Wanken die Bayern vor den entscheidenden Wochen?
von knospepeter
Alle Augen sind in der Fußball-Bundesliga auf das Gipfeltreffen am Samstag (18.30 Uhr) zwischen Borussia Dortmund und Tabellenführer Bayern München gerichtet. Acht Punkte Vorsprung hat der Tabellenführer vor der Borussia und das Hinspiel mit 2:1 gewonnen. Es war die bisher einzige Niederlage der Dortmunder, die aber durch sieben Unentschieden (Bayern drei) entscheidend an Boden verloren haben. Geht es jetzt also im direkten Duell um die letzte Chance auf den Titel?
Auf den ersten Blick ja, sollten die Dortmunder nicht gewinnen, ist der Rückstand fast uneinholbar. Am vergangenen Wochenende war es wie so oft in der Bundesliga: Die Bayern schwächelten, holten aber dennoch mit 3:2 gegen Frankfurt drei Punkte. Anders die Verfolger, Dortmund, Leipzig (2:2 im direkten Duell), Hoffenheim (2:2 in Köln) und Stuttgart (3:3 in Heidenheim) – keiner konnte voll punkten und Leverkusen verlor bei Union Berlin sogar mit 0:1. Wer zweifelt da an der nächsten Meisterschaft des Rekordtitelträgers?
Es gibt tatsächlich Fragezeichen, es mehren sich die Anzeichen, dass die Münchner ausgerechnet vor den entscheidenden Wochen nicht in Bestform sind. Die Konkurrenz hat beobachtet, dass die Bayern müde geworden sind, der Schwung der erfolgreichen Wochen im Herbst ist verloren gegangen, die Kompany-Schützlinge wirken anfällig. Bestes Beispiel Frankfurt, als die Eintracht schon 0:3 zurück lag, am Ende aber durchaus ein Remis möglich war. Die Bayern zitterten sich buchstäblich zum Sieg. Und sie verloren Alphonso Davies erneut durch Verletzung (Muskelfaserriss), Manuel Neuer fehlte sowieso, die Angst vor Ausfällen ist groß. Dabei geht es nach der Ruhephase im Februar fast ohne zusätzliche Spiele ab März richtig los, Achtelfinale in der Champions League, im April evt. Viertelfinale und dazu Halbfinale im DFB-Pokal. Die zusätzlichen Belastungen sind an der Tagesordnung und leichte Gegner gibt es gewiss nicht mehr. Übrigens könnte Bayer Leverkusen zum Stammgegner werden. lässt Bayer Gegner Piräus nach dem 2:0 im Hinspiel auch zu Hause abblitzen, könnte es im Achtelfinale ein Duell mit den Bayern geben (10./11. und 17./18. März) dazwischen liegt das Bundesliga-Duell am 14. März und am 21. oder 22. April trifft man sich jetzt im Halbfinale des DFB-Pokals (außerdem Stuttgart – Freiburg)! Dortmund will sich übrigens nach dem 2:0 zu Hause am Mittwoch in Bergamo den nötigen Schwung für das Gipfeltreffen holen, allerdings steckt die zusätzliche Belastung in den Trikots. Setzen sich die Bundesligisten durch, geht es in der CL gegen die Bayern oder Arsenal London. Der VfB Stuttgart trumpfte übrigens in der Europa League mit 4:1 bei Celtic Glasgow auf und steht vor dem Einzug ins Achtelfinale. Erfolge sind gut für die UEFA-Rangliste. Die Auslosungen folgen am Freitag.
Noch ein Blick auf das Tabellenende, da sind mit Werder Bremen und VfL Wolfsburg zwei Vereine in Not, die eigentlich eher das Mittelfeld oder mehr als Ziel hatten. Beide haben bereits die Trainer gewechselt, doch neuer Schwung kam nicht in die Mannschaften. Für Daniel Thioune gab es nur Niederlagen, der Sturz auf einen Abstiegsplatz ist die Folge. 13 Spiele ist Werder jetzt ohne Sieg! Am Samstag kommt Schlusslicht Heidenheim nach Bremen, die buchstäblich letzte Chance auf einen Werder-Sieg. Aber Vorsicht: Der FCH gibt es sich nicht auf, Stuttgart musste es beim 3:3 erkennen. In Wolfsburg hatte man am Anfang den Eindruck, dass Daniel Bauer die Wende schaffen würde, doch das war trügerisch, punktgleich mit St. Pauli liegt man auf Rang 15. Vom Tabellenkeller verabschiedet hat sich der FC Augsburg, der zuletzt unter Manuel Baum ein eifriger Punktesammler war (vier Siege in fünf Spielen). Rang 10 (Tabellenführer der unteren Hälfte) ist der Lohn. Seit sechs Spielen ist auch der Hamburger SV ungeschlagen (vier Remis) und hat ein bisschen Abstand nach unten aufgebaut.
Bayern-Frauen vor dem Titelgewinn
In der Frauen-Bundesliga gab es das Gipfeltreffen bereits am Sonntag, dabei forderte der VfL Wolfsburg die Münchnerinnen nur eine Halbzeit richtig heraus, führte 1:0, vor 2500 Zuschauern im Bayern-Campus. Wie ausgewechselt kamen die Hausherrinnen dann aus der Kabine und siegten noch 4:1. Jetzt haben sie 14 Punkte Vorsprung (Wolfsburg ein Spiel weniger). Steigbügelhalter war VfL-Nationaltorhüterin Stina Johannes, die zweimal patzte. Das wird Bundestrainer Christian Wück nicht gefallen haben. Die Frauen-Bundesliga macht jetzt Pause, für die Nationalmannschaft stehen die ersten WM-Qualifikationsspiele an, am 3. März gegen Slowenien und 7.März in Norwegen. Auffallend: Den Zuschauer-Tagesrekord holte sich der Hamburger SV, 12300 Fans sahen ein 1:1 im Nordderby gegen Werder Bremen.
