Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Kategorie: Fußball

Champions League: Altes Geld gegen neues Geld

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang sind ein Weltereignis, aber sie regieren nicht allein die Sportwelt. Zumindest in Europa nicht. Am Dienstag, 13. Februar, geht auch die Champions League im Fußball wieder los und mit dem Achtelfinale wird es endlich auch richtig interessant. Die Gruppenphase ist nur ein teilweise langweiliges Vorspiel im Herbst. Die Lose wollten es so, dass es ein mögliches Endspiel bereits im Achtelfinale gibt: Titelverteidiger Real Madrid gegen den Newcomer Paris St. Germain. Man könnte auch sagen altes Geld gegen neues Geld, alter Reichtum gegen neuen Reichtum, ein Großprotz vergangener Tage verteidigt seinen Ruhm gegen den aktuellen Großprotz.

Damit keine Zweifel aufkommen, es geht um Fußball. Aber im Spitzenfußball geht es in erster Linie um das Geld. Die Fans können sich am Spiel erfreuen, die Vereine und Profis erfreuen sich am üppigen Spielgeld. Laut der Fachzeitung kicker haben die Klubs der fünf Top-Ligen in Europa die gigantische Summe von 4,43 Milliarden Euro im vergangenen Sommer für neue Spieler ausgegeben. Bekanntlich schoss Paris mit Katars Scheich Nasser Al-Khelaifi mit 222 Millionen Euro für Barcelonas Torjäger Neymar den Vogel ab. Paris dominiert erwartungsgemäß die Liga in Frankreich, aber erst die Champions League zählt wirklich. Der Pott soll her, endlich. Barcelona war im Vorjahr ein demütigender Stolperstein, nach einem 4:0 zu Hause schied Paris mit einem 1:6 in Barcelona aus. Neymar zirkelte in den Schlussminuten einen Freistoß ins Eck und traf mit Elfmeter und strahlte, „das war wohl das Spiel meines Lebens“. Dann war er weg.

Real Madrid gegen Paris St. Germain am 14. Februar, das elektrisiert. Wobei es in dieser Saison um den Titelverteidiger viele Fragezeichen gibt. Fast gibt es schon eine Art Endzeitstimmung in Spanien. Ohne Sieg gegen Tottenham landete Real in der Gruppe hinter den Engländer und hat nun den Salat mit Paris als Gegner. National klappt es überhaupt nicht, Platz vier und 19 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Barcelona sind eine Demütigung, im Pokal ist Madrid ausgeschieden. Die Schlagzeilen waren in den letzten Wochen entsprechend: „Königliche Gurkentruppe“ hieß es oder „Die Zeit von Zidane läuft ab“ über den einst gefeierten Trainer oder eben „Die Königlichen sind ratlos“. Einst kaufte sich Real eine Mannschaft der Stars zusammen, doch „BBC“ ist in die Jahre gekommen. Bale meist verletzt, Benzema kein Torjäger, der immer trifft und Cristiano Ronald unzufrieden. Den Weltfußballer wurmt, dass Konkurrent Messi in Barcelona wohl mehr verdient und erfolgreicher ist, außerdem merkt „CR7“ mit 32 Jahren langsam das Alter, die Spritzigkeit lässt nach. Real spielt um die letzte Chance, vielleicht auch darum, ob es noch eine Zukunft hat.

Das alte Geld ist ausgegeben, Klubs mit Scheichs in der Hinterhand können mit dem neuen Geld das Kommando übernehmen. Das gilt nicht nur für Paris, sondern zum Beispiel auch für Manchester City mit Trainer Pep Guardiola, der seine Mannschaft mit etlichen Millionen aufgerüstet hat. 250 Millionen Euro waren es im Sommer, jetzt noch einmal über 100 Millionen. Das Ergebnis sind unvorstellbare 13 Punkte Vorsprung in der Premier League, wo doch ansonsten im Kampf um den Titel Spannung Trumpf ist. Doch richtig gefeiert wird bei City und vor allem von Pep Guardiola wohl erst, wenn auch der Sieg in der Champions League gelingt. Der FC Basel sollte im Achtelfinale kein Stolperstein sein.

Die Engländer wollen mit viel Geld angreifen und sind mit fünf Mannschaften noch dabei. Das neue Geld schießt scheinbar Tore. Die schwierigste Aufgabe hat zweifellos ausgerechnet das kriselnde Chelsea London mit dem FC Barcelona zu lösen. Auch hier trifft also neues Geld auf altes Geld. Bei Barca geht es zwar mitunter in der Führung auch drunter und drüber, aber im Notfall wird es Messi schon richten.

Die deutschen Klubs haben sich auf Europas Bühne blamiert. „Das Zeugnis eines Debakels“ urteilte der kicker, weil erstmals nur drei Bundesliga-Klubs in Europa überwintert haben. Freiburg, Köln, Hertha und Hoffenheim sind teilweise blamabel ausgeschieden. Nur Bayern München hält in der Champions League die Fahne hoch, wie so oft. Auch die Bayern spüren das neue Geld in Europas Ligen, sind aber im Umsatz immer noch Nummer vier in Welt des Fußballs und träumen von der Wiederholung des Triples von 2013. Das gute Omen: Auch 2013 hatte die Bundesliga diese miese Bilanz, aber am Ende stand das deutsche Endspiel in Wembley. Es bedarf Los-Glück, damit die Münchner zumindest ins Halbfinale kommen, der erste Gegner Besiktas Istanbul gilt als leichtester der möglichen Gegner. Gegen Paris hat man in der Gruppe besondere Erfahrungen gemacht und ist über das 0:3 im ersten Aufeinandertreffen fast dankbar: Trainer Carlo Ancelotti musste gehen und der 72-jährige Jupp Heynckes, Triple-Macher 2013, wurde reaktiviert. Heute gilt es als Glücksbringer und soll gar nicht mehr in den Ruhestand gehen.

