Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Leverkusens Signal: Wir werden Meister!

Das ist ein Zeichen beim Jahresauftakt der Fußball-Bundesliga: Der Bayern-Dusel wurde zum Bayer-Dusel. Leverkusen lässt sich auch von fehlenden Stars nicht verunsichern und sendete mit einem Siegtor in der 94. Minuten zum wichtigen 1:0-Sieg in Augsburg ein Signal: Wir werden Meister! Schluss mit Vizekusen, Trainer Xabi Alonso hat das „Mia san mia“, was er in München erlebt hat, seinem ersten Profi-Team als Coach eingeimpft. Bayer beendete die Hinrunde als ungeschlagener Halbzeitmeister, was ihnen in der Saison 2009/10 schon einmal gelang, doch da rutschten sie noch auf Rang vier ab. Das ist diesmal nicht zu erwarten. Dieser Durchmarsch gelang erst das siebte Mal, dreimal schaffte dies Bayern München und wurde am Ende der Saison auch immer Meister. Für Bayer ist dies auch ein Zeichen.

Erstaunlich, wie gelassen Xabi Alonso mit den Absenzen der wichtigen Spieler umgeht. Schließlich fehlen mit Tapsoba und Kossounou starke Abwehrspieler, sowie mit Adli (alle beim Afrika-Cup) und Torjäger Boniface (Adduktoren-OP) wertvolle Stürmer. Dazu „schonte“ der Trainer Jonathan Tah, dem eine Gelbsperre droht, vor dem Schlagerspiel gegen Leipzig und setzte den erkälteten Wirtz erst in der 62. Minute ein. Dennoch trumpfte Bayer gegen tapfere Augsburger auf, verzeichnete 76 Prozent Ballbesitz und hatte das gleiche Verhältnis bei den Torschüssen. Da war das 1:0 hoch verdient und keineswegs der erste späte Treffer. Früher verzweifelte Bayer in solchen Spielen, Alonso hat seinem Team Selbstvertrauen bis zum Schluss vermittelt. So blieb Leverkusen auch international ungeschlagen, in insgesamt 26 Pflichtspielen. Auffallend: Bayer spielt den besten Fußball der Liga und der einst kritisierte Werksklub wird immer beliebter. Kann der Tabellenvierte Leipzig nun der Erste sein, der Leverkusen schlägt? Die Generalprobe ging schief, RB erlitt das Gegenteil, nämlich die erste Heimniederlage der Saison mit dem 0:1 gegen Frankfurt. Aber gerade das könnte den Ehrgeiz vor dem Duell am Samstag (18.30) besonders anstacheln, zumal es in der Hinrunde in Leverkusen (3:2 für Bayer) schon knapp war.

Und was machen die Bayern? Die sind am Sonntag erst einmal in ein kurzes Trainingslager bis Donnerstag nach Portugal geflogen. Da wird nicht Kondition gepaukt, sondern es gilt vor allem als Teambuilding-Maßnahme vor der Rückrunde und einer englischen Woche mit Spielen gegen Bremen (Samstag), das Nachholspiel gegen Union Berlin (Mittwoch) und in Augsburg (27.1.). 18 Profis und sieben Nachwuchsspieler sind mit von der Partie, nicht dabei ist Joshua Kimmich, der Nachwuchs erwartet, mit dabei ist Neuzugang Eric Dier, der ins Team integriert werden und das Bayern-Spiel kennenlernen soll. Der Kumpel von Torjäger Harry Kane wurde von Tottenham ausgeliehen und soll die Abwehr verstärken, kann aber auch im Mittelfeld aushelfen. Apropos Harry Kane, der stellte mit seinem 22. Treffer in der Nachspielzeit beim 3:0 gegen Hoffenheim den Hinrunden-Torrekord von Robert Lewandowski ein und kündigt selbstbewusst an: „Natürlich versucht man, die Rekorde zu brechen.“ Ihm bleibt ja für die Hinrunde noch das Nachholspiel gegen Union. Dann wollen auch die Bayern ihre Leichtigkeit wiedergefunden haben, die Leverkusen derzeit auszeichnet.

Borussia Dortmund bemühte die Vergangenheit, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein. Nach Sahin und Bender als Co-Trainer hilft jetzt auch wieder Jadon Sancho als Flügelflitzer. Er wurde von Manchester United ausgeliehen, wo er ein bisschen in Ungnade gefallen war. Beim alten Verein in Dortmund hat er sein Lächeln wieder gefunden, legte beim 3:0-Sieg Freund Marco Reus den vorentscheidenden Treffer zum 2:0 auf und so fühlt sich die Borussia fit für einen Höhenflug. Der Start ins neue Jahr konnte nicht besser sein, weil die Konkurrenz Federn ließ, nach Leipzig auch Stuttgart mit einer 1:3-Niederlage in Gladbach. Ist der Höhenflug des VfB vorbei? Wir werden es am Samstag in Bochum sehen.

Am Tabellenende gibt es ein Schneckenrennen, Unentschieden waren an der Tagesordnung, es hat sich quasi nichts getan. Allerdings gerät Köln immer mehr in Not, diesmal wegen Verletzungssorgen. Davie Selke sorgte mit einer artistischen Einlage beim 1:1 gegen Heidenheim wieder einmal für das einzige Tor, aber jetzt fällt er mit einer Verletzung ebenso wie Waldschmidt länger aus. Köln ohne Lebensversicherung, das riecht nach Abstieg.

In der 2. Bundesliga tummeln sich bekanntlich schon Traditionsvereine und mühen sich teils vergebens, endlich wieder im Oberhaus mitzumischen. Das gilt vor allem für den Hamburger SV, der traurig auf Leverkusens „Unschlagbarkeit“ schaut, denn der HSV war in der Saison 1982/83 der erste Verein, der in einer Hinrunde der Bundesliga ungeschlagen blieb. Derzeit sind die Hamburger Dritter im Unterhaus und fast Woche für Woche schwankt die Stimmung, ob sie den Aufstieg schaffen oder nicht. Am Wochenende startet die Rückrunde der zweiten Liga und beim Schlagerspiel auf Schalke (Samstag, 20.30 Uhr) treffen gleich die zwei populärsten Klubs aufeinander, Schalke hat aber Abstiegssorgen, der HSV erhofft sich neuen Schwung mit Flügelflitzer Magaya Okugawa, der vom FC Augsburg ausgeliehen wurde.

Einen wie Franz Beckenbauer wird es nie mehr geben

Nicht nur die Fußballgemeinde war geschockt, als vor einer Woche der Tod von Franz Beckenbauer bekannt wurde. Die Welt ohne den „Kaiser“ ist fast undenkbar, allerdings war Freunden bekannt, dass es dem 78-Jährigen in den letzten Monaten sehr schlecht ging, Termine musste er absagen. Mit seinem Tod ist nicht nur die Fußballwelt ärmer geworden, der Weltmeister von 1974 als Spieler und 1990 als Trainer hat auch viel für das Image für das Land Deutschland getan. Nicht umsonst heißt es, „einen wie ihn wird es nie mehr geben“. Beckenbauer brillierte auf dem Spielfeld, erfand den Libero in einer freien Rolle, die nur er perfekt ausüben konnte. Beckenbauer beeindruckte als Mensch mit einer Unbeschwertheit und Leichtigkeit sowie einem losen Mundwerk, so dass ihm die Herzen zuflogen. Für Schatten wegen dunkler Finanztransaktionen oder ungeklärten Geldern rund um das Sommermärchen bei der WM 2006 in Deutschland sorgten vor allem seine Berater, weil der „Kaiser“ auch in diesen Angelegenheiten seine Leichtigkeit walten ließ, wo Ernsthaftigkeit notwendig gewesen wäre. Aber das trübt sein Lebenswerk nicht, er war der Größte, den der deutsche Fußball bisher hergebracht hat und hat ein Denkmal verdient. Beckenbauer wurde in München im Familienkreis beerdigt, am Freitag kann die Fußballgemeinde ab 15 Uhr bei einer Trauerfeier in der Allianz Arena von ihm Abschied nehmen. Danke für die vielen schönen Stunden Franz Beckenbauer.

Handballer Lieblinge der Nation

Bei der Europameisterschaft in Deutschland erobern die Handballer die Herzen der Sportfans. Während die ansonsten so gefeierten Fußballer zuletzt nur Enttäuschungen ablieferten, schwingt sich die Handball-Nationalmannschaft zur Nummer 1 (noch vor Weltmeister Basketball). Sowohl gegen die Schweiz als auch beim 34:25 gegen Nordmazedonier lieferten die Handballer ein Feuerwerk von Klasse und Begeisterung und haben sich damit vorzeitig für die Hauptrunde qualifiziert. Allerdings ist noch nichts gewonnen und das abschließende Gruppenspiel gegen Frankreich am Dienstag (20.30 Uhr) in Berlin gegen Frankreich ist von doppelter Bedeutung. Einmal für das DHB-Team selbst, weil die Punkte mit in die Hauptrunde genommen werden. Gewinnt Deutschland, könnte die Schweiz aufrücken, wenn sie Nordmazedonien hoch schlägt, weil sie gegen Frankreich ein überraschendes 26:26-Unentschieden erreichte. Da zählt dann das Torverhältnis.

Im DHB-Team beeindrucken vor allem beide Torhüter sowie der Spielmacher und Torjäger Juri Knorr. Im Kasten waren sowohl Andreas Wolff gegen die Schweiz als auch sein Vertreter David Späth gegen Nordmazedonien schier unüberwindbar. Mit dieser Sicherheit lässt sich vorn befreit aufspielen, das tat neben Juri Knorr vor allem auch Julian Köster in Abwehr und Angriff, er gilt als die Entdeckung in diesem Turnier. Nun muss allerdings erst einmal die Hauptrunde mit Spielen von Donnerstag bis Mittwoch, 24. Januar, gut überstanden werden. Die Hauptrunde wird in zwei Gruppen gespielt, nur die jeweils zwei besten Teams qualifizieren sich für das Halbfinale. Werden wir also Deutschland noch am Wochenende vom 26./28. Januar sehen? Dann hätten wir endgültig neue Sport-Helden. Schon gegen Nordmazedonien sahen 7,38 Millionen im Fernsehen zu, mehr als zuletzt der Fußball locken konnte.

Endlich wieder Fußball-Bundesliga – und die EM ist im Visier

Die Pause war kurz, eigentlich war es nur ein Durchschnaufen zum Jahreswechsel, und dennoch sind die Fußball-Fans wieder scharf das Geschehen: Endlich wieder Bundesliga. Der Grund: In den letzten Jahren war es nie so spannend wie diesmal. Außerdem: Ungewissheit darüber, was sich bei den Vereinen tut, die Abstellungen zu Afrika- und Asien-Cup hinterlassen Fragezeichen, die sich auf das Wechselgeschehen auswirken, doch bisher tut sich nicht viel. Nur ein Trend ist erkennbar: Die Spieler haben die Europameisterschaft im Sommer in Deutschland im Visier und wollen Einsatzzeiten. Notfalls wird gewechselt, meist als Leihgeschäft.

