Ein Spieltag, den es so noch nie gab!
von knospepeter
Die Fußball-Bundesliga hat wieder einmal besondere Schlagzeilen gemacht. Was wir erlebt haben, war ein Spieltag, den es so noch nie gab! Allerdings werden die Fans dabei eher an das Spitzenspiel zwischen Leverkusen und den Bayern denken, über das noch lange diskutiert werden wird. Das Besondere am 26. Spieltag dieser Saison war jedoch etwas anderes: Erstmals seit Bestehen der Bundesliga 1963 gab es an einem Spieltag in keiner Begegnung mehr als zwei Tore! Was bedeutet das? Ist das Feld enger zusammengerückt? Hatten die Stürmer Ladehemmung? Spielen die Nerven an den entscheidenden Spieltagen der Saison nicht mit oder lag es einfach nur an den Torhütern oder dem Gebälk? Latte und Pfosten mussten einige Schüsse aushalten. Die Erklärung kann simpel ausfallen: Es war einfach Zufall.
Es scheint, der Zufall spielte auch im Spitzenspiel eine Rolle. Beim 1:1 zwischen Bayer und Bayern fielen weitere vier Tore, doch sie zählten alle nicht. Zweimal war ein angebliches Handspiel der Münchner der Grund, den Gastgebern wurde der vermeintliche Siegtreffer wegen eines minimalen Abseits aberkannt, dann hatte Bayern-Torhüter Sven Ulreich die Hand auf dem Ball. Wenigstens bei diesen Entscheidungen gab es keine Zweifel, es sei denn die unsäglichen Entscheidungen des VAR bei einer Abseitsentscheidung, weil die Fingerspitze hinter der Abseitslinie rausschaut. Hier muss dringend eine Änderung her, es kann doch nicht sein, dass es um Zentimeter Länge der Arme und Beine geht, wenn die Spieler auf gleicher Höhe stehen. Da gab es früher richtigerweise kein Abseits. So sollte es wieder sein.
Im Mittelpunkt des Spiels stand Schiedsrichter Christian Dingert. Wenn dies der Fall ist, dann stimmte was nicht. Bayern-Ikone Uli Hoeneß verstieg sich zu dem Urteil, er habe „die schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams in der Geschichte der Bundesliga gesehen“. Was natürlich übertrieben ist, aber die strittigen Entscheidungen häuften sich in einem unzumutbaren Ausmaß. Rot für Jackson war in Ordnung, schlecht aber, dass dies est der VAR monierte. Beim vermeintlichen Führungstor von Tah ging der Ball von der Hand ins Tor – richtig, kein Treffer. Aber als Harry Kane von Torhüter Blaswich angeschossen wurde, drehte er sich weg und der Arm lag am Körper, also nie und nimmer ein Handspiel. Einen Fehler sah Dingert selbst ein, als Diaz auf Blaswich zusteuerte und an diesem hängen blieb, war das kein Elfmeter, aber auch keine Schwalbe. Der Kolumbianer sah dennoch Gelb-Rot und die Bayern mussten erstmals nach 25 Jahren wieder zwei Platzverweise hinnehmen. Ein seltsames Chaos-Spiel, das VAR und Schiedsrichter ins schlechte Licht rückte.
Die Bayern scheinen derzeit überhaupt vom Pech verfolgt zu sein und das in der entscheidenden Phase der Saison. Torjäger Harry Kane fehlte einige Spiele, dazu sind jetzt alle Torhüter verletzt, der Muskelfaserriss geht um, darunter leiden Stammtorhüter Neuer und jetzt auch noch der ewige Ersatzmann Ulreich, der in Leverkusen aus dem Stand eine glänzende Leistung bot. Dazu erlitt Neuer-Vertreter Urbig in Bergamo eine Gehirnerschütterung. Wer ist im Rückspiel am Mittwoch fit? Im Moment ist es einzig der 16-jährige Jugendtorhüter Leonhard Prescott, in New York geboren, 1,96 m groß und Nationaltorhüter der deutschen U17. Wird er ins kalte Wasser geworfen?
Zur Champions League später mehr, in der Bundesliga geht es überhaupt kunterbunt zu, mit Wellenbewegungen an der Spitze und vor allem im Tabellenkeller. Wer da am Ende von der Welle in die Tiefe gerissen wird, muss absteigen. Zwei Teams trifft es, bei allen wechseln sich von Woche zu Woche Hoffnung und Zweifel ab. Hoffnung in Gladbach nach dem 2:0 gegen St. Pauli, Union Berlin hat sich mit dem 1:0 in Freiburg ins Mittelfeld geschoben, der HSV sieht sein 1:1 gegen Köln als Sieg an, ebenso Wolfsburg das 1:1 bei Hoffenheim – die Hoffnung lebt. Dagegen wieder Ernüchterung in Bremen nach dem 0:2 gegen Mainz. Zuletzt gab es zwei Siege und Jubel, jetzt wieder Zweifel. Das Bangen bleibt. An der Spitze war Stuttgart der große Gewinner, das 1:0 gegen Konkurrent Leipzig untermauerte die Ambitionen auf die Champions League. Am letzten Spieltag vor der Länderspielpause heißt das nächste Schlagerspiel an der Spitze Leipzig – Hoffenheim, im Keller stehen heiße Derbys zwischen Wolfsburg und Bremen sowie Köln und Gladbach an. In welche Richtung geht die Welle?
