Der Sport – Grantler

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Wochen der Wahrheit für Borussia Dortmund

„Mit uns wird es nicht langweilig“, scherzte Trainer Edin Terzic nach dem 4:2-Sieg gegen den Namensvetter aus Mönchengladbach, nachdem es noch einmal gut gegangen war. Dadurch war auch die Stimmung bei der Mitgliederversammlung tags darauf gelöst und gelassen. Nach 28 Minuten beim Spiel am Samstag hatte es noch anders ausgeschaut, Gladbach führte mit 2:0 und bei Dortmund gingen die Köpfe nach unten. Marcel Sabitzers Tor zwei Minuten später leitete allerdings die Wende ein und Schwarz-Gelben zeigten ihr Talent als Comebacker: Sie holten bereits elf Punkte nach einem Rückstand, besser machte es in dieser Saison nur der FC Augsburg mit zwölf. Das gibt also Hoffnung, Borussia-Boss Hans-Joachim Watzke stellte dann auch Optimismus in den Vordergrund: „Wir hätten uns zwei, drei Punkte mehr erhofft, vor einem Jahr hatte der Spitzenreiter 26 Punkte, da wäre wir nur zwei dahinter.“ Watzke gestand, „in den letzten Wochen war nicht alles gut“ und legte den Fokus auf den Rest des Jahres: „Wir haben in den kommenden Wochen viel Zeit und viele Möglichkeiten, das Bild zu verbessern.“

In der Tat steht die Borussia vor den Wochen der Wahrheit. Bis Weihnachten folgt ein volles Programm mit entscheidenden Spielen in allen Wettbewerben, da geht es darum, was im Frühjahr überhaupt noch möglich ist. Eigentlich befindet sich Dortmund schon in einer entscheidenden Woche mit den Duellen beim AC Mailand (Dienstag, 21.00 Uhr) in der Champions League und am Sonntag (17.30 Uhr) in Leverkusen. Da geht es um das Überwintern in der CL und um eine Weichenstellung in der Bundesliga. Watzke lobt den Tabellenführer („Die machen das außerordentlich gut“), stachelt seine Mannen aber an: „Es wäre toll, wenn wir sie stoppen könnten“. Dann wäre viel gewonnen, aber noch nicht alles, es folgen die Aufgaben im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart (Mittwoch, 6. Dezember, 20.45 Uhr), der nächste Bundesliga-Schlager gegen RB Leipzig (Samstag, 9. Dezember, 18.30 Uhr) und der CL-Abschluss gegen Paris St. Germain (Mittwoch, 13. Dezember, 21.00 Uhr). Ein Höhepunkt nach dem anderen. Mal sehen, wie die Stimmung danach ist…

Beste Stimmung herrscht natürlich in Leverkusen, Bayer befindet sich auf Rekordkurs und hat immer was zum Feiern, so diesmal den 42. Geburtstag von Erfolgstrainer Xabi Alonso, an dem Geschenk in Form eines 3:0-Sieges in Bremen wurde nicht gezweifelt. Die Torfabrik läuft, die Abwehr steht sicher, Leverkusen ist die erste Mannschaft, die in den ersten zwölf Spielen zumindest immer zwei Tore geschossen hat! Die Bayern halten also nicht alle Rekorde und Alonso könnte mit seinem Team auch den erfolgreichsten Start aller Zeiten von Pep Guardiola übertreffen. Dennoch bleiben sie in Leverkusen nüchtern und zurückhaltend, als wollten sie dem Erfolg nicht trauen.

In München wird natürlich verstärkt nach Leverkusen geschaut und darauf gehofft, dass Bayer seiner Rolle als Vizekusen gerecht wird. Bayern nicht Tabellenführer, da ist die Stimmung nicht so gut wie am Rhein, aber die Bilanz kann sich sehen lassen: Die Bayern sind ebenfalls noch ungeschlagen, haben nach dem sechsten Sieg in Folge 32 Punkte und sind noch nie so gut gestartet seit der Saison 2015/16, damals unter Pep Guardiola (siehe oben, mit Alonso als Bayern-Spieler!). Pep wurde gefeiert, Thomas Tuchel gilt eher als Griesgram und muss sich gegen Kritik wehren. Wieder machte er Schlagzeilen, weil er beim 1:0-Sieg in Köln keinen einzigen Wechsel vornahm, das gab es in München seit van Gaal am 11. Dezember 2010 nicht mehr! Tuchel hatte allerdings eine gute Begründung: „Die Mannschaft hat das Spiel gut kontrolliert, das wollte ich nicht stören. Ich habe gefühlt, das muss so sein.“ Das Tor erzielte natürlich wieder einmal Harry Kane, es war sein 18. Treffer im 12. Spiel, damit löste er Gerd Müller (17) als Rekordmann ab.

Dumm aus der Wäsche geguckt haben die Spieler beim Aufwärmen, die auf ihren Einsatz gehofft hatten. So vor allem Thomas Müller, der immer mehr in den Blickpunkt rückt, weil er nur wenige Einsatzminuten erhält. Geht seine Zeit bei den Bayern zu Ende? Man kann es sich nicht vorstellen, bei seiner Verbindung zu den Bayern und der privaten Situation als Pferdestallbesitzer. Aber er möchte noch bis 2025 spielen, aber wahrscheinlich nicht auf der Bank sitzen. Vielleicht gibt es für ihn und Torhüter Manuel Neuer in den Tagen vor dem Fest noch ein Weihnachtsgeschenk in Form der Vertragsverlängerung. Am Mittwoch in der CL gegen Kopenhagen dürfte ein Einsatz winken, der Trainer klagte ja über die große Belastung seiner Spieler und da ist für den einen oder anderen Schonung angesagt. Das Achtelfinale ist ja schon perfekt.

Unions neue Hoffnung

Die Bundesliga wird immer mehr zweigeteilt, keine Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte konnte am 12. Spieltag gewinnen, alle traten praktisch auf der Stelle bei vier Unentschieden (dreimal 1:1, einmal 0:0). Am meisten wurde der Punktgewinn bei Union Berlin gefeiert, es war schließlich der erste Zähler nach einer Niederlagenserie. Das Tor zum 1:1 von Volland gegen Augsburg fiel zudem spät in der 88. Minute. Interimstrainer Marco Grote geht dennoch ab sofort zurück zur U19. Beim Nachfolger für Urs Fischer sorgte Union für eine Überraschung, mit dem relativ unbekannten Kroaten Nenad Bjelica hat keiner gerechnet, sogar Spaniens Star Raul war im Gespräch. Nun soll Bjelica den Klassenerhalt schaffen, bis Oktober arbeitete er zuletzt bei Trabzonspor Istanbul, war vorher in Österreich und in seiner Heimat erfolgreich. Marie-Louise Eta bleibt Co-Trainerin und damit weiter die einzige Frau in der Bundesliga. Die erste Aufgabe wird schwer für den neuen Coach, es geht am Samstag zu den Bayern. Wichtiger sind die weiteren Spiele bis zum Jahresende (bisher 7 Punkte): Gladbach (H), Bochum (A) und Köln (H). Überhaupt stehen im Dezember wichtige Duelle im Abstiegskampf an. Schlusslicht Köln (6 Punkte): Darmstadt (A), Mainz (H), Freiburg (A) und Union (A). Mainz (8) auf Relegationsplatz16: Freiburg (H), Köln (A), Heidenheim (H), Dortmund (A). 15. Darmstadt (9): Köln (H), Heidenheim (A), Wolfsburg (H, Hoffenheim (A).

Die Klubs hoffen dabei auf mehr Glück als es Schiedsrichter Felix Brych hatte. Deutschlands erfolgreichster Schiri musste ausgerechnet in seinem Rekordspiel vorzeitig vom Platz. Er erlitt beim Spiel Frankfurt – Stuttgart einen Kreuzbandriss als er wegrutschte. Er versuchte es noch einmal, doch die Schmerzen waren zu stark, die Diagnose am Ende ein Schock. So droht eine lange Pause und möglicherweise bleibt es bei den 344 Spielen, die er wie Wolfgang Stark geleitet hat. Mit 48 Jahren hat er die eigentlich vom DFB festgelegte Altersgrenze sowieso überschritten, aber vielleicht kämpft er sich noch einmal zurück für den alleinigen Rekord.

Frauen kämpfen um Olympia

Im Frauen-Fußball sind alle Augen auf das Länderspiel am Freitag in Rostock gerichtet (20.30 Uhr, live im ZDF). Gegen Dänemark muss eine 0:2-Niederlage aus dem Hinspiel wettgemacht werden, um die Chance auf das Olympia-Ticket zu erhalten. Eine schlechte Nachricht hat Interimstrainer Horst Hrbusch schon erhalten, denn Torjägerin Lea Schüller fällt wegen einer Verletzung aus. So muss es jetzt „poppen“, alle Hoffnungen ruhen auf Kapitänin Alexandra Popp, die beim 5:0 von Wolfsburg im Pokal gegen Bremen ihr Comeback feierte und sich treffsicher zeigte. Die deutschen Mädchen müssen aber ihre Bestleistung abrufen und dürfen danach auch am Dienstag, 5. Dezember, in Wales nichts liegenlassen. Werden diese Aufgaben erfolgreich gelöst, folgen im März noch die entscheidenden Play-Off-Spiele der vier Gruppensieger um zwei Olympia-Tickets.

Die Männer werden sicherlich die Daumen drücken, schauen aber vor allem gespannt auf die Gruppen-Auslosung für die Europameisterschaft 2024 am Samstag (18.00 Uhr) in Hamburg. Alles über die Nationalmannschaft und die Auslosung im nächsten Blog „Der DFB, Nagelsmann und Probleme ohne Ende“.

Der DFB, Nagelsmann und Probleme ohne Ende

Das kann ja heiter werden, die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland soll wieder ein Sommermärchen, aber der Gastgeber ist nicht in Form und der Bundestrainer ratlos. Märchenhaft ist das nur für die Gäste, die den Titel unter sich ausmachen können. Das Länderspieljahr 2023 wurde zu einem Jahr des Schreckens mit elf Spielen, gerade mal drei Siegen (Peru 2:0, Frankreich 2:1, USA 3:1), zwei Unentschieden und sechs Niederlagen, zuletzt am Dienstag mit 0:2 in Österreich. Die Leistung war dabei so katastrophal, dass es nur Ernüchterung gab, bei den Funktionären, den Spielern und nicht zuletzt beim Bundestrainer selbst. Hätte Julian Nagelsmann nicht gerade erst seinen Job angetreten, wäre das Spiel ein Entlassungsgrund gewesen. So wie es das 1:4 gegen Japan am 9. September in Wolfsburg war, als danach Hansi Flick gehen musste. Im nächsten Spiel coachte Rudi Völler und er brachte seinen Mann die Grundtugenden des Fußballs bei (Abwehrarbeit, Kampf) und es wurde ein 2:1 gegen ein allerdings nicht in Bestbesetzung antretendes Frankreich. An dieses Spiel muss sich jetzt Nagelsmann für seine zukünftige Aufgabe erinnern.

