Zweiter Akt: Wer ist die Nummer 1 in Europa?
von knospepeter
Logischerweise können sich Fußball-Fans noch an den 4. November erinnern, als in der Champions League Titelverteidiger Paris St. Germain den FC Bayern München erwartete, die Mannschaft, die bis dahin alle Spiele gewann. Es ging um die Frage, wer die Nummer 1 in Europa ist. Die Bayern gewannen vor drei Wochen mit 2:1, boten in der ersten Halbzeit eine Leistung, wie man sie vielleicht in Europa noch nie gesehen hatte und verteidigten nach dem Platzverweis von Doppeltorschütze Luis Diaz den 2:0-Vorsprung mit Herz und Glück. Ohne Niederlage in Pflichtspielen sind die Bayern bis heute und jetzt folgt am Mittwoch der zweite Akt der Aufführung: Wer ist die Nummer 1 in Europa? Erfolge weist nämlich auch Gegner Arsenal London auf, der Tabellenführer der Premier League (eine Niederlage, sechs Punkte vor Chelsea) und wie die Bayern und Inter Mailand mit vier Siegen in der Champions League vorn. Beide Konkurrenten haben eine Tordifferenz von +11, die Bayern sind mit 14 Treffern (14:3) mit Paris das torhungrigste Team und deshalb Tabellenführer, Arsenal dagegen hat bisher noch keinen einzigen Treffer hinnehmen müssen (11:0)!
Jetzt aber kommt Harry Kane. Der Engländer ist so eine Art Schreckgespenst von Arsenal. Vor allem im Trikot von Tottenham, jetzt aber auch mit den Bayern, hat er in 21 Spielen gegen Arsenal 15 Tore erzielt, davon 6 im Emirates Stadion und ist damit der torgefährlichste Gästespieler! Auch beim letzten Gastspiel mit den Bayern traf Kane beim 2:2. Insgesamt reisen die Münchner mit einer erstaunlichen Bilanz nach London, in 14 Spielen gegen Arsenal gab es 8 Siege und nur 3 Niederlagen, die letzte in der Saison 2015/16. Das soll so bleiben! Aber Achtung, Arsenal fertigte in der Generalprobe ausgerechnet Tottenham mit 4:1 ab. Groß in Form sind vor allem die Angreifer Madueke und Eze, dagegen fehlt Abwehr-As Gabriel verletzt. Die Bayern müssen natürlich auf den für drei Spiele gesperrten Luis Diaz verzichten, bauen aber auf den Schwung vom 6:2 gegen Freiburg, als das Duo Olise/Karl nach einem 0:2-Rückstand die Schwarzwälder schwindlig spielte. Da wird Trainer Vincent Kompany in London wohl kaum auf Jungtalent Karl verzichten.
Es gibt noch ein zweites englisch-deutsches Duell, Manchester City (4./10 Punkte) erwartet am Dienstag Bayer Leverkusen (21./5 Punkte), allerdings unter anderen Vorzeichen. Citys Trainer Pep Guardiola hadert mit der Form seines Teams (1:2 in Newcastle), Bayers Coach Kasper Hjulmand gehen dagegen die Spieler aus. Sieben Stammspieler werden fehlen, drei (Fernandez, Palacios, Vacquez) sind verletzt, zwei (Tapsoba, Andrich) gesperrt und zwei (Terrier, Hofmann) für die CL nicht gemeldet. Dazu gibt es bei vier Spielern ein Fragezeichen, ob sie einsatzfähig sind. Nur eine Notelf bei City, das kann nicht gutgehen, da gerät sogar die Qualifikation für die Play-Offs in Gefahr. Darum kämpft auch Eintracht Frankfurt (23./vier Punkte) gegen Atalanta Bergamo (16./7), während sich Borussia Dortmund (14./7) gegen Villarreal (32./1) vor allem die Chance auf einen Platz unter den ersten Acht erhalten will, um den Play-Offs zu entgehen.
