschaft stehen die entscheidenden Spiele in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2026 an. Zwei Siege müssen her in Luxemburg am Freitag (20.45 Uhr) und im „Endspiel“ am Montag, 17. November, in Leipzig gegen die Slowakei. Allerdings könnte Nordirland am Freitag ein Endspiel verhindern, wenn es in der Slowakei den 2:0-Sieg vom Hinspiel wiederholt. Siege des DFB-Teams sind aber auch wertvoll im Hinblick auf eine günstigere Ausgangslage bei der Auslosung der WM-Gruppen.

Doch zuerst muss sich Deutschland qualifizieren, unter anderem wegen der 0:2-Hinspielniederlage in der Slowakei ist die Zuversicht nicht zu groß, denn der Bundestrainer ist noch auf der Suche nach einem Team für die Zukunft. Sein Plan ist zunächst das Momentum, doch eine eingespielte Mannschaft bekommt er so nicht. Im Aufgebot fehlen zum Beispiel Mittelstädt, Koch, Stiller, Beier und Undav, dafür sieht er das bessere Momentum bei Brown, Thiaw, Nmecha, Schade, Adeyemi und Sané. Dazu überraschte er mit dem 19-jährigen Aufsteiger Said El Mala als Debütant. Die Stärke des Kölners: Überraschende Aktionen, die den Gegner verblüffen. Ein „Gamechanger“ bei Notlagen! Bayern-Talent Lennart Karl bleibt dagegen bei der U21.

Das Aufgebot: Tor: Bauman, Nübel, Atubolu, Dahmen. Defensive: Anton, Nmecha, Schlotterbeck, Baku, Raum, Brown, Goretzka, Kimmich, Pavlovic, Tah, Thiaw. – Offensive: Adeyemi, Amiri, Burkardt, El Mala, Gnabry, Leweling, Sané, Schade, Wirtz, Woltemade.

Der alte DFB-Präsident wird die Mannschaft als neuer DFB-Präsident begleiten. Bernd Neuendorf wurde beim Bundestag in seinem Amt bestätigt. Heike Ullrich schied als Generalsekretärin aus und ist neue Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball. Neuer Generalsekretär ist Holger Blask, der gleichzeitig das Resort Marketing behält. Neu geschaffen wurde das Amt des Vizepräsidenten für Umsetzung von Strategieprozessen, das Matthias Schöck übernimmt. Bemerkenswert, dass eine 100-Millionen-Investition für den Frauen-Fußball verabschiedet wurde. Die Frauen-Bundesliga erhält eine eigene Organisation mit der Frauen-Bundesliga-Gesellschaft (FBL GmbH), wie sie die Männer mit der DFL haben.

Rückschlag für Wolfsburgs Frauen

Auch für die Frauen stehen in dieser Woche Spiele der Champions League an. Ungelegen kommt deshalb vor allem für den VfL Wolfsburg eine überraschende Niederlage in der Bundesliga mit 2:3 gegen Verfolger Eintracht Frankfurt. Enttäuschend war auch, dass nur 4345 Zuschauer in die VW-Arena kamen. Durch die Niederlage der Wölfinnen konnte Tabellenführer Bayern München mit einem 4:0-Sieg über Union Berlin seinen Vorsprung auf sechs Punkte ausbauen, was (im Gegensatz zu den Männern) wirklich fast schon den Titelgewinn bedeutet, denn zwei Niederlagen werden sich die Seriensiegerinnen kaum leisten.

Schwerer haben sie es da in der Champions League, stehen gegen Titelverteidiger Arsenal London vor einer hohen Hürde. Das Schlagerspiel am Mittwoch (18.45 Uhr/Disney+) wird in der Allianz Arena ausgetragen. Die Wölfinnen haben bereits am Dienstag (21 Uhr/Disney+) sogar noch erfolgreichere Gegnerinnen, denn die OL Lyonnes halten sich seit Jahren in Europas Spitze, holten den Titel 2022. Beide Teams haben ihre bisherigen zwei Spiele gewonnen. In Lyon gibt es auch ein Wiedersehen mit Jule Brand.