Der Sport – Grantler

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WM-Winter im Zeichen von Olympia

Der Winter ist wieder da! Darüber freuen sich nicht nur die Skihaserl und Schneekönige, sondern auch die Fernsehanstalten, denn ARD und ZDF haben in den Wintermonaten bei ihren stundenlangen Wintersport-Übertragungen hervorragende Einschaltquoten, das heißt, wesentlich mehr Zuschauer als in den Monaten ohne Schnee. Dies als Information für die Kritiker, die nicht verstehen können, dass immer Wintersport läuft, wenn sie am Samstag und Sonntag am Nachmittag ihre Glotze einschalten.

Der Wintersport boomt also, beschränken wir uns auf die publikumsträchtigen Sportarten, obwohl auch Rodeln und Bob beachtliches Interesse finden. Der Winter 2024/25 ist aber ein besonderer, denn Weltmeisterschaften stehen an und die wiederum stehen ganz im Zeichen der Olympischen Spiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo. Der Anreiz Olympia ist wohl auch dafür verantwortlich, dass wir in letzter Zeit viel von Comebacks gehört haben. Olympia 26 ist aber auch eine Marke, die manche Karriere beenden könnte. Einer, der jetzt schon vor dem ersten Rennen der neuen Saison seine Rücktrittsgedanken kundgetan hat, ist der norwegische Spitzen-Biathlet Johannes Thingnes Bö, der sich danach lieber seiner Familie, nämlich Frau und zwei Kinder (4 und 1) widmen will. Ein großes Ziel hat er aber, er möchte seinen Landsmann, der Biathlon-Legende Ole Einar Björndalen, noch übertreffen. Bö braucht noch einen WM-Titel, um sich von Björndalen abzusetzen, bis jetzt haben beide 20. Mit 76 Siegen insgesamt ist Bö gegenüber Björndalen (94) ein bisschen zurück, er wehrt deshalb ab, „ob 76, 80 oder gar 90, das ist jetzt auch egal, dieser Rekord muss nicht sein.“

Im alpinen Skisport geht es um das Gegenteil von Rücktritten, Ski-Größen vergangener Tage haben ihr Comeback angekündigt bzw. bereits vollzogen. Die Schlagzeilen gehörten zunächst dem einstigen Seriensieger Marcel Hirscher, der achtmalige Gesamtweltcup-Sieger hielt es nach einigen Jahren Pause nicht mehr aus, kehrte auf die Piste zurück, fährt bisher aber hinterher. Der Österreicher startet für die Niederlande, das Heimatland seiner Mutter. Ob der 35-Jährige noch einmal den Anschluss nach ganz oben findet, ist eine spannende Frage. Anders gestaltete sich das Comeback des 24-jährigen Lucas Pinheiro Braathen. Der Norweger hatte die Nase voll, doch ohne den Pistenzauber geht es nicht, der Paradiesvogel fährt jetzt ebenfalls für das Heimatland seiner Mutter, nämlich Brasilien. Es hat den Anschein, als würde Brasilien bald auf den Siegerlisten auftauchen.

Wesentlich spektakulärer ist die Ankündigung von Lindsey Vonn, dass sie wieder Rennen fahren will. Fünfeinhalb Jahre nach ihrem Abschied will die einstige Speed-Queen wieder mitmischen – und das mit einem künstlichen Kniegelenk. Es gibt Ärzte, welche die immerhin schon 40-jährige Amerikanerin davor warnen, es gibt Fachleute, die damit rechnen, dass Vonn schnell wieder vorne mitfahren wird, bei den Abfahrtsrennen wohlgemerkt. Ihr früherer Trainer merkt an, „keine hat so ein Gleitvermögen wie Lindsey, da ist sie unübertroffen und das wird ihr helfen“, Noch aber ist ungewiss, wann es Vonn wirklich wagen wird, wahrscheinlich bei den Rennen im Dezember in Amerika. 82 Weltcuprennen hat Vonn von 2001 bis 2019 gewonnen, damals Rekord.

Die neue Skikönigin kommt wieder aus Amerika, Mikaela Shiffrin hat 97 Weltcup-Rennen gewonnen, mehr wie jeder Mensch vor ihr. Sechs Weltmeisterschaften hat sie bestritten und fuhr immer mit Gold nach Hause, das schaffte sonst auch niemand. Nummer 7 soll im Februar in Saalbach-Hinterglemm folgen. Ob dort auch die deutschen Athletinnen und Athleten erfolgreich sein können, wird sich zeigen. Es gibt nicht viele Kandidaten, die Slalom-Asse Lena Dürr und Linus Straßer bewiesen aber in den ersten Rennen, das mit ihnen zu rechnen ist. Ansonsten gibt es eher Probleme im deutschen Kader, es ist mehr von Ausfällen und Verletzungen die Rede, so bei Andreas Sander und Stefan Luitz, eigentlich zwei Hoffnungsträger.

Die Skispringer haben neben der Weltmeisterschaft noch einen anderen Höhepunkt, nämlich die traditionelle Vierschanzentournee zum Jahreswechsel. Die Springen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen sind immer ein besonderes Highlight und ein Quotenerfolg für das Fernsehen. Der Auftakt am 28. Dezember in Oberstdorf ist bereits ausverkauft und mit Andreas Wellinger träumt auch ein deutscher Skispringer von einem Gesamtsieg. Im Vorjahr war er Zweiter, er spricht von einer guten Form und würde einen Gesamtsieg bei der Tournee einem Olympiasieg sogar vorziehen. Mit Karl Geiger haben die deutschen Springer ein weiteres Ass im Ärmel, zum Auftakt am Wochenende in der Olympiastadt von 1994, in Lillehammer, ist nach einem Formtief auch wieder Markus Eisenbichler dabei. Insgesamt 42 Springen bei den Männern und nur 29 bei den Frauen stehen auf dem Programm, dazu vier Mixed-Springen. Das zeigt, dass die Frauen im Skispringen immer noch benachteiligt sind. Sie hoffen auch weiterhin auf ihre eigene Vierschanzentournee.

Der beliebteste Wintersport im Fernsehen ist zweifellos Biathlon, nur die Vierschanzentournee kann hier die Einschaltquoten toppen. Allerdings könnte das Interesse nachlassen, wenn es an Erfolgen fehlt und da muss man im deutschen Lager vor der neuen Saison skeptisch sein. Zum Auftakt am 30. November in Kontiolahti in Finnland wird vor allem eine junge deutsche Damen-Mannschaft an den Start gehen. Angeführt von Franziska Preuß (30) und Vanessa Voigt (27) sind nur Talente am Start, da wird die WM-Saison wirklich zum Testlauf für Olympia. Johanna Puff (20), Selina Grotian (20), Julia Kink (20) und Julia Tannheimer (19) gelten aber alle als Versprechen für die Zukunft. Bekannte Gesichter wären eher Sophia Schneider und Hanna Kebinger, die aber zuerst im zweitklassigen IBU-Cup an den Start gehen.

Bei den Männern fehlen dagegen die Talente, da ist eher Routine angesagt. Mit Roman Rees fehlt am Start aber der Mann aus Formgründen nach Krankheit, der in der letzten Saison sogar das Gelbe Trikot getragen hat. An den Start gehen Johannes Kühn (33), Justus Strelow (27), Philipp Nawrath (31), Philipp Horn (30), David Zobel (28) und Danilo Riethmüller (25). Zum Jahresbeginn sind die Rennen in Deutschland, nämlich vom 9. – 12. Januar in Oberhof und danach vom 15. – 19. in Ruhpolding. WM-Gastgeber ist Lenzerheide in der Schweiz (12. – 23. Februar).

Das Nagelsmann-Wunder: DFB-Elf reif für einen Titel

Das Länderspieljahr ist noch nicht beendet, doch die letzte Aufgabe am Dienstag in Budapest gegen Ungarn ist nur Beiwerk, quasi ein Pflichtspiel (fast) ohne Bedeutung. Selbst eine Niederlage kann die positive Bilanz nicht schmälern, das Jahr 2024 wird einmal rückblickend in der Fußball-Geschichte als das Jahr des Comebacks der Nationalmannschaft bezeichnet werden. Julian Nagelsmann schaffte als Bundestrainer ein Wunder, aus einem verlorenen „Haufen“ machte er eine Gemeinschaft mit der Gier und Lust auf Sieg. In der Tat ist die DFB-Elf Marke 2024 reif für einen Titel. Über die Nations League soll der Weg zum großen Ziel Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada führen. Keiner lacht mehr, wenn es heißt, „wir wollen gewinnen“.

Man muss ein Jahr zurück blicken, um die große Wandlung zu verstehen. Im November 2023 verlor Deutschland in den ersten Wochen von Nagelsmann als Bundestrainer gegen die Türkei und Österreich. Diese Niederlagen waren Alarmsignal und Weckruf zugleich. Nagelsmann krempelte das Team komplett um, legte Wert auf gute Stimmung und legte mit seinem Team eine gelungene Europameisterschaft hin, die zwar nicht ins Finale führte, aber doch die Fans zufrieden stellte. Das Aus gegen Spanien schadete nicht, Deutschland war zurück im Kreis der Großen, Fußball war zurück auf Platz eins in der Beliebtheitsskala des Sports.

Nagelsmann verabreichte den Spielern die richtige Medizin für eine erfolgreiche Zukunft. Jedes Spiel ist wichtig, man muss sich an das Siegen gewöhnen, um große Titel zu holen. So gewann die vorher ungeliebte Nations League plötzlich an Bedeutung, mit dem Ziel Platz eins ließ sich die DFB-Elf auch von den Niederlanden nicht aufhalten und lieferte mit dem 7:0 gegen Bosnien-Herzegowina die Krönung nach Toren von Musiala, Wirtz (2), Kleindienst (2), Havertz und Sané. Selbst Chefkritiker Lothar Matthäus sprach bei der Torflut in Freiburg von „einem der besten Länderspiele aller Zeiten“, lobte die Ball-Künstler Musiala, Wirtz und Havertz über den grünen Klee. Mit ihnen verbindet sich die Hoffnung auf eine gute Zukunft, die Abgänge von Neuer, Kroos, Müller und Gündogan, Stützen der letzten Jahre, sind vergessen. Natürlich war Bosnien kein Gegner der ersten Güte und dennoch wurden Erinnerungen an das 7:1 gegen Brasilien bei der WM 2014 wach, was damals bis zum Titelgewinn führte. Es war übrigens das vierte 7:0 bei einem Länderspiel in Freiburg (vorher Luxemburg 2006, Malta 2004 und Kuwait 2002)!

Erstaunlich wie der jetzige Kader selbst Ausfälle verkraftet. Immerhin fehlte zuletzt mit Füllkrug der Torjäger, doch Nagelsmann zauberte Tim Kleindienst aus dem Hut, der mit seinen Leistungen und Toren auch einen gesunden Füllkrug auf die Bank drängt. Mit Undav, Pavlovic und Stiller fehlten drei Spieler der Zukunft, doch das fiel in der Gegenwart nicht auf. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass auch das Team um das Team für gute Stimmung und Erfolge wesentlich mit verantwortlich ist. Hier bangen Spieler und Verband allerdings darum, ob Co-Trainer Sandro Wagner abgeworben wird oder nicht. Der eigentlich redselige Ex-Nationalspieler gilt als neuer Stern am Trainer-Himmel bleibt aber ruhig im Hintergrund. Trotz zahlreicher attraktiver Angebote könnte es sein, dass er erst alle Trainerscheine machen will und die WM 2026 für ihn ein großer Anreiz ist.

