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Handballer haben eine WM-Medaille buchstäblich verschenkt

Wieder keine Medaille für die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft. Seit 18 Jahren wartet der DHB darauf, doch so nah wie diesmal in Oslo war man selten. 30:31 gegen Portugal im Viertelfinale, Entscheidung in letzter Sekunde der ersten Verlängerung. War das einfach Pech? Nein, die Mannschaft hat eine Medaille buchstäblich verschenkt. Es wurden viele Fehler gemacht, auch von Bundestrainer Alfred Gislason, der seine Hand schützend über die Mannschaft hielt und von „einem Schritt nach vorn“ sprach. Das war es nicht, es war eine bittere, eigentlich vermeidbare Niederlage.

Bester Beweis dafür die Reaktion von Torhüter Andreas Wolff, der sich besonders ärgerte, ja sogar tobte, weil er sein Team mit sensationellen Paraden immer wieder im Spiel hielt. Aber seine Vorderleute waren teils zu schläfrig (wieder den Start versaut), zu konzentriert (beim entscheidenden Tor nicht energisch genug) und vielleicht auch zu nervös. Vor allem im Angriff, wo oft überhastet geschossen wurde und die Angriffe nicht gut genug ausgespielt wurden. Die Portugiesen waren schneller, konzentrierter und angriffslustiger. Sie haben sich das Halbfinale verdient.

Die deutsche Mannschaft muss aus den Fehlern lernen, denn die Zukunft gehört durchaus dieser jungen Mannschaft um Juri Knorr, Renars Uscins und Julian Köster. Viele haben den U21-Weltmeister Max Beneke vermisst, ein 1,98 m langer Kerl mit Wurfgewalt von den Füchsen Berlin. So einer hat dem Team gefehlt. Leider gab es Ausfallsorgen (Knorr, Semper, Dahmke), aber auch Fehler vom Trainer. Gislason hätte Mittel finden müssen, um die Burschen rechtzeitig munter zu machen, es geht nicht an, in jedem Spiel erst einmal in Rückstand zu geraten. Er hat aber auch die Stützen der Mannschaft zu oft und zu lange ins Gefecht geschickt, so wirkte Uscins überspielt, kam nicht in die tolle Form von Olympia. Den Flow von Paris haben die Silbermedaillengewinner diesmal nicht erwischt. Sie mussten sich alles mühsam erarbeiten. Am Ende hat es nicht gereicht.

Die nächste Weltmeisterschaft findet 2027 in Deutschland statt. Diese einmalige Gelegenheit muss man für einen Medaillengewinn nutzen. Wenn nicht zu Hause vor den heißen Fans, wann dann? Handball löst durchaus Begeisterung im Lande aus, sieben Millionen Zuschauer sahen an den Bildschirmen das Aus gegen Portugal. Gibt es Siege zu Hause, sind schon heute Rekordzahlen garantiert!

Bei der Ski-WM sind deutsche Medaillen Mangelware

Die Handballer fuhren also ohne Medaillen nach Hause, das kann der deutschen Ski-Mannschaft bei der alpinen Weltmeisterschaft vom 4. bis 16. Februar in Saalbach-Hinterglemm in Österreich auch passieren. Die Mannschaft ist zwar groß, doch die Medaillenhoffnungen sind klein. Genau genommen haben nur Lena Dürr und Markus Straßer im Slalom eine realistische Chance. Vielleicht erwischt noch Speed-Queen Kira Weidle-Winkelmann einen guten Tag und sorgt für eine Überraschung.

Lena Dürr darf sich berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille machen, doch sicher ist im Slalom bekanntlich nichts. Aber wer 2023 schon Bronze holte und im Weltcup mehrmals auf dem Podest stand, der gehört zum Favoritenkreis. Top-Favoritinnen sind allerdings andere, so die 21-jährige Kroatin Zrinka Ljutic, die der Elite zuletzt die Skienden zeigte. Aber vielleicht kommt auch die Ski-Königin Mikaela Shiffrin (USA) nach ihrer Verletzung rechtzeitig in Form. Das darf man von ihrer Landmännin Lindsay Vonn nicht erwarten, die zwar mit ihrem Comeback für Schlagzeilen sorgte, aber noch nicht mit guten Leistungen. Ihr Ziel, so sagt sie, ist eine Medaille bei Olympia 2026 in Cortina.

Bei den Männern bekommt es Markus Straßer mit einer ganzen Reihe von Mitbewerbern zu tun, einen klaren Favoriten gibt es nicht und so wird die Tagesform und ein bisschen auch das Glück am Schlusstag entscheidend sein. Bei den Männern sind ansonsten alle Augen auf den Schweizer Marco Odermatt gerichtet, der die Ski-Welt derzeit dominiert. Aber alle Rennen kann er auch nicht gewinnen…

ARD und ZDF übertragen in Deutschland ausführlich von der Ski-WM, die Kollegen in Österreich versprechen besondere Übertragungen, so setzt der ORF 54 Kameras und 4 Drohnen ein. Motto: Wir wollen nah dran sein. Na dann viel Spaß.

Was ist mit den deutschen Spitzenteams im Fußball los?

Die Bundesliga ist spannend, die Stadien sind voll. Die zweite Liga gilt sogar als die attraktivste zweite Liga der Welt und konnte am Wochenende mit über 300.000 Besuchern an einem Spieltag (Schnitt 35830) einen neuen Zuschauerrekord aufstellen. Doch der Schein trügt, international hinkt die Bundesliga hinterher. Das wird in der UEFA-Rangliste deutlich, die deutschen Klubs sind nicht mehr erfolgreich. In der Jahreswertung der Saison 24/25 nimmt Deutschland sogar nur Platz sechs ein, noch hinter Belgien und Portugal, vorne liegen England, Italien und Spanien. Mit einem fünften Verein in der Champions League braucht keiner zu spekulieren, da zählt die Fünfjahreswertung und da rutschte Deutschland von Rang zwei auf vier ab, hinter England, Italien und Spanien. Nur die beiden besten Nationen bekommen einen fünften Platz.

International hat keine deutsche Mannschaft wirklich geglänzt, Leipzig ist in der Champions League frühzeitig abgeschlagen gewesen und hat mit dem 2:1 gegen Sporting Lissabon gerade mal den ersten Sieg errungen. Die größte Enttäuschung war Bayern München, das mit Niederlagen Barcelona, Aston Villa und jetzt Rotterdam viel an Boden verloren hat. Nur vier Siege und drei Niederlagen sind keine Bilanz, die Hoffnung auf den Gewinn des Henkelpotts machen kann. Wohlgemerkt, das Finale findet in München statt und das Motto der Bayern heißt „Titel dahoam“. Danach sieht es nicht aus. Nur Meister Bayer Leverkusen kann sich berechtigte Hoffnungen auf die direkte Qualifikation für das Achtelfinale machen, ist derzeit mit 13 Punkten punktgenau Achter (acht Teams qualifizieren sich) und hat am letzten Spieltag am Mittwoch mit dem schon ausgeschiedenen Sparta Prag (29./4) eine wohl machbare Aufgabe. Borussia Dortmund und die Bayern müssen selbst bei einem Sieg gegen die machbaren Gegner Donezk (27./7) bzw. Bratislava (35./0!) zittern, ob sie den Play-Offs der Teams von 9 – 24 im Februar entkommen können. Dagegen hofft der VfB Stuttgart auf einen Sahnetag gegen Paris St. Germain, Stuttgart liegt als 24. genau am Strich und hat genauso wie Paris zehn Punkte. Ironie des Schicksals: Bei einem Unentschieden würden beide Teams die Play-Offs erreichen.

Diese Konstellation hat die UEFA bei der Abkehr von den Gruppenspielen hin zum Ligaspielbetrieb wohl nicht im Auge gehabt, als sie mehr Spannung versprochen hat. Die großen Vereine haben sich vom neuen Modus einen leichten Weg ins Achtelfinale versprochen, doch es kam anders. Mit Liverpool, Barcelona und Arsenal London liegen zwar potentielle Kandidaten für ein CL-Viertelfinale vorn und sind im Achtelfinale, aber die Bayern, Titelverteidiger Real Madrid (16.), Juventus Turin (17.), Paris (22.) und vor allem Manchester City, das auf Rang 8 mit 8 Punkten außerhalb der Play-Offs platziert ist, haben sich das anders vorgestellt. Die Mannen von Pep Guardiola sollten mit einem Sieg gegen Brügge (20./11) noch den Sprung schaffen, aber es gibt für die Play-Offs dann eine besondere Situation: Die besser platzierten Mannschaften hätten ja auf einen leichteren Gegner hoffen können, doch nun droht ein großes Kaliber vom Rang Paris, ManCity oder den beiden Lissaboner Vereinen. Nach derzeitigem Stand würde Dortmund auf Eindhoven treffen, die Bayern auf Celtic Glasgow und der VfB auf Aston Villa. Das Schlagerspiel hieße Real – Juventus (16 – 17/9 spielt gegen 24, 10 – 23 usw.). Am Mittwoch, wenn alle Spiele zur gleichen Zeit um 21.00 Uhr angepfiffen werden, wird also viel gerechnet und gezittert werden. Für 25 Mannschaften steht noch etwas auf dem Spiel, in 16 von 18 Spielen. Insofern hat sich also das Ligasystem bewährt, es gab unterschiedliche Gegner, interessante Spiele und wirklich Spannung.