Die in der Königsklasse ausgeschiedenen Borussia Dortmund und RB Leipzig wollen sich in der Europa League profilieren, doch die Leistungen in der Bundesliga waren zuletzt nicht so, dass die deutschen Fußball-Fans sehr hoffnungsfroh in die Zukunft schauen können. Die Italiener Atalanta Bergamo und SSC Neapel könnten die Rausschmeißer spielen. Das deutsche Debakel wäre dann wirklich perfekt.

Ein Blick in die Zukunft: Nach Olympia wird es an dieser Stelle in der Regel jeden Montag einen Bundesliga-Kommentar geben.

Zwei Siege für den Sport

In der Veranstaltungsflut des Spitzensports gingen in den letzten Tagen vielfach zwei wichtige Gerichtsentscheidungen fast unter. Dabei waren dies zwei Siege für den Sport, die vor allem juristische Sicherheit für die Zukunft geben.

Kurz vor den Winterspielen in Südkorea ist für den olympischen Sport vor allem das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte wichtig. Er bestätigte, dass das Doping-Kontrollsystem nicht gegen das Selbstbestimmungsrecht der Athleten verstößt. Geklagt hatten französische Verbände und Sportler, die das sogenannte „Whereabouts-System“ nicht hinnehmen wollten. Monate im Voraus müssen die Sportlerinnen und Sportler täglich eine Stunde benennen, in der sie für Dopingkontrollen zur Verfügung stehen. Die Straßburger Richter zeigten sich auf der Höhe der Zeit, sie gaben dem sauberen Sport den Vorrang. Bravo!

Anders sehen dies die Rechtsanwälte der Gegenseite, die davon sprechen, dass die Sportler persönliche Rechte verloren haben. Das haben sie, das ist eindeutig, aber im Kampf gegen Doping müssen sie dies hinnehmen, denn sonst kann der Kampf gegen Betrüger nie gewonnen werden. Gut, dies ist ein Kampf, der ewig dauern wird, aber das bisher schärfste Schwert, nämlich die unangemeldeten Dopingkontrollen, würde stumpf werden. Die Doping-Praktiken in Russland lassen grüßen. So dürfen wir darauf hoffen, dass in Pyeongchang (fast) nur saubere Athleten am Start sind, zumindest gut kontrollierte.

Das muss man den Athleten schon zugestehen, dass es nicht angenehm ist, im Voraus zu planen und den Aufenthaltsort zu bestimmen. In Deutschland gibt es absolut unangemeldete Kontrollen, was aber nur möglich ist, wenn die Kontrolleure wissen, wo die Sportler zu finden sind. Diese Einschränkungen der persönlichen Freiheit müssen Spitzensportler hinnehmen.

Das zweite richtungsweisende Urteil fällte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Es stellte fest, dass befristete Arbeitsverträge im Profi-Fußball wirksam sind. Dagegen hatte der frühere Torhüter von Mainz 05, Heinz Müller, geklagt, Er wollte nicht hinnehmen, dass ihn der Trainer in die zweite Mannschaft verbannt hatte und somit dem Torhüter die Chance raubte, eine automatische Verlängerung des Vertrages zu erreichen. Es stand sogar im Raum, ob es so weit gehen würde, dass Profi-Fußballer mit ihren Vereinen quasi Rentenverträge abschließen könnten. Die Richter aber stellten eindeutig fest, dass der Profi-Sport eigenen Gesetzen unterliegt, die mit dem normalen Arbeitsleben nicht zu vergleichen sind. Es liegt an den Profi-Sportler selbst, für eine entsprechende Altersvorsorge Vorkehrungen zu treffen. Gestärkt wurde auch das Recht der Trainer, rein nach sportlichen Gesichtspunkten urteilen zu können. Am Ende erstreitet sich ein Ersatzspieler noch das Recht, dass er aufgestellt werden muss!

Wir sehen, wie überall im Leben, so gibt es auch im Sport immer wieder neue Fallstricke, diesbezüglich dürfen wir froh sein, dass die Richter mit gesundem Menschenverstand geurteilt haben. Angeblich ist das nicht immer der Fall.

Manche haben Freude, wenn der Fußball mal pausiert

Von England brauchen wir nicht zu reden, in Spanien und Italien ruht der Fußball zum Jahreswechsel auch nicht, aber in Deutschland hat die Winterpause der Fußball-Bundesliga und der Ligen darunter (Amateure sowieso) Tradition. Über diese Winterpause sind einige glücklich, andere Sportarten freuen sich nämlich, wenn der Fußball mal pausiert und nutzen diese Lücke, um selbst in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu gelangen. Vor allem Eishockey, Basketball und natürlich der Skisport sind präsent.

