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Kategorie: Frauen-Fußball

Hansi Flick ist der Beweis: Auf den Trainer kommt es an

Früher hat man immer scherzhaft gesagt, Bayern München brauche gar keinen Trainer, die Mannschaft habe so eine Qualität, da täte es auch der Platzwart. Diese These ist schon lange widerlegt, spätestens in dieser Saison, als es mit Nico Kovac nicht klappte und der Rekordmeister der Musik hinterher lief. Mit dem bisherigen Assistenten Hansi Flick kam die Wende und die Bestätigung, der FC Bayern braucht doch einen Trainer. Ganz im Gegenteil, gerade beim vorentscheidenden 1:0-Sieg in Dortmund zeigte sich, auf den Trainer kommt es an. Dass die Weichen Richtung Meisterschaft gestellt wurden, war auch ein Erfolg von Flick über Favre.

Es war vor dieser Saison wie immer, ging es um die Frage des Titels, dann hieß es bei den üblichen Verdächtigen, „wir müssen da sein, wenn die Bayern schwächeln“. Einzig Dortmund wagte sich in die Offensive und gab die Meisterschaft als Ziel an. Eins ist gewiss: Die Mannschaft hat die Qualität dazu. Bittere Erkenntnis jetzt nach sieben Punkten Rückstand auf die Bayern und Platz 1: Dortmund hat offensichtlich nicht den Trainer dazu. Kein Wunder, dass immer wieder darüber spekuliert wird, dass Favre bald gehen muss. Da helfen auch alle Beteuerungen der Vereinsspitze nichts, man sei mit Favre zufrieden. Der Schweizer gilt als absoluter Fachmann, kann die Spieler sicherlich besser machen, aber er kann sie wenig begeistern, er ist kein Motivator, hat einfach nicht das Meister-Gen.

Das hatte Jürgen Klopp, er führte Dortmund zu den Titelgewinnen 2011 und 2012, die Borussia war da, als Bayern schwächelte, dann rüsteten die Münchner auf und starteten ihre Rekordserie an Titelgewinnen. Der achte liegt jetzt bereit und für die Zukunft darf sich die Konkurrenz eigentlich keine Hoffnung machen. Hansi Flick wird gefeiert als Trainer von der Qualität eines Jupp Heynckes, der Inbegriff des Trainer-Vorbildes für die Bayern. Der Vertrag wurde bis 2023 verlängert, die Bayern sind noch nicht satt.

Ein Blick auf die Auswechselbank beim Spitzenspiel machte eigentlich deutlich, dass Lucien Favre die besseren Auswahlmöglichkeiten als Flick hatte, um eine Wende herbei zu führen, er konnte Can, Sancho, Witsel, Götze und Reyna einwechseln, Flick musste auf Peresic, Hernandez und Martinez zurückgreifen, alles Akteure ohne Spielpraxis, dahinter saßen Talente aus der zweiten Mannschaft auf der Bank. Beweis: Favre macht zu wenig aus den Möglichkeiten.

Dortmund galt bisher als die Mannschaft der Zukunft, doch das könnte sich ändern. Im Vergleich der Spitzenteams haben die Münchner die Borussia vielleicht schon überholt, der Umbruch ist in vollem Gange und scheint geglückt. Die Überraschung der Saison sind die Außenverteidiger, hier wurden der anfangs unscheinbare Benjamin Pavard (viele rätselten vor der Saison, was die Bayern mit dem Absteiger aus Stuttgart wollten) und der unbekannte Alphonso Davies zu Volltreffern. Der Franzose beeindruckt auch mit Toren, der Kanadier begeistert als „Roadrunner“, er ist immer mit Volldampf unterwegs und bereinigte so schon viele brisante Situationen vor dem eigenen Tor. Da werden schon Vergleiche zu den legendären Verteidigerpaaren wie Lizarazu/Sagnol oder Lahm/Alaba gezogen. Und ein Manko hat die Borussia auch weiterhin: Dortmund wird vonTalenten wie Sancho und Haaland als Durchgangsstation gesehen, die Bayern gelten als einer der führenden Vereine in der Welt und damit für viele auch als Traumziel. Stichwort: Bei Bayern gewinnst du Titel.

Spannung im Abstiegskampf

Die Meisterschaft scheint also entschieden zu sein, spannend bleibt der Kampf um die Plätze in der Champions League bzw. Europa League, aber noch viel spannender geht es am Tabellenende zu. Dort hat sich Werder Bremen zur Verfolgung aufgemacht und bringt die Klubs davor wieder zum Zittern. Nur den tapferen SC Paderborn muss man trotz aller Bemühungen wohl abschreiben, die Ostwestfalen gehen erhobenen Hauptes. Aber wer begleitet sie? Ein Blick auf das Restprogramm zeigt, dass noch viele direkte Duelle anstehen und es vielleicht auf die Heimspiele ankommt, obwohl die durch die leeren Stadien an Bedeutung verloren haben. Eine Hochrechnung lässt den Schluss zu, dass es am Ende Düsseldorf neben Paderborn erwischen könnte und sich Mainz in die Relegation retten könnte, Bremen, Augsburg und Union aber den Klassenerhalt schaffen könnten. Doch ungewiss ist alle Theorie, jeder kann seine eigene Hochrechnung anstellen. Hier das Restprogramm:

Union Berlin (31 Punkte): Schalke (zu Hause), Köln (auswärts), Paderborn (H), Hoffenheim (A), Düsseldorf (H). – Augsburg (31): Köln (H), Mainz (A), Hoffenheim (H), Düsseldorf (A), Leipzig (H). – Mainz (28): Frankfurt (A), Augsburg (H), Dortmund (A), Bremen (H), Leverkusen (A). – Düsseldorf (27): Hoffenheim (H), Dortmund (H), Leipzig (A), Augsburg (H), Union (A). – Bremen (25): Frankfurt (H), Wolfsburg (H), Paderborn (A), Bayern (H), Mainz (A), Köln (H).

Werbung für Frauen-Fußball

Die Geisterspiele in leeren Stadien sind natürlich gewöhnungsbedürftig, doch böse Zungen behaupten, dass sich die Frauen da gar nicht umstellen müssen, weil sie ja sowieso nur vor einer kleinen Zuschauerkulisse spielen. Na ja, immerhin rund 900 Besucher beträgt der Schnitt in der Frauen-Bundesliga. Und dennoch war es besonders wichtig, dass auch die Frauen-Bundesliga wie ihr Pendant der Männer als erste Liga in Europa mit dem Re-Start beginnen konnte. So wurde der erste Spieltag nach der Pause zu einer einzigen Werbeaktion für den Frauen-Fußball.