Die Frage ist, können die deutschen Spitzenteams in naher Zukunft wieder vorne mitmischen? Was ist los? Die Bayern zeigen unter Trainer Vincent Kompany gute Ansätze, aber Joshua Kimmich urteilte nach dem 0:3 in Rotterdam sehr richtig: „Wir sind derzeit keine europäische Spitzenmannschaft.“ Mit Verstärkungen tut man sich schwer, denn mit den Geldvereinen in Spanien und England können die Bayern nicht mithalten. Eine Spitzenmannschaft ist auch Meister Leverkusen nicht, wie die Niederlage bei Atletico Madrid zeigte und die Zukunft scheint ungewiss zu sein. Bleiben Trainer Xabi Alonso und Jungstar Florian Wirtz? Der Verlust von beiden könnte kaum angefangen werden. Die derzeit in der Bundesliga-Tabelle nachfolgenden Vereine Frankfurt, Stuttgart und auch Leipzig müssen derzeit froh sein, überhaupt das internationale Geschäft zu erreichen und auch Borussia Dortmund als letztjähriger Finalist hat ganz andere Sorgen und muss vielleicht sogar eine Saison ganz auf Europa verzichten.

Leverkusen fehlt das Meister-Gen

In der Bundesliga waren die Bayern der große Gewinner, Leverkusen der Verlierer im Meisterrennen, das 2:2 bei RB Leipzig ist ein Rückschlag. Es ist das sechste Unentschieden von Bayer, dem offensichtlich das Meister-Gen abhanden gekommen ist. Im Vorjahr drehte Leverkusen die Spiele oft in den letzten Minuten, jetzt gehen Punkte verloren. Vor allem das 2:2 in Bremen und 1:1 in Bochum schmerzen. Sechs Punkte Vorsprung sind für die Bayern kein Ruhekissen, aber sie haben auch die weitaus bessere Tordifferenz. Der 2:1-Sieg in Freiburg war keine Glanztat, beruhigte aber Verein und Mannschaft nach der Rotterdam-Pleite. Mit Stanisic und Palhinha sind lang verletzte Spieler wieder dabei, dafür fehlt Gorotzka jetzt verletzt.

Mannschaft der Stunde ist der FC Augsburg mit drei Siegen in Folge, damit gelang der Sprung auf Rang 12 und der Anschluss ans Mittelfeld. Das bedeutet einen Rang hinter Dortmund. Die Borussia hat sich das natürlich anderes vorgestellt, das 2:2 gegen Bremen war mit viel Pech verbunden und über 70 Minuten spielte Dortmund nach dem Platzverweis von Nico Schlotterbeck in Unterzahl (Bruder Kevin sorgte in der letzten Minute für den FCA-Sieg gegen Heidenheim!). Aber mit Interimstrainer Mike Tullberg stimmt wenigstens der Einsatz wieder. Am Tabellenende holte St. Pauli einen wichtigen Sieg gegen Union Berlin, Kiel erkämpfte ein 2:2 in Wolfsburg, da wird es für Heidenheim immer enger. Dortmund ist am Samstag der nächste Gegner…

Nagelsmann bleibt länger beim DFB

Der DFB feierte am Wochenende sein 125-jähriges Bestehen und machte sich zum Jubiläum selbst ein Geschenk. Bundestrainer Julian Nagelsmann verlängerte seinen Vertrag, der bisher bis zur EM 2026 datiert war, bis zur Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Der 37-Jährige hat offensichtlich Gefallen an dem Job gefunden, wird sich aber wohl nach der EM nach einem anderen Assistenten umsehen müssen, denn Sandro Wagner ist jetzt schon bei vielen Vereinen im Gespräch, will aber bis 2026 auf jeden Fall bleiben.

Der Festakt des DFB fand am „Geburtsort“ in Leipzig statt. Ehrengäste waren u. a. Bundeskanzler Olaf Scholz, FIFA-Präsident Gianni Infantino und UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Scholz fasste sich kurz, Infantino blieb nichtssagend, aber Ceferin betonte, dass der Fußball auch in Zukunft für Vielfalt, Toleranz, Gemeinsinn und Miteinander stehe. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte die Forderung an den Kanzler, die Politik dürfe angesichts verfallender Sportanlagen und eines überbürokratisierten Ehrenamts die „schönste Nebensache der Welt nicht wie eine Nebensache behandeln“.

Seit 1970 gehört auch der Frauen-Fußball zum DFB, am Wochenende hat die Bundesliga die Winterpause mit zwei Nachholspielen beendet. Dabei war das Wiederholungsspiel wegen eines Schiedsrichterfehlers zwischen Freiburg gegen Leverkusen. Statt 3:2 siegte Leverkusen jetzt 2:1 und schloss damit wieder zu Frankfurt und München auf. Am Freitag folgt dann gleich das Duell der Eintracht mit Bayer. Die Bayern-Mädchen müssen nach Leipzig. Sie werden aber ebenso wie die Wölfinnen am Wochenende vor allem auf die Auslosung der Champions League schauen.

Portugal Prüfstein im Handball

Bei der Handball-WM steht jetzt das Viertelfinale auf dem Programm. Deutschland ist erwartungsgemäß dabei und spielt am Mittwoch (20.30 Uhr) in Oslo gegen Portugal. Die Portugiesen überraschten als Sieger der Hauptrunde III gegen Brasilien, Spanien und Schweden und sind ein echter Prüfstein, gelten sogar als Geheimfavorit. Ein Hoffnungsfunken: Spielmacher Juri Knorr ist wieder dabei. Vor allem die Chancenverwertung muss besser werden. Gefürchtete Torjäger sind dagegen beim Gegner die Brüder Costa, auf die gilt es aufzupassen. Im Halbfinale würde dann wohl Favorit Dänemark (gegen Brasilien) warten. Außerdem trifft Kroatien auf Ungarn und Frankreich auf Ägypten, das viele im Finale erwarten.

Dortmund in Not – Vier Teams hatten eine perfekte Woche

Der Stressfaktor in der Fußball-Bundesliga ist hoch. Sogenannte englische Wochen sind für die Spitzenklubs fast schon der Normalfall, für die anderen Vereine dagegen eine außergewöhnliche Belastungsprobe. Besonders hoch wird der Stressfaktor dann, wenn sich der erhoffte Erfolg nicht einstellt. So in Dortmund, nur die Borussia blieb gemeinsam mit ihrem Namensvetter aus Mönchengladbach in den drei Spielen ohne Punkte. Der Unterschied bei den Vereinen auf den Plätzen zehn und elf: Dortmund ist in Not, denn Ziel ist die Champions League, da fehlen zu Rang vier sieben Punkte, Gladbach dagegen ist mit einem Mittelfeldplatz mehr oder weniger zufrieden, die Gegner hatten es außerdem in sich, nämlich die Bayern und Leverkusen, dazu gab es den 1:5-Ausrutscher in Wolfsburg.

In Dortmund herrscht dagegen Unsicherheit, die Vereinsführung wirkt ratlos, das 2:3 gegen Leverkusen, vor allem die 2:4-Niederlage in Kiel, aber auch das 0:2 in Frankfurt waren ein Tiefschlag nach dem anderen. Normal würden Boss Lars Ricken und Sportvorstand Sebastian Kehl den Trainer entlassen, doch die unruhigen Zeiten sollen vorbei sein, auf Nuri Sahin ruhten alle Hoffnungen, deshalb zögern sie. Eigentlich müssten sie sich von dem einst verdienten Spieler trennen, der als Trainer vielleicht doch erst noch lernen muss und taktische Fehler macht, andererseits widerstrebt ihnen dieser Schnitt und sie hoffen weiter auf Besserung. Wie weit soll der Absturz noch gehen? Letzte Hoffnung ist die Champions League am Dienstag mit dem Spiel in Bologna, das noch ohne Sieg in der CL ist, und dann soll es am Samstag gegen Bremen klappen. Entweder ist dann wieder alles gut oder die Ära Sahin doch zu Ende.

Eine perfekte englische Woche hatten vier Vereine, neun Punkte sammelten die drei Spitzenklubs München, Leverkusen und Frankfurt ein, dazu der VfB Stuttgart, der von Rang sieben auf vier kletterte und damit wieder einen CL-Platz belegt. Es läuft wieder in Stuttgart. Läuft es auch in Frankfurt weiter? Immerhin fehlt künftig Torjäger Omar Marmoush, der für 75 Millionen Euro an Manchester City verkauft wurde. Geld statt Punkte? Dagegen gehört Leipzig mit nur vier Punkten zu den Verlierern – und jetzt kommt Leverkusen zum Schlagerspiel!

Zu den Gewinnern darf sich auch der FC Augsburg zählen, der bis dahin auswärts sieglos war, dann aber zum Abschluss der Hinrunde bei Union Berlin 2:0 siegte und dies gleich wieder zum Rückrundenstart in Bremen wiederholte (sechs Zähler holte sonst nur Wolfsburg). Damit wurde in einer Woche der Abstand zu den Abstiegsplätzen von zwei auf acht vergrößert. Im Nachbarschaftsderby gegen Heidenheim könnte am Samstag der Vorsprung noch vergrößert werden. Ruhe dürfte auch wieder in Berlin einkehren, glücklich ist vor allem der neue Trainer Steffen Baumgart, denn Union kann doch noch gewinnen, nach zehn Spielen ohne Sieg klappte es ausgerechnet gegen das Überraschungsteam aus Mainz, das ebenso wie Freiburg zwei Niederlagen hinnehmen musste. Am Tabellenende rückten die Klubs enger zusammen, Heidenheim beendete seine Niederlagenserie und holte genauso vier Punkte wie Bochum. Hoffenheim gab mit dem 3:1-Sieg in Kiel ein Lebenszeichen von sich und hielt den Aufsteiger damit auf Distanz. Die Störche aus Kiel können sich mit einem besonderen „Titel“ schmücken, sie wurden „Baden-Württembergischer Meister“. Das Team von Trainer Alexander Blessin (einem Württemberger!) gewann gegen Hoffenheim, Freiburg, Stuttgart und jetzt in Heidenheim. Kiel bleibt aber Vorletzter.

Mit Schwung ging es also ins neue Jahr, das Ende der Hinrunde ging mitten in der englischen Woche fast unter, doch sollten bemerkenswerte Zahlen beachtet werden, denn die Bundesliga entwickelt sich zur Ballerliga, 504 Tore in der Hinrunde bedeuten Jahrhundert-Rekord, mehr Treffer gab es zuletzt 1985/86 mit 518 Toren. Großen Anteil am Schützenfest hat der FC Bayern, dessen Spieler 53mal einnetzten, also im Schnitt drei Tore pro Spiel erzielten und damit auf dem besten Weg sind, ihren Vereinsrekord von 1971/72 mit 101 Toren zu übertreffen. Mit drei Toren gegen Wolfsburg blieben sie auf Kurs!

