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Kategorie: Frauen-Fußball

Begeisterung für die Frauen-WM – Die Klasse fehlt

Die Fußball-Frauen stehen derzeit im Mittelpunkt. Wir dürfen annehmen, dass dies mit ihrer Weltmeisterschaft in Frankreich weltweit der Fall ist. Im Gastgeberland ist die Stimmung zumindest in den Stadien beeindruckend und so wird die WM ein Highlight. Aber auch Deutschland fiebert mit den Frauen mit, das beweisen die Einschaltquoten im Fernsehen. Natürlich sind sie nicht so hoch wie bei den Männern, wo WM-Spiele beinahe eine nationale Angelegenheit sind, aber das DFB-Frauenteam darf Begeisterung für sich verbuchen. 6,15 Millionen sahen an den Bildschirmen am vergangenen Mittwoch um 18.00 Uhr das 1:0 gegen Spanien, das war der Zuschauerrekord für den Tag, mehr also als alle Sendungen zur sogenannten Prime time nach 20.00 Uhr. Ein besonderer Sieg auch am Montag neben dem 4:0 über Südafrika, denn 5,99 Millionen sahen zu. Bei einem Marktanteil von 32,4 Prozent heißt das, dass jeder Dritte, der um diese Zeit ferngesehen hat, sich für Fußball interessierte. Damit schlugen die Frauen auch die U21 der Männer, die am Abend ab 21.00 Uhr sportlich ebenfalls mit dem 3:1 über Dänemark beeindruckte, aber da interessierte sich nur jeder Fünfte dafür, die 4,92 Millionen Zuschauer bedeuteten einen Marktanteil von 20 %.

Die Stimmung bei den Zuschauern ist also gut, auch die Stimmung in der Mannschaft, die sich gegen China, Spanien und Südafrika mit 6:0 Toren frühzeitig und eben ohne Gegentreffer für das Achtelfinale qualifiziert hatte. Eine Steigerung von Spiel zu Spiel ist erkennbar, doch bei der „Tour de France“, wie Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die Rundreise durch Frankreich bezeichnet hat, kommen die schweren Bergetappen erst noch. In die Berge geht es schon im Achtelfinale am Samstag, nämlich nach Grenoble. Der Gegner sollte kein (Berg)Riese sein, ist es doch ein Drittplatziertes Team der Vorrunde.

Sportlich ließen die Gruppenspiele zu wünschen übrig, wirklich gute Spiele lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Wie immer, so hat auch bei der Frauen-WM die Aufstockung auf 24 Nationen das Niveau eher gedrückt. Die schwächeren Nationen suchen ihr Heil, um ein ehrenvolles Resultat oder vielleicht sogar ein Pünktchen zu ergattern, in Mauertaktik und Härte. Ihre spielerischen Mittel sind meist begrenzt. Wie bei den Männern auch ist es so, dass es erst ab dem Viertelfinale richtig interessant wird. Mit ihrem Gruppensieg haben die deutschen Mädchen zumindest die Weichen dafür gestellt, dass nach der Papierform die großen Favoriten USA und Frankreich erst im eventuellen Finale der Gegner sein werden. Bisher hat allerdings nur die USA überzeugt, Frankreich hangelte sich mit knappen Resultaten (2:1 gegen Norwegen, 1:0 gegen Nigeria, dazu 4:0 gegen Südkorea) ins Achtelfinale. Die Klasse fehlt also noch, die Mannschaften wollen ihr Können wohl erst in den entscheidenden Spielen zeigen. Das müssen die USA und die Gastgeberinnen bald, denn sie könnten im Viertelfinale aufeinandertreffen. Das wäre dann ein vorgezogenes Endspiel.

Guter Start der U21

Die Deutsche Nationalmannschaft der U21 startete bei der Europameisterschaft in Italien und San Marino also im Schatten der Frauen. Mit Erfolgen könnte das Team von Bundestrainer Stefan Kuntz aber bald aus dem Schatten treten. Der Auftakt war schon mal vielsprechend, denn spielerisch klappte einiges und der Augsburger Marco Richter zeigte einen bemerkenswerten Torriecher und stellte mit zwei Treffern und einer Vorlage die Weichen zum 3:1-Erfolg über Dänemark. EM-Neuling Österreich sorgte davor in dieser Gruppe für eine Sensation mit einem 2:0 gegen die favorisierten Serben. Jetzt fragt man sich im deutschen Lager, wer denn der große Gegner auf dem Weg ins Halbfinale sein kann. Serbien mit Frankfurts Torjäger Jovic wurde am meisten gefürchtet. Vielleicht sind sie jetzt doppelt gefährlich, weil angeschlagen. Sie kämpfen am Donnerstag um ihre letzte Chance. Wie bereits geschrieben, haben die Frauen und die U21 das gleiche Ziel, nämlich das Halbfinale, dass das Ticket für Olympia 2020 in Tokio bedeutet.

Mats Hummels sorgt für das Hammer-Gerücht

Abseits vom Geschehen auf dem Rasen bleibt der Fußball vor allem durch Spielertransfers im Gespräch. Dabei sind für die Öffentlichkeit die Gerüchte interessanter als die Vollzugsmeldungen, die am Ende der Spekulationen stehen. Das Hammer-Gerücht rankt sich jetzt um Ex-Nationalspieler Mats Hummels. Er soll angeblich vor der Rückkehr nach Dortmund stehen. Vor drei Jahren war er vor Trainer Thomas Tuchel geflohen mit einer Rückkehr in die alte Heimat nach München, wo seine Karriere begann. Von 2008 bis 2016 spielte er dann in Dortmund, wurde Deutscher Meister (2011, 2012) und DFB-Pokalsieger (2012) mit den Borussen, verlor aber das Finale der Champions League gegen die Bayern. Jetzt ist wieder eine Flucht vor dem Trainer bzw. der Konkurrenz möglich. Hummels befürchtet wohl, hinter der Nummer 1 der Bayern-Innenverteidiger, Niklas Süle, und den Neuzugängen Hernandez und Pavard zum Bankdrücker zu werden.