Vorher geht es aber im nächsten Jahr um die Nations League, quasi ein Probe-Titel für die WM. Am Freitag ist die Auslosung für die K.o.-Runde, für welche die Gruppensieger Portugal, Frankreich, Spanien und Deutschland (alle mit 13 Punkten!) qualifiziert sind, sie treffen auf einen Gruppenzweiten, das sind Italien, die Niederlande, Kroatien sowie Dänemark oder Serbien, die am letzten Spieltag in der Gruppe 4 direkt den Platz ausspielen. Absteigen müssen die Gruppenletzten Polen, Israel, Bosnien-Herzegowina und die Schweiz. Den Aufstieg sicher haben England mit zwei Siegen am Wochenende und Norwegen, das mit Siegen gegen Slowenien und Kasachstan Österreich von Platz 1 in der Gruppe 3 der Liga B verdrängte. Österreich dominierte im letzten Spiel zwar Slowenien, verpasste mit einem 1:1 aber den direkten Aufstieg. Der ist über die Play-Offs gegen die Gruppendritten der Liga A noch möglich. Das Viertelfinale der Nations League wird mit Hin- und Rückspielen vom 20. bis 25. März 2025 ausgetragen, die Finalrunde der besten vier Teams folgt vom 4. – 8. Juni in einem Land, das dafür qualifiziert ist. Deutschland hat sich schon einmal beworben, für den Fall, dass es dabei ist. Im Moment zweifelt da keiner, doch Italien könnte als Gegner ein Stolperstein sein. Auch dort laufen Neuaufbau und Verjüngung des Teams erfolgreich.

Ohne Pause bis Weihnachten

Das Fußball-Jahr 2024 geht in den letzten Wochen noch einmal in die Vollen, es geht ohne Pause bis Weihnachten durch, beginnend mit der Bundesliga und den Spieltagen 11 bis 15, die Hinrunde wird im Januar abgeschlossen. Dazu kommen noch zwei europäische Spieltage im November und Dezember sowie der DFB-Pokal. Am kommenden Bundesliga-Wochende dürfte besonders die Partie Dortmund gegen Freiburg im Mittelpunkt stehen, wo die Borussia beweisen muss, ob mit der Länderspielpause die Krise ad acta gelegt wurde. Immerhin ist es ja ein Heimspiel. Den Spieltag läutet das Derby München – Augsburg am Freitag ein, da taten sich die Bayern oft schwer. Im Mittelfeld gibt es plötzlich nach den Ausfällen von Pavlovic und Palhinha Besetzungsprobleme, da könnte der fast schon abservierte Leon Goretzka wieder der Glückliche sein.

Am meisten getan hat sich in der Pause bei der TSG Hoffenheim, die sich eigentlich in Sturm Hoffenheim umbenennen müsste. Gleich sechs Funktionäre und Trainer haben die Kraichgauer von Österreichs Meister Sturm Graz abgeworben. Sportgeschäftsführer Andreas Schicker machte den Anfang, Trainer Christian Ilzer wird im Mittelpunkt stehen, beide Co-Trainer Deutschl und Hölzl sind auch dabei und zum Schluss kommt im Dezember Athletikcoach Angeler. Rund vier Millionen Euro soll Hoffenheim als Ablöse auf den Tisch gelegt haben. Der Tabellenzweite Leipzig ist für den Fünfzehnten ein echter Prüfstein. Schließlich geht es gegen den Abstieg. Mal sehen, wer überhaupt nach der Länderspielpause gleich wieder in Schwung ist.

Spannung bei den Frauen

In der Frauen-Bundesliga ging es wohl selten so spannend zu wie diesmal. Wolfsburg hat als Tabellenführer nach dem 3:1 gegen Schlusslicht Potsdam (der erste Treffer!) ein kleines Polster von zwei Punkten, aber danach liegen Frankfurt und München mit je 23 Punkten gleichauf, Leverkusen folgt mit 20 Punkten, weil der 3:2-Sieg in Freiburg annulliert wurde (Verfahren noch anhängig). Gerade jetzt macht die Bundesliga aber Pause, am Wochenende wird das Achtelfinale im Pokal ausgespielt, danach ist Länderspielpause und erst am 6. Dezember geht es mit dem Spitzenspiel Leverkusen – Wolfsburg weiter.

Im Pokal muss Titelverteidiger Wolfsburg zum Regionalligisten Mainz 05, eine wesentlich schwerere Aufgabe hat Herausforderer Bayern München am Sonntag (16.00 Uhr) in Freiburg. In der Bundesliga gab es gerade ein glückliches 2:2 für die Bayern-Mädchen in Freiburg. Inzwischen zeigten sie sich aber beim 5:0 gegen Jena gut erholt. Allerdings gab es im Team auch Betroffenheit, denn Stammtorhüterin Mala Grohs machte eine schwere Erkrankung öffentlich, sie leidet an einem bösartigen Hirntumor. Die 23-Jährige wird lange ausfallen, der Verein verlängerte ihren Vertrag demonstrativ um ein Jahr bis 2026, um ihr zu zeigen, dass er hinter ihr steht. Im Tor erhält jetzt die 20-jährige Ena Mahmutovic ihre Chance, die als größtes Torwarttalent in Deutschland gilt. Sie war im Sommer von Duisburg nach München gekommen.

Mahmutovic wird vorher noch in der Champions League gefordert, da steht am Donnerstag das Rückspiel in Oslo gegen Valerenga an. Zu Hause hatten die Bayern keine Probleme, siegten 3:0 und sollten sie weiter ungeschlagen bleiben, würde das den Einzug ins Viertelfinale bedeuten, wenn Arsenal London seinen Auswärtssieg bei Juventus Turin zu Hause wiederholt. Wolfsburg hat schlechtere Karten, immerhin gelang in Istanbul der erste Sieg und bei einer Wiederholung bleibt die Chance auf Platz zwei intakt, dafür aber muss AS Rom in Lyon verlieren. Auch da gibt es also genug Spannung.

Die Bayern finden Gefallen an der Null

Mit der Null will sich Harry Kane nicht abfinden, er will viele Tore schießen und am Ende der Saison endlich etwas in den Händen halten. Tore schießt der Engländer genug, er glänzt auch als Vorbereiter und dennoch haben die Bayern plötzlich Gefallen an der Null gefunden. Noch vor einigen Wochen kritisiert, ja geschmäht, steht plötzlich die Abwehr im Mittelpunkt, zum fünften Mal in Folge stand die Null und die Münchner befinden sich auf Erfolgskurs. Das Lob gilt Upamecano und Kim, aber das ganze Team arbeitet defensiv besser. Das 1:0 ist das neue Erfolgserlebnis, sowohl in der Champions League, als auch in der Bundesliga. Die Tendenz ist positiv, in der CL sind die Bayern nach dem 1:0 gegen Benfica Lissabon wieder im Geschäft, in der Bundesliga nach dem souveränen 1:0 bei St. Pauli haben sie an der Spitze ihre Führung ausgebaut, weil die Konkurrenz (mit Ausnahme von Frankfurt) schwächelt. Dagegen befindet sich bei den Bayern Jamal Musiala in Bestform und sorgt für das 1:0 aus allen Lagen, einmal mit dem Kopf, einmal aus ca. 27 Metern. Er hat nicht einfach nur einen Lauf, sondern: „Wir trainieren das.“

Die neue Zufriedenheit in München ist das Ergebnis der Arbeit vom neuen Trainer Vincent Kompany mit seinem Team. Was vor allem auch wichtig ist, es stimmt in der Mannschaft und es stimmt die Fitness, im Gegensatz zu vielen Spitzenteams in Europa und zur Konkurrenz haben die Bayern derzeit wenig Verletzungen, ganz im Gegensatz zum Vorjahr. Kompany setzt den gesamten Kader ein und sorgt für manche Überraschung: Am Samstag stand plötzlich wieder Leon Goretzka in der Startelf, er war bereits aussortiert, sollte sich einen neuen Verein suchen. Kompany sagt jetzt: „Wir brauchen jeden Mann, wir brauchen Frische.“ Nicht viele Vereine gehen mit diesem guten Gefühl in die Länderspielpause.

Da sieht es in Dortmund ganz anders aus. Zwei glückliche Siege sorgten zuletzt zwar für etwas Entspannung, doch nach dem 1:3 in Mainz sind alle Sorgen wieder da, es war die sechste Auswärtsniederlage hintereinander in Pflichtspielen. Da kann man nicht zur Tagesordnung übergehen, zumal Fehler vom Trainer bis zum Kapitän für diese Horrorserie mitverantwortlich sind. In jedem Spiel leistet sich ein anderer einen Fauxpas, Sahin verwechselte sich in Madrid, Emre Can setzt seine Serie von Fehlern nach vorübergehender Besserung mit einem üblen Foul in Mainz fort. Rot war die logische Folge für einen Tritt mit offener Sohle, die Niederlage das Resultat. Borussias Probleme sind in der Bundesliga-Tabelle abzulesen: Rang 7, zehn Punkte Rückstand auf die Bayern.

Gute Stimmung herrscht auch beim Meister nicht, das war in Leverkusen vor einem Jahr ganz anders. Da gewann Bayer auf dem Weg zum Titel Spiele oft in den letzten Minuten, jetzt werden da Punkte verloren, so auch in Bochum, wo der neue Trainer Dieter Hecking mit dem 1:1 des Schlusslichts gegen den Meister zum Held wurde: „Der Alte kann es noch,“ wurde gewitzelt. Gewitzelt wird in Leverkusen nicht, sondern nach der Ursache der Schwächen gesucht, Trainer Xabi Alonso scheint plötzlich ratlos zu sein, die Spieler kritisieren selbst, „die Gier fehlt“. Meister werden ist leichter, als Meister zu sein. Das macht wieder einmal deutlich, welche großartige Leistung der Bayern die Serie von elf Titeln hintereinander war. Leverkusen hat derzeit bei neun Punkten Rückstand den Anschluss verloren.

Aber auch der erste Bayern-Verfolger schwächelt, Leipzig blieb jetzt drei Pflichtspiele in Folge ohne Sieg, der Rückstand in der Bundesliga zu den Bayern vergrößerte sich auf fünf Punkte. Besser in Schwung ist Eintracht Frankfurt, das seinen Aufwind vor allem den Sturm-Assen Omar Marmoush und Ekitiké verdankt, ein Duo, das die Gegner überrennt, jetzt auch den VfB Stuttgart beim 3:2. Die Stuttgarter haben ähnliche Probleme wie Leverkusen, der Vizemeister muss in dieser Saison kleine Brötchen backen, liegt nur auf Rang 11, der Rückstand zu einem CL-Platz beträgt allerdings nur vier Punkte, zur Relegation sind es immerhin fünf.

Ein „zu Null“ wird nicht überall positiv gesehen. Das 0:0 in Augsburg kostete nun Trainer Pellegrino Matarazzo in Hoffenheim den Job. Er kam im Februar 2023 und rettete Hoffenheim vor dem Abstieg, führte den Verein danach auf Rang sieben und in die Europa League – und dennoch gab es Kritik an ihm, weil er kein Wunschcoach von Mäzen Hopp sein soll. Jetzt dreht sich das Rad der Geschichte zurück, Hoffenheim hängt wieder unten drin, gerade mal einen Platz vor der Relegation. Also muss der Trainer gehen, offensichtlich soll jetzt ein österreichisches Erfolgstrio für Aufwind im Kraichgau sorgen. Sportgeschäftsführer Andreas Schicker ist schon länger da, er holte Paul Pajduch als Techn. Direktor nach und jetzt ist als neuer Coach Christian Ilzer im Gespräch – alle drei arbeiteten vier Jahre lang bei Sturm Graz erfolgreich zusammen und führten den Verein sogar zur Meisterschaft, die bis dahin in Österreich von RB Salzburg dominiert wurde. Träumen sie jetzt in Hoffenheim sogar von dem Titel?

Von Titeln träumen die Bundesligisten in den europäischen Wettbewerben, doch unbedingt auf Erfolgskurs sind sie nicht. Bei Halbzeit der Ligen befinden sich unter den Top 10 immerhin Eintracht Frankfurt (4. – Hoffenheim 19.) in der Europa League, der 1. FC Heidenheim (6., noch ungeschlagen!) in der Conference League und (erstaunlich) Borussia Dortmund (7.) in der CL. Dort haben Bayer Leverkusen (13.) und Bayern München (17.) noch Nachholbedarf, Stuttgart (27.) und Leipzig (32.) müssen um den Einzug in die Play-Offs (Rang 24) bangen.