Deren Beispiele gibt es viele, so war sogar das internationale Interesse groß, fast 20 Nationen interessierten sich per Fernsehübertragungen für den Start in Deutschland, in England war die Live-Übertragung des Spitzenspiels Bayern – Hoffenheim ein Hit bei den Sportfans, bei denen der Frauen-Fußball einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland genießt. Doch die Frauen spielten sich auch hierzulande in den Blickpunkt, da berichtete die ARD-Sportschau ebenso wie das ZDF-Sportstudio, wo zudem Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg Studiogast war. Auch die größte Sonntagszeitung, die Bild am Sonntag, widmete dem Frauen-Fußball eine ganze Seite. Wann gibt es schon diese Aufmerksamkeit!

Aber auch das Spiel selbst zwischen den Bayern und Hoffenheim war Werbung für den Frauen-Fußball, wobei die Bayern hier die bessere Ausgangsposition allein schon in der Vorbereitung hatten und mit dem 3:0-Sieg die Weichen Richtung Champions League stellen konnten. Kritische Stimme im Umfeld einiger Vereine gab es, weil viele Spielerinnen neben dem Fußball auch ihrem Beruf nachgehen müssen oder im Studium sind. Nur die Spitzenvereine beschäftigen Vollprofis. So mussten einige Mädchen Urlaub nehmen, um die Quarantäne-Bestimmungen einhalten zu können oder künftig auch für Spiele unter der Woche. Doch diese Opfer lohnen sich für die gesamte Frauen-Bundesliga, die kaum noch einmal diese Werbung genießen wird. Da war es dann fast nur noch eine Randnotiz, dass auch die 3. Liga der Männer trotz aller Streitigkeiten wieder gespielt hat. Fragt sich nur, wie lange das gut geht. Bei den Frauen gibt es da eigentlich weniger Bedenken.

Beste Werbung für die Fußball-Bundesliga

Das Experiment der Geister-Spiele in der Fußball-Bundesliga ist gelungen. Nein, eigentlich ist es noch mehr, die Geister-Spiele sind national und international beste Werbung. Natürlich bleibt der Makel, dass ohne Fans die Atmosphäre fehlt, aber das lässt das nach wie vor umtriebige Coronavirus nicht zu. Aber aus der vertrackten Situation haben die DFL und ihre Vereine das Beste gemacht, auch mit Hilfe der Fans, die offensichtlich vernünftig genug sind, den Spielbetrieb nicht zu torpedieren. Hoffentlich bleibt das so. Ganz im Gegenteil, die Idee der Pappkameraden auf den Rängen in Mönchengladbach war ein voller Erfolg und verbreitete wenigstens ein bisschen von Zuschauer-Feeling. Leider müssen die Pappfiguren zwangsläufig stumm bleiben, eine Hilfe für die Borussia beim 1:3 gegen Leverkusen waren sie deshalb nicht.

Aber der Ball rollt und die Bundesliga bleibt Vorbild für andere internationale Ligen sowie für andere Sportarten. „Machen wir es doch wie die Bundesliga“ ist derzeit fast schon eine gängige Redewendung. Auch der Pay-TV-Sender Sky darf sich zu den Gewinnern zählen und verzeichnet ebenso Rekord-Einschaltquoten wie zahlreiche internationale Fernsehsender. Und jetzt steht auch noch der „deutsche Clasico“ bevor, das Duell zwischen Borussia Dortmund und Bayern München am Dienstag. Da schaut wieder die ganze Welt nach Deutschland. Nun müssen die Akteure auf dem Rasen dafür sorgen, dass auch das Spitzenspiel zur besten Werbung wird.

Die Ausgangslage ist klar, für Dortmund geht es darum, praktisch die letzte Chance zu nutzen, um gegen die Bayern, vier Punkte Vorsprung, im Titelrennen zu bleiben. Beide Mannschaften beeindrucken in der Rückrunde mit Top-Leistungen (je sechs Siege in Folge), die Münchner steuern sogar einen neuen Torrekord an. Für die Bayern stehen die vorentscheidenden Spiele an mit den Aufgaben in Dortmund, in Leverkusen und gegen Gladbach (mit dem Treffen gegen Abstiegskandidat Düsseldorf dazwischen). Am 13. Juni könnten die Weichen für die Meisterschaft gestellt sein – oder eben auch nicht. Dortmund hat als letzte schwierige Aufgabe das Gastspiel in Leipzig am vorletzten Spieltag. Ist es noch von Bedeutung?

Die Welt schaut also auf dieses Spiel und vor allem auf das Duell der Torjäger Erling Haaland, dem talentierten Norweger, dem derzeit die Schlagzeilen gehören, und Robert Lewandowski, der Tor-Maschine und wohl derzeit bestem Mittelstürmer der Welt. Da will Haaland noch hin. Beide Teams bangen aber auch um wichtige Akteure, Dortmund um Hummels und Witsel, die Bayern um Thiago. Nach der Tendenz der Geisterspiele sind die Bayern Favorit, meist siegen nämlich die Auswärtsteams!

Bitte Abstand halten – auch in der Tabelle

Ein Blick auf die Tabelle offenbart Seltsames, nämlich, dass für die Bundesliga und Corona offensichtlich die gleichen Verhaltensregeln gelten, nämlich Abstand halten! Abstand zwischen den besten fünf Teams und dem Rest des Feldes, wobei von Wolfsburg (39 Punkte), über Freiburg (37), Schalke (37), Hoffenheim (36) bis Köln und die Hertha (beide 34) alle nicht den Eindruck machen, als sollten sie reif für Europa sein. Freiburg zum Beispiel scheint richtiggehend Angst vor dem internationalen Geschäft zu haben. Schalke ist nach toller Vorrunde in der Rückrunde ein Rätsel, mit jetzt neun Spielen ohne Sieg! Ein Gewinner der Corona-Pause sind dagegen die Berliner. Jetzt redet keiner mehr über das Chaos, sondern über den Start mit zwei Zu-Null-Siegen im Derby bei Union (3:0) und jetzt Frankfurt (4:0). Bruno Labbadia ist mal wieder der Trainer der Stunde.

Dahinter heißt es wieder Abstand, ab dem FC Augsburg (30 Punkte) geht es gegen den Abstieg, Ausgang ungewiss. Die Augsburger verschafften sich im Duell der Verlierer bei Schalke mit dem 3:0-Sieg etwas Luft und schenkten Neu-Trainer Heiko Herrlich ein erfolgreiches Debüt nach seinem Corona-Fehltritt. Aber jetzt folgt das noch wichtigere Heimspiel gegen Schlusslicht SC Paderborn. Der Neuling galt schon vor der Saison als Absteiger Nummer eins, wehrt sich aber tapfer und erwarb sich durchaus Anerkennung. Die Westfalen sind alles andere als Kanonenfutter. Davor haben Bremen und Düsseldorf den Kampfgeist entdeckt, das Aufbäumen ist da und schon geraten Mainz und Frankfurt in Not. Ihnen wäre es lieber, die Teams hinter ihnen würden den nötigen Abstand halten!

