Warnschüsse für die Bundesliga und die Bayern

von knospepeter

Warnungen gehören heute fast schon zum Alltag, egal ob in der Politik oder zum Beispiel beim Wetter. Fast ganz Deutschland stöhnte in diesen Tagen über die Probleme mit Schnee und Eis. Achtung; Nur nicht ausrutschen! Da ist der Fußball natürlich nur eine Nebensache, aber für die Protagonisten, egal ob Verbände, Vereine, Spieler oder Fans halt doch die Hauptsache. Und da gab es für die Spitzenklubs in Deutschland zuletzt auch genügend Warnungen – und Ausrutscher. Für die Bundesliga generell auf europäischer Bühne, für die von Sieg zu Sieg eilenden Bayern auf nationaler Ebene – die erste Niederlage!

Wer hätte das gedacht, mit 2:1 siegte der FC Augsburg bei den Bayern, die bedröppelt vom Platz schlichen, aber vorher unkonzentriert und lustlos wirkten. Die 1:0-Führung zur Pause verbreitete trügerische Sicherheit, legten sie zuletzt doch vor allem in der zweiten Hälfte los. Diesmal hörten sie auf, der FCA dagegen begann. Nach einem Fehler von Neuer-Vertreter Jonas Urbig bei einer Ecke und später generell in der Abwehrreihe ließ sich der FCA nicht zweimal bitten. Held des Tages war Augsburgs Neuzugang Arthur Chaves, die Leihgabe aus Hoffenheim mutierte gleich zur Stütze des Abstiegskandidaten und führte sich mit dem Ausgleichstreffer besonders gut ein. Ironie des Schicksals, 2014 beendeten die Augsburger schon einmal den Bayern-Traum einer ungeschlagenen Saison, als sie in München eine Siegesserie unter Pep Guardiola beendeten, die Bayern standen schon als Meister fest. Jetzt gab es wieder die erste Pleite seit dem 8. März (2:3 in Bochum) nach 27 Spielen ohne Niederlage. In Leverkusen sangen die Fans in Erinnerung an die Rekord-Saison von Bayer 23/24 „ungeschlagen Meister SVB“. Die wichtigsten Aufgaben warten aber erst auf die Augsburger, drei Spiele hintereinander gegen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf, nämlich St. Pauli, Mainz und Heidenheim – in der Hinrunde hat der FCA gegen alle drei verloren!

Die Augsburger sollten Auftrieb haben, die Bayern wieder auf dem Boden der Tatsachen sein. Ohne Fleiß kein Preis heißt es, die laufstärkste Mannschaft der Bundesliga lief diesmal fünf Kilometer weniger als der Gegner. „Wir sind heiß, wir wollen uns rehabilitieren“, hieß es nach der Partie von mehreren Spielern. Die nächste Gelegenheit ist der PSV Eindhoven am Mittwoch in der Champions League dann folgt das Gastspiel am Samstag beim Hamburger SV, für den der besondere Ehrgeiz der Münchner ungelegen kommt. Der Warnschuss sollte bei den Münchnern gesessen haben, zumal danach am Sonntag, 8. Februar, das Spitzenspiel gegen Hoffenheim ansteht.

Apropos Spitze, die Bayern-Niederlage sorgte natürlich für gute Laune bei den „Verfolgern“. Es gibt wieder Hoffnung auf Spannung und vor allem die Dortmunder wagen sich wieder aus der Deckung. „Wir lassen nicht locker, die Bayern müssen ja auch noch zu uns“, heißt es. Das ist am 28. Februar der Fall, aber so überzeugend war der 3:0-Sieg bei Union Berlin auch wieder nicht und die Konstanz ließ die Borussia in den letzten Monaten immer vermissen. Gehört das der Vergangenheit an? Hinter Dortmund tummeln sich die Überraschungsgäste Hoffenheim und Stuttgart auf den CL-Plätzen, Leipzig muss am Dienstag bei St. Pauli im Nachholspiel erst noch Punkte einsammeln, die ansonsten dort Etablierten Leverkusen und Frankfurt sind die Sorgenkinder in der Spitze. Vor allem bei der Eintracht verpuffte die Entlassung von Trainer Dino Toppmüller, sie machte keine neuen Kräfte frei. Gegen Hoffenheim gab es eine bittere Heimniederlage (1:3), seit fünf Spieltagen wartet Frankfurt auf einen Sieg. Da steht ein neuer Trainer vor einer schweren Aufgabe. Auffallend vor allem das Problem bei den Torhütern, Talent Kaua Santos gilt als Nummer 1, verbreitet aber keine Sicherheit, mehr Punkte sammelte man mit Trapp-Nachfolger Michael Zetterer. Das sollte zu denken geben: Die Eintracht ist die „Schießbude der Saison“, 62 Gegentreffer in 28 Pflichtspielen sind Vereinsrekord! Der nächste Gegner ist am Samstag ausgerechnet Bayer Leverkusen.

