Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Berlin und München im Basketball und Eishockey im Mittelpunkt

Nach Fußball-Europameisterschaft und Olympischen Sommerspielen herrscht wieder Hochbetrieb im deutschen Mannschaftssport. Von den populärsten Sportarten haben die Handballer bereits begonnen (zwei Spieltage sind absolviert), an diesem Wochenende ziehen Basketball und Eishockey nach. Meist kommen höchstens eine Handvoll Teams für den Titelkampf in Frage, auffallend ist, dass vor allem München und Berlin im Mittelpunkt stehen.

Im Handball spielt München allerdings keine Rolle, obwohl es mit Milbertshofen früher eine starke Mannschaft gab. Die Hochburg ist weit im Norden beheimatet, der THW Kiel ist mit 23 Titeln Rekordmeister, sieht sich aktuell aber starker Konkurrenz gegenüber und befindet sich eher im Neuaufbau. In den letzten vier Jahren haben sich Kiel und der SC Magdeburg als Meister abgelöst, aber sie stehen nicht allein.Vor allem Flensburg-Handewitt und die Füchse Berlin wollen ein Wörtchen mitreden. Kiel wird froh sein, wenn das internationale Geschäft erreicht wird.

Viele neue Fans hat in letzter Zeit Basketball gewonnen. Kein Wunder, wer Weltmeister wird, wird gefeiert. Und wenn der Vater des Erfolgs, Bundestrainer Gordon Herbert, vom Nationalteam zu einem Bundesligisten wechselt, dann gehören ihm und dem Verein natürlich die Schlagzeilen. Der 65-jährige Kanadier war schon bei verschiedenen Klubs erfolgreich, seine größten Meriten erwarb er sich aber mit dem Nationalteam, gewann Bronze bei der Heim-EM 2022 und wurde zwölf Monate später mit Deutschland sensationell Weltmeister, zum Abschluss gab es in Paris bei starker Konkurrenz einen respektablen vierten Platz. Herbert wollte wieder einen Verein übernehmen und seine Wahl gilt für beide Seiten als Glücksfall: Bayern München streckte seine Hände aus und Herbert nahm sie gern. Die Konkurrenz sieht diese Verbindung mit Schrecken, Bayern gilt national als unschlagbar. Obwohl einige internationale Stars die Bayern verlassen haben, ist das Team wohl nicht schwächer geworden, Herbert kann gleich mit fünf Weltmeistern arbeiten. Aber nicht das Double aus Meisterschaft und Pokal wie im Vorjahr ist das große Ziel, sondern die Bayern wollen auch international in der Euroleague endlich mitmischen und die Play-Offs erreichen. Damit es auch finanziell stimmt, soll der neue SAP-Garden helfen, der 11500 Zuschauern Platz bietet, fast das doppelte von der alten, maroden Halle. Und Herbert, der als Spielerflüster gilt, soll das Starensemble zu den gewünschten Erfolgen führen.

Die nationale Konkurrenz kann nur staunen, der große Konkurrent war zuletzt Alba Berlin, das im Kontrastprogramm auf Beständigkeit und aus finanziellen Gründen auf den Nachwuchs setzt. Mit Kapitän Johannes Thiemann ging der wohl wichtigste Spieler, als Ersatz war Weltmeister Johannes Voigtmann im Gespräch, doch den angelten sich die Bayern. „An München kommen wir nicht mehr vorbei“, seufzt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. Einen spektakulären Trainerwechsel hat es aber auch innerhalb der Liga gegeben, Anton Gavel zog es von Ulm nach Bamberg, obwohl dort die Aussichten auf Erfolg derzeit nicht so groß sind. „Bamberg ist meine Heimat“, gesteht Gavel, der als Spieler maßgeblich an den „Goldenen Jahren“ der Bamberger von 2010 bis 2013 beteiligt war, als vier Meisterschaften und drei Pokalsiege errungen wurden. Gavel nennt zwar Ulm und Chemnitz (Auftaktgegner der Bayern) neben Alba als mögliche Klubs, die München ärgern können, aber im Prinzip gilt: Die Bayern können sich nur selbst schlagen.

Das ist eine Stellung, die Vereinspatron Uli Hoeneß nicht nur im Profi-Fußball verfolgt hat, sondern auch im Basketball verwirklichen wollte. Neben den Männern sind auch die Frauen dabei, eine Vormachtstellung im Fußball zu erreichen. Beim Eishockey hat man auch einmal einen Versuch unternommen, doch dann die Finger davon gelassen. München spielt im Eishockey dennoch eine gute, aber keine beherrschende Rolle. Allerdings werden vor allem Berlin und München als Favoriten genannt. Wobei in München statt den Bayern Brause-Fabrikant Red Bull das Kommando übernommen hat und sogar die neue SAP-Arena im Olympiapark erstellt hat, neue Heimstatt für das Eishockey, die Basketballer sind Mieter. Im letzten Jahr haben sich die sportlichen Erfolge aber nicht eingestellt, Ex-Bundestrainer Toni Söderholm konnte das Team nicht zum Titel führen, dafür feierten die Eisbären Berlin eine Wiederauferstehung, nachdem sie im Jahr zuvor nicht einmal die Play-Offs erreicht hatten. Als größter Titelanwärter darüber hinaus gelten die Adler Mannheim, die unter anderem die Nationalspieler Marc Michaelis (Zug) und Kristian Reichel (Manitoba/AHL) an Land gezogen haben.

Beide Sportarten haben aber bei der Besetzung ihrer Ligen Probleme. Im Basketball ist das Feld sogar auf 17 Vereine reduziert, da die Absteiger Tübingen und Crailsheim auf eine erneuten Bewerbung verzichtet haben, aber mit Frankfurt nur ein Neuling die Bedingungen der BBL erfüllen konnte.

Die Deutsche Eishockey-Liga war ja lange Zeit eine geschlossene Gesellschaft, erst in den letzten Jahren wurde Auf- und Abstieg mit der DEL 2 vereinbart, aber vorab müssen sich Vereine um eine Zulassung bewerben. Zwei Jahre lang wurde die Augsburger Panther Letzter, entgingen aber immer dem Abstieg, weil sich kein Klub als Meister der 2. Bundesliga küren konnte, der in die DEL wollte. Also doch weiter eine geschlossene Gesellschaft. Die Augsburger Panther wollen diesmal wenigstens Vorletzter werden und nicht zittern. Der Auftakt mit einem 3:2-Sieg nach Verlängerung im Saison-Eröffnungsspiel gegen Ingolstadt macht sicher Hoffnung. Ein Novum gibt es in dieser Saison, am 6. Dezember spielen die Grizzleys Wolfsburg gegen Red Bull München in der tschechischen Hauptstadt Prag. Ob sich die Tschechen so wirklich für die DEL erwärmen können? Ein Winter Game gibt es ebenfalls wieder, am 4. Januar 2025 treffen die Löwen Frankfurt und die Adler Mannheim aufeinander.

Start für die Super League der UEFA

Als einige europäische Spitzenklubs dem Dachverband in die Suppe spucken wollten und von einer Super League im Fußball träumten, da war die Aufregung groß. Noch ein zusätzlicher Wettbewerb und nur für die großen, reichen Vereine, das geht nicht (wobei die „reichen“ Klubs oft große Schuldenberge anhäufen). Aber die UEFA handelte und brachte eine Reform der Champions League auf den Weg, um sie noch attraktiver zu machen. Am Dienstag startet sie nun, die Super League der UEFA, denn die Abkehr von Gruppenspielen hin zu Ligenspielen mit einer Tabelle ist eigentlich nichts anderes und mehr Geld gibt es auch. Allerdings passiert alles unter dem Dach des Verbandes und ist keine Konkurrenz zu den nationalen Ligen. Die Belastung aber steigt, statt 125 sind es jetzt 189 Spiele, was den übertragenden TV-Sender DAZN stolz berichten lässt: „50 Prozent mehr Spiele“. Zweck erfüllt, die Champions League wird noch attraktiver. Ob interessanter, das muss sich erst zeigen. Auf jeden Fall ist dies seit der Einführung der CL als Nachfolger des Europapokals der Landesmeister in der Saison 1992/93 die größte Reform im Profi-Fußball.

Eins ist richtig, der letzte Spieltag der Gruppenphase war oft langweilig, viele Entscheidungen für die K.o.-Runde waren schon gefallen, das soll im Ligensystem anders sein. Alle 36 Mannschaften werden in einer Tabelle gewertet, die ersten Acht steigen direkt ins Achtelfinale auf, die letzten zwölf Teams scheiden aus, ein Weitermachen in der Europa League gibt es nicht. Die 16 Teams der Plätze 9 – 24 spielen in einer Play-Off-Runde die restlichen acht Plätze für das Achtelfinale aus. Damit die neue CL wirklich im Mittelpunkt steht, hat sie in der ersten Woche ein Alleinstellungsmerkmal, die 18 Spiele verteilen sich nur diesmal auf drei Tage von Dienstag bis Donnerstag. Nächste Woche ziehen EL und Conference League nach.

Durch die Aufstockung in allen Wettbewerben und eigenen Erfolgen in der letzten Saison ist die Bundesliga insgesamt gleich mit acht Mannschaften vertreten. In der CL spielen Meister Bayer Leverkusen, Vizemeister VfB Stuttgart, Bayern München, RB Leipzig und Borussia Dortmund, die alle ein Antrittsgeld von fast 19 Millionen Euro kassieren können (rund 20 Prozent mehr als bisher) und sich auch auf die Einnahmen eines vierten Heimspiels statt bisher drei freuen können. Allerdings starten nur die Bayern mit einem Heimspiel gegen Dinamo Zagreb, Stuttgart (bei Titelverteidiger Real Madrid, gleich ein Knaller, beide Dienstag), Dortmund (bei Club Brügge/Mittwoch), Leverkusen (bei Feyenoord Rotterdam) und Leipzig (bei Atletico Madrid/beide Donnerstag) müssen reisen. In der Europa League sind Eintracht Frankfurt und die TSG Hoffenheim dabei, für die Conference League hat sich über die Play-Offs der 1. FC Heidenheim qualifiziert. Keine Frage, der internationale Wettbewerb elektrisiert Vereine und Fans, selbst die drittklassige Conference League ist gut angenommen worden. Motto: Hauptsache Europa!

Ein echtes Spitzenspiel sucht man am ersten Spieltag vergebens, am interessantesten vielleicht die Vergleiche der Mailänder Klubs mit der Premier League, Milan erwartet Liverpool, Inter spielt bei Manchester City. Mal sehen, wie spannend der Ligen-Spielbetrieb wird, jedes Team hat acht Gegner, vier Heim- und vier Auswärtsspiele. Weiter geht es am 1./2. Oktober, die nächsten Spieltage sind 22./23. Oktober, 5./6. und 26./27. November, 10./11. Dezember, 21./22. Januar 2025 und zum Abschluss der Mittwoch, 29. Januar (21 Uhr), wenn alle 18 Spiele aus sportlichen Gründen zur gleichen Zeit stattfinden.