Endspurt in der Champions League

Für die Spitzenklubs gehen die englischen Wochen weiter, in der Champions League steht der Endspurt der Gruppenphase an, zwei Wochen hintereinander wird gespielt, zum Schluss am 29. Januar finden alle Spiele zugleich statt. Für Spannung ist noch gesorgt, so wie es sich die UEFA bei der Neuordnung vorgestellt hat. Nur in Leipzig gibt es neben Bratislava und Bern keine Spannung mehr, ohne Punkte ist das Ausscheiden schon perfekt. RB verabschiedet sich bei Sporting Lissabon und gegen Sturm Graz,. Die ersten acht Mannschaften sind direkt für das Achtelfinale qualifiziert, nur Leverkusen (Platz 4, 13 Punkte) ist derzeit direkt dabei, muss aber zu Atletico Madrid (11./12) und hat Sparta Prag (28./4) zu Gast. Die Teams auf den Rängen 9 – 24 müssen in die Play-Offs, mit dabei sind derzeit Borussia Dortmund (9./12) und Bayern München (10./12). Die Borussia zeigt in der CL ja ein anderes Gesichts, vielleicht bleibt das so in Bologna (33./2) und gegen Donezk (27./4), zwei schlagbare Gegner. Auch die Bayern wollen die Play-Offs vermeiden und nach oben klettern, die Aufgabe bei Feyenoord Rotterdam (18./10) am Mittwoch ist aber nicht einfach, leichter wird es wohl zum Abschluss gegen Bratislava (35./0). Kämpfen muss der VfB Stuttgart, der auf Rang 26 mit nur sieben Punkten derzeit ausgeschieden wäre. Jetzt kommt es darauf an, dass er seinen Aufwind am Dienstag in Bratislava fortsetzt, zum Schluss wartet mit dem punktgleichen Paris St. Germain (25./7) allerdings ein harter Brocken, der eigentlich vom CL-Sieg träumt, jetzt aber gegen das Ausscheiden kämpft. Könnte nächsten Mittwoch also ein Endspiel werden!

Handballer dürfen nicht schlafen

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft konnte bei der Weltmeisterschaft bisher nicht so richtig überzeugen, hat aber dennoch ohne Punktverlust die Hauptrunde erreicht und nur das zählt. Jetzt geht es wirklich um die Wurst und da dürfen die Handballer nicht schlafen. In allen Spielen kamen sie nur schwer in die Gänge und entschieden die Partien gegen Polen, die Schweiz und Tschechien mit einer Leistungssteigerung erst in der zweiten Halbzeit. Darauf darf man sich vor allem gleich zum Auftakt gegen Titelverteidiger Dänemark (Dienstag, 20.30 Uhr) nicht verlassen. Beim letzten Aufeinandertreffen im Olympia-Finale gab es bekanntlich eine Abfuhr. Aber vielleicht hebt man sich die große Revanche für Halbfinale oder Finale auf, wo es wieder ein Aufeinandertreffen geben kann. Bei einer Niederlage müssen auf jeden Fall Siege gegen das Überraschungsteam aus Italien (Donnerstag, 18.00 Uhr) und dem wohl leichtesten Gegner Tunesien (Samstag, 20.30 Uhr) her. Die beiden besten Mannschaften der vier Hauptrundengruppen steigen ins Viertelfinale auf. Dann ginge es für das DHB-Team von Herning nach Oslo. Das Viertelfinale beginnt am Mittwoch, 29. Januar. Verlass war bisher auf die Torhüter, im Zusammenspiel und vor allem in der Chancenverwertung gibt es allerdings noch Mängel. Logisch, dass Bundestrainer Alfred Gislason bisher noch nicht zufrieden ist.

Kampf um Punkte, Kampf ums Geld

Englische Woche in der Fußball-Bundesliga, eigentlich müsste bei diesem kompakten Programm der Sport im Vordergrund stehen. Tut er aber nicht, der Kampf um Punkte gerät in den Hintergrund, der Kampf ums Geld dagegen in den Vordergrund. Am Donnerstag ist der Neujahrsempfang der DFL und diesen Termin nutzen die Vereine, um in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die einige Klubs erzwungen haben, über den Ausschüttungsschlüssel für die erste und zweite Bundesliga zu beraten. Es geht dabei (natürlich) um viel Geld.

Der TV-Vertrag für die nächsten vier Jahre bringt ja sogar ein bisschen mehr Geld als bisher, aber schon bei Abschluss war klar, dass jetzt über die Verteilung der 4,484 Milliarden Euro und dazu über die internationalen Töpfe gestritten wird. Die Zweitligisten wollen mehr Geld, dazu fordern Traditionsklubs, die nicht mehr erstklassig kassieren können, dass bei der Geldverteilung die Säule „Interesse“ mehr Gewicht (Geld) erhalten soll. Nach dem Motto, Schalke oder der HSV sind doch bedeutender als Mainz oder Augsburg. Da ist Streit natürlich vorprogrammiert, wer sportlich ins Hintertreffen geraten ist, will finanziell dennoch erstklassig bleiben!

Ein Blick auf die Ausschüttungen in der Saison 23/24 (Quelle kicker): Aus dem nationalen Topf flossen 871,32 Millionen Euro ans Oberhaus, 203,34 ans Unterhaus, das sind 19,1 Prozent, vorgesehen ist eigentlich eine Verteilung 80:20. Aus den internationalen Geldern kassierte die 2. Liga 4,62 Millionen Euro, gerade mal 2,65 Prozent, die Erstligisten erhielten 169,49 Millionen Euro. Natürlich entfachen vor allem die international erfolgreichen Vereine wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und RB Leipzig das Interesse an der Bundesliga. Davon profitieren am Ende alle Klubs. Die Bundesligisten kamen dem Unterhaus sogar entgegen. Solidaritätszahlungen, die die UEFA den Ligen zahlt, gaben sie an die Zweitligisten weiter, immerhin waren das 8,5 Millionen Euro, so dass langjährige Zweitligisten wie Karlsruhe oder Hannover rund 420.000 Euro kassierten. Aber den Streit ums Geld gibt es schon so lange, so lange Einnahmen zu verteilen sind. Der Streit ums Geld ist wohl als menschlich anzusehen.

Ums Geld geht es auch bereits am Dienstag und zwar vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Das fällt ein letztinstanzliches Urteil im Streit zwischen der DFL und dem Land Bremen um zusätzliche Polizeikosten bei Hochrisikospielen. Da währt der Streit schon lange, die DFL hat bisher sieben Gebührenbescheide in Höhe von insgesamt fast zwei Millionen Euro erhalten, die Hälfte musste Werder der DFL erstatten. Vor Landgericht, Oberlandesgericht und Bundesverwaltungsgericht hat das Land Bremen gesiegt, die DFL ging jeweils in die Berufung. Gewinnt das Land Bremen auch in Karlsruhe, kommen auf die Vereine erhebliche Kosten zu, aber nicht alle Bundesländer sehen die Vereine in der Verantwortung. So hat zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, das die meisten Bundesligisten stellt, abgewunken, desgleichen das Land Bayern. Dort wird geurteilt, dass für Krawalle rund um die Stadien nicht die Vereine zur Verantwortung gezogen werden können, das ist eine öffentliche Polizeiaufgabe. In den Stadien haben die Vereine für Ordnung zu sorgen und tragen auch die Kosten. Ursprung der Krawalle sind doch eher schlechte Erziehung der Chaoten, Lust auf Streit (sie sprechen sich zur Konfrontation ab) und Ergötzung an Pyrotechnik oder dergleichen. Da für Verbesserung zu sorgen, liegt an vielen Stellen. Die Vereine arbeiten mit Fanbetreuung daran, für mehr Sicherheit zu sorgen.

Um Geld und Gerechtigkeit geht es auch beim Feuerzeugwurf beim 1:1 zwischen Union Berlin und VfL Bochum in der Nachspielzeit. Das DFB-Gericht erklärte Bochum zum Sieger, da Torhüter Drewes ausscheiden musste und der VfL geschwächt war. Schiedsrichter Petersen wollte einen Spielabbruch vermeiden, doch das Gericht meinte, es hätte einen geben müssen und urteilte entsprechend. Bei Union ist die Empörung groß, Boss Dirk Zingler spricht sogar von einem Skandal. Der Täter konnte ermittelt werden, so dass sich Union wohl für alle Verluste an ihn wenden sollte. Das Argument, bei diesem Urteil wäre einem gezielten Spielabbruch Tür und Tor geöffnet, sticht nicht. Wird ein Schiedsrichter getroffen, ist ein Spielabbruch sogar zwingend. Die Konkurrenz mosert, dass der Abstiegskampf verfälscht wird. Union hat natürlich Berufung eingelegt, nun muss das Bundesgericht entscheiden. So lange bleibt alles offen.

Die Bayern und das gute Omen

Der erste Titel ist in der Bundesliga vergeben, allerdings nur ein Titel auf dem Papier oder sagen wir „Ehrentitel“. Nach dem mühevollen 1:0 in Gladbach sind die Bayern einen Spieltag vor Ende der Hinrunde bereits Herbst- oder besser Halbzeitmeister. Das kommt nicht überraschend, denn meistens stehen die Bayern vorn, auch hier halten sie den Rekord, wurden bereits 27mal Herbstmeister, Platz zwei belegt Werder Bremen mit gerade mal sechs „Titeln“. Jetzt wollen die Münchner natürlich am Ende auch richtiger Meister werden und hoffen, dass das gute Omen sich wiederholt: In 23 von 26 Fällen des Herbsttitels wurden sie auch Meister! Nur Mönchengladbach 1971, Bremen 1993 und Dortmund 2012 verhinderten ihre Siegesfeier. Aber vier Punkte Vorsprung vor Leverkusen sind kein sanftes Ruhekissen. Mit zwei Heimspielen gegen Hoffenheim am Mittwoch und Wolfsburg am Samstag geht es weiter.