Es hat sich also gelohnt, dass der Fußball wieder rollt, das gilt auch für die 2. Bundesliga, wo es ähnlich interessant ist. die Altmeister aber Rätsel aufgeben. Der Hamburger SV und VfB Stuttgart treten auf der Stelle und präsentieren Spitzenreiter Arminia Bielefeld quasi den Aufstieg. In Nürnberg heißt es gern „der Club is a Depp“, das könnte sich wieder einmal bewahrheiten, der Abstieg ist nah, die Stürmer treffen nicht und ohne Tore kein Klassenerhalt.

Es lohnt sich, wenn der Fußball rollt, das sollte sich die 3. Liga zu Herzen nehmen, doch dort herrscht Streit (siehe auch die nächste Kolumne „Die Ligen sind immer wichtiger als die Vereine“), herrschen Lügen und Intrigen, damit wollen Abstiegskandidaten den Klassenerhalt retten. Die Vereine der 3. Liga würden ja gern unter das Dach der DFL rutschen, wobei finanzielle Gründe den Anreiz bilden, dort könnten sie sich dieses Theater jedoch nicht leisten. DFL-Boss Christian Seifert sieht es sehr richtig: „Je nach Tabellenplatz entdeckt man plötzlich die Moral.“

Start der Frauen-Bundesliga

Der Fußball rollt auch in der Frauen-Bundesliga wieder, ohne Streit, auch wenn Schlusslicht Jena gegen die Fortsetzung war, weil es Probleme mit Training und Stadion hat. Nur noch sechs Spieltage stehen an, dazu drei Runden im Pokal. Der Start hat es gleich in sich, denn Bayern München erwartet am Samstag (13.00 Uhr) die TSG Hoffenheim. Zweiter gegen Dritter also, wobei die Münchnerinnen gerade mal einen Zähler Vorsprung haben und bereits das Hinspiel mit 0:1 in den Sand setzten. Wer kommt also besser aus den Startlöchern?

Am Titelgewinn des noch ungeschlagenen VfL Wolfsburg gibt es allerdings keine Zweifel bei acht Punkten Vorsprung vor den Bayern. Die Mädchen freuen sich aber, dass sie wieder auf der Bildfläche erscheinen und bei Eurosport und Magenta TV im Fernsehen zu sehen sind. Bei ihnen schaut allerdings keineswegs die ganze Welt zu, doch für das Image ist der Re-Start von großer Bedeutung.

Bayerns Gegner staunen: Verflickt noch mal…

Es war in den letzten Tagen so aufregend, als wollte der Fußball noch einmal alles raus hauen bevor es in die sicherlich ruhigere Länderspielpause geht. Im Mittelpunkt stand natürlich in der Bundesliga der deutsche „Clasico“ zwischen den Bayern und Dortmund, der dann mit einer großen Überraschung aufwartete. Daneben beherrschten aber auch Trainer-Entlassungen, die Frauen-Nationalmannschaft, Joachim Löw und Uli Hoeneß die Schlagzeilen.

Das größte Staunen aber gab es beim Bundesliga-Hit. Die Bayern spielten unter Interimstrainer Hansi Flick wie zu ihren besten Zeiten, der Rumpelfußball von Niko Kovac war vergessen und schon sehen die Konkurrenten ihre Felle davonschwimmen und sagen nicht „verflixt noch mal“, sondern jetzt „verflickt noch mal..“. Bezeichnend die Kommentare mancher Bayern-Spieler nach dem überzeugenden 4:0-Triumph: „Wir hatten genaue Anweisungen, jeder wusste, was er tun musste.“ Präsident Uli Hoeneß verriet hinterher: „Ein Teil der Mannschaft war gegen den Trainer.“ Dies war ein offenes Geheimnis und auf dem Platz deutlich zu sehen (siehe auch der Sport-Grantler vom 4. November: „Niko Kovac hat die Mannschaft verloren“). Deutlich zu sehen, dass die Spieler Hansi Flick folgten, für den sie sich auch ausgesprochen hatten. Logisch die Reaktion der Bayern-Bosse: Flick wird bis auf Weiteres Bayern-Trainer bleiben. Das kann bis zur Winterpause gehen, aber auch bis zur Sommerpause. Nur sollte die Leistung gegen Dortmund dann keine Eintagsfliege bleiben. Die Macht dazu aber liegt, da gibt es keine Zweifel mehr, bei den Spielern!

Anders natürlich die Stimmung in Dortmund. „Männerfußball“ wollte Sportdirektor Michael Zorc sehen, Angsthasenfußball ist es geworden. Die Frage auch hier: Was wird mit dem Trainer? Folgen ihm die Spieler noch? Die Fans freuen sich, an der Tabellenspitze bleibt es spannend. Das könnte sich ändern, wenn sich die andere Borussia, nämlich die aus Mönchengladbach, keine Schwächen erlaubt. Vier Punkte Vorsprung sind es jetzt vor den punktgleichen Leipzig, Bayern und Freiburg (ja Freiburg!), die nächsten Gegner des Spitzenreiters nach der Länderspielpause sind Union Berlin, Freiburg und die Bayern am 7. Dezember. Gegen die Mitkonkurrenten darf Gladbach zu Hause antreten und jetzt träumt man zumindest von der Herbstmeisterschaft. Der Trainerwechsel zu Marco Rose hat sich also gelohnt. Ihm folgen die Spieler.

Apropos Trainerwechsel, der in München hat sich also gelohnt und am Wochenende wurden die Stühle gleich reihenweise gekippt. Für Achim Beierlorzer war nach dem unglücklichen 1:2 gegen Hoffenheim in Köln Schluss, aber zuvor gab es bereits den Abschied von Sportdirektor Armin Veh. Für die Mainzer Verantwortlichen war nach dem 0:8 in Leipzig das 2:3 gegen Union Berlin zu viel, Sandro Schwarz muss gehen, obwohl das keiner in Mainz so richtig will. Aber Rang 16, der drohende Abstieg und nur 9 Punkte, das ist nicht das, was man sich in der Karnevalshochburg vorstellt. Also Schluss mit lustig. Neuer Versuch mit neuem Trainer. Aber nicht immer wird es besser…

Wir wissen ja, die Trainer verdienen zwar genug, aber sie sind manchmal auch „arme Schweine“ Siehe Beierlorzer in Köln, er litt auch darunter, dass sein Team wegen Schiedsrichter-Fehlentscheidungen Spiele verlor, das löst einen Negativtrend aus, ohne dass dies der Trainer beeinflussen kann. Glück hatte Martin Schmidt beim FC Augsburg, weil das Siegtor von Philipp Max in Paderborn zählte. Sein Freistoß segelte über die Mauer hinweg ins Netz, doch die Paderborner Mauer war durch Augsburger Spieler nicht ganz regelgerecht brüchig geworden. Schiedsrichter Marco Fritz sah darüber hinweg, der Videoreferee meldete sich nicht und Martin Schmidt kann glücklich seinen Job behalten. Augsburg verließ nämlich die direkten Abstiegsplätze, aber weitere „Schicksalsspiele“ folgen, Hertha, Köln und Mainz sind die nächsten Gegner. Der FCA könnte sich vom Abstiegskampf verabschieden oder er bleibt mittendrin, dann aber nach der Winterpause wohl nicht mehr mit Martin Schmidt. Trainer müssen Ergebnisse liefern, wie auch immer.