Spitzenteams machen beste Werbung

Die Bundesliga bleibt natürlich für alle Vereine das „Brot und Butter-Geschäft“, Europas Bühne ist die Zugabe, nach der sich alle sehnen. Die Spitzenteams zeigten sich aber in CL-Form und machten gleichzeitig beste Werbung für die Bundesliga. Einen besonderen Freudentag genoss Rekordmeister Bayern München, der sich mit einem 6:1-Kantersieg bei Neuling Holstein Kiel an die Spitze schoss. Erstmals im Jahr 2024 sind die Münchner Tabellenführer, genau seit dem 5. Spieltag im September 23 erstmals wieder ganz oben, danach übernahmen die in der letzten Saison unschlagbaren Leverkusener das Kommando. Bayer strauchelte erstmals wieder gegen Leipzig, die Bayern hatten noch keinen Top-Gegner, umso mehr wird auf das Duell am Samstag, 28. September hingefiebert. Vorher müssen die Münchner noch gegen Zagreb bestehen und zu Werder Bremen (Achtung: Saisonübergreifend acht Spiele ungeschlagen!), dies ohne Sascha Boey, der sich einen Meniskusriss im linken Knie zugezogen hat und wochenlang ausfällt. Dafür zeigt sich Torjäger Harry Kane schon wieder in Bestform, sammelte in Kiel vier Skorerpunkte (drei Tore) und stellte damit einen neuen Rekord auf. In nur 34 BL-Spielen kam er jetzt auf 53 Skorerpunkte, Bester war bisher Erling Haaland (Dortmund), der für 50 Punkte aber 43 Spiele benötigte (Dritter Arjen Robben/Bayern mit 44). Aber auch Leverkusen trumpfte beim 4:1 bei Hoffenheim auf, Dortmund stürzte mit einem 4:2-Sieg Tabellenführer Heidenheim und machte den Weg für die Bayern frei. Auch der VfB Stuttgart zeigte sich gut erholt beim 3:1 in Gladbach und geht mit Schwung ins Abenteuer Champions League und die erste schwere Aufgabe bei Real. Nur Leipzig schwächelte beim 0:0 gegen Union Berlin. Tja, wenn man einen Elfmeter verschießt…

Am Tabellenende sind nach drei Spieltagen drei Mannschaften ohne Punktgewinn. Bedenklich! Vor einem Jahr passierte dies nur dem späteren Absteiger Darmstadt, der am 4. Spieltag beim 3:3 gegen Gladbach seinen ersten Zähler holte. Da sich mit Bochum und Schlusslicht Kiel zwei punktlose Teams direkt gegenüberstehen, wird sich der Zahl der Punktlosen auf jeden Fall verringern. Aufsteiger St. Pauli wird nicht so hoffnungsfroh auf Gegner Leipzig schauen. Jede Serie geht aber einmal zu Ende, das zeigte sich beim FC Augsburg, der nach sieben sieglosen Spielen mit dem 3:1 gegen St. Pauli wieder ein Erfolgserlebnis feierte.

Ein Erfolgserlebnis gab es auch für Schiedsrichter Dr. Felix Brych, der nach 294 Tagen mit der Partie Gladbach – Stuttgart erstmals wieder ein Bundesligaspiel leitete. Ein Kreuzbandriss hatte ihn außer Gefecht gesetzt, doch aufgeben wollte er nicht, er hatte nämlich einen Rekord vor Augen, dafür fehlte gerade mal ein Spiel. Jetzt hat es der Münchner geschafft, Nummer 345 ist erreicht und er alleiniger Rekordhalter.

Rekord der Bayern-Frauen

Einen Rekord konnten auch die Frauen des FC Bayern München vermelden: Der 6:2-Sieg gegen Leipzig bedeutete das 41. ungeschlagene Spiel in Serie in der Bundesliga. Die letzte Niederlage datiert vom 21. Oktober 2022, als das Team beim großen Konkurrenten Wolfsburg 1:2 unterlag, aber damals dennoch in der ersten Saison unter dem neuen Trainer Alexander Straus Meister wurde. Inzwischen wurde das Double geschafft und der Norweger will noch mehr. Allerdings klappt noch nicht alles, aber auch die Bayern-Mädchen stehen an der Spitze, wie es der Verein halt so liebt. Konkurrent Wolfsburg hat noch mit größeren Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen, siegte aber dank Alexandra Popp mit 1:0 bei Aufsteiger Jena. Am Mittwoch wird allerdings im ersten Vergleich mit AC Florenz in der Qualifikation der Champions League Bestform nötig sein. Abwehrchefin Marina Hegering hat übrigens ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet, sie will sich künftig ganz auf den VfL konzentrieren. Ein Schritt, der von der verletzungsanfälligen Spielerin fast erwartet wurde.

DFB-Elf auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel!

War es vielleicht ein Zeichen? Bereits in der 2. Minute musste Deutschland gegen die Niederlande das 0:1 hinnehmen, Erinnerungen wurden wach, genauso war es 1974 im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Am Ende siegte Deutschland mit 2:1 und wurde Weltmeister! Diesen Titel hat Bundestrainer Julian Nagelsmann auch als Ziel für die nächste Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada ausgegeben. In Amsterdam gewann die DFB-Elf nicht, aber sie wehrte sich, der Spaß kam zu kurz, aber der Kampfgeist war beeindruckend, am Ende kam ein 2:2 heraus und ein Fazit, das Mut macht: Die Nagelsmänner sind auf dem richtigen Weg, aber natürlich noch nicht am Ziel. Einiges an Arbeit bleibt, aber es ist ja auch noch ein bisschen Zeit. Die ersten Spiele der Nations League, erste Bewährungsprobe nach der Europameisterschaft, haben jedenfalls gezeigt, dass Deutschland wieder zur Weltklasse gehört. Vom Titel darf man zumindest träumen.

Auffallend in der ersten Phase der Nations League war, dass nicht nur Deutschlands Team vor einem Neuaufbau steht. Italien trat mit der jüngsten Mannschaft aller Zeiten an, überraschte gegen Frankreich und ist nach dem Sieg in Israel vor Belgien und den Franzosen Tabellenführer der Gruppe 2. Bei Europameister Spanien hapert es noch ein bisschen, aber schon bei der EM standen junge Spieler, vor allem die Talente Yamal und Williams, im Vordergrund. Andere Sorgen hat Frankreich, da ist Trainer Didier Deschamps nach dem 0:2 in Italien unter Druck geraten, vor allem, weil es offensichtlich in der Mannschaft nicht stimmt. Kapitän und Star Kylian Mbappé wird im Team mehr und mehr zum Außenseiter, das konnte auch das 2:0 gegen Belgien nicht übertünchen. Aber auch Domenico Tedesco steht bei Belgien unter Druck, auch da mosert mit Kevin de Bruyne der Kapitän über den Trainer und die Leistung. Eitel Sonnenschein dagegen in England, wo Kapitän Harry Kane angesichts seines 100. Länderspiels gegen Finnland mit goldenen Schuhen antrat und höchstpersönlich die zwei Tore zum 2:0-Sieg erzielte. Der Lohn zum besonderen Jubiläum war dann zudem eine goldene Kappe. Kane ist auf dem Weg Englands Rekordnationalspieler zu werden, 28 Spiele fehlen allerdings noch.

Eitel Sonnenschein herrschte in der deutschen Mannschaft nicht, aber Zufriedenheit, denn Verband, Trainer und Spieler können zuversichtlich in die Zukunft schauen. Jürgen Nagelsmann hatte die richtige Entscheidung getroffen, als er den Kader der Auswahl veränderte, als er auf die Chemie im Team besonderen Wert legte und der Jugend eine Chance gab. Von Gnabry, Süle, Hummels oder Brandt redet heute keiner mehr, die Rücktritte von Neuer, Kroos, Müller und Gündogan konnten fast schmerzlos kompensiert werden. Geredet wird heute über die Zauberer Musiala und Wirtz, über das Mittelfelduo Andrich und Groß und Hoffnungsträger Pavlovic. Mit Deniz Undav hat sich noch einer in den Blickpunkt gespielt, der zuletzt im zweiten Glied stand.

Aber für Bundestrainer Nagelsmann bleiben für die nächsten Maßnahmen im Oktober (11.10. in Bosnien-Herzegowina, 14. in München Rückspiel gegen die Niederlande) und November (16.11. in Freiburg gegen BH, 19.11. in Ungarn) noch genügend Aufgaben. So macht die Abwehr nach wie vor Sorgen, Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck waren in Amsterdam alles andere als ein Bollwerk. Da fehlte halt doch der Chef Antonio Rüdiger, neben ihm zeigt auch Tah mehr Sicherheit, während Schlotterbeck Platz drei in der Rangordnung an Waldemar Anton verlieren könnte. Als richtige Entscheidung zeigte sich erneut die Versetzung von Joshua Kimmich auf die rechte Außenposition, da wurde der Kapitän zur spielbestimmenden Figur und glänzte als Torschütze.

Kimmich sollte diese Rolle auch im Verein auf Dauer übernehmen und vielleicht mit Trainer Vincent Kompany darüber reden. Da könnte er sich einspielen und würde Platz machen für ein Mittelfeld-Duo Joao Palhinha und Aleksandar Pavlovic. Das Bayern-Talent wird von Nagelsmann als Einwechselspieler an die Aufgabe herangeführt und machte deutlich, dass er Andrich und Groß jederzeit ersetzen kann und ihm auf jeden Fall die Zukunft gehört. Oder ist er jetzt schon die bessere Lösung? Andrich als Abräumer und Groß als Lenker im Mittelfeld können aber durchaus mit Stärken punkten. Nicht verschwiegen werden soll, dass der schwächste Mann auf dem Platz Schiedsrichter Massa war, er fiel auf viele Faller der Niederländer rein und verweigerte Musiala einen klaren Elfmeter, als ihn Xavi im Strafraum traf. Instinktlos außerdem vom Italiener, dass er das Spiel mitten in einem erfolgversprechenden Angriff der Deutschen abpfiff.

Insgesamt hat sich Nagelsmann aber in eine gute Position gebracht, er wird bei den Belastungen der Spieler (siehe den nächsten Blog „Stress für alle: Drei Jahre Fußball ohne Pause“) auch einen breiten Kader benötigen, um bei Verletzungen und Müdigkeit gewappnet zu sein. Das ist auch die Chance für Spieler wie Leroy Sané, der zuletzt verletzt ausfiel, oder neue Namen, die in der Bundesliga glänzen. Nagelsmann betont ja: „Die Tür steht für jeden offen“. Fraglich bleibt nur, ob diejenigen, die zuletzt vor der Tür standen, die Rückkehr schaffen können. Bezeichnend, dass von allen Beteiligten zuletzt immer die tolle Chemie in der Mannschaft gelobt wurde. Zusammenhalt ist vielleicht sogar die wichtigste Basis, um das große Ziel WM-Titel zu erreichen. Die DFB-Elf ist jedenfalls auf dem richtigen Weg.

Stress für alle: Drei Jahre Fußball ohne Pause

Es hört sich ja so harmlos an, nach der Länderspiel-Unterbrechung für die Nations League gibt es am kommenden Wochenende wieder den Fußball-Alltag in der Bundesliga. Allerdings ist dies der Auftakt für einen nicht enden wollenden Stress für die Spitzenspieler, aber auch für die Vereine und nicht zuletzt für die Fans, die ja bekanntlich nichts verpassen wollen, aber wahrscheinlich doch auf das eine oder andere verzichten werden. Geldgierige Funktionäre haben den Spielplan weiter ausgeweitet, neue Formate geschaffen mit mehr Spielen – und mehr Geld für Vereine und Verbände. Ausbaden müssen dies die Profis auf dem grünen Rasen. Sage keiner, das ist in den Millionen-Gehältern inbegriffen, irgendwann zählen nicht mehr Moneten, sondern die Gesundheit.