Wenn es aber am Freitag mit der Partie Bayern München – TSG Hoffenheim weitergeht und die Vorrunde mit dem 17. Spieltag abgeschlossen wird, da wird noch nicht viel von Veränderungen zu sehen sein. Überhaupt ist gegenüber einer längeren Winterpause vieles andere, nur wenige Klubs absolvierten Trainingslager, die Bayern sogar erst nach dem ersten Spiel. Erst am Sonntag geht es nach Faro für ein paar Tage in die Sonne Portugals, die Vorbereitung wird in der Kälte Münchens stattfinden, aber es könnte dann am Freitag einen Kälteschock gegen eine der auswärtsstärksten Mannschaften der Liga geben. In Sachen Neuzugänge bei beiden Teams bis dato Fehlanzeige.

Von Verstärkungen ist auch bei Spitzenreiter Bayer Leverkusen nicht die Rede, obwohl vor allem die Abwehr durch Abstellungen entblößt ist, aber der schlaue Trainer Xabi Alonso hat schon vorgesorgt, die Mannschaft dieser Wochen schon einmal getestet – und für gut befunden. Bayer war bisher überragend, bezeichnend die traditionelle Rangliste des Fachmagazins kicker: Fünf Spieler wurden in Weltklasse eingestuft, drei davon kommen aus Leverkusen (Grimaldo, Frimpong, Wirtz), zwei aus München (Sané, Kane). In sieben Kategorien liegen viermal Leverkusener vorn, bei den Außenbahnen defensiv (Grimaldo, Frimpong Weltklasse) und Mittelfeld defensiv (Xhaka, Palacios – beide Int. Klasse) beherrschen sie die Top-Kategorien alleine. Noch Fragen? Da darf sich der FC Augsburg am Samstag nicht nur wegen der Minustemperaturen warm anziehen. Das große Duell Bayer gegen Bayern ist von der DFL auf Samstag, 10. Februar, 18.30 Uhr, terminiert worden.

Die Bayern suchen anders als der Spitzenreiter händeringend Verstärkungen, doch außer Gerüchten gibt es nichts. Heiß gehandelt wird jetzt der Wechsel von Eric Dier, Defensivmann der Tottenham Hotspur, der im Mittelfeld und rechts hinten spielen kann und den Trainer Thomas Tuchel aus seiner Chelsea-Zeit gut kennt. Bei Tottenham war der englische Nationalspieler zuletzt aber mehr auf der Bank als auf dem Feld. Eine Notlösung? Stärker ist wohl der Uruguayer Ronald Araujo vom FC Barcelona einzuschätzen, ein Abwehrspezialist für innen und außen, doch da scheint es zu hapern. Vielleicht gibt es auch eine Überraschung mit dem Ex-Leipziger Nordi Mukiele, der in Paris ebenfalls kein Stammspieler ist. Eingefroren ist auch die Form, wie der Test beim FC Basel zeigte. Die Ehre beim 1:1 rettete mit Noel Aseko Nkili ausgerechnet ein 18-jähriges Talent beim ersten Profi-Einsatz. Leverkusen zeigte sich da beim 4:1 gegen Venedig schon eher auf der Höhe.

Was bei den ganzen Transfers bisher auffällt, die Europameisterschaft 2024 ist im Visier der Spieler. Bezeichnend die Leihe von Timo Werner von RB Leipzig zu den Tottenham Hotspur. Sein Ziel: Dort mehr Spielpraxis zu bekommen, nachdem er bei der Nationalmannschaft bei Julian Nagelsmann kein Thema war. Er will sich also empfehlen. Ähnliches gilt für Thilo Kehrer, der bei West Ham United keine Rolle mehr spielte und nach Monaco geht. Kein Hehl machen auch Sasa Kalajdzic und Donny van de Beek aus ihrer Motivation, warum sie von Wolverhampton bzw. Manchester United zu Eintracht Frankfurt gehen – sie wollen bei der EM für Österreich bzw. die Niederlande dabei sein. Es könnte sein, dass auch bei Joshua Kimmich die EM im Hinterkopf ist. Er tauchte im Test der Bayern als rechter Außenverteidiger auf, eine Position, die Nagelsmann für ihn wieder ins Auge gefasst hat. Noch war bei Bayern nur der Personalengpass der Grund, aber Kimmich könnte in den (für ihn) sauren Apfel beißen, um sich auf rechts einzuspielen und zu empfehlen. Ein Platz im Mittelfeld ist ihm bei Nagelsmann bekanntlich nicht sicher.

Der 1. FC Köln hat seinen wichtigsten Neuzugang in Trainer Timo Schultz gefunden, der einst bei St. Pauli für Furore sorgte, beim FC Basel aber nach wenigen Wochen scheiterte. Beängstigend für Köln: Schultz wurde einst bei den Kiezkickern nach einem 4:4 in Karlsruhe entlassen und wie spielte der „Effzee“ im Test gegen den Drittligisten RW Essen? 4:4 in einem chaotischen Spiel! Das sollte dann am Samstag in einem fast schon richtungsweisenden Spiel gegen Heidenheim aber anders ausschauen, um sich auf dem Weg zum Klassenerhalt zu begeben. Ja, auch am Tabellenende ist es spannend, Schlusslicht Darmstadt hat gegen Dortmund (das an der Rückkehr von Jadon Sancho, Manchester United, arbeitet) die wohl schwerste Aufgabe, der Drittletzte Mainz ist gegen Wolfsburg gefordert und Union Berlin in Freiburg. Davor liegen gleichauf mit drei Zählern Bochum und Bremen, sie treffen am Sonntag (15.30 Uhr) aufeinander, der Sieger könnte sich etwas absetzen.

Mit einer Überraschung wartete Borussia Dortmund am Montag auf: Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wird seinen Vertrag 2025 nicht verlängern. Der 64-jährige hat schon 2021 mit der Vertragsverlängerung gezögert, wollte den Verein angesichts der Corona-Krise aber nicht im Stich lassen. Jetzt muss die Borussia auch im Vorstand Neuzugänge suchen.

Die 2. Bundesliga hat noch eine Woche Pause, Schalke 04 sorgte allerdings mit einem spektakulären Neuzugang für Furore: Mit Marc Wilmots (54) kehrt eine Vereinsikone zurück. Aber nicht als Trainer, er wird als Sportdirektor der neue starke Mann im Verein, nachdem man sich von Peter Knäbel trennte. Trainer bleibt Karel Geraerts, da darf man auf den Start der Rückrunde am Samstag, 20. Januar (20.30 Uhr), gegen den Dritten Hamburger SV besonders gespannt sein.

Der Fußball wird also im Sport wieder das Kommando übernehmen, im Fernsehen regierte zuletzt der Wintersport, der vor allem mit Skispringen und Biathlon für tolle Einschaltquoten sorgte, mehr als zuletzt manches Bundesligaspiel. Nur selten konnten allerdings deutsche Siege gefeiert werden. Benedikt Doll gewann den Sprint beim Biathlon in Oberhof, aber die meisten Daumen wurden Skispringer Andreas Wellinger bei der Vierschanzentournee gedrückt. Der große Showdown in Bischofshofen gegen den Japaner Ryoyu Kobayashi um den Gesamtsieg lockte 6,6 Millionen vor die Bildschirme. Der Japaner war an diesem Tag aber besser, gewann mit vier zweiten Plätzen in allen Springen den goldenen Adler und Wellinger setzte die Serie der zweiten Plätze der deutschen Springer fort. Nun kann weiterhin von einem deutschen Sieg nur geträumt werden, der gelang zuletzt Sven Hannawald 2002.

Träumen tun auch die Handballer und zwar von einem Wintermärchen bei der Europameisterschaft, die am Mittwoch in Düsseldorf mit dem Spiel gegen die Schweiz beginnt. Mehr dazu im nächsten Blog!

Handballer träumen von einem Wintermärchen

Das Sportjahr 2024 geht ja gut los. Die Handball-Europameisterschaft vom 10. bis 28. Januar wird die Sportfans in ihren Bann ziehen. Deutschland ist erstmals EM-Gastgeber und startet das Turnier gleich mit einem Weltrekord: 50.000 Fans sind beim Eröffnungsspiel am Mittwoch im Düsseldorfer Fußballstadion, so viele waren es beim Handball noch nie. Deutschland trifft dabei auf die Schweiz, ein Sieg soll die Weichen für ein Weiterkommen stellen und damit auch ein Wintermärchen einleiten. Die Handballer träumen davon, was die Fußballer 2006 bei der Weltmeisterschaft schafften, als sich Deutschland als lebensfrohe Sportnation präsentierte. Ein weiteres Sommermärchen soll übrigens in diesem Jahr folgen, wenn auch die Fußballer ihre Europameisterschaft in Deutschland austragen.

Egal ob Handball oder Fußball, sie werden auf ein erfolgreiches Jahr 2023 der Mannschaften zurückblicken, als die Basketballer als Weltmeister glänzten und Eishockey fast ebenso sensationell Silber bei ihrer WM holten. Da schauten die Handballer und Fußballer neidisch auf die Erfolge – und wollen sie am liebsten wiederholen. Allerdings gehört Deutschland als Gastgeber nicht zum engen Favoritenkreis, den bilden eher Titelverteidiger Schweden, Weltmeister Dänemark und Olympiasieger Frankreich. Die Franzosen sind bereits Gruppen-Gegner der DHB-Auswahl zum Abschluss am Dienstag, 16. Januar, in Berlin. Dort geht es zuvor noch am Sonntag, 14.1., gegen Nordmazedonien. Insgesamt 24 Nationen sind dabei, spielen zuerst in sechs Gruppen, die jeweils ersten beiden Teams ziehen in die Hauptrunde ein, die in zwei Gruppen mit je sechs Teams gespielt wird (die Punkte aus den Gruppen werden mitgenommen). Die jeweils beiden besten Teams der zwei Gruppen schaffen den Aufstieg ins Halbfinale, das ebenso wie das Finale am 28. Januar (17.45 Uhr) in Köln ausgespielt wird.

Die erste Europameisterschaft wurde übrigens 1994 ausgetragen, erster Sieger war Schweden, das mit fünf Titeln auch Rekordsieger ist. Dreimal gewann Frankreich, je zweimal Deutschland, Spanien und Dänemark, 1996 war Russland erfolgreich. Deutschland siegte 2004 und 2016, aus dem damaligen Siegerteam sind noch vier Mann dabei.