In England ist dies anders, da hat der „Boxing Day“, der Spieltag der Premier League am zweiten Weihnachtsfeiertag, Tradition, da wird der Besuch des Fußballs zum Familienausflug. Aber auf Sport muss man auch in Deutschland nicht verzichten. Der Fußball pausiert, andere haben Hochbetrieb. Die Deutsche Eishockey Liga hat von Weihnachten an sieben Spieltage innerhalb von 16 Tagen terminiert. Auch im Eishockey hofft man, dass Familien dieses Angebot für einen Ausflug in die Stadien nutzen und so etwas Abwechslung an den freien Tagen haben. Die Vierschanzen-Tournee im Skispringen wird nicht zufällig um den Jahreswechsel herum ausgetragen, sie wurde ein Highlight, hat sich etabliert und lässt den Fußball vergessen, auch die Einschaltquoten im Fernsehen sind beachtlich.

Diese Idee haben sich auch die Skilangläufer zu eigen gemacht, vor einigen Jahren wurde die Tour de Ski gegründet, ein Spektakel ebenfalls zum Jahreswechsel, doch selbst wenn es zum Abschluss im Val die Fiemme in Italien spektakulär den Berg hinauf geht, die Springer fliegen den Läufern davon. Aber dies zeigt, dass die Winterpause des Fußballs von anderen Sportarten gern genutzt wird, sie träumen ja immer davon, mal aus dem Schatten des Fußballs treten zu können.

Was das Fernsehen angeht, in punkto Präsenz in der Öffentlichkeit die Nummer 1 und den Printmedien weit überlegen, da wird gerade in Deutschland gern geklagt, dass es nur Fußball, Fußball, Fußball gebe und sonst nichts. Das sieht Axel Balkausky, ARD-Sportkoordinator, ganz anders. In einem Interview mit dem Sport-Journalist strich er heraus: „Eine so große Vielfalt an Sportarten wie in den ARD-Programmen gibt es auf der ganzen Welt nicht.“ Er legte dazu Zahlen vor: 20 bis 25 Prozent im Sportprogramm sind Fußball, der Wintersport kommt dagegen auf 35 Prozent und der Rest verteilt sich auf Sommersportarten und andere Ballsportarten. Allerdings: Eines ist auch gewiss, der Fußball holt die besten Einschaltquoten, ist das begehrteste Programm. Das werden wir 2018 im Sommer wieder bei der Fußball-Weltmeisterschaft sehen, wenn eine ganze Nation mit den Schützlingen von Bundestrainer Joachim Löw mit fiebert.

Seltsam ist, dass die Sommersportarten mit dem Wintersport nicht mithalten können, wenn der Fußball in Deutschland bei schönstem Wetter eben auch pausiert. Allerdings ist dann vielleicht die Konkurrenz zu groß, da locken Schwimmbäder und Biergärten, da wird der Sport schnell zur Nebensache. Angeblich ist er ja die schönste Nebensache der Welt, will aber gern die Hauptsache sein. Gut aber, dass der Fußball ein paar Lücken lässt, andere Sportarten freuen sich – und mancher von uns auch.

Allen Leserinnen und Lesern ein gutes und erfolgreiches Jahr 2018 und viel Spaß mit dieser Kolumne und beim Sport.

Der deutsche Vereinsfußball in der Krise

Die alte Diskussion wird nie enden, aber die deutschen Fußball-Fans müssen derzeit ein bisschen zurückhaltend sein, wenn es darum geht, zu bestimmen, welche nationale Liga die stärkste in Europa ist. Gerne haben wir dann auf Deutschland verwiesen, doch mit solch einer Einschätzung macht man sich derzeit gegenüber England und Spanien, ja sogar Italien lächerlich. Die europäischen Wettbewerbe waren ein einziges Desaster für die Bundesliga, Deutschland landete in der UEFA-Wertung nur auf Platz elf. Der deutsche Vereinsfußball befindet sich in der Krise.

Ein Trost zum Advent, weil immer noch ein Lichtlein brennt. Das betrifft zum Beispiel die Nationalmannschaft, die als amtierender Weltmeister derzeit auch die Nummer 1 der Weltrangliste ist. Die Ausnahme ist auch Bayern München, das sich mit dem 3:1-Sieg über Paris St. Germain nach dem blamablen 0:3 im Hinspiel mit der verunglückten Ancelotti-Aufstellung wieder international rehabilitiert hat. Traurig aber, dass der deutsche Meister als einziger Bundesligist ins Achtelfinale der Champions League (CL) einzog. In der Europa League (EL) schieden zudem alle Bundesligisten sang- und klanglos aus, so dass nur die CL-Absteiger Dortmund und Leipzig in der EL vertreten sind.

Die aktuelle Jahres-Rangliste der UEFA spricht Bände. England vor Spanien und Italien, Deutschland, in der Fünfjahreswertung immerhin noch Vierter, aktuell nur Elfter – hinter der Ukraine, Zypern, Türkei und Österreich. Da darf keiner sagen, das liege – mit Blick auf die reichen englischen Vereine – am Geld. Gegenüber den genannten Nationen sind die deutschen Klubs wohl finanziell besser ausgestattet. Es fehlte den EL-Vertretern Hoffenheim, Hertha BSC Berlin und 1. FC Köln vor allem an Ehrgeiz und Siegeswillen. Sie sahen die EL als Spaß an, als Abwechslung zum Bundesliga-Alltag, der absoluten Vorrang genießt. Bei dieser Einstellung brauchen wir nie mehr davon sprechen, die Bundesliga könne die Nummer 1 in Europa sein.

