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Kategorie: DFB-Pokal

Transfer-Poker ist eine Gefahr im Bundesliga-Finale

Die Fußball-Mannschaften in allen Ligen befinden sich mitten drin im Saison-Finale. Die Spannung steigt und eigentlich sollten sich alle auf den Sport konzentrieren, darauf, den Kampf um Meisterschaft, Auf- und Abstieg zu bestehen. Doch tun dies Vereinsverantwortliche, vor allem aber Trainer und Spieler wirklich? Besonders im Profi-Fußball spielt auch die neue Saison schon eine große Rolle. Der Sport, und sei die Situation auch noch so brisant, wird in den Hintergrund gedrängt, die Transfers, so hat der Beobachter das Gefühl, spielen die Hauptrolle. Der Transfer-Poker ist aber eine Gefahr für die Bundesliga! Wo haben die Spieler ihre Gedanken? Können sie wirklich die Verhandlungen ausblenden und sich auf die Gegenwart konzentrieren? Nicht immer hat man das Gefühl, dass die Spieler auf dem Feld hundertprozentig bei der Sache sind.

Die Medien lieben den Transfer-Poker, denn leichter sind Schlagzeilen nicht zu bekommen, man kann vor allem so herrlich spekulieren, während es sich die Klubs angewöhnt haben, eine Erfolgsmeldung erst nach getätigter Unterschrift zu verbreiten. Stars werden mit großem Brimborium vorgestellt, bei Spielern, die den Kader eher nur auffüllen sollen, reichen ein paar Zeilen. Aber egal, die Medien stürzen sich auf jedes Gerücht und so heißt es zum Beispiel marktschreierisch „Transfer-Schlacht um die Stars“. Im Transfer-Geschäft wiederum heißt es, den Spieler zu überzeugen bzw. die notwendigen Scheine eben auf den Tisch zu legen.

Auffallend in diesem Jahr ist, dass es nicht nur um die Spieler geht, sondern verstärkt auch um Trainer und Sportdirektoren. Die Fluktuation war in diesem Jahr auf diesen Posten so groß wie noch nie, einige Klubs (z. B. Gladbach und Hertha) kündigten schon frühzeitig an, dass die Trainer im Sommer gehen müssen. Gladbach, Wolfsburg, Hertha, Schalke, Stuttgart, Nürnberg und Hannover suchen Trainer für die neue Saison. Eine Schlacht also auch um die Trainer. Dazu werden Manager gesucht und vor allem neuerdings „Kaderplaner“. Ein alter Job mit neuem Namen, aber einfach „in“. Wenn die Kaderplanung nicht funktioniert, geht aber nicht zuerst der Kaderplaner, sondern immer noch der Trainer. Oft aber nicht mehr alleine…

Ein Drittel der Vereine, außer Leverkusen alle im Abstiegskampf, hat sich über einen Trainerwechsel Besserung erhofft. Der Glücklichste ist wohl der FC Augsburg, denn mit Martin Schmidt für Manuel Baum wurde quasi der Klassenerhalt eingekauft. Der Schweizer legte einen spektakulären Start hin mit Siegen in Frankfurt und gegen Stuttgart, das „Endspiel gegen den Abstieg“. Schmidt war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Vorgänger Baum hatte die Mannschaft in Schuss, aber er hat offensichtlich die Spieler mit Taktik überfrachtet, so dass sie nicht mehr befreit aufgespielt haben. Martin Schmidt hatte eine einfache Lösung, bringe Spaß in den Laden und er läuft – das 6:0 gegen den VfB war der Beweis.

Die Ereignisse rund um dieses Spiel hatten eine Besonderheit: Stuttgarts Coach Markus Weinzierl musste noch am gleichen Tag seinen Hut nehmen. Der neue Sportdirektor Thomas HItzlsperger (für Michael Reschke) wollte die Saison zwar mit Weinzierl durchziehen, aber jetzt zogen die Verantwortlichen die Notbremse. Jetzt war Weinzierl selbst der Betroffene beim FCA-Sieg, als der Straubinger noch FCA-Trainer war, wechselte der VfB schon dreimal den Trainer nach einer Niederlage gegen Augsburg! Wehe, wenn Stuttgart auf den FCA trifft! Junioren-Trainer Nico Willig soll es für den Rest der Saison richten, er arbeitete mit der U19 überaus erfolgreich. Kann er auch die Bremsen lösen?