Saisonabschluss für Nagelsmann

Das Jahr, in dem die Fußball-Nationalmannschaft sich wieder in die Herzen der Fans gespielt hat, will Bundestrainer Julian Nagelsmann jetzt zu einem erfolgreichen Abschluss führen. Zwei Spielen stehen noch in der Nations League an, am Samstag in Freiburg gegen Bosnien-Herzegowina und am Dienstag, 19.11., in Budapest gegen Ungarn. Deutschland führt mit zehn Punkten die Gruppe 3 der Liga A vor den Niederlanden (5) an, ein Sieg bedeutet Platz 1 und bringt Vorteile bei der nächsten WM-Auslosung. Das sollte gegen Bosnien gelingen (Hinspiel 2:1 für Deutschland). Nagelsmann muss allerdings wieder mit Absagen leben, zuletzt musste der Stuttgarter Undav absagen, dafür kommt Leroy Sané von den Bayern zu seinem Comeback. Ebenso kehrten die Dortmunder Brandt und Nmecha zurück, sie können beim DFB-Team ihre Nerven beruhigen.

Die große Überraschung bei der Nennung des Aufgebots war die Nominierung von Stefan Ortega Moreno als dritter Torhüter. Er hat es sich schon lange verdient, war aber bisher außen vor, weil er bei Manchester City keinen Stammplatz inne hat. Aber immer wenn er im Einsatz war, glänzte er, so dass sein Trainer Pep Guardiola schon damit liebäugelte ihn zur Nummer 1 zu machen. Jetzt bekam er aber ein besonderes Geschenk zu seinem 32. Geburtstag.

Das Aufgebot: Tor: Baumann, Nübel, Ortega. – Abwehr: Gosens, Henrichs, Kimmich, Koch, Mittelstädt, Rüdiger, N. Schlotterbeck, Tah. – Mittelfeld: Andrich, Brandt, Führich, Groß, Musiala, Nmecha, Stiller, Wirtz. – Angriff: Gnabry, Havertz, Kleindienst, Sané.

Wölfinnen beißen wieder

Bemerkenswertes tut sich gerade in der Frauen-Bundesliga. Meister Bayern München schwächelt und die Wölfinnen beißen wieder. Dazu profilierte sich Eintracht Frankfurt als dritte Kraft. Die Bayern-Mädchen haben das „Dortmund-Syndrom“ vom vergangenen Jahr, stark in der Champions League, nicht so stark in der Bundesliga. Nach der Niederlage in Wolfsburg kamen sie jetzt auch in Freiburg nur zu einem glücklichen 2:2 und fielen auf Rang drei zurück, nachdem Frankfurt Gegner Köln mit 8:0 abfieselte. Die Wölfinnen aber beißen wieder und übernahmen mit einem 3:0 bei Hoffenheim die Tabellenspitze mit jetzt zwei Punkten Vorsprung vor Frankfurt und München (je 20). Am Tabellenende wartet Schlusslicht Potsdam nach neun Spielen immer noch auf sein erstes Tor!

In der Champions League trumpfen die Bayern-Mädchen aber auf, schlugen bekanntlich Juventus Turin und Arsenal London. Jetzt ist zweimal das bisher punktlose Team von Valerenga Oslo der Gegner, zunächst am Dienstag in München. Allerdings sollten die Bayern dabei nicht ihr Bundesliga-Gesicht zeigen! Frankfurt schaffte es ja nicht in die Gruppenspiele, Wolfsburg muss nach Niederlagen gegen AS Rom und Lyon um den Einzug ins Achtelfinale bangen. Nun gibt es die Duelle mit dem ebenfalls noch sieglosen Galatasaray um die letzte Chance. Mittwoch wird zunächst in Istanbul gespielt.

Glücksmomente in der Bundesliga und der Eklat der Woche

Natürlich waren am vergangenen Wochenende in der Fußball-Bundesliga nicht alle glücklich, aber es gab besondere Glücksmomente. An erster Stelle ist vielleicht Holstein Kiel zu nennen. Der Aufsteiger schaffte mit dem 1:0 gegen Heidenheim seinen ersten Bundesliga-Sieg und das ausgerechnet gegen jene Mannschaft, die im Vorjahr die große Überraschung im Oberhaus war. Patrick Erras geht mit seinem goldenen Tor in der 28. Minute in die Geschichtsbücher ein. So nebenbei: Jetzt konnte jedes Bundesland einen Bundesliga-Sieg feiern!

Einen besonderen Sieg erlebte auch Borussia Dortmund, das 2:1 gegen RB Leipzig war ein Schritt aus der Krise. Zuletzt hagelte es Tiefschläge, fünf Tore in Madrid nach einer 2:0-Führung kassiert, 1:2 in Augsburg verloren, mit 13 Punkten in acht Spielen der schlechteste Saisonstart seit zehn Jahren. Dann folgte das 0:1 nach Verlängerung in Wolfsburg und damit das Aus im Pokal, die wohl größte Titelchance war kaputt. Trainer Nuri Sahin war der Verzweiflung nahe, die Vereinsbosse ratlos, sollte doch der neue Trainer den Verein in eine hoffnungsvolle Zukunft führen. Eine Häufung von Verletzungen führte zudem dazu, dass die Borussia quasi mit ihrem letzten Aufgebot antrat, mit Malen saß nur noch ein einziger gestandener Profi auf der Bank. Doch wie es so ist, in der Not rückt man zusammen, Dortmund kämpfte, wehrte sich und bewies wieder einmal sein Talent zum Überraschungsei – man weiß nie, was rauskommt. Die Hoffnung ist zurück, doch die Ungewissheit bleibt. Die Verletzungsmisere dauert an, am Dienstag gilt es gegen Österreichs Tabellenführer Sturm Graz in der Champions League (dort sind die Grazer noch sieglos) und am Samstag geht es zu den unbequemen Mainzern. Nur Siege können die Krise endgültig beenden.

„Krise? Welche Krise?“, heißt es jetzt bei Mönchengladbach. Das 4:1 gegen die bis dahin auswärts noch ungeschlagenen Bremer war ein Befreiungsschlag, verbunden mit einem Sprung ins Mittelfeld, vorbei an Werder. Trainer Gerardo Seoane wird auch wieder ruhiger schlafen, die Partie wurde als „Endspiel“ für ihn ausgerufen. Verlassen durfte er sich vor allem auf Nationalspieler Tim Kleindienst, der an allen Toren beteiligt war und sich immer mehr zur Führungsfigur bei der Borussia aufschwingt. Glücksmomente erlebt derzeit auch die Frankfurter Eintracht, sieben Tore (gegen Bochum) muss man erst mal schießen, nicht nur die Torjäger Omar Marmoush und Hugo Ekitiké haben einen Lauf. Glücksmomente aber auch für Torhüter Alexander Nübel, der seinen VfB Stuttgart mit starken Paraden das 0:0 in Leverkusen rettete und damit Ansprüche bei Bundestrainer Julian Nagelsmann anmeldete, der am Donnerstag das Aufgebot für die nächsten Länderspiele benennen wird. So eine Leistung hat der bisher solide Nübel schon lange gebraucht, um deutlich zu machen, dass er sehr wohl als Neuer-Nachfolger bei den Bayern, wo er unter Vertrag steht, in Frage kommt. Einen Glücksmoment erlebte auch seine Torhüter-Kollegin Ann-Kathrin Berger, die zur „Spielerin des Jahres“ gewählt wurde. Eine seltene Ehrung für Torhüter oder Torhüterinnen.

Von Glücksmomenten träumen sie nur in Bochum, die Saison ist verkorkst, die Freude über den sensationellen Klassenerhalt in der Relegation im Frühjahr ist verraucht. Mit gerade mal einem Pünktchen ist der VfL Schlusslicht, hat aber zwei Trainer verschlissen, das 2:7 in Frankfurt war ein Offenbarungseid. Als Retter verpflichtet wurde nun der erfahrene Dieter Hecking, der 60-Jährige hat schon Nürnberg und Gladbach vor dem Abstieg gerettet. Aller Anfang ist aber schwer, die nächsten Gegner heißen Leverkusen und Stuttgart, ob da eine Aufstockung des Punktekontos möglich ist? Krisenstimmung auch in Wolfsburg, vom Ziel europäischer Wettbewerb muss man Abschied nehmen, der Platz im Tabellenkeller hellt die Stimmung im von der VW-Krise gebeutelten Wolfsburg nicht auf. Glücksmomente gibt es nur im Pokal, Dortmund ausgeschaltet, gegen Hoffenheim wieder ein Heimspiel, da ist man wenigstens noch im Geschäft.

In München scheint das Glück ständiger Begleiter zu sein. In der vergangenen Saison machte sich die Freude zwar rar, aber daran wollen die Bayern gar nicht mehr denken. Sie genießen die neue Erfolgswelle, drei Siege ohne Gegentreffer, das gab es zuletzt vor vier Jahren. Und es läuft, Musiala war der Held im Pokal, Harry Kane präsentiert sich in Bestform, mit jetzt 19 Skorerpunkten in neun Spielen stellte er einen neuen Rekord auf. Kane hat zwei Punkte mehr als im Vorjahr zur gleichen Zeit und einen mehr als Robert Lewandowski 2020/21.

Heikle Aufgaben in der CL

Auf Glücksmomente hoffen die Bundesligisten auch in Europa, vor allem in der Champions League. Da steht der vierte Spieltag an, ist dann also Halbzeit und da sollte die Tendenz stimmen. Gar nicht zufrieden sind bisher die Bayern, die zwar beim Start gegen Zagreb 9:2 auftrumpften, dann aber zwei Niederlagen gegen Aston Villa (0:1) und Barcelona (1:4) hinnehmen mussten. Jetzt helfen auf Platz 23 nur Siege weiter, wenn man Achter werden will und die Play-Offs vermeiden. Benfica Lissabon am Mittwoch ist nach derzeitigem Tabellenstand (13., Paris nur 19.) der stärkste Gegner vom Restprogramm, doch gerade gegen die Portugiesen haben die Bayern die beste Bilanz: Bei den bisherigen zwölf Vergleichen gab es keine Niederlage, sondern neun Siege bei drei Unentschieden und alle sechs Spiele zu Hause gewannen die Bayern. Da sollte Nummer 7 folgen. Schwerer haben es wohl Bayer Leverkusen (6.) beim noch ungeschlagenen FC Liverpool (2.) und der VfB Stuttgart ((18.) gegen Atalanta Bergamo (17.) , das derzeit in Italien auftrumpft. RB Leipzig 31.) muss zu Celtic Glasgow (20.), auch das wird nicht leicht, um den ersten Sieg nach drei Niederlagen einzufahren.

In der Europa League mischt Eintracht Frankfurt (6.) gut mit, da könnte gegen Slavia Prag (16.) der nächste Schritt Richtung Achtelfinale folgen. Die TSG Hoffenheim (18.) hat es da gegen Frankreichs Spitzenklub Olympique Lyon (10.) schon schwerer. Der 1. FC Heidenheim fühlt sich in der Conference League wohl (9.), ist noch ungeschlagen, die Schotten von Heart of Midlothian (6. ebenfalls noch ungeschlagen) stellen die wohl bisher höchste Hürde dar.

Schlagerspiele im Pokal

Was für eine Auslosung für das Achtelfinale im DFB-Pokal! Die derzeit ersten vier der Bundesliga-Tabelle stehen sich direkt gegenüber, damit werden also gleich zwei Favoriten auf der Strecke bleiben und die Außenseiter können Hoffnung schöpfen. Ob der durch seine EM-Auftritte bekannt gewordene Saxophonist Andre Schnura ein glückliches Händchen hatte? Bei Bayern München im Duell mit Bayer Leverkusen und RB Leipzig gegen Eintracht Frankfurt freut man sich über den Heimvorteil. Den hat auch der VfL Wolfsburg im dritten Bundesliga-Duell mit der TSG Hoffenheim. Der einzig verbliebene Drittligist Arminia Bielefeld wird mit dem Gastspiel vom SC Freiburg belohnt. Außerdem spielen am 3./4. Dezember Werder Bremen – Darmstadt 98, Karlsruher SC – FC Augsburg, Jahn Regensburg – VfB Stuttgart und 1. FC Köln – Hertha BSC Berlin.

Ab dem Achtelfinale kommt auch der VAR im Pokal zum Einsatz. Wie oft war er in letzter Zeit kritisiert worden, aber im Pokal hatten einige Sehnsucht nach dem VAR, selbst ein Schiedsrichter wäre froh gewesen, wenn ihm der VAR geholfen hätte. So hätte Stuttgart mit VAR nie einen Elfmeter gegen sich bekommen, dafür hätten Kiel und Dortmund einen Strafstoß erhalten und Musiala hätte keinen Hattrick erzielt, weil er einmal (deutlich) im Abseits stand. Dafür hätte wohl Kohr bei einem Foul gegen ihn Rot kassiert und auch Dortmunds Nmecha wäre eventuell mit Rot vom Platz marschiert. Der VAR bleibt sicher weiter umstritten, aber wehe man hat ihn nicht… In den ersten Pokalrunden verzichtet der DFB aus technischen und finanziellen Gründen auf den Einsatz, weil viele Amateurvereine beteiligt sind.