„Die Sorgen von denen da oben möchten wir gerne haben“, sagen die Teams im Abstiegskampf. Der wird immer heißer und Teams, die schon nach dem Mittelfeld schielten, sind mittendrin. Ein typisches Spiel boten St. Pauli und der HSV im Hamburger Derby, da war keine Brisanz auf dem Feld zu sehen, nur kein Risiko, ein Punkt hilft auch. So gaben die Paulianer die Rote Laterne wieder an Heidenheim ab. Einen wertvollen Sieg errang dagegen Mainz 05, das nach 0:1-Rückstand noch Wolfsburg besiegte. „Spieler des Tages“ war Nadiem Amiri, der nach Krankheit nur als Joker kam und das Blatt wendete, mit haargenauen Eckbällen und einem verwandelten Elfmeter. So ging es wieder ein Stück nach oben auf den Relegationsplatz – Rettung in Sicht. Etwas Luft verschafft hat sich der FCA, aber auch Gladbach, Wolfsburg und Bremen (acht Spiele ohne Sieg, Dienstag noch gegen Hoffenheim) dürfen sich zu den Abstiegskandidaten zählen.

Vom Abstieg zum Aufstieg, davon träumen sie jetzt besonders in Gelsenkirchen. Die Stadt lag die vergangene Woche im Dzeko-Fieber. Schalke 04 gelang ein Coup, dem 39-jährigen Bosnier gefiel der Abstiegskampf in Italien mit dem AC Florenz nicht, lieber steigt er mit Schalke 04 auf. Da will der einstige Bundesliga-Torschützenkönig, der mit Wolfsburg erfolgreich war, gern mithelfen. Für das Tüpfelchen aufs „i“ sorgte er gleich am Sonntag. Als Joker kam der neue Hoffnungsträger aufs Feld, besorgte nach 0:2-Rückstand den Anschluss und leitete den Ausgleich ein. Tabellenführung gerettet, Zuversicht gestiegen. Aber nur nicht übermütig werden, das Ruhrderby in Bochum steht bevor.

Im Mittelpunkt des Fußballs steht aber unter der Woche der Abschluss der Ligenphase in Champions- und Europa-League. In der CL gab es am vorletzten Spieltag Pleiten, nur die Bayern haben mit dem 2:0 gegen Union Saint-Gilloise die Ehre gerettet und einen Platz unter den ersten vier Teams sicher. Das Gegenteil ist für Frankfurt der Fall, die Eintracht verlor bei Qarabag Agdam mit 2:3 und ist mit mageren vier Pünktchen auf Platz 33 ausgeschieden. Dortmund und Leverkusen wollen wenigstens die Play-Offs sichern, wobei Dortmund gegen Inter Mailand sogar noch der Sprung unter die ersten Acht und das Achtelfinale gelingen kann. Dann muss aber eine bessere Leistung als beim desaströsen 0:2 gegen das angeschlagene Tottenham her. Leverkusen verspielte mit einem 0:2 in Piräus das Achtelfinale, sollte sich aber in der Rangliste gegen den Vorletzten Villarreal noch verbessern.

Die Bayern wollen beim PSV Eindhoven für einen glänzenden Abschluss sorgen, ein Unentschieden reicht, um Platz 2 zu sichern und damit hätte man bis ins Halbfinale Heimrecht im jeweiligen Rückspiel. Der Tabellenführer der Niederlande wird vom früheren Bundesliga-Coach Peter Bosz trainiert und unter seinen Fittichen steht mit Paul Wanner der jüngste Bundesligaspieler der Bayern. Allerdings konnte er sich in München nicht durchsetzen, Eindhoven kaufte ihn und Bosz hält große Stück von ihm. Acht Spiele haben die Bayern bisher gegen Eindhoven ausgetragen und nur einmal 1999 verloren. Eindhoven hat bisher acht Punkte gesammelt, allerdings nur ein Heimspiel gewonnen, das allerdings mit 6:2 gegen Neapel. Ein Paukenschlag gelang auch mit einem 4:1-Sieg beim FC Liverpool. Die Bayern sind also gewarnt.

In der Europa League glänzte der SC Freiburg und hat das Achtelfinale sicher, der letzte Gegner Lille SC kämpft dagegen noch um die Play-Offs. Der VfB Stuttgart verpasste mit der 0:2-Niederlage bei AS Rom den Sprung unter die ersten Acht, ein Sieg im letzten Spiel gegen Young Boys Bern ist jetzt Pflicht, um sich die Chancen noch erhalten. Die Play-Offs sind sicher. Aber insgesamt hat die Bundesliga in der Saison-Rangliste viel an Boden verloren, mit diesen Leistungen braucht man nicht von einem fünften Platz für die Champions League träumen.