England macht es vor, die Vereine der Premier League haben die Gelder des Fernsehens und der Sponsoren wohl doch gut investiert. Fünf Klubs starteten in der CL, alle fünf sind jetzt im Achtelfinale immer noch dabei, vier davon qualifizierten sich als Gruppensieger. In 30 Spielen gab es 21 Siege und nur drei Niederlagen. Die Bilanz von München, Dortmund und Leipzig ist mit 7 Siegen (davon allein fünf die Bayern, zwei Leipzig), 3 Unentschieden und 8 Niederlagen negativ! In der Europa League sah es nicht besser aus: Nur 4 Siege, 4 Remis, 8 Niederlagen. Gut Nacht deutscher Fußball. Deutsche Urlauber werden sich in Österreich etwas anhören dürfen, bei der besseren Bilanz des Nachbarn.

Es muss ein Umdenken bei den Klubs der Bundesliga geben. Die internationalen Wettbewerbe müssen mit allem Ehrgeiz bestritten werden, auch die Europa League muss angenommen werden. Es wirkt noch immer nach, dass „Kaiser“ Franz Beckenbauer in seiner unnachahmlichen Art den zweitklassigen Wettbewerb einst als „Cup der Verlierer“ bezeichnet hat. Seltsam ist nur, dass während der Saison die Vereine nach den Plätzen für Europa schielen. Nur deshalb, weil sie dann sicher sein können, mit dem Abstiegskampf nichts zu tun zu haben? Auch in der EL lässt sich gutes Geld verdienen, man muss dafür allerdings auch etwas tun.

Bleibt das Umdenken aus, wird sich Deutschland bald aus der Zone der privilegierten Nationen verabschieden, nämlich Rang der 4 der Jahreswertung gegen Frankreich oder Russland verlieren und damit auch vier fixe Starter in der Champions League. Dann allerdings ist das Geschrei in der Liga wieder groß.

Vielleicht gibt es ein bisschen Wiedergutmachung schon in den K.o.-Spielen im Frühjahr, wenn Bayern München der Konkurrenz trotzt, Borussia Dortmund zu alter Stärke zurückfindet und Punkte in der EL holt und RB Leipzig im Lernprozess weiter kommt und die Überraschung gegen Neapel schafft. Auch für die Bundesliga gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ob nur ein vorübergehendes Tief oder eine echte Krise werden wir im nächsten Jahr sehen. Doch von der Bundesliga als bester Liga in Europa wollen wir nicht mehr reden. Da lässt England grüßen.

Der Fußball leidet unter seinen Funktionären

Der Fußball feiert wieder einmal ein Fest, doch die Fröhlichkeit ist bei der Auslosung für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland nur aufgesetzt. In Wirklichkeit leidet der Fußball nämlich, er leidet unter seinen Funktionären. Ein Glück, dass der Spielbetrieb in aller Welt reibungslos läuft, dank der ehrenamtlichen Helfer in den Vereinen und Verbänden. An der Spitze aber, egal ob FIFA, UEFA oder in vielen nationalen Verbänden, da herrscht das Chaos, teilweise sogar Kriminalität in Form von Korruption, wie der FIFA-Prozess jetzt in New York deutlich zeigt. Beim Weltverband selbst steht nicht die Aufklärung im Vordergrund, sondern die Vertuschung. Dies machte FIFA-Präsident Gianni Infantino wieder einmal vor der WM-Auslosung deutlich.

Gianni Infantino erdreistete sich, im Vorfeld der WM davon zu sprechen, dass es 2018 in Russland intensive Doping-Kontrolle gebe, aber auf die Doping-Anschuldigungen gegen das Veranstalterland ging er nicht ein. Auch im Fußball stehen Anschuldigungen im Raum, die von einem staatlich organisierten Doping in Russland sprechen. Bekanntlich ist der olympische Sport in heller Aufregung über immer neue Sperren von russischen Sportlern, Putins Reich verliert reihenweise Olympiasieger (und die Medaillen), die bei Nachtests des Dopings überführt werden. Ein IOC-Report spricht von systematischem Doping.

Für den FIFA-Präsidenten gibt es keine Probleme, solange er sie nicht anspricht. Da stehen Forderungen im Raum, dass Katar wegen erwiesener Bestechung die Weltmeisterschaft 2022 verlieren müsste, doch eine Stellungnahme der FIFA zu den Vorwürfen gibt es nicht. Nicht einmal eine Rechtfertigung, dass es wohl aus organisatorischen Gründen und wegen möglicher gigantischer Schadenersatzforderungen eine Verlegung zu schwierig wäre. Die Lösung für die Funktionärsspitze: Schweigen.

„So wie der Herr, so das Gscherr (Untergebenen)“ heißt ein Sprichwort. Das bewahrheitet sich im Fußball, denn nicht nur die FIFA macht eine schlechte Figur, sondern viele Landesverbände ebenso. Spanien hat in der Führung ebenso Probleme wie Italien und von Südamerika und den Ländern in der Karibik ganz zu schweigen. Selbst in Deutschland häufen sich die Klagen rund um den Verband, seit Reinhard Grindel als Nachfolger von Wolfgang Niersbach an der Spitze steht. Von Ordnung und einer ruhigen Führung mit Augenmaß kann keine Rede sein. Ein Eigentor schoss der Verband u. a. damit, dass im Rahmen einer Kooperation mit China eine chinesische Auswahl in einer Regionalliga mitspielen sollte. Bei den ersten Missfallenskundgebungen (Zuschauer zeigten die Tibet-Fahne) ging Chinas Auswahl vom Platz. In Erwartung weiterer Zwischenfälle wurden die nächsten Gastspiele vertagt. Die Politik siegte über den Sport. Die Funktionäre sorgen nicht mehr für einen reibungslosen Spielbetrieb, sondern eher für Chaos. Es bleibt leider immer wieder das gleiche Urteil: Korruption können sie besser als Organisation.