Die Probleme beim DFB sind ja nicht neu. Der DFB war einst ein Vorzeige-Verband, jetzt stürzt von einem Dilemma ins andere. Die Führung steht seit Jahren in der Kritik, da ist von kriminellen Machenschaften die Rede, steht der Verband im Visier der Staatsanwaltschaft, Strafzahlungen und Gefängnis für Funktionäre stehen im Raum. Die Nationalmannschaft taumelt seit fünf Jahren, seit der missglückten WM in Russland 2018 von einer Pleite zur nächsten, drei Trainer haben es nicht geschafft, der Mannschaft wieder den Fußball beizubringen, wie er in der Welt teils geschätzt, teils gefürchtet wird und zuletzt 2014 zum WM-Titel führte. Glorreiche Vergangenheit, sorgenvolle Zukunft – so ist der Stand heute.

Nach der Schmach vom 0:2 Wien hatte auch Julian Nagelsmann den Faden verloren, faselte teils Unsinn in der Öffentlichkeit, brachte aber eines auf den Punkt: Wir brauchen weniger Talent, sondern mehr Arbeiter. Der Anfang für eine Besserung ist gemacht. Andererseits, die Startelf in Wien wies mit über 29 Jahren den höchsten Altersdurchschnitt seit der EM 2000 auf, sie wirkte aber unbedarft wie eine Schülermannschaft. Nagelsmann sieht bei seinem Team „große Stärken, wie Offensivkraft und Spielkontrolle“ doch in Wien wurde nichts davon offenbar, stattdessen sah Nagelsmann „absurde Ballverluste“. Damit hat der Trainer auch eigene Fehler offenbart, er zwang den Spielern ein System auf, das sie nicht beherrschten und das nur zur Verunsicherung führte. Bestes Beispiel ist Kai Havertz als Linksverteidiger. Eine absurde Idee, es sollte Offensivfußball pur werden, damit die Schwächen der Abwehr gar nicht deutlich werden. Dabei gilt die alte Losung, der jetzt wohl auch Nagelsmann nachkommen wird: „Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Titel“.

Der Bundestrainer wünscht sich von seinem Team aber auch eine „Toppklubmentalität“, dabei hat es den Anschein, dass es in der Mannschaft nicht stimmt, dass keine richtige Gemeinschaft auf dem Platz steht. „Die wird im Hotel deutlich, warum nicht auf dem Feld“, hadert Nagelsmann. Aber warum kämpft keiner für den anderen, warum stellte Kapitän Gundogan seinen Vize Kimmich bloß, als er Rüdiger die Binde überstreifte, als er ausgewechselt wurde. Aber gerade die drei Führungsfiguren stehen sinnbildlich für die Krise: Sie bringen im Nationaldress nicht die Leistung wie im Vereinstrikot. Rüdiger fehlerhaft, unsicher, Gündogan nicht der Taktgeber, Kimmich verloren im eigenen Ehrgeiz alles machen zu wollen, am Ende gelingt nichts. Außer Torhüter Kevin Trapp brachte kein Spieler seine normale Leistung, bezeichnend auch, die laienhaften Fehler von Tah und Hummels vor den Gegentoren. „Wir werden bis zur EM keine Abwehrmonster bekommen“, klagt Nagelsmann, als wenn er vorsorgen wollte, dass wir mit Niederlagen leben müssen. Gewinner waren die, die nicht gespielt haben oder nicht dabei waren, wie Pascal Groß und Jamal Musiala oder die Mittelfeldkämpfer Grischa Prömel und Rani Khedira.

Die deutschen Fußballfans können sich noch am Vereinsfußball erfreuen, aber mit Spannung werden sie doch auf die Auslosung der EM-Gruppen am Samstag, 2. Dezember, ab 18.00 Uhr in der Elbphilharmonie in Hamburg schauen. Österreich als Gruppengegner ist ja fast gewiss nach der Pleite, es können aber zudem noch die Niederlande und Italien werden, weil sich die Zusammensetzung der Ziehungstöpfe nach den letzten Leistungen richtet. So befindet sich zum Beispiel Albanien in Topf 2 und Italien in Topf 4. Deutschland als Gastgeber ist in Topf 1 (nicht nach Leistung!) gesetzt und kommt in die Gruppe A mit dem Eröffnungsspiel in München.

So sehen die Lostöpfe aus: Topf 1: Deutschland, Belgien, England, Frankreich, Portugal, Spanien. – Topf 2: Albanien, Dänemark, Österreich, Rumänien, Türkei, Ungarn. – Topf 3: Kroatien, Niederlande, Schottland, Slowakei, Slowenien, Tschechien. – Topf 4: Italien, Serbien, Schweiz, dazu die drei Play-Off-Sieger.

Für die Play-Offs haben sich sechs Nationen aus der Qualifikation und der Nations League qualifiziert. Es gibt drei Strecken, die Finalsieger sind bei der EM dabei: Eins: Polen – Estland und Wales – Finnland + Finale der Sieger. Zwei: Israel – Island und Bosnien-Herzegowina – Ukraine + Finale der Sieger. Drei: Georgien – Luxemburg und Griechenland – Kasachstan + Finale der Sieger. Gespielt wird im März.

Die deutsche Nationalmannschaft trifft sich auch wieder im März, Testspiele gegen Frankreich und die Niederlande (wenn nicht Gruppengegner) sind vereinbart. Bis dahin sollte Julian Nagelsmann die richtige (einfache) Taktik und einen ausgewogenen Kader gefunden haben. Ansonsten bleibt es bei Problemen ohne Ende. Unmittelbar vor der EM trifft sich die Mannschaft in Herzogenaurach zum Trainingslager wo es weitere zwei Testspiele geben soll.

Nagelsmann bezahlt Wortbruch mit Niederlage

Bei seinem Start als Fußball-Bundestrainer schaffte es Julian Nagelsmann auf der USA-Tour, dass rund um die gebeutelte Nationalmannschaft nach dem 3:1 gegen die USA und 2:2 gegen Mexiko wieder ein bisschen Euphorie aufkam oder sagen wir vorsichtig positive Stimmung. Offensichtlich ist ihm dieser Auftakt mit viel Lob zu Kopf gestiegen, in seinem Eifer fand er zurück zu seinen komplizierten taktischen Einfällen, die schon in München moniert wurden. Als er sein Amt antrat, sprach er davon, dass er einfachen Fußball spielen lassen wolle, für komplizierte taktische Veränderungen fehle es bis zur Europameisterschaft im nächsten Jahr an Zeit.

Beim Spiel gegen die Türkei am Samstag in Berlin beging er allerdings Wortbruch. „Wie kommt er denn auf diese Idee?“, hat sich mancher gefragt, als in der Aufstellung Offensivkraft Kai Havertz als linker Außenspieler auftauchte. War nicht die Rede davon, dass der Schwerpunkt der Arbeit auf mehr Sicherheit in der Abwehr ausgelegt war? Und jetzt ein Stürmer als, na ja, Verteidiger? Havertz sollte der Joker auf der Außenbahn sein, zudem als verkappter Zehner operieren, der Rest der Abwehr (Rüdiger, Tah, Henrichs) bildete eine Dreierkette, die eigentlich ad acta gelegt wurde, auf dem Papier war es ja mit Havertz eine Viererkette. Kompliziert, statt Sicherheit auszustrahlen glich die Abwehr einem Hühnerhaufen. Henrichs hatte mehrere Aufgaben: Abwehr, Sané außen unterstützen, ins Mittelfeld vorrücken – es waren zu viele Jobs, die Lücken wurden auf der rechten Seite zu groß, zumal Leroy Sané Abwehraufgaben nur zögerlich nachkam. Plan gescheitert.

Dabei fing alles so schwungvoll an, als wollte die Mannschaft die Sterne vom Himmel holen. Sané wirbelte, Havertz traf, der verletzte Musiala wurde nicht vermisst. Nach 20 Minuten war alles vorbei, kein Stern mehr zu sehen, der Himmel verdunkelte sich, Lethargie griff um sich. Eine Ansammlung von großen Talenten ließ den Biss vermissen, lud die Türkei zu Toren ein. Einfaches Mittel, das gegen Deutschland immer wirkt: Lange Bälle. Am Ende stand ein 2:3. Weil die Entscheidung durch einen zu harten Handelfmeter fiel, nach einen unglücklichen Ball an den Arm von Havertz, wollte Julian Nagelsmann nicht von einer Niederlage sprechen: „Für mich war es ein Unentschieden“. Und bockig wie ein kleines Kind im Sandkasten betonte er „Havertz war Weltklasse, einer unserer besten Spieler“ und – oh Schreck – es sollte kein Experiment sein, sondern Standard werden. Nagelsmann sollte sich mal die letzten Spiele anschauen und den 2:1-Sieg gegen Frankreich, den Rudi Völler als Aushilfe verantwortete. Sein Motto: Einfach spielen, zurück zu den Basics. Das hatten die Spieler verstanden.

Vor dem letzten Länderspiel in diesem Jahr am Dienstag in Wien gegen Österreich werden im deutschen Trainerteam die Köpfe rauchen, man darf gespannt sein, was rauskommt, es sollte nur nicht zu kompliziert sein, am besten im wahrsten Sinne des Wortes einfach gewinnen. Zumal der Trainer sowieso verschiedene Baustellen hat. Womöglich ist das Mittelfeldproblem größer als die Außenbahnen. Das Duo Gündogan/Kimmich passt einfach nicht zusammen, sie lieben die gleichen Spielweise, sind nach vorne orientiert und sorgen keineswegs für Sicherheit. Da muss halt Joshua Kimmich in den sauren Apfel beißen und rechter Verteidiger spielen, Benjamin Henrichs dafür links und schon haben wir eine funktionierende Viererkette (mit zwei Innenverteidigern). Und Kimmich darf gern durch Pascal Groß ersetzt werden, der die Aufgabe des Abräumers intus hat. Davor hatte ja Nagelsmann eine gute Idee mit dem System 4-2-2-2 mit Musiala und Wirtz als offensive Wirbler und Sané/Füllkrug vorn. Daran sollte der Bundestrainer einfach festhalten und keine taktischen Irrwege beschreiten. Nur dann kann er die derzeit absurden Träume von seinem Präsidenten Bernd Neuendorf verwirklichen, der von EM-Euphorie faselte und davon sprach, „dass Deutschland natürlich ins EM-Finale kommen müsse“. Die Türken, eigentlich nur Mittelklasse in Europa, gewannen erstmals wieder nach 72 Jahren in Deutschland, sind bei der EM auch dabei, feierten aber schon in Berlin ein Fest und machten die Begegnung zu einem Heimspiel. Sie zeigten die Emotionen, die Team und Fans in Deutschland fehlen.

Mehr zur Nationalmannschaft im Laufe der Woche mit einer Bilanz nach dem Vergleich in Österreich.