Die stressreiche Zeit begann mit der Europameisterschaft 2024, wird angereichert durch die neue Champions League, die ja 36 statt 32 Vereine vorsieht, mit einem neuen Ligensystem und der Steigerung von 125 auf 189 Spielen. Mit dem Finale am 31. Mai 2025 in München ist keineswegs Schluss. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat die nächste tolle Aufgabe durchgesetzt, vom 15. Juni bis 13. Juli wird die neue Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Vereinen in den USA ausgetragen. Bayern München und Borussia Dortmund sind dabei, die Asse bestreiten im besten Fall sieben Spiele, statt sich am Strand auszuruhen. Im August geht die Bundesliga weiter. Bei einer Pause von gerade mal vier Wochen sind Urlaub und Saison-Vorbereitung zugleich nicht möglich. Die Folge: Mangelnde Fitness, Verletzungen und keine komplette Mannschaften. Für die Fans bedeutet dies, mangelnde Qualität, schlechtere Spiele, weniger Spaß. Ein Jahr später wiederholt sich dieses Prozedere, dann folgt 2026 im Sommer die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada.

Die deutschen Spieler sind ja noch gut dran, denn in Bundesliga und Pokal gibt es weniger Spiele als zum Beispiel in England. Experten haben ausgerechnet, dass bis zu 85 Spiele auf die Besten in einer Saison zukommen können. Bisher lag der Rekord international bei 66 Spielen pro Saison. Trainer Pep Guardiola von Manchester City zählt auf: Community Shield (1), Premier League (38), EFL Cup (6), FA Cup (6), Champions League (17), Klub-WM (7) und dazu zehn Länderspiele. (K)Eine Lösung: Nicht erfolgreich sein. Guardiola tobt: „Die Funktionäre haben keine Ahnung, wann sollen wir denn richtig trainieren.“ Seine bezeichnende Entscheidung: Nationalspielern stellt er nach einem Lehrgang frei, wann sie wieder zum City-Training erscheinen wollen!

Aber auch die Spitzenspieler in Deutschland haben keineswegs ein Ruhekissen. Wer international und im Pokal beschäftigt ist, muss ab sofort bis Weihnachten pro Woche zwei Spiele absolvieren, insgesamt 25 Aufgaben stehen an, davon 13 Spiele in der Bundesliga, zwei im Pokal, sechs in der Champions League und dazu vier Länderspiele im Oktober und November! Danach heißt es nicht frohe, sondern müde Weihnachten und am Wochenende vom 10. bis 12. Januar geht es schon wieder weiter. Die Kinder werden fragen, „wann gehört Papa uns?“. Die Spielergewerkschaft FIFPro und der europäische Ligenverband haben bei der EU Beschwerde eingereicht, gegen die aus ihrer Sicht nicht ausreichenden Mitsprachemöglichkeiten am internationalen Spielkalender. Die Erfolgsaussichten sind mäßig.

Abseits von diesen Problemen dürfen wir uns natürlich auf den nächsten Spieltag der Bundesliga am Wochenende freuen. Danach geht die Champions League los und viele Vereine haben auf die Belastungen schon mit einem größerem Kader reagiert, allerdings haben die BL-Klubs in diesem Sommer mit rund 600 Millionen Euro 160 Millionen weniger als im letzten Jahr ausgegeben (die Premier League war mit 2,4 Milliarden Euro in Europa Spitze!). Abzuwarten bleibt, wie die Rotation in den einzelnen Mannschaften aussieht. Eigentlich sind die Klubs derzeit erst noch auf der Suche nach der besten Formation, deshalb sind auch leichter Überraschungen möglich. Kann aber der punktlose Neuling Holstein Kiel ausgerechnet die Bayern stoppen oder erlebt gar Leverkusen bei Hoffenheim die nächste Pleite? Kaum vorstellbar. Das Schlagerspiel heißt aber am Freitag überraschend Dortmund gegen Heidenheim. Es kommt nämlich der Tabellenführer zur Borussia, die in der letzten Saison gegen den damaligen Neuling sieglos blieb (2:2, 0:0)!

DFB-Elf von allen Fesseln befreit

„Völlig losgelöst“ heißt derzeit der Hit bei der Nationalmannschaft. Zum ersten Spiel nach der Europameisterschaft passte dies perfekt zum Auftritt der DFB-Elf, die von allen Fesseln befreit beim 5:0 gegen Ungarn aufspielte. Die Zweifel, die es nach dem Rücktritt der Routiniers Neuer, Kroos, Müller und Gündogan gab, wurden mit erfrischendem Spiel weggewischt. Es war, als hätten sich die Musiala, Wirtz und Groß einer Zwangsjacke entledigt. Haben nicht doch, was viele Kritiker ja anmerkten (auch an dieser Stelle), Kroos und Gündogan das Spiel eher gebremst? Nun war Ungarn nicht der erwartet starke Gegner, Trainer Marco Rossi sprach von einer „Blamage“, aber Deutschland war auch besser und lebhafter als beim 2:0 bei der EM.

Vor allem Jamal Musiala war nicht zu bremsen, er war an vier der fünf Tore beteiligt und zusammen mit Florian Wirtz begeisterte er das Publikum, so dass die Medien aus den Beiden einen „Wusiala“ machten. Dazu präsentierte sich Pascal Groß als Lenker im Mittelfeld, aber nicht statisch, sondern er tauchte an allen Ecken auf und dirigierte immer wieder seine Mitspieler. Und als er vorzeitig ging, da trumpfte auch Nachfolger Aleksandar Pavlovic auf und machte deutlich, die Zukunft könnte rosig aussehen. Auch das Zusammenspiel in der Mitte mit Havertz und Füllkrug klappte, Bundestrainer Julian Nagelsmann hat also alles richtig gemacht. Bezeichnend: Fünf Spieler (Füllkrug, Musiala, Wirtz, Pavlovic, Havertz) erzielten die fünf Tore.

Aber warten wir erst einmal ab. Die echte Bewährungsprobe folgt am Dienstag in Amsterdam gegen die Niederlande, die auch fünf Tore beim 5:2 gegen Bosnien-Herzegowina erzielte, aber nicht so toll überzeugte. Mit dem Ex-Münchner Joshua Zirkzee glänzte auch da ein Talent, er kämpft gegen den Ex-Leipziger Brian Brobbey (Ajax) um den Platz als Mittelstürmer. Der Gewinner des ewig jungen Vergleichs wird die Führungsrolle in der Gruppe 3 der Liga A übernehmen, aber zwei Teams kommen ja weiter. Es ist also ein Duell um den Spitzenplatz. Können Musiala und Wirtz auch die schwächelnde niederländische Abwehr schwindlig spielen?

Wölfinnen hoffen auf die Champions League

Im Vorjahr gab es ein böses Erwachen, da scheiterten die Frauen des VfL Wolfsburg in der Qualifikation zur Champions League gegen den FC Paris. Das soll in diesem Jahr anders sein, der Angstgegner kommt diesmal nicht, am Montag wurde der AC Florenz den Wölfinnen zugelost. Insgesamt zwölf Paarungen werden am 18./19. und 25./26 September in den Play-Offs ausgetragen, gesucht werden zwölf Teams für die Gruppenphase, die am 8. Oktober beginnt. Die Meister FC Barcelona, Olympique Lyon, Bayern München und Chelsea London sind bereits qualifiziert. Nicht dabei ist Eintracht Frankfurt, das in der ersten Runde der Qualifikation mit einem 0:2 gegen Sporting Lissabon ausschied.

Die erste K.o.-Runde gab es auch im DFB-Pokal der Frauen, da konnten sich die Wölfinnen schon Mut für die CL holen. Ohne große Mühe siegten sie bei Hertha BSC Berlin mit 6:0, ihr 51. Sieg in Folge im DFB-Pokal. Herausforderer Bayern München siegte ebenfalls 6:0 beim Zweitligisten Sand. Einzige Überraschung war die 0:1-Niederlage von RB Leipzig beim Zweitligisten Union Berlin, der damit unterstrich, dass auch die Union-Frauen in die Bundesliga wollen. Absteiger 1. FC Nürnberg scheiterte mit 1:2 knapp am SC Freiburg.

Bittere Pille für Bayer und das Wunder von Heidenheim

Zwei Spieltage hat die Fußball-Bundesliga in der neuen Saison nur absolviert und schon gibt es bereits eine Länderspielpause. Diese zwei Spieltage hatten es allerdings in sich und machten Lust auf mehr. Es ging kunterbunt zu und der Blick auf die Tabelle bringt Erstaunliches zu Tage: Newcomer 1. FC Heidenheim grüßt als Tabellenführer und Meister Leverkusen ist nur Achter. Die Überraschung am zweiten Spieltag: Die in 35 Partien Unschlagbaren kassierten eine Niederlage. Ausgerechnet die Brause-Bullen aus Leipzig verpassten Bayer eine bittere Pille, 462 Tage nach der letzten Niederlage, am 27. Mai 2023 mit dem 0:3 in Bochum am letzten Spieltag der Saison 22/23. Wenn die Zeichen nicht trügen, dann wird es in dieser Saison keinen Alleingang einer Mannschaft geben.

Als Tabellenführer in die Länderspielpause geht überraschend der 1. FC Heidenheim – und das ohne Gegentor!. Vor einem Jahr hieß es noch, es wird nur ein kurzes Gastspiel des Vereins aus dem kleinen 45.000-Einwohner-Städtchen an der Ostalb mit dem höchstgelegenen Stadion (555 m) geben. Doch der Neuling stürmte gleich in seiner ersten Saison auf Europas Bühne und qualifizierte sich in der letzten Woche für die Conference League. Und das, obwohl der Verein seine Top-Stürmer verlor. So dürfen die fünf Siege in Folge fast als das Wunder von Heidenheim bezeichnet werden. Ruhiges Arbeiten ohne Spektakel mit langjähriger Treue zum Trainer Frank Schmidt, der den Verein von den unteren Ligen bis an die Spitze Deutschlands geführt hat, zahlt sich aus. Heidenheim ist das neue Vorbild für jeden aufstrebenden Verein.

Vereinsboss Oliver Sanwald hatte bei den Neuverpflichtungen wieder ein glückliches Händchen bewiesen. Vor allem der 18-jährige Paul Wanner, der seine ersten Erfahrungen beim Zweitligisten Elversberg sammelte, ist der Mann der ersten Spiele. Die Leihgabe aus München trumpft auf, lenkt das Spiel, schießt entscheidende Tore und bereitet wichtige Treffer vor. Er nahm sich auch sofort den Ball, als es beim 4:0 gegen Augsburg Elfmeter gab, verwandelte sicher und ist jetzt der mit 18 Jahren und 263 Tagen der jüngste Elfmetertorschütze der Bundesliga. Die Bayern können sich über dieses Talent glücklich schätzen, da brauchen sie nicht viel Geld für einen Florian Wirtz ausgeben. Um den Deutsch-Österreicher sollte auch Julian Nagelsmann kämpfen – Ralf Rangnick lockt ihn schon in die Alpenrepublik.

In Heidenheim nehmen sie den Platz an der Sonne gelassen hin, sie wissen, das wird nicht von Dauer sein und sind gewarnt, schon viele Tabellenführer der ersten Spieltage mussten am Ende der Saison doch absteigen. Der Klassenerhalt bleibt das Ziel, die nächste große Aufgabe steht zudem bevor, zum Start des 3. Spieltages geht es am Freitag, 13. September, nach Dortmund. Aber bereits im Vorjahr Heidenheim die Borussia mit einem 2:2.

