Dortmund richtet eine Kampfansage an die Bayern

von knospepeter

Jetzt gibt es etwas Neues in der Fußball-Bundesliga: Vorbei sind die Zeiten, da die Konkurrenz devot die Meisterschale in München sah. Aus Dortmund kommen neue Töne: „Wir wollen Meister werden.“ Und wie das gehen kann, wissen die Medien: „Vorsicht München“, heißt es, „Dortmund hat den Bayern-Dusel.“ Übersetzt: Jetzt gewinnt auch die Borussia Spiele, in denen sie nicht gut spielt, ebenfalls in den letzten Minuten. So in Wolfsburg, als Torjäger Serhou Guirassy, bis dahin untergetaucht, in der 87. Minute den 2:1-Siegtreffer erzielte. Er hat offensichtlich seinen Torinstinkt wieder gefunden. Da war die Borussia auf drei Punkte an den Bayern dran, mit vor Stolz geschwellter Brust kann man sich schon aus der Deckung wagen und den Rivalen unter Druck setzen. Der aber konterte auf seine Art, gewann das Spitzenspiel gegen Verfolger Hoffenheim mit 5:1. Die erste Niederlage für die krisengeschüttelte TSG in diesem Jahr. Die Erfolge waren ja verwunderlich bei den Querelen in der Vereinsführung. Die könnten noch am Montag eskalieren, sogar ein Rücktritt von Erfolgstrainer Christian Ilzer steht im Raum.

Die sieggewohnten Bayern hatten zuletzt zweimal Federn gelassen, das 1:2 gegen Augsburg und 2:2 in Hamburg hatte Spuren hinterlassen. Gegen Hoffenheim zeigte sich zumindest die Mannschaft nicht verunsichert, was Gründe hatte. „Wir hatten mal eine Woche kein Spiel und konnten uns erholen,“ freute sich Trainer Vincent Kompany. Allerdings kam der klare Sieg auch ein bisschen seltsam zustande. Bereits nach 20 Minuten gab es eine Vorentscheidung, Kevin Akpoguma bearbeitete im Strafraum Stürmer Luis Diaz, der aufs Tor zusteuerte, er klammerte und riss ihn um. Schiedsrichter Tobias Stieler pfiff Elfmeter und zog die Rote Karte. Zu hart? Hinterher erklärte er den Zweiflern: „Rot war alternativlos, Diaz hatte alle Möglichkeiten für ein Tor oder für einen Pass zum Torerfolg.“ Also regelkonform und eine Vorentscheidung im Schlagerspiel. Harry Kane verwandelte den Elfmeter und einen zweiten dazu gewohnt sicher, Diaz war aber mit drei Treffern der Torschütze des Tages, während Torhüter Manuel Neuer den Gästen zum Trost ein Gegentor schenkte. Die Bayern also wieder in der Spur? Langsam: Am Samstag geht es zu Werder Bremen, auf Platz 16 plötzlich mitten im Abstiegskampf. Auch Augsburg und der HSV waren Teams im Abstiegskampf! Aber Werders Bilanz ist schon fürchterlich: Elf Spiele ohne Sieg, auch der neue Trainer Daniel Thioune konnte nichts ändern, 0:1 in Freiburg. Die wichtigeren Spiele kommen für die Bremer nach den Bayern: Bei St. Pauli, gegen Heidenheim, bei Union, gegen Mainz und in Wolfsburg. Da zeichnet sich eine Vorentscheidung über die weitere Zukunft ab.

Apropos Abstiegskampf: Da sind falsche Schiedsrichter-Entscheidungen besonders bitter. Frag nach beim FC Augsburg. Bereits vor einer Woche fühlten sich die Augsburger benachteiligt, siegten aber dennoch 2:1 gegen St. Pauli. Diesmal war es aber noch krasser. Bereits nach neun Minuten zeigte Schiedsrichter Patrick Ittrich auf den Punkt nach einem Zweikampf zwischen dem Mainzer Stefan Bell und Elvis Rexhbecaj. Beide kämpften mit hohen Füßen um den Ball, aber Ittrich sah ein Foul des Augsburgers, der VAR wurde bemüht, beobachtete lange die Szene, Ittrich ging aber selbst nicht an den Bildschirm. Stefan Bell gestand: „Ich spürte etwas und bin gefallen“. Ittrich erkannte später: „Wenn ich die Bilder sehe, muss ich sagen, es war kein Elfmeter“. Er hätte sich daran erinnern können, dass Fußball ein Kontaktsport ist, Berührung ja, aber Foul nein in diesem Fall! Es war eine Vorentscheidung, es gab noch einen zweiten (berechtigten) Elfer, Mainz siegte 2:0, weil Nadiem Amiri sicher verwandelte und Mainz 05 marschierte nach drei Siegen in Serie auf Rang 14, nur noch einen Punkt hinter Augsburg. Der FCA hat am Sonntag das nächste wichtige Spiel im Abstiegskampf, Gegner ist Schlusslicht Heidenheim, das inzwischen sechs Punkte Rückstand auf einen rettenden Platz hat, auch St. Pauli hat mit einem 2:1 über Stuttgart für Abstand gesorgt. Der Abstiegskampf bleibt auf jeden Fall spannend und sollte nicht von zweifelhaften Schiedsrichter-Entscheidungen beeinträchtigt werden. Lasst Sorgfalt walten!

Diskussionen gab es übrigens auch in Köln beim 1:2 gegen Leipzig. Da ging es um die Frage, ob Köln einen Handelfmeter bekommt, dazu Baumgartner Rot. Der VAR wurde bemüht, die Szenen vorher kontrolliert und dabei ein umstrittenes Abseits erkannt. Eine Millimeter-Entscheidung, mit bloßem Auge nicht erkennbar. Und ob es ein kontrolliertes Zuspiel war, ist zweifelhaft. Aber wer kann das schon unstrittig beurteilen, die Abseitsregel ist umfangreich und kompliziert. Dabei soll doch Fußball einfach sein!