Bundestrainer Alfred Gislason setzt aber nicht vorwiegend auf Routine, sondern vertraut auch der Jugend. Als die U21 vor ein paar Monaten überraschend Weltmeister wurde, da forderten viele, dass die besten Spieler dieser Mannschaft auch ihre Chance im A-Team erhalten müssten. Der 64-jährige Isländer musste nicht groß überzeugt werden, das taten U21-Kapitän Renars Uscins, Kreisläufer Justus Fischer (beide Hannover), Torwart David Späth (Rhein-Neckar-Löwen) und Mittelmann Nils Lichtlein (Füchse Berlin) mit ihren Leistungen. Vor allem Torhüter Späth ragte bei der WM heraus, er ist die zukunftsträchtige Ergänzung zu Andreas Wolff, der als einer der besten Torhüter der Welt gilt, aber mit einem Bandscheibenvorfall einige Monate ausfiel. Jetzt ist er wieder fit. Wolff war der EM-Held 2016 und gilt zusammen mit Kapitän, Kreisläufer und Abwehrchef Johannes Golla und Spielmacher Juri Knorr als das Dreigestirn, das die Mannschaft auf den Erfolgsweg führen soll. Der Mannschaft könnte die Zukunft gehören, in der Gegenwart soll zumindest das Halbfinale geschafft werden.

Viel wird vom Start in Düsseldorf abhängen, 50.000 Zuschauer sind für alle ungewohnt, sie können der entscheidende Siegfaktor sein, aber gerade bei jungen Spielern auch zu einer Belastung werden. Gehofft wird natürlich auf Rückenwind, damit die Handballbegeisterung wieder in Deutschland um sich greift, ähnlich wie 2007, als die Nationalmannschaft auf einer Welle der Begeisterung Weltmeister wurde und 16,17 Millionen Zuschauer in ARD den Finalsieg gegen Polen sahen. Der Countdown läuft, zwischen Weihnachten und Neujahr gab es einen Kurzlehrgang in Frankfurt, seit Montag bereitet sich die Mannschaft in Brunsbüttel in einem schmucken Domizil am Hafen vor, bestreitet noch zwei Testspiele gegen Portugal und zieht dann nach Köln und später nach Berlin um. Was danach folgt, wird sich zeigen.

Das erste Spiel gegen Portugal gewann Deutschland mit 34:33, der Trainer war aber nicht zufrieden: „Wir stehen hinten rum und machen technische Fehler.“ Gut, wenn man Fehler erkennt. Am Samstag in Kiel folgt deer zweite Test gegen Portugal, da sollten Fortschritte zu sehen sein.

Das EM-Aufgebot: Tor: Andreas Wolff (Kielce), David Späth (Rhein-Neckar-Löwen). – Rückraum: Martin Hanne, Renars Uscins (beide Hannover), Sebastian Heymann (Göppingen), Kai Hafner (Stuttgart), Christoph Steinert (Erlangen), Julian Köster (Gummersbach), Philipp Weber (Magdeburg), Juri Knorr (Rhein-Neckar-Löwen), Nils Lichtlein (Füchse Berlin). – Außen: Rune Dahmke (Kiel), Lukas Mertens (Magdeburg), Patrick Groetzki (Rhein-Neckar-Löwen), Timo Kastening (Hannover). – Kreis: Johannes Golla (Flensburg), Justus Fischer (Hannover), Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar-Löwen).

Gute Vorsätze: Wie wäre es mit gutem Benehmen im Fußball?

Wann überhaupt, wenn nicht zum Jahreswechsel. Es hat sich so eingebürgert, dass viele Menschen mit guten Vorsätzen ins neue Jahr starten. Die einen wollen abnehmen, die anderen üben sich in Verzicht von Tabak oder Alkohol, auch der Stress spielt eine Rolle, gegen den man kämpfen will. Für die Fußballer hat der Sport-Grantler einen besonderen Vorschlag: Wie wäre es mit gutem Benehmen im Fußball?

Es ist schon manchmal ätzend, was man auf den Spielfeldern der Welt sieht. Das fängt bei den Amateuren an und hört bei den Profis noch lange nicht auf, obwohl die ja eigentlich auch eine Vorbildrolle einnehmen sollten. Doch da gibt es nur wenige, die man sich wirklich als Schwiegersohn wünschen würde, wobei man feststellen muss, dass es bei den Frauen zum Glück noch wesentlicher gesitteter zugeht, sie haben die schlechten Manieren noch nicht übernommen.

Immer wieder wird gefordert, die Fußballer sollten sich die Handballer zum Vorbild nehmen, die vor allem Schiedsrichter-Entscheidungen akzeptieren und strengere Regeln haben. So gilt bei einem Pfiff gegen sich, dass der Ball sofort hinzulegen ist und sich der Spieler vom „Tatort“ zu entfernen hat. Bitte auch beim Fußball einführen! Schlechtes Benehmen sollte vor allem immer mit einer Gelben Karte bestraft werden, was viel zu wenig passiert. So gibt auch im Fußball die Regel her, dass ein Spieler mit Gelb bestraft wird, wenn er für den Gegenspieler Gelb fordert. Das ist nämlich eine Unsportlichkeit. Und was ärgern wir uns immer wieder über Schwalben, vorgetäuschte Verletzungen, ständige Proteste und Rudelbildungen. Diese Verfehlungen müssen sanktioniert werden, dann herrscht Ruhe, Verzögerungen werden verkürzt, das Spiel wird schneller und die neuerdings ewig langen Nachspielzeiten fallen weg.

Der Rat zu gutem Benehmen gilt übrigens nicht nur für Spieler, sondern auch für Trainer und Funktionäre. Schlimm, was manchmal am Spielfeldrand aufgeführt wird. Ein falscher Pfiff gegen den Gegner wird lächelnd akzeptiert, eine vermeintliche Ungerechtigkeit gegen die eigene Mannschaft löst eine Schimpfkanonade mit – nicht selten – Beleidigungen aus. Diese aufgeheizte Atmosphäre führt vor allem dazu, dass die Hemmschwelle für Gewalt immer niedriger wird. Ziel ist dann meist der Schiedsrichter als Grund des Übels (und nicht der Spieler, der am Tor vorbei schoss!). So erleben wir ja leider viel zu oft, dass im Amateurbereich die Schiedsrichter nicht nur verbal, sondern auch körperlich angegangen werden. Selbst Vorstände vergessen die gute Kinderstube, so passierte es jüngst sogar im Profi-Fußball, dass in der Türkei ein Präsident den Schiedsrichter mit einem Fausthieb niederstreckte. Selbst eine lebenslange Sperre schützt leider nicht vor Wiederholungen.

Bleibt also der Wunsch: Die Verbände müssen handeln, die Regeln strenger werden. Wir hoffen auf gute Besserung, gutes Benehmen und damit für die Fans wieder mehr Spaß am Spiel.

Dortmund mit Verstärkung

In der Bundesliga haben die Teams gerade erst wieder ihr Training aufgenommen (vielleicht gibt es neben Taktik auch einen Benimmkurs?). An der Wechselfront gibt es mehr Gerüchte als Tatsachen, für Aufsehen sorgte allerdings Borussia Dortmund, das Verstärkungen gemeldet hat. Es geht dabei jedoch nicht um Spieler, sondern um Verstärkung für Trainer Edin Terzic. Mit den Ex-Borussen Nuri Sahin und Sven Bender bekommt der Chefcoach zwei neue Co-Trainer. Es könnte als Schwächung von Terzic angesehen werden, wird aber natürlich dementiert. Doch wenn es nicht besser wird…

Jedenfalls sollen Sahin und Bender mit dafür sorgen, dass Dortmund auch in diesem Jahr wieder die Champions League erreicht, sechs Punkte Rückstand auf Leipzig sind aufzuholen. Sahin hat übrigens Erfahrung im Management und trainierte zuletzt Antalyaspor in der Türkei. Das einstige „Mentalitätsmonster“ Sven Bender soll diese Einstellung auf die Mannschaft übertragen und vor allem auch als Ansprechpartner der Spieler amtieren. Beide Spieler waren früher Publikumslieblinge im Verein und sollen wohl auch hier für bessere Stimmung bei den Fans sorgen.

Um Verstärkungen kümmert sich im Moment vor allem Eintracht Frankfurt. Die Hessen zogen bereits Hollands Nationalspieler Donny van de Beek an Land, der von Manchester United kostenfrei ausgeliehen wird. Der Zwei-Meter-Mann Sasa Kalajdzic ist noch im Gespräch, der Österreicher glänzte früher beim VfB Stuttgart, jetzt kommt er in Wolverhampton kaum zum Einsatz. Da hätte die Eintracht dann Ersatz für Marmoush und Chaibi, die zum Afrika-Cup reisen. Noch keine Verstärkung meldet Leverkusen, aber für Bayer gab es eine beruhigende Nachricht, denn Carlo Ancelotti wird nicht Nationaltrainer in Brasilien, sondern bleibt bei Real Madrid. Bisher galt Bayer-Coach Xabi Alonso als erster Kandidat für die Ancelotti-Nachfolge bei Real. Jetzt kann er vielleicht länger erfolgreich in Leverkusen wirken, allerdings wohl immer mit Wechselgerüchten begleitet. Eine erfreuliche Tatsache gibt es bei Bayern München zu vermelden, Abwehrstratege Min-Jae Kim wurde zu Südkoreas Spieler des Jahres gewählt! Damit beendete er die Siegesserie von Heong-Mi Son von den Tottenham Hotspur, der zuletzt viermal in Folge gewann. Gefeiert wird Kim aber vorerst auch nur Südkorea, den Bayern fehlt er in den nächsten Wochen wegen der Asien-Meisterschaft. Von Verstärkungen hört man bei den Münchnern noch nichts.

Die Biathlon-Show geht weiter

Gerade aus deutscher Sicht war man nicht mit großen Erwartungen in die neue Biathlon-Saison gegangen, denn Stars und Sieganwärter erwartete man nicht im Kader. Doch es kam anders, die deutschen Frauen und Männer trumpften auf, sorgten für Schlagzeilen und Biathlon war im Gespräch. Franziska Preuß und Philipp Nawrath trugen anfangs sogar des Gelbe Trikot des Weltcup-Führenden. So stimmten auch die Einschaltquoten im Fernsehen.

Die Euphorie hat sich inzwischen ein bisschen abgeschwächt, die Konkurrenz hat aufgeholt und zum Teil das Kommando übernommen (Norwegen bei den Männern), aber das Interesse flaute nicht ab und jetzt geht die Biathlon-Show mit zwei Terminen in Deutschland weiter. Ab Donnerstag, 4. Januar, bis Sonntag, 7.1., wird in Oberhof gelaufen und geschossen, danach ist vom 10. bis 14. Januar Ruhpolding an der Reihe, bevor es im nächsten Dreier-Rhythmus nach Antholz in Südtirol geht. Danach folgt vom 7. bis 18. Februar bereits die Weltmeisterschaft in Novo Mesto. Da wollen auch die deutschen Athleten in Hochform sein.

Zunächst werden sie in der Biathlon-Hochburg Oberhof viel Unterstützung erfahren. Nachdem sie wieder einen gesundheitlichen Rückschlag erlitt, will Franziska Preuß wieder vorne mitmischen. Sie ist mit 322 Punkten Fünfte in der Gesamtwertung, es führt Justine Braisaz-Bouchet (Frankreich/427) vor Ingrid Landmark Tandrevold (Norwegen/417) und Elvira Öberg (Schweden (393). Achte ist Vanessa Voigt. In der Nationenwertung ist Deutschland nur Vierter hinter Norwegen, Schweden und Frankreich.