Erbärmliche Königliche

Blamiert hat sich in dieser Woche Real Madrid. Für die Wahl vom „Ballon D’Or“ in Paris sagten die Königlichen kurzfristig für ihre 50-köpfige Delegation ab, weil bei ihnen durchsickerte, dass ihr Spieler Vinicius Junior nicht gewinnen würde. Eine erbärmliche und unsportliche Entscheidung der Königlichen, die damit zeigen, dass bei ihnen nur das Geld zählt und ihr Ruhm. Ist der zweite Platz nichts wert? Real muss sich auch sagen lassen, dass der Spanier Rodri eine würdige Wahl ist und es sich verdient hat. Er führte Spanien zum EM-Titel und Manchester City zur Meisterschaft, war in beiden Teams die Seele des Spiels. Vinicius Jr. fiel nicht nur durch Tore auf, sondern auch durch Schwalben und Meckereien. Real Madrid wurde aber Mannschaft des Jahres und Carlo Ancelotti Trainer des Jahres. Das hätte genug Anreiz für den Flug nach Paris sein sollen. Altana Bonmati vom FC Barcelona wurde übrigens Spielerin des Jahres und Harry Kane erhielt die „Gerd Müller Trophäe“ als bester Torjäger, überreicht von Karl-Heinz Rummenigge.

Die Probleme der deutschen Spitzenklubs

In der heimischen Bundesliga klappt es meist, auf internationalen Parkett gab es allerdings Demütigungen, die deutschen Fußball-Spitzenklubs eint aber eins: Sie haben Probleme.

Die größten Probleme hat derzeit wohl Borussia Dortmund, das im Gegensatz zu München, Leipzig und Leverkusen vor allem in der Bundesliga den Wünschen weit hinterherhinkt. Nur Platz 7 nach acht Spieltagen, mit gerade mal 13 Zählern und 15:14 Toren sieben Punkte hinter dem Führungsduo Bayern/Leipzig zurück. Nach dem glanzlosen 2:1 gegen St. Pauli folgte die 2:5-Pleite bei Real Madrid und schließlich der Tiefpunkt des 1:2 in Augsburg. Trainer Nuri Sahin steht in der Kritik, aber seine mögliche Ablösung noch nicht zur Debatte. Der Neuling muss noch lernen, aber kann sich das die Borussia leisten? In Madrid leitete auch der Trainer die Niederlage ein, als er bei einer 2:0-Führung auf ein Defensivkonzept umschaltete. Doch die Einwechslungen, die Sicherheit bringen sollten, brachten Unsicherheit. Sündenbock Nummer 1 war Kapitän Emre Can, da wird auch Bundestrainer Julian Nagelsmann ob der Fehler große Augen gemacht haben. Auch Nico Schlotterbeck ist keine Stütze, Bruder Kevin war bei Augsburg besser. Beim FCA zeigte sich wieder Dortmunds Auswärtsschwäche, keine Mannschaft hat so eine große Diskrepanz, 12 Heimpunkten steht gerade mal ein Auswärtspünktchen gegenüber. Das kann auch am Dienstag im DFB-Pokal zum Problem werden, da muss die Borussia beim Liga-Konkurrenten Wolfsburg antreten. Trotz Verletzungsproblemen, folgt das Aus, brennt der Baum endgültig…

Dortmund war bisher in der Champions League stark, in der Bundesliga vor allem auswärts schwach. Ein ähnliches Problem haben die Bayern, sie scheinen für die internationalen Spitzenklubs zu schwach (0:1 bei Aston Villa, 1:4-Pleite in Barcelona), für die Bundesliga aber zu stark, siehe Kantersiege wie jetzt 5:0 in Bochum und Tabellenführung. Bei Dortmund ging das Defensivkonzept in die Hose, bei den Bayern klappt Kompanys Hurra-Stil manchmal nicht, wenn der Gegner starke Konterspieler hat. Wie das auf Dauer funktioniert, muss sich zeigen. Unruhe gab es schon nach der Pleite in Barcelona, da war es wohl kein Trost, dass auch Real Madrid im Clasico gegen das Flick-Team mit 0:4 unterlag. Anders sieht es bei RB Leipzig aus, das wie die Bayern 20 Punkte aufweist, aber da rollt nicht die Torlawine, sondern steht das Sicherheitskonzept, mit erst drei Gegentoren die beste Abwehr der Liga. Trainer Marco Rose hat aber ein personelles Problem, mit Schlager, Raum und Xavi fehlen drei Stammspieler langfristig. Am Samstag steht das Schlagerspiel in Dortmund an, das könnte für beide Vereine richtungsweisend sein.

Ganz andere Probleme hat wiederum Xabi Alonso bei Bayer Leverkusen. Dort macht der Trainer bei den Spielern ein mentales Manko aus, der Titelverteidiger sonnt sich noch ein bisschen im Meisterglanz. Alonso vermisst den letzten Siegeswillen, der im Vorjahr zu einer ungeschlagenen Saison führte. Jetzt stehen schon drei Unentschieden und eine Niederlage zu Buche, aber noch ist mit Platz drei und fünf Punkten Rückstand zur Spitze nicht allzu viel passiert. In der Champions League ist Bayer noch ungeschlagen, doch die dicken Brocken waren noch nicht dabei. Der erste kommt am nächsten Spieltag mit dem FC Liverpool. Das 1:1 in Brest war keine Glanzleistung.

Die Ehre der Bundesligisten in der Champions League rettete der VfB Stuttgart mit einem 1:0-Sieg bei Juventus Turin. Trainer Sebastian Hoeneß hat aber ein besonderes Problem, er muss neue Spieler integrieren, dazu mit seinem Team die ungewohnte zusätzliche Belastung verkraften, sollte aber dennoch erfolgreich bleiben. Das gelingt nicht immer, aber allein die Abstellungen zur Nationalmannschaft zeigen, dass der VfB auf dem richtigen Weg ist. In Bundesliga und Champions League liegt man im Rahmen, könnte sein, dass es mit fortschreitender Saison eher aufwärts geht. Zunächst steht aber am Freitag die schwere Aufgabe in Leverkusen bevor. Will der VfB den Anschluss nach oben halten, darf es keine Niederlage geben.

Dort wo die Spitzenklubs schwächeln, machen sich andere breit. Union Berlin und der SC Freiburg bleiben die Überraschungsteams, auch wenn Freiburg in Leipzig (1:3) einen Dämpfer hinnehmen musste, während Union mit dem 1:1 gegen Frankfurt sein Terrain verteidigte. Die Härteprüfung folgt aber am Samstag in München. Da wird sich zeigen, ob die Torlawine auch die Minimalisten (9:5 Tore) überrollen kann oder die Union-Festung hält.

Hoffnung DFB-Pokal

Für Abwechslung im Ligen-Alltag sorgt am Dienstag und Mittwoch wieder der DFB-Pokal, was aber auch bedeutet, dass es für die Klubs auf Europas Bühne keine Ruhepause gibt. Der Pokal wird auch als Cup der Hoffnung bezeichnet, zum Beispiel in diesem Jahr besonders für die Traditionsklubs, die in der 2. Bundesliga ein bisschen ein Schattendasein führen. So wollen die Vereine im Pokal Wiedergutmachung betreiben, die in der Liga negative Erlebnisse hatten. Schalke 04 (in Augsburg) und der Hamburger SV (in Freiburg) müssen allerdings auswärts antreten, während der 1. FC Köln gegen das in der Bundesliga noch sieglose Holstein Kiel Heimvorteil hat. Besonders interessant dürfte der Vergleich Hertha BSC Berlin gegen Heidenheim sein, der auf einer Erfolgswelle schwimmende 1. FC Nürnberg muss bei der TSG Hoffenheim antreten.

Es gibt aber auch vier Bundesliga-Duelle, am Dienstag Leipzig – St. Pauli und Wolfsburg – Dortmund (siehe oben), am Mittwoch Frankfurt – Mönchengladbach und Mainz – München. Vor allem auf die Bayern sind wieder einmal die Augen gerichtet, denn in den letzten Jahren war für den Dauer-Meister im Pokal meist frühzeitig Schluss. Den letzten Cup-Sieg gab es 2020. Und wie klappt es mit der Angriffswelle in Mainz? Pech für Mainz, dass der schnelle Burkhart ausfällt. Als einziger Viertligist ist übrigens Kickers Offenbach (gegen Karlsruhe) noch dabei, aus der 3. Liga sind dies Arminia Bielefeld (gegen Union Berlin) und Dynamo Dresden (gegen Darmstadt). Die nächste Runde wird am 3./4. Dezember ausgetragen. Vier Bundesligisten fehlen dann also auf jeden Fall…

Wück-Ära startet furios

Der Einstand für den neuen Frauen-Bundestrainer Christian Wück hätte nicht besser sein können. Im modernen Trend von Hansi Flick bei Barcelona oder Vincent Kompany bei Bayern verordnete er den Frauen ein schnelles, offensives Spiel, das im Wembley-Stadion von London Europameister England, Nummer 2 der Welt, total überraschte. Vor allem Kapitänin Gwinn und Flügelflitzerin Bühl zeigten sich treffsicher, nach 29 Minuten führte Deutschland 3:0. Das wollte sich der Gastgeber nicht bieten lassen, auch Fehler schlichen sich ein, so kam England in einem der bis besten Spiele, die es je im Frauen-Fußball gegeben hat, durch zwei Tore von Stanway (ein Handelfmeter) wieder heran. Auffallend: Alle fünf Tore hatten Bayern-Spielerinnen erzielt! Das Blatt schien sich zu wenden, Wück wechselte viel, aber auch Däbritz verwandelte einen Elfmeter, England kam nach einen Fehler von Torhüterin Berger nur noch auf 3:4 heran. Die Überraschung und der furiose Einstand vom neuen Bundestrainer waren perfekt.

Auf diesem Weg will Christian Wück weitermachen und weiterhin jungen Spielerinnen eine Chance geben. Am Montag in Duisburg gegen Australien kam es aber erst einmal zu einem Abschied, die langjährige Stütze der Mannschaft und Kapitänin, Alexandra Popp, sagte Ade. Mit ihr beendet eine Legende des Nationalteams ihre DFB-Karriere, scheinbar hat sie ihren Abschied zum richtigen Zeitpunkt verkündet.

Auch für die Frauen geht es am Wochenende bereits wieder mit der Bundesliga weiter und da steht das nächste Schlagerspiel auf dem Terminplan, am Montag, 4. November (18.00 Uhr), tritt der Tabellenzweite Eintracht Frankfurt bei Spitzenreiter Bayern München an.

Bei den Fußballfans geht Spaß vor Sicherheit

Die harten Fans im Fußball meinen wohl, sie können bestimmen, wie das Drumherum um ein Spiel abläuft. Die Ultras wollen ihre Tribüne beherrschen, immer mehr aber auch in die Vereinshoheit eingreifen, notfalls mit Gewalt. Deshalb war die Sicherheit im Fußball, vor allem in der Bundesliga, wieder einmal das Thema bei einem Treffen der Innenminister aller Länder in München. Angeprangert wird vor allem das Abbrennen von Pyrotechnik und sogar Raketen. Die Fan-Gruppierungen monierten, dass kein Vertreter von ihnen eingeladen sei, aber die Innenminister konterten zurecht: „Sicherheit ist unsere Aufgabe“. Bei den Fußballfans geht aber Spaß vor Sicherheit, zu beobachten auch in diesem Wochenende wieder. Das Abbrennen von Pyrotechnik ist gefährlich, Mitmenschen werden gefährdet, es kann Verletzte oder sogar Tote geben. Muss es erst so weit kommen? Es reicht schon, wenn durch den Rauch Spielverzögerungen provoziert werden, die restlichen Zuschauer im Stadion werden quasi in Geiselhaft genommen, Hauptsache die Ultras haben ihren Spaß. Leider ist es so, dass eine Einigung in weiter Ferne ist, gefordert werden Verurteilungen und Inhaftnahme schon im Stadion, was äußert schwierig sein dürfte. Von Einsicht also keine Spur, von Änderungen leider auch nicht. Die Fans mischen sich wie selbstverständlich überall ein, so jetzt in Mainz, als die Fans Jürgen Klopp kritisieren, der geliebte Kloppo arbeitet doch künftig wirklich für den ungeliebten Brause-Konzern Red Bull. Hätte Klopp die Fans um Erlaubnis fragen sollen?