Da kann bei der WM-Auslosung auch noch so gefeiert werden, die Vorfreude auf Russland 2018 ist für die Fans getrübt. Der Fußball leidet unter seinen Funktionären.

Mit der National League werden die Fans betrogen

Derzeit haben wir im Fußball wieder einmal eine internationale Länderspielpause. Sie dient in erster Linie dazu, die letzten Teilnehmer für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland zu ermitteln. Nur wenige Nationen sind da involviert, der Rest macht das, was eigentlich nicht mehr sehr attraktiv ist – er bestreitet Freundschaftsländerspiele. Die internationalen Vergleiche kamen früher gut an, doch diese Freundschaftsspiele sind zu Testspielen verkommen und ohne Spannung locken sie nur noch wenige Fans an. Dies wird sogar bei den traditionsreichen Duellen England – Deutschland und Deutschland – Frankreich so sein.

Dieses Dilemma soll es künftig nicht mehr geben oder zumindest zur Seltenheit werden. Die UEFA, der europäische Fußball-Verband, hat dafür als Gegenmittel die National League erfunden. Dies ist eine Liga für Nationalmannschaften, deren Spiele in den Freiräumen zwischen Europa- und Weltmeisterschaften einschließlich ihrer Qualifikationsspiele ausgetragen werden sollen. Punktspiele also statt Freundschaftsspiele. Die Krux ist: Das Programm für die Spieler wird noch größer, die Nationaltrainer finden kein Testfeld mehr und deshalb hat zum Beispiel der deutsche Bundestrainer Joachim Löw bereits abgewehrt: „Die National League hat für uns keine Bedeutung, wir werden diese Spiele zum Testen verwenden.“ Gut, wenn er das offen sagt, seine Kollegen werden das nicht anders sehen und am Ende gibt es also nur verkappte Testspiele. Der Fan wird also betrogen, er erhält eine Mogelpackung.

Im Herbst 2018, nach der Weltmeisterschaft in Russland, soll die neue National League starten. Alle UEFA-Verbände sind dabei, das Feld wird in vier große Klassen unterteilt, gemäß der Spielstärke wie sie die Rangliste ergibt. Künftig soll es dann Auf- und Abstieg geben. Damit die Mogelpackung nicht gleich auffällt, gibt es auch vier Startplätze für die Europameisterschaft 2020, die bekanntlich mit 24 Teams in 13 Ländern ausgetragen wird. Der Spielmodus dieser National League ist so kompliziert, dass ihn die Fans wahrscheinlich gar nicht verstehen, vielleicht nicht einmal die Spieler, die wohl einfach nach dem Motto auflaufen „gewinnen wir halt mal“.

Auf jeden Fall werden zwölf Nationen die Ligen A und B bilden, in C und D werden es 15 oder 16 sein. Innerhalb der Liga werden vier Gruppen gebildet, in denen die Teams gegeneinander spielen. Die Liga A könnten nach Stand der Dinge Deutschland, Europameister Portugal, Belgien, Spanien, Frankreich, England, Schweiz, Italien, Polen, Island, Kroatien und die Niederlande bilden. Durchaus attraktive Gegner, wobei von Austragung zu Austragung die Gruppen natürlich neu ausgelost werden und hoffentlich verhindert wird, dass es zu immer gleichen Duellen kommt. Die erste Auslosung findet am 24. Januar 2018 in Lausanne statt. Der Sieger der National League wird in einem Endturnier von den vier Gruppensiegern ermittelt, als Termin steht bereits die Zeit vom 5. bis 9. Juni 2019 fest. Die nächste EM-Qualifikation soll dafür kompakter zwischen März und November 2019 ausgetragen werden.

Der geneigte Leser sieht, es ist nicht leicht, sich mit dem neuen Wettbewerb anzufreunden. Auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff kritisierte, dass der vom früheren UEFA-Präsident Michel Platini ins Leben gerufene Wettbewerb wohl vor allem zur Geldbeschaffungsmaßnahme des Verbandes dienen soll. Aber die Verbände werden nicht ausweichen können, die Fernsehrechte sind schon vergeben. In Deutschland freuen sich ARD und ZDF, die ja die Rechte in den Qualifikationsspielen verloren haben, dass sie die Spiele von 2018 bis 2022 schon mal übertragen dürfen.

Am Ende dürfen sie vielleicht sogar eine Weltliga übertragen, denn mit Europa allein will sich der neue UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nicht zufrieden geben, er plant, alle Nationen auf allen Kontinenten einzuladen. Aus der Konkurrenz zur Europameisterschaft könnte eine Konkurrenz zur Weltmeisterschaft werden, der Geldfluss dann natürlich noch größer werden.

Den Funktionären ist es egal, wie Spieler oder Fans die Neuerung sehen. Hauptsache die Kasse stimmt. Sie werden erst dann aufwachen, wenn die Fans reagieren und der Zuspruch fehlt. Wenn das Angebot zu viel wird, fehlt der Reiz. Attraktiver wird, wer sich rar macht. Der Fußball muss aufpassen, dass er nicht überreizt. Die Frage erübrigt sich wohl, ob wir uns schon auf die neue National League freuen…

Ein Plädoyer für den Videobeweis

Die Sportfans in Nordamerika lachen über die Diskussionen, die es im europäischen Fußball über die Einführung des Videobeweises gibt. In anderen Sportarten, vor allem eben im Profisport in Nordamerika, gehört der Videobeweis zum Alltag. Gerade im Football, Tennis und Eishockey sind strittige Entscheidungen ohne den Blick auf den Fernsehschirm undenkbar. Denken wir an knappen Entscheidungen im Tennis, ob der Ball im Aus ist oder nicht. Denken wir an das schnelle Eishockey, wo der Puck mit einer Geschwindigkeit unterwegs ist, dass das menschliche Auge gar nicht mehr erkennen kann, ob er im Netz landete oder am Gestänge. Erst der Blick auf den Bildschirm gibt oft Aufschluss.