Die Stille und das Eigentor der Fans
Wie es so manchmal ist, der grüne Rasen stand am Wochenende nicht unbedingt im Mittelpunkt der Bundesliga. Die Fans protestierten gegen das Vorhaben der Landes-Innenminister, die Anfang Dezember tagen und unter anderem über die Sicherheit in den Stadien sprechen wollen. Weil es oft Ausschreitungen, Pyro-Unsinn und sogar Raketen ins Umfeld geschossen werden, sind schärfere Maßnahmen geplant, um den manchmal großen Polizeieinsatz zu reduzieren. Stadionverboten, personalisierte Tickets und Kollektivstrafen sind im Gespräch. Das gefällt den Fans überhaupt nicht, sie protestierten mit zwölf Minuten Stille als Zeichen. Manche mögen das sogar als Wohltat empfunden haben, als der ansonsten gleichförmige Krach auf den Stehplätzen. Aber die Unverbesserlichen, sogenannten „Fans“ sorgten gleich für ein Eigentor. So wurde wieder Pyro abgebrannt und in Köln brannte bei den Frankfurter Fans sogar eine Fahne. „Freie Fankultur“ wird gefordert, aber um die Sicherheit anderer kümmern sich die Ultras und Konsorten nicht. Dieses Dilemma wird wohl ein ewiges Streitthema bleiben.
Gestritten wurde auf der Hauptversammlung von Borussia Dortmund nicht, aber auch da wurde ein Zeichen gesetzt. Wie erwartet wurde Hans-Joachim Watzke, als Vorsitzender der KGaA-Geschäftsführung zurückgetreten, als neuer Präsident des e. V. gewählt. Der 56-Jährige fand in der ersten Hybrid-Versammlung mit Stimmabgabe auch im Internet nicht die volle Zustimmung, nur 59 Prozent gaben ihm die Zustimmung. Erstaunlich, nachdem, was Watzke bisher für den Verein geleistet hat. Lars Ricken, sein Nachfolger in der Geschäftsführung, machte dies deutlich: „Ohne Aki Watzke würde es den Verein in dieser Form nicht mehr geben.“
Sportlich erlitt Dortmund einen Rückschlag, Stuttgart trübte die Stimmung mit einem Tor zum 3:3 in der Nachspielzeit. Deniz Undav war dreifacher VfB-Torschütze, sorgte aber mit einem Foul im eigenen Strafraum für einen BVB-Elfmeter, den Can zum 1:0 verwandelte. Besser machten es die anderen Bayern-Verfolger Leipzig (2:0 gegen Bremen) und Leverkusen (3:1 in Woflsburg) und die Bayern selbst. Die lagen zwar überraschend gegen Freiburg schnell mit 0:2 im Rückstand, spielten dann aber groß auf und gewannen 6:2. Vor allem das Duo Michael Olise und Lennart Karl glänzte. Olise erzielte zwei Tore selbst und gab zu weiteren drei die Vorlage. Karl erzielte das 1:2 und war am Ausgleich zum 2:2 beteiligt, sorgte zudem immer für Unruhe. Zwei seiner Aussagen lassen aufhorchen: Messi ist sein Vorbild, die WM 2026 sein großes Ziel. Erreicht er das, haben die Bayern viel Spaß mit dem 17-Jährigen gehabt… Die Bayern hatten aber auch so Spaß, sind sie doch jetzt 43 mal in Folge Tabellenführer, damit wurde der eigene Rekord eingestellt. Diese Leistung gelang zuerst von April 1972 bis Juni 1973. Eine neue Bestmarke ist sicher, denn bei sechs Punkten Vorsprung und der besten Tordifferenz bleiben die Münchner auf jeden Fall noch zwei Spieltage lang Erster. Aber eigentlich wollen sie bis zum Schluss den Platz an der Sonne nicht abgeben.