Jahresendspurt in der Bundesliga

Am kommenden Wochenende steht wieder die Bundesliga im Mittelpunkt, die zum Jahresendspurt ansetzt, der ziemlich stressig wird. Fünf Spieltage gibt es noch in den vier Wochen bis Weihnachten, dabei geht die Vorrunde aber erst zum Neustart am 12. – 14. Januar 2024 mit dem 17. Spieltag zu Ende. Das Restprogramm hat es aber in sich, so stehen brisante Duelle der Spitzenmannschaften an, vor allem der VfB Stuttgart muss sich beweisen, ob er wirklich eine Spitzenmannschaft ist. Er trifft nämlich auf das Führungsduo, am 10. Dezember gegen Leverkusen und sieben Tage später geht es nach München. Bereits am 3. Dezember gibt es das Duell Leverkusen – Dortmund, die Woche darauf folgt Dortmund – Leipzig. Bayern München bestreitet den Auftakt am Freitag in Köln und ist darüber gar nicht glücklich, weil fast alle Spieler mit ihren Nationalteams unterwegs waren und einige erst am Donnerstag wieder zurückkommen. Da hätte man wirklich auf eine Ansetzung der Bayern für Freitag verzichten können.

Am Wochenende steht aber erst einmal das untere Tabellenende im Vordergrund, so vor allem Schlusslicht Union Berlin, das am Samstag beim Spiel gegen Augsburg erstmals nach einer erfolgreichen Ära nicht von Urs Fischer betreut wird. Zum Wochenanfang einigten sich Verein und Trainer gemeinsam auf ein Ende des Vertrages. Von beiden Seiten wird betont, dass es sich keineswegs um eine Entlassung oder einen Rücktritt handelt, sondern um eine gemeinsame Entscheidung, eine sauberer Trennung gibt es also nicht. Der Schweizer führte Union in die Bundesliga und war jedes Jahr Stück für Stück erfolgreicher bis zur Champions League. Doch in dieser Saison war plötzlich der Wurm drin, eine Rekord-Niederlagenserie bedeutete das Ende. Zunächst hat U19-Coach Marco Grote als Interimslösung übernommen, ihm zur Seite steht Marie Louise Eta, die am Samstag die erste Trainerin in der Bundesliga sein wird. Es wird sich zeigen, ob es ein neues Union geben wird. Bedeutend im Abstiegskampf aber auch das Duell Heidenheim – Bochum, Darmstadt und Mainz werden in Freiburg bzw. bei Hoffenheim von Mannschaften geprüft, die nach Europa schielen.

Nach Europa schielen auch die Frauen bzw. eben Eintracht Frankfurt und Bayern München, die in der Champions League vertreten sind. Frankfurt feierte mit dem 2:1-Sieg gegen Rosengard einen erfolgreichen Einstand, hat aber jetzt am Mittwoch (21 Uhr) mit Titelverteidiger FC Barcelona die schwerste Aufgabe überhaupt vor sich. Kaum leichter wird es am Donnerstag (18.45 Uhr) für die Bayern beim Spitzenteam von Paris St. Germain. Mit einem Patzer sind die Münchnerinnen in der Hammergruppe gestartet, haben gegen AS Rom beste Chancen liegen lassen und mussten sich am Ende mit einem 2:2 begnügen, was die Ausgangsposition wesentlich verschlechtert. Die Sache wird auch dadurch nicht leichter, dass Paris bei Ajax Amsterdam überraschend 0:2 unterlag.

In der Frauen-Bundesliga geht es erst am 8. Dezember wieder weiter, nächste Woche stehen die letzten Olympia-Qualifikationsspiele für die Nationalmannschaft an. In der Bundesliga konnten die Bayern mit einem glanzlosen 2:0 in Bremen den Platz an der Sonne erfolgreich verteidigen, Wolfsburg bleibt der schärfste Verfolger, aber das 2:0 (ohne Popp) gegen Duisburg war nicht besser. Team der Stunde ist die SGS Essen, die mit einem 3:0-Sieg bei Hoffenheim zu den Spitzenteams aufschloss und mit je 14 Punkten zusammen mit Hoffenheim und Frankfurt das Verfolgerfeld des Führungsduos bildet, dazu darf man auch noch Bayer Leverkusen (13) zählen, das aber mit dem 1:1 gegen Neuling Leipzig an Boden verlor.

Der Skisport auf den Spuren von Infantino

So lieben wir den Winter: Verschneite Landschaften, die Ruhe ausstrahlen und ein Bild der Unschuld darstellen. Das Gegenteil davon sucht der Wintersport bei den Profis. Da geht es um Werbung, Gewinnmaximierung und Aufmerksamkeit. Hier für einen steten Aufwärtstrend zu sorgen, wird immer schwieriger, deshalb werden die Ideen immer ausgefallener und rücksichtsloser. Die Grenze ist nicht nur erreicht, sie ist sogar schon überschritten. Auf die Sportler wird dabei genauso wenig Rücksicht genommen, wie auf die Fans und – die Natur.

Mit dem seit Juni 2021 amtierenden schwedisch-britischen Geschäftsmann Johan Eliasch als FIS-Präsidenten befindet sich der Skisport auf den Spuren vom größenwahnsinnigen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Korruption zu seinen Gunsten hat Eliasch allerdings nicht nötig, angeblich ist der einstige CEO der Skifirma Head Milliardär und gehört zu den reichsten Menschen in Großbritannien. Was ihm vielleicht fehlt, ist die Aufmerksamkeit und öffentliche Anerkennung, er will im Mittelpunkt stehen. Höhepunkt seiner wahnwitzigen Ideen ist eine Abfahrt am Matterhorn von Zermatt nach Cervinia, von der Schweiz nach Italien. Am ersten Wochenende hat sich die Natur gewehrt, zu viel Schnee, zu starker Wind. Jetzt sind die Frauen dran, haben vielleicht die Ehre der Premiere, die Wettervorhersagen sind so, dass die Abfahrten am Samstag und Sonntag stattfinden können. Dabei startet die Skisaison sowieso schon spektakulär und zu früh, nämlich im Oktober auf dem Gletscher in Sölden. Auch das ist eine reine PR-Aktion, um die Skifans auf die neue Saison aufmerksam zu machen und den Umsatz der Ski-Industrie anzukurbeln. Auch da wehrte sich die Natur, der Wettbewerb der Männer musste abgebrochen werden. Dass die FIS auf den Klimawandel keine Rücksicht nimmt, zeigt sich auch daran, dass in der Saison zweimal in die USA und Kanada geflogen wird, zu Beginn der Saison und wieder am Ende. Unsinnig!

Die Wintersportverbände haben mit dem Klimawandel sowieso ihre Probleme, die Angst geht um, dass der Wintersport überhaupt aussterben könnte. Skispringen auf Kunststoffmatten ist möglich, aber ebenso wenig Wintersport, wie Langlauf und Biathlon auf Rollern, wie jetzt schon im Sommer. Bei einigen Verbänden schrillen schon die Alarmglocken, so fehlen bei Rodel und Bob die Wettkampfstätten, neue werden kaum gebaut werden. So ist auch noch offen, wo die Wettbewerbe in der Eisröhre bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina D’Ampezzo stattfinden werden. Aber die Weltverbände nehmen auch keine Rücksicht, so startete die Bob-Saison ausgerechnet in China, doch für die Frauen-Rennen meldeten nicht genug Nationen – abgesagt. Welch eine Ohrfeige.

Die Männer-Wettbewerbe fanden statt und begannen mit einem Doppelsieg des deutschen Duos Johannes Lochner und Francesco Friedrich. Das macht dann wieder Lust auf mehr, wobei die deutschen Athleten ihre Fans mit Ausnahme von Bob und Rodel wahrscheinlich nicht mit allzu vielen Siegen verwöhnen werden. Beim alpinen Skisport sind die Kandidaten fast an einer Hand abzuzählen, Lena Dürr beeindruckte mit zwei Podestplätzen bei den Slaloms in Lappland, Kira Weidle will endlich einen Weltcupsieg in der Abfahrt, den strebt auch Thomas Dreeßen bei den Männern an und Linus Straßer will im Slalom auf den Spuren des erfolgreichsten deutschen Skifahrers Felix Neureuther wandeln.

Beliebt beim Fernsehpublikum sind vor allem Skispringen (in erster Linie die Vierschanzentournee) und Biathlon. Bei den ersten Winterwettbewerben waren ARD und ZDF noch nicht dabei, am 25. November beginnt für sie die Wintersaison erst richtig, dann wird von 10.00 bis 18.00 Uhr wieder acht Stunden lang übertragen, die Einschaltquoten sind dabei höher als bei den sonstigen alltäglichen Sendungen. Im Skispringen greifen vor allem die Frauen nach dem Sieg, Katharina Schmid (geb. Althaus) ist das Aushängeschild, Selina Freitag will ebenfalls vorne mitmischen. Unruhe gab es vor dem Saisonstart, weil Bundestrainer Maximilian Mechler kurzfristig vom Amt zurücktrat. Jetzt wird der bisherige Co-Trainer Thomas Juffinger die Frauen betreuen. Bei den Männern ruhen die Hoffnungen auf Karl Geiger und Andreas Wellinger. Der Dritte im Bunde, Markus Eisenbichler, hat seine Form noch nicht gefunden und wurde in den B-Kader versetzt. Die Männer starten in Kuusamo in Finnland, die Frauen Anfang Dezember in Lillehammer.

Für die Biathleten geht es am 25. November in Östersund in Schweden los. Zur Einführung am ersten Wochenende die Mixed-Staffeln, danach geht es ab Mittwoch, 29. November, richtig los. Im deutschen Team wird die Siegläuferin fehlen, denn Denise Herrmann-Wick hat ihre Karriere beendet. Ein neues Aushängeschild, sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen, wird gesucht. „Anführer“ bei den Männern ist Routinier Benedikt Doll, der 33-jährige wird nach dieser Saison seine Karriere allerdings ebenfalls beenden. Bei den Frauen könnte Franziska Preuß bei ihren Comeback die neue Anführerin werden und auch um Siege mitkämpfen, wenn sie gesund bleibt. Die Hoffnungen für die Zukunft ruhen auf der fünfmaligen Juniorinnen-Weltmeisterin Selina Grotian, die jetzt im Weltcup starten darf. Mit spannenden Rennen und starken deutschen Leistungen soll das Interesse am Biathlon erhalten bleiben, im Januar wird dann auf deutschem Boden in Oberhof und Ruhpolding gestartet.

Egal, ob Ski alpin, Ski nordisch oder Biathlon, schöne Bilder sind garantiert und die Sportfans können Winternachmittage am Fernsehen verbringen, wenn es draußen ungemütlich ist. Für Spannung wollen auch die Eis-Verbände sorgen, egal ob Schnelllauf, Kunstlauf oder Rodel und Bob. Der Winter kann kommen, die Verbände hätten es aber nicht nötig, für Theater nach dem Vorbild des Fußball-Bosses zu sorgen. Aber auszuschließen ist nicht, dass irgendwann der Weltcup-Zirkus auch in Katar oder Saudi-Arabien Station macht, mit künstlichem Schnee in der Wüste. Nur schöne Winterbilder gibt es dann nicht.