Bei den Männern dominiert Norwegen, aber Deutschland ist dahinter in der Nationenwertung der „Kronprinz“ vor Frankreich. Nach anfänglichen Schwächen hat Super-Star Johannes Thingnes Bö wieder das Kommando übernommen, vor seinem älteren Bruder Tarjei. Gleich fünf Norweger liegen in der Gesamtwertung vorn, dahinter folgt Philipp Nawrath und Achter ist Benedikt Doll. Auch Justus Strelow (11.) und Johannes Kühn (12.) sind vorn dabei. Vor allem im Sprint zeigen die Deutschen ihre Stärke, Nawrath und Doll liegen direkt hinter Tarjei Bö. Im einzigen Einzelrennen siegte Roman Rees vor Justus Strelow. Gute Aussichten also, dass Biathlon der beliebteste Wintersport hierzulande bleibt.

Im Laufe der Woche folgt noch ein Blog zur Handball-Europameisterschaft vom 10. bis 28. Januar in Deutschland.

Die Männer fliegen den Frauen davon

Mit der Vierschanzentournee der Skispringer erlebt der Sport-Winter zum Jahreswechsel bereits seinen Höhepunkt. Das lässt sich vor allem an den Einschaltquoten im Fernsehen ablesen. In diesem Jahr gerieten die Wettkämpfe in Oberstdorf (29. Dezember), Garmisch-Partenkirchen (Neujahr), Innsbruck (3. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) fast in den Hintergrund, denn diskutiert wurde vor allem, warum die Frauen mit ihrem großen Wunsch, ebenfalls eine Vierschanzentournee durchführen zu können, nicht ans Ziel kommen. Das Trostpflaster heißt „Two Nights Tour“ und beinhaltet zwei Springen in Garmisch-Partenkirchen (30. Dezember) und Oberstdorf (Neujahr).

Eigentlich rennen die Frauen offene Türen ein. Eigentlich, denn ein Stück weit ist die Zustimmung der „weißen Männer“ im Weltverband und bei den nationalen Verbänden in Deutschland und Österreich nichts anderes als Beschwichtigung. Die Skispringerinnen lassen allerdings nicht locker, sie sehen das Ziel in Sichtweite, allerdings ergeben sich offensichtlich auch organisatorische Schwierigkeiten, denn in den Touristenorten sind zum Jahreswechsel die Hotelzimmer sowieso knapp und zum großen Tross der Männer passt rund um die Schanzen nicht noch mehr Gewusel. Deshalb die grundsätzliche Idee, die Springen der Frauen konträr zu denen der Männer zu organisieren, also Start in Garmisch-Partenkirchen, dann nach Oberstdorf und gleiches in Österreich, Bischofshofen vor Innsbruck. Der DSV setzte die Idee um, die Österreicher zögern noch, deshalb bleibt es bei einer Minitour. Optimisten sagen, ein Anfang ist gemacht, die Springerinnen wie die zweifache Weltmeisterin Katharina Schmid (geb. Althaus) sagen „wir wollen alle vier, wir wollen endlich anerkannt werden“. Pech aber für die deutschen Mädchen, dass es gerade in diesem Jahr nicht so recht klappt. Der Bundestrainer quittierte kurzfristig seinen Job, man wurschtelt sich jetzt so durch, die großen Erfolge bleiben aus. Schmid ist als beste Deutsche gerade mal Zwölfte im Weltcup. So kann man kein Interesse gewinnen.

Da sieht es bei den Männern schon ganz anders aus, Karl Geiger und Co. träumen davon, endlich die Durststrecke zu überwinden und nach Sven Hannawald 2002 wieder einmal die Tournee zu gewinnen. Allerdings gibt es mit Stefan Kraft einen Überflieger, der seinen Sieg von 2014/15 gern wiederholen würde und im Weltcup klar führt (509 Punkte). Der Österreicher hat seine Bestform gefunden und seinen übermäßigen Ehrgeiz früherer Jahre in mehr Ruhe und Beständigkeit umgemünzt. Dahinter, allerdings mit Abstand, liegen Andreas Welllinger (380), noch kein Sieg, aber immer vorn dabei, und Karl Geiger (353), zweifacher Sieger in Klingenthal. Auch der 33jährige Pius Paschke sorgte in Engelberg für eine Sensation, die Generalprobe klappte also. Stephan Leyhe und Philipp Raimund komplettieren das Team. Mit Markus Eisenbichler fehlt ein bekannter Name, früher ein Kopf des Teams, heute in die Zweitklassigkeit abgestürzt. Selbst im Continental Cup springt er hinterher, doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Springer sagen aus Erfahrung, „plötzlich klappt es wieder und Du weißt nicht warum“. Darauf hofft der 32jährige Bayer.

Generell ist der Favoritenkreis klein, doch bei der Tournee hat es schon oft Überraschungen gegeben, plötzlich fängt ein Außenseiter zum Fliegen an. Das könnte zum Beispiel dem Japaner Ryoyu Kobayashi gelingen (Sieger 2018/19 und 21/22) oder dem Titelverteidiger Halvor Egner Granerud aus Norwegen. Die Deutschen kommen mit den neuen Anzugregeln offensichtlich besonders gut zurecht, die Norweger wiederum haben Schwierigkeiten. Auf jeden Fall schauen die Frauen neidisch auf die Männer, die ihnen buchstäblich noch davon fliegen.

Der Fußball bleibt im Gespräch

Manche Sportarten wollen die Zeit um den Jahreswechsel nutzen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, doch der Fußball macht gar keine richtige Pause, er bleibt im Gespräch. So wird bekanntlich in England durchgespielt, da wird ein Besuch der Premier League zum Weihnachtsgeschenk. Ein besonderes Geschenk machte sich Pep Guardiola mit Manchester City, er gewann die letzte Klub-Weltmeisterschaft nach altem Muster, für City und den Trainer der fünfte Titel in diesem Jahr. Für Guardiola war es der vierte WM-Titel, er gewann bereits 2009 und 2011 mit dem FC Barcelona und 2013 mit den Bayern.

Die Ruhe in Deutschland geht auch zu Ende, die Weihnachtspause war kurz, als erste Vereine beginnen bereits am Donnerstag Union Berlin und der VfL Wolfsburg mit der Vorbereitung auf den Start 2024 am 12. Januar. Das Gros der Vereine beginnt mit den Trainingslagern am 2.Januar. Was Neuzugänge angeht, so herrscht größtenteils Ruhe, nur RB Leipzig machte bisher eine Ausnahme, verpflichtete Eljif Elmas vom SSC Neapel. Der 24jährige Nordmazedonier soll Emil Forsberg ersetzen, der zum RB-Nachbarclub nach New York geht. Stolz vermeldete Leipzig auch einen Rekordumsatz von 450 Millionen Euro, aber auch sportlich ging es aufwärts, in der UEFA-Rangliste kletterte der Verein um zehn Plätze nach oben und ist jetzt Siebter.

Großes Jahr 2023, Vorfreude auf 2024

Die Fußball-Fans werden nicht gerade glücklich auf 2023 zurückblicken, schließlich machten die Nationalmannschaften der Männer und der Frauen Sorgen. Für Freude sorgte nur die U17, die Europameister und überraschend Weltmeister wurde. Die Dortmunder Fans grämen sich besonders, weil ihre Mannschaft den Titel praktisch in der Tasche hatte und doch noch an Bayern München verlor. Dafür waren andere Mannschaften erfolgreicher. Die größte Begeisterung lösten die Basketballer aus, die sensationell Weltmeister wurden, die USA ebenso besiegten wie im Finale Serbien mit 83:77. Der Titelgewinn geht als „Jahrhundert-Wunder von Manila“ in die Analen ein. Da ging fast unter, dass auch die Hockey-Männer Weltmeister wurden und Silber war für Deutschland im Eishockey ebenso fast ein Wunder. Die Ehre des Handballs rettete der SC Magdeburg, der erstmals nach 2002 wieder die Champions League gewann. 2023 war aber auch das Jahr der Ski-Königin Mikaela Shiffrin, die sich mit 87 Siegen zur erfolgreichsten Skifahrerin aller Zeiten kürte, sie übertraf bei den Frauen Lindsey Vonn ebenso wie Ingemar Stenmark bei den Männern. Seriensieger war auch Max Verstappen, der die Formel 1 dominierte, doch bei ihm fragt man sich, wie viel Anteil hat der Fahrer und wie viel der überragende Wagen von Red Bull.

Große Siege, große Enttäuschungen – davon lebt der Sport. Wir werden auch 2024 wieder viel erleben, Deutschland ist zweimal Gastgeber von bedeutenden Turnieren. Das ereignisreiche Sportjahr beginnt mit der Handball-EM vom 10. bis 28. Januar. Das Eröffnungsspiel Deutschland – Schweiz wird im Düsseldorfer Fußballstadion ausgetragen, ein Zuschauerrekord ist garantiert. Auch Mannheim, München, Berlin und Köln sehen EM-Spiele. Im Sommer regiert Fußball in Deutschland mit der Europameisterschaft vom 14. Juni bis 14. Juli. Ob es wieder ein Sommermärchen gibt? Die Hoffnung ist groß, die Angst vor einer Enttäuschung aber auch. Der sportliche Höhepunkt aber sind die Olympischen Sommerspiele vom 20. Juli bis 11. August in Paris. Außergewöhnlich soll die Eröffnungsfeier werden mit einem Spektakel auf der Seine. Ganz anders also als gewohnt. Ob wir das am Ende auch vom Sportjahr 2024 sagen werden?

Der Sport-Grantler wünscht allen seinen Leserinnen und Leser alles Gute für das neue Jahr, möge es glücklich und vor allem friedlich werden.

Weihnachtspause nur für die Spieler, harte Arbeit hinter den Kulissen

Die Fußball-Bundesliga ging in ihre verdiente Weihnachtspause. Doch Vorsicht: Die Hinrunde ist noch nicht beendet, sie wird erst mit dem 17., dem ersten Spieltag 2024 vom 12 bis 14. Januar, abgeschlossen. Bayer Leverkusen darf sich dennoch über den Platz an der Sonne freuen, ist aber nur Weihnachtsmeister. Die verdiente Pause gibt es allerdings nur für die Spieler, hinter den Kulissen steht in den nächsten Tagen harte und wichtige Arbeit an. Da geht es bei dem einen oder anderen Verein um den Trainer, viele Klubs suchen aber vor allem Verstärkungen. Von Weihnachtsruhe also keine Spur. Ein Spieler wird aber die Pause besonders genießen: Torjäger Harry Kane! Er musste in England bisher immer durchspielen, gerade zum Jahreswechsel ist der Stress dort besonders groß. Jetzt sagte Kane genüsslich: „Ich werde in der Sonne liegen und meinen alten Freunden eine Karte schicken!“

Was die Trainerwechsel angeht, so hat der 1. FC Köln nach dem schwachen Auftritt beim 0:2 bei Union Berlin einen Schnitt gemacht und sich von Trainer Steffen Baumgart getrennt. Eigentlich war der Mann mit der Mütze eine Kultfigur, doch es zählen nur die Ergebnisse. Die Ausbeute von zehn Punkten stieß Köln auf einen Abstiegsplatz. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht, es könnte aber sogar „Rentner“ Friedhelm Funkel werden, ein Fachmann in Sachen Rettung. Verstärkungen sind für die Rheinländer nicht möglich, der Sportgerichtshof CAS bestätigte eine Transfersperre des Vereins in der Sache Potocnik, der am 31. Januar 2022 widerrechtlich in Ljubljana kündigte und nach Köln wechselte.