Nur drei Mannschaften haben die ersten zwei Spieltage schadlos überstanden, nach Heidenheim folgen die Bayern und der RB Leipzig, Dortmund kam in Bremen nicht über ein 0:0 hinaus. Am Tabellenende liegen ohne Punkte drei Mannschaften, die schon vorher zum Kreis der Abstiegskandidaten gerechnet wurden, Bochum und die Aufsteiger St. Pauli und Kiel. Gefeiert wurde dagegen in München, nicht einmal so sehr das 2:0 gegen Freiburg, sondern vor allem der ewige Thomas Müller, der die letzte halbe Stunde mitwirken durfte und die Party in Gang setzte mit einem typischen Müller-Tor. Mit seinem Einsatz wurde er aber zum Bayern-Rekordspieler mit 710 Pflichtspielen für die Münchner, er löste Torhüter-Legende Sepp Maier ab. Nun darf er sich ein paar Tage ausruhen, dies hatte ihm aber Trainer Vincent Kompany schon vorher zugestanden, nachdem er der Nationalmannschaft ade gesagt hat.

Die Frauen-Bundesliga hat eine ganz seltsame Termingestaltung, nach nur einem Spieltag wird bereits für den Pokal unterbrochen. Meister Bayern München startete bei Aufsteiger Turbine Potsdam und tat sich da sehr schwer. Das Livespiel im ZDF war keine Werbung, die Bayern siegten in einer mäßigen Partie durch zwei Kopfballtore der Schwedin Linda Sembrant mit 2:0.

Mehr Spitzenspiele in der Champions League

Am 17. September geht es erst los, aber am Donnerstag und Freitag wurde die neue Saison mit den Auslosungen bereits eingeleitet. Alles neu im Jahr 2024, das war bekannt, der an dem komplizierten Modus verzweifelte, blickt jetzt vielleicht eher durch, zumindest die Gegner sind bekannt und ganz einfach: Es gibt nur eine Liga. Für die Vereine ein Anreiz: Es gibt mehr Geld, insgesamt 4,4 Milliarden Euro schüttet die UEFA aus, 2,4 Milliarden für die Champions League, 565 Millionen gehen an die Europa League und 285 Millionen an die Conference League. Jeder Verein hat acht Gegner, Vorteil gegenüber der bisherigen Gruppenphase: Es gibt nicht nur mehr Spiele, sondern vor allem mehr Spitzenspiele. So trifft Bayern München auf den FC Barcelona und Paris St. Germain. Auftakt ist am 17. September aber gegen Dinamo Zagreb, weitere Gegner sind Aston Villa, Benfica Lissabon, Feyenoord Rotterdam, Schachtar Donezk und Slovan Bratislava.

Borussia Dortmund trifft auf Barca, Real Madrid, Bologna, Celtic Glasgow, Donezk, Club Brügge, Zagreb und Sturm Graz. Bayer Leverkusen spielt gegen Liverpool, AC und Inter Mailand, Atletico Madrid, Rotterdam, RB Salzburg, Brest und Sparta Prag. RB Leipzig hat Liverpool, Aston Villa, Inter Mailand, Juventus Turin, Atletico Madrid, Celtic Glasgow, Sporting Lissabon und Graz als Gegner, der VfB Stuttgart wiederum Real Madrid, Juve, Bergamo, Paris, Bern, Roter Stern Belgrad, Sparta Prag und Bratislav. Erstes Ziel für alle 36 Mannschaften: Nicht zu dem Dutzend gehören, das ausscheiden muss!

In der Europa League sind Eintracht Frankfurt und die TSG Hoffenheim vertreten. Die Eintracht tirfft auf AS Rom, Olympique Lyon, Besiktas Istanbul, Slavia Prag, Viktoria Pilsen, FC Midtjylland, Ferencvaros Budapest und FC Riga. Hoffenheims Gegner sind Tottemham Hotspur, Lyon, FC Porto, Sporting Braga, Dynamo Kiew, RSC Anderlecht, Midtjylland und FCSB Bukarest. Der 1. FC Heidenheim hat sich durch Siege über Häcken in den Play-Offs in die Confence League (nur sechs Spieltage) gekämpft und wird damit belohnt, dass er Chelsea London zu Hause erwarten darf. Los geht es aber am 3. Oktober gegen Olimpija Ljubljana, dann folgen Pafos, Heart of Midlothian, am 28. 11. Chelsea, Basaksehir und FC St. Gallen.

Kimmich ist der neue Kapitän

Zunächst hat aber die Nationalmannschaft das Wort, kurz nach der EM beginnt die Nations League und da trifft Deutschland am Samstag (20.45 Uhr) in Düsseldorf auf Ungarn und am Dienstag (20.45 Uhr) in Amsterdam auf die Niederlande. Dritter im Bunde ist Bosnien-Herzegowina. Bei der Bekanntgabe des Aufgebots von Bundestrainer Julian Nagelsmann wurde deutlich, dass Nagelsmann auf einen Neuanfang verzichtet. Die Rücktritte der verdienten Spieler Kroos, Gündogan, Neuer und Müller nimmt er zum Anlass, den anderen Spielern aus dem EM-Kader eine Chance zu geben. Einziger Neuling ist Angelo Stiller vom VfB Stuttgart.

Allerdings ist es auch so, dass Nagelsmann nach der EM noch keine neuen Erkenntnisse gewinnen konnte, das wird bis zur zweiten Länderspielpause Mitte Oktober anders sein. Auffallend ist, dass Dortmund mit fünf Aktiven die meisten Abstellungen hat, Stuttgart, das noch gar nicht in Schwung gekommen ist, vier und Bayern München, das sonst die Basis des Teams stellt, nur mit drei Spielern vertreten ist.

Weitere wichtige Entscheidungen hat Nagelsmann bis auf den Montag aufgeschoben, dann gab er bekannt, dass Joshua Kimmich der neue Kapitän der DFB-Elf wird. „Eine logische Entscheidung,“ so der Bundestrainer, „er war schon bisher einer der drei Kapitäne“. Stellvertreter werden künftig Kai Havertz und Antonio Rüdiger sein, die beide damit ihre Stellung im Team stärken können. Logisch auch, dass ter Stegen die neue Nummer 1 im Tor wird, er hat ja als Stellvertreter von Manuel Neuer lange auf diese Chance gewartet. Kimmich soll vorerst auf der rechten Seite bleiben, aber vielleicht wagt sich Nagelsmann an das Experiment von Kompany, der Kimmich als Hybrid-Spieler einsetzte, der rechts und im Mittelfeld zu finden war.

Das Aufgebot: Tor: Marc-Andre ter Stegen, Oliver Baumann, Alexander Nübel. – Abwehr: Waldemar Anton, Benjamin Henrichs, Joshua Kimmich, Robin Koch, Maximilian Mittelstädt, David Raum, Nico Schlotterbeck, Jonathan Tah. – Mittelfeld: Robert Andrich, Emre Can, Chris Führich, Pascal Groß, Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic, Angelo Stiller, Florian Wirtz. – Angriff: Maximilian Beier, Niclas Füllkrug, Kai Havertz, Deniz Undav.

Neue Bundesliga-Saison mit alten Ärgernissen

Neue Saison, neue Hoffnung – doch was die Fußball-Bundesliga angeht, begann die neue Saison mit alten Ärgernissen. Nicht die schönen Tore oder Dramatik in den Spielen standen im Mittelpunkt, sondern der Ärger über Handspiele und den Videoassistent, sprich VAR, der sich eigentlich zurückhalten sollte und wieder übermotiviert einschritt.

Die Einführung des Videobeweises war dem Fortschritt durch Technik geschuldet, doch er brachte nur teilweise mehr Gerechtigkeit, ansonsten wurden die Diskussionen um falsche Schiedsrichter-Entscheidungen eher mehr und vor allem die Emotionen rund um das Spiel und seine Tore gingen durch die oft lange Wartezeit verloren. Schade, dass bereits am ersten Spieltag wieder über den VAR diskutiert und (berechtigt) geklagt wurde. „Wir wurden betrogen“, tönte es aus Augsburg und Schiedsrichter-Chef Knut Kircher gab ihnen recht. Als der Ball an den hoch erhobenen, ausgestreckten Arm des Bremers Jung ging, sah Schiri Stegemann eine „natürliche Armhaltung bei einem Zweikampf“ und er habe im „Sinne des Fußballs“ keinen Elfmeter für den FCA gegeben. Sein Chef Kircher sah das anders: „Es war ein Handspiel“. Die Diskussion rund um Hand oder nicht geht also weiter.

Weiter geht auch die Diskussion darüber, wann der VAR eingreifen soll oder nicht. Krass war es zum Auftakt in Gladbach. Schiedsrichter Robert Schröder sah bei einem Zweikampf des Gladbachers Itakura kein Foul gegen Leverkusens Adli und ließ weiterspielen. Der VAR meldete sich mit dem Hinweis, Itakura hätte Adli am Fuß erwischt bevor der Ball gespielt wurde. Schröder sah sich die Szene an und gab in der 11. Minute der Nachspielzeit (!) Elfmeter für Bayer, den Wirtz im Nachschuss zum 3:2-Siegtor verwandelte. Problem: Zu der Attacke gibt es verschiedene Kameraperspektiven, die einmal Foul, ein andermal kein Foul zeigen. Schiri Schröder hatte real den Eindruck eines normalen Zweikampfes, der er auch war, der VAR hätte nicht eingreifen dürfen. Genauso diese Engstirnigkeit bei normalen Zweikämpfen will Kircher künftig vermeiden. Er urteilte: „Der VAR-Einsatz war falsch“. Kircher weiß: „Wir brauchen Klarheit, Orientierung, Einheitlichkeit.“ Das wünschen sich alle, Gladbachs Fans haben als Antwort auf das Theater eine Petition zur Abschaffung des VAR eingereicht. Auch die Bayern hätten einen Handelfmeter bekommen müssen, Schiri Siebert sah das anders, der VAR schwieg – „das war falsch“, sagt Kircher.

Sportlich machte Meister Leverkusen also dort weiter, wo es in der letzten Saison erfolgreich war – mit Toren in den letzten Minuten. Ist es Können, ist es Glück? So kann man Meister werden. Von den Favoriten starteten auch Dortmund, Leipzig und die Bayern mit einigen Schwierigkeiten, aber erfolgreich. Dortmund wankte gegen Frankfurt, aber Joker Gittens schoss das 2:0 heraus. Auch in Leipzig wurde der Joker umjubelt, Neuzugang Nusa traf zum entscheidenden 1:0 gegen Bochum. Der Ersatz für Dani Olmo hat sich gleich in die Herzen der Fans gespielt. Die Bayern brauchten in Wolfsburg einen Kraftakt, führten nach einer starken ersten Hälfte nur 1:0, lagen dann in Halbzeit zwei schnell 1:2 zurück und erkämpften sich doch noch einen 3:2-Sieg. Die Wende führte der eingewechselte Thomas Müller maßgeblich herbei, durch seinen Einsatz geht er in sein 17. Bundesliga-Jahr für den gleichen Klub. Nur Manfred Kaltz (Hamburger SV) und Klaus Fichtel (Schalke) haben mit 19 mehr bei einem einzigen Verein. Außerdem wurde Müller Rekordspieler bei Bayern mit 474 BL-Spielen, der zog damit an Sepp Maier (473) vorbei.