Chaoten trüben den Spaß am Fußball

Fußball soll eigentlich Spaß machen, die Spiele im besten Fall Familien zu einem Ausflug locken, nur so lässt sich unter anderem die Popularität des Fußballs erklären. Allerdings hat der Spitzenfußball nicht nur in Deutschland ein Problem: Chaoten trüben immer wieder den Spaß am Spiel. Unter die Ultras, die sich fälschlicherweise als einzige echte Fans verstehen, mischen sich immer wieder Schlägertrupps, die den Fußball als Bühne für gewalttätige Auseinandersetzungen nutzen, sich gern mit verfeindeten Schlägern anderer Klubs zu „Kämpfen“ verabreden. Sie suchen zum Teil bewusst die Auseinandersetzung mit der Polizei, so wie jetzt bei St. Pauli und in Köln, als schwarz gewandete Trupps Randale machten. Selbst Nachwuchsspiele werden für als Anlass für Schlägereien benutzt.

Die Ultras sind stolz auf ihre „Shows“ mit Pyrotechnik in den Stadien, Unbelehrbare werfen manchmal Feuerwerkskörper Richtung Spielfeld ohne Rücksicht auf die Gesundheit der anderen Zuschauer. Die Vereine werden zwar zu hohen Strafen verdonnert, tun aber zu wenig, um diesen Unsinn der Chaoten wirklich abzustellen. Einen Höhepunkt lieferten Knallkörper-Irre in Augsburg, als offensichtlich Eigenbauknaller aus dem Hoffenheimer Block auf das Feld geworfen werden sollten, aber im Sitzplatzbereich der eigenen Anhänger landeten. Viele sprechen davon, dass sie noch nie so einen lauten Knall in einem Stadion gehört hätten.13 Verletzten werden inzwischen gemeldet, darunter auch Kinder, sie leiden vor allem unter einem Knalltrauma. Zum Glück konnte die Polizei zwei Verdächtige in Untersuchungshaft nehmen, sie sollen 28 Jahre alt sein und aus Göppingen in Baden-Württemberg stammen. Hoffenheim distanzierte sich deutlich und der Fan-Club beteuerte, dass er mit dieser Sache nichts zu tun habe. „Da muss sich ein Idiot eingeschmuggelt haben“, hieß es. Aber nur weil Pyro und Feuerwerkskörper an der Tagesordnung sind, kommen Chaoten auf diese Idee. Die Vereine müssen endlich für Ordnung zu sorgen, damit auch die Bundesliga weiterhin ein Vergnügen für Familien bleiben kann. Ein Ausweg kann möglicherweise die oftmals schon diskutierte gezielt abgebrannte Pyro-Show unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen sein.

Leverkusen vor Rekord – Bayern mit Rekordbilanz

Den Spaß am Fußball dürfen wir uns aber nicht verderben lassen und die Bundesliga bietet zwar nicht für alle Vereine Spaß (siehe zum Beispiel Union Berlin), aber sie bietet beste Unterhaltung. Dies gilt derzeit vor allem für Bayer Leverkusen, das sich auch von Union Berlin nicht aufhalten ließ und mit dem 4:0-Sieg und mit 31 Punkten in elf Spielen hat Trainer Xabi Alonso den Startrekord von Pep Guardiola mit den Bayern aus der Saison 2015/16 eingestellt. Ein Extra: Alonso spielte damals unter Pep in München und hat viel gelernt! Leverkusen spielt begeisternden Fußball und in zwei Wochen in Bremen könnte ein neuer Rekord fällig werden.

Die Bayern sind als Zweiter mit 29 Punkten vorerst zufrieden, doch natürlich ist der zwölfte Titel in Folge das Ziel. Die Tore dazu soll Harry Kane liefern, der sich in Richtung neuer Torrekord ballert, den Robert Lewandowski mit 41 Treffern hält. Kane hat jetzt 17 nach elf Spielen und bildet mit Leroy Sané das neue Bayern-Traumduo. Thomas Müller war Lewandowski Zulieferer, spielt jetzt aber keine große Rolle mehr. Allerdings bleibt er noch ruhig, obwohl ihm Trainer Thomas Tuchel nur wenige Spielminuten einräumt. Rekordzahlen meldeten die Bayern bereits bei der Jahreshauptversammlung in finanzieller Hinsicht. Der Umsatz steigerte sich nach dem Corona-Tief auf den neuen Rekord von 854,2 Millionen Euro, nach Steuern blieb ein Gewinn von 35,7 Millionen, das Eigenkapital steigerte sich auf 536 Millionen (nicht mit Festgeld zu verwechseln). Zum Vergleich: Dortmund hatte zuletzt einen Umsatz von 418,2 Millionen Euro. Bayern-Präsident Herbert Hainer vermeldete bei der ruhigen Versammlung außerdem stolz: „Der Transfer von Harry Kane (die 100.000 Millionen Ablöse spielen erst in der nächsten Bilanz eine Rolle) hat sich sportlich und finanziell gelohnt.“ Kane sorgt für internationales Interesse und bereits am ersten Wochenende hat Bayern 20.000 Kane-Trikots verkauft!

Kane trifft weiter, aber auch Serhou Guirassy ist wieder da und verschaffte mit seinem Elfmetertor (vorher gab es drei Nieten!) seinem VfB einen 2:1-Sieg im Verfolgerduell über Borussia Dortmund. Das Ergebnis war hochverdient für die Stuttgarter, die das Überraschungsteam bleiben, gegen einen enttäuschenden Gegner. Bester Dortmunder war Torhüter Gregor Kobel, der aber zwei Elfmeter verschuldete! Die Borussia hinkt mit zehn Punkten Rückstand auf Leverkusen den Erwartungen weit hinterher, kein Wunder, dass immer mehr Zweifel an Trainer Edin Terzic laut werden. Auch Coach Niko Kovac gerät in Wolfsburg in die Kritik, er rotiert sein Team offensichtlich in die Krise, seit fünf Spielen warten die Wölfe auf einen Sieg. Sie waren mit Europacup-Ambitionen gestartet und versinken immer mehr im Mittelfeld.

Am Tabellenende rangieren weiterhin die Klubs der Kulttrainer, wobei Steffen Baumgart nach dem 1:1 in Bochum die rote Laterne an den Kollegen Urs Fischer abgeben konnte. Union war in Leverkusen ohne Chance, was erwartet worden war, obwohl ein 1:1 in der Champions League bei Italiens Meister SSC Neapel Auftrieb geben sollte. Die Niederlagenserie aller Pflichtspiele war beendet, aber die in der Bundesliga mit jetzt neun an der Anzahl bleibt. Übrigens: Die beiden Schlusslichter haben nach der Länderspielpause nacheinander Bayern München als Gegner. Erst Köln, dann Union, das sich nach Tagen der Erholung und Besinnung Hoffnung macht, voher am 25. November gegen Augsburg Punkte einzufahren. Allerdings ist der FCA unter dem neuen Trainer Jess Thorup seit vier Spielen ungeschlagen.

Bei den Frauen gilt es

Jetzt geht es auch bei den Frauen in der Champions League richtig los, allerdings seltsamerweise ohne den bisherigen Stammgast VfL Wolfsburg. Dafür hat es Eintracht Frankfurt neben dem bereits qualifizierten Meister Bayern München geschafft. Start für die Eintracht ist am Dienstag beim FC Rosengaard, außerdem befinden sich der FC Barcelona und Benfica Lissabon in der Gruppe A. Meister Bayern wird am Mittwoch vom AS Rom geprüft und hat mit Ajax Amsterdam und Paris St. Germain weitere hochkarätige Gegner auf dem Weg ins Viertelfinale. Die Generalproben fielen für beide Klubs durchwachsen aus, Frankfurt musste sich mit einem 2:2 gegen Leverkusen begnügen, die Bayern besiegten Schlusslicht Duisburg immerhin mit 2:0, schonten aber dabei ihre Kräfte für die nächsten Aufgaben. Ein Lebenszeichen gab Wolfsburg mit dem 4:0 gegen Freiburg von sich und bleibt den Münchnerinnen dicht auf den Fersen.

Eine große Karriere ging mit einem Schicksalsschlag zu Ende. Amerikas Frauen-Ikone Megan Rapinoe, Vorreiterin als Kämpferin für die Gleichberechtigung, erlitt in ihrem letzten Spiel ihrer Karriere nach drei Minuten bereits einen Achillessehnenriss und musste ausscheiden. Ein trauriger Abschied, dabei sollte das Finale der Nation Women’s Soccer League ihres OL Reign gegen Gotham den glanzvollen Abschluss bringen. Am Ende verlor ihre Mannschaft auch noch mit 1:2.

Nagelsmann hat Pech mit dem Kader

Am Freitag hat Bundestrainer seinen neuen Kader für die letzten Länderspiele des Jahres am 18,. und 21. November gegen die Türkei und in Österreich benannt, aber seitdem hagelt es Absagen und er muss umbauen. Kaum waren die 26 Spieler benannt, musste er die erste Änderung vornehmen, Robin Gosens wird Vater und bleibt zu Hause, dafür kommt der zunächst nicht nominierte David Raum zu Zug. Dann meldete sich Malick Thiaw ab, er wird auch Vater, auf eine Nachnominierung verzichtete Nagelsmann bei noch sechs Kandidaten für die Abwehr. Gleiches gilt im Mittelfeld, wo er auf Chris Führich verzichten muss, der Stuttgarter hat sich eine Erkältung geholt. Absagen musste auch Dortmunds Felix Nmecha wegen muskulärer Probleme, doch dafür gibt der Bundestrainer einem weitere Neuling eine Chance, nämlich Grischa Prömel von der TSG Hoffenheim. Mit der Nominierung der Neulinge Janis Blaswich (Leipzig) im Tor und Marvin Duchsch (Bremen) im Sturm hat Nagelsmann schon für Aufsehen gesorgt. Man sieht, dass er auf der Suche nach geeigneten EM-Kandidaten ist, wobei es spannend wird, wer die Rolle des verletzten Jamal Musiala neben Florian Wirtz übernehmen darf.

Bayern von der Lachnummer zur heißen Nummer

Wer jemandem erklären will, was das Interessante am Fußball ist, der könnte die Woche des FC Bayern München als Beispiel nehmen: Torflut mit dem 8:0 gegen Darmstadt, Pleite im Pokal mit dem 1:2 beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken, Wiederauferstehung mit Glanz und Theater mit 4:0 im „Klassiker“ bei Borussia Dortmund. Fußball-Herz, was willst Du mehr! Viele Fußball-Fans wünschen sich seit langem einen anderen Meister als die Bayern und da steht Bayer Leverkusen mit Trainer Xabi Alonso in den Startlöchern: Nach zehn Spieltagen immer noch ungeschlagen, nur ein Unentschieden (in München, die Bayern zudem in Leipzig), mit zwei Punkten Vorsprung Tabellenführer. Leverkusen bot beim 3:2 gegen Hoffenheim keine Glanzleistung, hat aber, wenn Torjäger Boniface nicht trifft, Verteidiger Alejandro Grimaldo, der zweimal präzise einnetzte. Ein wichtiger Neuzugang, übrigens ablösefrei von Benfica Lissabon gekommen.