Nur zehn Punkte stehen auch bei Schlusslicht Darmstadt und Mainz 05 nur zu Buche. Mainz hat bereits den Trainer gewechselt, beim Neuling Darmstadt bleibt man gelassener und zuversichtlich mit Thorsten Lieberknecht. In Mainz weiß man dagegen nicht so Recht, was man machen soll: Den Trainer „auf Zeit“ Ron Siewert weiter vertrauen oder einen neuen suchen? Das 1:1 in Dortmund sprach für Siewert, der die Mannschaft stabilisiert hat, sieben Punkte in sieben Spielen sind keine schlechte Bilanz, aber ein toller Aufwind war es auch wieder nicht.

Mehr Sorgen hat man sich da sogar in Dortmund gemacht, die Pleite von der verlorenen Meisterschaft kam wieder hoch (damals 2:2 gegen Mainz), Trainer Edin Terzic geriet wegen der nicht konstanten Leistungen in die Kritik. Logisch, dass der Krisenrat tagte, auch Sportdirektor Sebastian Kehl stand in der Diskussion. Der Daumen wurde allerdings nicht gesenkt, Terzic (als einstiger Fan fast ein Maskottchen des BVB) darf ebenso bleiben wie Kehl. Beider Verträge laufen bis 2025, wobei Kehl keine Weihnachtsruhe genießen darf, sondern Verstärkungen suchen muss. Sowohl defensiv als auch offensiv soll es besser werden. Nur mit wem? Der Markt gibt nicht viel her, zumal viele Vereine suchen.

Die Trainer der Hinrunde waren Xabi Alonso in Leverkusen und Sebastian Hoeneß in Stuttgart. Da bangen die Vereine eher im Hinblick auf die Zukunft, dass sie bleiben. Bei Bayer sieht man dem Neustart im Januar allerdings mit Sorgen entgegen, weil Asien- und Afrika-Cup die Mannschaft schwächen könnten. Vom 13. Januar bis 11. Februar wird der Afrika-Cup ausgetragen, vom 12. Januar bis 10. Februar der Asien-Cup, insgesamt 13 Vereine könnten bei entsprechender Nominierung betroffen sein, am stärksten eben Leverkusen, das wohl auf Tapsoba (Burkina Faso), Kossounou (Elfenbeinküste), Adli (Marokko), Tella und Boniface (beide Nigeria) verzichten muss. Bayer hat allerdings einen breiten Kader, der Clou, beim 4:0 gegen Bochum testete Trainer Alonso schon mal ohne diese Spieler. Es blieb fast unbemerkt. Also ruhige Weihnachten in Leverkusen.

Anders sieht es in München aus, auch wenn die Bayern mit Kim (Südkorea), Mazraoui (Marokko) und Choupo-Moting (Kamerun) nur drei Spieler ersetzen müssen. Im Gegensatz zu Leverkusen ist der Kader in München auf Kante genäht, nach Ausfällen lief der Bayern-Motor auf der letzten Rille und das Team rettete sich mit 2:1 in Wolfsburg gerade noch so in die Pause. Jetzt ist Sportdirektor Christoph Freund gefordert, gesucht wird vor allem Verstärkung in der Abwehr mit einem Innenverteidiger (nicht nur als Ersatz für Kim) und rechten Außenverteidiger. Das Problem: Auch in der gehobenen Preisklasse ist das Angebot rar, zumal auch Real Madrid einen Ersatz für David Alaba sucht, der einen Kreuzbandriss erlitt. In München herrscht ein bisschen Unzufriedenheit, obwohl die 38 Punkte nach 15 Spielen (eine Partie gegen Union fehlt noch) die beste Bilanz seit acht Jahren sind. Aber überzeugend waren die Schützlinge von Thomas Tuchel selten und der Blick geht in die Zukunft, mit einem weiteren Umbruch im Team, das große Ziel heißt Finale 2025 in der Champions League – in der Allianz Arena! Nicht umsonst haben die Ikonen Manuel Neuer und Thomas Müller ihre Verträge bis dahin verlängert. Übrigens: Das große Duell Leverkusen – Bayern ist von der DFL auf Samstag, 10. Februar (18.30 Uhr), terminiert.

Super League fühlt sich als großer Sieger

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Fußballwelt mit seinem Urteil aufgeschreckt, als er verkündete, dass in Europa die UEFA und auch Weltverband FIFA gegen die Marktgesetze der Europäischen Union verstießen, sie würden ihre „marktbeherrschende Stellung missbrauchen“. Da triumphierte Florentino Perez, Präsident von Real Madrid, der zusammen mit dem FC Barcelona Gründer der Idee der Super League ist und gegen die Ablehnung von UEFA und FIFA vor Gericht ging. Die Macher der Super League sehen sich als große Sieger und haben die neue Liga schon vor Augen, gingen prompt mir ihrer Ligen-Idee an die Öffentlichkeit. Neben der Champions League soll es in Europa auch die Super League geben, die nationalen Runden wären nicht betroffen. Doch welcher Verein nimmt teil, wie und wann sollen diese Spiele terminiert werden?

Nach dem ersten Schock strahlten die etablierten Verbände allerdings Gelassenheit aus, denn der EuGH urteilte nur in der Sache des Antrags, verurteilte die UEFA aber nicht zur Hilflosigkeit. Der Widerstand gegen die Super League ist nach wie vor groß, England und Deutschland werden nicht teilnehmen und die Fan-Organisationen gingen bereits wieder auf die Barrikaden, sie lehnen die Liga ab, die in ihren Augen nur gegründet werden soll, dass reiche Vereine noch reicher werden. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin betonte: „Die vom Gericht angeführten Mängel wurden zum Teil schon beseitigt, Nachbesserungen folgen. Im Grunde würde das bestehende Modell eher gestärkt.“ Er ist sich sicher: „Der Fußball steht nicht zum Verkauf, er bleibt vereint, sie können kreieren, was immer sie wollen.“

Wenn man so will, so hat die FIFA mit der erweiterten Klub-WM schon ein Gegenmodell geschaffen. In Saudi-Arabien wurde jetzt das letzte Turnier der alten Art ausgespielt, ab 2025 werden es 32 Mannschaften sein, die vom 15. Juni bis 13. Juli den „Klub-Weltmeister“ ausspielen. Europa stellt allein zwölf Mannschaften, Bayern München ist ebenso bereits gesetzt wie Paris, Inter Mailand, FC Porto und Benfica Lissabon, qualifiziert sind zudem die letzten Champion-League-Sieger Chelsea, Real Madrid und Manchester City. Deutschland wird zwei Vertreter stellen. Leidtragende sind die Spieler, die kaum eine Pause bekommen. Die Bundesliga endet am 17. Mai, das CL-Finale wird am 31. Mai gespielt, dazu gibt es Länderspiele im Juni und im August beginnt die neue Saison! Die Funktionäre planen rücksichtslos!

Frauen beliebter als Männer

Wer hätte das gedacht, in der „Beliebtheitsskala“ steht die Frauen-Nationalmannschaft vor den Männern! Den Beweis liefern die TV-Einschaltquoten 2023. Das WM-Spiel der Frauen gegen Kolumbien sahen 10,374 Millionen Fans (und das am Mittag!), bei den Männern war das Länderspiel gegen Frankreich mit 10,369 Millionen die Nummer 1. Auch die Frauen-Bundesliga bleibt im Aufwind, der Zuschauerschnitt stieg erneut an, von 2700 auf 2900. Vor dem Boom gab es nur dreistellige Zahlen.

Allerdings sind die Frauen-Teams jetzt gefordert, denn nur Erfolge locken die Fans und da hapert es international. Wichtig wäre, dass die Nationalmannschaft die Olympia-Qualifikation schafft und in der Champions League müsste wenigstens Bayern München noch das Steuer herumreißen. Eintracht Frankfurt hat mit dem 1:1 gegen Benfica Lissabon eine große Chance verpasst und es droht das Ausscheiden in den Gruppe A. Nur Dritter sind deerzeit auch die Bayern, die bei Ajax Amsterdam mit 0:1 ihre überhaupt erste Saison-Niederlage hinnehmen mussten, aber dennoch Chancen haben, das Ruder herum zu reißen. Dazu wäre aber am 24. Januar in Rom ein Sieg notwendig (Hinspiel 2:2). Man sieht, auch die Frauen büßen für ihre neue Popularität und haben keine richtige Winterpause. Bayern und Frankfurt müssen noch Pokalspiele nachholen und am 26. Januar geht es in der Bundesliga weiter.

Fußball-Fans erst leise, dann gewalttätig

Das sportliche Geschehen in der Fußball-Bundesliga wurde am vergangenen Wochenende vor allem vom Protest der Fans gegen den Einstieg von Investoren in der DFL überschattet. Fast überall war es in den Stadien zuerst leise, genau zwölf Minuten lang, weil die Fans auf den „12. Mann“ als Unterstützung anspielten und diese Unterstützung entziehen sie den Vereinen, wenn gegen ihre Wünsche gearbeitet wird. Die Fans befürchten, dass der Einstieg von Investoren gleichzeitig der Einstieg in die komplette Kommerzialisierung der Bundesliga bedeutet. Sie machen damit deutlich: Sie wollen mitbestimmen! Ihre Meinung war auf Bannern zu lesen: „Wir werden kein Teil eures Deals sein – Scheiß DFL“. Das Problem, danach verstießen die Ultras wieder gegen die Regeln, zündeten Pyros und vor allem in Paderborn schockten wieder einmal gewalttätige „Anhänger“ aus Rostock, die Raketen aufs Spielfeld warfen, Schlägereien anzettelten, Zuschauer angriffen und Stadion-Einrichtungen verwüsteten. Rund 100.000 Euro Schaden ist die traurige Bilanz.

Dies war ja kein Einzelfall, es gab zuletzt öfters Ausschreitungen. Die Ultras sollten sich Gedanken machen, welchen Schaden sie den Vereinen finanziell zufügen (Beschädigungen, Strafen) und wie sie dem Fußball in der Öffentlichkeit schaden. Darüber wollen sie nicht sprechen, Pyros halten sie trotz Verbote für legitim. Wenigstens einfallsreich waren die Proteste, mit dem Werfen von Tennisbällen oder Gegenständen, die nicht zu Verletzungen führen können. Bochums Stürmer Takuma Asano hatte die richtige Antwort: Er „dopte“ sich mit zugeworfener Schokolade und schoss das Führungstor zum 3:0-Sieg gegen Union Berlin. Positiver Protest also. Keine so gute Rolle spielte allerdings die DFL, denn über die geheime Abstimmung wird diskutiert, vor allem weil die notwendige Stimmenzahl von 24 genau erreicht wurde, aber Hannovers Investor Martin Kind unterstellt wird, dass er entgegen der Weisung des Vorstandes zugestimmt hat. Kind selbst schweigt, so dass ein Schatten über dieser Entscheidung liegt. Gegen die Ausschreitungen muss die DFL allerdings energischer vorgehen.