Verfolger Bayer Leverkusen hat die erste Hürde im Duell mit Mitkonkurrenten gemeistert. Allerdings war die von Ausfällen geplagte Borussia aus Dortmund kein wirklicher Gradmesser. Die Not-Abwehr wusste am Anfang gar nicht, was ihre geschah und Leverkusen führte nach acht Minuten mit 2:0. Für die Dortmunder ist die vermeidbare 2:3-Niederlage doppelt bitter, denn die Ausfälle werden ausgerechnet in der englischen Woche kaum weniger und es stehen in Kiel und Frankfurt gleich zwei Auswärtsspiele an. Bekanntlich hat die Borussia in der Fremde sowieso ihre Probleme. Da kommt der Verkauf von Flügelflitzer Malen nach England zu Aston Villa doppelt ungelegen. Vielleicht fehlt bei Frankfurt am Freitag aber auch ein wichtiger Spieler. Torjäger Omar Marmoush steht ebenfalls vor einem Wechsel nach England, Manchester City hat sein Interesse hinterlegt, 80 Millionen Euro Ablöse sind im Gespräch. Der 1:0-Siegtreffer auf St. Pauli könnte das Abschiedstor des Ägypters gewesen sein.

Der Abstiegskampf wird noch heißer, wenn Bochum tatsächlich die Punkte aus dem Union-Spiel erhält und Anschluss zur Konkurrenz finden würde. Union selbst konnte auch mit dem neuen Trainer Steffen Baumgart nicht in die Erfolgsspur einbiegen. Ganz im Gegenteil, von den Teams am Tabellenende gewann allein der 1. FC Heidenheim, eben mit 2:0 gegen Union. Damit endete für die Schmidt-Schützlinge eine Serie von zehn sieglosen Spielen. Torschütze zum 1:0 war ausgerechnet Neuzugang Frans Krätzig, der in Stuttgart zu wenig Spielpraxis bekam und den die Bayern deshalb an Heidenheim weiterreichten. Hat sich gelohnt. Für beide Teams warten in dieser Woche wichtige Aufgaben: Union gegen Augsburg und Mainz, Heidenheim in Bremen und gegen St. Pauli. Wieder einmal geht es um Weichenstellungen für die nahe Zukunft!

Am kommenden Wochenende legt auch die 2. Bundesliga mit dem Rückrundenstart wieder los. Dabei können die Traditionsklubs unterstreichen, dass ihre Forderungen bei der Geldverteilung berechtigt sind. Dritter gegen Erster heißt das absolute Schlagerspiel, wenn der HSV den 1. FC Köln empfängt. Zwei Vereine, die sich in der Bundesliga sehen und die das Oberhaus auch gerne aufnehmen würde. Am meisten Theater um mehr Geld macht aber Schalke 04 und der einstige Top-Klub kämpft eher gegen den Abstieg. Da hilft zunächst einmal eine bessere Leistung.

Am Dienstag beginnt die Handball-Weltmeisterschaft, die in Dänemark, Norwegen und Kroatien ausgetragen wird. Die deutsche Mannschaft hofft auf eine Medaille. Mehr dazu im nächsten Blog „Letzter WM-Titel 2007: Handball-Team träumt wieder“.

Letzter WM-Titel 2007: Handball-Team träumt wieder

Die Durststrecke ist lang, aber die Hoffnung groß. Seit 18 Jahren gewann die Handball-Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften keine Medaille mehr, doch das soll jetzt anders werden, eigentlich schon in den nächsten Wochen bei der WM , die in drei Ländern ausgetragen wird, in Kroatien, Dänemark und Norwegen. 2024 macht nämlich Mut, dass es 2025 wenigstens mit einer Medaille klappen kann, am liebsten natürlich Gold. Unter dem Isländer Alfred Gislason, der seit März 2020 Bundestrainer ist, ging es stetig aufwärts, Platz vier gab es bei der Heim-EM vor einem Jahr, die Krönung bisher Platz zwei bei Olympia in Paris. Da darf man schon von Platz 1 bei der WM vom 14. Januar bis 2. Februar träumen!

Viele im Verband hoffen eine neue „Goldene Generation“. Bereits bei Olympia haben junge Spieler Verantwortung übernommen, die neuen Aushängeschilder sind Juri Knorr (Rhein-Neckar-Löwen), Renars Uscins (Hannover-Burgdorf), Marko Grgic (Eisenach) und Julian Köster (Gummersbach). Dazu gibt es mit Routinier Andreas Wolff (Kiel) und Jungstar David Späth (Rhein-Neckar-Löwen) ein überragendes Torhüter-Gespann. So gibt Kapitän Johannes Golla (Flensburg) das Ziel aus: „Wir wollen auf jeden Fall das Halbfinale schaffen und um die Medaillen spielen.“

Bundestrainer Gislason freut sich zwar über die „tolle Atmosphäre“ im Team, der 65-jährige Coach bremst aber, er sieht ein Trio im engen Favoritenkreis, an der Spitze Dänemark, „die sind klarer Favorit“. Am Titelverteidiger scheiterte Deutschland auch im Olympia-Finale deutlich. Dahinter sieht der Trainer noch Frankreich und Schweden vor Deutschland „und ein paar andere auf unserer Höhe“. Dänemark ist übrigens für das DHB-Team auf jedem Fall eine Hürde auf dem Weg ins Finale. Übersteht Deutschland die Gruppenphase gehört der Weltmeister und Olympiasieger zu den Gegnern in der Hauptrunde.

In der Gruppe A in der dänischen Handball-Hochburg Herning gibt es für das DHB-Team keine unüberwindbaren Hürden. „Alles starke Gegner, wir dürfen nicht leichtsinnig sein“, warnt der Trainer vor Polen (15.1. 20.30 Uhr), der Schweiz (17.1., 20.30 Uhr) und Tschechien (19.1., 18.00 Uhr). Die ersten drei Mannschaften kommen weiter, in der Hauptrunde I in Oslo warten die drei besten Teams der Gruppe B, die Dänemark, Italien, Algerien und Tunesien bilden. Hier geht es dann um zwei Plätze für das Viertelfinale. Dies könnten dann Dänemark und Deutschland sein…

Zukunftsgedanken, erst zählen die Gruppenspiele. Gislason hat fast seinen stärksten Kader zur Verfügung, muss aber den Ausfall von Rückraumspieler Sebastian Heymann und Kreisläufer Jannik Kohlbacher (beide Rhein-Neckar-Löwen) verkraften. Tim Zechel (Magdeburg), der von seiner Nominierung auf einer Kreuzfahrt erfuhr, und Lukas Stutzke (Hannover) rückten nach. Mit 18 Spielern reist das Team nach Dänemark (19 im Kader, einer muss zu Hause bleiben), 16 dürfen für ein Spiel nominiert werden.

Sollte der Traum von einer Medaillen platzen, dann wird Handball-Deutschland dennoch weiter träumen, nach dem Motto „wir haben eine Mannschaft der Zukunft“.

Das Aufgebot: Tor: Joel Birlehm (Hannover), David Späth (Rhein-Neckar-Löwen), Andreas Wolff (Kiel). Feld: Rune Dahmke, Lukas Zerbe (beide Kiel), Justus Fischer, Renars Uscins (beide Hannover), Juri Knorr (Rhein-Neckar-Löwen), Johannes Golla, Lukas Stutzke (beide Flensburg), Marko Grgic (Eisenach), Timo Kastening (Melsungen), Julian Köster (Gummersbach), Nils Lichtlein (Füchse Berlin), Lukas Mertens, Tim Zechel (beide Magdeburg), Franz Semper, Luca Witzke (beide Leipzig), Christoph Steinert (Erlangen).

Start der Bundesliga: Bayern gegen Bayer – das Duell um den Titel

Es soll Leute geben, die jubeln, „endlich wieder Bundesliga“. Dabei war die Winterpause, die diesmal eine reine Weihnachtspause war, so kurz wie nie, gerade mal drei Wochen, zwischen dem 22. Dezember und 10. Januar, ruhte der Spitzenfußball – und schon haben einige Entzugserscheinungen! Die Vorfreude ist aber berechtigt, wir können uns nämlich auf ein spannendes Frühjahr in der Bundesliga freuen. Es geht gleich mit geballter Macht los, die Spitzenklubs erwarten vier englische Wochen in Folge, die Bundesliga kehrt mit drei Spieltagen innerhalb einer Woche zurück.

Die Tabelle nach 15 Spieltagen macht deutlich, dass es in allen Regionen spannend zugehen wird, den Plätzen für Europa sei dank. Elektrisierend natürlich in erster Linie der Kampf um den Titel, der allerdings wohl nur ein Zweikampf sein wird, denn die Verfolger von München und Leverkusen liegen bereits neun bzw. fünf Punkte zurück und zeigen nicht die notwendige Konstanz. Auch sind Frankfurt, Leipzig und Dortmund nicht so gut besetzt wie die Titelanwärter. Das Duell heißt Bayern gegen Bayer.

Wer aber hat die besseren Aussichten auf die Meisterschaft? Titelverteidiger Leverkusen schwächelte zu Saisonbeginn, hat sich inzwischen gefangen, hat sich aber vier Punkte Rückstand eingehandelt. Die Münchner starteten dagegen schwungvoll, wurden inzwischen aber müde, eine unnötige Niederlage in Mainz nagt am Selbstbewusstsein. Das Rennen ist also offen, wobei Leverkusen aus der Pause besser starten sollte als zu Saisonbeginn, denn die großen Duelle mit den anderen Spitzenklubs sind alle vom 16. bis 24. Spieltag. Los geht es am Freitag in Dortmund, dann folgt die Aufgabe in Leipzig (25.1.), der direkte Vergleich mit den Bayern (15.2.) und die Fahrt nach Frankfurt (1.3.). Dreimal muss der Meister also auswärts ran! Für die Bayern geht es gemächlicher los, obwohl sie zum Auftakt gleich nach Gladbach müssen, eine Art Angstgegner. Aber die Vergleiche mit den Verfolgern sind später und je zweimal zu Hause (Frankfurt und Dortmund) und auswärts (Leverkusen und Leipzig).