Uli Hoeneß will sich mit diesen Dingen nur noch aus der Ferne beschäftigen. Bei der Jahreshauptversammlung am Freitag in der Olympiahalle in München will er von seinen Ämtern zurücktreten. Allerdings könnte es ein unruhiger Ruhestand werden, er hat schon angedroht, dass man „von ihm hören wird“. So wie im Fußball-Talk bei Sport1 am Sonntag, als er sich in die Sendung schalten ließ, um seinen Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu verteidigen. Der wird auf Betreiben vom scheidenden Präsidenten wohl vom Direktor zum Sportvorstand befördert und da sieht Kritik an seiner Arbeit eben gar nicht gut aus. Uli Hoeneß und sein Lebenswerk bei den Bayern hat der Sport-Grantler schon am 25. Juli gewürdigt: Uli Hoeneß: Umstritten, erfolgreich, ein Mensch.

Auch Joachim Löw muss liefern

Ein Blick zurück, ein Blick voraus. In der vergangenen Woche machten die deutschen Klubs in der Champions League PR für die Bundesliga. Es passierte erst zum dritten Mal in der CL-Geschichte, dass alle Bundesligisten ihre Spiele gewinnen konnten! Bisher war es in den Jahren 2013/14 und 2014/15 der Fall, jetzt zogen Bayern (2:0 gegen Piräus), Leverkusen (2:1 gegen Atletico Madrid), Leipzig (2:0 in St. Petersburg) und Dortmund (3:2 gegen Inter Mailand nach 0:2-Rückstand) nach. Die Bayern stehen bereits im Achtelfinale, Leipzig und Dortmund haben gute Chancen, Leverkusen wahrte zumindest die Chance auf Rang drei zum Überwintern in der Europa League. Dort hielt der Aufwind allerdings nicht an, nur Gladbach siegte (2:1 gegen AS Rom), Frankfurt (1:2 in Lüttich) und Wolfsburg (1:3 gegen Gent) mussten Niederlagen hinnehmen. Vor allem in Wolfsburg haben Niederlagen die Siegesserie von Saisonbeginn abgelöst.

Jetzt aber ist Joachim Löw mit seiner Nationalmannschaft wieder an der Reihe. Und der Bundestrainer muss liefern, am Samstag gegen Weißrussland und Dienstag, 19. November, in Frankfurt gegen Nordirland muss die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 unter Dach und Fach gebracht werden. Löw lässt logischerweise keine Zweifel am Gelingen, aber die Verletztenliste wird nicht kleiner. Auf Marco Reus muss er jetzt auch verzichten, ebenso könnte Kai Havertz ausfallen. Vielleicht hilft am Samstag der Länderspielort Mönchengladbach, das ist dort, wo derzeit die Bundesligasiege zu Hause sind. Sollte es Abwehrprobleme geben, könnte das Thema Mats Hummels für den Bundestrainer zum Bumerang werden, eine Rückholaktion des Dortmunders hält er bisher nicht für erforderlich.

Ihre Saison abgeschlossen hat die Frauen-Nationalmannschaft, die sich nach der Enttäuschung bei der Weltmeisterschaft wieder im Aufwind befindet und die Saison mit einem doppelten Highlight beendete. Da waren zunächst die 77.768 Zuschauer beim Länderspiel gegen England im Wembley-Stadion (90.000 Karten wurden verkauft), aber erst der 2:1-Sieg machte das Spiel zu einem wirklich tollen Erlebnis. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat den Umbruch offensichtlich erfolgreich eingeleitet und die gesamte DFB-Führung mit Präsident Fritz Keller an der Spitze saß auf der Tribüne. Sie wollten sich auch Anregungen holen, wie der Frauen-Fußball in Deutschland besser gefördert werden kann, England gilt da als Vorbild. So gab es zum Beispiel niedrige Eintrittspreise, um die Fans ins Stadion zu locken und die großen Vereine der Premier League zeigen ein Herz für den Frauen-Fußball. Das fehlt in der Bundesliga noch. Im nationalen Spielbetrieb sind die Frauen schon froh, wenn sie vor tausend Zuschauern spielen dürfen. Ein besonderes Erlebnis ist das dann nicht.

Fußball-Frauen kämpfen um Aufmerksamkeit und Anerkennung

Es ist manchmal ein ewiger Kampf, der vielleicht nie zum gewünschten Ziel führt, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und bevor die Hoffnung stirbt, muss man selbst erst einmal alles versuchen, um das Ziel zu erreichen. Und so kämpfen auch die Frauen im Fußball unverdrossen weiter. Sie wollen nicht das fünfte Rad am Wagen sein, nicht im Schatten der Männer stehen, sondern gleichberechtigt sein. So fordern sie selbstbewusst von den Verbänden die gleichen Prämien wie die Männer. Doch dafür haben allein die Amerikanerinnen ein gewichtiges Argument, dass sie nämlich mehr Leute begeistern als die Männer, aber in Europa gilt dies nicht. Dennoch: Stück für Stück sollen Aufmerksamkeit und Anerkennung besser werden. Und am Ende vielleicht auch die Bezahlung.

Das gilt auch für die Frauen-Bundesliga, die am Wochenende mit zwölf Teams in die neue Saison startet, mit einem kleinen bisschen Hoffnung im Gepäck. Die Weltmeisterschaft in Frankreich war ein Erfolg, trotz des Aus des DFB-Teams bereits im Viertelfinale. In der Vergangenheit waren aber selbst WM-Titel zu wenig, um dem Frauen-Fußball entscheidende Impulse zu verleihen. Ganz im Gegenteil, 2008 spielten noch 33 Prozent aller Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren in Deutschland Fußball, derzeit sind es gerade 18 Prozent. Etwa 198.000 Mädchen und Frauen spielen bei uns Fußball, vor vier Jahren waren es noch 211.000, in den USA sind es 9,5 Millionen! Und: Die Männer-Bundesliga verzeichnet seit Jahren einen Schnitt von über 40.000 Zuschauern pro Spiel, bei den Frauen sind es nicht einmal 900!