Augsburg zog an Schalke (2:5 gegen Hoffenheim) vorbei und hat den Klassenerhalt fast sicher. Dahinter herrscht nur Tristesse. Allein Nürnberg scheint sich gegen den drohenden Abstieg zu wehren und macht trotz Niederlagen eine gute Figur. Gerettet haben sich endgültig Mainz (dort wurde groß gefeiert, weil der Klassenerhalt vier Spieltage vor Saisonende ein Erfolg ist) und die Hertha, doch bei den Berlinern war das 0:0 gegen Hannover fast schon wieder ein Offenbarungseid. Ob die Spieler mit ihren Gedanken bei neuen Vereinen sind?

An der Spitze nichts Neues, die Bayern und Dortmund gaben sich keine Blöße, die Münchner taten sich aber beim 1:0 gegen Bremen schwerer, vergaben viele Chancen und siegten durch einen abgefälschten Schuss von Niklas Süle. Die Borussia hatte das Glück des frühen Tores, danach lief es beim 4:0 gegen Freiburg fast allein. Derby-Aufgaben warten, Schalke muss allerdings schon über sich hinaus wachsen, um eine Chance zu haben, der Club in Nürnberg macht sich mehr Hoffnung gegen die Bayern. Schalke hat einen Anreiz: Ein Erfolg über die verhassten Dortmunder sorgt für Wiedergutmachung bei den Fans.

Der Pokal sorgt für Abwechslung

Das Duell Bayern – Werder geht ja weiter, jetzt am Mittwoch in Bremen im DFB-Pokal. Höhepunkt und Abwechslung von der Bundesliga zugleich. Zwei schlechte Nachrichten für die Münchner, die im letzten Jahr im Finale gegen Frankfurt und ihren jetzigen Trainer Niko Kovac unterlagen: Ausgerechnet Torschütze Niklas Süle ist gesperrt (dafür kann Mats Hummels wieder spielen) und die Bremer haben eine beeindruckende Heimbilanz – seit April 1988 sind sie im Pokal im Weserstadion ungeschlagen. Allerdings stand Werder zuletzt 2011 in einem Halbfinale, Bayern ist dort Stammgast. Aber das „Vorspiel“ in der Bundesliga machte deutlich, leicht wird es nicht für die Bayern. Immerhin: Trainer Kovac weiß, wie man ins Finale kommt. Notfalls mit ein wenig Spielglück…

Im zweiten Halbfinale sind die Rollen klar verteilt. Da der selbst in der zweiten Liga strauchelnde Hamburger SV, dort der RB Leipzig, der in der Bundesliga einen Lauf hat und die Champions League anpeilt. Leipzig wird zwar inzwischen als starker Verein akzeptiert, aber ein Teil der Ultra-Fans lässt nicht locker mit Schmähungen gegen Besitzer Red Bull und RB-Funktionäre. In Gladbach traf es Trainer-Manager Ralf Rangnick mit Sprüchen unter der Gürtellinie. Schade, dass bei einem Teil der Fans die Vernunft abhanden gekommen ist. Unbeeindruckt davon peilt Leipzig den größten Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte an. Für den HSV wäre der Aufstieg in die Bundesliga wichtiger. Allein die Pokalprämien helfen dem Altmeister aber ein wenig.

Übrigens: Die Bayern haderten mit dem Ausscheiden in der Champions League, dabei sind sie ja im Halbfinale vertreten. Allerdings „nur“ bei den Frauen, da verloren die Bayern-Mädchen jedoch das Heimspiel mit 0:1 gegen den FC Barcelona, machen sich aber für das Rückspiel am Sonntag (Spielbeginn 12.00 Uhr!) noch Hoffnung. Barcelona will die Frauen aber stärker unterstützen, als es wohl die Bayern tun, der Barca-Präsident verkündete bereits: „Der Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auf Europas Bühnen dominierten zuletzt die Franzosen von Olympique Lyon und Paris St. Germain, der VfL Wolfsburg war wohl der größte Gegner, aber auch Arsenal und Chelsea London rüsten auf und wollen in Europa mitmischen. Da müssen sich die Bayern strecken, wenn sie weiter vorne mitmischen wollen.

De nachfolgende Kommentar widmet sich der Champions League der Männer: Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa.

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Das Spiel der Spiele – aber kein Finale!

