Bei der WM dabei: Deutschland, die Mannschaft mit den vielen Gesichtern

von knospepeter

Hat Thomas Tuchel seinen Kollegen Julian Nagelsmann angestachelt? Der deutsche Trainer schaffte einen Rekord mit England: Acht Siege, 22:0 Tore (!), das gab es in der WM-Qualifikation noch nie. Rekordverdächtig war dann auch das deutsche „Endspiel“ der Gruppe A gegen die Slowakei. Auf den Punkt genau zeigten die Nagelsmänner ihre beste Leistung. Ein 6:0 mit so einer überzeugenden Leistung gab es zumindest selten. So darf gefeiert werden. Deutschland ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 (11. Juni – 19. Juli) in den USA, Mexiko und Kanada dabei, wird in Topf 1 vertreten sein und darf damit auf eine machbare Gruppe hoffen. Die Leistung von Leipzig muss aber bei der WM der Maßstab sein, da wäre dann wirklich alles möglich. Die Gruppenauslosung ist am 5. Dezember (18 Uhr MEZ) in Washington.

Das Auf und Ab vom DFB-Team unter Julian Nagelsmann ist schon seltsam. Deutschland ist die Mannschaft mit den vielen Gesichtern. Mal grottenschlecht, dass wieder vom Rumpelfußball die Rede ist, mal überragend, dass der Traum vom WM-Titel wirklich in den Mund genommen darf. Manchmal gibt es die zwei Gesichter in einem Spiel, wie in Luxemburg oder mal bei einem 3:3 gegen Italien, nach 3:0-Führung zur Halbzeit! Manchmal nur Durchschnitt und Langeweile. Sinnbild für die Schwankungen der Mannschaft ist Stürmer Leroy Sané, ein begnadeter Spieler, der seine beste Leistung allerdings nur ab und zu zeigt. Deshalb ließ ihn Bayern München nach Istanbul gehen, deshalb setzte ihn Nagelsmann unter Druck, „viele Chancen bekommt er nicht mehr.“ Beim 2:0 gegen Luxemburg und vor allem beim 6:0 gegen die Slowakei zeigte Sané was er kann. Chancen genutzt, so hat er seinen Platz im WM-Aufgebot sicher.

Es zeigte sich aber auch, dass der eine oder andere Führungsspieler doch ziemlich unersetzlich ist. So war Joshua Kimmich ein kämpferisches Vorbild, ein echter Kapitän. Der ebenfalls angeschlagene Nico Schlotterbeck bewies seine Unentbehrlichkeit in der Abwehr, mit Tah bildet er das beste Gespann, da muss der verletzte Rüdiger sich strecken für einen Stammplatz. Fast sensationell ist die Entwicklung von Serge Gnabry, der sein Hoch bei den Bayern im Nationalteam fortsetzte. Überhaupt kopierte die DFB-Elf die Bayern, die das Gerüst stellten. Aufsteiger des Jahres ist allerdings Nick Woltemade, der scheinbar seinen Flow in Newcastle und in der Auswahl selbst nicht fassen kann. Er schoss Deutschland quasi zur WM. Eine Art Kur war dieses Spiel auch für Florian Wirtz, der in Liverpool immer noch nicht angekommen ist. Alte Umgebung, alte Leistung. Liverpool muss ihn offensichtlich noch ein bisschen hegen und pflegen.

Bei aller Freude, wir wollen nicht vergessen, dass sich die Slowakei nicht wehrte. Alles Gute vom 2:0-Überraschungssieg zum Start der Qualifikation war nicht vorhanden. Die Slowaken leisteten kaum Gegenwehr, gingen im deutschen Angriffswirbel unter und kassierten die höchste Niederlage ihrer Geschichte. Die Slowakei muss jetzt in die Play-Offs im März. Bis dahin ist überhaupt Länderspielpause, vielleicht geht es Nagelsmann so wie Thomas Tuchel, der sagte, „ich weiß gar nicht, was ich in dieser Zeit machen soll.“ Als nächste Aufgabe steht für das DFB-Team am 30. März ein Spiel gegen die Elfenbeinküste an, ein zweiter Gegner wird noch gesucht. Den letzten Test vor der WM gibt es am 31. Mai in Mainz gegen Finnland. Dann sollte es so sein, dass wir sagen können, die WM kann kommen. Deutschland muss nur das richtige Gesicht zeigen.

Der Stress spielt mit beim Jahres-Endspurt

Nicht nur die Fußball-Profis beklagen sich über zu viele Spiele, das geht auch den Spitzensportlern im Handball und Basketball so. Nationalspieler die in ihren Vereinen auch noch internationale Aufgaben bewältigen müssen, haben Stress ohne Ende, die Belastungen für den Körper sind meist zu viel, Verletzungen mehren sich. Die Fußball-Bundesliga steht besonders im Blickpunkt und beim Jahres-Endspurt spielt der Stress gewissermaßen mit. München, Leverkusen, Dortmund und Freiburg sind überall dabei, haben neben den Punktspielen auch den DFB-Pokal und Aufgaben auf der internationalen Bühne, das bedeutet acht Spiele in vier Wochen, bevor Weihnachten gefeiert werden darf.