Im Mittelpunkt stand aber natürlich der „Klassiker“, den die Dortmunder am liebsten aber vergessen würden. Seit fünf Jahren haben sie zu Hause nicht mehr gegen die Bayern gewonnen und selten standen die Zeichen so günstig wie diesmal. Die Borussia schaute auf eine Serie von 26 ungeschlagenen Pflichtspielen, die Bayern gingen am Stock, lange Verletztenliste, Kimmich gesperrt, Pleite im Pokal. „Bayern als Lachnummer“ spottete Bild angesichts des frühzeitigen Ausscheidens im Pokal und doch wurden die Münchner plötzlich zur heißen Nummer, spielten die Borussia an die Wand, weil auch Upamecano und Goretzka, die aus einer Verletzungspause kamen, groß aufspielten und die Bayern Harry Kane haben. „Wir hatten keine Chance,“ registrierte Borussia-Trainer Edin Terzic resigniert.

Die Dortmunder haben auch keinen Harry Kane. Der Millionen-Mann aus England bleibt der Rekordmann: Wieder drei Treffer, er pulverisiert alle Torrekorde. Kane hilft aber auch hinten aus, glänz zudem als Spielmacher, 15 Tore und 20 Scorerpunkte nach zehn Spieltagen gab es noch nie. „Kane spielt immer“ hatte Trainer Thomas Tuchel gesagt, aber in Saarbrücken auf ihn (angeblich war Kane leicht angeschlagen) verzichtet und prompt gab es eine Pleite. Also: Spielt Kane nicht, gewinnt Bayern nicht. Allerdings war der Bayern-Coach vor und nach dem Spiel auch schuld, dass die Glanzleistung seiner Mannschaft in den Hintergrund rückte. Tuchel nutzte die Interviews zu einer Abrechnung mit den TV-Experten Didi Hamann und Lothar Matthäus, die an Verein und Tuchel kein gutes Haar ließen, von einem zerrütteten Verhältnis zwischen Team und Trainer sprachen, also so richtig draufhauten. Das hielten Tuchels Nerven offensichtlich nicht aus, er keilte zurück, eigentlich unnötig angesichts der Leistung. Aber er hat recht: Die sogenannten Experten sind eine Zeiterscheinung und sie meinen, die alleinige Fußball-Weisheit zu besitzen.

Auch bei anderen Vereinen standen die Trainer im Mittelpunkt. In Mainz funktionierte die einfache Regel, dass der Trainer entlassen werden muss, damit es wieder läuft. Nur Bo Svensson ist nicht irgendwer, er ist eine Vereinsikone und ging unter Tränen, weil er und die Verantwortlichen der Meinung waren, dass nur das hilft. Und es half, U23-Coach Jan Siewert übernahm das Kommando und schon gab es einen überraschenden 2:0-Sieg gegen Favorit Leipzig. Bei Union Berlin will man dagegen weiter an Urs Fischer festhalten, die Erfolgsgeschichte früherer Jahre hallt nach, aber die Niederlagenserie (12 Spiele) will nicht enden, auch gegen Frankfurt (0:3) nicht, doch Fans und Vorstand stehen hinter dem Schweizer. Die Experten wundern sich, sollten aber an Freiburg denken: Dort stand man schon oft in Treue fest zum Trainer und stieg notfalls halt mal ab – dann aber auch wieder auf! Aber so weit muss es bei Union (mit Fischer!) ja nicht kommen.

Keinen Trainerwechsel gab es bisher in Bochum, aber auch mit Thomas Letsch gelang mit dem 2:1 bei Aufsteiger Darmstadt der erste Sieg. Keinen Trainerwechsel gab es bisher auch in Köln, doch die Rheinländer rutschten mit Steffen Baumgart nach dem 1:1 gegen Augsburg ans Tabellenende, weil die anderen siegten. Für Baumgart war weniger seine Mannschaft schuld, auch nicht der Gegner, sondern in erster Linie der Rasen („Eine Katastrophe“). Das war dem neuen FCA-Coach Jess Thorup egal, er blieb in seinen ersten drei Spielen unbesiegt nach dem Motto „man muss auch mit einem Punkt mal zufrieden sein“.

Bundesliga schwächelt im Pokal

Die Bundesliga kann eigentlich zufrieden sein, aber im Pokal erlitt sie einen Imageverlust. Nur sechs Teams aus dem Oberhaus qualifizierten sich für das Achtelfinale, das gab es seit 30 Jahren nicht mehr. Mit Stuttgart – Dortmund und Gladbach – Wolfsburg wurde zudem zwei direkte Duelle gezogen, so dass sich das Feld weiter reduziert. Die zweite Liga ist noch mit acht Klubs vertreten, aber da gibt es gleich drei direkte Duelle (Hertha – HSV, Kaiserslautern – Nürberg, Magdeburg – Düsseldorf). Paderborn muss in Leverkusen antreten und hat damit wohl das schwerste Los, Homburg ist als Viertligist nach dem 2:1 gegen Fürth dabei und trifft nun auf Zweitliga-Spitzenreiter St. Pauli. Bayern-Besieger Saarbrücken bekommt es mit einem anderen Bayern-Sieger zu tun, nämlich Eintracht Frankfurt, das 2018 im Finale gegen die Bayern 3:1 gewann.

Das Schlagerspiel heißt Stuttgart – Dortmund und da gibt es bereits am Samstag einen Test, wenn beide aufeinander treffen. Es ist das Duell der Verfolger des Spitzenduos Leverkusen/München, das sich ein wenig abgesetzt hat. Der VfB bleibt trotz der Niederlage in Heidenheim das Überraschungsteam in der Spitzengruppe, während Dortmund auf Wiedergutmachung aus sein wird und vor schweren Wochen steht. Dienstag geht es in der Champions League gegen Newcastle, am 28. November wartet Mailand und am 3. Dezember folgt das Bundesliga-Schlagerspiel in Leverkusen. Entscheidende Spiele für die Zukunft, was 2024 noch möglich sein wird. In der letzten Runde haben die deutschen Klubs aufgetrumpft, nur Union verlor gegen Neapel (0:1). Auftrumpfen wollen vor allem die Bayern am Mittwoch gegen Galatasaray Istanbul und dabei ihren Rekord verbessern: Seit Dezember 2020 haben sie alle ihre Gruppenspiele gewonnen und überhaupt letztmals vor sechs Jahren verloren (0:3 in Paris)!

Bayern-Frauen Spitze – MVT weg

Im Frauen-Fußball hat sich Entscheidendes getan. Sportlich haben die Münchnerinnen mit einem 2:1-Sieg gegen den heißesten Konkurrenten VfL Wolfsburg die Tabellenspitze übernommen, außerdem wurde bekannt. dass sich der DFB und Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (MVT) endgültig getrennt haben. Eine andere Möglichkeit gab es fast gar nicht, denn das Tischtuch zwischen Mannschaft und Trainerin war seit langem zerschnitten, zahlreiche Spielerinnen haben sich diesbezüglich geäußert. Erstaunlich war nur, dass der DFB die Trennung nicht zügiger über die Bühne brachte. Der Verband machte sowieso Fehler über Fehler, denn vor der missglückten Weltmeisterschaft hat er den Vertrag unnötig mit MVT bis 2025 verlängert. Das kostet nun für den finanziell angeschlagenen Verband eine Stange Geld.

Für die Olympia-Qualifikation steht Horst Hrubesch parat, aber die Aufgabe ist schwer, am 1. Dezember muss gegen Dänemark in Rostock mindestens ein 2:0-Sieg her. Beim Bundesliga-Schlager musste sich Hrubesch leider davon überzeugen, dass seine zahlreichen Wolfsburger Spielerinnen derzeit gar nicht in Form sind. Die Wölfinnen haben zuletzt viele Genickschläge einstecken müssen, so sind sie ja auch in der Champions League ausgeschieden. In München spielten auch Popp und Oberdorf zaghaft, die Bayern beherrschten die erste Halbzeit komplett und hätten außer den Treffern von Bühl und Dallmann höher führen müssen. In der zweiten Hälfte zeigte sich zwar Wolfsburg verbessert, machte es mit dem Weitschuss von Lena Oberdorf noch spannend, weil die Bayern-Mädchen beste Chancen (u. a. Elfmeter) vergaben. Aber ihr Ziel, die Tabellenführung, hatte Bayern erreicht. Linda Dallmann verdeutlichte mit einem Versprecher danach, wie die Stimmung ist: „Wir denken nur von Sieg zu Sieg“. Der sollte am Sonntag gegen Schlusslicht Duisburg möglich sein, wenn der Gegner nicht unterschätzt wird (siehe Pokalpleite der Männer).

Beste Werbung mit Torflut und Rekorden

Die Fußball-Bundesliga kämpft immer darum, international gegenüber den anderen Top-Ligen in Europa nicht den Anschluss zu verlieren. Die Premier League in England schwimmt im Geld, Real Madrid und dem FC Barcelona sind in Spanien Schulden egal, sie locken ebenfalls mit Millionen, Frankreich und Italien können da nicht mithalten, haben aber großzügige Sponsoren wie zum Beispiel Paris St. Germain mit den Scheichs aus Katar. In der Bundesliga gibt es keine Freizügigkeit für Sponsoren, die Regelung 50+1 sorgt dafür, dass der Verein die Entscheidungsfreiheit behält. Doch das kostet finanzielle Unterstützung über einen bescheidenen Rahmen hinaus. Dennoch lässt es sich auch in Deutschland gut leben und mit einer Torflut und einer Reihe von Rekorden machte die Bundesliga am 9. Spieltag beste Werbung für sich, nach dem Motto: Schau an, mit der Bundesliga wirst Du gut unterhalten. Das sollte vor allem auch ein Anreiz für den internationalen Markt sein.

Mit der Torflut waren natürlich nicht alle Vereine glücklich, Darmstadt litt beim 0:8 in München, Köln ging in Leipzig 0:6 unter. Insgesamt fielen in den neun Spielen 42 Tore, da tippt man spontan darauf, dass damit ein neuer Torrekord aufgestellt wurde. Weit gefehlt! In der 60-jährigen Geschichte hält immer noch der 32. Spieltag der Saison 1983/84 den Rekord, damals fielen 53 Treffer! 42 Tore gab es sogar schon an weiteren 12 Spieltagen und im Gesamtranking ist das nur Platz 19! Das ist schon überraschend, hat der Zuschauer doch oft den Eindruck, dass mit Toren gegeizt wird. Noch nie gab es allerdings drei Rote Karten in der ersten Halbzeit wie diesmal in München. Das 8:0 wird also mehrfach in Erinnerung bleiben.