Endlich! Die Fans der Fußball-Bundesliga warten auf das Match, endlich wieder einmal ein spannender Titelkampf und nicht nur Brisanz bei den Duellen gegen den Abstieg. Endlich, das Spiel der Spiele, aber wenn sich am Samstag die alten Rivalen Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen, dann ist dies kein Finale. Einem echten Finale um die Deutsche Meisterschaft trauern Nostalgiker bekanntlich hinterher.

Ein kleines Finale ist es allerdings schon, jedoch anders, als es sich die Bayern gewünscht hatten. Ihr Plan war, mit einem Sieg über Dortmund für Klarheit an der Tabellenspitze zu sorgen. Jetzt befinden sich die Münchner plötzlich wieder in der Verfolgerrolle nachdem sie neun Punkten Rückstand aufgeholt hatten, dagegen könnte die Borussia mit einem Erfolg in der Allianz Arena für eine Vorentscheidung sorgen.

Es gab einen „Ball verkehrt“ im Vorfeld des deutschen „Clasico“. Die Bayern patzten mit dem 1:1 in Freiburg, während Dortmund wie oft in der Vorrunde beim 2:0 gegen Wolfsburg das Glück der späten Tore feierte. Sensationell: Wäre in allen Spiele nach 90 Minuten wirklich der Schlusspfiff ertönt, dann wären die Bayern Erster mit 63 Punkten vor Dortmund mit 59! Borussias Torbilanz in der Nachspielzeit lautet 9:1, die der Bayern 1:1! Dortmunds Dusel ist zurück, belegt durch Alcacers Glücksschuss quasi durch die Wolfsburger Mauer. Da war auch alles lamentieren, das die Mauer zu weit weg stand, Quatsch, denn der Ball ging ja nicht über die Mauer. So holte sich Dortmund das Selbstvertrauen für das Spiel der Spiele, die Bayern hadern.

Auffallend: Dortmund erinnerte an die Vorrunde, ebenso die Bayern. Mit dem 1:1 gegen Freiburg am 10. Spieltag Anfang November begann die Bayern-Krise mit drei Spielen ohne Sieg (danach 2:3 in Dortmund, 3:3 gegen Düsseldorf). Jetzt wird wieder geklagt über mangelnde Einstellung, schlechte Aufstellung und fehlende Konzentration beim Tor-Abschluss. Es gibt nur etwas Positives dabei: Einen besseren Muntermacher gibt es nicht. Oder wiederholt sich in einem Spitzenspiel das Dilemma gegen Liverpool mit dem Aus in der Champions League? Folgt das Aus in der Meisterschaft? Stabil sind die Bayern nicht.

Das stabilste Team, ja die „Mannschaft der Stunde“ ist derzeit Eintracht Frankfurt. Die Hessen bieten Glanz und Tore, zeigen Selbstbewusstsein auch international und sind 2019 noch ungeschlagen. In der Rückrunden-Tabelle liegen sie mit 22 Punkten hinter den Bayern (25) auf Rang zwei vor Dortmund und Leipzig (ja 21). Dagegen schwächeln Gladbach, Wolfsburg und Leverkusen, so dass der Sprung auf Rang vier und damit auf einen Platz in der Champions League fast logisch war. „Das ist ein Märchen“, fasste es der Österreicher Martin Hinteregger in Worte, nämlich auch für ihn, vom Abstiegskandidaten FC Augsburg auf die internationale Bühne.

Sein alter Verein steckt wieder mitten drin im Abstiegsdilemma. Die Blamage war komplett, ausgerechnet beim 1. FC Nürnberg, der 20 Spiele ohne Sieg geblieben war, ergab sich die Mannschaft wehrlos, anstatt mit großem Kampf endgültig die Weichen für den Klassenerhalt zu stellen. Drei Spiele ohne Niederlage, das 2:1 gegen Dortmund, 0:0 in Leipzig und 3:1 gegen Hannover wurde für die Mannschaft wohl zum sanften Ruhekissen. Jetzt brennt wieder der Baum. Nicht dagegen auf Schalke, Huub Stevens’ Motto „die Null muss stehen“ passte wieder und mit einem Glücksschuss von Serdar („Ich habe gar nicht auf das Tor geschaut“) auch das Ergebnis. Sechs Punkte Abstand zum Relegationsrang (Stuttgart) sorgen für etwas Ruhe im Revier. Aber jetzt kommt Frankfurt, doch die Verfolger nehmen sich die Punkte gegenseitig weg, im Duell Stuttgart – Nürnberg geht es wieder um eine Weichenstellung bzw. für die Franken um die letzte Chance.