Dabei sollte doch der Sport im Vordergrund stehen und er hat auch genug zu bieten. Die Bundesliga ist interessant wie selten in den letzten Jahren. Bayern München lässt sich derzeit aber nicht von der Tabellenspitze verdrängen und hat seine kleine Ergebniskrise mit drei Spielen ohne Sieg eindrucksvoll beendet. Beim 4:0 im Spitzenspiel gegen den VfB Stuttgart war ein wohl nicht unhaltbarer Schuss aus rund 25 Metern von Harry Kane (57.) nach dem 0:0 zur Pause der Knotenlöser. Für die Bayern und für den Torjäger selbst auch, denn er legte nur drei Minuten später nach und erzielte mit dem 3:0 (80.) nach 407 Minuten ohne Erfolgserlebnis seinen ersten echten Hattrick bei den Bayern. Es war wieder ein schwungvoller Auftritt der Münchner, doch RB Leipzig hält mit und das auf ganz andere Art: Die Rose-Schützlinge setzen auf Sicherheit, betätigen sich eher als Minimalisten, sind aber gleichauf, ebenfalls noch ungeschlagen und haben bisher nur zwei Gegentore kassiert, in sieben Spielen aber auch nur elfmal getroffen, die Bayern haben dagegen 24:7 Tore zu Buche stehen. Das 2:0 in Mainz war typisch. Dritter ist überraschend, noch vor Titelverteidiger Leverkusen, der SC Freiburg, der beim 3:1 gegen Augsburg leichtes Spiel hatte, aber auch schon zwei Niederlagen auf seinem Konto hat, eine davon in Dortmund. Jetzt folgt das Schlagerspiel am Samstag in Leipzig, das könnte eine Nagelprobe für beide Teams werden.

Leverkusen setzte sich mit viel Glück mit 2:1 gegen Frankfurt durch. Im Mittelpunkt stand vor allem Rekord-Schiedsrichter Dr. Felix Brych, der allerdings einen schlechten Tag erwischt hatte. Er verteilte immerhin gerecht zwei harte Elfmeter nach langem Videostudium, hätte aber auf beide verzichten können. Diskussionswürdig aber eine Attacke von Tah in der 91. Minute gegen Ekitiké, als er den hochspringenden Frankfurt mit dem Arm touchierte und aus dem Gleichgewicht brachte. Brych sah den Arm angelegt, war von der Slapstickszene (Hradecky schoss vorher Tah an) wohl beeindruckt und pfiff nicht. Tah konnte den Ball von der Linie kratzen und rettete den Sieg. Logisch, dass die Frankfurt „Skandal“ schrien, „das muss Elfmeter“ sein, die Leverkusener aber lächelten, „im Fußball darf man den Gegenspieler schon mal berühren,“ so Bayer-Boss Simon Rolfes.

Am Tabellenende handelte Schlusslicht VfL Bochum. Auch bei der TSG Hoffenheim gelang nicht der erste Sieg, am Tag danach wurden die Konsequenzen gezogen: Der neue Trainer Peter Zeidler, erst im Sommer von St. Gallen gekommen, muss wieder gehen. Er litt allerdings unter dem Umbruch im Team und bekam nicht die nötige Zeit, für ihn ein unglückliches Engagement. Hauptverantwortlich für den Niedergang war eher Sportdirektor Marc Lettau, der folgerichtig ebenfalls die Koffer packen muss. Die Neuzugänge waren einfach keine Verstärkungen. Auch die Aufsteiger tun sich weiter schwer, davor sind ab Rang 15 mit Augsburg, Hoffenheim und Wolfsburg drei Vereine mit je sieben Punkten gleichauf, die alle drei vor der Saison von höheren Tabellenregionen geträumt haben. Lange werden auch dort die Bosse nicht mehr zuschauen…

Vorfreude bei Bayern, Krach um Bayern

Ruhe bei Bayern München? Das hat Seltenheitswert. Und wenn Ruhe herrscht, dann wird Unruhe von außen reingetragen. Was soll man von den Medien halten, die eine alte Geschichte aufwärmen, um künstlich von einem Krach bei Bayern berichten zu können. Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen hat vor drei Jahren eine Zeitung nach einer Sekretärin geworfen, die Sache wurde damals ausgeräumt, die Sekretärin ist nicht mehr da. Jetzt wurde diese Verfehlung verkauft, um eine Vertragsverlängerung des CEO ab 2025 in Zweifel zu ziehen und andere Kandidaten ins Spiel zu bringen. Ein abgekartetes Spiel? Der seriöse kicker berichtet dagegen, im Verein sei man sich einig, dass Dreesen der richtige Mann ist und man den Vertrag verlängern will.

Dabei gibt es sportlich eine Vorfreude auf die Champions League. Das Duell mit dem FC Barcelona steht an, ein Wiedersehen mit Hansi Flick, der beinahe wieder Bayern-Trainer geworden wäre, jetzt sind die Münchner auch mit Vincent Kompany glücklich. Flick ist in Barcelona ebenfalls glücklich, die Ergebnisse stimmen, Spitzenreiter in Spanien. Bayern gegen Barcelona, da werden Erinnerungen an 2020 wach, als die Bayern im Viertelfinale gegen Barca 8:2 siegten, nicht nur die Champions League gewannen, sondern Hansi Flick sogar das Triple holte. Aber gegen Barcelona spielen die Bayern immer gern, 16 internationale Vergleiche gab es, elfmal siegten die Münchner bei nur zwei Niederlagen! Und diesmal? Übrigens gibt es eine interessante Auffälligkeit: Die letzten in München entlassenen Trainer wurden anschließend alle Nationaltrainer! Mit Hansi Flick begann es, danach ebenso Julian Nagelsmann als sein doppelter Nachfolger, der nach Bayern nun Deutschland trainiert und Thomas Tuchel versucht es jetzt in England!

Ein besonderes Spiel ist auch das Gastspiel bei Real Madrid für Borussia Dortmund. Es ist die Neuauflage des letztjähriges Finales, das die Borussen bekanntlich 0:2 verloren. Jetzt reisen sie aber als Tabellenführer der neuen CL ins ebenfalls runderneuerte Estadio Santiago Bernabéu. Fünf Jahre dauerte der 1,17 Milliarden teure Umbau. Ob eine Revanche möglich ist? In der CL treten die Dortmunder bekanntlich anders auf als in der Bundesliga. Die Spitzenvereine haben alle Stress in den Wochen bis zur nächsten Länderspielpause Mitte November. Zum internationalen Geschäft kommt der DFB-Pokal. In der CL gibt es weitere interessante Aufgaben, RB Leipzig erwartet den FC Liverpool, Stuttgart gastiert bei Juventus Turin. Meister Leverkusen darf Stade Brest nicht unterschätzen, das mit ebenfalls sechs Punkten Zweiter ist.

Premiere für Christian Wück

Mit Spannung verabschiedete sich die Frauen-Bundesliga in die Länderspielpause. Die Überraschung war dabei, dass Eintracht Frankfurt mit einer 0:1-Niederlage gegen Werder Bremen die Tabellenführung herschenkte. Mit Glück konnte sie Bayern München im Schlagerspiel gegen das überraschend starke Bayer Leverkusen mit einem 3:2-Sieg zurückholen. Zweimal lagen die Bayern-Mädchen im Rückstand, ehe die 17-jährige Sehitler in der Nachspielzeit den Siegtreffer erzielte.

Im Mittelpunkt steht aber jetzt die Premiere von Christian Wück als neuer Bundestrainer und Nachfolger von Horst Hrubesch. Der Ort könnte nicht prominenter sein, Deutschland tritt am Freitag (20.30 Uhr) im Wembleystadion von London gegen England an. Danach geht es am Montag noch in Duisburg gegen Australien. Wück betritt bei den Frauen Neuland, hat aber Erfahrung mit Nationalteams und kann Erfolge vorweisen, vor knapp elf Monaten führte er die Junioren der U17 zum WM-Titel. Jetzt soll er mit den Frauen Titel holen. Als Sportdirektorin Nia Künzer ihn ansprach, hat sich Wück den neuen Job sofort vorstellen können. „Ich bin recht schnell zu dem Entschluss gekommen, dass es für mich der nächste richtige Schritt ist.“ Bei seinem ersten Aufgebot hat Wück nicht für besonders große Überraschungen gesorgt, aber er will erst einmal beobachten. Einen wichtigen Schritt ging der DFB mit der Einführung einer Nationalmannschaft der U23 als Unterbau. „Das brauchen wir als Zwischenschritt zum A-Team unbedingt,“ ist sich der neue Bundestrainer sich. Kapitänin beim ersten Auftreten wird die Münchnerin Giulia Gwinn sein.

Nagelsmann auf dem Weg zu Deutschlands neuem Liebling

Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft haben schon einmal mehr Interesse gefunden, „nur“ 8,5 Millionen Zuschauer interessierten sich am Montag für das Länderspiel gegen die Niederlande und sahen den 1:0-Sieg in der Nations League. Wer nicht geschaut hat, hat zweifellos etwas verpasst und selbst Fußball-Experten reiben sich die Augen und fragen sich, „was ist denn hier los?“ Ausfälle über Ausfälle beim DFB-Team, aber Bundestrainer Julian Nagelsmann nominiert ungerührt junge Spieler nach – und es funktioniert, egal wer auf dem Feld steht. „Leweling hätte ohne die Absagen sicher nicht gespielt“, gestand Nagelsmann, aber der gebürtige Nürnberger, der jetzt das Trikot vom VfB Stuttgart trägt, hat gespielt, nach 100 Sekunden seinen ersten Treffer erzielt (der wegen eines dubiosen Abseits nicht zählte), dann aber in der 64. Minute nach einem Eckball mit einem fulminantem Schuss den Siegtreffer erzielt. Nagelsmann bewies also ein glückliches Händchen.

Der Ex-Bayern-Trainer hat überhaupt bei der Nationalmannschaft ein glückliches Händchen, er feierte am Montag den Jahrestag als Bundestrainer, im September 2023 löste er den unglücklichen, geschassten Hansi Flick ab und krempelte bald bei der DFB-Elf alles um. Nagelsmann zeigte Mut und Gespür, er sorgte wieder für gute Stimmung im Team, verordnete der Mannschaft einen selbstbewussten, offensiven Stil und so übertrug sich die gute Stimmung auch auf die Fans. Das Ziel ist ebenfalls selbstbewusst, bei der WM 2026 will man um den Titel mitspielen. Die Nations League wird auf diesem Weg ernst genommen, Vorbild ist Spanien, das erst die Nations League gewann und dann die Europameisterschaft. Siege auf dieser Ebene sollen zum großen Erfolg führen, die ersten positiven Auswirkungen sind spürbar. Deutschland hat sich durch das 1:0 bereits für die Play-Offs der Nations League im März qualifiziert (Endrunde im Juni) und befindet sich damit zudem in Topf 1 bei der Auslosung der Qualifikation zur WM 2026, geht also dem einen oder anderen Hochkaräter aus dem Weg.

Eine positive Entwicklung, die vor einem Jahr noch nicht abzusehen war und so befindet sich jetzt Julian Nagelsmann auf dem Weg, Deutschlands neuer Liebling zu werden, denn bei Erfolgen ist die Fußball-Nationalmannschaft Deutschlands liebste Mannschaft. Erstaunlich wie der Bundestrainer die Ausfälle klaglos wegsteckte, wie zahlreich sie nämlich waren, zeigt die Tatsache, dass mit Wirtz, Schlotterbeck und Kimmich nur drei Akteure im Team standen, die das erste Spiel gegen die Niederlande am 10. September (2:2) bestritten haben. Bezeichnend, dass kurz vor dem Spiel der „Held von Bosnien“, der zweifache Siegtorschützen Denisz Undav, ausfiel und sein Ersatz Leweling zum neuen Helden wurde. Selbst die Ausfälle hielten Nagelsmann nicht ab, sein quasi „Stamm-Mittelfeld“ Groß/Andrich durch die Youngster Angelo Stiller (23) und Aleksandar Pavlovic (20) zu ersetzen. Die beiden gebürtigen Münchner bestätigten das Vertrauen des Trainers und bewiesen, dass sie in Zukunft das Herz der Mannschaft sein können. Der Generationswechsel wurde durch die Verabschiedung von Stars der letzten Jahrzehnte deutlich. Thomas Müller, Manuel Neuer und Ilkay Gündogan wurden noch einmal gefeiert, Toni Kroos blieb in Madrid.