Wenn es um Rekorde geht, sind die Bayern natürlich vorne dran. Mit der Torflut gegen Darmstadt wurden auch neue Bestleistungen erzielt. Noch nie schoss eine Mannschaft in den ersten neun Spieltagen 34 Tore, zum 200. Mal schafften die Bayern in der Bundesliga in einem Spiel mehr als fünf Treffer, Platz zwei hält in dieser Rangliste Borussia Dortmund mit 99 Treffern! Hundert-Millionen-Mann Harry Kane ist sein Geld wert, er glänzt als Spielmacher, mit Toren und mit Vorlagen, diesmal aber auch mit einem Kunstschuss ins Netz aus 55 Metern. Zwölf Tore in seinen ersten neun Bundesligaspielen hat noch keiner vor ihm erzielt, in den letzten sechs Spielen holte er sagenhafte 13 Scorerpunkte und löste den verletzten Stuttgarter Guirassy an der Spitze ab. Aber er ist nicht allein im Verein mit Rekorden, Thomas Müller gesellt sich hinzu, er durfte nach einigen Spielen Pause wieder einmal mitwirken, erzielte prompt das 6:0, gab dazu noch zwei Vorlagen zu Toren und knackte damit in seiner Karriere die Marke von 500 Scorerpunkten (502). Zudem ist er der erste Bayern-Spieler, der in 15 Saisons für den Verein getroffen hat, übertrumpfte die Bayern-Ikonen Gerd Müller, Klaus Augenthaler und Mehmet Scholl (alle 14).

Tore, Tore, Tore – dabei stand eigentlich zunächst ein Torhüter im Mittelpunkt: Nationaltorhüter Manuel Neuer feierte nach fast einjähriger Pause sein Comeback und wirkte, als wäre er nie fort gewesen. Es begann mit einem leichtsinnige Pass auf Joshua Kimmich, der diesen nicht gut aufnahm, bedrängt wurde und den Gegenspieler foulte. Die Rote Karte war die Folge, er fehlt am Samstag beim Schlagerspiel in Dortmund. Neuer aber glänzte wie in alten Zeiten bei einer Eins-Eins-Situation, er ist also wieder da. Ansonsten durfte er Tore bejubeln. Wie wichtig ihm das Comeback war, zeigt sich daran, dass er sein Trikot nicht tauschen wollte, sondern ihm ein besonderen Platz in seiner Sammlung der Erinnerungsstücke geben will.

Aber auch acht Tore reichten nicht, dass die Münchner wieder die Spitze übernehmen konnten. Nur eine Nacht waren sie Erster, dann siegte Leverkusen mit 2:1 gegen Freiburg. Keine Torflut, aber ein Zaubertor von Florian Wirtz mit einem Dribbling mit 14 Ballkontakten. Mit Leverkusen, Bayern und Dortmund sind drei Teams noch ungeschlagen, das gab es auch noch nie. Bayer sorgt dafür, dass die Bayern hinterher hecheln und Harry Kane muss sich wie im falschen Film vorkommen. Er sorgt für Tore, will endlich Meister werden, was mit Tottenham nie klappte. Aber kaum ist er weg, ist Tottenham Tabellenführer in England! Damit der Rückstand gegen Leverkusen nicht größer wird, stehen die Bayern und Dortmund im Zugzwang. Kimmich fehlt, die Borussia hat Verletzungssorgen, die Mannschaftsstützen Kobel und Hummels schieden beim 3:3 in Frankfurt verletzt aus. Zumindest Gregor Kobel, der bestes Torhüter dieser Saison, sollte aber am Samstag wieder spielen können. Die Bayern wiederum hoffen auf Leon Gorotzka als Kimmich-Ersatz. Beim Duell Dortmund – Bayern ist immer was los, insgesamt ist die Bilanz für die Bayern positiv bei 53 Siegen und 30 Unentschieden in 108 Vergleichen, in Dortmund gab es am häufigsten ein Remis (30), Dortmund behielt in 16 Spielen die Punkte, die Bayern entführten sie aber 18mal. In der letzten Saison hieß es 2:2 und 2:4 aus Borussia-Sicht.

Interessant noch eine andere Zahl: Augsburgs 3:2 gegen Wolfsburg war in dieser Saison der erste Sieg eines Teams aus unteren Tabellenhälfte gegen eines aus der oberen und das in 42 Vergleichen! Für den FCA zählte aber vor allem, dass es mit dem neuen Trainer Jess Thorup erstmals zwei Siege in Folge gab. Der Däne hat Augsburg quasi wach geküsst. Am Tabellenende „schlafen“ weiterhin Mainz, Köln und Bochum.

Vor dem 10. Spieltag gibt es Abwechslung durch die 2. Runde im DFB-Pokal. Vier Bundesliga-Duelle stehen an, wobei Titelverteidiger RB Leipzig in Wolfsburg gefordert ist, Dortmund wird von Hoffenheim geprüft. Fraglich ist die Austragung der Partie der Bayern in Saarbrücken. Dort wurde am Sonntag das Spiel gegen Dresden wegen zu viel Regen und Wasser auf dem Platz abgebrochen. Ob der Ludwigspark bis Mittwoch bespielbar wird, ist ungewiss. Bis zur nächsten Runde am 5./6. Dezember haben die Bayern aber keinen Nachholtermin frei.

Frauen stehen doppelt unter Druck

Beim 5:1-Sieg gegen Wales in der Nations League, in der es gleichzeitig um die Olympia-Qualifikation geht, wirkten die deutschen Frauen in der zweiten Halbzeit (4:0) richtig befreit und das trotz des Ausfalls von Kapitän Alexandra Popp. Ihre Vertreterin Lea Schüller glänzte mit zwei Toren, dazu trafen Gwinn, Nüsken und Anyomi. Allerdings bleibt der Druck für die Mannschaft bestehen. Einen Punktverlust dürfen sich die Mädchen nicht erlauben, weil Dänemark in Island mit 1:0 siegte. Dort ist am Dienstag jetzt auch das DFB-Team gefordert, muss allerdings auf Hegering und Anyomi verzichten, die beide verletzt abreisten. Gutes Zeichen: Am 1. September 2018 siegte das DFB-Team im ersten Spiel unter Horst Hrubesch als Interimstrainer in Island mit 2:0. „Island können wir“, meint der Hamburger, der erneut einspringt, beruhigend.

Auf die Stimmung drückt allerdings das Theater um Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die sich offiziell im Erholungsurlaub befindet, aber hinter den Kulissen für Unruhe sorgt, was ihre Zukunft angeht. Aus der Mannschaft mehren sich die Stimmen, die keine Zukunft mit MVT sehen, zumal Interimstrainer Horst Hrubesch wieder für Lockerheit und gute Stimmung im Team sorgte. Beim DFB, der mit der Trainerin nur per Anwalt kommuniziert, muss man endlich für Klarheit sorgen, die nur so ausschauen kann, dass der Vertrag mit Voss-Tecklenburg beendet wird und Hrubesch bis zu Olympia Trainer bleibt, wenn denn die Qualifikation gelingt. Nach den Gruppenspielen muss der Erste zudem noch Play-Offs überstehen, nur zwei Plätze stehen zur Verfügung. Der Druck bleibt.

Die Bundesliga als Billigware?

„Was nix kost, taugt nix“ sagt der Volksmund. Wenn wir das auf die neue Idee bei Fortuna Düsseldorf ummünzen, dann verkommt die Bundesliga zur Billigware, die keinen Anreiz mehr bietet. Das ganze Gegenteil soll allerdings stattfinden und deshalb ist das Experiment in Düsseldorf überaus interessant. Endlich eine neue Idee und wer kann etwas dagegen haben, dass die Zuschauer keinen Eintritt mehr zahlen müssen.

„Fortuna für alle“ heißt die Idee und wurde am Samstag erstmals im Spiel der 2. Bundesliga gegen Kaiserslautern umgesetzt. Der Verein gewann Sponsoren, die mit ihrem Geld für einen Ausgleich der entgangenen Zuschauereinnahmen sorgten. Das Interesse bei den Fans war riesig, die Tickets wurden verlost, besondere Gruppen besonders behandelt und die Dauerkartenbesitzer hatten natürlich Erstzugriff. 33.000 Zuschauer kamen bisher im Schnitt zu den Fortuna-Spielen, 52.000 waren es diesmal und das Spiel machte Lust auf mehr. Die Hausherren holten sich nach einem 0:3-Rückstand noch einen 4:3-Sieg, das Stadion tobte, Herz, was willst Du mehr. Es gab nur zwei Schönheitsfehler, weil die Idioten in den Stadien nicht aussterben. Bei einem Flaschenwurf wurde Lauterns Spieler Ache am Kopf getroffen, ein möglicher Protest von Kaiserslautern steht im Raum. Und die Fortuna-Fans konnten es auch nicht lassen Feuerwerkskörper zu zünden. Schade, das schmälert den positiven Eindruck.

Der Premiere ist insgesamt jedoch gut verlaufen, die Frage bleibt, ob es eine Idee für die gesamte Bundesliga ist. Fortuna-Boss Alexander Jobst sieht hier ein Geschäftsmodell mit gesellschaftlicher Verantwortung, nach dem Motto „Fußball für alle“. Zwei weitere Gratis-Spiele gibt es im Januar gegen St. Pauli und im April gegen Braunschweig. Danach kann man wirklich Bilanz ziehen.

Neuer Trainer, neues Glück

In der Bundesliga stand diesmal nicht die Tabellenspitze, sondern das Tabellenende im Mittelpunkt und da besonders der FC Augsburg, der sich von Platz 15 auf 10 katapultiert hat. Möglich machte dies ein überraschender 5:2-Sieg bei Neuling Heidenheim, der erste Auswärtssieg nach mehr als einem Jahr! Der neue Trainer Jess Thorup hatte also einen perfekten Einstand und es zeigte sich wieder einmal, dass neue Besen gut kehren. Enrico Maaßen wurde wegen Erfolgslosigkeit und fehlender Entwicklung der Mannschaft entlassen, sein Nachfolger musste nur die Hand auflegen und schon klappte das meiste. Allein, dass der FCA nach einem 0:2-Rückstand nach 18 Minuten nicht einbrach, überraschte und gab es zuletzt nie. Das Heimspiel gegen Wolfsburg am Samstag ist plötzlich eines der Tabellennachbarn, allerdings gibt es noch vier Punkte Abstand.

Das Gesetz der Liga, dass bei Erfolglosigkeit der Trainer gehen muss, will Union Berlin nicht anwenden. Urs Fischer verantwortete den Aufstieg der Eisernen, nun soll der Schweizer Union auch aus dem Tal führen. Wundern muss man sich schon, dass aus dem Höhenflug ein Absturz wurde. Ob dies wirklich daran liegt, dass der Verein seinen alten Weg verlassen hat und statt Nobodys mit Bonucci, Gosens und Volland prominente Spieler verpflichtet hat? Die Wahrheit ist, dass es zuletzt acht Niederlagen in Pflichtspielen gab, jetzt ausgerechnet mit 0:3 gegen Stuttgart, dessen Höhenflug wiederum fast ein Wunder ist. Blick zurück: Vor einem Jahr siegte Union 1:0 gegen den VfB, verteidigte am 9. Spieltag seinen Platz an der Tabellenspitze, während Stuttgart mit fünf Zählern am Tabellenende fest hing (16.) und am Ende auch in die Relegation musste, während Union jetzt Champions League spielt. Da ist am Dienstag im Olympiastadion Italiens Meister SSC Neapel nicht unbedingt ein Aufbaugegner. Am Samstag in Bremen muss aber ein Sieg her! Der VfB muss andererseits erstmals mit einem Rückschlag umgehen, Torjäger Serhou Guirassy, der wieder das erste Tor erzielte und mit sagenhaften 14 Treffern die Torschützenliste anführt, fällt mit einer Oberschenkelverletzung vorerst aus.