Ebenso wie Vizemeister Stuttgart hatten auch die Neulinge Startprobleme. Kiel hielt bei Hoffenheim gut mit, bekam aber den dreifachen Torschützen Kramaric nicht in den Griff. St. Pauli hatte sein Vorbild Heidenheim zu Gast, will dem Beispiel des letztjährigen Neulings folgen, der es bis auf Europas Bühne schaffte. Doch die Württemberger zeigten dem Aufsteiger den Unterschied auf, spielten abgeklärt und clever und siegten 2:0. Auch in der Conference League waren sie mit einem 2:1 in Göteborg gegen BK Häcken erfolgreich, am Donnerstag wollen sie die Qualifikation für die Gruppenphase perfekt machen.

Im Mittelpunkt standen auch die neuen Trainer. Einen tollen Einstand feierte vor allem Julian Schuster als Nachfolger der Legende Christian Streich. Das 3:1 über Stuttgart war die beste Empfehlung. Jetzt geht es am Sonntag nach München, im zweiten Schlagerspiel stehen sich am Samstag Leverkusen und Leipzig gegenüber. Nuri Sahin in Dortmund und Vincent Kompany zogen in Dortmund und München den Kopf aus der Schlinge, Bo Svensson bei Union freute sich über eine Unentschieden bei seinem alten Verein Mainz, Peter Zeidler in Bochum und Alexander Blessin bei St. Pauli mussten dagegen Niederlagen hinnehmen.

Auslosung der Champions League

Die Bundesliga wird gleich wieder in den Schatten gestellt, denn am Donnerstag rückt die Champions League in den Mittelpunkt. In Monaco werden die Spiele für die neue CL ausgelost. Sie umfasst künftig statt 32 nun 36 Mannschaften, die in einer Liga von 1 – 36 gewertet werden. Die von einigen Vereinen (vor allem Real Madrid) gewünschte Super League lässt grüßen. Die 36 Teams werden bei der Auslosung in vier gleich große Töpfe aufgeteilt, Nummer 1 ist Real Madrid, danach erfolgt die Rangfolge nach dem Klub-Ranking der UEFA. Fünf deutsche Klubs sind dabei, die Bayern, Dortmund und Leipzig in Topf 1, Leverkusen in Topf 2 und Stuttgart in Topf 4. Jedem Team werden aus jedem Topf zwei Mannschaften zugelost, jeweils mit einem Heim- und Auswärtsspiel, also acht Gegner.

Die Ergebnisse fließen in eine Gesamttabelle ein, die Teams der Plätze 1 – 8 qualifizieren sich direkt für das Achtelfinale, die Teams von 9 – 24 müssen in die Play-Offs mit Hin- und Rückspiel, der Rest scheidet aus. Jeder Verein hat also acht Spiele garantiert, durch die Reform erhöht sich die Anzahl der Spiele insgesamt von 125 auf 189, der Stress für die Spieler wird größer! Auch in der Europa League und Conference League wird nach diesem Format gespielt. Die CL spielt weiterhin Dienstag und Mittwoch, angepfiffen werden die Spiele um 18.45 Uhr und 21.00 Uhr. Start ist vom 17. -19. September, ausnahmsweise wird der erste Spieltag auf drei Tage gestreckt. Die Ligaphase endet am 21./22. Januar 2025, das Endspiel steigt am 31. Mai 25 in München. Die Bayern träumen natürlich von einem „Finale dahoam“. Man darf davon ausgehen, dass auch wegen der CL in dieser Woche noch eine heftige Wechselaktivität zwecks Verstärkungen herrscht, da die Wechselfrist am 30. August endet.

Die neue Nationalmannschaft

Ausgerechnet den Donnerstag hat sich auch Bundestrainer Julian Nagelsmann ausgesucht, um sein erstes Länderspiel-Aufgebot der neuen Saison zu präsentieren. Seine Auswahl wird mit großer Spannung erwartet, denn es beginnt eine neue Ära des DFB-Teams. Nach Toni Kroos, Thomas Müller und Kapitän Ilkay Gündogan hat jetzt auch Torhüter Manuel Neuer seinen Rücktritt aus dem Nationalteam bekannt gegeben. Damit geht die Ära der Weltmeister von 2014 endgültig zu Ende und alles wartet gespannt, wer die Nachfolger sein werden.

Im Tor sollte eigentlich der jahrelang „Kronprinz“ ter Stegen die neue Nummer 1 werden, die Frage ist aber ob Nagelsmann weiter den bisherigen Reservisten Baumann, Leno und Trapp vertraut oder neue Kandidaten aufbaut. Manuel Neuer empfiehlt auf lange Sicht Alexander Nübel, der in Stuttgart als Leihspieler wartet, bis Neuer den Platz im Tor auch bei den Bayern freimacht. Im Mittelfeld gelten neben Pascal Groß die Talente Pavlovic (Bayerrn) und Stiller (VfB) als Kandidaten oder versucht es Nagelsmann mit einem Comeback von Goretzka? Der Donnerstag wird also ein spannender Fußball-Tag.

Start der Frauen-Bundesliga

Weniger spannend geht es (leider) in der Frauen-Bundesliga zu, die am Freitag mit dem Spiel Turbine Potsdam – Bayern München (17.00 Uhr/ZDF) startet. Ein Spiel, das die Entwicklung aufzeigt: Turbine war die Mannschaft früherer Jahre, holte zwischen 2002 und 2012 sechs Titel, ehe der VfL Wolfsburg und Bayern München die Herrschaft übernahmen. Jetzt kehrt Potsdam als Neuling zurück (außerdem Carl Zeiss Jena) und hat gleich den Meister zu Gast. Seit der Abdankung von Turbine holten die Münchnerinnen fünfmal den Titel, der VfL Wolfsburg sogar siebenmal. Für die neue Saison wird sich nichts ändern, der Rest spielt um die Plätze.

Der Frauen-Fußball hat aber Bedeutung und Zuspruch gewonnen und so hoffen alle, dass auch die Spannung bald wieder steigt. Damit das Interesse steigt, wird die Bundesliga zur Saison 2025/26 auf 14 Vereine aufgestockt, dafür gibt es in diesem Jahr nur einen Absteiger, aber drei Aufsteiger aus der 2. Bundesliga, wo Traditionsvereine wie Union Berlin, der Hamburger SV und der letzte Absteiger 1. FC Nürnberg nach oben wollen. Die Meisterschaft wird wohl nur zwischen Titelverteidiger Bayern und Wolfsburg entschieden. Die Münchnerinnen wollen langfristig so eine starke Mannschaft haben, um auch in der Champions League bestehen zu können und wollen national Wolfsburg als Pokal-Königinnen entthronen. Deshalb war auch der Wechsel von Nationalspielerin Lena Oberdorf vom VfL zu den Bayern besonders spektakulär. Die Generalprobe für die neue Saison entschieden die Bayern-Mädchen mit einem 1:0 im Supercup in Dresden gegen den VfL für sich, Klara Bühl war in der 9. Minute die entscheidende Torschützin.

Eine große Ehrung gibt es für Nationaltorhüterin Ann-Katrin Berger, sie wurde von den deutschen Sportjournalisten bei der vom kicker durchgeführten Wahl zur „Spielerin des Jahres“ gekürt. Bei Olympia hatte sie als Elfmeter-Töterin entscheidenden Anteil am Gewinn der Bronzemedaille. Sie gewann mit 144 Stimmen vor Giulia Gwinn (Bayern/71) und Lena Oberdorf (Wolfsburg, jetzt Bayern/66). Berger löst damit Alexandra Popp (Wolfsburg) ab, die im Vorjahr gewann.

Vor dem Spiel um den Supercup stellte sich auch Christian Wück als neuer Bundestrainer für die Frauen vor. Er sieht den Frauen-Fußball „auf der Überholspur“ und will mit dem Nationalteam natürlich erfolgreich sein („Wir haben viele Talente“). Seine erste Aufgabe wird am 25. Oktober das Länderspiel in England sein.

Bundesliga-Start: Neue Saison, neue Trainer, neue Spannung – und ein Zeichen von Leverkusen!

Warmlaufen für die neue Bundesliga-Saison – das ist für viele Erstligisten der DFB-Pokal eine Woche vor dem Start. Es wurden aber auch schon erste Zeichen gesetzt, so dadurch, dass am Wochenende nur ein Bundesligist ausgeschieden ist. Es erwischte den VfL Bochum in Regensburg, für ihn ein Zeichen, dass wieder einmal der Abstiegskampf bevorsteht. Ein Zeichen gab es aber auch von Bayer Leverkusen, der Meister machte im hektischen Spiel um den Supercup gegen den VfB Stuttgart deutlich, dass er die Stärken der alten Saison mit in die neue nimmt. Wieder wendete Bayer eine Niederlage in den letzten Minuten ab (2:2) und siegte im Elfmeterschießen. Der erste Titel also, seit März 2023 ist der Meister national ungeschlagen!

Dennoch, die Fußballfans können sich auf eine neue Saison mit neuer Spannung freuen, außerdem sorgen gleich sechs neue Trainer dafür, dass bei vielen Vereine große Ungewissheit herrscht. Mit Bayern München und Borussia Dortmund haben zwei Spitzenteams ihre Trainer gewechselt, mit dem Ziel, einen erfolgreichen Angriff auf den Leverkusen zu starten. Ungewohnt ist dies für die Bayern, die vom Gejagten zum Jäger wurden, aber Vincent Kompany hat neuen Schwung in die Mannschaft gebracht, mehr Schwung als unter Thomas Tuchel, es wird gelaufen statt lamentiert, wie beim 4:0 beim Zweitligisten Ulm zu sehen. Ein neuer Geist und ein neuer Wind weht unter Nuri Sahin auch in Dortmund, dazu kam ein gewisser Umbruch im Team, mit Torjäger Füllkrug und den Vereinsikonen Hummels und Reus gingen wesentliche Figuren der letzten Jahre, die Neuzugänge Anton, Guirassy (beide Stuttgart), Beier (Hoffenheim) und vor allem Groß (Brighton) sollen für neuen Schwung sorgen. Dazu will auch Abwehrkoloss Süle beitragen, der im Sommer schwer abgenommen hat und wieder die Figur eines Spitzensportlers statt eines Feierabendfußballers hat. Zur Spitzengruppe dürfen erneut Vizemeister Stuttgart und Leipzig gezählt werden. Der VfB zeigte im Supercup, dass er die Abgänge gut verkraftet hat, was aber teuer war, nur so war der Kampf um Undav erfolgreich. Ebenso hat Leipzig um Xavi gekämpft und will den Abgang von Olmo durch Talent Nusa ausgleichen. Neu ist: Es gibt nicht den einen Favoriten, wie in vielen Jahren mit den Bayern, beim Nachfolger ohne „n“, Bayer, ist man noch skeptisch, ob er die Leistung des letzten Jahres wiederholen kann.