Die Gruppenspiele der Nations League werden am 16. und 19. November in Freiburg gegen Bosnien und in Budapest gegen Ungarn abgeschlossen. Ein Sieg fehlt noch (oder zwei Unentschieden), um als Gruppensieger in den Play-Offs gegen einen Gruppenzweiten antreten zu können und im Rückspiel Heimvorteil zu haben, was manchmal wichtig sein kann.

Schlagerspiele in der Bundesliga

Nach den Länderspielen ist vor der Bundesliga, die sich gleich mit zwei Schlagerspielen am Samstag zurück meldet, also auch wieder Spaß machen sollte. Um 15.30 Uhr wird Newcomer Eintracht Frankfurt von Titelverteidiger Bayer Leverkusen geprüft, der den Anschluss an die Spitze verliert, wenn kein Heimsieg gelingt. Zwei Punkte liegt Bayer zurück, drei hinter den Bayern und Leipzig. Im Vorjahr siegte Bayer 3:0 und 5:1. Das Duell Bayern gegen VfB Stuttgart (18.30 Uhr) ist fast schon ein Klassiker, der VfB, derzeit nur Achter, siegte im Vorjahr daheim 3:1 und ebnete sich dadurch auch den Weg zur Vizemeisterschaft. Die Bayern blieben bekanntlich dahinter nur Dritter, siegten aber zu Hause noch 3:0 und wollen dies wiederholen, um Tabellenführer zu bleiben. Allerdings muss Trainer Vincent Kompany in der Pause eine Lösung gefunden haben, um Gegentore wie zuletzt zu vermeiden, mit Konter ist nämlich auch der VfB stark und Leweling hat im Nationalteam gezeigt, wie er trifft. Die Lösung könnte Joao Palhinha heißen, der Portugiese wurde wegen seiner Defensivstärke verpflichtet. Rückt Kimmich bei den Bayern auf rechts, ist Platz für Talent Pavlovic. Neben den Münchnern ist nur noch Leipzig ungeschlagen (diesmal in Mainz). Am Tabellenende gibt es das direkte Duell zweier Abstiegskandidaten. Gastgeber Hoffenheim hätte man aber nicht in diesen Regionen (16.) erwartet, Trainer Matarazzo soll angeblich fest im Sattel sitzen. Da muss aber ein Sieg gegen Schlusslicht Bochum her.

Himmel und Hölle für Bayern-Frauen

Ein absolutes und so nicht erwartetes Schlagerspiel gibt es auch in der Frauen-Bundesliga. Titelverteidiger Bayern München muss bei Bayer Leverkusen antreten, der Vorjahressechste ist als Dritter überraschend in der Spitzengruppe vertreten. Die Münchnerinnen erlebten eine Woche zwischen Himmel und Hölle. Zuerst ein triumphaler 5:2-Erfolg in der Champions League gegen Arsenal London, dann eine 0:2-Niederlage in der Bundesliga beim großen Konkurrenten VfL Wolfsburg. Damit endete eine Rekordserie von 44 BL-Spielen ohne Niederlage! „Einmal muss es wohl so kommen,“ tröstete Trainer Alexander Straus, „wir können kaum 444 Spiele ungeschlagen bleiben.“ Die Niederlage schmerzte besonders, da sein Gegenüber Tommy Stroot den Kollegen mit einer besonderen Defensivtaktik verblüfft hatte, außerdem leiteten die Bayern-Mädchen mit eigenen Fehlern die Niederlage selbst ein und vergaben zahlreichen Chancen, so auch Weltstar Pernille Hader, die gegen Arsenal noch dreifache Torschützin war. Damit verloren die Bayern die Tabellenführung an Eintracht Frankfurt, erster Gegner nach der Länderspielpause!

Für die Wölfinnen war der Sieg eine besondere Genugtuung, sahen doch viele schon ihre Felle davon schwimmen, die Bayern schienen übermächtig zu werden. Jetzt sagt Verteidigerin Hendrich: „Es liegt an uns, wenn wir alle bei 100 Prozent sind, kann uns eigentlich keiner schlagen.“ Das mag für die Bundesliga gelten, in der Champions League verlor Wolfsburg bei AS Rom mit 0:1 und liegt damit in dere Gruppe A schon im Hintertreffen, da muss am Donnerstag gegen den Favoriten Olympique Lyon ein Sieg her. Da müssen es vielleicht mehr als 100 Prozent sein… Die Bayern stehen am Mittwoch bei Juventus Turin ebenfalls vor einer schweren Aufgabe, wer Arsenal schlägt, könnte es aber schaffen, was fast schon die Tür für die Play-Offs öffnen würde.

Der neue Bundestrainer Christian Wück gab am Dienstag sein erstes Aufgebot für die Länderspiele am 28. Oktober im Wembleystadion gegen England und drei später in Duisburg gegen Australien bekannt. Nach den Rücktritten von Popp, Hegering, Frohms und vorher schon Huth muss ein Neuaufbau her, doch Wück berief mit Giovanna Hoffmann (Leipzig/25) und Lisanne Gräwe (Frankfurt/21) nur zwei Neulinge, dafür mit Linda Dallmann, Sara Däbritz, Selina Cerci, Sophie Kleinherne und Marie Luise Grohs vier Rückkehrerin. Überraschend fehlen die Wolfsburgerinnen Lattwein und Endemann, Abwehrspielerin Hendrich wird geschont.

Das Aufgebot: Tor: Berger, Grohs, Johannes. – Abwehr: Gwinn, Doorsoun, Kleinherne, Linder, Rauch, Wolter. – Mittelfeld: Brand, Däbritz, Dallmann, Gräwe, Lohmann, Minge, Nüsken, Senß. – Angriff: Bühl, Anyomi, Cerci, Freigang, Hoffmann, Schüller.

Klopp überrascht die Fans

Eigentlich wollte er sich eine längere Pause vom Fußball gönnen, dennoch war er immer wieder als Trainer im Gespräch. Jetzt aber überraschte Kult-Trainer Jürgen Klopp Fans wie Experten. Als Trainer wird er vielleicht nie mehr arbeiten, ab 1. Januar 2025 aber quasi am Schreibtisch für den Brause-Konzern Red Bull, was vor allem bei den Fans für Enttäuschung sorgte, weil die Firma für sie ein rotes Tuch darstellt. Klopp wird „Head of Global Soccer“, soll sich also übergeordnet um die Fußballklubs von Red Bull widmen, dazu gehören neben Leipzig, noch Klubs in New York, Bragantino/Brasilien sowie Omiya Ardija/Japan. Beteiligt sind die Bullen bei Leeds United, das wollen sie künftig auch beim FC Paris sein, als Sponsor firmieren sie bei RB Salzburg aus rechtlichen Gründen wegen der UEFA. Der 57-jährige Klopp ließ verlauten, „nach fast 25 Jahren an der Seitenlinie könnte ich nicht aufgeregter sein, mich an einem Projekt wie diesem zu beteiligen.“ Red Bull verleiht bekanntlich Flügel – guten Flug Jürgen Klopp!

Bayerns Sturm- und Drangzeit unter Kompany

„Wie stark sind die Bayern wirklich?“, war die Fußball-Frage vor der zurückliegenden Woche, doch eine schlüssige Antwort gibt es nicht. Drei Spiele ohne Sieg nach dem 1:1 gegen Leverkusen, 0:1 bei Aston Villa und 3:3 in Frankfurt lassen eher auf eine Krise schließen. „In so einer Krise befinde ich mich doch gerne“, lässt Thomas Müller wissen und weist darauf hin, dass die Bayern ihre Gegner beherrscht haben, nur der Ertrag lässt zu wünschen. Es war nämlich wiederum eine entlarvende Woche, die Bayern sind mit Kontern zu knacken, die Defensive macht Fehler. Trainer Vincent Kompany hat den Bayern eine Sturm- und Drangzeit verordnet, 24:6 Schüsse in Frankfurt sprechen eine deutliche Sprache, doch die Absicherung fehlt. „Lasst uns ruhig bleiben“, fordert der Trainer, wohl wissend, dass ausbleibende Siege bei den Münchnern zum Theater führen. Aber immerhin, die Bayern gehen als Tabellenführer in die Länderspielpause, doch das Programm danach wird nicht leichter, VfB Stuttgart und FC Barcelona heißen die nächsten Gegner.

Die Eintracht hat die Bayern klassisch ausgekontert, der Ägypter Omar Marmoush befindet sich in einer sensationellen Form, ließ Neuer zweimal keine Chance und führt mit acht Treffern die Torschützenliste an. Er gab auch vier Vorlagen zu Toren, macht also zwölf Skorerpunkte, die hat auch Harry Kane, der allerdings in der gesamten Woche ohne eigenen Torerfolg blieb, aber als Vorlagengeber glänzte, scheinbar aber immer noch nicht ganz fit ist. Und Manuel Neuer erlebte ebenfalls eine besondere Woche, offenbarte Vor- und Nachteile seines offensiven Torhüterspiels. Von Aston Villa wurde er düpiert, als er weit vor seinem Tor stand, in Frankfurt glänzte er als Libero, als er viele weite Bälle fast an der Mittellinie schon entschärfte. Die Eintracht schaffte den Ausgleich zum 3:3 in der Nachspielzeit und feierte das Unentschieden als Sieg, die Münchner sahen es als Niederlage. Frankfurt befindet sich aber im Aufwind, liegt auf Rang drei, also ebenso in den Champions-League-Plätze wie überraschend der SC Freiburg als Vierter. Die nächste schwere Prüfung steht der Eintracht allerdings bevor, am 19. Oktober bei Meister Leverkusen.

Die Bayern sind entlarvt, aber einige Klubs geben nach wie vor Rätsel auf. Titelverteidiger Bayer Leverkusen hat seine Souveränität des Vorjahres eingebüßt, was wohl Kopfsache ist, ein bisschen scheinen sich einige Spieler auf den Lorbeeren auszuruhen. Anders ist das 2:2 gegen Neuling Holstein Kiel nicht zu erklären, nach einer schnellen 2:0-Führung ging die Konzentration beim Favoriten verloren und das berüchtigte Siegtor in der Nachspielzeit blieb aus. Noch mehr gerätselt wird aber in Dortmund, denn der neue Trainer Nuri Sahin konnte dem Team die Wankelmütigkeit noch nicht austreiben. Der 7:1-Kantersieg bei Celtic Glasgow katapultierte die Borussia an die Tabellenspitze der Champions League, das Gegenteil folgte mit dem 1:2 bei Union Berlin. Erinnerungen ans Vorjahr werden wach, als Dortmund in der Bundesliga immer wieder Aussetzer hatte, aber ins CL-Finale einzog. Union wiederum gehört zu den Überraschungsteams, vom Abstiegskampf in die Spitzengruppe ist ein fast schon sensationeller Sprung.

Am Tabellenende konnten sich Augsburg (2:1 über Gladbach, das zu den Sorgenkindern gehört) und Mainz (3:0 bei St. Pauli) ein bisschen befreien und in eine ruhige Länderspielpause gehen. Anders sieht es vor allem beim neuen Schlusslicht Bochum und bei der TSG Hoffenheim aus. In Bochum (neben Kiel noch ohne Sieg) steht angeblich Trainer Peter Zeidler nicht zur Debatte, doch solche Bekenntnisse sind oft der erste Schritt zur Entlassung. Von Rückendeckung ist bei Hoffenheim für Pellegrino Matarazzo nicht die Rede, aber immer wieder gibt es Lichtblicke (nach dem 2:0 gegen Kiew ein 1:1 in Stuttgart) und er hält sich im Amt. Rang 16 (Relegation) in der Bundesliga gefällt dem Verein allerdings nicht, der wieder ins europäische Geschäft möchte.

