DFB-Pokal im Zeichen der Revanche

von knospepeter

Neben Bundesliga und Champions League meldet sich der Pokal nur mal zwischendurch, aber ein Schattendasein führt er keineswegs. „Es ist der kürzeste Weg zu einem Titel“, heißt es allgemein. Aber selten ist ein Achtelfinale im DFB-Pokal so brisant wie diesmal. Die Zeichen stehen nämlich auf Revanche und dabei geht es um die Ergebnisse in der Bundesliga. Amateurklubs sind leider nicht mehr dabei.

Revanche Nummer 1 betrifft Bayern München. Der Rekordmeister und Rekordpokalsieger (20mal) läuft seit fünf Jahren dem nächsten Erfolg hinterher, meist war im Achtelfinale Endstation, im Vorjahr gegen Bayer Leverkusen. In diesem Jahr ist erneut der Pokalsieg ein Ziel, das man unbedingt erreichen will, „wir wollen nach Berlin“ heißt, gemeint ist das Finale, doch bereits am Mittwoch stehen die Bayern in Berlin vor einer Bewährungsprobe, nämlich bei Union Berlin. Fußball-Fans wissen Bescheid: Am 10. Spieltag beendete Union mit einem 2:2 die Siegesserie der Bayern. Die Münchner werden also mit gewaltigen Revanchegelüsten anreisen, Rotationsgedanken wird Trainer Vincent Kompany nicht hegen, auch Manuel Neuer steht nach Sperre wieder im Tor. Es gilt, die Pannenserie im Pokal zu beenden. Aber Achtung: Die letzten vier Heimspiele im Pokal hat Union alle gewonnen und das unglückliche 1:2 gegen Heidenheim in der Bundesliga macht Beine für eine Wiedergutmachung.

Revanche Nummer 2 betrifft das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen Leverkusen und Dortmund, dass Bayer im eigenen Stadion mit 1:2 verlor. Jetzt will das Werksteam den Spieß umdrehen und in Dortmund gewinnen, eine schnelle Revanche also. Im Pokal hat sich Bayer zuletzt wohlgefühlt, holte 2024 nach 1993 den zweiten Titel. Dortmund gewann schon fünfmal, zuletzt 2021, auch da ist der Blick aufs Finale am 23. Mai gerichtet. Beide Teams hatten vorher bereits in der Champions League beeindruckt, Leverkusen siegte bei Manchester City (Pep Guardiola ließ quasi ein B-Team spielen) mit 2:0, Dortmund hatte keine Probleme beim 4:0 über Villarreal und tankte mit 2:1-Sieg (erstmals in der BL gegen einen „Großen“ gewonnen) Selbstvertrauen.

Mit Gladbach – St. Pauli gibt es ein drittes Bundesliga-Duell mit Revanchegedanken (Dienstag, 18 Uhr), in Hamburg siegte die Borussia Anfang November 4:0. Titelverteidiger VfB Stuttgart tritt am Mittwoch (18 Uhr) in Bochum an. Die weiteren Spiele: Hertha BSC – Kaiserslautern (Dienstag, 18 Uhr), Leipzig – Magdeburg (Di. 21 Uhr), Freiburg – Darmstadt (Mi. 18 Uhr), HSV – Kiel (Mi. 21 Uhr).

BL: Standards, Joker, Last-Minute-Tore

Die Bayern werden lange mit Schrecken an die 1:3-Niederlage gegen Arsenal London in der Champions League zurückdenken. Nicht nur, dass ihre stolze Erfolgsserie damit beendet wurde, Ernüchterung gab es vor allem durch die zwei entscheidenden Tore nach Eckbällen. Hilflos Torhüter Neuer und seine Abwehr, ein Fakt, der vermieden werden sollte. Aber es ist ein Trend, Standards werden immer wichtiger. Bei Arsenal, so heißt es, lässt sie Trainer Mikel Arteta bis zum Erbrechen trainieren. Aber auch die Bayern können sie, das vorentscheidende 2:1 gegen Kellerkind St. Pauli erzielte Luis Diaz nach einem Standard. Die Bayern können das, sind mit zehn Toren nach ruhenden Bällen die Nummer 1 der Liga zusammen mit Freiburg. Andererseits: Auch Union tat den Münchnern beim 2:2 mit zwei Standardtoren weh! Im Zweifel helfen Standards, wenn die Kraft zu Ende geht oder spielerisch die Mittel fehlen.