Fünf Spiele am Stück ohne Länderspielpause gab es in dieser Saison noch nicht, die Bundesliga macht der staaden Zeit im Advent Konkurrenz, zumal sich die Fans auch auf einige echte Schlagerspiele freuen dürfen. Los geht es am Samstag mit der Partie Dortmund – Stuttgart, danach folgen noch die Duelle Leverkusen – Dortmund, Stuttgart – München und Leipzig – Leverkusen. Aber auf diese Begegnungen allein sollten sich die Spitzenklubs nicht konzentrieren, auch jeder andere Verein kann zum Stolperstein werden, schließlich haben alle Klubs eigene Ziele im Auge, sei es Europa oder der Kampf gegen den Abstieg. Also eigentlich bei allen Stress pur.

Große Schlagzeilen hat es in der Länderspielpause nicht gegeben, die befürchteten Trainerwechsel blieben aus. Nur Gladbach handelte, aber anders, machte Eugen Polanski zum Cheftrainer mit Vertrag bis 2028. Beim VfL Wolfsburg blieb die Unruhe, auch Sportdirektor Sebastian Schindzielorz musste gehen und für Geschäftsführer Peter Christiansen ist die Luft ebenfalls dünn geworden. Unruhe auch bei der TSG Hoffenheim, wo eine Entlassungs- und Rücktrittswelle bei den Funktionären rollte. Verantwortlich ist im Hintergrund Mäzen Dietmar Hopp, der an dem bei allen anderen in Ungnade gefallenen Spielerberater Roger Wittmann festhält. So steht auch der Abgang vom erfolgreichen Sportgeschäftsführer Andreas Schicker im Raum. Der Österreicher, der allerdings noch einen Vertrag bis 2029 besitzt, ist vor allem in Wolfsburg im Gespräch. Diese Querelen könnten sich auch sportlich niederschlagen.

Mit besonderem Ehrgeiz gehen natürlich die Klubs vom Tabellenende in den Jahres-Endspurt. Schlusslicht ist der 1. FC Heidenheim, aber auch Mainz 05 brachte es bisher gerade mal auf fünf Punkte. Beim Restprogramm für das Jahr fällt auf, dass beide Klubs mit Gladbach, Freiburg, St. Pauli und den Bayern viermal die gleichen Gegner haben. So sieht ihr Programm aus: Heidenheim: Gladbach (H), Union Berlin (A), Freiburg (H), St. Pauli (A), Bayern (H). – Mainz: Hoffenheim (H), Freiburg (A), Gladbach (H), Bayern (A), St. Pauli (H). St. Pauli steht derzeit mit sieben Zählern noch auf dem Relegationsrang 16, hat es also selbst in der Hand, ob ruhige Weihnachten gefeiert werden können.

Können die Bayern-Frauen die CL gewinnen?

In der Bundesliga sind sie überlegen, im DFB-Pokal haben sie Seriensieger Wolfsburg entthront, als Ziel bleibt eigentlich nur noch der Gewinn der Champions League. Diesen Traum wollen sich die Frauen des FC Bayern München bald erfüllen, entsprechend wurde die Mannschaft immer wieder verstärkt. International klappte bisher allerdings nicht viel, doch jetzt setzten die Bayern-Mädchen ein Zeichen. Gegen Titelverteidiger Arsenal London lagen sie zwar zur Halbzeit 0:2 zurück und eine ähnliche-Schmach wie das 1:7 gegen Barcelona drohte, doch dann kam die Wende. Trainer Barcala stellte um, wechselte richtig und Arsenal geriet in die Defensive. Klara Bühl legte auf, Alara (67.), Harder (80.) und Viggosdottir (87.) trafen. Der 3:2-Sieg fühlte sich wie ein Wunder an. Können die Bayern-Frauen jetzt die CL gewinnen? Die nächste Prüfung steht bevor, am Donnerstag in Paris. Die Frauen von St. Germain sind allerdings nicht so erfolgreich wie die Männer, sind in drei Spielen noch ohne Punktgewinn, die Bayern stehen mit sechs Punkten in den Play-Offs. So erfolgreich war auch Wolfsburg, musste aber beim 1:3 gegen die Lyonnes eine Lektion hinnehmen. Gegen Real Madrid wartet am Mittwoch wieder eine große Aufgabe, Real ist Fünfter mit sieben Punkten und noch ungeschlagen.

Am vergangenen Wochenende stand allerdings der DFB-Pokal im Mittelpunkt und er brachte im Achtelfinale Überraschungen. Zweitligist SC Sand schaltete mit 3:2 Köln aus, Union Berlin schied mit 0:1 gegen das Bundesliga-Kellerkind Jena aus und die HSV-Frauen siegten vor 4000 Zuschauern mit 4:2 im Elfmeterschießen gegen Leverkusen. Ein-Zehn-Tore-Spektakel lieferten sich Hoffenheim und Frankfurt, die Eintracht-Frauen siegten schließlich mit 6:4. Keine Probleme hatten die Favoritinnen aus München (3:0 in Ingolstadt) und Wolfsburg (3:1 gegen Freiburg). Im Viertelfinale, das erst im nächsten Jahr zwischen dem 11. und 23. März gespielt wird, sind auch Werder Bremen (5:4 i.E. in Leipzig) und Bundesliga-Schlusslicht SGS Essen, das mit einem 1:0-Erfolg in Potsdam zeigte, dass es das Siegen nicht verlernt hat.