Es gibt auch ein neues Schlusslicht. Nachdem sich der 1. FC Köln ausgerechnet im Derby gegen Gladbach seinen ersten Sieg holte (3:1) rutschte Mainz 05 ans Tabellenende. Dabei hielt eine Serie, eine endete. Seit 13 Spielen sind die Rheinhessen jetzt ohne Sieg, dreimal gewannen sie zuletzt gegen die Bayern, die trotz Personalmangel diesmal aber trotzten, das 3:1 aber bitter bezahlten. Mit Leon Goretzka (Mittelhandbruch) fällt der nächste Stammspieler aus, die Ersatzbank war so leer wie bei keinem anderen Verein und mit Bouna Sarr kam der seit vier Jahren fleißige Bankdrücker (insgesamt nur 15 Spiele) zu einem Einsatz. Übrigens: Auch in Mainz ist von einem Trainerwechsel keine Rede, am Freitag in Bochum steht beim Vorletzten ein echtes Kellerderby an.

Richten wir den Blick nach oben, das Führungsquartett siegte, überzeugende Leistungen gab es aber selten. Die nächsten Wochen könnten die „Wochen der Wahrheit“ werden, denn wer auf Europas Bühne und im Pokal beschäftigt ist (Bayern, Leverkusen, Dortmund, Leipzig, Frankfurt, Freiburg, Union), hat nur englische Wochen. Die Bayern sind ebenfalls am Dienstag (18.45 Uhr) bei Galatasaray Istanbul gefordert (nur 18 Spieler im Kader) und es dürfte das vorerst letzte Mal sein, dass Sven Ulreich das Tor hütet. Am Samstag gegen Darmstadt soll Manuel Neuer sein Comeback feiern. Für ihn und den Verein nach langer Ausfallzeit ein besonderer Moment.

Irritationen bei den Frauen

Es tut sich was im Frauen-Fußball, wobei es in den letzten Tagen Irritationen auf dem Spielfeld und abseits davon gab. Sportlich erlebte der VfL Wolfsburg eine harte Woche, denn mit einer 0:2-Niederlage gegen FC Paris schieden die Wölfinnen unerwartet in der Champions League aus. Dabei galten sie als einer der Favoriten. Der Titelträger von 2013 und 2014 stand seit 2012 immer zumindest im Viertelfinale, 2016, 2018, 2020 und 2023 zudem im Finale. Logisch, dass die Tränen flossen, dafür fließt kein Geld, nämlich die Antrittsprämie von 400.000 Euro. Beinahe hätte es in der Bundesliga den nächsten Rückschlag gegeben, doch Alexandra Popp rettete mit ihrem Tor in der 89. Minute gerade noch ein 2:2 gegen Verfolger Hoffnheim und damit die Tabellenführung. Das nächste Spitzenspiel steht nach der Länderspielpause am 5. November in München an. Die Bayern sind nach dem 3:0-Sieg in Leipzig Dritter. Der zweite Neuling 1. FC Nürnberg feierte eine Premiere, holte sich mit dem 2:0 in Freiburg seinen ersten Bundesligasieg.

In die Champions League geschafft hat es dagegen Eintracht Frankfurt, für das Sparta Prag (5:0 und 3:0) keine Hürde war. Die Auslosung für die Gruppenspiele ergab nun mit Titelverteidiger FC Barcelona, Benfica Lissabon und FC Rosengaard namhafte Gegner. Die Bayern-Mädchen haben eine „Hammergruppe“ mit Paris St. Germain, AS Rom und Ajax Amsterdam. Erster Spieltag ist am 14./15. November.

Jetzt steht erst einmal die Nationalmannschaft im Mittelpunkt und da gab es Irritationen um die noch amtierende Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Sie und der DFB geben weiter Rätsel auf. Plötzlich ist MVT, wie sie kurz genannt wird, nicht mehr im Krankenstand, sondern im Urlaub. Am Donnerstag hielt sie beim Zahnärztetag in München einen Vortrag mit dem Motto „Formen, um zu performen – mein Change-Management im Frauen-Fußball“. Ein Hinweis auf künftige Funktionärstätigkeiten?

Interims-Bundestrainer Horst Hrubesch wusste am Freitag bei der Bekanntgabe des Nationalkaders nichts von diesem Urlaub bzw. Vortrag. DFB-Präsident Bernd Neuendorf wiegelte ab, „sie soll sich Zeit lassen und erholen“. Dabei warten alle auf eine Entscheidung.

Eine Entscheidung hat Hrubesch im Bezug auf die Mannschaft getroffen, Überraschungen gab es kaum, außer dass die Frankfurterin Kleinherne fehlt. Auf einige verletzte Spielerinnen wie die Müncherin Lohmann oder Stammtorhüterin Frohms (Wolfsburg) muss er verzichten. „Wir wollen zu Olympia“, nennt Hrubesch das Ziel und da müssen am Freitag (17.45 Uhr) in Sinsheim gegen Wales und am Dienstag,31. Oktober (20.00 Uhr) in Reykjavik gegen Island Siege her. Das Gros des Teams bilden die Wölfinnen, die dann hoffentlich wieder bissig sind.

Das Aufgebot: Tor: Berger (Chelsea), Johannes (Frankfurt), Mahmutovic (Duisburg). – Abwehr: Hegering, Hendrich, Rauch (alle Wolfsburg), Gwinn (Bayern), Doorsoun (Frankfurt), Linder (Hoffenheim), Nüsken (Chelsea). – Mittelfeld/Angriff: Brand, Huth, Lattwein, Oberdorf, Popp (alle Wolfsburg), Bühl, Dallmann, Magull, Schüller (alle Bayern), Anyomi, Freigang (beide Frankfurt), Däbritz (Lyon), Minge (Freiburg).

Die Gewinner und Verlierer der USA-Reise

Das Urteil ist deutlich: Nach Amtsantritt von Julian Nagelsmann stellte der kicker seinen Lesern die Frage, ob er die richtige Wahl als Bundestrainer wäre – nur 29 Prozent antworteten mit „Ja“. Nach der USA-Reise die gleiche Frage – und siehe da, jetzt antworteten 83 Prozent mit „Ja“. Bei Bayern München entlassen als zu unerfahren für den Top-Klub, jetzt der Triumphator bei der Nationalmannschaft. Julian Nagelsmann hat beste Werbung für sich gemacht und die Mannschaft zog bei seinen Ideen mit. Jamal Musiala urteilte: „Wir alle gehen mit einem guten Gefühlt nach Hause.“ Nagelsmann brachte die Leidenschaft zurück, ließ in wenigen Tagen die Tristesse von Hansi Flick verschwinden, doch alles konnte er in den Spielen gegen die USA (2:0) und Mexiko (2:2) nicht ausräumen, die Abwehrschwäche zum Beispiel blieb. Wer aber waren die Gewinner und Verlierer der USA-Reise?

Die Gewinner sind vor allem im System von Julian Nagelsmann zu suchen, der im 4-2-2-2 spielen ließ. Die Kandidaten in der Abwehr zeigten die bekannten Stärken und Schwächen, davor aber gab es die Gewinner, so zunächst das Duo Gündogan/Groß, das unterschiedlicher nicht sein könnte. Der neue Kapitän fand endlich seine richtige Rolle im Team und mutierte zu einem echten Anführer. Kapitän soll er bis zur EM 2024 in Deutschland bleiben, unabhängig davon wann Vorgänger Manuel Neuer wieder zur Verfügung steht. Daneben der Fast-Neuling, der plötzlich eine wichtige Rolle als Absicherung vor der Abwehr spielte, quasi die „Holding six“. Pascal Groß bezeichnete seinen Aufstieg als „Traum“, doch er lieferte, überzeugte mit 67 Prozent gewonnenen Zweikämpfen und einer Passquote von 88 Prozent. Verlierer sind Joshua Kimmich, der krank fehlte, und Leon Goretzka, der nur eine Nebenrolle spielte. Sie schienen im Mittelfeld gesetzt, jetzt suchen sie ihre Rolle. Kimmich sollte sie wieder als rechter Außenverteidiger spielen, dort fehlt die ideale Besetzung.

Davor tat sich Entscheidendes, denn mit der Abkehr vom Dreier-Mittelfeld und einem Mittelstürmer fand Nagelsmann den Platz für die beiden Jungspunde Florian Wirtz und Jamal Musiala, die im Mittelfeld wirbelten und mit dem quirrligen Leroy Sané und Tor-Garant Niclas Füllkrug den Angriff belebten. Wenn es keine Formschwäche oder Verletzungen gibt, scheint die Idealbesetzung gefunden. Da bleiben aus dem Aufgebot für Thomas Müller, Serge Gnabry, Julian Brandt, Jonas Hofmann oder Kai Havertz nur die Nebenrollen, sie alle gehören als Teilzeitarbeiter zu den Verlierern. Und hat Timo Werner noch eine Chance? Er passt eigentlich gar nicht rein.

Bleibt die Abwehr, wo vieles noch offen scheint, sogar die Torhüter-Position. Hält Nagelsmann wirklich an ter Stegen fest oder kehrt Manuel Neuer zurück? Da muss der Bayern-Keeper wohl wirklich überzeugende Leistungen bieten. Als Organisator und bestechende Figur der Abwehr hat er einen Vorteil. Die Rolle des Abwehrorganisators soll ansonsten Rückkehrer Mats Hummels spielen, er darf sich als Gewinner fühlen. Seine Position gestärkt hat sicherlich Antonio Rüdiger, während bei Jonathan Tah und Niklas Süle vor allem auf der Außenposition Licht und Schatten wechselten. Auffallend, dass Nagelsmann vor allem Süle als Mann der Zukunft sieht. Ob er da richtig liegt? Süle fällt immer wieder mit schweren Fehlern auf, kommt oft zu spät. Ein Verlierer könnte Nico Schlotterbeck werden, der in der Rangfolge zurück gerutscht ist, und keiner spricht von Matthias Ginter.

Bei den Außenverteidigern sucht der Bundestrainer rechts, Tah und Süle gelten als die abwehrstarke Variante, Kimmich könnte die Lücke füllen, aber auch der diesmal verletzte Benjamin Heinrich oder Lukas Klostermann. Beide kämen auch auf links in Frage, wo Robin Gosens gegenüber David Raum die Nase vorn hat, aber nicht voll überzeugen konnte. Hier sind die großen Schwächen der Mannschaft nicht ausgemerzt. Ein bisschen Arbeit muss ja für Julian Nagelsmann noch bleiben.