Von oben nach unten. Im Keller ist das Gedränge noch größer als an der Spitze. Wieder einmal zählen die Aufsteiger zu den ersten Abstiegskandidaten, besonders für Holstein Kiel ist die Bundesliga vor allem ein Abenteuer. Rückkehrer St. Pauli schielt mehr auf den Erfolg von Heidenheim im Vorjahr und will eher auf diesen Spuren wandeln, der in Belgien zweimal als Trainer des Jahres ausgezeichnete Alexander Blessin soll dies als Nachfolger von Erfolgscoach Fabian Hürzeler (nach England) bewerkstelligen. Aber nicht nur die Aufsteiger dürfen im Abstiegskampf erwartet werden, erster Kandidat dafür ist auch der VfL Bochum unter dem neuen Trainer Peter Zeidler. Aufpassen müssen auch Union Berlin mit dem neuen Coach Bo Svensson und dessen alter Verein Mainz 05, die schon im Vorjahr lange in Schwierigkeiten steckten. Auch das letztjährige Überraschungsteam aus Heidenheim gibt (mit altem Trainer Frank Schmidt) nur den Klassenerhalt als Ziel aus, obwohl sich der Neuling im Vorjahr bis in die Conference League spielte und am Donnerstag in Göteborg gegen BK Häcken sein Debüt auf Europas Bühne gibt. Mit Torjäger Kleindienst, Standardkönig Beste und Flitzer Dinkci gingen wichtige Spieler, die kaum adäquat ersetzt werden konnten. Englische Wochen sind außerdem Neuland.

Fehlen noch sieben Vereine, deren Tendenzen ziemlich offen sind. Eintracht Frankfurt darf man noch am ehesten einen Angriff auf die Plätze für die Champions League zutrauen, Wolfsburg will endlich wieder dahin kommen, während Gladbach und Freiburg vor allem wieder einen einstelligen Tabellenplatz angreifen. In Freiburg gab es den spektakulärsten Trainerwechsel, weil Legende Christian Streich aufhörte und die Schwarzwälder mit Julian Schuster auf einen jungen Mann aus dem eigenen Verein setzen. Augsburg, Bremen und Hoffenheim wollen mit dem Kampf um den Klassenerhalt nichts zu tun haben, schauen eher nach oben. Der FCA muss aber den Weggang von Torjäger und Kapitän Demirovic (Stuttgart) verkraften. Ein böses Erwachen könnte es für Hoffenheim geben, das von Sommerturbulenzen mit Wechsel in der Führung gebeutelt wurde, auch der Abgang von Beier dürfte wehtun. Zudem ist Trainer Pellgrino Matarazzo im Verein nicht unumstritten. Das ist keine Basis für Erfolge.

Neuer Wind bei Schiedsrichtern

Nicht nur die Vereine hoffen auf neuen Schwung und wenig Ärger in der neuen Saison, das gilt auch die Schiedsrichter, die ja eine wichtige Rolle spielen. Mit Knut Kircher, der am 1. Juli das Amt der Schiri-Chefs vom scheidenden Lutz-Michael Fröhlich übernahm, soll wieder neuer Wind in den oft kritisierten Laden kommen. Der neue Boss hat sich vorgenommen, dass das Leistungsprinzip auch unter der Saison aktuell angewandt wird und er will seine Leute auf dem Platz stärken, der VAR soll nicht so oft im Vordergrund stehen. Im Pokal, wo es den VAR wegen der Amateure erst ab dem Achtelfinale gibt, zeigte sich allerdings, dass bei Fehlentscheidungen, die auf den Bildschirmen zu sehen sind, der VAR vermisst wird. Leichter haben es die Unparteiischen, dass sie Proteste nur noch vom Kapitän entgegen nehmen, andere Spieler müssen auf Distanz bleiben. Rudelbildung soll es also nicht geben. Andererseits wurde im Pokal deutlich, dass die Spieler bei Auseinandersetzungen untereinander auf die Rudelbildung nicht verzichten wollen.

Noch einmal zurück zum DFB-Pokal. Vor den vier ausstehenden Spielen am Montag und den Nachholspielen von Leverkusen und Stuttgart war die erste Runde keine gute für die kleinen Vereine, die sich zwar tapfer wehrten, aber kaum für Überraschungen sorgen konnten. Bezeichnend der Start am Freitag, als die ersten drei Spiele in die Verlängerung gingen, sich aber am Ende die Bundesligisten durchsetzten. Die Ober- und Regionalligisten schieden alle aus, von den Drittligisten schaffte nur Dynamo Dresden mit dem 2:0 über Düsseldorf eine Überraschung. Saarbrücken, das Sensationsteam des letzten Jahres (u. a. gegen die Bayern), scheiterte diesmal im Elfmeterschießen an Nürnberg. Die nächste Runde wird am 1. September ausgelost, weiter geht es am 29./30. Oktober.

Supercup der Frauen

Auch bei den Fußball-Frauen steht die neue Saison bevor, die ebenfalls durch den Supercup eingeläutet wird. Dabei stehen sich am Sonntag (18.15 Uhr) in Dresden Meister Bayern München und Pokalsieger VfL Wolfsburg gegenüber. Auf neutralem Platz duellieren sich also die beiden derzeit überragenden Teams im deutschen Frauen-Fußball. Wie immer eine besondere Prestigeangelegenheit, zumal die Bayern eine Führungsrolle beanspruchen, die Wölfinnen dies aber so nicht hinnehmen wollen. Interessanter könnte der Start nicht sein, leider fällt aber Lena Oberdorf noch aus, die von Wolfsburg zu den Bayern wechselte. Es ist aber ein interessanter Vergleich, der die aktuellen Kräfteverhältnisse aufzeigen sollte. Die Bundesliga startet dann am Freitag, 30. August, mit der Partie Turbine Potsdam – Bayern München.

Jetzt übernimmt der Fußball wieder das Kommando

Die Olympischen Sommerspiele von Paris sind Vergangenheit, zwar richten die Olympioniken ihre Augen schon auf Los Angeles 2028, aber davor kommen noch die Winterspiele 2026 in Mailand/Cortina d’Ampezzo und zunächst übernimmt der Fußball wieder das Kommando. Selbst FIFA-Präsident Gianni Infantino muss allerdings erkannt haben, vor allem als er im Regen der Eröffnungsfeier saß und sichtlich verärgert war, dass der Fußball so eine Show, wie sie in Paris über die Bühne ging, nie bieten kann. Nehmen wir nur die WM in Katar 2022 als Gegensatz. Paris erlebte grandiose Spiele, aber davon später mehr.

Der Fußball verschwand logischerweise nie aus den Schlagzeilen, dazu hat er zu viele Fans und sind die Spielerwechsel vor der neuen Saison zu interessant. Jetzt geht es endgültig mit der neuen Saison wieder richtig los. Die Top-Ligen in Spanien, Italien und England starten ihre Punktrunden, am 23. August zieht die Bundesliga mit der Partie Gladbach gegen Meister Leverkusen nach. Davor aber gibt es traditionell das Wochenende der Amateure oder unterklassigen Mannschaften, die nämlich den ersten Spieltag im DFB-Pokal als ihren Höhepunkt des Jahres, manchmal sogar des Vereinslebens, ansehen: Die Großen kommen zu den Kleinen.

In der ersten Runde sind mit Hildesheim, Koblenz, Aalen und Schott Mainz sogar vier Oberligisten dabei, also fünfte Liga. Dabei wird nur der TuS Koblenz richtig glücklich sein, denn bei ihm gastiert am Montag, 19.8., mit dem VfL Wolfsburg ein Bundesligist. Die anderen haben Zweitligisten als Gegner, am meisten dürfte sich Aalen über Schalke 04 freuen, Hildesheim erwartet Elversberg, Mainz die Greuther Fürth. Aus der Regionalliga haben es zehn Vereine in die erste Runde geschafft, dabei haben Phönix Lübeck gegen Borussia Dortmund und Carl-Zeiss Jena gegen Titelverteidiger Leverkusen das große Los gezogen, drei weitere haben Bundesligisten als Gegner. Leverkusen tritt übrigens in Jena erst am Mittwoch, 28. August (18 Uhr), an, weil auch in diesem Jahr parallel zur ersten Pokalrunde der Supercup ausgetragen wird. Dabei stehen sich am Samstag (20.45 Uhr) Leverkusen und der VfB Stuttgart gegenüber. Die Stuttgarter deshalb, da Bayer das Double gewonnen hat und so darf der Vizemeister ran. Der VfB spielt im Pokal am Dienstag, 27. August (20.45 Uhr) bei Preußen Münster. Die DFL sollte aber bei aller Terminnot davon abgehen, dass der Supercup am Pokal-Wochenende ausgespielt wird, er stiehlt den kleinen Vereinen die Show. Interessant ist das Duell der beiden Überraschungsteams der letzten Saison selbstredend. Macht Leverkusen mit seiner ungeschlagenen Serie einfach weiter (Xabi Alonso wurde auch zum Trainer des Jahres gewählt)? Wie verkraftet der VfB die Abgänge von Anton, Ito, und Guirassy? Immerhin bleibt aber Undav.

Die größte Show im DFB-Pokal ist natürlich, wenn ein David einen Goliath zu Fall bringt. Das gilt auch für Zweitligisten, wenn sie einem Bundesligisten ein Bein stellen. Im Vorjahr waren die Zweitligisten lange Zeit erfolgreicher als die Erstligisten (drei im Halbfinale), wenn dann auch Leverkusen den Titel gegen den 1. FC Kaiserslautern holte. Jedes Jahr die gleiche Frage: Welcher Bundesligist scheitert, schließlich kommen die Erstligisten aus ihrer Vorbereitung, in den anderen Ligen ging es bereits um Punkte. Die Runde startet am Freitag mit einem Knaller, wenn Bayern München bei Zweitliga-Neuling Ulm 1846 gastiert. Ein Fehlstart in der 2. Bundesliga wird den Ulmern zwar nicht Mut machen, aber die Bayern müssen erstmals ihre Karten aufdecken. Wechsel im Kader, die noch nicht abgeschlossen sind, ein neuer Trainer mit Vincent Kompany und ein neuer Stil machen die Bayern zum unbekannten Wesen. Eine Referenz sind immerhin zwei Siege über die Tottenham Hotspur. Jetzt gilt es wirklich. Torjäger Harry Kane wird sein Startdebüt geben, der neue Star Michael Olise, der Glanzlichter in Frankreichs Olympiateam setzte und Silber gewann, ist wohl noch nicht so weit. De Ligt und Mazraoui kehrten dem Verein den Rücken, spielen künftig für Manchester United. Coman und Goretzka können noch gehen, Wunsch-Neuzugang Doué (Rennes) hat sich dagegen für Paris St. Germain entschieden. Bis zum Start der Bundesliga bleibt es also spannend, die Wechselfrist endet Ende August.

Paris setzte ein Zeichen

Wer hätte das gedacht, die französische Hauptstadt Paris organisierte noch nie dagewesene Olympische Sommerspiele. Die Stadt wurde zur Feierzone, die Pariser nahmen die Spiele an und sorgten für eine begeisternde Atmosphäre in einer ebenso historischen wie schmucken Umgebung. Der Sport kam quasi von den Stadien in die Stadt. Welche Unkenrufe hatte es doch vorher gegeben, die Pariser würden den Spielen die kalte Schulter zeigen, Verkehrschaos die Stadt zum Erliegen bringen, der Dreck überall wäre abstoßend für die Gäste, die nur in geringer Zahl zu den zu teuren Spielen kommen würden. Nichts davon traf ein, zum Glück war auch die Angst vor Anschlägen unbegründet, was vor allem an den umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen lag. Nur die schmutzige Seine als Austragungsort hätte man sich schenken können. Dennoch schuf Paris angefangen von der spektakulären Eröffnungsfeier bis zur pompösen, manchmal allerdings langweiligen Schlussfeier ein Fest, das nicht nur für die Zukunft, sondern bereits für die Gegenwart über den Sport hinaus ein Zeichen setzte: Es geht nur Miteinander, nicht Gegeneinander! Wird sich die Welt (vor allem die Politik) am Sport ein Beispiel nehmen?