Warum also nicht im Fußball, nicht nur in Europa, sondern weltweit in allen Profiligen. Es ist viel Geld im Umlauf, es geht nicht nur um Pokale, sondern auch um viel Geld und da müssen die Verbände nun einmal wirklich alles unternehmen, dass Fehlentscheidungen minimiert werden. Ganz ausschließen kann man sie nicht, weil es auch Ermessungsentscheidungen des Menschen gibt. Aber die ersten Spieltage in der Bundesliga zeigten bereits, dass es durch den Videobeweis ein ganzes Stück mehr Gerechtigkeit gibt. Dabei befindet man sich noch in der Testphase, Anfangsprobleme müssen erst noch ausgeräumt werden, aber eines ist sicher: Auf den Videobeweis darf der Profi-Fußball nicht verzichten!

Ein Plädoyer für den Videobeweis waren die Spiele der Mannschaften des FC Bayern München in der Champions League, da waren nämlich Männer wie Frauen Opfer von Fehlentscheidungen. Die Herren konnten das verkraften, die Damen schauten in die Röhre und schieden unverdient aus.

Die Tatsachen. Als die Bayern gegen Celtic Glasgow mit 3:0 gewannen, da war es am Ende egal, ob am Anfang ein Tor korrekt erzielt worden war (der Ball war nicht im Aus) oder nicht, ob es den berechtigten Elfmeter gab oder nicht. Aber es hätte auch anders kommen können und am Schluss könnte doch noch die Tordifferenz entscheidend sein. Aber in so einer wichtigen Liga wie der Champions League gehört der Videobeweis eingeführt. Die Frauen des FC Bayern schieden mit einem 0:1 und 2:1 durch die Auswärtstorregel gegen Chelsea London aus. Sie hätten aber weiterkommen müssen! Das Tor in London fiel aus einer Abseitsposition heraus, in München wurde den Bayern-Mädels ein klarer Handelfmeter versagt und danach noch ein korrektes Tor zum 3:1 wegen eines angeblichen Foulspiels aberkannt. Mit Videobeweis wäre nicht Chelsea in die nächste Runde eingezogen, sondern Bayern München. Krasser geht es nicht und kräftigere Argumente für die Einführung des Videobeweises wird man kaum finden.

Dazu kommt noch, dass die Bedenken vieler Fans, dass die lebhaften Diskussionen um den geliebten Fußball an den Stammtischen kein Futter mehr bekommen, entkräftet werden können. Trotz Videobeweis bleiben genügend strittige Szenen, über die man diskutieren kann. Dass mehr Gerechtigkeit dem Sport aber gut tut, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Deshalb: Im Profi-Fußball muss der Videobeweis eingeführt werden, es darf in den Top-Ligen, in der Champions- und Europa-League, bei Welt- und Europameisterschaften keine Spiele mehr ohne Videobeweis geben.

Die Trainer in der Rotations-Falle

Athleten anderer Sportarten schauen manchmal verächtlich auf die Fußball-Profis, wenn die über die sogenannten „englischen Wochen“ stöhnen, wenn sie also auch unter der Woche die Fußballschuhe schnüren und um Punkte kämpfen müssen. „Was sollen wir sagen, wenn wir zwei Tage hintereinander Spiele haben oder sogar vier in einer Woche“, schütteln vor allem Eishockey- und Basketball-Cracks den Kopf. Der einfache Fan wiederum behauptet: „Die Millionäre sollen für ihr Geld auch was tun.“ Zur Ehrenrettung der Fußball-Millionäre muss allerdings gesagt werden, dass halt jede Sportart ihre Eigenarten hat.

Die Fußball-Trainer wiederum nehmen die erhöhte Belastung, die vor allem durch die Spiele auf der internationale Bühne auftreten (da heißt es, dass vor allem die Reisen so anstrengend sind) sehr ernst. War es früher so, dass jeder Trainer seine „Stamm-Mannschaft“ hatte, die er aufs Spielfeld schickte, so ist dies schon lange nicht mehr der Fall. Die Profi-Kader wurden größer und sind im besten Fall so bestückt, dass es für jede Position zwei gleichstarke Bewerber gibt. Dies ist allerdings die Ausnahme, denn zwei Messi oder zwei Cristiano Ronaldo kann sich kein Verein leisten.