Dabei wäre doch der Sport interessant genug, wobei festgestellt werden muss, dass immer mehr Mannschaften Verletzungssorgen haben. Die Weihnachtspause sehnen fast alle herbei, Dienstag/Mittwoch wird aber noch gespielt. danach geht es am 12. Januar schon wieder weiter. Bayer Leverkusen lässt sich an der Spitze nicht irritieren und hält München auf Distanz. Frankfurt schockte vor einer Woche zwar die Bayern, machte dagegen in Leverkusen beim 0:2 keinen Stich. Die Bayern wiederum waren vor allem um Reputation bemüht, erst in Manchester, dann gegen die Wirbelwinde aus Stuttgart. Bayern-Trainer Thomas Tuchel trotzte mit einer taktischen Meisterleistung sowohl dem VfB, als auch den Ausfällen. Kurzfristig fehlten auch noch Kimmich und Gorotzka, so dass das Mittelfeld die „Notnagel“ Guerreiro und Pavlovic bildeten. Vor allem der 19-jährige Aleksandar Pavlovic wurde zum Held des Spiels, bot eine beeindruckende Leistung und bereitete mit besseren Standards als Kimmich Tore vor. Das Juwel, ein gebürtiger Münchner, sollte Tuchel nicht länger verstecken. Auch Routinier Thomas Müller durfte zeigen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Nette Geschichte am Rande: Bayern gratulierte kürzlich seinem ältesten weiblichen Mitglied zum 105. Geburtstag! Klara Geiger bewältigt noch ihren eigenen Haushalt und schaut jedes Spiel im Bayern-Trikot. Ihr Geburtstagswunsch: Die Bayern sollen noch vor Weihnachten mit Thomas Müller den Vertrag verlängern.

Noch vor der Pause setzten sich Leverkusen und Bayern oben ab, Dortmund verlor nach dem 1:1 in Augsburg den Anschluss, 13 Punkte Rückstand sind es auf Leverkusen, schon fünf auf den Vierten Stuttgart. Dagegen hat sich Leipzig erholt und war beeindruckt von der Forsberg-Show. Der Schwede, eine Legende des RB, der den Aufstieg des Vereins von Anfang an begleitete, verabschiedete sich mit einer tollen Leistung und einem Tor zum Partnerverein RB nach New York. Mit ihm geht auch ein Stück Bundesliga-Geschichte. Am Tabellenende konnte wieder niemand punkten, umso mehr Bedeutung bekommt das Duell Union – Köln am Mittwoch (18.30 Uhr).

Norden beherrscht 2. Bundesliga: Das Oberhaus muss vor Weihnachten noch eine Zusatzschicht einlegen, die 2. Bundesliga ging bereits in ihre Winterpause, am 19. Januar geht es wieder weiter. Was auffällt: Der Norden beherrscht zur Halbzeit die 2. Bundesliga, gleich drei Nordvereine stehen vorn, wobei Holstein Kiel als Tabellenführer eine dicke Überraschung ist. Kiel gab sich auch gegen Hannover (3:0) keine Blöße und wurde Halbzeitmeister, weil sich St. Pauli gegen Neuling Wehen-Wiesbaden einen Ausrutscher leistete. Auf dem Relegationsplatz der HSV, der mit dem 2:0 in Nürnberg zwar seine Auswärtsschwäche ablegte, aber schon vier Punkte Rückstand auf Kiel hat.

Nagelsmann sorgt für Furore: Vom Geschehen in der Bundesliga lenkte auch Bundestrainer Jürgen Nagelsmann ab, der mit einem Interview im Aktuellen Sport-Studio des ZDF für Furore sorgte. Eigentlich wollte er nichts verraten, aber er deutete doch mehr oder weniger personelle Überlegungen für die EM im nächsten Jahr an. So tendiert er immer mehr zu Manuel Neuer im Tor, was ter Stegen nicht gerne hören will. Joshua Kimmich hat er offenbar schon informiert, dass seine Rolle künftig die des rechten Außenverteidigers sein wird. Da könnte er sowieso die beste Lösung sein, eventuell am Mittwoch in Wolfsburg bei Genesung auch für die Bayern. Nagelsmanns Idee der Mittelfeldbesetzung ist allerdings revolutionär: Er will wohl Toni Kroos zum Comeback überreden und Gündogan dafür offensiver einsetzen. Dann würde sich das Mittelfeldpärchen Kroos/Groß abzeichnen. Nagelsmann sorgte also für einen Paukenschlag vor dem neuen Jahr.

Schlager Leipzig – Real: In der Champions League hat sich die Bundesliga gut geschlagen und stellte mit Bayern und Dortmund sogar zwei Gruppensieger. Die Bayern sorgten beim 1:0-Sieg bei Manchester United mit dem 40. ungeschlagenen Gruppenspiel in Folge für einen Rekord für die Ewigkeit, denn die normale Gruppenphase wird es bekanntlich nicht mehr geben. Künftig spielen 36 Vereine in einer Tabelle und es gibt 100 Spiele mehr!

Noch gilt das alte System und da wurde am Montag das Achtelfinale ausgelost. Am härtesten erwischte es RB Leipzig, das als Gruppenzweiter hinter Manchester City nun Real Madrid zugelost bekam. Borussia Dortmund zeigte in der CL ja sein Schokoladengesicht und siegte in der Todesgruppe genannten Konkurrenz und hat nun einen interessanten Gegner, nämlich PSV Eindhoven mit dem ehemaligen Borussia-Trainer Peter Bosz. Doch Vorsicht: PSV hat in der Eredivisie alle 16 Spiele gewonnen und unterlag in der Gruppe nur Arsenal London. Die Bayern dürfen mit ihrem Los auch zufrieden sein, sie duellieren sich mit Lazio Rom und haben mit italienischen Klubs gute Erfahrungen. Außerdem spielen Porto – Arsenal, Neapel – Barcelona, Paris – Real Sociedad, Inter Mailand – Atletico Madrid und Kopenhagen – ManCity. Gespielt wird vom 13. bis 21. Februar und 5. bis 13. März 2024.

Bayern-Frauen schwächeln: Nicht in der notwendigen Form sind offensichtlich die Frauen des FC Bayern, sie mussten nämlich in der letzten Woche zwei Rückschläge hinnehmen. In der Champions League kamen sie gegen Ajax Amsterdam über ein 1:1 nicht hinaus und so hieß es auch im Punktspiel beim 1. FC Nürnberg. Über 4000 Zuschauer sahen im Max-Morlock-Stadion wie sich der Neuling und Vorletzte gegen den Tabellenführer tapfer und erfolgreich wehrte. Damit machten die Bayern in der Bundesliga den Weg für den VfL Wolfsburg an die Spitze frei und in der Champions League stehen sie vor dem Rückspiel gegen Ajax am Mittwoch gehörig unter Druck. Auch Eintracht Frankfurt steht mit dem Rücken zur Wand und muss am Donnerstag (18.45 Uhr) das Rückspiel gegen Benfica Lissabon nach dem 0:1 in Portugal unbedingt gewinnen, um ein Ausscheiden zu vermeiden. Hinter Barcelona geht es um Platz zwei.

Bayern, Dortmund, Leverkusen, Stuttgart: Die Bundesliga-Rätsel

Die DFL debattierte am Montag über die Zukunft, genau um einen Investoren-Deal. Es geht also um Geld. Dabei ist der Sport interessant genug, damit sich die Fußball-Bundesliga als attraktives Produkt präsentieren kann. Dazu liefert das Geschehen in dieser Saison noch eine besondere Spannung, denn die Klubs geben viele Rätsel auf, vor allem an der Spitze. Egal, ob Titelverteidiger Bayern München, das nach Titeln lechzende Borussia Dortmund, Überraschungs-Tabellenführer Bayer Leverkusen oder der VfB Stuttgart als Aufsteiger der Saison, sie alle geben Rätsel auf: Die Frage ist „Warum?“

Am leichtesten lässt sich das Rätsel Leverkusen lösen, Simon Rolfes und Kollegen haben bei Bayer einfach gut und gezielt eingekauft, die Mannschaft prima verstärkt, auf einen breiten Kader geachtet und mit Xabi Alonso den derzeit besten Trainer der Liga. Das war alles so nicht zu erwarten, hat sich aber heimlich, still und leise im Sommer so ergeben. Der Top-Zugang war der Schweizer Granit Xhaka, der vom FC Arsenal London kam, im Mittelfeld aufräumt und gleichzeitig die Führungspersönlichkeit ist. Der Konkurrenz fehlt dieses Kernstück, Thomas Tuchel hat sie in München im Kader, verzichtet aber seltsamerweise meist auf Thomas Müller, der nur als quasi „Pressesprecher“ nach dem Spiel Führung zeigen darf. Vorteil Leverkusen, vier Punkte Vorsprung.

Es ist nicht nur die manchmal seltsame Personalpolitik des Trainers, die Bayern geben überhaupt das größte Rätsel auf. Am Samstag wurden die Münchner von der Eintracht demaskiert, beim 5:1 deckten die Frankfurter alle Schwächen des Rekordmeisters auf. Leichtes Spiel hatte Eintracht-Coach Dino Toppmöller, der als ehemaliger Bayern-Co-Trainer alle Stärken und vor allem Schwächen seiner ehemaligen Schützlinge kennt, zum Beispiel welche Probleme es im Mittelfeld gibt. Es zeigte sich wieder einmal, dass Joshua Kimmich trotz aller Bemühungen keine Führungspersönlichkeit ist, die fehlt ohne de Ligt auch in der Abwehr, die Fehler der gesamten Abwehrreihe waren haarsträubend und verheißen für die Zukunft nichts Gutes. Aber warum waren die Bayern bisher eigentlich so erfolgreich? Die individuelle Klasse der Spieler, deutlich geworden mit den Toren von Harry Kane, verdeckten die Schwächen. So blieben die Münchner bis zum Gastspiel in Frankfurt ungeschlagen. Beim 1:5 erinnerten sich alle natürlich an dieses Ergebnis im Jahr 2019, danach musste Bayern-Trainer Niko Kovac gehen. Tuchel muss nicht gehen, zumindest jetzt nicht, drei Spiele stehen bis zur Weihnachtspause noch an, das Schlagerspiel gegen Stuttgart am Sonntag (19.30 Uhr) und das Gastspiel in Wolfsburg am Mittwoch vier Tage vor Heilig Abend. Dazu kommt die Aufgabe in der Champions League am Dienstag bei Manchester United. Vom Auftreten der Mannschaft wird es abhängen, ob in der Winterpause über den Trainer diskutiert wird oder sogar gehandelt wird – wenn es einen geeigneten Nachfolger gibt. Verstärkungen für die Abwehr sind auf jeden Fall dringend notwendig. Davies ist nur ein Schatten frühere Tage, Upamecano bleibt ein sinnbildliches Rätsel, mal prima, mal fehlerbehaftet.