Kein Schlagerspiel im Pokal

Ablenkung vom Bundesliga-Alltag gibt es in dieser Woche durch den DFB-Pokal, wobei die Frage ist, wie wichtig dieser Zusatzwettbewerb für die einzelnen Vereine ist. Ein echtes Schlagerspiel gibt es im Viertelfinale nicht, zumal ja so erfolgreiche Klubs wie Dortmund, Leipzig und Frankfurt frühzeitig die Segel streichen mussten. Mit Augsburg und Schalke sind sogar zwei Kandidaten aus dem Abstiegskampf dabei. Der FCA muss gegen Leipzig wieder ein anderes Gesicht zeigen, während Schalke gegen Bremen die etwas größeren Chancen eingeräumt werden können. Für beide Mannschaften bleibt die bange Frage: Als Absteiger ins Pokal-Finale einziehen? Die Bayern müssen sich die Chance auf wenigsten einen Titel erhalten, können gegen den Zweitligisten Heidenheim vielleicht das Tore schießen üben, vielleicht müssen sie aber zu einem Rezept greifen, eine Betonabwehr zu überwinden. Gar ein Zweitliga-Duell gibt es mit Paderborn gegen Hamburg, da der aufstrebende Zweitliga-Neuling, dort der unkonstante Dino, der vor allem ein Ziel hat, zurück in die Bundesliga. Vielleicht am Ende im Pokal-Finale, aber nicht in der Bundesliga – das wäre für den HSV fast schon ein Horrorszenario! Übrigens: Leipzig, Paderborn und Heidenheim erreichten noch nie das Halbfinale im DFB-Pokal.

Die Polizei will Geld

Ein Horrorszenario erlebte die Bundesliga in der vergangenen Woche auch vor Gericht. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat eine Beteiligung der Ausrichter von gewinnorientierten Veranstaltungen an den Polizeikosten grundsätzlich für rechtskonform erklärt. Damit müssen die Bundesligisten für Mehrkosten bei einem größeren Polizei-Einsatz bei sogenannten Risikospielen aufkommen. Das Land Bremen hatte der DFL eine entsprechende Gebührenrechnung geschickt, die DFL dagegen prozessiert. Im Hintergrund stand die Frage, ob es überhaupt darstellbar ist, dass der Steuerzahler für Kosten der reichen Vereine aufkommen soll. Da passte es wie die Faust aufs Auge, dass just im Vorfeld Bayern München den Rekordtransfer für 80 Millionen Euro für Frankreichs Weltmeister Lucas Hernandez über die Bühne brachte. Und dann sollen hochgerechnet 20 Millionen Euro für Polizei-Einsätze nicht bezahlbar sein? Da geht es um Vernunft und den Ruf der Liga.

„Wir haben uns das anders vorgestellt“, gestand DFL-Präsident Reinhard Rauball zerknirscht, aber Richter Dr. Wolfgang Bier, hatte wohl auch die Klagen der Landesrechnungshöfe im Hinterkopf, die schon lange eine Beteiligung der Vereine verlangen. Allein aus moralischen Gründen sollte die DFL einem Kompromiss der Länder zustimmen, dass ein Fond gebildet wird, aus dem die Polizei-Einsätze bezahlt werden. Die Rede ist eben von 20 Millionen Euro, gerade mal ein Klacks bei einem Jahresumsatz der 36 DFL-Vereine von 4,4 Milliarden Euro (die 3. und 4. Liga sind außen vor). Dieser Fond würde auch eine Ungleichbehandlung der Vereine verhindern, wenn einige Länder auf eine Rechnungsstellung an die Klubs verzichten würden, wie es Bayern schon angekündigt hat.

Eine Frage wurde allerdings nicht beantwortet: Wer sorgt denn eigentlich dafür, dass sich Chaoten nicht den Fußball als Bühne für Ausschreitungen aussuchen? Wer ist denn für die fehlende gute Erziehung verantwortlich? Vordringlich müssen Schadens- und Kostenverursacher vor allem zur Kasse gebeten werden. Dann würde Ruhe herrschen!