Die Wölfinnen kamen eigentlich mit dem Rückenwind eines 2:0-Sieges in Turin in der Champions League nach München. Sie sind jetzt wie Bayern im Viertelfinale dabei, Gegner ist das Spitzenteam von Olympique Lyon. Die Bayern treffen auf Manchester United und tragen ihr Heimspiel in der Allianz Arena aus. Die Auslosung ergab zudem zwei nationale Duelle: Arsenal – Chelsea und Real Madrid – FC Barcelona.
Deutschland hat Lust auf Olympia
Mit der Schlussfeier in der Arena von Verona gingen die Olympischen Winterspiele 2026 zu Ende. Die Oper stand im Mittelpunkt, wie es sich für die Arena gehört. Verona war auch Sinnbild für die dezentralen Spiele, die viele Höhepunkte brachten, in den einzelnen Orten durchaus beste Stimmung produzierten, aber dennoch einen zwiespältigen Eindruck hinterließen. Die Italiener haben eine hervorragende Organisation präsentiert, sie wollten auf bestehende Wettkampfstätten zurückgreifen im Sinne des Naturschutzes. Leidtragende waren die Sportler, aber das vorher klar. Sie vermissten vor allem ein zentrales Olympisches Dorf, wo man Athleten aus anderen Sportarten und Nationen treffen kann. Es gab zwei kleinere Olympische Dörfer in Cortina und Mailand, andere wohnten in Hotels. „Wie im Weltcup, der olympische Flair fehlte“, urteilten einige enttäuscht. In Zukunft sollte man Olympia wieder zentraler veranstalten, doch 2030 wird es nicht so sein: Gastgeber ist Frankreich mit Nizza als Hauptort und den französischen Alpen als Mittelpunkt.
Die Italiener profitierten aber auf jeden Fall, die Rolle als Gastgeber brachte auch den Sport in Schwung, Italien schnitt so gut ab wie noch nie bei Winterspielen. Es war am Ende Platz vier mit 30 Medaillen, davon 10 Goldene (6 Silber, 14 Bronze). Nummer 1 war mit Abstand wieder Norwegen mit 41 Medaillen (18 Gold, 12 Silber, 11 Bronze). Langlaufstar Klaebo steuerte allein sechs Goldene bei und ist mit insgesamt elf Goldmedaillen der erfolgreichste Winterathlet aller Zeiten. Norwegen profitiert davon, dass die Bevölkerung Sport liebt und von einer umfassenden Nachwuchs-Förderung. Da kann sich Deutschland ein Beispiel nehmen.
Das deutsche Team war mit 26 Medaillen nicht schlecht, der angestrebte Platz drei wie vor vier Jahren in Peking wurde mit Rang fünf aber nicht erreicht (Zweiter USA, Dritter Niederlande). Acht Goldene waren vier weniger als 2022, die 26 Medaillen können sich sehen lassen. Sie verteilen sich auf neun Sportarten, aber ohne den Erfolgen im Eiskanal sähe die Bilanz mau aus, „Bob und Rodel gut“ hieß das Motto. Der Eiskanal wurde zum Medaillenkanal, Bob (8), Rodeln (5) und Skeleton (6) holten 19 von 26 deutschen Medaillen!
Viele Sportarten enttäuschten. Die Nordischen Kombinierer blieben erstmals seit 1998 ohne Medaille, Biathlon (Bronze Mixed-Staffel) war so schlecht wie lange nicht, Eisschnelllauf unter „ferner liefen“, Eishockey enttäuschend trotz der angeblich „besten Mannschaft aller Zeiten“, der alpine Skisport bekam Aufmerksamkeit durch das Talent Emma Aicher. Apropos Talent, da hakt es in Deutschland, die Nachwuchsförderung ist schlecht, aber gerade der Wintersport leidet natürlich durch die Klimaentwicklung. Warum sind Bob und Rodel gut? In Deutschland gibt es vier Bahnen, so viele wie sonst nicht in der Welt! Der Deutsche Sport-Bund ist gefordert, zusammen mit der Regierung eine bessere Nachwuchsförderung auf den Weg zu bringen.
Kann nur Olympia den Sport retten? Eines hat sich bei den TV-Einschaltquoten gezeigt: Deutschland hat Lust auf Olympia. Selbst Curling wurde zu einem Fernsehhit, Biathlon hatte am Samstag mit dem letzten Rennen von Franziska Preuß beim Massenstart mit 5,8 Millionen mehr Zuschauer aus die Bundesliga-Sportschau (4,4), selbst der Zweier-Bob der Frauen übertraf diese Quote, am Sonntag sahen am Mittag 5,9 Millionen den Viererbob, ein Marktanteil von 45 Prozent. Drastisch drückt es Ex-Skistar Felix Neureuther aus: „Olympia in Deutschland ist die letzte Chance, unseren Sport zu retten“. Deutschland will sich für die Sommerspiele ab 2036 bewerben, mit Olympia könnte ein Ruck durch Deutschland gehen. Gefordert sind aber wie gesagt Politik und Verbände. TV-Einschaltquoten und Umfragen beweisen: Deutschland hat Lust auf Olympia.