Der Fußball ist auch nur populär, weil er (normalerweise und ohne VAR) ein einfaches Spiel ist. Populär ist auch der DFB-Pokal, der allerdings aus wirtschaftlichen Gründen ein bisschen komplizierter gemacht bzw. in die Länge gezogen wird. Im Viertelfinale heißt es vier Spiele an vier Tagen und die verteilt auf zwei Wochen, damit auch jeder TV-Sender sein Einzelspiel hat. Ins Halbfinale am 21./22. April haben sich bereits Bayer Leverkusen (3:0 gegen St. Pauli) und Titelverteidiger VfB Stuttgart (3:0 in Kiel) gespielt. Zwei Partien stehen noch aus und dabei hat Hertha BSC am Dienstag m Olympiastadion sein kleines Finale gegen den SC Freiburg, die Berliner möchten endlich mal ins Endspiel. Der große Schlager kommt erst zum Schluss, wenn am Mittwoch Bayern München RB Leipzig empfängt. Dabei sollten die Bayern nicht den Fehler machen, sich an den bisherigen Vergleichen der Saison zu orientieren (6:0 und 5:1). Leipzig hat an Statur gewonnen. Für die Münchner hat der Pokal aber eine besondere Bedeutung, denn seit dem Titelgewinn 2020 schied man jeweils vorzeitig aus und im Viertelfinale war man zuletzt 2023 und schied gegen Freiburg mit 1:2 aus. Jetzt gilt es also!

Die Bayern-Frauen marschieren in der Bundesliga weiterhin vorneweg und haben in dieser Woche zwei Aufgaben in Jena und beim Tabellendritten Bremen. Der SC Freiburg konnte sie jedenfalls nicht stoppen, verlor vor 6700 Zuschauer zu Hause mit 1:4. Bayern-Verfolger VfL Wolfsburg konnte sich ausruhen, da das Spiel in Bremen den schlechten Platzbedingungen zum Opfer fiel. Aber die wichtigere Aufgabe wartet am Donnerstag, da steht nämlich in der Champions League das Play-Off-Hinspiel gegen Juventus Turin an (Rückspiel am 18. Februar). Eine schwierige, aber lösbare Aufgabe. Außerdem spielen Leuven – Arsenal London, Paris FC – Real Madrid und Atletico Madrid – Manchester United. Die Bayern-Mädchen stehen bereits im Viertelfinale.

Olympia: Preuß zittert, Vonn stürzt

Die Olympischen Winterspiele im Norden Italiens begannen mit einer emotionalen Eröffnungsfeier am Hauptort Mailand, die die Geschichte Italiens und italienische Eigenarten zum Thema hatte, sowie mit Stars bestückt war. Allerdings geriet sie viel zu lang und war am Ende ermüdend, vor allem die Reden sollten kürzer sein. Toll allerdings, wie das Zusammenspiel mit den weiteren Austragungsorten Cortina, Livigno und Predazzo funktionierte, das war für Zuschauer und Sportler ein Erlebnis.

Am ersten Wochenende konnten die deutschen Sportlerinnen und Sportler einen kompletten Medaillensatz gewinnen. Zu Gold raste der Thüringer Rodler Max Langenhan, der dem restlichen Feld total überlegen war und in jedem der vier Läufe neuen Bahnrekord fuhr! Er gewann vor Müller (Österreich) und Fischnaller (Italien). Mitfavorit Felix Loch kam mit der neuen Bahn nicht zurecht und wurde am Ende Sechster. Silber holte sich die Abfahrerin Emma Aicher, das größte deutsche Talent mit schwedischer Mutter. Nur Weltmeisterin Breezy Johnson aus den USA war um vier Hundertstel Sekunden schneller als sie. Dabei gestand Aicher: „Ich dachte gar nicht, dass ich so schnell war, hatte viele Unsicherheiten.“ Bronze holte schließlich die Mixed-Staffel im Biathlon hinter Frankreich und Italien. In einem spannenden Rennen schossen überraschend Justus Strelow, Philipp Nawrath und Vanessa Voigt in den ersten drei Durchgängen fehlerfrei und Deutschland war vorne dabei. Aushängeschild Franziska Preuß musste nach fehlerlosem Liegendschießen im Stehendschießen nachladen, bekam zittrige Knie (im Biathlon Nähmaschine genannt), zielte mehrfach vorbei und handelte sich eine Strafrunde ein. Frankreich und Italien zogen davon, nicht aber die vierte Konkurrentin Maren Kirkeeide aus Norwegen, die gleich zwei Strafrunden in Kauf nehmen musste. Glück also für Preuß und Deutschland – so kann es weitergehen.

Kein Glück hatte der große Star Lindsay Vonn, die mit 41 Jahren von einem goldigen Comeback träumte. Trotz einer Prothese am rechten Knie und einem im Vorfeld der Spiele erlittenen Bänderriss am linken Knie wagte sie die Abfahrt in Cortina. Ausgerechnet mit der Startnummer 13 stürzte sie nach 13 Sekunden! Sie blieb an einem Tor hängen, verdrehte sich in der Luft, stürzte schwer und überschlug sich mehrfach. Schreiend vor Schmerzen und Enttäuschung blieb sie liegen und musste per Helikopter ins Krankenhaus in Treviso gebracht werden. Sie erlitt einen Unterschenkelbruch und so dürfte die Karriere der besten Abfahrerin aller Zeiten endgültig beendet sein. Schade, dass hatte sie sich ganz anders vorgestellt.