Hoffnung machen solche Zahlen eigentlich nicht, doch die Hoffnung stirbt eben zuletzt. Und zum Start der neuen Saison gibt es Hoffnung, zum Beispiel auf mehr Aufmerksamkeit. Der Sportsender Eurosport ist auf der Suche nach neuen Übertragungsrechten bei der Frauen-Bundesliga fündig geworden und überträgt für drei Jahre ab sofort an jedem Freitag um 19.30 Uhr das, so der Sender, „Top-Spiel der Woche“. Premiere ist zum Start an diesem Freitag bereits um 18.30 Uhr mit der Partie der „Altmeister“ 1. FFC Frankfurt gegen Turbine Potsdam. Ein Stück Aufmerksamkeit ist also gewiss, zumal die ARD angekündigt hat, dass sie künftig am Samstag in der Sportschau regelmäßig von der Frauen-Bundesliga berichten will. Als Service für die Fans hat die Bundesliga auch feste Anstoßzeiten geschaffen, neben dem Freitagspiel ist dies am Samstag um 13.00 Uhr und Sonntag um 14.00 Uhr. Im Internet berichtet Magenta Sport an jedem Wochenende von zwei Spielen.

Beim Kampf um mehr Anerkennung hoffen die Frauen auch auf die Männer. Auf die starken Männer nämlich von der Bundesliga, denn sie würden sich wünschen, dass sich die Bundesligisten der Männer auch den Frauen annehmen. Beim VfL Wolfsburg, dem führenden Verein der letzten Jahre, ist dies bereits so, der FC Bayern München wurde zuletzt zur zweiten Kraft und auch der SC Freiburg mischt einigermaßen mit. In der Frauen-Bundesliga sind auch Bayer Leverkusen, der 1. FC Köln und die TSG Hoffenheim vertreten, doch in diesen Klubs spielen die Frauen keine große Rolle. Das soll sich künftig bei Eintracht Frankfurt ändern, denn die Hessen wollen nächstes Jahr den 1. FFC Frankfurt übernehmen. Die Frauen wünschen sich als Zugpferd aber noch ein Engagement von Borussia Dortmund und Schalke 04, prominenten Vereinen also, die Aufmerksamkeit bringen würden.

In Europa haben einige Großklubs die Frauen entdeckt. Olympique Lyon ist führend, Paris St. Germain will auch bei den Frauen vorne dabei sein. In England „wildert“ zunehmend Arsenal London bei deutschen Klubs, aber auch Chelsea London will nach oben. In Spanien sind der FC Barcelona und Atletico Madrid vorn dabei, jetzt will auch Real Madrid bei den Frauen angreifen. Das kann dem Frauen-Fußball nur gut tun.

Allerdings kämpft deshalb die deutsche Bundesliga um ihre eigene Attraktivität. So müssen die Abgänge von prominenten Spielerinnen verkraftet werden. Die Bayern verloren zum Beispiel ihre Stammspielerinnen Sara Däbritz (nach Paris), Leonie Maier, Manuela Zinsberger und Jill Roord (alle Arsenal London). Attraktiv ist die Bundesliga aber auch nur dann, wenn sie spannend ist. Doch da gibt es ebenfalls ein Problem, ähnlich wie bei den Männern: Dort der Zweikampf Bayern gegen Dortmund, bei den Frauen Wolfsburg gegen Bayern, die Konkurrenz kann höchstens für einzelne Überraschungen sorgen. Die einstigen Größen Frankfurt und Potsdam sind in die zweite Reihe gerutscht. Wolfsburg setzt trotz der Abgänge von Kapitänin Nilla Fischer (zurück nach Schweden) und Caroline Hansen (Barcelona) auf einen starken Angriff mit den Torjägerinnen Ewa Pajor (Polen) und Pernille Harder (Dänemark) sowie den deutschen Nationalspielerinnen Alexandra Popp und Svenja Huth, die aus Potsdam kam. Die Bayern verloren gleich neun Spielerinnen (u. a. beendete Melanie Berhringer ihre Karriere), präsentieren aber sechs Zugänge, u. a. Torhütertalent Caina Schlüter (Sand), das große Talent Giulia Gwinn (Freiburg), die Nationalspielerinnen Linda Dallmann (Essen) und Carolin Simon (Lyon) sowie in der Abwehr Ali Relay (Neuseeland/Chelsea) und Amanda Ilestedt (Schweden/Potsdam).

Der Vergleich lässt sich auf Bayerns starke Abwehr gegen Wolfsburgs Supersturm verkürzen. Die Wolfsburgerinnen starten am Sonntag gegen Sand, die Bayern-Mädchen müssen am Samstag in Freiburg ran, ein besonderer Vergleich, den vom Schwarzwald kamen viele Spielerinnen nach München (u. a. die neue Kapitänin Melanie Leupolz) und in diesem Jahr auch Trainer Jens Scheuer (40 Jahre). Er beendete die Wörle-Dynastie bei den Bayern, denn auf den Vater folgte Sohn Thomas als Trainer (2010). Er holte 2015 und 2016 den Titel mit den Münchnerinnen, zuletzt schaffte der VfL Wolfsburg den Hattrick. Den direkten Vergleich gibt es erst am 10. Spieltag am 24. November. So wandeln die Frauen auf den Spuren der Männer, es soll das Ende der Dauer-Meister geben. Aber das allein reicht nicht für mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Fallen sind gestellt: Ende der Bayern-Ära?

Sieben nationale Titel in Folge, 2013 Sieger der Champions League und dort in jedem Jahr im Kreis der Favoriten – der FC Bayern München hat eine erfolgreiche Zeit hinter sich. Ja, liebe Fußball-Fans, „hat er hinter sich“ könnte stimmen, denn ob die erfolgreiche Bayern-Zeit weitergeht, darf bezweifelt werden, auch nach dem Double-Gewinn in diesem Jahr. Der Umbruch in der Mannschaft ist in vollem Gange und derzeit bleiben mehr Fragen als Antworten. Ganz im Gegenteil, als Hürden für eine erfolgreiche Zeit sind zahlreiche Fallen bereits gestellt. Es könnte sein, dass 2019 das Ende der Bayern-Ära einläutet.