Der Wechsel könnte für den Spieler also Sinn machen, die Frage ist, welcher Verein davon mehr profitiert. Erst die neue Saison kann die Antwort geben. Hummels wurde bekanntlich von Bundestrainer Joachim Löw ausgebootet, das stachelte aber offensichtlich seinen Ehrgeiz an und er zeigte in der Bundesliga-Rückrunde überzeugende Leistungen. Das Fachblatt kicker stufte ihn in seiner halbjährlichen Rangliste prompt als besten Innenverteidiger der Liga ein. Dortmund könnte also damit den gesuchten routinierten Abwehrspieler für die jungen Nebenleute verpflichten und ein stärkerer Konkurrent für die Bayern werden. Die allerdings können auch profitieren, dann nämlich, wenn die Neuzugänge einschlagen, aber nur dann. Denn dann hätte man durch den Abgang von Hummels auch mehr Ruhe in der Mannschaft gewonnen.

In punkto Verstärkungen für die neue Saison macht derzeit Borussia Dortmund den Wirbel. Mit Nico Schulz (Hoffenheim), Julian Brandt (Leverkusen) und Thorgan Hazard (Gladbach) wurde schon mächtig aufgefrischt. Die Bayern gaben das Geld für einen Spieler aus, nämlich Hernandez. Im Gespräch sind noch die Flügelflitzer Leroy Sane (Manchester City) und Timo Werner (RB Leipzig) und dazu der Mittelfeldabräumer Rodrigo von Atletico Madrid. Stars, die viel Geld kosten und einen Umbruch bewältigen sollen, der der Mannschaft mehr Frische und Schnelligkeit verleiht. Aber noch liegen die großen Aufgaben vor den Bayern. Dortmund hat bereits Tatsachen geschaffen, die Bayern befinden sich noch im Gerüchte-Status. Fortsetzung folgt.

Das Motto beim DFB heißt Jugend forsch

„Jugend forscht“ heißt ein Wettbewerb in Deutschland, der bei den jungen Leuten den Erfindergeist wecken soll und sie zu außergewöhnlichen Ideen führen soll. Der deutsche Fußball hat auch die Jugend entdeckt, beim DFB heißt es in Anlehnung daran „Jugend forsch“. Das fällt nämlich bei den Nationalmannschaften auf: Jogi Löw hat bei den Männern endlich den Neuaufbau eingeleitet und ähnlich verfuhr bei den Frauen die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Das Ergebnis kann sich bisher sehen lassen. Zu diesem Motto gehört aber auch die U21 der Männer, die vor der Europameisterschaft steht. Jugend forsch stimmt deshalb, weil eine erfolgreiche Titelverteidigung anvisiert wird.

Bundestrainer Joachim Löw war bei der Nationalmannschaft zwar nicht dabei, aber der Heilungsprozess seiner Verletzungen nach einem Sportunfall wurde angesichts der Ergebnisse und Leistungen seiner Schützlinge sicherlich beschleunigt. 2:0 in Weißrussland und 8:0 gegen Estland waren mehr als nur Pflichterfüllung. Erfreulich vor allem, dass die junge Mannschaft mit Elan, spielerischer Leichtigkeit und Freude beeindruckte. Es wurde deutlich, dass nach der Ära von Lahm, Schweinsteiger und Co. mit dem WM-Titel 2014 als Höhepunkt jetzt eine neue Zeitrechnung begonnen hat, die verheißungsvoll aussieht. Ob es erneut zu Titelgewinnen reicht, muss sich erst zeigen. Die Europameisterschaft 2020 könnte zu früh kommen.

Vor allem die flexible Angriffsreihe macht Freude, aber da heißt es Vorsicht: Leroy Sane, Serge Gnabry und Marco Reus sind alle verletzungsanfällig. Wie sie aber mit Spielfreude, technischem Können und Tordrang die gegnerischen Abwehrreihen unter Druck setzen macht beim Zuschauen Spaß. Sie sind die Gewinner des Neuaufbaus, aber sie sind nicht allein. So hat sich Joshua Kimmich als Chef im Mittelfeld etabliert (obwohl er bei Bayern München als Rechtsverteidiger auch nicht wegzudenken ist), Ilkay Gündogan hat Werburg für sich betrieben und könnte einen Toni Kroos verdrängen, der ein Spiel eher aufhält. Auch Leon Goretzka hat gezeigt, dass er ein Gewinn für das Team sein kann, ebenso Julian Draxler. Und dahinter drängen Kai Havertz, Julian Brandt und Timo Werner auf einen Einsatz. Die Offensive ist fast ein Schlaraffenland für Jogi Löw, anders sieht es bei der Defensive aus, die wird im September getestet.

In der EM-Qualifikation hatte bisher nur das 3:2 in den Niederlanden besonderen Wert, die Siege über Weißrussland und Estland waren Pflichtaufgaben. Die Weichen werden am 6. September beim Rückspiel gegen die Niederlande und am 9. September in Nordirland gestellt. Nordirland entledigte sich seiner Pflichtaufgaben bisher ohne Punktverlust, wenn auch mit Glück und Können mit Toren oft in den letzten Minuten. Das ist auch eine Qualität. Der Härtetest folgt also erst, mit einer Begeisterung wie jetzt im Juni sollte es aber auch im September zu Beginn der neuen Saison klappen.

Olympia 2020 in Tokio lockt

Die U21 und die Frauen-Nationalmannschaft haben eines gemeinsam: Bei ihren Turnieren geht es nicht nur um den Titelgewinn, sondern vor allem auch um die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio. Das Halbfinale muss jeweils dafür erreicht werden.

Die U21 tritt bei der Europameisterschaft in Italien und San Marino vom 16. bis 30. Juni als Titelverteidiger an. 2017 besiegte das Team von Bundestrainer Stefan Kuntz Favorit Spanien mit 1:0. Es war der zweite Titelgewinn nach 2009. Damals hatte Coach Horst Hrubesch eine erfolgreiche Generation, denn die Neuer, Hummels, Boateng, Khedira, Özil und Höwedes wurden später 2014 Weltmeister. Von den 17ern wurde bisher nur Gnabry Stammspieler bei Jogi Löw, Niklas Stark und Thilo Kehrer befinden sich im weiteren Kreis.

