Dortmund hat alles verspielt – Aufstand im Tabellenkeller
von knospepeter
Borussia Dortmund ist eine an der Börse notierte AG und muss deshalb Gewinnwarnungen herausgeben. So erfuhren die Aktionäre in diesen Tagen, dass für 2026 kein Gewinn zu erwarten ist, sondern ein Verlust. Die Rede ist von ungefähr 20 Millionen Euro. Was fehlt, ist das Geld aus der Champions League. An den Spieltischen des Profi-Fußballs hat Dortmund alles verspielt. Mit dem Ausscheiden in den Play-Offs der Champions League hatte man nicht gerechnet. Verantwortlich dafür war die unnötige 1:4-Niederlage in Bergamo. In dieser schwarzen Woche folgte Samstag das 2:3 gegen Bayern München, da darf man nicht mehr von der Meisterschaft träumen. Im Pokal kam zudem das Ausscheiden frühzeitig. Die Rechnung ist einfach: Kein Titel, kein Geld.
Dabei sind die Borussen mit großen Hoffnungen in diese Woche gegangen. Gegen Bergamo hatte man das Hinspiel 2:0 gewonnen, das sollte reichen. Es reichte nicht. Gegen die Bayern sollte mal wieder ein Sieg möglich sein, schließlich spielte man bis dahin eine gute Saison, der Ehrgeiz war nach der Pleite in Italien besonders hoch. Doch alle rosaroten Wolken zerstoben in einem Niederlagen-Regen. In Bergamo ein dummes Tor in letzter Minute nach einer Reihe von Fehlern, gegen die Bayern nur eine Halbzeit kampfkräftige Gegenwehr mit Schiedsrichter-Glück und ohne möglichen Rot für Schlotterbeck sowie eine 1:0-Führung (durch Schlotterbeck!), aber in Hälfte zwei war nichts mehr wie vorher. Die Bayern zwangen Dortmund zu einem hochklassigen Fuißball, nichts mehr mit Rumpelstil und die Münchner spekulierten richtig: Die Borussen werden müde werden. Joshua Kimmich urteilte nach seinem Siegtreffer: „Jetzt sollte mit der Meisterschaft nichts mehr schief gehen.“ Elf Punkte Vorsprung sind ein dickes Polster, Dortmund bewegt sich im luftleeren Raum auf Platz zwei (sechs Punkte Vorsprung auf den Dritten Hoffenheim). Nur zweimal hat der BVB in dieser BL-Saison verloren – beide Male gegen München. Besonderes Pech zudem für Kapitän Emre Can, der sich einen Kreuzbandriss zuzog und lange ausfallen wird.
Gut, dass es die europäischen Wettbewerbe gibt, da wird es an der Spitze nicht langweilig. Hinter dem Spitzenduo machen vier Teams die Plätze für Champions- und Europa-League unter sich aus, dahinter gibt es noch ein Gerangel um Platz 7, der noch in die Europa League führen könnte. Ganz spannend ist es dagegen am Ende der Tabelle. Im Keller gab es einen Aufstand, gefährdete Vereine beendeten ihre schwarze Serie. Gladbach war sieben Spiele ohne Sieg, nun 1:0 gegen Union Berlin und Sprung auf Rang zwölf. Aber Achtung, es sind nur drei Zähler Abstand zum Relegationsplatz. Dort steht aktuell Werder Bremen, der Absturz nach 13 sieglosen Spielen wurde mit einem 2:0 im Kellerduell gegen Heidenheim aufgehalten. Es war der erste Erfolg für den neuen Coach Daniel Thioune. Beim Schlusslicht geht nach elf sieglosen Spielen buchstäblich das Licht aus: Acht Punkte Rückstand zu Bremen, da sagte selbst Trainer-Urgestein Frank Schmidt: „“Wir müssen uns auf den Abstieg vorbereiten“. Das will der VfL Wolfsburg als Vorletzter noch nicht tun, doch in der VW-Stadt herrscht nach einer desaströsen Saison Verzweiflung. Es klappt nichts mehr, sieht sich selbst doch eigentlich als Mittelfeldteam. Auch der Trainerwechsel brachte nichts. Jetzt ist Dieter Hecking als neuer Retter im Gespräch. Alles ist noch möglich, die Rettung ist nur drei Punkte entfernt.