Um aber die Belastung zu reduzieren, gingen die Trainer vor einigen Jahren von der eingespielten Stamm-Mannschaft ab und erfanden die Rotation. „Belastung gleichmäßig verteilen“, hieß die Losung, die aber nicht bei allen Gefallen fand. Viele Stars motzen, wenn sie auf der Bank sitzen müssen, statt auf dem Spielfeld zu zaubern und gefeiert zu werden. So sitzen die Trainer heute in der Rotations-Falle: Da die Stars, die spielen wollen, dort die Belastung, die nach einem gleichmäßigen Einsatz der Spieler ruft. Und weil der Glücksfall des absolut ausgeglichenen Kaders eben Glücksfall ist, wartet nämlich noch eine weitere Falle: Verliert die sogenannte B-Mannschaft, dann ist Feuer auf dem Dach, dann wird die Rotation zum Rohrkrepierer oder im schlimmsten Fall zum Schleuderstuhl. Dies musste zuletzt der prominenteste Fall erkennen, als Bayern München Star-Trainer Carlo Ancelotti auf die Straße setzte, als der Italiener im wichtigen Champions-League-Spiel in Paris auf gestandene Spieler verzichtete und Kandidaten aus der zweiten Reihe eine Chance gab. Die Rotations-Falle schnappte zu und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach Luft: „Wie kann man in so einem Spiel auf erfahrene Spieler verzichten.“

Das Für und Wider zur Rotation ist so alt wie die Rotation selbst. Ein Meister seines Rotations-Fachs war einst Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld, der sowohl in Dortmund als auch später in München die Stars bei Laune hielt, rotierte und dennoch oder vor allem deshalb Titel gewann. Dies schaffte auch Jupp Heynckes bei seinem letzten Gastspiel in München, als er 2013 das begehrte Triple gewann. Rotation spielte da eine gewichtige Rolle. So wird es immer an den Trainern selbst liegen, wie sie mit ihren Stars umgehen und sie eben bei guter Laune halten. Es gibt ja auch die kleine Rotation, wo ein Star vom Feld geholt wird, wenn sich die Mannschaft auf der Siegesstraße befindet. Doch halt, eine Ausnahme gibt es: Hole niemals einen Torjäger vom Platz, wenn er um die Torjägerkanone kämpft und sich an diesem Tag weitere Treffer erhofft. Man sieht, die Rotations-Falle hat schon viele Tücken. Nicht alle Trainer können ihr erfolgreich ausweichen.

Start der Champions League: Der Sport lockt die Fans – nicht das Geld

Der Kaufrausch ist vorbei, jetzt geht es für die Fußball-Fans wieder um den Sport. Die Vereine und die Scheichs und die anderen Milliardäre, die mit ihrem Geld um sich schmeißen, sollten erkennen: Nur der Sport lockt die Fans – nicht das Geld. Also freuen wir uns trotz des Transfertrubels, als die Millionen nur so durch Europa flatterten, auf die neue Saison. Eines haben die teuren Transaktionen nämlich bewirkt: Es wird in der Champions League noch interessanter.

Es ist wirklich so, da spielt das Geld eine große Rolle. Zum Beispiel Paris St. Germain. Der neue Traumsturm mit dem jetzt teuersten Spieler, Neymar, und Talent Mbappe (nur ausgeliehen, um die UEFA und das Financial Fairplay auszutricksen) sowie Torjäger Cavani soll den Scheichs von Katar den Henkelpott bescheren. In diesem Fall schießt Geld wohl wirklich Tore, aber ist die Abwehr stark genug für die großen Spiele und halten die Nerven? Auch Millionäre sind nur Menschen. Die Sympathien werden Paris nirgends zufliegen. Erstes Test-Objekt ist in der Gruppenphase Bayern München. Sie werden sich mit ihrem typischen „mia san mia“ nicht wie das Kaninchen vor der Schlange benehmen.

Der Blick geht aber auch nach England. Dort wurden ja die meisten Millionen umgesetzt, die Premiere League befand sich wirklich im Kaufrausch, steigerte ihren Umsatz für neue Spieler auf 1.549 Milliarden Euro und will endlich die Dominanz der Spanier brechen. Allein Manchester City gab 250 Millionen Euro aus, davon 140 Millionen für drei neue Verteidiger. Trainer Pep Guardiola muss seinen Scheichs liefern, er blieb in seiner Trainer-Karriere das erste Jahr ohne Titel. Da darf man schon fragen: Kann Pep nur mit Geld? Wir werden es sehen. Aber auch Englands Meister Chelsea London will angreifen und Manchester United mit dem ehrgeizigen Pep-Erzfeind Jose Mourinho, der als Sieger der Europa League einen Platz in der Elite-Klasse ergatterte.

Also, welche Wünsche gehen nun in Erfüllung? Spannung ist garantiert, allerdings nicht in der Gruppenphase. Da sorgte die seltsame UEFA-Regelung mit einer Bevorzugung der acht Meister der besten Nationen dafür, dass es uninteressante Gruppen gibt und in einigen Fällen werden wir wieder erleben, dass sich Vereine vorzeitig das Weiterkommen sichern und manchmal sogar die zwei letzten Spieltage uninteressant werden. Aber auch hier regiert ja das Geld, weil die Gruppenphase mehr Spiele garantiert, ginge man gleich zum K.o.-Modus über (wie früher), wäre für viele der Reibach kaum möglich. Seltsam sind Umfragen vor dem Start nach dem künftigen Titelträger. Ergebnisse aus den Gruppen sind Schall und Rauch, auf die K.o.-Runde und dann auf Glückslose oder nicht kommt es an. Sprechen wir uns also wieder im Frühjahr. Der Herbst ist das manchmal interessante und am Ende oft langweilige Warm up.