Und 2019? Auffallend, dass Jogi Löw bei seinem Motto „Jugend forsch“ der U21 die Stars geklaut hat: Leroy Sane, Julian Brandt, Kai Havertz, Thilo Kehrer und Timo Werner könnten nämlich Stefan Kuntz helfen, leichter an den Pokal zu kommen. Das A-Team geht halt vor. Immerhin wurden Lukas Klostermann und Jonathan Tah vom A-Team wieder zur U21 beordert, weil sie dort schon in der Qualifikation Führungsfiguren waren. Und wer könnte künftig noch bei Jogi Löw auftauchen? Torhüter Alexander Nübel (Schalke) vielleicht, Maximilian Eggestein (Bremen) spielte schon mal vor, ebenso wie Benjamin Henrichs (Monaco) und auch Mahmoud Dahoud (Dortmund) macht sich Hoffnungen.

Gruppengegner sind Dänemark (17.6.), Serbien (20.6.) und Österreich (23.6., jeweils 21.00 Uhr). Insgesamt sind 12 Nationen am Start, aufgeteilt in drei Gruppen, nur die Gruppensieger und der beste Gruppenzweite kommen ins Halbfinale. Bei den Gegnern trifft Deutschland auf bekannte Gesichter, wie Brunn Larsen (Dortmund) bei Dänemark und Luka Jovic (Frankfurt, bald Real Madrid) bei Serbien. Österreich ist überhaupt erstmals dabei und hat sechs Bundesligaspieler nominiert. Die Gegner sind nicht zu unterschätzen, aber als Favoriten gelten eher Spanien (das seinen 5. EM-Sieg will), England und Frankreich.

Die Frauen haben ihre Weltmeisterschaft begonnen, das 1:0 gegen China wurde mit Hängen und Würgen erzielt, allerdings stoppte die kanadische Schiedsrichterin nicht die Härte der Chinesinnen, die ihnen von ihrem Trainer mit deutlichen Gesten verordnet wurde. Das war Treten und kein Fußball. Leidtragende vor allem Spielmacherin Dzsenifer Marozsan, die mit einem Zehenbruch vorerst ausfällt.

Mit Elan soll es dennoch in die nächste Runde gehen, Jugend forsch gilt auch bei den Frauen, Deutschland stellt mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren und 10 Monaten das fünftjüngste Team. Das älteste Team hat die USA, nämlich 29 Jahre genau. So alt ist auch ihre Torjägerin Alex Morgan, die beim 13:0 gegen Thailand den Rekord von fünf Toren in einem Spiel einstellte. Alter schützt also vor Leistung nicht, das 13:0 bedeutet ebenso Rekord, wie die Tatsache, dass die USA sieben verschiedene Torschützinnen hatte. Ansonsten waren die ersten Spiele eher von biederer Qualität, die schwächeren Teams stemmten sich mit Härte und Abwehrarbeit gegen Niederlagen. Es kann nur besser werden. Eine erste Bilanz ist nach der Gruppenphase fällig.

Die Nations League der Männer hat ihren ersten Sieger und Cristiano Ronaldo ist glücklich. Beim 1:0 gegen die Niederlande erzielte er ausnahmsweise nicht das goldene Tor, er freute sich dennoch über einen ersten Pokal, den er auf heimatlichen Boden in Portugal erringen konnte (bei der Europameisterschaft war ihm das nicht vergönnt). So hat die Nations League zumindest einen glücklich gemacht, allerdings hat der Wettbewerb durchaus seine Daseinsberechtigung gezeigt, ist aber auch noch nicht zu Ende. 2020 werden noch Fahrkarten für die EM 2020 ausgespielt.

WM als Turbo: Frauen kämpfen um mehr Anerkennung

Frankreich ist ab Freitag Gastgeber der 8. Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Die Premiere fand 1991 in China statt, die USA wurde erster Weltmeister, die Frage heute lautet, ist das Turnier eine Erfolgsgeschichte oder nicht? Die Antwort ist nicht einfach, natürlich haben sich die Frauen im Fußball etabliert, aber eine Hauptrolle spielen sie nicht. Gerade vor der WM in Frankreich ist das Aufbegehren deshalb besonders groß, die Frauen ringen um Anerkennung und hoffen auf diese WM als Turbo für mehr Aufmerksamkeit.

Das gilt nicht allein für Deutschland, sondern international. Kleine Beispiele gefällig. Die US-Spielerinnen vom Titelverteidiger kritisieren den Weltverband, weil die Endrunde mit der Copa Amerika in Brasilien und dem Gold Cup der Männer kollidiert. Die Australierinnen dachten über einen Boykott nach, weil sie sich bei den Prämien benachteiligt sehen. Dabei wird auch die FIFA wieder kritisiert, denn ganze 30 Millionen Dollar sind das ausgelobte Preisgeld für 24 Nationen, bei der WM 2018 der Männer in Russland gab es 400 Millionen für 32 Teams. Noch Fragen? Die beste Fußballerin der Welt, Ada Hegerberg, verzichtet auf die WM, weil sie in ihrer Heimat Norwegen die Verbandsstrukturen für den Frauen-Fußball zu unprofessionell findet.

Für die deutschen Mädchen hat eine PR-Agentur einen besonderen Werbespot für die Commerzbank inszeniert, der in der Öffentlichkeit einschlug und manche Aussage auf die Schippe nahm. In Umkehrung des legendären Spruchs von Nationaltorhüter Oliver Kahn über mehr Mut im Spiel („Wir brauchen Eier“) heißt es da bei den Mädchen „wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze“ und dann folgt die Klage: „Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt.“

Vielleicht kennen am Ende des Turniers in Frankreich alle in Deutschland die Namen der Spielerinnen, doch dafür müssen sie wohl auch Weltmeister werden. Deutschland holte bisher zweimal den Titel, 2003 in den USA mit Tina Theune als Trainerin und bei der erfolgreichen Titelverteidigung 2007 in China (ohne Gegentor!) unter Silvia Neid, die Deutschland 2016 zudem zum Olympiasieg in Brasilien führte. Erfolge sind also da, zumal das DFB-Team mit acht Titeln auch in Europa dominierte. Genügend Gold also, um in der Öffentlichkeit bekannt zu werden. Doch der Hype um das Team war nie von Dauer, mit dem Alltag der Bundesliga verschwanden die Mädchen wieder aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Trauriger Beweis: Gerade mal 833 zahlende Zuschauer im Schnitt kommen zu den Spielen der Bundesliga (lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar vom 3. Mai „Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht“).