Wie Rettung geht, machte der FC Augsburg vor. Seit Manuel Baum am Ruder ist, gab es sogar einen Sieg bei den Bayern und mit dem 2:0 gegen den Mitkonkurrenten Köln wurde kräftig gefeiert, nur Jubiliäen: 500. Spiel und 150. Sieg in der Bundesliga, dazu eine Rekordserie von acht ungeschlagenen Spielen. Der Lohn ist Platz neun und der Anschluss nach oben, jetzt darf man sogar von Europa träumen. Allerdings haben es die nächsten Gegner in sich, es sind Leipzig, Dortmund und Stuttgart. Gegen die Mitkonkurrenten hat man sich den Weg nach oben geebnet. Was folgt? Geht man nach dem Vorjahr, müsste der Klassenerhalt geschafft sein. Der FCA hat 31 Punkte, Heidenheim hatte 2025 gerade mal 29 Zähler auf dem Relegationsplatz.
Jetzt die Bayern gegen Bergamo
Die Münchner sollten gewarnt sein, denn nun treffen sie auf Bergamo. Also kein deutschen Duell im Achtelfinale der Champions League, man sieht, was Dortmund entgangen ist. Gespielt wird am 10. März in Italien und am 18. März in München. Bayer Leverkusen setzte sich gegen Piräus durch und bekommt es jetzt mit Arsenal London zu tun (11. + 17. März), das die Ligaphase als Erster abschloss. Da müssen schon bessere Leistungen her als zuletzt in der Bundesliga. Aber auch den Bayern drohen auf dem möglichen Weg ins Finale hohe Hürden, quasi ein Stelldichein der Topclubs. Im Viertelfinale der Sieger aus Real Madrid – Manchester City, Paris St. Germain, Liverpool oder Chelsea könnten es in einem Halbfinale sein. Arsenal (oder Bayer) hat den vermeintlich leichteren Weg gegen, mit Ausnahme von Barcelona und Atletico Madrid, nicht so prominente Gegner. Die Ligaphase hat sich bewährt, die Spannung ist groß, auch durch den neu geschaffenen „Turnierbaum“ mit einer Setzliste wie im Tennis.
In der Europa League sind Freiburg und Stuttgart dabei, das Celtic Glasgow ausgeschaltet hat. Freiburg trifft zunächst auf Genk, Stuttgart hat mit dem FC Porto den prominenteren Gegner. In der Conference League muss sich Mainz 05 mit Sigma Ölmütz auseinandersetzen.
Frauen wollen nach Brasilien
Für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft geht es mit Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2027 nach langer Pause richtig los. Die Mädchen träumen von Brasilien und Jule Brand sagt zur Qualifikation, „wir wollen alle Spiele gewinnen“. Gruppengegner sind Slowenien, Norwegen und Österreich. Erstes Duell am Dienstag (17.45 Uhr/ARD) in Dresden gegen Slowenien, Norwegen folgt am Samstag (18 Uhr/ZDF) in Stavanger. Nur der Gruppenerste qualifiziert sich direkt für die WM. Favorit ist natürlich Deutschland, Norwegen dürfte der schwerste Gegner sein.
Doch leicht wird die Aufgabe für Bundestrainer Christian Wück und seine Schützlinge nicht, zumal er mit Ausfällen leben muss und auch sonst Probleme hat. Für den Lehrgang mussten im Vorfeld bereits Stürmerin Cerci und Abwehrspielerin Kleinherne wegen Verletzungen absagen, dafür holte Wück die Neulinge Larissa Mühlhaus (Bremen) und Jella Veit (Frankfurt). Zumindest gegen Slowenien fällt mit Klara Bühl die beste Stürmerin kurzfristig wegen muskulärer Probleme aus. Sie reiste nach München ab. Sorgen bereitet Wück zudem manche Spielerin im Ausland, denn vielfach bekommen sie nicht die gewünschte Einsatzzeit. Selbst Jule Brand stand in Lyon nur achtmal in der Startelf, Sjoeke Nüsken kommt bei Chelsea nicht richtig dran und Sydney Lohmann war bei Manchester City oft verletzt und wurde deshalb nicht nominiert. Mit dabei ist Torjägerin Lea Schüller, die bei Manchester United aber auch keine Stammspielerin ist (nur einen Treffer). So wird sie wohl auch im Nationalteam vorerst die Bank drücken. Diskussionen gab es, weil Wück wieder auf Vanessa Fudalla (Leverkusen) verzichtet, die beste deutsche Torjägerin in der Bundesliga. „Ich bin im Gespräch mit ihr, ihr fehlt noch etwas für das internationale Geschäft,“ betont der Bundestrainer. Wie auch immer, gegen Slowenien ist ein Sieg Pflicht. Weitere Terminfenster sind übrigens Mitte April und Anfang Juni.
Das könnte die Mannschaft sein: Berger – Gwinn, MInge, Knaak, Kett – Senß, Nüsken – Wamser, Brand, Endemann – Anyomi.
Noch ein Hinweis: Am Wochenende beginnt die neue Saison der Formel 1, einen Blog zu diesem Thema lesen Sie an dieser Stelle in den nächsten Tagen.