Wem ist der Titelgewinn am ehesten zuzutrauen? Ein Vergleich der beiden Konkurrenten:

Mannschaft: Leverkusen hat zweifellos einen ausgeglicheneren Kader, kann Ausfälle besser verkraften. Bayer hat zwei fast gleichstarke Torhüter, zwei gute Torjäger und in Abwehr und Mittelfeld mehr Alternativen. Sicher sind Spieler wie Tah, Xhaka und Wirtz fast unersetzlich, aber die Bayern haben da mehr Probleme. So kann Kapitän Manuel Neuer nicht adäquat ersetzt werden, auch wenn sein Karriereende immer näher rückt. Upamecano und Kim bilden ein festes Abwehrduo, Torjäger Harry Kane ist unersetzlich, Ersatz gibt es nicht. Lücken tun sich bei den Außenverteidigern auf, wenn Davies fehlt oder schwächelt hakt es links und rechts. Besser besetzt sind die Bayern auf den offensiven Außenpositionen, wo es für zwei Stellen mit Olise, Coman, Gnabry und Sané gleich vier Kandidaten gibt. Musiala spielt eine starke Rolle, aber nicht so beherrschend wie Spezl Wirtz bei Leverkusen.

Trainer: Xabi Alonso war Trainer des Jahres und gilt derzeit als Nummer 1 in der Bundesliga, doch es scheint, Leverkusen wird sich nicht mehr lange an seinem Star erfreuen können, der Spanier wird verstärkt mit Real Madrid als Nachfolger von Carlo Ancelotti in Verbindung gebracht. Aber Alonso hat einen Vertrag bis 2026 und er hat einen festen Karriereplan, den er natürlich preis gibt. Könnte also durchaus sein, dass er ein weiteres Jahr in Leverkusen für sich als gut erachtet. Doch die Diskussionen wird Bayer nicht los. Die Bayern sind mit Vincent Kompany glücklich. Der Belgier war ja quasi eine Notlösung nach vielen Absagen bei der Trainersuche, doch Kompany erwies sich als Glücksfall, brachte Schwung in die Mannschaft und Ruhe in den Verein. Ruhe auf Dauer gibt es allerdings nur bei Siegen und Titeln, da fehlt also noch die Bestätigung. Von Alonso als künftigen Bayern-Trainer spricht niemand mehr

Das Umfeld: Vorteil für Leverkusen, das Umfeld bei Bayer ist ruhiger und gefestigter als das in München. Dort sind die Medien mehr zugange, wird alles und jeder hinterfragt, wird aus jeder kleinen Sache ein Skandal gemacht, da bröckelt dann selbst das „mia san mia“. Andererseits würde der Bundesliga ohne „Bayern Hollywood“ etwas fehlen. Permanenter Unruheherd ist auch Vereinsikone Uli Hoeneß, dem seine Aussage, die Meisterschaft sei schon an die Bayern vergeben, bei jeder Schwäche um die Ohren gehaut wird. Die Bayern begleitet derzeit auch die Diskussion um die Vertragsverlängerungen von Musiala, Kimmich, Gnabry und Sané, die Medien fordern eine Vollzugsmeldung. So lange es die nicht gibt, herrscht Unruhe. In Leverkusen ist dagegen klar, dass Tah im Sommer geht, Barcelona ist Favorit (nicht München). Alles ruhiger.

Das Fazit: Leverkusen hat die besseren Karten, aber die Bayern haben vielleicht den größeren Ehrgeiz, weil sie ein Jahr ohne Titel nicht mehr erleben wollen und im Pokal (gegen Leverkusen!) schon ausgeschieden sind.

Was passiert hinter den beiden Favoriten? Da scheint wirklich alles offen zu sein, Mainz galt zuletzt zwar als „Mannschaft der Stunde“, wird wohl kaum auf Dauer ein Anwärter für die Champions League sein, kämpft aber um die Europa League. Anwärter auf die zwei CL-Plätze sind Frankfurt, Leipzig und Dortmund, das aber seine Auswärtsschwäche ablegen muss. Ein Erfolg gegen Leverkusen zum Start ins neue Jahr würde den nötigen Schwung geben.

Große Spannung herrscht auch im Abstiegskampf, der zudem durch Veränderungen angeheizt wird. Spektakulär Union Berlin mit einem erneuten Trainerwechsel. Mit Steffen Baumgart kommt für den Dänen Bo Svensson ein altes Union-Urgestein und Publikumsliebling. Doch Achtung: In Köln musste er vorher gehen (damals hatte ihn der heutige Union-Manager Horst Heldt geholt) und vom HSV war er auch Fan, doch Erfolg hatte er nicht. Heidenheim, das auf dem Relegationsplatz steht, geht einen anderen, für den Verein untypischen Weg, und verstärkt sich im Winter. Der Karlsruher Torjäger Budu Zivzivadze soll die Lücke schließen, die Tim Kleindienst hinterlassen hat. Auffallend: Auch Kleindienst kam im Winter. Der Georgier ist Top-Torjäger und Skorerkönig der zweiten Liga, doch eine Klasse höher wird es einige Nummern schwerer! Dazu holten die Heidenheimer eine zweite Verstärkung von den Bayern, die schon mit Paul Wanner geholfen haben. Weil er in Stuttgart zu wenig Spielpraxis bekam, darf Frans Krätzig es nun auf der Ostalb versuchen. Fraglich, ob er wirklich eine Verstärkung ist. Der Spielplan will es so: Heidenheim erwartet am Samstag Union! Schlusslicht Bochum und Vorletzter Kiel hoffen dagegen darauf, dass ihre letzten Erfolgserlebnisse (2:0 gegen Heidenheim, 5:1 gegen Augsburg) für den nötigen Aufwind sorgen. Die Aufgaben zum Start in Mainz bzw. Freiburg sind aber schwer.

Die Bundesliga beginnt das Jahr 2024 also mit großem Schwung, die anderen Sportarten sehen es allerdings gar nicht gern, das „König Fußball“ jetzt auch im Winter herrscht.

Das Sportjahr 2024 hat Spaß gemacht! Was bringt 2025?

Es geht ja nicht nur um Titel und Medaillen, sondern oft ist die Stimmung entscheidend, ob eine Veranstaltung Spaß macht oder nicht. Und da war 2024 ein Sportjahr, das Spaß gemacht hat. Die beiden Großereignisse Olympische Sommerspiele in Paris und Fußball-Europameisterschaft in Deutschland begeisterten vor allem durch ihre einzigartiges Ambiente (Paris) und die tolle Stimmung rund um die Wettkämpfe (bei beiden). Der sportliche Erfolg trat da (fast) in den Hintergrund. 2025 bringt keine Großereignisse dieser Art, aber ein interessantes Sportjahr dürfte es trotzdem werden. Im Mittelpunkt dabei die aufgeblasene Klub-Weltmeisterschaft im Fußball mit 32 Vereinen, die außer bei der FIFA selbst bei allen umstritten ist.

Aber erinnern wir uns erst an die großen Momente von 2024. Paris zeigte der Welt wie Olympia geht. Die französische Metropole war eine echte Olympia-Stadt, die Organisatoren wagten es, die ganze Stadt mit ihre prächtigen Bauwerken zu einer einzigartigen Sportstätte zu machen. Beachvolleyball am Eiffelturm, Reiten am Schloss Versailles oder Fechten im Grand Palais sind nur einige Beispiele. Der Fluss Seine wurde zum Mittelpunkt, die Eröffnungsfeier fand erstmals nicht in einem Stadion statt, sondern auf dem Wasser. Paris hat viel gewagt und viel gewonnen. Das wird kaum wiederholbar sein, auch wenn sich in Deutschland Politik und Sport bei ihren Gedanken über eine Bewerbung für die Spiele 2040 mit den Städten Berlin und München an Paris orientieren wollen.

Sportlich waren die Spiele für Deutschland in der Gesamtbilanz eher eine Enttäuschung. Zu den führenden Nationen gehört Deutschland im Spitzensport nicht mehr. 33 Medaillen (12 Gold, 13 Silber, 8 Bronze) waren nicht das, was sich die Verbände erhofft haben. Rang 10 im Medaillenspiegel verdeutlicht das Mittelmaß. Erfolgreichste Nation war die USA mit 126 Medaillen (40-44-42) vor China (91/40-27-24) und Japan (45/20-12-13). Beste Nation Europas war Gastgeber Frankreich, der zwar 64 Medaillen holte (16-26-22), aber weniger Gold als Japan und Australien.

Jubel im deutschen Team gab es natürlich schon, nennen wir vor allem diejenigen, die dann als Sportler des Jahres ausgezeichnet wurden, nämlich die überragende Sportgymnastin Darja Varfolomeev, Ruderer Oliver Zeidler, für den nach früheren Olympia-Enttäuschungen ein Traum in Erfüllung ging, und vor allem die 3×3 Basketballerinnen, die in der neuen Sportart wohl das überraschendste Gold holten. Eine besondere Leistung vollbrachte auch Dressurreiterin Isabell Werth, die Gold in der Equipe und Silber im Einzel holte. Ihre Olympia-Bilanz insgesamt sind achtmal Gold und sechsmal Silber, damit löste sie die Kanutin Birgit Fischer als erfolgreichste deutsche Olympionikin ab.