Wird mit Frankreich alles besser? Alle hoffen auf eine stimmungsvolle WM und vor allem auf viel Spannung. Der Kreis der Favoriten war noch nie so groß. Bisher gewannen nur vier Nationen den Titel, neben zweimal Deutschland noch dreimal die USA (1991, 1999, 2015), Norwegen 1995 und Japan 2011 sensationell in Deutschland, als der Gastgeber im Viertelfinale geschlagen wurde. Diese Nationen gehören alle wieder zum Favoritenkreis, dazu aber ebenso Gastgeber Frankreich, Europameister Niederlande, England, Schweden und Australien. Diesbezüglich darf man schon sagen, dass sich viel getan hat.

Bei Deutschland steht die Bewährungsprobe für die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg an, die gewissermaßen die unglückliche Steffi Jones als Nachfolgerin von Silvia Neid beerbt hat, mit Helfer Horst Hrubesch als Zwischenlösung, der die Mannschaft wieder in die richtige Spur geführt hat. Martina Voss-Tecklenburg hat den Umbruch beschleunigt und eine junge Mannschaft nominiert, die wenig Turniererfahrung hat. Begeisterung, Elan und Schnelligkeit sollen das Manko ausgleichen. Gruppengegner sind China, Spanien und Südafrika, der Gruppensieg sollte sein, um den USA aus dem Wege zu gehen. Ziel ist das Halbfinale, denn das würde auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio bedeuten. Das Ticket in Europa bekommen nur die besten drei Teams, was bei der Konkurrenz (siehe oben) schwer genug ist. Andererseits gibt es einige Führungsspielerinnen im Team, die für Halt sorgen sollten, angefangen von Torhüterin Almuth Schult, über Kapitänin Alexandra Popp, Mittelfeld-As Dzsenifer Marozsan (Champions-League-Siegrin mit Lyon) und dem Münchner Mittelfeld-Duo Melanie Leupolz und Sarah Däbritz (künftig Paris).

Jogi Löw stiehlt die Show

Aufmerksamkeit im Fernsehen gibt es für die Mädchen genug, ARD und ZDF übertragen alle Spiele, wenn auch zum Teil nur im Streaming im Internet. Aber bei den deutschen Spielen können die deutschen Fans immer dabei sein, rund vier Millionen sind es ja schon bei „normalen“ Länderspielen. Und dennoch wird auch in Deutschland den Fußball-Frauen wieder die Show gestohlen, denn auch Bundestrainer Joachim Löw ist mit seiner Mannschaft präsent. Die DFB-Männer bestreiten zwei Spiele in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020. Am Samstag sind sie in Weißrussland und am Dienstag erwarten sie in Mainz Estland als Gegner. Siege sollten da eine Selbstverständlichkeit sein. Auch wenn der Bundestrainer selbst im Krankenstand nur TV-Zuschauer ist, die Schlagzeilen werden Manuel Neuer und Co. gehören, wobei es ja zumindest eine Gemeinsamkeit gibt, beide Teams wollen die Verjüngung bewältigen. Aber schon im Vorfeld war der Zuspruch für die Männer groß, die sich dem neuen Motto „Nähe zu den Fans“ verschrieben haben und sich bei einem Trainingsspiel in Aachen als Stars zum Anfassen präsentierten. Die Nähe zu den Fans, die muss man die Mädchen nicht diktieren, sie haben die Nähe zu den Fans noch nicht verloren und wollen noch mehr Nähe, sprich eben Anerkennung, gewinnen.

Beifall für einen Selbstdarsteller

Den Fußball-Frauen die Show gestohlen hat auch die FIFA selbst, denn die hielt ihren Verbandskongress ab, um Präsident Gianni Infantino per Huldigung die Amtszeit für weitere vier Jahre zu verlängern. Es war nur Zufall, dass auch US-Präsident Donald Trump gerade „nebenan“ in England weilte, aber die Gemeinsamkeiten der beiden größten Witzfiguren, die sich selbst in ihrem Metier für die Größten halten, aber meist nur Unsinn verzapfen, ist unübersehbar, aber die Welt als Ganzes und die Fußball-Welt im Kleinen leiden unter ihnen. Beide halten sich für unfehlbar, beide machen Kritiker mundtot und Meldungen gegen sie sind dann ganz einfach „Fake News“. Trump lieferte in London einen skurrilen Beweis, als er auf die Proteste gegen ihn angesprochen wurde: „Ich werde überall geliebt, ich habe keine Proteste gesehen, das sind nur Fake News“. Hat er halt nicht aus dem Fenster geschaut.

Ähnlich trumpfte Infantino auf, als er behauptete, „die neue FIFA steht für Offenheit, Einigkeit und Führungsqualitäten“. Das hat mit der Realität aber auch rein gar nichts zu tun, Kenner sagen, es wurde seit dem Sturz von Joseph Blatter alles nur schlimmer, aber Infantino hat es sogar geschafft, die Schweizer Bundesanwaltschaft auszutricksen. In perfider Art und Weise hat er alle Kritiker kaltgestellt und lässt sich feiern, weil die großen Nationen, die auch nur eine Stimme haben, gegen die vielen kleinen Länder auf verlorenem Posten stehen. Und so heißt es zum Beispiel aus Nigeria „wir lieben Infantino“, weil die Gelder fließen und laut Süddeutscher Zeitung dürfen sich Afrikas Verbandschefs 20 Prozent der Fördergelder ganz offiziell in die eigene Tasche stecken. Das ist das System Infantino, der Regeln bricht, weil er seine eigenen Regeln aufstellt. Statuten interessieren ihn genauso wenig, wie die Tatsache, dass die FIFA immer mehr an Ansehen verliert. Infantino bastelt sich seine eigene Welt wie eben Donald Trump auch.