DFB-Elf: Absagen für Nagelsmann

Die Saison ist noch jung, dennoch macht sich die große Belastung der Spieler bereits bemerkbar, es gibt immer mehr Ausfälle. Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann leidet darunter, es hagelte vier Absagen für ihn, vor allem die Offensive wird ein neues Gesicht bekommen. Jamal Musiala (Hüftgelenk), Niklas Füllkrug (Achillessehne), Kai Havertz (Knie) und Robin Koch (Hüfte) müssen passen. Zunächst holte Nagelsmann Tim Kleindienst (Torjäger von Gladbach) nach, dann Jamie Leweling vom VfB für Musiala und schließlich bekommt der Mainzer Jonathan Burkardt (einst Kapitän der U21) eine Chance durch den Ausfall von Havertz. Zuletzt traf es auch Robin Koch (Frankfurt), aber da noch vier Innenverteidiger zur Verfügung stehen, holt Nagelsmann Flügelflitzer Kevin Schade (Brentford), der vor über einem Jahr in Freiburg für Furore sorgte und sich jetzt wieder zeigen darf.

Dennoch sind dies keine guten Voraussetzungen für die Spiele in der Nations League am Freitag in Bosnien-Herzogewina und am Montag, 14. Oktober (20.45 Uhr) in München gegen die Niederlande, die zusammen mit Deutschland mit vier Punkten die beiden Plätze für die Play-Offs belegt (Hinspiel 2:2). Trotz aller Probleme bleibt natürlich das Ziel, frühzeitig die Weichen für ein Weiterkommen zu stellen. Bosnien holte zuletzt ein 0:0 gegen Ungarn, das der DFB-Elf bekanntlich 0:6 unterlag. Die Niederlande hatte Bosnien mit 5:2 besiegt, da sollten auch die Nagelsmänner nicht straucheln. Am Montag begann in Herzogenaurach im schon heimischen Adidas-Campground die Vorbereitung.

Aber nicht nur im Angriff gibt es Fragezeichen, wie sich der Bundestrainer entscheidet, denn er sucht ja auch einen Ersatz für Stammtorhüter ter Stegen, der noch länger ausfällt. Oliver Baumann (Hoffenheim) gilt als erste Option, weil er schon länger hinten dran steht und noch ohne Länderspiel ist, ein Spiel könnte aber auch Alexander Nübel (Stuttgart) als Mann der Zukunft bekommen. Als dritter Torhüter ist der Ex-Leipziger Jannis Blaswich dabei, der allerdings derzeit bei RB Salzburg in der Kritik steht.

Das Aufgebot: Tor: Baumann, Nübel, Blaswich. – Abwehr: Anton, Henrichs, Kimmich, Mittelstädt, Raum, Rüdiger, Schlotterbeck, Tah. – Mittelfeld: Andrich, Führich, Groß, Leweling, Pavlovic, Stiller, Wirtz. – Angriff: Gnabry, Kleindienst, Burkardt, Undav, Schade.

Frauen: Champions League startet

Die Punktspielpause der Männer nutzen die Frauen für den Start ihrer Champions League. Bekanntlich sind aus der Bundesliga Meister Bayern München und Vizemeister VfL Wolfsburg dabei. Die 16 Teams spielen in vier Gruppen, die jeweils zwei Mannschaften schaffen es ins Viertelfinale. Für beide deutschen Klubs wird es nicht leicht, aber es ist möglich. Doch beide Teams zeigten zuletzt nicht unbedingt ihre Bestform. Die Bayern zum Beispiel mühten sich zu einem 1:0 gegen Köln, sind aber Tabellenführer und bauten den Rekord auf 44 ungeschlagene Spiele aus. Nach den Aufgaben in der CL treffen beide Bundesligisten am Samstag (17.45 Uhr/ARD) im Schlagerspiel in Wolfsburg aufeinander. Auch wenn die Wölfinnen derzeit nur Dritte sind (Zweiter Frankfurt) und bereits fünf Punkte Abstand zu den Bayern haben, bleibt dieser Vergleich zwischen Meister und Pokalsieger das große Duell, deshalb ziehen die Wölfinnen auch in die große VW-Arena um.

Zunächst sollten beide Teams aber in der CL bestehen, Wolfsburg eröffnet am Dienstag mit dem Gastspiel bei AS Rom, weitere Gruppengegner sind Olympique Lyon und Galatasaray Istanbul. Die Bayern-Mädchen haben mit Arsenal London am Mittwoch das dickste Brett zu bohren und treffen außerdem auf Juventus Turin und Valerenga IF aus Oslo. Gegen London müssen die Münchnerinnen wesentlich mehr zeigen als gegen Köln.

Besondere Aufmerksamkeit zog in den letzten Tagen aber Alexandra Popp auf sich. Die Kapitänin des VfL Wolfsburg und der Nationalmannschaft verkündete ihren Rücktritt aus dem DFB-Team. Sie nannte es eine Bauchentscheidung, die aber nicht überraschend kommt, denn oft plagten sie zuletzt Verletzungen. Der neue Bundestrainer Christian Wück steht nun wirklich vor einem Neuaufbau, nachdem zuvor schon wichtige Spielerinnen wie Torhüterin Merle Frohms, Abwehrchefin Marina Hegering und Stürmerin Svenja Huth ihren Abschied verkündet haben. Gespannt sein darf man, wer Popp als Kapitänin nachfolgt. Als Favoritinnen gelten die derzeit verletzte Lena Oberdorf oder Giulia Gwinn, die zuletzt immer mehr in den Blickpunkt rückte.

Gipfeltreffen ohne Gipfel-Glück

Was haben die Fußballfans und vor allem die Medien auf dieses Gipfeltreffen der Bundesliga zwischen Rekordmeister Bayern München und Meister Bayer Leverkusen hingefiebert, das Nonplusultra des Fußballs sollte es. Die Fragestellung war einerseits, „wie stark sind die Bayern wirklich?“ und andererseits „kann Leverkusen seinen Siegeszug vom Vorjahr wiederholen?“ (eine Niederlage gegen Leipzig hat es aber schon gegeben). Eine Antwort lieferte das Spiel am Samstag nicht, das 1:1 lässt alles offen, auch wenn die Bayern die überlegene Mannschaft waren und alle Statistiken für sie sprachen. Es war ein Gipfeltreffen ohne Gipfel-Glück und ohne Antworten auf die Fragen. Warten wir es also ab. Wie stark sind die Bayern wirklich? Die nächsten Aufgaben warten am Mittwoch in der Champions League bei Aston Villa und am Sonntag in Frankfurt.

Eine Überraschung lieferten die Bayern schon vor dem Anpfiff, sie liefen in grauen Trikots auf. Wollte sich der Dauermeister der vergangenen Jahre hier als graue Maus klein machen, auf Understatement gegenüber dem Meister? So war es nicht, die Bayern übernahmen von Anfang an das Kommando. Und was war mit dem Duell der beiden Jungstars? „Wusiala“ stand im Mittelpunkt, Florian Wirtz und Jamal Musiala gehört die Zukunft, im direkten Duell gab es nur Musiala, Jamal trumpfte auf, dribbelte die Bayer-Abwehr schwindlig (kam im Endeffekt aber doch nicht durch), von Wirtz sah man nicht viel, einzig eine Gelbe Karte. Dieses Duell war sinnbildlich für das Spiel, Leverkusen machte sich klein, wollte nichts zulassen, kam kaum vor das Bayern-Tor. Einmal nach einem Eckball und schon krachte es (Andrich). Die Bayern hatten 70 zu 30 Prozent Ballbesitz, eine Zwischenbilanz lautete 14:1 Schüsse. Da stand es 1:1, es blieb dabei, weil auch Pfosten und Latte Bayer retteten. Das Gipfel-Glück fehlte.

Ein anderer Jungstar machte auf sich aufmerksam, Aleksandar Pavlovic war der Regent im Mittelfeld, brachte sein Team allerdings in Nöte, eine schlampige Rückgabe führte zum Eckball für Leverkusen, den Andrich anschließend nutzte. Pavlovic glich diesen Lapsus aber vehement aus, mit einem Sonntagsschuss aus ca. 25 m quasi ins Kreuzeck. Weitere Fernschüsse brachten keinen Ertrag. Im erbitterten Kampf gab es nur noch Verletzte, Grimaldi humpelte raus, kurz vor Schluss erwischte es auch Torjäger Harry Kane. Der wurde sowieso ausgeschaltet, zum ersten Mal verzeichnete er in der Bundesliga keinen einzigen Abschluss. Leverkusen ist übrigens am Dienstag gegen AC Mailand gefordert und erwartet am Samstag Aufsteiger Kiel.

Gegenüber dem großen Gipfeltreffen war die Begegnung Wolfsburg – Stuttgart nur ein kleines Gipfeltreffen, das es aber es in sich hatte. Im Mittelpunkt Schiedsrichter Sven Jablonski, den viele als den derzeit besten Schiri halten, doch den Beweis konnte er diesmal nicht antreten. Er schickte VfB-Kapitän Karazor nach einem Zweikampf mit Wolfsburgs Kapitän Arnold mit Gelb-Rot vom Platz, weil er in der ersten Wahrnehmung der Meinung war, der Stuttgarter habe gefoult und war der böse Bube. Die Wahrnehmung hielt nicht lange an, doch eine Zurücknahme war nicht möglich. Tatsache war, Arnold hatte gefoult und Karazor eine Blessur, doch die Stuttgarter waren einen Mann weniger. Jablonski hatte seinen Fehler schnell erkannt („Ich ärgere mich sehr“), konnte ihn aber nicht ausbügeln und der VAR darf bei einer Gelben Karte nicht eingreifen. Eigentlich blöd, bei solchen Konsequenzen. Stuttgart betrieb mit einem späten Ausgleich zum 2:2 wenigstens Schadensbegrenzung.

Ein besonderes Spiel erlebte auch der SC Freiburg, der überraschend Aufsteiger St. Pauli 0:3 unterlag, ein 3:3 wäre möglich gewesen, doch Grifo (eigentlich ein sicherer Schütze) verschoss einen Elfmeter und zwei Freiburger Tore wurden vom VAR einkassiert – knapp Abseits. Pech gehabt. St. Pauli feierte nach 13 Jahren wieder einen Bundesliga-Sieg, na gut, sie waren 13 Jahre auch nicht in der Bundesliga. Auffallend auch Borussia Dortmund, das fast immer Rätsel aufgibt, jetzt gleich mehrere in einem Spiel. Im Revier-Derby lag man gegen Bochum zuerst mit 0:2 hinten, am Ende hieß es doch 4:2 für Dortmund. Zwei Gesichter in einem Spiel, das geht auf Dauer nicht gut.

Start in der Conference League

Am Donnerstag darf auch die dritte Liga im europäischen Wettbewerb an den Start gehen, die Conference League trägt ihre ersten Spiele aus. Aus der Bundesliga ist der 1. FC Heidenheim dabei, der im letzten Jahr als Neuling die Liga fast aufmischte, in dieser Saison zuerst mal Tabellenführer war und am Samstag in Mainz mit einem 2:0 Stärke zeigte. Das muss doch Mut machen, Heidenheim darf am Donnerstag mit einem Heimspiel beginnen, erster Gegner ist um 18.45 Uhr Olimpia Ljubljana aus Slowenien. Könnte doch eine machbare Aufgabe sein. Attraktivster Gegner ist am 28. November Chelsea London

In der Champions League geht es in die zweite Runde, der Stress wird für die Klubs nicht weniger. Von den Bayern und Leverkusen war schon die Rede, Stuttgart hat nach dem guten Auftreten bei Real Madrid mit Sparta Prag einen leichteren Gegner, Borussia Dortmund trifft auf Celtic Glasgow, während RB Leipzig nach Atletico Madrid am Mittwoch mit Juventus Turin den nächsten dicken Brocken vor der Nase hat. In der Europa League starteten Frankfurt und Hoffenheim mit Unentschieden nicht gerade glücklich, vor allem die Eintracht vergab in den letzten Minuten gegen Pilsen einen 3:1-Vorsprung und musste sich mit einem 3:3 begnügen. Jetzt muss Frankfurt nach Istanbul zu Besiktas und Hoffenheim erwartet Dynamo Kiew.