Der Olympische Geist war allgegenwärtig und dass eine Goldmedaille in der Karriere eines Sportlers eine Sonderstellung hat, zeigt das Beispiel von Golfsieger Scott Scheffler. 30 Millionen US-Dollar hat die Nummer 1 der Welt in diesem Jahr schon verdient, gerade mal 38000 Dollar zahlt der Verband für einen Olympiasieg, doch Geld zählt nicht. Als Scheffler auf dem Podium stand und die Goldmedaille umgehängt bekam, da übermannten ihn die Tränen, da wusste er in diesem Moment, was es mit dem olympischen Geist auf sich hat. Olympia ist immer noch etwas Besonderes. Darüber freute sich auch IOC-Präsident Thomas Bach, der wohl unter anderem deshalb keine Gedanken mehr an eine Verlängerung seiner Amtszeit hegt, also turnusmäßig im nächsten Jahr aufhören wird, weil es für ihn einen besseren Abgang nicht geben kann.

Der Olympische Geist zählt keine Medaillen, die Verbände und die Öffentlichkeit schon, jeder will wissen, wer ist die erfolgreichste Sportnation, sportliche Erfolge stärken das Selbstbewusstsein eines ganzen Landes. Dies wird vor allem in China so gesehen, da werden die Asiaten aufgeheult haben, als sie die USA mit dem Gewinn der letzten Goldmedaille im Basketball der Frauen noch im Medaillenspiegel überholte. Beide Nationen stehen bei 40 Goldmedaillen, die USA ist mit 44 Silbermedaillen (China 27) Zweiter und holte 42mal Bronze (China 13). Auf Rang drei Japan (20/12/13), vor Australien (18/19/1&) und Frankreich (16/26/22), das als Gastgeberland besondere Anstrengungen unternommen hatte.

Besondere Anstrengungen soll es künftig auch in Deutschland geben, um wieder das Wunschziel zu erreichen, unter die fünf besten Nationen zu kommen. Diesmal war es „nur“ Platz zehn, wieder ein Rang schlechter als in Tokio 2021. Die deutsche Mannschaft hat den Fans in der Heimat dennoch Spaß gemacht, zwölf Goldmedaillen (Tokio 10) gaben zum Feiern Anlass, die Gesamtzahl von 33 macht sich immer noch gut (Tokio 37). Leider schwächeln einige Sportarten, die früher zu den Medaillensammlern gehörten, wie Fechten, Ringen, Boxer oder der Radsport. Eine Stärke waren die Mannschaften, die für Medaillen und vor allem mitreißende Momente sorgten. Die 3×3 Basketballerinnen sorgten mit Gold für einen historischen Sieg der neuen Sportart und überhaupt für die erste Basketball-Medaille. Die Silber-Handballer enttäuschten im Finale, waren aber die Könige der Tore der letzten Sekunden, ihnen gehört mit dem 21jährigen Renars Ucins (zusammen mit Juri Knorr im All-Star-Team) die Zukunft. Die Fußball-Frauen holten Bronze für sich und vor allem für ihren beliebten Trainer Horst Hrubesch zum Abschluss seiner Karriere. Er setzte u. a. auf Torhüterin Berger, die zur Elfmeter-Heldin wurde.

Den Verantwortlichen stößt auf, dass kleinere Nationen wie Italien und vor allem die Niederlande vor Deutschland platziert sind. Olaf Tabor, Chef de Mission, hat die Niederlande zum Vorbild erklärt: „Wir schreiben Excel-Tabellen, die anderen fördern, da werden Talente entdeckt und gefördert bis zur Weltspitze.“ Da ist auch der Bund gefordert, die Aufstockung der Fördermittel um 49 Millionen Euro auf 331 Millionen wird nicht reichen.

Um den Olympischen Geist am Leben zu halten und in Deutschland hoffähig zu machen, sollen die Sommerspiele 2040 nach Deutschland geholt werden (2028 in Los Angeles, 2032 in Bisbane/Australien). Das soll der olympischen Idee hierzulande Auftrieb geben. Auch dafür könnte Paris ein Zeichen gewesen sein: Seht was möglich ist, seht die Begeisterung, seht die Reputation für ein ganzes Land. Berlin oder München sollen ein zweites Paris werden – oder besser, ein eigenes Zeichen setzen. Man muss die Spiele nur wollen – und bekommen!

Die goldigen Tage von Paris

Das passte doch wie die Faust aufs Auge, gerade machte sich der Sport-Grantler Gedanken über seinen Blog, da ploppte eine goldige Nachricht auf: Sensationssieg der deutschen Triathlon-Staffel! Natürlich ist in Frankreich nicht alles Gold was glänzt, aber die Sportlerinnen und Sportler schenken uns doch goldige Tage in Paris und diese überdecken die Enttäuschungen. Zehnkämpfer Leo Neugebauer hat zwar von Gold geträumt, dann Silber gewonnen und nach der ersten Enttäuschung kann sich der gebürtige Görlitzer auch über den zweiten Platz freuen. Warum auch nicht, so soll es sein. Die Athleten selbst klagen, „es zählt immer nur der erste Platz, die Leistung als solche wird nicht anerkannt.“ Seinen Traum erfüllt hat sich Ruderer Oliver Zeidler und gleichzeitig sein Trauma damit überwunden. Denn bei Olympia wollte es für den Weltmeister bisher nicht klappen. Endlich hat er Gold, so wie sein Opa und sein Vater. Welch goldige Familie.

Goldig sind vor allem die Reiter, der starke Michael Jung gewann den Vielseitigkeitswettbewerb und damit sein viertes Gold. Als Goldgrube gilt das Dressurreiten, die Siegesserie der deutschen Mannschaft riss zum Glück nicht ab. Jessica von Bredow-Werndl mit Dalera und Isabell Werth mit Wendy wurden zu den Königinnen von Versailles, Frederic Wandres half in der Mannschaft. Dazu gibt es besondere Anmerkungen: Bredow-Werndl wiederholte ihren Doppelsieg von vor drei Jahren in Tokio, Isabell Werth wurde mit Gold und Silber zum erfolgreichsten Olympia-Teilnehmer Deutschlands aller Zeiten. Mit achtmal Gold und sechsmal Silber überholte sie die Kanutin Birgit Fischer, die bisher mit achtmal Gold und viermal Silber den Rekord hielt. Die beiden Damen wollen sich bald auf einen Trink treffen. Bemerkenswert: Immer, wenn Isabell Werth antrat, gewann sie eine Medaille! Die 55-jährige dachte schon über einen Abschied nach, doch mit dem jungen Wendy hat sie ein Pferd für die Zukunft und hat nun Olympia 2028 in Los Angeles im Visier. Anders sieht es bei Bredow-Werndl aus, da geht Dalera in den Ruhestand und so sucht die Bayerin einen neuen Kameraden für Siege.

Die Triathleten holten die sechste Goldmedaille, zehn waren es in Tokio, es sollten also noch einige dazukommen, die Leichtathleten haben ja gerade erst mit ihren Wettbewerben begonnen, gelten aber nicht als Goldgrube, anders der Hallenradsport, da gibt es große Hoffnungen. Erfolgreich sind bisher auch die Mannschaften, Hockey-Männer, Handballer und Basketballer wurden jeweils Gruppensieger und gehen also mit einem guten Gefühl in die Viertelfinals. Besonders spannend machten es die Fußball-Frauen gegen Titelverteidiger Kanada, da wurde im Viertelfinale Torhüterin Ann-Katrin Berger zur Heldin: Sie hielt nach dem 0:0 nach Verlängerung im Elfmeterschießen gleich zwei Elfmeter und verwandelte den entscheidenden für Deutschland selbst. Wer zwei Krebserkrankungen überstanden hat, den macht offensichtlich nichts mehr nervös. Nun wartet allerdings am Dienstag der große Favorit USA, der im Gruppen-Duell mit 4:1 siegte. Komischer Spielplan, dass sich in beiden Halbfinals jeweils Gruppengegner gegenüberstehen, das zweite heißt Spanien – Brasilien. Deutschland braucht also noch einen Sieg zur ersehnten Medaille, denn auch Platz drei (Bronze) wird ausgespielt.

Besonders goldig sind die Zeiten in Paris, wenn Träume in Erfüllung gehen. Für besondere Emotionen ist der serbische Tennisstar Novak Djokovic nicht bekannt, als er aber seinen jungen spanischen Rivalen Carlos Alvaraz, gegen den er in Wimbledon noch unterlegen war, in einem spannenden Match mit 7:6, 7:6 besiegt hatte, da brachen bei ihm alle Dämme. Tränenüberströmt feierte er mit seiner Familie, sein Traum, neben allen Grand Slams auch noch Olympia zu gewinnen, war in Erfüllung gegangen. Andere Tränen gab es, weil Paris gleichzeitig das Ende der Karriere bedeutete. Dies ist für die Beachvolleyballerin Laura Ludwig ebenso der Fall wie für die einstige Nummer 1 der Welt im Tennis, Angelique Kerber. Beide wollen sich künftig vor allem ihren Aufgaben als Mütter widmen, der deutsche Sport verliert damit großen Sportlerinnen.

Keineswegs goldig schaut es in der Organisation und beim IOC aus. Da werden Probleme kleingeredet und mit dem Gag vom Schwimmen in der Seine haben die Organisatoren ein Eigentor geschossen, mal geht es nicht, mal geht es, komischerweise genau zu den Wettbewerben. Ist die Seine sauber. Wirklich? Büßen müssen die Athleten, es gab schon Infektionen. Blamiert hat sich das IOC, weil es keine vernünftige Regelung im Frauen-Boxen gefunden hat. Wer zu hohe Testeronwerte hat, sollte nicht antreten dürfen, gerade in einer Kampfsportart ergeben sich dadurch Vorteile, das männliche Hormon macht stark. Imane Khelif als Algerien und Lin Yu-Ting stehen jetzt am Pranger, werden schief angeschaut und über ihre möglichen Medaillen (Khelif hat eine sicher) nicht so recht froh. Probleme, gleich welcher Art, sind nie goldig…

Die Bundesliga reist, die zweite Liga spielt

Der erste Spieltag einer neuen Saison soll immer erste Erkenntnisse bringen, so war es auch beim Start der 2. Bundesliga. Aufatmen vor allem in Hamburg, denn der HSV gewann das Schlagerspiel in Köln mit 2:1, ein Zeichen? Der FC ist dagegen schon in Zugzwang. Von den Favoriten hat sich Schalke mit einem 5:1 gegen Braunschweig an die Spitze geballert, auch Düsseldorf konnte mit einem 2:0 in Darmstadt Ansprüche anmelden. Beide Bundesliga-Absteiger mussten eine Klasse tiefer Lehrgeld bezahlen. Das gilt auch für beide Aufsteiger, Ulm (1:2 gegen Kaiserslautern) und Regensburg (0:2 in Hannover) begannen mit Niederlagen. Nicht gefallen hat der Start auch Hertha BSC Berlin, das 1:2 gegen Paderborn verschafft dem neuen Trainer Christian Fiel gleich einen Rucksack. Am Samstag geht es zum HSV! „Mann des Tages“ war der Georgier Budu Zivzivadze, der für den Karlsruher SC drei Tore erzielte und damit den 1. FC Nürnberg abschoss, der schon 2:0 geführt hatte. Da merkte Weltmeister Miro Klose als FCN-Trainer gleich, dass die Luft in der zweiten Liga rau ist.