Über den Trainer wird in Dortmund bereits diskutiert, Edin Terzic sitzt nicht mehr sicher im Sattel, die Rückschläge mehren sich, nur wenige Monate nachdem die Borussia fast leichtfertig die Titelchance verspielt hat, sind die Meisterträume bereits nach 14 Spieltagen geplatzt. Als Tabellenfünfter mit vier Punkten Rückstand auf RB Leipzig auf Rang vier muss Dortmund nach der 2:3-Niederlage gegen den Konkurrenten sogar um die Champions League bangen. Für das Rätsel und die Wundertüte Dortmund steht sinnbildlich Abwehrstratege Mats Hummels. Einmal Weltklasse, dann wieder Kreisklasse. Bereits in der 15. Minute flog der Nationalspieler nach einer übermotivierten Grätsche gegen Openda vom Platz, sein dritter Platzverweis im 430. Bundesligaspiel. Da hätte er lieber ein Tor von Openda in Kauf genommen, hinterher war sich Hummels mit seinem Trainer einig: „Das war unnötig“. Nötig hat Dortmund in der Winterpause vielleicht eine Blutauffrischung, die Zugänge im Sommer entpuppten sich nicht unbedingt als Knüller.

Über den Trainer wird in Stuttgart nicht diskutiert. Logisch, vom Abstiegskandidaten zum Meisteranwärter, bei so einer Entwicklung wird höchstens über eine Vertragsverlängerung von Sebastian Hoeneß geredet. Dennoch ist der VfB ein Rätsel, der Aufschwung kommt unerwartet, wird aber verständlich, wenn man das 1:1 gegen Leverkusen beobachtet hat. Hoeneß hat seinem Team Mut und Angriffslust verordnet, Bayer brauchte eine Halbzeit, um sich auf den offensiven Gegner einzustellen. Die erste Niederlage für Leverkusen wäre möglich gewesen. Mit dieser Taktik wird der VfB wohl auch bei den Bayern auflaufen, die so etwas auch nicht mögen, aber sicherlich auf Wiedergutmachung aus sind und ein bisschen mehr laufen werden als in Frankfurt, da war der Gegner rund 10 Kilometer mehr unterwegs! Da stimmt dann der Ärger über „faule Millionäre“. Der VfB wird aber auch ein bisschen Angst vor der Winterpause haben, wenn die Wechselfrist beginnt. Vor allem die reichen Vereine der Premier League haben Stuttgart im Visier.

Übrigens wollte es das Schicksal der Pokalauslosung so, dass der VfB und Bayer im Viertelfinale wieder aufeinandertreffen, diesmal in Leverkusen. Der Sieger geht als Pokalfavorit ins Halbfinale. Nachdem es zwei Duelle aus der zweiten Liga gibt, sind auch zwei Zweitligisten unter den letzten vier vertreten, die Duelle lauten Hertha BSC – Kaiserslautern und St. Pauli – Düsseldorf. Favoritenschreck 1. FC Saarbrücken darf sich mit Gladbach einen weiteren Bundesligisten vornehmen. Gespielt wird am 30./31. Januar und 6./7. Februar, es ist das erste Mal, dass das Viertelfinale über zwei Wochen aufgeteilt wird.

Zuerst gehen in dieser Woche die Gruppenspiele in den europäischen Wettbewerben zu Ende. In der Champions League sind erstmalig gleich drei Bundesligisten bereits für das Viertelfinale, das am Freitag in London ausgelost wird, qualifiziert. Bayern München steht sogar schon als Gruppensieger fest, RB Leipzig wiederum als Zweiter hinter Manchester City. Dortmund muss gegen Paris noch um den Gruppensieg kämpfen, ein Unentschieden reicht, um einen Gruppenzweiten als Gegner zu bekommen, was eine schwere Aufgabe nicht ausschließt. Vor allem für die Bayern steht nach dem Desaster von Frankfurt bei Manchester United Reputation an und ein Ausbau der CL-Erfolgsserie. Seit 39 Gruppenspielen sind die Münchner ungeschlagen, die letzten acht Spiele haben sie auswärts alle gewonnen. Für Harry Kane wird es ein besonderer Ausflug, er wird der erste Engländer, der für einen anderen Verein in der CL in Old Trafford auftritt und könnte sein 50. CL-Tor erzielen. Anders sieht es für Union Berlin aus, ausgerechnet Real Madrid ist die Hürde, um mit einem Sieg evtl. auf Europas Bühne zu überwintern.

Auch für die Frauen geht es in der Champions League weiter, Eintracht Frankfurt tritt bei Benfica Lissabon an (Mittwoch, 21.00 Uhr), die Bayern Mädchen treffen am Donnerstag, 18.45 Uhr, auf Ajax Amsterdam, das mit einem Sieg gegen Paris überraschte. Also ein Schlüsselspiel für die Münchnerinnen für eine gute Ausgangsposition im neuen Jahr. In der Bundesliga war der 3:1-Sieg von Eintracht Frankfurt gegen Hoffenheim das bedeutendste Ergebnis, es brachte der Eintracht den Sprung auf Platz drei in der Tabelle.

Die wichtigste Entscheidung für den Frauen-Fußball hat der DFB in der vergangenen Woche mit der Verpflichtung von Nia Künzer als neue Sportdirektorin getroffen. Die 43-jährige Ex-Nationalspielerin wurde 2003 durch ihr Golden Goal im WM-Finale gegen Schweden bekannt und war zuletzt viele Jahre Expertin bei der ARD. Geboren ist sie in Botswana, wo ihre Eltern als Entwicklungshelfer arbeiteten. Ihr zweiter Vorname ist Tsholofelo, was „Hoffnung“ heißt. Auf ihr ruhen also die Hoffnungen, dass der Frauen-Fußball mehr Gewicht bekommt. Bislang arbeitete sie als Dezernentin im Regierungspräsidium Gießen, ihr Fachbereich waren Flüchtlingsangelegenheiten, Erstaufnahmeeinrichtung und Integration. Nun hofft sie, dass die Nationalmannschaft den Sprung zu Olympia schafft, nachdem trotz des 0:0 in Wales durch die Niederlage von Dänemark gegen Island der Gruppensieg gelang. Eine große Aufgabe könnte auch 2027 warten, für die Austragung der Weltmeisterschaft hat sich Deutschland zusammen mit den Niederlanden und Belgien beworben.

Vielleicht hat Nia Künzer schon Glück gebracht, bei der Auslosung der Final Four der Nations League hat Deutschland das Wunschlos Frankreich gezogen. Hier werden nämlich die restlichen zwei Tickets für Olympia 2024 vergeben. Wenn die Hrubesch-Schützlinge am 23. Februar in Frankreich gewinnen, sind sie für Paris qualifiziert, bei einer Niederlage bekommen sie eine zweite Chance gegen den Verlierer der zweiten Partie Spanien – Niederlande. Frankreich ist nämlich als Gastgeber bereits qualifiziert und so bekommt der Sieger des Spiels um Platz drei am 28. Febuar gegebenenfalls das zweite Ticket.

Fußball-Deutschland kann noch Weltmeister

Ach, was war zuletzt in Deutschland über den Fußball gejammert worden, kein guter Nachwuchs, keine Zukunft mehr und die deutschen Tugenden wären verloren gegangen. Fußball-Deutschland ein Jahr vor der Europameisterschaft im eigenen Land im Jammertal. Aber hoppla, plötzlich ist ein Stimmungsumschwung da. Die Jugend macht’s! Fußball-Deutschland kann noch Weltmeister und plötzlich sehen einige wieder rosarot in die Zukunft. Für die neue Euphorie sorgte die U17-Nationalmannschaft, die in Indonesien mit einem 2:2 nach 90 Minuten und 4:3 im Elfmeterschießen gegen Frankreich erstmals Weltmeister wurde! „Weltmeister“, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Doch so unwahrscheinlich war das gar nicht, es war eine Wiederholung der Ereignisse vom Sommer, da gewann Deutschlands U17 bereits die Europameisterschaft – im Elfmeterschießen gegen Frankreich!

Die Burschen um Kapitän Noah Darvich (Barcelona) und Paris Brunner (Dortmund) sowie Elfmeter-Torhüter-Held Konstantin Heide (Unterhaching) gingen schon selbstbewusst ins Turnier – „Warum sollen wir nicht Weltmeister werden?“ – und zeigten die deutschen Tugenden, Leidenschaft und Widerstandskraft. Im Halbfinale musste das Elfmeterschießen her und im Finale spielte Deutschland 30 Minuten in Unterzahl, mit viel Leidenschaft und Kampf. Paris Brunner ist ein Beispiel dafür, wie 17jährige so sind und nicht nur brave Burschen gebraucht werden. Er wurde erst kürzlich vom Verein suspendiert, ein Grund nicht genannt, aber bei der WM trumpfte er auf, führte das Team, glänzte als Schütze entscheidender Tore und wurde zum besten Spieler des Turniers gekürt. Jetzt befinden sich einige Medien schon im Höhenflug, fordern, dass Brunner mit zur EM der Erwachsenen müsste und der erfolgreiche Bundestrainer Christian Wück (50 Jahre alt) wird schon als Nachfolger von Julian Nagelsmann ins Gespräch gebracht, wenn der nach der EM 2024 nicht mehr will oder darf. Aber tausende Kilometer vom WM-Triumphgeheul bei einer ausgiebigen Party zeigte sich Nagelsmann schon als lernfähig: „Wir müssen ein paar andere Dinge zeigen, und dafür brauchen wir auch den einen oder anderen Spieler und die eine oder andere Herangehensweise“, sinnierte er nach der Gruppenauslosung der EM. Er deutete damit an, dass er künftig nicht nur auf Schönspieler setzt, sondern auch Arbeiter gebraucht werden. Die Alten sollen kämpfen (und erfolgreich sein) wie die Jungen.

Ein weiteres erfreuliches Ergebnis ging mit dem Jubel um die U17 und dem Trubel der EM-Auslosung fast unter, dass nämlich die Frauen den Weg zurück zum Erfolg ebenfalls gefunden haben und alle Möglichkeiten für das Olympia-Ticket wieder in der eigenen Hand haben. Die Wende schaffte Interimstrainer Hrubesch, der den Mädchen gleichzeitig Disziplin und Lockerheit zurückbrachte und die Tristesse unter Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg beendete. In Dänemark gab es noch eine 0:2-Niederlage, jetzt steht nach einem 3:0-Sieg im Rückspiel in Rostock die Tür zu Olympia wieder offen. Der nächste Schritt muss ein Sieg am Dienstag in Wales sein, dann gibt es im Frühjahr die Play-Offs der vier Gruppensieger um zwei Tickets.