Auffallend aber auch, dass die Entscheidungen immer öfter erst in der Nachspielzeit fallen. Am vergangenen Wochenende war dies eklatant und oft waren Einwechselspieler die Torschützen. Joker werden durch die größeren Wechselmöglichkeiten immer wichtiger. Wer zuerst auf der Bank sitzt, kann dennoch zum Helden werden. Durch die frischen Spieler gibt es auch spät noch die Kraft für Tore. In fünf der neun Spiele fielen in der Nachspielzeit entscheidende Tore! Nicht nur bei den Bayern, besonders erfolgreich war Heidenheim bei Union mit dem 1:1 von Schimmer in der 90. Minute und dem Siegtreffer von Schöppner in der 96. (beide Joker!). Jetzt sieht Heidenheim in Sachen Klassenerhalt wieder Licht am Ende des Tunnels. Es schimmert zumindest, Stefan Schimmer erzielte seine insgesamt drei Tore alle als Joker und ist damit bester Torjäger des FCH. Fünf der zehn Treffer fielen durch Joker!

Der HSV schaffte das 2:1 gegen Stuttgart in Unterzahl und durch ein Tor von Vieira nach 94 Minuten. Wichtig nach fünf erfolglosen Spielen. Frankfurt rettete gegen Wolfsburg gerade noch einen Punkt beim 1:1 weil Batshuayi in der 97. Minute einen Foulelfmeter verwandelte und Kölns Talent El Mala machte mit dem 1:1-Ausgleich in der 91. Minute in Bremen auf sich aufmerksam. Die Zuschauer werden sich künftig hüten, vorzeitig das Stadion zu verlassen.

Neues Schlusslicht der Bundesliga ist Mainz 05. Das 0:4 in Freiburg war ein Genickschlag, Trainer Bo Henriksen wirkt ratlos, sein Team auf dem Feld hilflos. Ob am Freitag gegen Gladbach nach Wochen der Erfolglosigkeit die Wende gelingt oder sogar ein neuer Mann am Spielfeldrand steht? Das ganze Gegenteil ist bei der TSG Hoffenheim der Fall, die Mannschaft ist seit sechs Spielen unbesiegt und in diesem Zeitraum holten nicht einmal die Bayern mehr Punkte! Platz fünf ist der aktuelle Lohn und dabei war Trainer Christian Ilzer im Sommer noch ein Wackelkandidat. Jetzt ist es verstärkt der von ihm besiegte Sandro Wagner in Augsburg.

Frauen haben das Toreschießen verlernt

Bundestrainer Christian Wück rauft sich bei den Spielen seiner Mädchen immer wieder die Haare. Beste Chancen werden vergeben und so gab es im ersten Finalspiel der Nations League gegen Spanien nur ein 0:0, obwohl leicht auch zwei oder drei Tore für die deutschen Frauen hätten fallen können. Der Weltmeister wurde über lange Zeit dominiert und hatte selbst kaum gute Chancen. Aber das spanische Tor war wie vernagelt, Torhüterin Cata Call hielt stark und war mit dem Glück im Bunde, Klara Bühl , Jule Brand und Nicole Anyomi verzweifelten dagegen. Am Dienstag (18.30 Uhr/ARD) muss es beim Rückspiel in Madrid besser laufen, allerdings bleiben die Spanierinnen in der Favoritenrolle, obwohl Weltfußballerin Aitana verletzt ausfällt.

Immerhin sah der Trainer auch positive Ansätze, „wir haben uns spielerisch verbessert und die Mannschaft trat geschlossen auf“. Die Gastgeberinnen waren auch voll des Lobes und gestanden, „wir mussten leiden“. Sie werden nach Mitteln suchen, dass Wücks Mädchen in Madrid leiden müssen. Dagegen würde ein Finalsieg der deutschen Mannschaft für die Zukunft gehörigen Auftrieb geben.