Für Aufmerksamkeit sorgte in diesen Tagen ein Interview von Neuer-Berater Thomas Kroth mit der Süddeutschen Zeitung, dabei stellte er in den Raum, dass sich der Kapitän einen neuen Verein suchen könnte, wenn sein Vertrag 2021 ausläuft. Dann nämlich, wenn Neuer den Eindruck hat, dass er mit den Bayern die Champions League nicht mehr gewinnen kann. Damit sind wir schon bei der ersten Falle für die Bayern, der…

Transfer-Falle: Die Bayern versuchen verzweifelt, mit den reichen Vereinen in England, den Größen in Spanien (Barcelona und Real Madrid), sowie dem Scheich-Klub Paris St. Germain und dem reichen Juventus Turin in Italien mitzuhalten. Das Dilemma: Spieler, die Bayern verstärken könnten, sind extrem teuer, die Ablösesummen beginnen da bei den 80 Millionen, die Hernandez gekostet hat. Sind die Spieler billiger, bringen sie die Bayern auch nicht weiter. Deshalb der spöttische Blick auch auf den nationalen Konkurrenten Borussia Dortmund, Spieler wie Brandt oder Hazard sind recht und gut, doch Bayern sucht nach noch mehr Qualität. Deshalb wird weiter um Leroy Sane gebuhlt oder auf Callum Hudson-Odol von Chelsea gewartet. Dass der umstrittene Dembele von Barcelona ins Visier geraten ist, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass man das Risiko mit einem eigenwilligen Spieler eingehen würde, weil andere dieser Qualität nicht zu bekommen sind. Aber da gibt es noch ein anderes Problem, die…

Trainer-Falle: International gute Spieler sind leichter zu verpflichten, wenn sie zu einem prominenten Trainer kommen und sagen können, „der macht mich besser“. Einer wie Jürgen Klopp oder Pep Guardiola. In dieser Kategorie wird Bayern-Coach Niko Kovac nicht gesehen, ihm fehlt die internationale Reputation und der Glanz. Da gibt es aber auch die…

Sprach-Falle: Die Bayern möchten einen deutsch sprechenden Trainer und damit ist der Kreis der Kandidaten international schon sehr eingeengt. Da hat die Premier League unabhängig vom Geld zudem sprachliche Vorteile. Der Standort Deutschland also als Nachteil. Gibt es keine weiteren Verstärkungen, steht die nächste Falle schon, nämlich die…

Titel-Falle: Die Bayern waren nicht nur wegen der üppigen Bezahlung attraktiv, sondern vor allem für deutsche Spieler der Verein der Sehnsucht, weil Titelgewinne quasi garantiert wurden. Und für internationale Stars bestand die Hoffnung, mit den Bayern eben die Champions League gewinnen zu können (siehe das Neuer-Argument). Wenn die Bayern nicht mehr in der gewohnten sportlichen Größenordnung operieren können, dann fällt dieses Argument weg und damit wird gleichzeitig das Ende der Bayern-Ära eingeläutet.

Noch ist es allerdings nicht so weit, die Bayern haben eine starke Mannschaft, der Kader ist mit 17 Feldspielern allerdings zu klein (mit gerade mal sieben ging das Training los), zumal es noch einige Fragezeichen gibt, wie den wechselwilligen Sanches oder Boateng, der eigentlich gehen soll, jetzt aber als Notnagel dienen könnte. Seltsam ist der Getue um Timo Werner, der nächstes Jahr ablösefrei aus Leipzig kommen könnte, aber wohl in diesem Jahr schon gebraucht wird. Diese 40 Millionen Euro sollten die Bayern investieren. Seltsam auch, dass Talente aus der Bayern II abwandern, wie Flügelflitzer Jeong nach Freiburg oder Abwehrtalent Awoudja nach Stuttgart. Da wachsen die Zweifel an Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Die Bayern sollten sich nicht zu sehr darauf verlassen, dass sie noch Zeit haben bis zum Ende der Transferphase am 2. September.

Titel an USA, Brasilien und Mexiko

National hat die neue Saison endgültig begonnen, mit den Bayern am Montag sind auch alle Bundesligisten wieder im Trainingslager und in der 3. Liga geht am 19. Juli mit dem Auftaktspiel 1860 München – Preußen Münster bereits die Punktrunde los. International standen allerdings verschiedene Meisterschaften noch im Mittelpunkt. Am Wochenende wurden Titel vergeben und die Gewinner sind: Die USA als Frauen-Weltmeister, Brasilien holte sich die Copa America und Mexiko den Gold Cup. In Afrika wird noch gespielt.

Es war bezeichnend: Die Frauen wurden Weltmeister, die Männer unterlagen im Finale des Gold Cup Mexiko mit 0:1, gingen also leer aus. In den USA hat der Frauen-Fußball nach wie vor mehr Bedeutung als der Männer-Fußball und das ist auch die Grundlage dafür, dass die Amerikanerinnen den Frauen-Fußball weltweit dominieren, das 2:0 gegen den tapferen Europameister Niederlande bedeutete bereits den vierten WM-Titel, so viele, wie alle anderen Nationen zusammen (Deutschland zwei, Norwegen und Japan). Kein Wunder, dass vor allem die US-Girls auf die Barrikaden gehen und gleiche Bezahlung wie die Männer einfordern. „Equal pay“ schallte es FIFA-Präsident Infantino entgegen neben einem Pfeifkonzert. Aber auch ein anderer Präsident steht im Fokus, einen Empfang bei US-Präsident Donald Trump wollen die meisten Spielerinnen boykottieren. Kapitänin Rapinoe hatte von vornherein eine Absage kundgetan: „Wir können keinen Mann respektieren, der anderen keinen Respekt zollt.“

Die Amerikanerinnen sind sehr selbstbewusst und so traten sie auch bei der WM von Anfang an auf. Insgesamt war die Frauen-WM in Frankreich ein voller Erfolg, leider nicht für die deutsche Mannschaft, die ihre führende Rolle verloren hat und darum kämpfen muss, in der Weltspitze zu bleiben. Die Qualität hat sich international verbessert, viele Nationen haben aufgeholt bzw. kleinere Länder haben sich weiterentwickelt. Insofern macht ausnahmsweise ein Vorschlag von FIFA-Boss Infantino sogar Sinn, das WM-Teilnehmerfeld von 24 auf 32 zu erhöhen, damit mehr Nationen einen Schub für die Entwicklung bekommen. Ansonsten ist der Gigantismus bei den Männern mit größeren Teilnehmerfeldern Unsinn.

Mexiko holte also mit einem 1:0 gegen die USA den Gold Cup, allerdings in Chicago, was dem Gastgeber gar nicht gefiel. Brasilien als Gastgeber durfte allerdings feiern, der 3:1-Sieg im Finale gegen Peru war Balsam auf die verwundete brasilianische Fußballseele. Endlich wieder ein Erfolg nach dem WM-Debakel 2014 gegen Deutschland. Bezeichnend, dass der Triumph ohne Star Neymar gelang. Der Star war diesmal die Mannschaft und das war wieder einmal ein deutliches Zeichen für den Fußball als Mannschaftssport!