Die zweite Liga kämpft um Punkte, die Bundesliga ließ sich noch den Duft der weiten Welt um die Nase wehen. Stuttgart, München, Leipzig, Dortmund, Frankfurt und Augsburg waren nicht nur für ihren Klub, sondern auch für die Bundesliga unterwegs. Besondere Erlebnisse einschließlich Safari gab es für die FCA-Spieler in Südafrika, besonders erfolgreich waren die Bayern in Südkorea unterwegs. Der Kurztrip nach Asien wurde vom Verein als erfolgreichste Reise aller Zeiten bezeichnet. Dazu passte auch ein 2:1-Erfolg über Tottenham Hotspur im einzigen Spiel. Auch ohne einige Stars zeigte die Mannschaft schon erfolgreiche Ansätze des Konzepts vom neuen Trainer Vincent Kompany. Besonders glücklich war der Koreaner Kim in seiner Heimat, von den Fans am meisten gefeiert wurde allerdings der alte Haudegen Thomas Müller. (Mehr über die Bayern im nächsten Blog „Ohne Titel herrscht bei den Bayern Chaos“)

Die Bayern mussten aber auch eine Niederlage hinnehmen, Xavi will weiter bei RP Leipzig spielen und hat den Münchner endgültig eine Absage erteilt, er wird von Paris ohne Kaufoption weiter ausgeliehen. Unruhe herrscht vor allem in Dortmund, bei der Borussia hat sich Torjäger Niclas Füllkrug verabschiedet, er sah sich durch die Kauf von Stuttgarts Torjäger Guirassy brüskiert und heuerte in England bei West Ham United an. Damit keine Lücke entsteht, soll dafür Maxi Beier aus Hoffenheim kommen. Schnell ging der Wechsel von Yan Couto über die Bühne, der Brasilianer wird von Manchester City für ein Jahr ausgeliehen mit Kaufpflicht und Anschlussvertrag über vier Jahre. Der Rechtsverteidiger spielte zuletzt beim FC Girona in Spanien. Ärger gibt es um den Techn. Direktor und Kaderplaner Sven Mislintat, er soll Kompetenzen überschritten haben.

Manchmal muss man weder spielen noch reisen, um erfolgreich zu sein. Die Wahl zum Spieler und Trainer des Jahres von den deutschen Sportjournalisten ist ein Sache nebenbei, aber bedeutend. Der Sieg bei der Wahl bedeutet für Toni Kroos praktisch Gold und einen glänzenden Abschluss seiner Karriere. Der Real-Star gewann recht knapp mit 285 Stimmen vor Florian Wirtz (245), deutlich dahinter der Leverkusener Kollege Granit Xhaka (66) und dann erst mit Jamal Musiala (28) und Harry Kane (24) zwei Bayern. Für Kroos war es der zweite Erfolg nach 2018. Titelverteidiger Ilkay Gündogan landete diesmal nicht im Vorderfeld. Auffällig aber, dass zuletzt zwei deutsche Spieler gewählt wurden, die im Ausland ihr Geld verdienen. Vorher siegten mit Nkunku (Frankreich) und Lewandowski (Polen) zwei Bundesliga-Ausländer.

Bei der Wahl zum Trainer des Jahres gab es wohl keine Zweifel, an Meister-Coach von Bayer Leverkusen, Xabi Alonso, kam niemand vorbei. Der Spanier siegte mit 503 Stimmen klar vor Sebastian Hoeneß (74), der den VfB Stuttgart zur Vizemeisterschaft führte und Frank Schmidt (55), Trainer vom Überraschungsteam 1. FC Heidenheim. Alonso sieht sich jetzt in der Pflicht, mit der Mannschaft weitere Erfolge zu erzielen, will vor allem in der Champions League bestehen und fordert, „wir müssen besser werden“. Klaus Toppmöller war 2008 der letzte Bayer-Coach, der Trainer des Jahres wurde.

Ohne Titel herrscht bei den Bayern Chaos

Der FC Hollywood liefert wieder ein turbulentes Sommertheater. In einem Jahr ohne Titel herrscht Chaos, die Rückkehr zum Erfolg ist vor allem von Diskussionen begleitet. Aber man kennt dies ja vom FC Bayern München aus früheren Zeiten, nach elf ziemlich erfolgreichen Jahren hintereinander ist es fast in Vergessenheit geraten, aber jetzt lebt er wieder, der FC Hollywood und die Medien freuen sich, kein Verein liefert so viele Schlagzeilen. Vielleicht ist es ein Rezept: Unruhe im Sommer, damit während der Saison Ruhe herrscht.

Für Unruhe sorgt vor allem auch Vereinspatron Uli Hoeneß, der den Medien immer wieder Futter liefert und damit für Verunsicherung sorgt. Zuletzt stoppte er öffentlich alle Kaufwünsche für neue Spieler und beschied, „wir haben keinen Geldscheißer“. Warum hat er dann nicht früher auf das Geld geachtet? Die derzeitige sportliche Leitung mit Max Eberl und Christoph Freund leidet nämlich unter den Fehlern ihrer Vorgänger. Die Ära Hasan Salihamidzic war ja durchaus erfolgreich, aber er und der damalige Chef Oliver Kahn haben das Geld mit vollen Händen ausgegeben. Der begehrte Spieler musste kommen, koste es, was er wolle. Jetzt sitzen Eberl und Freund auf teuren Spielern, die gehen sollen, aber nicht wollen und fast unverkäuflich sind, weil niemand anders die horrenden Gehälter bezahlen will. Angeblich verdienen mindestens sieben Bayern-Profis pro Saison rund 17 Millionen Euro. Mit der entsprechenden Leistung haben sie meist nicht zurückgezahlt.

Das ist das Bayern-Problem, das nun zum Chaos führt. Wochenlang werden unzählige Namen gehandelt, der soll gehen, der muss gehen, der will nicht gehen. Die Schlagzeilen gehen den Medien nicht aus, bei keinem Bundesligisten ist mehr Unruhe. Tatsache ist, dass sich Eberl und Freund über erste schnelle Erfolge für Verstärkungen freuen. Erster war der Japaner Ito (Stuttgart), der jetzt allerdings verletzt ausfällt. Wichtigster Zugang dürfte Joao Palhinha (FC Fulham) sein, die berühmte „Holding Six“, den schon Thomas Tuchel wollte, der neue Trainer Vincent Kompany war gleicher Meinung. Der Portugiese war der beste Balleroberer der Europameisterschaft, kassierte dafür aber auch die meisten Gelben Karten. Schwung in den Angriff soll Michael Olise (Crystal Palace) bringen, der jetzt für Frankreich bei Olympia zaubert. Dazu wurde Josip Stanisic von Bayer Leverkusen zurückgeholt, einige Talente dürfen zudem aufrücken. Aber derzeit gibt es einen großen Kader, für den Uli Hoeneß einen „Gelenkbus bestellen muss für den Transport“. Das Problem: Einnahmen von 12,5 Millionen Euro stehen Ausgaben von 125 Millionen bei den Spielerwechseln gegenüber.

Die Einkäufe klappten, die Verkäufe nicht. Verliehene Spieler konnten verkauft werden, bei Choupo-Moting und Sarr lief der Vertrag aus. Auf der Verkaufsliste ganz oben stehen zunächst Matthijs de Ligt und Noussair Mazraoui, für beide soll Manchester United Interesse zeigen. Einen Markt sollte es auch für Kingsley Coman geben, der nie die große Verstärkung war und den jetzt der junge Olise ersetzen soll. Paris St. Germain zeigt angeblich Interesse. Es müssen ja Vereine mit dem nötigen Kleingeld sein. Es heißt, der zweite Flügelflitzer Serge Gnabry könne auch weg, doch der will nicht, verweist auf seinen Vertrag bis 2025. Leon Goretzka ist im Mittelfeld überzählig (da bekommt eher Talent Pavlovic den Vorzug), aber er macht Anschalten, lieber den Vertrag bis 2027 auszusitzen und zu kassieren. Anders sind die Fälle Leroy Sané und Joshua Kimmich gelagert, deren Verträge 2025 auslaufen und die nicht ablösefrei gehen sollen. Da zeichnet sich trotz aller anderen Meldungen eher eine Vertragsverlängerung ab, was die richtige Lösung für Verein und Spieler wäre. Beide könnten künftige Gesichter des FC Bayern werden.

Auch ohne Geldscheißer sind weitere Verstärkungen nicht ausgeschlossen. „Wir haben ja noch einen Monat Zeit,“ betont CEO Jan-Christian Dreesen, „es wird noch etwas passieren“. Xavi Simons wird es nicht, dafür hat man Sané, er will wohl in Leipzig bleiben. Anders sieht es bei Jonathan Tah aus, der die Abwehr verstärken soll, eine Annäherung zwischen Ablösevorstellungen von Bayer Leverkusen und Angebot aus München soll es geben. Hoch gehandelt wird zudem das 19-jährige französische Mittelfeldtalent Desiré Doué von Stade Rennes, ein Mann für die Zukunft, nur zahlen muss Bayern jetzt.

Unabhängig von den Bemühungen der Abteilung An- und Verkauf muss das neue Trainerteam die neue Saison vorbereiten und diese Aufgabe ist schwierig genug, weil wegen der EM und Olympia viele Spieler verspätet eingreifen. Talente füllen den Kader auf, das klappt nicht immer, wie das 1:1 beim Viertligisten Düren zeigt. Fast eine Blamage für die Bayern, die sich derzeit auf PR-Tour in Südkorea befinden. Der Tross legt 17000 Kilometer zurück für eine Reisezeit von genau 109,5 Stunden. Bester Botschafter ist natürlich Min-Jae Kim in seiner Heimat, mit dabei sind auch die EM-Fahrer Müller, Kimmich, Musiala und Neuer. Sané befindet sich noch in der Reha, es fehlen Kane, de Ligt, Upamecano und Coman, die bei der EM länger beschäftigt waren. Das einzige Testspiel gibt es am Samstag (13.00 Uhr MESZ/RTL) gegen die Tottenham Hotspurs. Am Montag um 6.00 Uhr soll der Flieger wieder in München landen.

Derzeit gibt es zudem weitere Unruhe in der Heimat. Hatten die Bayern in den letzten Wochen mit vielen positiven Meldungen und hoffnungsvollen Talente für ihren Campus geworben, so steht der Talentschuppen plötzlich negativ in den Schlagzeilen. Der sportlicher Leiter Halil Altintop will den Campus zum 1. September verlassen, in Sachen Zukunft gebe es mit Campuschef Jochen Sauer zu unterschiedliche Auffassungen. Altintop wird allerdings von vielen im Verein geschätzt, andererseits soll ein Nachfolger bereits Gewehr bei Fuß stehen, der frühere Bundesliga-Trainer Markus Weinzierl (u. a. Augsburg, Stuttgart). Der 49-jährige ist allerdings in der Talenteausbildung unerfahren, seine Fürsprecher sollen vor allem Max Eberl und Uli Hoeneß sein. Da liegt eine Verpflichtung nahe. Offen bleibt jedoch, ob der FC Bayern München vor einer so guten Zukunft steht, wie er sich das vorstellt und seine Fans wünschen. Allerdings: Die Zeiten des FC Hollywood schlossen den Erfolg nicht aus. Leistungsfördernde Unruhe also!