Die Fußball-Europameisterschaft beeindruckte ebenfalls mit einer Lockerheit und guter Stimmung, die an das Sommermärchen der WM 2006 erinnerte, selbst das Ausscheiden der deutschen Mannschaft im Viertelfinale tat dieser Begeisterung keinen Abbruch. Allerdings war das Ausscheiden sehr schmerzhaft, in der 106. Minute (also Verlängerung!) war der Ball nach einem Schuss von Jamal Musiala auf dem Weg zum 2:1, Spaniens Verteidiger Cucurella wehrte mit dem ausgestreckten Arm vor der Torlinie ab, was Schiedsrichter Taylor aber nicht als Hand und Elfmeter wertete. So gewann Spanien nach einem Treffer 13 Minuten später mit 2:1 und wurde Europameister. Die deutsche Nationalmannschaft ging aber ehrenvoll unter, begeisterte mit ihrem erfrischenden Spiel und hat sich unter Bundestrainer Julian Nagelsmann wieder in die Herzen der Fans gespielt. Als nächste große Aufgabe steht die Nations League an, dazu beginnt 2025 die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2026.

Zurück in die Herzen der Fans hat sich auch die Frauen-Nationalmannschaft gespielt, die bei Olympia Bronze gewann und damit ihrem Interimstrainer Horst Hrubesch einen tollen Abschied ermöglichte. Christian Wück heißt sein Nachfolger, der nun auf eine erfolgreiche Europameisterschaft seiner Mädchen im Sommer in der Schweiz hofft. Im Vereinsfußball war Bayer Leverkusen die Mannschaft des Jahres. Bayer holte unter Trainer Xabi Alonso das Double und blieb in der Bundesliga in der Saison 2023/24 als erste Mannschaft überhaupt ungeschlagen. Bayern München hatte als Dritter nach elf Titeln in Folge und einem Jahr ohne Pokal keinen Spaß an 2024. Leverkusen dagegen kam zudem ins Finale der Europa League, erlitt da aber gegen Bergamo die erste Niederlage. Ein bitteres Finale auch für Borussia Dortmund, das in der Bundesliga schwächelte, aber international für Furore sorgte, im Endspiel der Champions League jedoch Real Madrid mit 0:2unterlag.

2025 ein Zwischenjahr mit Höhepunkten

Gute Stimmung und Spaß sollte es auch 2025 geben, das ein sogenanntes Zwischenjahr ist, ohne Olympische Spiele und Fußball-Weltmeisterschaft. Dennoch gibt es genügend Weltmeisterschaften und hochwertige internationale Turniere in vielen Sportarten. Die FIFA wollte dennoch im Mittelpunkt stehen und motzte die kleine Klub-Weltmeisterschaft mit den kontinentalen Sieger zu einem großen Turnier mit 32 Mannschaften auf. Gleich zwölf europäische Mannschaften (nicht alle Meister!) sind dabei, aus der Bundesliga Bayern München und Borussia Dortmund. Meister Leverkusen fehlt, weil es nach einem internationalen Ranking ging. Von 15. Juni bis 13. Juli wird in den USA gespielt, wobei das Turnier als Test für die WM 2026 in Mexiko, USA und Kanada gilt. Der Termin macht aber Sorgen, weil die Spitzenspieler kaum Erholungspausen im Sommer bekommen, zumal auch im Rest des Jahres der Terminkalender voll ist. Spieler und Trainer protestierten bereits gegen diese zusätzliche Belastung. So wird vom 4. bis 8. Juni die Endrunde in der Nations League ausgespielt, da könnte auch Deutschland dabei sein, das sich im März gegen Italien qualifizieren muss. Die Fußball-Frauen haben ihr großes Turnier mit der Europameisterschaft vom 2. bis 27. Juli in der Schweiz, Bundestrainer Christian Wück träumt da von einem Medaillengewinn des DFB-Teams.

2025 ist ein Jahr der Weltmeisterschaften, vor allem im Wintersport. Den Start zur WM-Reihe gibt aber Handball mit der Weltmeisterschaft vom 14. Januar bis 2. Februar in Kroatien, Dänemark und Norwegen. Auch hier hat Deutschland als Silbermedaillengewinner von Paris eine Medaille im Visier. Die erste attraktive WM im Wintersport ist die alpine Ski-WM vom 4 bis 16. Februar in Saalbach-Hinterglemm in Österreich, die nordische Ski-WM findet vom 26. Februar bis 9. März in Trondheim/Norwegen statt. Dazwischen liegt die Biathlon-WM vom 12. bis 23. Februar in Lenzerheide in der Schweiz. Den WM-Reigen der publikumsträchtigen Sportarten beschließt die Leichtathletik vom 13. bis 21. September in Tokio. Dazwischen liegen viele Höhepunkte, Masters- und Grand-Slam-Turniere im Tennis Golf. Die Formel 1 startet am 16. März in Melbourne und beschließt die Saison mit dem 24. Rennen am 7. Dezember in Abu Dhabi.

Es ist also wieder viel los im Sportjahr 2025, der Sport-Grantler wünscht seinen Leserinnen und Leser viel Spaß, vor allem aber alles Gute und Gesundheit im neuen Jahr.

Wer frohe Weihnachten feiert und wo der Baum brennt

Schon zwei Tage vor dem Heiligen Abend wurden in der Fußball-Bundesliga Geschenke verteilt, es gab Mitleid für die Klubs vom Pott und so durfte Schlusslicht Bochum seinen ersten Sieg feiern und Dortmund seinen ersten Auswärtssieg. Aber es stellt sich ja überhaupt die Frage vor der Weihnachtspause, wer denn frohe Weihnachten feiern kann und wo der Baum brennt.

Gute Stimmung unter dem Christbaum herrscht auf jeden Fall in München und Leverkusen, bei den Mannschaften, die nach Stand der Dinge die Meisterschaft unter sich ausmachen werden. Aber in Mainz (5.!), Bremen (7.) und Mönchengladbach (8.) wird die Stimmung sogar noch besser sein. Bei den Vereinen hatte man nicht mit einem so guten Abschneiden gerechnet. Vor allem Mainz erlebt einen sensationellen Aufwind mit fünf Siegen in den letzten sechs Spielen. Vor einem Jahr kämpfte der Verein gegen den Abstieg, war als 16. punktgleich mit Schlusslicht Darmstadt. Der wuselige Däne Bo Henriksen führte den Verein nach oben. Als es zu Beginn der neuen Saison wieder holperte, mehrten sich die Stimmen, die meinten, Henriksen könne als Trainer den Retter spielen, aber nicht auf Dauer erfolgreich sein. Offensichtlich schon. Auch Werder Bremen überrascht, dort war ebenso wie in Gladbach das Ziel, ins gesicherte Mittelfeld zu gelangen. Auch hier war eine gewisse Anlaufzeit nötig, doch jetzt darf man bei nur zwei oder drei Punkten hinter Frankfurt und Leipzig sogar von der Champions League träumen. Frohe Weihnachten also.

Kein Weihnachtswunder ist es, dass die Bayern und Bayer oben stehen, wobei beide Teams nicht immer glücklich waren. Vor allem der Titelverteidiger fremdelte anfangs mit der Rolle des Favoriten, hat sich aber wieder gefestigt und wirkt momentan stärker als der Tabellenführer. Die Münchner trumpften zuerst mit großem Schwung unter dem neuen Trainer Vincent Kompany auf, doch Mängel im System wurden deutlich, vor allem in der Champions League. Die erste Bundesliga-Niederlage in Mainz schmerzte besonders, das 5:1 gegen Leipzig sorgt allerdings für Weihnachtsruhe. Dennoch gibt es allerdings hektische und wichtige Tage für Manager Max Eberl. Vor allem die Medien warten darauf, wann die Vertragsverhandlungen mit Musiala, Kimmich und Davies endlich zu Ende gehen. Die Verträge laufen aus – bleiben sie oder gehen sie? Auch Sané steht auf der Liste, hat aber nicht mehr die große Priorität. Leverkusen ist da weiter, Hincapie hat verlängert, Florian Wirtz, immer mehr Herz der Mannschaft, angeblich auch, doch der Verein hat es noch nicht bestätigt. Vielleicht kommt die Meldung als Weihnachtsgeschenk für die Fans.

Es gibt natürlich ein Zwischending zwischen Feiern und Krach, so dazwischen liegen die meisten Vereine. Dortmund haderte mit der Auswärtsschwäche, Rang 6 ist nicht das, was man sich erhofft hat, die Champions League muss sein. Aber der Auswärtssieg in Wolfsburg sorgt vorerst für Ruhe für Trainer Sahin. In Frankfurt war man eigentlich glücklich, lange Zeit war die Eintracht erster Verfolger der Bayern, doch zuletzt haperte es. Im Tannenbaum versteckt hätte sich wohl am liebsten der unglückliche Torwart Kaua Santos nach seinen Slapstick-Einlagen die zu einer fast skurrilen Niederlage gegen Mainz führten. Auch in Freiburg, Stuttgart und Wolfsburg weiß man nicht so recht, ob man sich freuen oder ärgern soll. Einerseits schaut man nach oben, andererseits will es nicht so recht klappen. Zumindest herrscht Ruhe, aber frohe Weihnachten sind es nicht unbedingt.

Wer unten steht, bei dem brennt normalerweise der Baum, das kann man bei den Klubs am Tabellenende nicht unbedingt sagen, Erfolge am Wochenende haben die Stimmung verbessert. Bochum schaffte endlich den ersten Saisonsieg, könnte mit einem weiteren Sieg vor Gericht wegen des Spielabbruchs bei Union den Anschluss nach oben schaffen. Die Aufsteiger Kiel und St. Pauli haben mit Siegen gegen Augsburg und Stuttgart Lebenszeichen gesendet und für Ruhe im Verein gesorgt. Man hat ja gewusst, dass es nur gegen den Abstieg geht. Keine Panik also.