Und Vorsicht Europa! Infantino kritisierte laut kicker Europas Monopol. „Das große Geld konzentriert sich in zehn Klubs in fünf Ländern in Europa. Und nur zehn Nationalteams können Weltmeister werden, fast alle kommen aus Europa“ Er wolle, dass 50 Klubs und 50 Nationalteams aus aller Welt siegen können. Befall aus Afrika und Asien sicherlich für Infantino den Träumer.

Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht

Seit Jahrzehnten haben sich die Frauen im Fußball etabliert, seit Jahren ist die Nationalmannschaft international erfolgreich und kam mit vielen Titeln nach Hause, aber den endgültigen Durchbruch in punkto Anerkennung in der Öffentlichkeit hat der Frauen-Fußball bis heute nicht geschafft. Wenn es in Deutschland heißt, es gibt im Sport nur „Fußball, Fußball, Fußball“, dann ist dies auf die Männer gemünzt, die Frauen gehören mit der Bundesliga zu den Randsportarten.

Das Pokalfinale in Köln machte wieder deutlich, unter welchen Problemen der Frauen-Fußball unter anderem leidet. Natürlich an der allgemeinen Akzeptanz, mehr als kleine Notizen sind in den großen Medien nicht drin. Aber es fehlt auch der große Wettbewerb, die Bundesliga leidet unter der Dominanz von einzelnen Mannschaften. Waren es früher der 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam, die zwischen 2001 und 2012 die Titelvergabe unter sich ausmachten, so dominiert seit 2013 der VfL Wolfsburg, der nur 2015 und 2016 Bayern München den Vortritt ließ und in diesem Jahr seinen fünften Titel gewinnen wird. Im Pokal sind die „Wölfinnen“ noch erfolgreicher, mit sechs Siegen, davon fünf zuletzt in Folge. In der Bundesliga blieben sie in den ersten sieben Spielen ohne Gegentor und schlugen dabei am 3. Spieltag den größten Widersacher Bayern mit 6:0! Eigentlich war da die Meisterschaft schon entschieden.

In Köln sahen nun rund 17.000 Zuschauer im Pokalfinale den 1:0-Sieg von Wolfsburg über den SC Freiburg, der sich tapfer schlug. Die Frauen sind mit dem eigenen Finale sehr zufrieden, sind nicht mehr Anhängsel des Männer-Finals, als sie in Berlin quasi das Vorspiel absolvierten. Aber mehr Besucher dürften es schon sein, zuletzt hatten Zuschauerrekorde im Ausland für Aufsehen gesorgt. 25.000 waren es im französischen Duell Lyon – Paris, 39.000 im italienischen Prestigeduell Juventus Turin – Florenz und gar 66.000 interessierten sich in Spanien für das Schlagerspiel Atletico Madrid – FC Barcelona. Nicht nur deshalb betont wohl der Barca-Präsident „Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auch in Deutschland?

In Deutschland würde man sich wünschen, dass es zumindest die Bayern schaffen, den Wolfsburgerinnen mehr Paroli zu bieten, die anderen Vereine leiden unter der Finanzkraft der Großen, so dass auch Potsdam, Frankfurt Freiburg und Essen nur ab und zu Überraschungen zu Wege bringen. Die Bayern hoffen auf den neuen Trainer Jens Scheuer, der in Freiburg beeindruckte und neuen Schwung bringen soll. Allerdings fehlt den Münchnern ein Stürmerstar wie es Wolfsburg mit Europas Fußballerin des Jahres Pernille Harder hat oder ein Abwehr-Ass wie Schwedens Star Nilla Fischer. Eine Schwächung wäre es, wenn die wohl beste Spielerin dieses Jahres, Sara Däbritz, nach Paris wechseln würde. Ersatz für die Torjägerin Vivianne Miedema aus den Niederlanden haben die Bayern-Mädchen nicht gefunden. Miedema wechselte zu Arsenal und wurde in England gerade zur „Spielerin des Jahres“ gekürt.

Dies zeigt aber auch das Dilemma des deutschen Frauen-Fußballs, weil (siehe Barcelona) einige große Vereine im Ausland aufrüsten. Olympique Lyon gewann die letzten drei Jahre die Champions League und wird es wohl auch dieses Jahr wieder tun. Seit 2015 stand mit Paris St. Germain und Lyon immer eine französische Mannschaft im Finale, So lange sind auch die deutschen Siege durch Wolfsburg und Frankfurt her. Aber Frankreichs Konkurrenz sitzt vielleicht nicht mehr nur in Deutschland, sondern in Spanien, wo eben Atletico Madrid und der FC Barcelona (der Bayern ausschaltete) vermehrt Anstrengungen unternehmen (nicht Real Madrid!!), in England mit Chelsea und Arsenal London und in Italien mit Juventus Turin. Da müssen sich die deutschen Mannschaften strecken.

So baut der Frauen-Fußball hierzulande auch weiterhin vor allem auf die Nationalmannschaft, die allerdings wie die Männer beim letzten Turnier leider enttäuscht hat. Bei der Weltmeisterschaft vom 7. Juni bis 7. Juli in Frankreich soll es unter der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg besser laufen. Nur mit einer erfolgreichen Nationalmannschaft kann die Frauen-Bundesliga überhaupt den Durchbruch schaffen.

Transfer-Poker ist eine Gefahr im Bundesliga-Finale

Die Fußball-Mannschaften in allen Ligen befinden sich mitten drin im Saison-Finale. Die Spannung steigt und eigentlich sollten sich alle auf den Sport konzentrieren, darauf, den Kampf um Meisterschaft, Auf- und Abstieg zu bestehen. Doch tun dies Vereinsverantwortliche, vor allem aber Trainer und Spieler wirklich? Besonders im Profi-Fußball spielt auch die neue Saison schon eine große Rolle. Der Sport, und sei die Situation auch noch so brisant, wird in den Hintergrund gedrängt, die Transfers, so hat der Beobachter das Gefühl, spielen die Hauptrolle. Der Transfer-Poker ist aber eine Gefahr für die Bundesliga! Wo haben die Spieler ihre Gedanken? Können sie wirklich die Verhandlungen ausblenden und sich auf die Gegenwart konzentrieren? Nicht immer hat man das Gefühl, dass die Spieler auf dem Feld hundertprozentig bei der Sache sind.