Pleite der Premiere League in der CL
Sie hat das meiste Geld, führt die UEFA-Rangliste an und gilt bei manchen Spielern als das Schlaraffenland schlechthin. Die Premier League gilt immer als Vorbild, doch was ist da jetzt los? Mit sechs Vereinen ist die Liga in der Champions League vertreten, doch in der ersten Runde im Achtelfinale gab es keinen einzige Sieg! Ganz im Gegenteil, es gab krachende Niederlagen wie das 0:3 von Manchester City bei Real Madrid, das 2:5 von Chelsea bei Paris St. Germain oder das 2:5 von Tottenham bei Atletico Madrid! Liverpool verlor bei Galatarasay mit 0:1, Newcastle und Arsenal retteten mit ihren 1:1 in Barcelona und Leverkusen wenigstens ein bisschen die Ehre. Den einzigen Sieg holte Aston Villa in der Europa League gegen Lille, aber auch Nottingham verlor bei Nobody Middtiylland 0:1. Gibt es das große Jammern nach den Spielen in dieser Woche von Dienstag bis Donnerstag oder gar die große Wende? Europas Bühne ist interessant.
Mit Lorbeeren konnten sich auch die Bundesligisten nicht schmücken. So geht der fünfte Platz für die CL verloren. Die Bayern waren wieder einmal die Ausnahme, fegten wie ein Sturmwind über Bergamo hinweg und haben ein 6:1-Ruhekissen. Einschlafen sollten sie aber nicht, die Stammtorhüter alle verletzt, Kimmich und Olise holten sich ihre zweite Gelbe Karte für eine Sperre ab. Achtung: Bergamo hat bei sieben Gastspielen in Deutschland nur zweimal verloren (jeweils in Dortmund). Leverkusen landete mit dem 1:1 gegen Arsenal einen Achtungserfolg, aber das Ausscheiden droht. In der Europa League gab es nur Niederlagen, Stuttgart (1:2 in Porto) und Freiburg (0:1 gegen Genk) stehen mit dem Rücken zur Wand. Mainz darf dagegen in der Conference League gegen Ölmutz nach dem 0:0 noch hoffen.
Der Donnerstag wird für Fans auch national interessant, denn Bundestrainer Julian Nagelsmann wird da sein Aufgebot für die einzigen Testspiele vor der WM nominieren. In einem langen Interview der Fachzeitung kicker hat er mit seinen Äußerungen für ein großes Echo gesorgt und unter anderem angekündigt, dass dieses Aufgebot schon große Ähnlichkeit mit dem WM-Kader haben wird. Einige überraschende Personalien hat er schon verraten, so auch, das Leon Goretzka, bei Bayern oft auf der Ersatzbank, zum Aufgebot gehören wird. Ganz genau weiß man es erst am Donnerstag. Gegner sind die Schweiz am Freitag, 27. März, und Ghana am Montag, 30.3.
Dortmund hat die Frauen entdeckt
Beim VfL Wolfsburg geht eine große Ära zu Ende. In dieser Woche haben sowohl der langjährige Trainer und Sportdirektor Ralf Kellermann als auch die Kapitänin und Spieler-Ikone Alexandra Popp ihren Abschied aus der VW-Stadt verkündet. Beide haben das gleiche Ziel im Sommer: Sie werden zu Borussia Dortmund wechseln, das den Frauen-Fußball entdeckt hat und an die Spitze führen will. Vorerst spielt der BVB noch in der Regionalliga, hofft aber auf den Aufstieg.
Alexandra Popp war in Wolfsburg überaus erfolgreich, die 145-fache Nationalspielerin gewann mit den Wölfinnen zweimal die Champions League und wurde siebenmal Deutscher Meister. Jetzt mit 34 Jahren wechselt sie zum Abschluss ihrer Karriere zu ihrem „Herzens-Klub“, wie sie sagt. Popp ist in Witten in der Nähe von Dortmund geboren und hat aus ihrem Faible zum BVB nie ein Geheimnis gemacht, lebt den Slogan „Echte Liebe“. Jetzt will sie helfen, Dortmund an die Spitze zu führen.
14 Vereine spielen derzeit in der Bundesliga und bei einigen werden jetzt die Alarmglocken schrillen, denn immer mehr Männer-Bundesligisten wollen auch bei den Frauen Spitze sein. Die Aufsteiger Nürnberg und Hamburger SV kämpfen aber gegen den Abstieg, den die kleineren Vereine aus Jena und Essen (einziger echter Frauen-Klub) vor Augen haben. An der Spitze wie gehabt die Bayern, nach dem 3:0 in Köln (4400 Zuschauer) mit 14 Punkten Vorsprung vor Wolfsburg, das mit Mühe 2:1 gegen Leverkusen gewann. Das 2:0 erzielte Alexandra Popp!
Im DFB-Pokal zeigten die Abstiegskandidaten aus Essen und Jena ihre Zähne. Essen siegte gegen Bremen 1:0, Jena zeigte dem Zweitligisten SC Sand beim 4:1 die Grenzen auf. Wolfsburg hatte beim 1:0 gegen Frankfurt einige Mühe, die Bayern beim 3:0 in Hamburg (12.000 Zuschauer) dagegen nicht. Im Halbfinale am 4./5. April gehen sich die großen Klubs aus dem Weg, es spielen Bayern – Essen und Jena – Wolfsburg. Es winkt ein großes Finale am 14. Mai in Köln!