Da sieht es bei Leipzig, Union Berlin, Augsburg, Heidenheim und Hoffenheim schon anders aus. In Leipzig herrscht trotz Rang 4 permanente Unruhe, die Leistung stimmt nicht, was auch Verletzungspech geschuldet ist. Vor allem international versagte RB und das gefällt Oberboss Oliver Mintzlaff gar nicht. Leipzig soll ein Hochglanzprodukt sein. So wird es in der Weihnachtspause statt Ruhe Diskussionen geben, auch Trainer Marco Rose wird hinterfragt werden. Da wartet gleich Arbeit auf Jürgen Klopp. Ähnlich bei Union und Hoffenheim. Beide Klubs haben schon die Trainer gewechselt, doch Wesentliches hat sich nicht geändert und so wird auch über Bo Svensson bzw. Christian Ilzer diskutiert. Gespräche werden auch in Augsburg geführt, vor allem über Verstärkungen, Trainer Jess Thorup hat man den Rücken gestärkt. In Heidenheim ist der Trainer wie ein Vereinsmaskottchen, also wird Frank Schmidt nicht in Frage gestellt. Eigentlich müsste der Baum brennen nach jetzt sieben Niederlagen in Folge, doch der Verein von der Ostalb ist für seine Ruhe bekannt. Vorbei ist die Euphorie mit dem internationalen Auftreten, der sensationelle Erfolg des Vorjahres sorgt für die Doppelbelastung in dieser Saison und die wird trotz aller Rotation nicht verkraftet. Notfalls geht man wohl mit Ruhe sogar in die zweite Liga…

Apropos 2. Bundesliga, dort tat sich auch Erstaunliches. Die Kölner warten nicht nur auf den Karneval, sondern feiern als Tabellenführer auch fröhliche Weihnachten. Fast ebenso in Karlsruhe, das überraschend auf dem zweiten Aufstiegsplatz steht. Dort möchte der HSV hin, bei den Hamburgern ging es auf und ab, als Dritter sind sie punktgleich mit Elversberg, Magdeburg und Paderborn. Ein 5:0-Sieg gegen Fürth war der Befreiungsschlag für Interimstrainer Merlin Polzin, der jetzt bis zum Sommer bleiben darf. Der einstige HSV-Fan soll den Klub zurück in die Bundesliga führen.

Bis zum 2. Januar gibt es für die Spieler eine Weihnachtspause, dann beginnen die meisten Vereine wieder mit dem Training. Die Bundesliga beginnt wieder am 10. Januar, sie muss ja die Hinrunde noch zu Ende spielen, die zweite Liga startet mit der Rückrunde am 17. Januar.

Spaß im Schnee

Erstaunliche Erfolge feiern die deutschen Frauen und Männer im Wintersport. Die Biathletinnen und die Skispringer haben buchstäblich Spaß im Schnee. Vor allem die fast schon chronisch kranke Franziska Preuß trotzt in diesem Winter den Unbillen und trumpft im Biathlon auf. Fünf Jahre nach ihrem ersten Weltcupsieg ließ sie gleich zwei weitere folgen, sie stand sechsmal auf dem Podium und war nie schlechter als Fünfte. Die Führung im Gesamtweltcup ist die logische Folge. Im Massenstart am Sonntag in Frankreich wurde sie aber überraschend von einer jungen Mannschaftskollegin geschlagen, die 20-jährige Selina Grotian, die am Vortag noch einen Ski verloren hatte, holte sich ihren ersten Weltcupsieg.

Erstaunliches auch im Skispringen, da wurde der 34-jährige Pius Paschke, der bisher nur selten in Erscheinung trat, zum Seriensieger. Zwar klappte es bei der Generalprobe in Engelberg in der Schweiz nicht so gut, doch jetzt kommt er im Gelben Trikot zur Vierschanzentournee nach Oberstdorf. Allerdings muss er sich dessen bewusst sein, dass ein Deutscher im Gelben Trikot da noch nie gewonnen wird. Gesprungen wird am Samstag in Oberstdorf, an Neujahr in Garmisch-Partenkirchen, am 4 Januar in Innsbruck und zum Abschluss am 6. Januar in Bischofshofen. Auch Andreas Wellinger und Karl Geiger werden gute Chancen eingeräumt. Kann einer den Erfolg von Sven Hannawald wiederholen, der 2001/02 triumphiert hat und als erster Springer überhaupt alle vier Springen der Tournee gewinnen konnte? Da dürften aber vor allem die Österreicher etwas dagegen haben, die mit Daniel Tschofenig, Jan Hörl und Stefan Kraft das Siegerpodium in Engelberg komplett in ihrer Hand hatten.

Eine Vierschanzentournee für die Frauen gibt es immer noch nicht. Das wird vor allem Katharina Schmid aus Oberstdorf ärgern, die ebenfalls eine ausgezeichnet Saison springt und im Weltcup führt. Spaß im Schnee hat sie also und so kann sie frohe Weihnachten feiern.

Der Profi-Fußball ist nur noch ein Spielball

Die Infantino-Show beim Online-Kongress der FIFA zur Vergabe der Weltmeisterschaften 2030 und 2034 war eigentlich ein Trauerspiel und machte deutlich, dass der Profi-Fußball in vielerlei Hinsicht selbst zum Spielball geworden ist. Doch dieser Online-Kongress war der Höhepunkt für den FIFA-Präsidenten, der ohne Skrupel sich selbst zu Schau stellte und der Welt deutlich machte, dass er die Verbände in der Hand hat. Die Ränkespiele hatten Erfolg, Infantino knüpfte schon das Abstimmungsnetz in dem es gleichzeitig um die Turniere 2030 und 2034 ging und so wurde jede Kritik an dem Austragungsland Saudi-Arabien im Keim erstickt. Per Internet hieß es zweimal Klatschen für die WM-Vergabe, Kritik war nicht erwünscht. Dabei ist es auch interessant zu wissen, dass alle Mitglieder des FIFA-Rates in ihrer vierjährigen Amtszeit eine Million Dollar einsacken, auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Da haben sie sich wohl selbst beklatscht.

WM-Turniere werden nicht mehr in Abwägung von mehreren Interessenten vergeben, sondern nach dem Gutdünken des Herrn Gianni Infantino. Unsinnig ist es auch, die WM 2030 gleich auf drei Kontinenten zu spielen. In Erinnerung an die erste WM, die vor 100 in Uruguay stattfand, erhält das Land das erste Spiel, je eins wird 2030 auch Paraguay und Argentinien ausgetragen, danach geht es nach Spanien, Portugal und Marokko. Der Schachzug von Infantino: Weil die FIFA die Turniere wechselweise vergeben will, blieb nur Asien/Ozeanien als nächster WM-Kontinent übrig und Saudi-Arabien war schon im Spiel. Um pro forma eine andere Bewerbung zu ermöglichen, wurde eine vierwöchige Bewerbungsfrist eingeräumt. Eine Farce, das sah auch Interessent Australien so. Also Saudi-Arabien 2034, ohne Rücksicht auf Menschenrechte, ohne Rücksicht auf westliche Kritik an diesem Land, ohne Rücksicht darauf, dass wie in Katar 2022 nicht im Sommer gespielt werden kann. Bei beiden Turnieren 2030 und 2034 zählen auch die Belange der Fans keine Rolle oder der Klimaschutz. Die FIFA macht, was sie will und was sie am besten kann: Kassieren. Saudi-Arabien ist ein williger Zahler, Infantino ein williger Lakai.

Aber auch die hartgesottenen Fans machen den Profi-Fußball mehr oder weniger zu ihrem Spielball, zu ihrem Vergnügen, und die Vereine lassen sich das gefallen. Das wurde an dieser Stelle schon mehrfach angeprangert und wurde an diesem Bundesliga-Wochenende wieder deutlich. Am Millerntor auf St. Pauli feierten die Fans aus Hamburg und Bremen eine Pyroorgie, die sowohl die restlichen Zuschauer als auch die Spieler im Qualm versinken ließ. Logisch, dass das Spiel unterbrochen werden musste, die Teams wurden sogar in die Kabinen geschickt. Die Ultras hatten ihr Vergnügen, der Rest seinen Ärger. Noch schlimmer bei Union Berlin, als Bochums Torhüter von einem Feuerzeug getroffen wurde und zu Boden ging. Patrick Drewes war benommen und landete im Krankenhaus. Nur noch drei Minuten waren beim Stand von 1:1 zu spielen, nach einer etwa halbstündigen Unterbrechung einigten sich beide Teams auf eine Fortsetzung und vereinbarten einen Nichtangriffspakt. Schiedsrichter Petersen hat wohl alles richtig gemacht, dennoch gibt es ein gerichtliches Nachspiel, Bochum legt Protest ein und hofft auf die Punkte. Der Täter wurde immerhin gefasst, die Idioten sterben aber nicht aus, die den Sport zur Spielwiese für ihre Gewaltbereitschaft machen. Vereine und Verbände müssen endlich reagieren und dem Treiben Einhalt gebieten.

Leverkusen in Form, Bayern in Not

Damit zum Sport. Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat wohl zu früh getönt, dass den Bayern die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen sei. Einige glanzvolle Auftritte haben ihm wohl den Sinn vernebelt, denn plötzlich befindet sich Bayern in Not und Titelverteidiger Bayer Leverkusen wieder in Form. Nach neun Punkten Rückstand sind es jetzt nur noch vier und ein Blick auf die Statistik lässt an den Bayern zweifeln: Immerhin sieben von 23 Pflichtspielen in dieser Saison haben die Bayern nicht gewonnen, mit dem 1:2 in Mainz nun ihre erste Bundesliga-Niederlage erlitten und nach 14 Spieltagen haben sie sogar zwei Punkte weniger als vor einem Jahr! Wird man so Meister? In Mainz ist für die Münchner kaum etwas zu holen, von fünf Gastspielen gewannen sie in den letzten Jahren nur eins. Da wird es kein Trost sein, dass sie einen Rekord von RB Leipzig eingestellt haben, nämlich in einem Jahr 47 Tore auf gegnerischen Plätzen. Ausgerechnet Leipzig ist am Freitag letzter Gegner in diesem Jahr, in München wohlgemerkt. Ein Spitzenspiell.