Die Medien lieben den Transfer-Poker, denn leichter sind Schlagzeilen nicht zu bekommen, man kann vor allem so herrlich spekulieren, während es sich die Klubs angewöhnt haben, eine Erfolgsmeldung erst nach getätigter Unterschrift zu verbreiten. Stars werden mit großem Brimborium vorgestellt, bei Spielern, die den Kader eher nur auffüllen sollen, reichen ein paar Zeilen. Aber egal, die Medien stürzen sich auf jedes Gerücht und so heißt es zum Beispiel marktschreierisch „Transfer-Schlacht um die Stars“. Im Transfer-Geschäft wiederum heißt es, den Spieler zu überzeugen bzw. die notwendigen Scheine eben auf den Tisch zu legen.

Auffallend in diesem Jahr ist, dass es nicht nur um die Spieler geht, sondern verstärkt auch um Trainer und Sportdirektoren. Die Fluktuation war in diesem Jahr auf diesen Posten so groß wie noch nie, einige Klubs (z. B. Gladbach und Hertha) kündigten schon frühzeitig an, dass die Trainer im Sommer gehen müssen. Gladbach, Wolfsburg, Hertha, Schalke, Stuttgart, Nürnberg und Hannover suchen Trainer für die neue Saison. Eine Schlacht also auch um die Trainer. Dazu werden Manager gesucht und vor allem neuerdings „Kaderplaner“. Ein alter Job mit neuem Namen, aber einfach „in“. Wenn die Kaderplanung nicht funktioniert, geht aber nicht zuerst der Kaderplaner, sondern immer noch der Trainer. Oft aber nicht mehr alleine…

Ein Drittel der Vereine, außer Leverkusen alle im Abstiegskampf, hat sich über einen Trainerwechsel Besserung erhofft. Der Glücklichste ist wohl der FC Augsburg, denn mit Martin Schmidt für Manuel Baum wurde quasi der Klassenerhalt eingekauft. Der Schweizer legte einen spektakulären Start hin mit Siegen in Frankfurt und gegen Stuttgart, das „Endspiel gegen den Abstieg“. Schmidt war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Vorgänger Baum hatte die Mannschaft in Schuss, aber er hat offensichtlich die Spieler mit Taktik überfrachtet, so dass sie nicht mehr befreit aufgespielt haben. Martin Schmidt hatte eine einfache Lösung, bringe Spaß in den Laden und er läuft – das 6:0 gegen den VfB war der Beweis.

Die Ereignisse rund um dieses Spiel hatten eine Besonderheit: Stuttgarts Coach Markus Weinzierl musste noch am gleichen Tag seinen Hut nehmen. Der neue Sportdirektor Thomas HItzlsperger (für Michael Reschke) wollte die Saison zwar mit Weinzierl durchziehen, aber jetzt zogen die Verantwortlichen die Notbremse. Jetzt war Weinzierl selbst der Betroffene beim FCA-Sieg, als der Straubinger noch FCA-Trainer war, wechselte der VfB schon dreimal den Trainer nach einer Niederlage gegen Augsburg! Wehe, wenn Stuttgart auf den FCA trifft! Junioren-Trainer Nico Willig soll es für den Rest der Saison richten, er arbeitete mit der U19 überaus erfolgreich. Kann er auch die Bremsen lösen?

Augsburg zog an Schalke (2:5 gegen Hoffenheim) vorbei und hat den Klassenerhalt fast sicher. Dahinter herrscht nur Tristesse. Allein Nürnberg scheint sich gegen den drohenden Abstieg zu wehren und macht trotz Niederlagen eine gute Figur. Gerettet haben sich endgültig Mainz (dort wurde groß gefeiert, weil der Klassenerhalt vier Spieltage vor Saisonende ein Erfolg ist) und die Hertha, doch bei den Berlinern war das 0:0 gegen Hannover fast schon wieder ein Offenbarungseid. Ob die Spieler mit ihren Gedanken bei neuen Vereinen sind?

An der Spitze nichts Neues, die Bayern und Dortmund gaben sich keine Blöße, die Münchner taten sich aber beim 1:0 gegen Bremen schwerer, vergaben viele Chancen und siegten durch einen abgefälschten Schuss von Niklas Süle. Die Borussia hatte das Glück des frühen Tores, danach lief es beim 4:0 gegen Freiburg fast allein. Derby-Aufgaben warten, Schalke muss allerdings schon über sich hinaus wachsen, um eine Chance zu haben, der Club in Nürnberg macht sich mehr Hoffnung gegen die Bayern. Schalke hat einen Anreiz: Ein Erfolg über die verhassten Dortmunder sorgt für Wiedergutmachung bei den Fans.

Der Pokal sorgt für Abwechslung

Das Duell Bayern – Werder geht ja weiter, jetzt am Mittwoch in Bremen im DFB-Pokal. Höhepunkt und Abwechslung von der Bundesliga zugleich. Zwei schlechte Nachrichten für die Münchner, die im letzten Jahr im Finale gegen Frankfurt und ihren jetzigen Trainer Niko Kovac unterlagen: Ausgerechnet Torschütze Niklas Süle ist gesperrt (dafür kann Mats Hummels wieder spielen) und die Bremer haben eine beeindruckende Heimbilanz – seit April 1988 sind sie im Pokal im Weserstadion ungeschlagen. Allerdings stand Werder zuletzt 2011 in einem Halbfinale, Bayern ist dort Stammgast. Aber das „Vorspiel“ in der Bundesliga machte deutlich, leicht wird es nicht für die Bayern. Immerhin: Trainer Kovac weiß, wie man ins Finale kommt. Notfalls mit ein wenig Spielglück…

Im zweiten Halbfinale sind die Rollen klar verteilt. Da der selbst in der zweiten Liga strauchelnde Hamburger SV, dort der RB Leipzig, der in der Bundesliga einen Lauf hat und die Champions League anpeilt. Leipzig wird zwar inzwischen als starker Verein akzeptiert, aber ein Teil der Ultra-Fans lässt nicht locker mit Schmähungen gegen Besitzer Red Bull und RB-Funktionäre. In Gladbach traf es Trainer-Manager Ralf Rangnick mit Sprüchen unter der Gürtellinie. Schade, dass bei einem Teil der Fans die Vernunft abhanden gekommen ist. Unbeeindruckt davon peilt Leipzig den größten Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte an. Für den HSV wäre der Aufstieg in die Bundesliga wichtiger. Allein die Pokalprämien helfen dem Altmeister aber ein wenig.