Schwere Aufgaben für die Frauen

Für die Fußball-Frauen beginnt die Champions League am 8./9. Oktober, die Gruppen wurden jetzt ausgelost und dabei haben die deutschen Vertreter Bayern München und VfL Wolfsburg schwere Brocken erwischt, der Einzug ins Viertelfinale wird keine leichte Aufgabe, zumindest Platz zwei in der Gruppe muss es sein. Meister Bayern startet am Donnerstag, 9. (18.45), gleich mit dem Schlagerspiel gegen Arsenal London, danach geht es zu Juventus Turin, ehe zweimal Norwegens Meister Valerenga aus Oslo der Gegner ist. Pokalsieger Wolfsburg hat es nicht leichter, Olympique Lyon war in den letzten Jahren eine der besten Mannschaften, AS Rom machte zuletzt den Bayern Schwierigkeiten, während Galatasaray Istanbul Neuland betritt. Die Auslosung wollte es so, dass mit Titelverteidiger FC Barcelona und Manchester City zwei Favoriten in einer Gruppe sind.

Nagelsmann und die Torhüter-Frage

Nach der stressigen Woche können sich die Mannschaften eigentlich eine Pause gönnen, aber nicht die Nationalspieler, für die geht der Stress weiter, die nächsten Spiele in der Nations League stehen an. Angesichts des dichten Terminkalenders werden immer mehr Manager und Spieler munter und prangern diese Terminflut an. Aber für eine Änderung ist es fürs Erste zu spät (siehe auch den Blog vom 9. September: „Stress für alle: Drei Jahre Fußball ohne Pause“).

Für die deutsche Nationalmannschaft stehen am 11. und 14. Oktober die Spiele gegen Bosnien-Herzogowina und die Niederlande (in München) an. Bundestrainer Julian Nagelsmann wird in dieser Woche sein Aufgebot benennen, aber dabei sicherlich noch nicht verraten, wer seine neue Nummer 1 im Tor wird, nachdem Neuer-Nachfolger Marc-Andre ter Stegen einige Monate lang ausfällt. Vielleicht lässt Nagelsmann die beiden Kandidaten Oliver Baumann und Alexander Nübel je einmal ran, aber die Frage ist auch, wer wird Nummer drei. Das könnte ein Bekannter früherer Aufgebote sein, Leno zum Beispiel, oder Nagelsmann lässt ein Talent aus der U21 reinschnuppern. Ansonsten wird er wohl kaum für Überraschungen sorgen, hat er doch angekündigt, dass derzeit der Kader fast feststeht. Wackelkandidaten könnten höchstens Spieler wie Maximilian Beier (Dortmund) sein, die in ihrem Verein derzeit eher zuschauen.

Wie stark sind die Bayern wirklich?

6:1 gegen Kiel, 9:2 gegen Zagreb und dann noch 5:0 in Bremen, 20:3 Tore in nur einer Woche – das ist ein Statement. Der Bayern-Express rollt, aber es stellt sich auch die Frage: Wie stark sind die Bayern wirklich? Ein „schweres Kaliber“ war nämlich nicht unter den ersten Gegner der Saison, die harten Brocken kommen jetzt erst, beginnend mit dem Prestigeduell am Samstag (18.30 Uhr) in München gegen Bayer Leverkusen, Rekordmeister gegen Meister, Erster gegen Zweiter, ein Höhepunkt zum Oktoberfest. Am Sonntag konnten die Münchner dort noch ausgelassen feiern. Folgt der Kater verspätet?

Es fällt auf: Die Bayern spielen unter Vincent Kompany ganz anders als unter Thomas Tuchel. konsequentes Pressing schon am gegnerischen Strafraum, überwältigende Spielfreude und eine noch nicht dagewesene Laufstärke (pro Spiel fast acht Kilometer mehr als unter Tuchel). Kompany galt als Notlösung, als die kontaktierten Kandidaten mit Xabi Alonso und Ralf Rangnick an der Spitze reihenweise absagten. Doch jetzt könnte sich der Belgier sogar als Glücksgriff erweisen, 29 Tore in sechs Pflichtspielen sind Vereinsrekord, die Stimmung könnte nicht besser sein.

Doch wie reagieren die Münchner auf starke Gegenwehr, wie werden sie mit einem Rückstand fertig? Das wird sich bald zeigen, die nächsten vier Gegner stellen ernsthafte Prüfungen dar: Nach Leverkusen folgt am 2. Oktober das Gastspiel bei Aston Villa in der Champions League, danach geht es zur Eintracht nach Frankfurt, die den Bayern gern mal ein Bein gestellt hat, und nach der Länderspielpause der nächste Bundesligaschlager am 19. Oktober gegen den VfB Stuttgart. Danach wissen wir, wie stark die Bayern wirklich sind.

Bisher sind die Münchner auch vom Verletzungspech verschont geblieben, der Kader ist komplett, so dass prominente Neuzugänge auf der Bank zuschauen müssen. Als Volltreffer entpuppte sich aber der 22-jährige Franzose Michael Olise, der als Dribbler, Vorlagengeber und Torschütze glänzt und schon mit Arjen Robben verglichen wird. Er könnte auch die Leverkusener Abwehr schwindlig spielen, die beim 4:3 gegen Wolfsburg erhebliche Lücken offenbarte. Aber Bayer zeigt auch alte Stärken, das Siegtor fiel in der Nachspielzeit. Deshalb blieb der Meister eine Saison lang ungeschlagen, das möchten die Münchner auch gern mal bleiben, im Vorjahr reichte es zu Hause nur zu einem 2:2 und die 0:3-Niederlage in Leverkusen war praktisch das Meisterstück von Bayer. Ungeschlagen sind die Alonso-Schützlinge nicht mehr nach der 2:3-Niederlage gegen Leipzig, seitdem befinden sie sich aber im Aufwind. Kompanys Einstand in München wird übrigens mit dem von Alonso in Leverkusen verglichen, also noch ein Duell im Mittelpunkt. Welchen taktischen Kniffe werden am Samstag deutlich?

Vorne mitmischen wollen gern auch andere Klubs, aber Leipzig (0:0 bei St. Pauli) und vor allem Borussia Dortmund erlitten erhebliche Dämpfer. Trainer-Neuling Nuri Sahin musste bei der 1:5-Pleite in Stuttgart feststellen, dass er das alte Dortmunder Leiden, dass es immer wieder unerklärliche Einbrüche gibt, nicht abstellen konnte. Der VfB spielte groß auf, die Borussia schaute zu und die Stars Anton und Guirassy, die kräftig ausgepfiffen wurden, müssen sich fragen, ob es richtig war, die Seiten zu wechseln. Am Tabellenende waren erste Punktgewinne Mutmacher. Bochum, St. Pauli und Kiel liegen zwar weiter gleichauf am Schluss, doch jeder hat ein Pünktchen ergattert, für Pauli war das 0:0 gegen Leipzig mehr als das 2:2 im direkten Duell für Bochum und Kiel. Für die Störche war es aber ein historisches Ereignis, nämlich der erste Punktgewinn in der Bundesliga.

Gehörigen Ärger gab es auch wieder mit dem Videoassistenten, die Augsburger fühlten sich beim 2:3 zum wiederholten Male als Leidtragende. Schiedsrichter Sören Storks und sein Kollege P. Müller im Kölner Keller hatten einen ausgesprochen schwachen Tag. Die Platzverweise gegen Amiri (zweimal dummes Gelb) und Essende waren in Ordnung, doch am Ende wurde der FCA massiv benachteiligt. Vor Essendes Tritt gegen Kohr übersahen Schiri und Müller einen Schlag von Kohr mit dem Ellenbogen gegen Essende, das hätte Rot und Elfmeter für den FCA geben müssen. Danach nahm Storks einen Elfmeter nach Foul von Widmer an Schlotterbeck zurück, als sich der VAR meldete. Doch das war falsch, dies war eine 50:50-Entscheidung, Storks prüfte auch minutenlang, bevor er den Elfer zurücknahm. Ein Unding, diese Entscheidung widerspricht der Vorgabe von Schiedsrichter-Boss Knut Kircher, der weniger Einmischung fordert, nämlich nur bei klaren Fehlentscheidungen. Zudem: Wie konnte Müller nur den Ellenbogenschlag übersehen?

Chaos durch den VAR, Chaos auch bei Schalke 04 in der 2. Bundesliga. Platz 16 im Tabellenkeller entspricht nicht den Erwartungen und wie reagiert dann der Verein: Trainer und Sportdirektor müssen gehen. Entlassungen waren bei Schalke schon immer an der Tagesordnung, elf Trainer in fünf Jahren wurden verschlissen. Jetzt traf es Karel Geraerts und Mats Wilmots. Die Bosse sehen das große Ziel Aufstieg gefährdet, das zumindest im nächsten Jahr verwirklicht werden soll. Der starke Mann ist jetzt Kaderplaner Ben Menga, der Nachfolger für die beiden Belgier finden soll.

Bayern Rekorde auch in der Champions League

Der deutsche Rekordmeister hält viele Rekorde in der Champions League, doch bis zum erneuten Gewinn des Henkelpotts ist es ein weiter Weg. Allerdings gehen die Bayern als Rekordsieger der Gruppenphase ebenso in die Geschichte ein wie nun als erster Tabellenführer der neuen CL mit einer Gesamttabelle. Das 9:2 gegen Zagreb war der 21. Auftaktsieg in Folge – Rekord und das mit 60:7 Toren. Auch die neun Treffer gegen Zagreb bedeuten Rekord, noch nie schoss ein Team in der CL so viele Tore. Die Bundesligisten konnten überhaupt mit dem Auftakt zufrieden sein, Leverkusen siegte in Rotterdam 4:0 und ist Dritter, Dortmund (nach einigen Problemen) in Brügge 3:0, liegt auf Platz 5. Stuttgart und Leipzig mussten gegen die Madrider Klubs zwar Niederlagen hinnehmen, zogen sich gegen Real (1:3) und Atletico (1:2) aber gut aus der Affäre.

Die letzte Woche gehörte der Champions League, diese Woche hat die Europa League „ihre“ Woche, also greifen auch die TSG Hoffenheim und Eintracht Frankfurt ein. Hoffenheim hat im Moment allerdings andere Probleme, im Verein geht es drunter und drüber, Trainer Pellegrino Mattarazzo steht vor der Ablösung, da klappt es halt auch sportlich nicht. Dabei sollte das Gastspiel beim dänischen Meister FC Midtylland am Mittwoch eigentlich eine lösbare Aufgabe sein. Die Eintracht erwartet am Donnerstag Viktoria Pilsen und gilt als Favorit. Insgesamt werden an beiden Tagen 18 Spiele ausgetragen, prominentestes Team ist Manchester United. Die Conference League mit dem 1. FC Heidenheim hat ihren ersten Spieltag am 3. Oktober.

Auch Wolfsburgs Frauen in der CL

Auch für die Fußball-Frauen gilt die Champions League als das große Ziel, aber nur Meister Bayern München hatte sich direkt qualifiziert. Sicher mit dabei sein dürfte auch der VfL Wolfsburg, der sich in der Qualifikation mit einem 7:0-Sieg im Hinspiel in Florenz ein dickes Polster anlegte. Da kann eigentlich am Mittwoch nichts mehr schiefgehen. Die Auslosung für Gruppenspiele (Start im Oktober) ist dann am Freitag.

Schlechte Nachricht für Männer-Bundestrainer Julian Nagelsmann, Torhüter Marc-Andre ter Stegen hat sich am Sonntag beim 5:1-Sieg von Barcelona in Villarreal schwer verletzt, er erlitt am rechten Knie einen Riss der Patellasehne und könnte bis zu acht Monaten ausfallen. Ter Stegen ist wirklich ein Pechvogel, nachdem er gerade erst seinen Traum erfüllt sah, die Nummer 1 im Nationaltor zu sein, nachdem Manuel Neuer seinen Rücktritt verkündet hatte. Schon die EM 2021 hatte ter Stegen wegen der gleichen Verletzung verpasst. Spannend ist jetzt die Frage, wem Nagelsmann vertraut, erste Kandidaten sind Oliver Baumann (Hoffenheim) und Alexander Nübel (Stuttgart), auch Kevin Trapp (Frankfurt) als dritte Möglichkeit ist verletzt.