Die deutschen Vereine hoffen darauf, dass sie im Frühjahr noch in den Lostöpfen zu finden sind. Das sollte Bayern München gelingen, weil man neben der Bewährungsprobe gegen Paris die anderen Gegner Anderlecht und Celtic Glasgow schlagen muss, wenn man sie nicht unterschätzt. Von einer „Hammergruppe“ spricht Borussia Dortmund, mit dem ewigen Rivalen Real Madrid (im Vorjahr zweimal 2:2!) sowie Tottenham Hotspur und dem Außenseiter Nikosia. Der dritte im Bunde ist der Newcomer RB Leipzig, der als Bundesliga-Neuling gleich in die Champions League durchstartete. Die Gegner AS Monaco, FC Porto und Besiktas Istanbul sind Chance und Bewährungsprobe zugleich. Dies ist eine dieser Gruppen ohne einen der großen Favoriten und Leipzig sollte die Stärke besitzen, sich hier durchzusetzen. Allerdings fehlt die internationale Erfahrung. Ein nicht zu unterschätzendes Handicap.

Das Finale gibt es am 26. Mai 2018 in Kiew. Real Madrid will das Triple, nachdem es bis dahin kein Verein geschafft hatte, überhaupt den Titel erfolgreich zu verteidigen. Genügend Vereine wollen Cristiano Ronaldo und Trainer Zinedine Zidane stoppen (u. a. natürlich auch der FC Barcelona mit Messi), doch wer schafft es? Bayern München musste zuletzt im Viertelfinale erkennen, das notfalls höhere Mächte den Spaniern helfen. Nach der selbstverschuldeten Heimniederlage (Vidal verschoss einen entscheidenden Elfmeter) hielt im Rückspiel Ungarns Schiedsrichter Kasai schützend seine Hand über Real und erklärte Abseitstore von Ronaldo als gültig. Nicht nur das Geld spielt also eine große Rolle.

Vorhang zu im Transfer-Theater

Endlich ist er da, der 31. August. In den wichtigsten europäischen Fußball-Ligen endet an diesem Tag die sommerliche Transferzeit. Endlich ist das „Affentheater“ (Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke) vorbei, der Vorhang ist zu im Transfer-Theater.

Die Transferzeit 2017 brach alle Rekorde. Vor allem die Scheichs aus Katar frönten einer Kaufwut, um „ihren“ Verein Paris St. Germain mit Star-Einkäufen an Europas Spitze zu führen. Sie gaben schon in den letzten Jahren viel Geld aus, jetzt bedeuten die 222 Millionen für den Brasilianer Neymar neuen Rekord. Er wird nicht lange Bestand haben und er verdarb endgültig die Preise. Der FC Barcelona musste Neymar hergeben und zahlt mit vollen Taschen bis zu 147 Millionen Euro für den unerfahrenen 20-jährigen Franzosen Dembele, der mit einem Trainingsstreik in Dortmund wesentlicher Bestandteil des Affentheaters war. Die Millionen schwirrten nur durch die Gazetten, die Vereine überboten sich gegenseitig und die Berater machten sich die Taschen voll. Die Fans schauten staunend, Kopfschüttelnd und zum Teil angewidert zu. Deshalb: Schluss mit dem Affentheater. Vorhang zu.

Der europäische Verband, die UEFA, muss tätig werden, wenn sich die Ligen nicht einigen. Die Fans sind frustriert, aber eigentlich sollten sie neben dem Sport doch im Mittelpunkt stehen. Hans-Joachim Watzke wählte nicht nur die drastischen Worte, sondern er sprach den Fans mit einem Plädoyer zu einer verkürzten Transferperiode auch aus dem Herzen: „Weil die Fans spätestens am ersten Spieltag wissen wollen, wie ihre Mannschaft denn nun aussieht. Und weil dieses Hin und Her auch die Beteiligten irgendwann nicht mehr durchhalten.“ Klarheit statt Transferpoker ist gefordert.

Eigentlich betrügen die Vereine die Fans, die sich vor der Saison Dauerkarten kaufen und von einer starken Mannschaft ausgehen. Doch dann wird zum Teil ein Star nach dem anderen verkauft, die Situation sieht plötzlich ganz anders aus, von Spaß kann bei manchen dann nicht mehr die Rede sein. Also wurde ein gefälschtes Produkt verkauft, mehr Schein als Sein. Aber auch Trainer plädieren dafür, dass die Mannschaft zum Saisonbeginn feststehen muss. Augsburgs Trainer Manuel Baum fordert ebenfalls ein Ende der Wechselfrist vor der Saison: „Das wäre für uns Trainer ideal. Du hast deine Mannschaft zusammen und die Spieler haben nicht mehr irgendwelche anderen Dinge im Kopf.“

Es ist ein Unding, wenn Vereinsmanager fordern, dass nach den ersten Punktspielen noch Spielerwechsel möglich sein müssen, weil es Verletzungen gibt, weil Vereine, die an den Qualifikationen zu den europäischen Wettbewerben beteiligt sind, erst danach wissen, wo sie spielen und wie groß der Kader sein muss. Da sind eben die Manager mit einer besseren Planung gefordert, aber das rechtfertigt dieses Transfer-Theater nicht, wenn Spieler Vereine erpressen, wenn Berater Vereine gegeneinander ausspielen mit dem Druck, dass die Saison schon begonnen hat.

Der Profi-Fußball entfernt sich immer mehr von den Fans, bei den Transfers kann er zeigen, dass er verstanden hat und die Fans noch eine Rolle spielen. Der erste Weg zum besseren Verständnis ist ganz einfach eine Verkürzung der Transferzeit im Sommer mit einem Ende vor den ersten Punktspielen. Rechtzeitig Vorhang zu im Transfer-Theater.