Zwei Niederlagen und doch Hoffnung für die Zukunft

Die sommerlichen Temperaturen dämpften sicherlich ein bisschen die Begeisterung und doch war Deutschland in den vergangenen Wochen wieder eine Fußball-Nation. Die TV-Einschaltquoten bestätigten dies. Doch der krönende Abschluss fehlte leider. Die Frauen schieden bei der Weltmeisterschaft im Viertelfinale gegen Schweden aus, die U21 konnte ihren Titel bei der Europameisterschaft nicht verteidigen und unterlag im Finale Spanien. Zwei Niederlagen also und doch bleibt für beide Mannschaften einige Hoffnung für die Zukunft.

Wer war jetzt näher dran am Erfolg? Zweifellos die U21, denn die stand im Finale, aber beim 1:2 gegen Spanien fehlte das Spielglück, aber der Gegner war auch den Tick besser, routinierter, mit wenigen Fehlern und schaffte so die Revanche für die Finalniederlage vor zwei Jahren. Beim ersten Gegentor patzten gleich mehrere Abwehrspieler, beim zweiten der bis dahin überragende Torhüter Alexander Nübel, als er einen Ball abprallen ließ, den er eigentlich festhalten muss. Der junge Schalker vergoss danach Tränen, aber er hat ein großes „Vorbild“ im Leid, wenn er sich an Oliver Kahn erinnert, der bei der Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea zum besten Torhüter und besten Spieler des Turniers gewählt wurde, dann aber im Finale so einen Ball eben auch abprallen ließ, Ronaldo das Tor ermöglichte und damit die Final-Niederlage einleitete. Geschichten wiederholen sich also, Wiederholt sich Geschichte dann auch in einer großen Karriere für Alexander Nübel? Er erinnert stark an einen anderen überragenden Torhüter, an Manuel Neuer.

Interessant, dass im Vorfeld des Finales die Öffentlichkeit vor allem darüber spekulierte, welcher der 23 Spieler aus dem EM-Kader denn eine große Karriere machen könnte. Wer tritt in die Fußstapfen der Neuer, Hummels, Khedira oder Özil, die einst mit der U21 Europameister wurden. Für eine große Karriere reicht aber Talent allein nicht, man braucht Einsatz, Willen und ein wenig Glück und Verstand, zum Beispiel bei der Karriereplanung. Eine ganze Reihe der Jungen, die bei der EM hätten spielen können, sind bekanntlich bereits Stammspieler bei Joachim Löw. Anklopfen dürfte Torjäger Luca Waldschmidt, der mit sieben Treffern die Torjägerkanone gewann. Tah und Klostermann gehören schon zum Kreis des A-Teams, Maximilian Eggestein, Henrichs und Dahoud sind im Visier, Amiri meldet Ansprüche an, bei allen anderen wird man sehen. Einige der EM-Teilnehmer haben ja das große Los gezogen, denn sie könnten altersmäßig auch bei Olympia 2020 in Tokio spielen. Das Halbfinale war die Eintrittskarte.

Bei der Frage nach der Zukunft spielt auch Trainer Stefan Kuntz eine Rolle. Er hat mit seiner Arbeit für sich geworben, lässt vergessen, dass er eigentlich als Trainer und Funktionär schon als gescheitert galt. Jetzt ist er sogar als möglicher Nachfolger von Jogi Löw im Gespräch, weil er zeigte, dass er mit Spielern gut umgehen kann, gute Laune verbreitet und sich in der Öffentlichkeit gut verkauft. Sein Vertrag läuft vorerst bis nach Olympia, DFB-Manager Oliver Bierhoff will ihn auf jeden Fall länger halten. Was die Hoffnung angeht, da bestehen für einige jüngere Nachwuchsteams des DFB Zweifel, da waren zuletzt kaum Erfolge zu verzeichnen.

Gehalten werden soll auch die Bundestrainerin der Frauen, Martina Voss-Tecklenburg. Sie ist ja recht kurzfristig ins Boot geholt worden und hat trotz des Aus im Viertelfinale in ihrer Arbeit schon mal Zeichen gesetzt, wenn auch nicht alles geklappt hat. Es war eigentlich abzusehen, dass die routinierten und abgezockten Schwedinnen die besseren Karten in der Hand hatten gegen das junge deutsche Team und auch das Omen sprach gegen die Deutschen, die 24 Jahre lang gegen Schweden in Turnieren nicht mehr verloren hatten. Wir wissen es und die Skandinavierinnen wussten es, jede Serie reißt einmal. Deshalb war ihr Ehrgeiz auch besonders groß.

Was der deutschen Mannschaft fehlte, war in den entscheidenden Phasen mehr echte Führungspersönlichkeiten, die allein in Alexandra Popp zu finden ist, abseits des Feldes auch Torhüter Almuth Schult, doch damit hat es sich schon. Dzsenifer Marozsan als große Hoffnungsträgerin (trotz gebrochenen Zeh) kann diese Rolle nicht spielen. Die Mädchen kompensierten die Vakanz mit erhöhtem Einsatz und hatten auch das nötige Spielglück auf dem Weg ins Viertelfinale, doch ab da wird es eng in der Weltklasse. Deutschland ist noch Weltklasse, aber nicht mehr die Nummer 1, die beansprucht die USA für sich, siehe Weltrangliste. Andere Nationen haben aufgeholt, England, die Niederlande, Spanien und Italien stehen mit dem DFB-Team auf einer Stufe. Frankreich ist sogar stärker einzuschätzen, musste aber wie Deutschland die bittere Pille schlucken, dass Olympia ohne die große Nation stattfindet. Pech beim Spielplan mit den USA als Stoppschild.

Für den Frauen-Fußball in Deutschland ist die Absenz bei Olympia besonders bitter, weil wieder eine Werbemöglichkeit verloren geht. 7,9 Millionen Zuschauer (43,2 Prozent Marktanteil!, das Finale der U21 sahen 9,2 Mill., 32,2 %)) bangten mit den Mädchen, aber sie werden nicht zu alltäglichen Fans, die zum Beispiel die Spiele der Bundesliga sehen wollen. Da verlieren sich im Schnitt rund 900 Besucher auf den Rängen. So bleibt also die Hoffnung, dass die junge Mannschaft Routine und die eine oder andere Verstärkung gewinnt (wichtig vor allem in der Abwehr) und bald wieder das nötige Spielglück bis ins Finale hat. Der Bundestrainerin ist für die Mannschaft auch ein glückliches Händchen zu wünschen.

Zwei Niederlagen für deutsche Nationalmannschaften, aber beide Teams geben dennoch zu Hoffnungen Anlass.