Am Tabellenende gibt es keinen Spaß, vor allem bei Schlusslicht Heidenheim nicht, wo das 0:3 gegen Gladbach für weitere Ernüchterung sorgte. St. Pauli kennt Siege auch nicht mehr, das 0:1 gegen Union sorgte für einen Vereinsnegativrekord mit neun Niederlagen am Stück. Mainz hadert ebenfalls mit einer mageren Punktausbeute, beim 1:1 gegen Hoffenheim stand allerdings Dominik Kohr im Mittelpunkt. Nach einem hässlichen Tritt flog er mit Rot vom Platz und ist damit Rekordhalter in der Bundesliga. Sein neunter Platzverweis, keiner flog öfter, jetzt muss ihn der DFB für längere Zeit aus dem Verkehr ziehen. Vom Erfolgsweg abgekommen ist auch der Hamburger SV, der fünf Spiele nicht mehr gewinnen konnte. Für Augsburgs Trainer Sandro Wagner war der 1:0-Sieg gegen den HSV allerdings ein Befreiungsschlag, der FCA kann sich als 13. mit zehn Punkten als „Spitzenreiter im Tabellenkeller“ fühlen. Nur 15. ist Wolfsburg, das gleich zwei Niederlagen erleiden musste. Dem 1:3 gegen Leverkusen folgte die Absage von Andreas Schlicker, der nicht in den Norden wechseln wird, sondern Geschäftsführer in Hoffenheim bleibt.
Frauen träumen vom Titel
Für die Frauen-Nationalmannschaft steht am Ende des Jahres der Höhepunkt bevor. Gegen Spanien geht es am Freitag in Kaiserslautern und am 2. Dezember in Madrid um den Titel in der Nations League. Das DFB-Team ist gegen den Weltmeister natürlich Außenseiter, der gleich acht Stürmerinnen nominiert hat. Da kommt auf die deutsche Abwehr also einiges zu. Bundestrainer Christian Wück hat in seinem Aufgebot keine Überraschungen geliefert, mit dabei ist wieder Torhüterin Berger, frisch gebackener Meisterin in den USA. Verzichten muss Wück auf Bayern-Torjägerin Schüller, die aus privaten Gründen absagen musste, dafür rückte Vereinskollegin Dallmann nach. Im Angriff wird Wück sicher wieder auf Anyomi setzen, die im Halbfinale gegen Frankreich glänzte. Aber die deutschen Frauen müssen über sich hinaus wachsen, um Spanien in die Knie zu zwingen,.
Das Aufgebot: Tor: Berger, Johannes, Mahmutovic. – Abwehr: Gwinn, Hendrich, Kett, Knaak, Küver, Linder, Minge. – Mittelfeld: Alara, Brand, Gräwe, Lohmann, Nüsken, Senß. -. Angriff: Anyomi, Bühl, Cerci, Dallmann, Freigang, Martinez, Zicai.
Vielleicht geben die Erfolge der deutschen Teams in der Champions League der Nationalmannschaft Auftrieb. Bayern München und der VfL Wolfsburg glänzten gegen die Star-Klubs von Paris St. Germain (3:1) und Manchester United (5:2) mit großartigen Siegen und haben nach vier von sechs Spieltagen bereits die Teilnahme an den Play-Offs sicher. Wolfsburg ist sogar Dritter und wäre damit im Viertelfinale, hat aber mit Real Madrid und Chelsea London noch dicke Brocken vor sich. Die Münchnerinnen als Fünfte hoffen gegen Atletico Madrid und Valerenga Oslo noch auf den Sprung nach oben. Die letzten Spieltage sind am 9./10. und 17. Dezember.
In der Bundesliga ließen die Spitzenklubs nichts anbrennen. Die Bayern-Mädchen machten es fast den Männern nach, lagen in Hoffenheim 0:1 zurück, siegten dann aber 5:1. Es bleibt also bei sechs Punkten Vorsprung, weil Wolfsburg beim 3:1 in Leipzig ebenfalls keine Probleme hatte.