Mit der Einstellung und Lockerheit von Rostock kann es die DFB-Elf schaffen. „Einstellung, Wille, Glaube – sensationell“, lobte der Trainer, während die Spielerinnen glücklich über den lockeren Trainer sind, „jede hat ein Lachen auf den Lippen“, bemerkte Giulia Gwinn. Sollte es mit der Teilnahme in Paris 2024 klappen, dann muss dort Horst Hrubesch ebenso als Trainer fungieren wie in den Play-Offs. Danach sollte die wohl neue Sportdirektorin für Frauen, Nia Künzer wird es wohl sein, auf die Suche nach einem geeigneten Nachfolger oder Nachfolgerin gehen. Er oder sie sollte viel von Hrubeschs Art haben. Die Begeisterung der Fans ist ebenfalls ungebrochen, 4,3 Millionen schauten beim ZDF zu.

Das EM-Los war gnädig

Die Gruppen-Auslosung zur Europameisterschaft 2024 in Hamburg wäre fast ohne den deutschen Bundestrainer über die Bühne gegangen. Das Schnee-Chaos in Bayern stoppte Züge und Flüge und so nahm der gesundheitlich angeschlagene Julia Nagelsmann acht Stunden Autofahrt auf sich und war rechtzeitig in der Elbphilharmonie. Vielleicht war deshalb das Los gnädig, keine Hammergruppe, kein Österreich oder Italien, sondern eine interessante, aber machbare Gruppe mit Schottland (Eröffnungsspiel am Freitag, 14. Juni, 21.00 Uhr, in München), Ungarn (Mittwoch, 19 Juni, 18 Uhr, in Stuttgart) und Schweiz (Sonntag, 23. Juni, 21 Uhr, in Frankfurt) als Gegner. Als Hammergruppe gilt eher die Gruppe B mit Spanien, Kroatien, Italien und Albanien. Von den 24 Nationen scheiden sowieso nur acht aus, die ersten beiden Teams jeder Gruppe und die vier besten Gruppendritten kommen ins Achtelfinale. Das Finale wird am Sonntag, 14. Juli (21 Uhr) in Berlin ausgetragen. Ihr Quartier wird die DFB-Elf im Adidas-Sportpark in Herzogenaurach aufschlagen.

Vor dem EM-Finale sieht das Berliner Olympiastadion noch drei Gruppenspiele, je ein Spiel in Achtel-, Viertel- und Halbfinale. Vielleicht wird das Endspiel des DFB-Pokal am 25. Mai aber noch interessanter. Da steht am Dienstag und Mittwoch das Achtelfinale an, bekanntlich sind nur noch sechs Bundesligisten dabei, vier davon stehen sich in direkten Duellen gegenüber: Gladbach – Wolfsburg am Dienstag, Stuttgart – Dortmund am Mittwoch. Frankfurt muss zum Bayern-Bezwinger Saarbrücken, Leverkusen erwartet Paderborn. Als einziger Amateurverein ist der Regionalligist FC 08 Homburg dabei und der will seinen Erfolgsweg am Dienstag auch gegen St. Pauli fortsetzen. Dazu gibt es drei Zweitligaduelle: Kaiserslautern – Nürnberg, Magdeburg – Düsseldorf (beide Dienstag) und Hertha BSC – HSV (Mittwoch).

Jetzt gilt es für den VfB Stuttgart

In der Bundesliga wurde Bayern München zum Zuschauen verurteilt, das Schneechaos in München ließ kein Spiel in der Allianz Arena zu, weil eine Anfahrt zum Stadion unmöglich wurde und auch Dachlawinen die Zuschauer gefährdet hätten. So durften sich die Bayern auch auf dem Sofa als Sieger fühlen, denn Tabellenführer Bayer Leverkusen gab gegen Dortmund einen Punkt ab. Hätten die Bayern ihr Spiel gegen Union Berlin gewonnen, hätte sie das an die Spitze gebracht, weil die Tordifferenz besser ist. Beide Teams sind noch ungeschlagen, Union rutschte ohne Spiel ans Tabellenende, wo vor allem Köln seinen zweiten Sieg mit dem 1:0 in Mainz feierte und die Abstiegsränge verließ.

Dortmund gab zwar den Sieg in Leverkusen aus der Hand, darf aber eine erfolgreiche Woche registrieren. Für Aufwind sorgte vor allem der 3:1-Erfolg in der Champions League beim AC Mailand. Damit ist die Borussia in ihrer Hammgruppe (mit Paris und Newcastle) ebenso wie Leipzig und die Bayern bereits für das Achtelfinale qualifiziert. Nur Union fällt aus der Rolle, kann aber vielleicht noch in Europa überwintern, wenn es das letzte Spiel gewinnt, Gegner ist allerdings Real Madrid. Bei Dortmund ärgerte sich Trainer Edin Terzic aber über das 1:1 in Leverkusen, er sah sein Team eher als Sieger und klagte Schiedsrichter Daniel Siebert an, dass er keinen Elfmeter bei einem Foul gegen Adeyemi gab. Das aber wäre wirklich eine harte Entscheidung gewesen, eher hätte Siebert einen Elfmeter für Leverkusen pfeifen müssen, als Can rüde Palacios foulte. Auch da blieb die Pfeife stumm, aber auch Dortmunds Trainer, der die Größe hätte haben und sehen müssen, dass dies eher ein Elfmeter war. Schade, dass auch die Trainer der Bundesliga oft die Objektivität vermissen lassen und vereinsblind sind.

Die Wochen der Wahrheit gehen für Dortmund im Pokal in Stuttgart weiter und am Samstag gegen Leipzig im nächsten Spitzenspiel. Es gilt aber auch für den VfB Stuttgart, der eben gegen Dortmund im Pokal, dann am Sonntag gegen Spitzenreiter Leverkusen und einen Sonntag später in München zeigen muss, ob er dauerhaft in der Spitzengruppe mitmischen kann. Im Zweifelsfall sollen es die Torjäger Serhou Guirassy und Denz Undav richten, die schon als „magisches Zweieck“ in Erinnerung an das glorreiche „magische Dreieck“ mit Elber/Bobic/Balakow tituliert werden. Trainer Sebastian Hoeneß griff zur logischen Lösung, nachdem mal beide Torjäger einsatzfähig waren. Aber der VfB hat nicht nur Torjäger, sondern auch Arbeiter. Er sollte die Chance jetzt nutzen, wer weiß, wer nach dem Winter oder im nächsten Jahr noch da ist.

Verstappen lernt mit Red Bull das Fliegen

Der Brause-Hersteller Red Bull wurde mit seinem Werbespruch „Red Bull verleiht Flügel“ bekannt und hat dies in der Formel 1 jetzt fast umgesetzt. Max Verstappen lernte auf seinem Weg zu seinem dritten Titelgewinn das Fliegen – so kam es jedenfalls der Konkurrenz vor, er flog nämlich einfach davon. Der Holländer blieb mit seinem Boliden natürlich auf der Straße, abgeflogen ist er nicht, sonst hätte er nicht eine Saison der Rekorde hinlegen können: 19 Siege in 22 Rennen, 1003 Führungsrunden, 575 Punkte in der Fahrerwertung, damit hätte er allein auch die Konstrukteurswertung gewonnen. Beim Finale in Abu Dhabi landete er seinen 54. Grand-Prix-Sieg und setzte sich damit auf Rang drei der ewigen Bestenliste, nur Michael Schumacher (91) und Lewis Hamilton (103) liegen noch vor ihm. Nach rund 100 Tagen Pause, bevor am 2. März 2024 die neue Saison startet, hat er in dann 24 Rennen die Chance, weiter auf Rekordjagd zu gehen.

Es schaut nämlich nicht so aus, als könnte die Konkurrenz die Lücke zu Red Bull und Verstappen in dieser Zeit wirklich schließen, zumal Red Bull mit Adrian Newey auch den besten Designer seit 2006 unter Vertrag hat. Die Hoffnung der Konkurrenz ruht auf 2026, wenn es einen Neubeginn gibt, damit ist auch meist eine Ende der herrschenden Dominanz verbunden, die es schon oft in der Formel 1 gab. Max Verstappen hatte ja einen bemerkenswerten Start seiner Erfolgsserie, als er von einer Rechtsbeugung von Rennleiter Masi profitierte und in der letzten Runde Hamilton überholen konnte und den Titel einfuhr. Jetzt ist es der Hattrick, Verstappen flog davon und der Rest befindet sich auf dem Boden der Tatsachen. Lewis Hamilton träumt zwar weiter von seinem achten Titel und dem alleinigen Rekord, doch wie soll das gehen?

Mercedes wurde zwar Zweiter in der Konstrukteurswertung, aber 451 Punkte Rückstand auf Red Bull sind Welten. Ferrari (406) enttäuschte ebenso, nur McLaren (302) war zufrieden, machte einen großen Schritt nach vorn und schickt sich an, die großen Namen Mercedes und Ferrari von Platz zwei zu verdrängen. Dies zeigt auf: In der Formel 1 wird es derzeit erst hinter der Nummer 1 interessant. Insgesamt gab es nämlich durchaus interessante Rennen, viele Überholmanöver und genügend Spektakel. Doch nur der Kampf um Platz 1 sorgt wirklich für gute Stimmung. Die Saisonbilanz zeigt Licht und Schatten, der Pay-TV-Sender Sky, der in Deutschland die alleinigen Rechte besitzt, haderte mit dem fehlenden Kampf an der Spitze und klagt über rund 20 Prozent Zuschauerverlust. Die Formel-1-Besitzer von Liberty Media sind mit der Entwicklung dagegen zufrieden, mit allerlei Aktionen, vor allem im Internet, und neuen Rennstrecken wie in Las Vegas konnten sie jüngere Zuschauer an Land ziehen. Das Spektakel in der Glitzerstadt Las Vegas hat sich gelohnt: Das beste Rennen und die meisten Schlagzeilen.

Keine Schlagzeilen konnte der einzige deutsche Vertreter machen, Nico Hülkenberg, der beim schwächsten Team Haas Mick Schumacher ablöste, fuhr meist hinterher, sammelte ein paar gute Platzierungen im Qualifying, aber am Ende nur neun Punkte, drei weniger als MIck im Jahr zuvor. Auch Verstappen-Kollege Sergio Perez gehört zu den Verlierern, er wurde zwar WM-Zweiter, konnte den Weltmeister aber nie richtig angreifen. Für mehr Aufmerksamkeit sorgten da schon Odie Fernando Alonso im Aston Martin und Lando Norris im McLaren, wobei sich dessen Teamkollege Oscar Piastri im Laufe der Saison als größtes Talent entpuppte. Die Auflistung zeigt: Die Mercedes-Fahrer Hamilton und Russell waren eher Mitfahrer.

So schaut die Rennsportgemeinde nicht mit der größten Neugier auf das Jahr 2024 und die Formel 1. Da muss schon viel passieren, dass sich die Formel 1 wirklich als Königsklasse präsentiert. Vor allem Mercedes und Ferrari haben viel Arbeit vor sich. Nur Hinterherfahren schadet dem Renommee dieser großen Firmen!