Dortmund setzt die Bayern unter Druck

Die Bayern-Fans können beruhigt sein, die Profi-Abteilung Fußball des FC Bayern München existiert noch. Zuletzt war ja mehr von Borussia Dortmund die Rede oder eben von anderen Abteilungen der Münchner. Die Amateure schafften den Aufstieg in die 3. Liga und am Sonntag machten die Basketballer Vereinsboss Uli Hoeneß (ein bekennender Basketball-Fan) mit dem Gewinn der Meisterschaft glücklich. Ob allerdings die Fußball-Profis den ersten Mann im Verein in der neuen Saison glücklich machen können, das steht in den Sternen.

Das Heft des Handelns haben die Verantwortlichen bei Borussia Dortmund übernommen. Baustein für Baustein wird eine Meistermannschaft gebastelt, die Medien jubilieren schon und hoffen auf ein Ende der Bayern-Herrschaft mit sieben Titeln in Folge. Da heißt es eben „Dortmund lässt die Muskeln spielen“ oder „Dortmund vor dem Meister-Deal“ oder im Hinblick auf die Neuzugänge „Die neue Dimension“. Mit den Zugängen Hazard, Schulz, Brandt und vor allem Innenverteidiger Mats Hummels wurde die Mannschaft zielgenau verstärkt.

Und die Bayern? Die belassen es bei Ankündigungen, haben frühzeitig viel Geld ausgegeben (Hernandez 80 Millionen Euro, Pavard 35 Millionen) und nun herrscht Sendepause. Die Bayern vermeldeten nur Abgänge: Ribery, Robben, James, Rafinha, Hummels und wohl auch Boateng. Uli Hoeneß hatte vor vier Monaten vollmundig erklärt, „wenn Sie wüssten, wen wir alles schon fix haben“, nur um jetzt die zweifelnden Fans zu beschwichtigen, „wir werden am 15. August eine gute Mannschaft am Start haben“. Eine „gute“ heißt aber noch lange nicht ein Meisterteam!

Ein Blick auf jeweils die erste Elf nach Stand der Dinge lohnt sich, jeder kann sich selbst einen Reim machen, welches die Meistermannschaft ist, wobei es bei den Bayern nach den Abgängen vor allem in der zweiten Reihe fehlt. So könnte Dortmund spielen: Bürki – Hakimi, Akanji, Hummels, Schulz – Witsel, Delaney – Sancho, Brandt, Hazard – Reus. Die mögliche Bayern-Elf: Neuer – Kimmich, Süle, Hernandez, Alaba – Martinez, Thiago – Gnabry, Müller, Coman – Lewandowski.

Bezeichnend, dass es in punkto Verstärkungen auch in den anderen Teams der Bayern-Fußballer stockt. Die Bayern II haben ebenfalls mehr Abgänge als Zugänge zu verzeichnen, nehmen vor allem Talente aus den U19 hinzu und derzeit ist es zweifelhaft, ob die Mannschaft stark genug für die 3. Liga ist. Da muss der neue Coach Sebastian Hoeneß, Sohn von Dieter Hoeneß, besonders gute Arbeit leisten. Auch die Frauen, die ja eigentlich Meister VfL Wolfsburg wieder herausfordern und regelmäßig in der Champions League spielen wollen, verzeichnen noch viel mehr Abgänge als Zugänge. Sie bleiben ein Spitzenteam, aber es gilt die Einschätzung wie bei den Männern, das ist keine Meistermannschaft. Egal, wie das Wetter ist, die Bayern haben noch einen heißen Sommer vor sich.

U21 hat das erste Ziel geschafft

Sie haben aufgetrumpft, als wollten sie die Welt einreißen und der EM-Titel schien fast schon vergeben. 3:1 gegen Dänemark, 6:1 gegen Serbien, das Stürmer-Duo Marco Richter (Augsburg) und Luca Waldschmidt (Freiburg) auf Wolke sieben, die jungen Burschen wollten die Welt einreißen. Der Dämpfer folgte auf dem Fuß, der Höhenflug ist beendet mit dem 1:1 gegen Österreich. Aber harte Arbeit schadet in dem Fall auch nicht, denn der Boden der Tatsachen ist nicht allzu hart. Zwei Ziele erreicht, nämlich – Ziel eins – der Einzug ins Halbfinale und der bedeutet Ziel zwei geschafft, die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Glückwunsch deshalb, der EM-Titel, die erfolgreiche Titelverteidigung also, wäre eine prima Zugabe. Ein bisschen Höhenflug darf also schon noch sein.

In der Höhe auch die Frauen, im Austragungsort Grenoble in den französischen Alpen nämlich. Ein Höhenflug ist bei ihnen allerdings nicht zu erkennen, von Anfang galt vor allem das Motto der harten Arbeit. Die Erfolge in der Gruppe und jetzt im Achtelfinale das 3:0 gegen Nigeria waren geprägt vom Kampfgeist und nicht von spielerischer Klasse. Dabei zeigte sich, dass Nigeria als Gegner schon ein Glücksfall war. Hätte Chile zum Abschluss gegen Thailand aus dem 2:0 ein 3:0 gemacht (Latte), wäre Brasilien der Gegner gewesen. Und wie schwer diese Aufgabe gewesen wäre, musste Gastgeber und Mitfavorit Frankreich erkennen, der glücklich in der Verlängerung mit 2:1 gewann. So geht die französische Party weiter und der Frauen-Fußball feiert ein Fest. Was allerdings insgesamt auffällt, ist, dass die spielerische Qualität nicht im Vordergrund steht, vor allem die Passgenauigkeit ist mangelhaft. Was das deutsche Team angeht, so könnte Spielmacherin Dzsenifer Marozsan das Niveau wieder heben, sie will trotz Zehenbruch spielen. Die DFB-Frauen schielen bekanntlich auch nach Olympia und müssen dafür unter die besten drei Teams Europas kommen. Möglich, dass die Europäerinnen im Halbfinale unter sich sind, dann würde das Spiel um Platz drei zudem ein Endspiel für Olympia!

Großes Interesse finden U21 und Frauen in Deutschland auch in der Öffentlichkeit. Die TV-Quoten sind der Maßstab und da sind die DFB-Teams bei ARD und ZDF immer Tagessieger. Beide Mannschaften holten am Wochenende neue Bestleistungen für die aktuellen Turniere, die U21 haben dabei mit 6,97 Millionen Zuschauern am Sonntag beim 1:1 gegen Österreich die Nase vorn, die Frauen können aber auch auf 6,49 Millionen am Samstag um 17.30 Uhr stolz sein, der Marktanteil betrug dabei beeindruckende 39,9 Prozent, die U21 hat da nur 25,5 % entgegenzusetzen. Fans und Spieler träumen jetzt von den Finals. Neue Zuschauerrekorde wären garantiert.