Konkurrent Leverkusen hat mit dem 2:0 in Augsburg einen imposanteren Rekord aufgestellt, Bayer hat 2024 keine Auswärtsniederlage hinnehmen müssen! Die Meisterform ist offensichtlich wieder da, Bayer wirkt abgeklärt und hat wohl den ausgeglichensten Kader der Liga. Auftrieb sollte es auch geben, dass Jungstar Florian Wirtz seinen Vertrag vorzeitig bis 2027 verlängert hat. Der Weg zur Meisterschaft ist für die Bayern also noch lang, Weihnachtsmeister sind sie, aber nur ein Sieg über Leipzig bringt auch Weihnachtsruhe. Dann haben die Spieler bis 1. Januar frei, aber am 10. Januar geht es schon wieder weiter. München muss in der Hinrunde noch nach Gladbach und erwartet Hoffenheim, Leverkusen spielt am Samstag gegen Freiburg, muss am 10. Januar nach Dortmund und hat Mainz zu Gast.

Hinter dem Spitzenduo gibt es keinen konstant guten Mitbewerber. Leipzig schoss sich gegen Frankfurt aus der Krise, eliminierte die Eintracht im Pokal und machte nun mit einem 2:1-Sieg Leverkusen den Weg auf Platz zwei frei. Dahinter Freiburg, Stuttgart und überraschend Mainz, das mit vier Siegen in den letzten fünf Spielen zum Europakandidaten wurde. Punktgleich (22) sind auch Bremen – und Dortmund. Die Borussia schwächelt erheblich, kann jetzt nicht einmal mehr zu Hause gewinnen (1:1 gegen Hoffenheim) und droht den angestammten Platz für die Champions League zu verlieren. Da wird Trainer Nuri Sahin keine ruhigen Weihnachten erleben. Ruhige Weihnachten gibt es für die Teams am Tabellenende sowieso nicht, Schlusslicht Bochum macht sich noch einmal Hoffnung auf den ersten Saisonsieg, denn am Sonntag kommt Heidenheim, das die letzten sieben Pflichtspielen alle verloren hat. Trainer Frank Schmidt muss sich allerdings keine Sorgen machen.

Die Bilanz in der Champions League schaut für die Bundesligisten auch nicht so gut aus, nur Bayer Leverkusen (4.) muss im Moment nicht in die Play-Offs, RB Leipzig (34., noch ohne Punktegewinn) ist bereits ausgeschieden. Stuttgart (26.) hofft für die letzten zwei Spiele im Januar noch auf den Sprung in die Play-Offs (Rang 24 notwendig), Dortmund (9.) und die Bayern (10.) könnten es noch unter die ersten Acht schaffen. Drei Bundesligisten vorne dabei, das wäre wiederum ein großer Erfolg. Frankfurt (5.) kann dies in der Europa League schaffen, Hoffenheim (26.) droht eher das Ausscheiden. Heidenheim (15.) liegt in der Conference League im Mittelfeld, nach Siegen zu Beginn ist jetzt der Wurm drin, aber noch alles möglich, wenn sie wieder das Siegen lernen.

Aktueller war jetzt der DFB-Pokal, da wurde das Viertelfinale ausgelost. Titelverteidiger Leverkusen trifft im Rhein-Derby auf Köln, Drittligist Bielefeld hat Bremen zu Gast und träumt vom Halbfinale, außerdem spielen am 4./5. bzw. 25./26. Februar Stuttgart – Augsburg und Leipzig – Wolfsburg.

Gruppenfinale in der CL der Frauen

Die Frauen-Bundesliga hat ihre letzten Spiele vor der Weihnachtspause absolviert, Frankfurt (3:0 in Jena) hat dabei Platz eins gegen die punktgleichen Bayern (2:0 gegen Potsdam) verteidigt, Wolfsburg (3:1 in Bremen) liegt einen Zähler zurück. Für München und Wolfsburg gibt es aber noch eine Zusatzaufgabe, die letzten Gruppenspiele in der Champions League stehen an. Beide Teams sind bereits für das Viertelfinale qualifiziert, wobei die Bayern-Mädchen am Mittwoch bei Arsenal London Platz 1 in der Gruppe C verteidigen wollen, ein Remis ist notwendig. Wolfsburg hat am Dienstag bei Tabellenführer Lyon ein Spiel ohne Bedeutung, kann nicht mehr Erster werden und hat Platz zwei nach dem Sieg gegen AS Rom sicher. Im Viertelfinale wird den vier Erstplatzierten (Stand Lyon, Chelsea London, Bayern, Manchester City) ein Zweiter zugelost (Wolfsburg, Real Madrid, Arsenal London, FC Barcelona). Der Blick auf die Vereine zeigt, einen starken Gegner gibt es immer.

In der Frauen-Bundesliga geht es mit dem 13. Spieltag am 31. Januar weiter, vom 11. – 13. Februar wird das Viertelfinale im DFB-Pokal ausgetragen, dabei darf sich Titelverteidiger Wolfsburg freuen, dass die größten Konkurrenten Bayern und Frankfurt aufeinander treffen. Wolfsburg muss nach Hoffenheim, Leverkusen spielt gegen Bremen und interessant das Duell zweier Zweitligisten mit prominenten Namen, HSV gegen Gladbach.

Die Zukunft der Formel 1: Das Gesicht ändert sich

Die Saison 2024 ist schon wieder Vergangenheit, in der Formel 1 haben alle bereits die Zukunft ins Visier genommen. Dabei wird 2025 nur ein Übergangsjahr werden und dennoch bei einigen Rennställen neue Gesichter bringen. Doch so richtig ändert sich die Formel 1 ab 2026. Neue Regularien, neue Autos und neue Firmen sorgen heute schon für eine große Erwartungshaltung. Für den einen oder anderen wird 2025 aber die Richtung für 2026 vorgeben. Spannend dürfte also auch das nächste Jahr werden.

Die Saison 2024 muss man zweigeteilt sehen. Im ersten Halbjahr dominierte Red Bull mit Weltmeister Max Verstappen. Das zweite Halbjahr gehörte allerdings McLaren, der Rennstall, der 2023 noch hinterherfuhr, führte plötzlich das Feld an und gewann am Ende sogar die Konstrukteurswertung, die bei den Firmen große Bedeutung, was die Fans oft unterschätzen. Verständlich, dass bei den Engländern groß gefeiert wurde, der Traditionsrennstall mit dem großem Namen gewann zuletzt vor 26 Jahren diesen Titel!

Red Bull schwächelte und Max Verstappen wurde nervös. Schon immer galt er als Fahrer, der keine Rücksicht nahm und nur seinen Erfolg suchte, aber diese Rücksichtslosigkeit steigerte sich, als er um seinen Titelgewinn, der bei Halbzeit fast schon in trockenen Tüchern war, noch zittern musste. Die Nervosität äußerte sich in Beleidigungen, noch im letzten Rennen nannte er die Jurymitglieder, die es wagten, ihm eine Zeitstrafe zu verpassen, „Idioten“. Das ist einem viermaligen Weltmeister nicht würdig.

Verstappen gewann wegen seiner Klasse, aber auch wegen der Nervenschwäche seines Konkurrenten Lando Norris, der oft die Pole Position holte, dann aber seinen Vorteil verspielte. Der Engländer muss selbstbewusster und härter werden, um Weltmeister werden zu können. Verbal greift er nach dem Sieg im letzten Rennen schon an: „Das nächste Jahr wird meins.“ Das nächste Jahr wird aber auch für Ferrari interessant, denn mit Lewis Hamilton fährt der siebenmalige Weltmeister künftig in Rot. Eine Erfolgsserie legte Hamilton in 246 Rennen für Silber hin, 84 Siege, 78 Pole Positionen, 153 Podestplätze, 8 Konstrukteurstitel und 6 Fahrer-Weltmeisterschaften. Hamilton tat auf einfache Art und Weise kund, was er fühlte. Auf seinem Helm prangte im letzten Rennen für Mercedes der Schriftzug „Danke“. Die Silbernen werden ihn vermissen, obwohl er in diesem Jahr hinter George Russell nur noch die zweite Geige spielte. Mercedes kann sich übrigens ein bisschen als Weltmeister fühlen, lieferte es McLaren doch die Motoren. McLaren siegte mit 666 Punkten vor Ferrari (652), Red Bull (589) und Mercedes (468).

Lewis Hamilton sorgt für den spektakulärsten Fahrerwechsel, andere sind bekannt oder werden folgen. Bei Red Bull gibt es wohl keine Zukunft für den Mexikaner Perez, den Mann hinter Verstappen. Eine neue Heimat findet der einzige deutsche Fahrer Nico Hülkenberg, er wechselt von Haas zu Sauber, doch eine bessere Zukunft beim bisher schwächsten Team kündigt sich erst für 2026 an, wenn Audi groß einsteigt. 2025 wird also ein Vorbereitungsjahr. Vielleicht wird dann auch das Interesse für die Formel 1 in Deutschland wieder größer, die übertragenden Fernsehanstalten Sky und RTL, das vom Pay-TV-Sender für einige Rennen Rechte für das Free-TV erwarb, klagten über einen Rückgang der Zuschauerzahlen.

Diese Tendenz passte nicht zum sonstigen Interesse für die Formel 1, das weltweit eher steigt. Vor allem der amerikanische Markt wird intensiv beworben und zeigt sich immer mehr interessiert. Das wird 2026 noch besser, wenn Cadillac als elfter Rennstall einsteigt. Auch für die Ölstaaten ist die Formel 1 interessant, Audi schloss eine strategische Partnerschaft mit dem Staatsfonds von Katar, Bahrain ist der Geldgeber für McLaren und Saudi-Arabien will bei Aston Martin einsteigen. Das Gesicht der Formel 1 ändert sich, da sollte es eigentlich möglich sein, dass es auch in Deutschland wieder ein Formel-1-Rennen gibt. Mehr Atmosphäre als in der Wüste ist garantiert.