Übrigens: Die Bayern haderten mit dem Ausscheiden in der Champions League, dabei sind sie ja im Halbfinale vertreten. Allerdings „nur“ bei den Frauen, da verloren die Bayern-Mädchen jedoch das Heimspiel mit 0:1 gegen den FC Barcelona, machen sich aber für das Rückspiel am Sonntag (Spielbeginn 12.00 Uhr!) noch Hoffnung. Barcelona will die Frauen aber stärker unterstützen, als es wohl die Bayern tun, der Barca-Präsident verkündete bereits: „Der Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auf Europas Bühnen dominierten zuletzt die Franzosen von Olympique Lyon und Paris St. Germain, der VfL Wolfsburg war wohl der größte Gegner, aber auch Arsenal und Chelsea London rüsten auf und wollen in Europa mitmischen. Da müssen sich die Bayern strecken, wenn sie weiter vorne mitmischen wollen.

De nachfolgende Kommentar widmet sich der Champions League der Männer: Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa.

Frauen-Fußball zwischen Chance und Risiko

Das Transfer-Theater ist vorbei, jetzt steht der Sport wieder im Mittelpunkt. Das gilt für den Profi-Fußball der Männer. Im Schatten von Stars wie Neymar, Cristiano Ronaldo und Messi stehen immer noch die Fußball-Frauen. Sinnbildlich dafür die Wahl zu Europas Fußballern des Jahres. Auf der einen Seite der glamouröse Cristiano Ronald als Sieger, auf der anderen die schüchterne niederländische Lieke Martens. Den Namen noch nie gehört? Sehen Sie…

Lieke Martens galt als die beste Spielerin bei der Europameisterschaft und führte die Niederlande im eigenen Land zum ersten EM-Titel. Damit füllten die Frauen ein bisschen das Sommerloch, aber wesentlich populärer wurde ihr Fußball damit nicht. Seit Jahren kämpfen die Frauen im Schatten der Männer um Anerkennung. Am weitesten sind die Bemühungen wohl in Deutschland gediehen, weil die Nationalmannschaft hier auch am erfolgreichsten war. Zuletzt Olympiasieger, davor zweimal Weltmeister und achtmal Europameister – die Titelsammlung kann sich sehen lassen. Bis zu acht Millionen Zuschauer sahen den Mädchen an den Fernsehgeräten zu, aber wenn die Bundesliga spielt, sind die Stadien meist nur spärlich besucht. Ein kleiner Boom verflachte wieder, die Bundesliga dümpelt mit einem Schnitt unter 1000 Besuchern dahin. Ein Problem: Viele prominente Spielerinnen beendeten zuletzt ihre Karriere, dahinter gibt es quasi ein Popularitätsloch.

Wie sieht die Zukunft aus? Der Frauen-Fußball schwebt national wie international zwischen Chance und Risiko. Was die deutsche Bundesliga angeht, die am Wochenende mit ihrer neuen Saison begann, so ist die Spannung so groß wie selten. Gab es eine Zeit, wo nur zwei Vereine, nämlich der 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam, das Geschehen dominierten (sie teilten zwischen 2001 und 2012 die Titel zwischen sich auf), so gibt es für die neue Saison gleich mehrere Titelkandidaten, also nicht nur den VfL Wolfsburg und Bayern München (die Meister der letzten fünf Jahre), sondern auch Frankfurt, Potsdam und Freiburg sowie Essen sind als starke Außenseiter zu beachten. Allerdings: Der Bundesliga droht auf Sicht der Verlust der Stars, denn international ist die Konkurrenz aufgewacht. Das ist Chance und Risiko zugleich.

International aufgewacht heißt, dass große und erfolgreiche Vereine ihr Herz für den Frauen-Fußball entdeckt haben. In England sind dies Arsenal London, Chelsea London und Manchester City (hier wird schon gelästert, dass die Frauen vielleicht eher die Champions League gewinnen als die Männer), Frankreich spielt mit dem Champions-League-Sieger Olympique Lyon und Paris St. Germain schon eine dominierende Rolle, in Spanien will neben Atletico Madrid künftig auch der FC Barcelona bei den Frauen mitmischen, wie Juventus Turin in Italien. Sind diese renommierten Klubs international erfolgreich, pusht das den Frauen-Fußball. Das Risiko: Das Geld wird auch bei den Frauen künftig dominieren, Lieke Martens geht nach Barcelona und verdient dort das Dreifache als bisher. Bayern München verlor aus diesem Grund seine Torjägerin Vivianne Miedema an Arsenal London. So werden der Bundesliga weitere Stars abhanden kommen.

Die Auslosung der Champions League sorgte gleich dafür, dass die Bundesligisten eine internationale Bewährungsprobe bestehen müssen: Wolfsburg trifft auf Atletico Madrid, Bayern auf Chelsea. Interessant: England spielte eine verkürzte Meisterschaft, um sich dem internationalen Spielkalender anzugleichen. Jetzt geht es auch im September neu los.

Auf jeden Fall kommt Bewegung in den Frauen-Fußball. Internationale starke Konkurrenz kann dem Sport nur gut tun, der Frauen-Fußball in Deutschland ist in besonderem Maße gefordert. Damit die Bundesliga attraktiv bleibt oder noch attraktiver wird, muss erst einmal das sportliche Umfeld in der Liga stimmen (sprich Spannung), zum anderen muss die Nationalmannschaft weiterhin für Erfolge und damit für Aufmerksamkeit sorgen. Das Viertelfinal-Aus gegen Dänemark bei der EM war da ein Rückschlag. Allerdings sorgen viele junge Talente für ein Stückchen Hoffnung. Da zumindest können wir sagen: Mehr Chance als Risiko!