Die für die USA-Reise nominierten Neulinge konnten sich nicht in Szene setzen. Robert Andrich versauerte überhaupt an der Bank, weil Pascal Groß groß auftrumpfte. Chris Führich konnte sogar ein paar Minuten für sich werben, während Kevin Behrens sich vor allem freute, dass für ihn ein „Traum in Erfüllung ging“. Er staunte, „dass er noch nie auf dem Niveau trainiert habe“ und will sich bei Union Berlin weiterhin für die EM empfehlen. Die Neulinge machte alle deutlich, dass die Nationalmannschaft zumindest bei den Spielern wieder an Attraktivität gewonnen hat. Die Leistungen waren ja auch dazu angetan, Sympathien für dieses Team zu entwickeln. Ob die Wende weg von Langeweile und Frust wirklich geschafft ist, wird sich im November zeigen, wenn die Türkei am 18. November in Berlin und Österreich am 21. November als Gastgeber in Wien die letzten Gegner des Jahres sind. Experimente wird Nagelsmann kaum in Angriff nehmen, er spricht jetzt schon davon, dass sich der Stamm einspielen soll. Dies hatte auch Hansi Flick vor, doch er scheiterte auf dem Weg zur EM. Nagelsmann soll ihn jetzt weitergehen, Hoffnung, dass der Weg doch noch erfolgreich beschritten werden kann, keimt auf.

Nagelsmann und sein Team sorgen für gute Laune

Frischer Wind bei der Fußball-Nationalmannschaft! Mit dem neuen Bundestrainer Julian Nagelsmann kehrte auch das Lachen bei den Spielern zurück. Zusammen mit seinen Assistenten Benjamin Glück (37 Jahre alt und alter Kumpel von Nagelsmann) und Sandro Wagner (35, wenig Trainer-Erfahrung, erfolgreicher Torjäger) sorgte der 36-jährige Bundestrainer für gute Laune. Vor allem Sandro Wagner kommt mit seiner Lockerheit bei den Spielern gut an. Dabei ist „sein Team“ doppelt zu verstehen, denn für gute Laune sorgte auch die Mannschaft beim 3:1-Sieg gegen die USA. Auch auf dem Feld war alles anders, mit Schwung und viel Willen wurde die Aufgabe angegangen und so gab es ebenfalls gute Laune bei den Fans. Und wer bremst, nach dem Motto „wer ist schon die USA?“, dem sei gesagt, die USA ist Elfter der Weltrangliste und liegt vor Deutschland (15).

Auffällig war, dass die Lockerheit im Team frühzeitig bei der Vorbereitung zurückkehrte. Die Spieler schwärmten von Nagelsmann und seinen Assistenten, wobei der neue Bundestrainer auch im Umfeld für Veränderungen sorgte. Der eine oder andere Mitarbeiter aus dem Team von Vorgänger Hansi Flick ist nicht mehr dabei, die neuen Zeiten werden deutlich. Auch einige neue Spieler im Aufgebot sorgten für bessere Stimmung. „Wenn du das Leuchten in den Augen der Neulinge siehst, dann bekommst du auch gleich bessere Laune“, freute sich Kapitän Ilkay Gündogan. Als Chefs in der Kabine haben sich sofort wieder Thomas Müller und Mats Hummels bewährt.

Was vom ersten Auftritt vom „Team Nagelsmann“ zu erwarten ist, wollten auch die Fans in der Heimat in Deutschland sehen, der TV-Sender RTL verzeichnete mit 7,4 Millionen Zuschauern im Schnitt und über acht Millionen in der Spitze eine Rekord-Zuschauerzahl bei seinen bisherigen Übertragungen (10 Millionen sahen damals das Völler-Comeback in der ARD). Die Fans wurden nicht enttäuscht, zwar konnte auch der neue Trainer Unzulänglichkeiten in der Abwehr, vor allem bei schnellen Gegenstößen, nicht sofort ausmerzen, aber der Schwung war zu spüren und zu sehen, vor allem die Talente Jamal Musiala und Florian Wirtz agierten mit viel Spaß und Tempo. „Wir verstehen uns bestens und spielen gern zusammen“, machte Musiala deutlich. Dazu kam, dass sich Ilkay Gündogan endlich auch im Nationalteam als Führungsspieler zeigte und seiner Rolle voll gerecht wurde. Keine Rolle spielte so, dass Joshua Kimmich wegen einer Erkältung ausfiel (er reiste vorzeitig nach München zurück). Pascal Groß ersetzte ihn überraschend und könnte ihm den Platz an der Seite von Gündogan streitig machen. Groß sorgte nämlich für Sicherheit. Vorne zeigte Niclas Füllkrug, dass er der richtige Stürmer ist, Leroy Sané bewies seine gute Form. Die Tore durch Gündogan, Füllkrug und Musiala waren nach schönen Kombinationen sehenswert. Da merkte man nicht, dass mit dem Durchschnittsalter von 28,97 Jahren die älteste Mannschaft seit Start der Bundesliga begann. Alles gut also? Noch nicht ganz, aber ein Anfang ist gemacht.

Weiter geht es am Mittwoch (2.00 Uhr MESZ/ARD) in Philadelphia gegen Mexiko, das mit einem 2:0 über Ghana ebenfalls gute Form zeigte. Die deutsche Mannschaft wird dabei ein anderes Gesicht haben, weil Nagelsmann einige Spieler schonen wird. Vor allem die Dortmunder, die danach mit einem vom Verein gestellten Privatjet sofort nach Deutschland fliegen werden, weil bereits am Freitag das Bundesligaspiel gegen Bremen ansteht. Dafür darf sich sicherlich der eine oder andere Neuling zeigen und in der Abwehr stehen Experimente an, Talent Thiaw wird wohl getestet. Nur eines soll bleiben: Der Schwung und die gute Laune. Danach geht es am 18. November in Berlin gegen die Türkei weiter und am 21. November gibt es das letzte Testspiel des Jahres in Wien gegen Österreich.

Über die Teilnahme an der Europameisterschaft 2024 muss sich Deutschland als Gastgeber keine Gedanken machen, sechs Nationen haben am Wochenende aber bereits das Ticket gelöst, Frankreich, Belgien, Portugal, Spanien, Schottland und die Türkei sind dabei, 17 freie Plätze gibt es noch. Die Gruppenauslosung findet am 2. Dezember statt.

Warten auf Manuel Neuer

Am Wochenende geht es mit der Bundesliga weiter, die nächsten stressigen Wochen stehen bevor, denn unter der Woche sorgen die internationalen Wettbewerbe und der DFB-Pokal bei vielen Vereinen für eine zusätzliche Belastung. Schon bisher kommen viele Spieler an ihre Belastungsgrenzen und zahlreiche Verletzungsausfälle sind die Folge. Ein Akteur, der über Monate wegen Verletzung ausfiel, könnte am Wochenende in den Mittelpunkt rücken: Nationaltorhüter Manuel Neuer. Der 37-jährige wird sehnlichst zurück erwartet, obwohl ihn Yann Sommer und Sven Ulreich gut vertreten haben. Ärzte und Trainer gaben Neuer bereits grünes Licht, doch die letzte Entscheidung liegt beim Torhüter selbst. Entweder Samstag in Mainz, Dienstag in Istanbul oder dann Samstag gegen Darmstadt wird Neuer wohl im Tor stehen. Risiko will er sicher keines eingehen.Besondere Beachtung finden wird am Samstag zudem die Partie Wolfsburg – Leverkusen. Können die Kovac-Schützlinge den Tabellenführer stoppen?

Nur ein Verein hat die Länderspielpause zu einem Trainerwechsel genutzt, nämlich der FC Augsburg, der nicht einmal auf einem Abstiegsplatz steht. Aber Enrico Maaßen fehlten die Erfolge, in den letzten 19 Spielen gab es nur zwei Siege und die extrem schwache Leistung beim 1:2 gegen Darmstadt brachte das Fass zum Überlaufen. Der Nachfolger heißt Jess Thorup – und das darf als Überraschung gelten. Damit haben die Vereinsbosse sogar die Medien überrascht, denn gehandelt wurden Namen wie André Breitenreiter (ohne Verein), Stefan Kuntz (gilt aber eher als Favorit als nächster Frauen-Bundestrainer) oder zuletzt Peter Zeidler (St. Gallen). Es wurde aber der 53-jährige Däne, der bisher eher mit Meisterschaften denn mit Abstiegskampf zu tun hatte. Er wurde in Dänemark 2018 Meister mit dem FC Midtylland, 2022 mit FC Kopenhagen und holte 2013 mit Esbjerg den Pokal. 2015 erreichte er mit der U21 Dänemarks das EM-Halbfinale. Thorup gilt vor allem als Talente-Entwickler, so förderte er u. a. Jonas Wind (Wolfsburg), Yussuf Poulsen (Leipzig) und Pierre-Emil Höjbjerg (Tottenham, früher Bayern). Eine Aufgabe, die er in Augsburg in einem Team mit viel Talent, aber wenig Erfolg, weiter fortführen soll. Thorup, der Erfahrung auch im Europapokal sammeln konnte, geht die Aufgabe mit Begeisterung an: „Es ist eine große Freude für mich, in der Bundesliga zu arbeiten.“ Mit Maaßen setzte der FCA zunächst auf einen jungen Trainer, nun soll es Erfahrung richten.

Rekord bei den Frauen

Der Boom im Frauen-Fußball hört nicht auf. Jetzt meldete die Frauen-Bundesliga einen neuen Zuschauerrekord, der möglich wurde, weil gleich in drei großen Stadien gespielt wurde. Damit kamen zu den bis Sonntag fünf Spielen schon über 50.000 Zuschauer, die bisherige Bestleistung waren 43.667 am 18. Spieltag des Vorjahres. Den Vogel schoss Werder Bremen ab, das 21.000 Zuschauer im Weser-Stadion anlockte und mit einem 3:0 gegen Köln erfreute. Kein Tor fiel dagegen in der Allianz Arena, in die die Bayern-Frauen erstmals umzogen, aber damit kein Glück hatten. Zwar sorgten 19.000 Zuschauer für beste Stimmung, aber mit dem 0:0 gegen Frankfurt endete ausgerechnet in der Allianz Arena die Serie von 19 Heimsiegen in Folge. Damit wird nach zwei Unentschieden in vier Spielen der Rückstand auf den VfL Wolfsburg immer größer. Wolfsburg musste vor 10.000 Zuschauern in Leipzig zwar harten Widerstand brechen, siegte aber nach Toren von Pajor und Endemann mit 2:0. Am Sonntag (18.30 Uhr) werden jetzt die Münchnerinnen in Leipzig geprüft – wieder eine harte Nuss.

Wolfsburg und Frankfurt richten ihren Blick dagegen auf den Mittwoch mit den nächsten Spielen in der Qualifikation zur Champions League. Die Eintracht sollte nach dem 5:0 im Hinspiel bei Sparta Prag allerdings keine Probleme haben, Wolfsburg verspielte dagegen beim 3:3 beim FC Paris den möglichen Sieg und ist jetzt zu Hause gefordert.

Neuigkeiten gibt es auch von der Nationalmannschaft, da hat die einstige Torjägerin Birgit Prinz ihren Job als Teampsychologen hingeworfen. „Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft einen Neustart benötigt, um wieder zu alter Stärke zu finden“, erklärte Prinz ihre Entscheidung. Bei den nächsten Spielen am 27. Oktober in Sinsheim gegen Wales und vier Tage später in Island ist Interimstrainer Horst Hrubesch jetzt doppelt gefordert.