WM und FIFA: Frauen im Mittelpunkt

„Fußball ist Männersache“ heißt es allgemein. Derzeit haben aber die Frauen im Fußball die Hosen an. Gibt es nicht? Gibt es doch. Loretta Lynch ist die Frau, die den FIFA-Funktionären Sorgen bereitet. Die US-Justizministerin hat die Korruption im Weltverband aufs Korn genommen und ist eigentlich ursächlich dafür verantwortlich, dass Präsident Sepp Blatter seinen Rücktritt angekündigt hat. Aber auch im Sport stehen die Frauen im Mittelpunkt: Mit ihrer Weltmeisterschaft vom 6. Juni bis 5. Juli in Kanada.

Beim Sport-Grantler steht der Sport im Mittelpunkt, also die Frauen-Weltmeisterschaft. Sie mobilisiert natürlich nicht die Massen in aller Welt wie die Männer alle vier Jahre, aber die Frauen haben sich auch im Fußball durchgesetzt und Respekt verschafft. Sind wir ehrlich: Manchmal sind Spiele der Frauen besser anzuschauen, weil vor allem die Technik im Vordergrund steht, als reine Kampfspiele im Männer-Fußball. Auch die Frauen haben in Sachen Kabinettstückchen einiges drauf, das zeigt die Brasilianerin Marta immer wieder, das ist auch bei Deutschlands Mittelfeldstrategin Dzsenifer Marozsan zu beobachten. Technisches Können wird auch bei der Weltmeisterschaft gefragt sein, denn Kunstrasen erfordert eine gute Ballbehandlung.

Streitfall Kunstrasen

Dieser Kunstrasen stand vor Austragung der WM im Mittelpunkt. Einige Spielerinnen klagten sogar dagegen, dass das Turnier auf Kunstrasen ausgetragen wird, sie fühlten sich gegenüber den Männern diskriminiert. Sie scheiterten allerdings vor Gericht und müssen nun in den sauren Apfel beißen, heißt, mit dem Kunstrasen leben. Diesbezüglich hat die FIFA die Frauen als Versuchskaninchen für die Männer missbraucht. Immer diese FIFA!

Ebenso müssen die Frauen mit dem Trend der alternden FIFA-Funktionäre leben, die möglichst vielen Nationen den Zugang zum Endturnier ermöglichen wollen. Sie nehmen es hin, dass der sportliche Wert verwässert wird, vor allem im Frauen-Fußball fehlt es noch an der Breite im Blick auf internationale Klasse. Ist aber egal, erstmals nehmen 24 Nationen statt bisher 16 teil. Bei den Männern sind es inzwischen 32 Nationen und viele reden bereits von 40. Mal sehen, ob künftig eine „neue FIFA“ diesen Trend beibehält.

Ein Turnier mit 24 Nationen macht aber ein Achtelfinale notwendig, es scheiden nach den Gruppenspielen also nur acht Mannschaften aus. Im Grunde genommen zunächst also keine Gefahr für die Favoriten, allein in der Gruppe D dürfte es mit den USA, Schweden und Nigeria ein bisschen spannend werden. Ansonsten ist Spannung erst ab den K.o.-Spielen angesagt und da wiederum gilt: In einem Spiel ist alles möglich.

Deshalb sind die Prognosen, wer die größten Titelchancen hat, mit Vorsicht zu genießen. Gegenüber den „üblichen Verdächtigen“ wie Deutschland, USA, Brasilien und Schweden sowie Titelverteidiger Japan haben sich zum Kreis der Titelanwärter auch das aufstrebende Frankreich und Gastgeber Kanada hinzugesellt. Vielleicht aber auch Norwegen oder Nigeria als die vermutlich stärkste afrikanische Mannschaft? Also ein bisschen Spannung gibt es schon.

Deutsche Erfolge immer mit Silvia Neid

Vor vier Jahren war bei der WM in Deutschland der Titel eigentlich für die Gastgeberinnen reserviert, sie scheiterten aber am großen Druck, der im eigenen Land immens wurde. Deutschland schied im Viertelfinale gegen Japan aus und die Asiatinnen nutzten ihre Chance. Jetzt können die deutschen Mädchen eher befreit aufspielen, allerdings haben sie auch mit Verletzungspech zu kämpfen, so fehlt vor allem die beste Spielerin der Welt von 2014, Mittelfeldmotor Nadine Kessler. Aber Bundestrainerin Silvia Neid hat wieder eine starke Truppe mit Torhüterin Nadine Angerer, Dzsenifer Marozsan und Torjägerin Celia Sasic als Stützen. Für Silvia Neid wird es das letzte WM-Turnier sein, Olympia könnte noch folgen. Die besten drei europäischen Mannschaften qualifizieren sich für Rio 2016. Doch die scheidende Bundestrainerin, die 2016 (normal nach Olympia) Steffi Jones Platz macht, sagt: „Im Fußball steht die Weltmeisterschaft im Vordergrund, bei Olympia ist Fußball nur eine Sportart unter vielen.“ Bemerkenswert: Silvia Neid war als Spielerin, Co-Trainer und letztlich Bundestrainerin an allen Medaillen- und Titelgewinnen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft beteiligt. Der WM-Titel in Kanada wäre die Krönung. In den Gruppenspielen sind die Elfenbeinküste, Norwegen und Thailand die ersten Hürden.

Die erste Weltmeisterschaft der Frauen wurde übrigens 1991 ausgetragen. Die bisherigen Sieger waren die USA (1991 und 1999), Norwegen (1995), Deutschland (2003 und 2007) sowie Japan (2011). Gibt es also einen neuen Namen?

Klare Worte von Loretta Lynch

Neue Namen sind bei der FIFA gefragt, gesucht wird ein Nachfolger für Joseph Blatter, der aber bis zur Neuwahl, die erst im Zeitraum Dezember bis März 2016 stattfinden soll, im Amt bleibt. Loretta Lynch hat es aber schon deutlich gesagt: „Die Namen ändern sich, das System bleibt das gleiche.“ Sprich: Nur mit einem Neuanfang kann die FIFA die Korruption in den eigenen Reihen besiegen.

Erfreuen wir uns lieber am Sport.